Gutes . Nöthig sind alle Dinge , Nutzlos nichts in dem Lebensringe . Denn aus einer nutzlosen Handlung Gehn tausend hervor in unendlicher Wandlung . Jed ' Ding ist ein Blatt von dem Riesenbaum , Ein nöthig Atom im Weltenraum . Der kleinste Gedanke , das winzigste Wort , Zeugt Millionen andre sofort . Täuschung ist Beides , Schmerz und Lust , Deß seid im Schmerze auch bewußt . Trinkt fühllos die Hefe , doch schmecket den Schaum . Denkt , Lust ist ein Traum , doch ein lieblicher Traum . Wie der Falke von des Jägers Hand In die Luft sich hebt Und entkappt froh jauchzend und gewandt Auf zum Himmel strebt - Doch , gehorsam jedem Wink sogleich , Wie er fortgesaust , Auch zurückkehrt in des Herrn Bereich Auf des Falkners Faust - So auch suchst Du nur , was fremd und fern O Germanengeist , In das Hohe und das Weite gern Es Dich vorwärts reißt . Doch die Heimath dann den Sohn aufs neu Dringend zu sich lädt : Dann erst spürst Du recht , wie Du ihr treu . Aber oft zu spät . Was ist des Lebens Tragödie ? Ich will es Euch verkünden : Das Leben ist eine Komödie Und Späße darin die Sünden . Doch in der Possenreißer Schaar Da wollt Heroen ihr sogar Mit tiefer Rührung finden . Der prosaische Philister Sucht Poesie in der Liebe : Enttäuscht , entnüchtert ist er , Wenn sentimentale Triebe Mit kühlem Rechnen nur belohnt Und die Göttin , die in seinem Herzen thront , Ihm bald versetzt - Pantoffelhiebe . » Priester des Ideals « nennt Ihr den Dichter , Philister , phrasen-seliges Gelichter ? » Pfaffe des Ideals « wär mir noch lieber ! Und wirklich giebt es immer solche Pfaffen , Die sich mit » Idealismus « Brod verschaffen , Von des hochseligen Herwegh Kaliber . Oder des dito Dingelstedt , Verächter Der Tyrannei als biederer » Nachtwächter « , Der aber später , wenn das » goldne Vließ « Von Grillparzer er gab , sich daran stieß , Daß ihm » das goldne Vließ « noch sei benommen , Da alle andern Orden er bekommen ! Das größte Geheimniß der wahren Kunst Beginnt sich erst dann zu enthüllen , Wenn der Mensch dem Künstler dienstbar wird Und kein andrer Zweck die Seele verwirrt Und nur die Musen mit liebender Gunst Die entgötterte Seele füllen . Hot , Pegasus ! die kümmerliche Weide Des Alltagslebens lasse hinter Dir ! Ob Du auf Streu nun lotterst oder Seide , Du sollst nicht lottern . In der Luft Revier Steig auf und selbst die höchsten Alpen meide Du nicht in Deinem Flug ! In Kraftbegier Zerbrich die Halfter , sei kein Droschkenschimmel ! Erzhufig Roß der Phantasie , gen Himmel ! Und voll entfaltend Deine prächtigen Flügel , Trag ' mich empor , auf Deinen Rücken springend ! Hui ! Schleudre von Dir bald Gebiß und Zügel , Durch Sonnengluth und Wetterwolken dringend ! Verzicht ' auf Dich , wer noch bedarf der Bügel ! Fort , Zaum ! Ins Allerheiligste Dich schwingend , Steig auf , Bellerophon ! Mag ' s droben blitzen ! Die Sonne blendet nicht , die sicher sitzen ! Dies Bildniß ist nicht zeitgemäß . Es wäre Moderner der Vergleich wohl mit Raketen , Zerplatzend , während sie im Aethermeere Aufsegelnd schon den Wolken-Kreis betreten . Oder mit Luft-Ballons , die man beschwere Mit tüchtigem Ballast nur , sonst gehn wir flöten . Pfeilschnell geht ' s in den stickstofflosen Aether . Die Stoffbeherrschung weicht , die Sinne später . Die Blase platzt und mit verrenkten Beinen Zur Muttererde purzeln wir . Noch neuer Und zeitgemäßer mag das Luftschiff scheinen . Dies » Hölzerne Pferd « , gleich Iliums Bedräuer , In dem sich Holz und Stahl und Dampf vereinen , Mit einem Schwanz von Kohlenrauch und Feuer . Fünftausend Pferdekraft hat sein Gestampf . Poeten lieben blauen Dunst , o Dampf . Nur Opium ist unsre Phantasie : Entzücken erst und herrliche Gesichte , Dann Mattigkeit und Angst . Die Poesie Hebt uns empor , doch bleierne Gewichte Ziehn uns zum Staub . Wir nähren in uns nie Das Göttliche und streben auf zum Lichte , Ohne ins Thierische uns zu verirren , Weil Ideal und Sinne sich verwirren . Den Geist der Alten hat die Welt verloren . Cäsar wird als Napoleon geboren . Wo Cincinnat ? Nur Washington und Pitt Noch widerhallen den Heroenschritt . O bei den Heiligen von Marathon Schlief gern auch ich , der spätgeborne Sohn ! Zerschmettert sind des Parthenon Gebilde , Athene schwingt nicht mehr den goldnen Speer . Doch ob das Gold verblich auf ihrem Schilde , Noch rollt , vom Golde ihrer Weisheit schwer , Durch der Geschichte sagenhaft Gefilde Die alte Musenquelle zu uns her . O Salamis , wo in der Meeresgrotte Zugleich Euripides zur Welt gebracht , Als Aeschylos durchbrach der Perser Rotte , Der seine Stoffe suchte in der Schlacht ! Als Pindars Hymne , der beseelt vom Gotte , Weil ihn Corinna ' s Weihekuß entfacht , Dem Munde eines Sophokles entstieg , Das Tropaion umtanzend nach dem Sieg ! O könnt ' ich in ein einzig Wort ergießen Doch meinen ganzen Haß und wär ' s ein Blitz ! Er sollte mir vernichtend niederschießen , Sei nun sein Strahl Begeistrung oder Witz . Wenn fest sich auch des Wahnes Pforten schließen Und unerschüttert der Tyrannen Sitz , Der Donner rollt , da hilft kein Blitzableiter Des Vorurtheils - die Flamme lodert weiter . O könnte doch mein Ekel und mein Zorn Ausbersten , wie ein Aetna-Feuerfluß , Wenn gleich sich aus der Galle bitterm Born Die Lavaschlacke damit mischen muß ! Aus meinen Wunden zög ' ich jeden Dorn Und spitzte ihn als Liederpfeil ! Zum Schluß In meines Grimmes Acheron mich taucht ' ich Und , so gefeit , kein weitres Rüstzeug braucht ' ich ! Ha , diese giftgetränkten Liederpfeile Nach Kronen schöß ' ich sie und Pfaffenglatzen ! Ich schleuderte sie mit des Blitzes Eile ! Ich peitschte sie auf freche Schergenfratzen ! Wie Feuerruthen ! hiebe sie als Beile In manch geheiligt Bollwerk , würd ' die Tatzen Der herrschenden Gewalt damit beschneiden , Seciren in des Staates Eingeweiden ! Ich schwänge sie als zischend Henkereisen , Auf Höflingsstirnen Brandmale zu drücken ! Bald nahte ich mit Tritten , schleichend-leisen , Und höhnte ihre Willkür hinterm Rücken ! Bald würde ich als Löwe mich erweisen Und brüllen , bis sich die Pagoden bücken , Der Sündfluth Herold ! Ach , Phantome nur ! Denn wir besitzen eine Preßcensur . » Nur dreißig Jahre Preßfreiheit « erklärte Für nöthig man , den Klerus zu besiegen . Ich wollt ' , daß man uns nur ein Jahr gewährte . Nicht , weil wir zweifeln dennoch zu erliegen , ( Denn stets das Kreuz Aposteln man bescheerte ) Nein , nur uns zu persönlichem Vergnügen , Um unsern Abscheu völlig auszuschrei ' n Mit Worten , dauernder als Erz und Stein . Ja wahrlich , Steine möchte man empören , Doch besser ist ' s , die Steine aufzuheben , Damit ' s die gähnenden Tyrannen hören , Die der Lectüre wenig sich ergeben . Doch wenn die Fenster klirren , wollt ' ich schwören , Daß ihre Taubheit man curirt fürs Leben ! Nach Plötzensee schickt man die lästige Wahrheit , Doch nur Kanonen bringen hier uns Klarheit . » Verirrter Jüngling ! Dynamit-Sprengler ! « rief Feichseler . » Aber man sieht doch wo und wie ! Und dazu ist dieser Buchsbaum ein sehr bescheidener Mensch , der nicht an Größenwahn leidet wie die Andern . « Hier schnitten Lämmerschreyer und Luckner , die den Jüngling kannten , freilich eine sonderbare Grimasse . Aber Feichseler bot sofort einen Beweis , vor dem alles verstummen mußte : » Drei Mal hat er mich schon besucht , um , wie er sagte , von dem Rathe eines älteren Meisters , dem er über alles vertraue , zu profitiren . « Lämmerschreyer lächelte heimlich . Wie oft hatte er mit Buchsbaum über den » lächerlichen stelzbeinigen kleinen dünnen Kahlkopf « gelacht - » klein und schmächtig « galt bei diesen Kraftbengeln als ästhetische Verurtheilung , da sie wie die Chinesen die Mandarinenweisheit am Leibesumfang maßen . Feichseler verlas dann noch einen begeisterten Brief Buchsbaum ' s an ihn , welcher » Hochverehrtester Meister « anhob und » Ihr ganz gehorsamster « endete . Hier flocht Gotthold Ephraim Wurmb die Bemerkung ein , daß er eigentlich Buchsbaum entdeckt und in letzter Zeit vielen Gedichten desselben die Spalten seines alleinseligmachenden Blattes geöffnet habe . Am schärfsten klopfte man auf Mokamaute los , weil dessen dämonisch-krankhafte Individualität durch ihre , wenn auch ungesunde , Wahrhaftigkeit die conventionellen Phrasendrescher abstieß . Doch auch Krastinik sprach seine besondere Antipathie gegen diesen Dilettanten aus . » Sein Leid ist so unnennbar groß und er versichert Jedermann , daß seine Seele nun völlig in der Lüste ekelm Schlund verdorben sei . Aber mit hartnäckiger Rüstigkeit bestellt er den Weinberg der Poesie weiter und setzt seine Leiden in edler Druckerschwärze wie eine vollgeladene Weltschmerzpistole der verachteten Welt auf die Brust . Dieser Kultus der Stimmungslyrik , diese Scheinpoesie , die naturgemäß zur Spielerei und Duselei verlockt , saugt ihm das letzte Mark aus den Knochen . In diesen Beiträgen ist er ja noch gar nicht in seinem esse . Man muß ihn in ätherischen Sphärenräumen herumfuchteln hören . Da löst er zuguterletzt alles in Wortmusik auf , als begnadeter Stimmungsfritze im Vollgefühl des einzig wahren Schöpfermysteriums . Sternenthau und Veilchenblau zu einem weinerlichen Reim verknüpfen - das eigene Persönchen , das weltverachtend nach Weltlust lechzt , selbstverleugnend dem All vermählen , um desto brünstiger die Befriedigung unersättlicher Ichsucht zu genießen - das ist so der richtige Lyriker von Gottes Gnaden ! « Diese herben Worte , welche der männliche Sinn des Ungars ihm entpreßte , gingen besonders dem Herausgeber Lämmerschreyer wie Oel ein . Seine stumpfe griechische Nase blähte sich , als genösse sie einen fetten Bratengeruch , und sein Schlangenäuglein blinzelte tückisch . Nun kam Krastinik selbst an die Reihe . Graf Xaver Krastinik . Lebensritte . Dem Thoren scheint Thorheit , was der Weise spricht , Der Dinge Innerliches versteht er nicht . Was sind die Außenformen ? Ein Wirbel von Monaden . Der Geist in seiner Klause nur webt den rothen Faden , Der regelrecht sich hinzieht durchs Wirrsal der Erscheinungen . Doch blind ist Eure Wahrheit und Eure Fakta : Meinungen . Zu jedem Laster , sei es noch so arg , Liegt in Dir selbst der Keim , o Pharisäer ! Drum sei mit Deinem Tadel lieber karg ! O säh ' Dein eigenes Innere ein Späher ! Alles ist ein Wunder in der weiten Welt , Räthsel Dich umgeben , wohin Dein Auge fällt . » Ueber nichts Dich wundern « rieth ein Weiser zwar . Aber wer ' s befolgte , nie ein Weiser war . Alles will ich gern ertragen , Gern des Elends Fülle kosten . Eins nur mag ich nimmer wagen : Thatlos langsam zu verrosten . Doch wer mit der Welt der Kleinen Sich entwürdigend verschwistert , Muß sich ewig ihr vereinen , In ihr Stammbuch einregistert . Der Teufel hole das Nörgeln und Zaudern , Das Zupfen an jedem Eselsohr ! Kleckse machst Du über dem Plaudern ! Schmiere frisch darauf los , Du Thor ! Es gleicht der Leidenschaften Weg Dem Niedergang vom Bergessteg . Gleitet aus ein falscher Schritt , Reißt uns alle der Absturz mit . Was Optimist , was Pessimist ! O Don Quixot-Gerede ! O Fechten um des Kaisers Bart ! Windmühlenflügel-Fehde ! Die Welt lacht sich ins Fäustchen nur , Wenn Idealisten sich zanken , Und klatscht sich mästend Beifall gar Dem hungernden Gedanken . Und ist Euch nichts geblieben mehr , So gebt den letzten Thaler her Und kauft ein Stückchen Blei ! Ein leichter Druck , es ist nicht schwer , Und alles ist vorbei ! Euch betäuben , dumme Jungen , Vor dem großen Weltenweh Durch ein liederlich Juchhe , Bis Ihr gleich der Welt marode ? Endlich sind doch aus der Mode Solche Trug-Entschuldigungen . Wolle nicht wider die Sünde kämpfen , Das wird nie Deine Begierden dämpfen . Ihr zu trotzen will nicht taugen , Sonst verzaubern Dich ihre Augen . Aber wende ihr stracks den Rücken . So wird Dir die Rettung glücken . Freude entflieht mit dem Wind in die Wette , Sorge hängt zähe wie eine Klette . Oft schreiben wir der geistigen Arbeit zu , Was andrer Kraftvergeudung wir verdanken . Sei nimmer müßig , immer mäßig Du ! Ich glaube nicht an solche Arbeitskranken ! Dir selber nur , Dir kannst Du nicht entrinnen . Die Ketten der Gedanken schleppst Du mit . Den Abgrund , der sich öffnete tiefinnen , Mit leichtem Fuß noch Keiner überschritt . Ein Opfer braucht er , wenn er einmal klaffte . Komm , Curtius ! Im Tod er erst sich schließt ! Ach , seinem Ich nur Der sich je entraffte , Wer selbstlos mit den Anderen genießt . Ach , brauchte man nach jeder Fête Als Soda doch ein Schlückchen Lethe ! Den Kummer der Vergangenheit Kann ein Gedanke mindern , Der uns von Reue nicht befreit , Doch wohl sie weiß zu lindern . Was Du auch thatest , gut und schlecht , Das hat geformt Dein Wesen . Und jedes Wesen hat sein Recht . Sei , was Du Dir erlesen ! Kein Epigramm Dich weiht So beißender Satire , Als Deinen » guten Freunden « ihre Erinnerung verleiht . O Unglücksmutter Unersättlichkeit ! Wer ist denn reich ? Wer seines Theils sich freut Und hartes Brot wie Trüffeln wiederkäut . Und statt der tausend Weiber , die ihn locken , Sich nur begnügt mit einem Liebesbrocken . Enthaltsamkeit - das ist Zufriedenheit . Trübe Stimmung wird bemeistert , Wenn man ihren Grund durchdacht . Blitz zuckt auf aus Nebelnacht , Gram zum Schaffen Dich begeistert . Wir bringen vom Meer der Vergangenheit Nur billige Waare für künftige Zeit . Die ganze Fracht der Meerbefahrung Ist unverkäuflich : die Erfahrung . Mutter Natur , mir hast Du Dich entschleiert Und jedes Würmchen ist mir lieb und traut . Der jungen Pflanzen Triebe , stets erneuert , Mein Auge freudetrunken schaut . Die Schöpfung liebe ich wie eine Braut . Denn Du verliehst ja Wolken , Wellen , Winde Als Brüder , o Natur , mir Deinem Kinde . Gewohnheit ist die Sünde wie die Tugend . Vorm Keim des Lasters wahre Deine Jugend ! Umsonst sucht ' s dann die Mannheit auszurotten . Die starken Wurzeln Deines Wollens spotten ! Dieser Grundsatz möge stützen Deinen Wandel bis ans Grab : Wisse Deine Zeit zu nützen , Gieb Dich nicht mit Skrupeln ab ! Denn vergeudest Du Sekunden , Werden leicht Minuten draus . Jahre werden so aus Stunden . Und Du wirst - ein altes Haus . Zweifel , Reue , das sind Ketten . Taste nicht nach gutem Rath ! Arbeit kann Verzweiflung retten Und Befreiung ist die That . Der Bach war unzufrieden Mit seiner Kleinheit . Und rief den Regen . Und trat mit unruhvollem Sieden Aus seinem Bett . Doch war ihm das kein Segen . Denn er verlor darüber seine Reinheit . Nun floß er durch Einöden , war voll Schlamm . Mit Wehmuth drum gedachte er der Bäume Und Blumen , die einst seine Ufersäume Geschmückt . Was schwoll ihm auch so hoch der Kamm ? Die rothe Sonne funkelt Pfeilscharf durch schwarze Rüstern Und überm See es dunkelt , Die Wogen flüstern . Ich bin gesund und munter . Doch in der Sehnsucht Wogen Geh ' ich urplötzlich unter , Hinabgezogen . Mehr Geistiges zu geben Dem Menschen Gott vergönnte , Als für das Erdenleben Er brauchen könnte . Ja , dieser Schmerz , uns nahend , Wenn die Natur uns offen , Ist ein Beweis , bejahend , Was wir erhoffen . Am Apfelfall fand Newton , heißt es , Das Gravitationsgesetz . Was sollten wir nicht finden jetzt Im kleinsten Fall Gesetze des Geistes ? Und sätest nie den wilden Hafer Du Und opfertest den Sinnen keck , Warst nie ein Lidrian und Geck , So traue ich Dir auch nichts Großes zu . Ich soll mich der Wahrheit schämen , Hör ' ich den Michel toben ? Ich werde mich dann erst grämen , Wollt Ihr mich loben . Ich wußte , Liebe scharfe Pfeile wetzt , Doch daß der Pfeil vergiftet , spür ' ich jetzt . Und wenn sich selbst herunterdrücken Die Kaiser zum Steigbügelhalter , Des Papstes weltlichem Verwalter , Tritt Dante auf der Päpste Rücken . Der Arzt , der zu studiren beginnt , Keinem Leiden selber entrinnt , Hält mit seiner Wissenschaft Schritt , Macht jede Erscheinung der Krankheit mit . Nur was wir im innersten Wesen erkennen , Wissen wir auch beim Namen zu nennen . Drei Menschengattungen giebt ' s in der Welt . Zuerst die sinnlich stumpfen Massen , Die nichts verehren als Genuß und Geld Und das Gefühl wie den Gedanken hassen . Doch dann der Edleren geringe Zahl , Zu zart durch Denken und Gefühle , Sie gehen unter , höhnisch und brutal Zerstampft und übersehn im Weltgewühle . Denn sie sind Silber und das Silber sinkt Im seichten Strom des Tages . Doch inzwischen Die falsche Alphenide prahlt und blinkt . Dem Silber laßt uns Eisen mischen ! Nein , fliehet nicht den rauhen Lebenskrieg , Kämpft mit für der Verkannten Sache ! Ein jeder Genius im Glück und Sieg Uebt für Myriaden Unterdrückter Rache . » Fort Ihr ! Vergangenheit , weich ' Du zur Linken ! Und Du zur Rechten , Zukunft ! « stolz ich rief Und stürmte auf und nieder bis zum Sinken . Nur dieser Worte Kreis mein Hirn durchlief . Und als ich seufzend meine Uhr dann fragte , Sah ich , daß von der schönen Gegenwart Ich einer Stunde Blüthe mir zernagte Mit löblichen Entschlüssen solcher Art. Die Harmonie von Leib und Seele - Halb Sportsman , halb Gelehrter sein - Das ist ein Humbug . Eines wähle , Sonst wirst Du keines von den Zwei ' n. Seit mir die Liebe schien ins Herz gleich wie Aurora , Beklage ich nicht mehr , wie sehr mein Loos zerüttet . Was immer bergen mag die Büchse der Pandora , Hoffnung und Liebe jetzt mit Blumen mich beschüttet . Ich weiß , daß jedem Ding spät oder früh bescheeret Ein Himmel der Natur , des Ueberird ' schen Gleichniß : Geliebt zu werden von der Frau , die er verehret , Ist jedem Mannessein das krönende Ereigniß . Zum Himmel ich erhob die abendmüde Seele , Schon öffnete er mir sein leuchtend Sternenzelt . In goldnem Nimbus da , göttlich und ohne Fehle , Im Halbmond mir erschien die Königin der Welt . Es singen um sie her die Sphärenharmonien : » Ave , Maria stella ! Heil , Herrscherin der Fluthen ! « Seltsame Horden auch von Geistern sie umziehn , Die machtvoll in dem Schooß der großen Wasser ruhten . Sie boten Schätze dar , die dort im Abgrund schliefen , Schätze , die kaum geträumt der prächtige Aladin , Schätze , die aufgespürt zur Hülfe dem Merlin Die Artusritter nicht aus den verborgnen Tiefen . Die Jungfrau sie empfing mit Huld all ' diese Gaben , Indem die Wimpern sie auf schwarze Augen senkte . Doch Er , den ihrem Schooß mystische Liebe schenkte , Oeffnete groß den Blick , sich an dem Glanz zu laben . Indessen zitterte der Ocean empor Aus seiner Tiefe , da die Herrin ihm erschien . Und Deines Halbmonds Rand umfloß der Wogen Chor , O Jungfrau , liebevoll Dir murmelnd Melodien . Ja , jeder Silberschaum , ja alle Azurwogen Des flüss ' gen Elements zu Dir empor sich bäumen , Von Deinem holden Leib ward himmelan gezogen Dies Meer voll Hoffnungen und gläub ' gen Liebesträumen . » O Ewig-Weibliches ! « Die Sphärenchöre sangen , Prinzipien des Seins , die aus dem Meere stammen . » O Ewig-Weibliches ! « O wolle Du empfangen Die Bitten hier von Luft und Erde , Fluth und Flammen ! O Unsre Liebe Frau , daß uns Dein Schutz behüte ! Kein Wesen ohne Dich gedeiht auf keine Weise . Denn unsre Kraft bedarf all Deiner Frauengüte , Zu einem Großen sie verknüpft verschiedne Kreise . Durch Dich nur leben wir und blühn , Du unbeschreibliches Geheimniß jedes Glücks , das sie ins Herze wob . O Gattin , Schwester Du , o Mutter ! Ewig Weibliches ! Nur Dir , nur Dir allein sei Ehre , Preis und Lob ! » Ah , bravo , bravo , lieber Graf ! « rief Dondershausen . » Hier sieht man den gereiften Mann , welcher das Leben kennt ! « » Daß ein Mann wie Sie sich unter diese vorlauten Musenknaben und Maultitanen mischt ! « flötete Adolf der Schöne . » Nun , ehrlich gestanden , « Krastinik zuckte die Achseln , » mein Alter in Ehren ! Daß meine Gedichte darum besser wären als die der Andern , kann ich nicht finden . Unreife - ja , die erkennt man wohl dort überall , aber auch echte Leidenschaft und mächtiges Wollen ! « Die vornehmen Kritiker und die feinsinnigen Eklektiker zuckten unisono die Achseln . Dann las man : Helmold Heinrichs . Erotik am Vesuv . Von Capris Kuppen rinnen nieder hier Die Bäche , roth beglüht vom Morgenschein , Als rinne schier ein Meer von Malvasier Zur blauen Grotte selbst ins Meer hinein . Und der Vesuv steigt weißlich aus der Flut , Gekrönt von Wolken . Wie ein Zuckerhut . Oder ein Beutel , oben dichtgeschnürt . Bald scheint ' s , ein Hütlein habe sich aufs Haupt Der Berg gesetzt . Bald scheint , vom Wind umschnaubt , Ein bleiches Segel an dem Felsenmast Stets auf- und abgezogen ohne Rast , Sobald ein Luftzug dort den Dunst berührt . Und hier im Angesicht - so malt ' s kein Pinsel - Des Flammenberges , des zerstörungsfrohen , Stürz ' ich mich in der Liebe Flammenlohen Und schwelg ' in Deinen Armen , Kind der Insel . » Ach , das ist mein Lieblingsdichter ! « schmachtete Herr von Lämmerschreyer . » Welche Gluth des Colorits ! « » Auch ein bescheidener Mensch ! « Wurmb wiegte anerkennend sein Denkerhaupt . » Er schreibt mir jede Woche zwei Postkarten aus Casamicciola . « » Mir ja auch ! « rief Feichseler . » Und mir auch ! « » Mir auch ! « Es ergab sich , daß dieser bedeutende Sänger an jeden Anwesenden gleichlautende Freundschaftsbriefe wohl immer zu gleicher Stunde absende . Ein Netz von Massencorrespondenz über das ganze litterarische Deutschland hin ! Weniger ergiebig schien freilich seine produktive Ader . Denn er leistete jeden Monat ein Gedicht und erklärte , daß der wahre Dichter nicht arbeiten dürfe . Er müsse sich langsam vorbereiten , die Welt im Kopfe tragend , und alles ruhig reifen lassen . Nur der sei ein wahrer Dichterheld , wer möglichst das Tintenfaß meide . » Nicht so ewig drauflosschmieren , als könnte man nicht eilig genug unsterblich werden , wie dieser Leonhart ! « eiferte der glatte Erich bei dieser gelegentlichen Feststellung der Heinrichs ' schen Prinzipien , worauf ein allgemeines » Sehr wahr ! « erscholl . Nur Krastinik runzelte leicht die Stirn und bemerkte ruhig : » Kennen Sie Leonhart so genau ? Ich glaube gar nicht , daß er des Ruhmes wegen so viel producirt , sondern bloß aus innerem Muß , um seine Naturanlage auszuleben . Ihm ist das Schaffen , wie uns Anderen das Athmen und Verdauen . Uebrigens , was den Dichter Heinrichs anbelangt , so habe ich von intimen Freunden desselben Schauderdinge gehört und soll derselbe ein ganz gemeiner Schmutzian sein , der ja auch seine Sachen gar nicht selber schreibe . Doch lassen wir das ! Jedenfalls ist er ein sehr mittelmäßiges Talentchen und schon seiner Photographie nach , die ich bei Ihnen , lieber Herr Holbach , sah , ein tolpatschiger Schleicher mit seinem Cylinder und seinem Bewußtsein des schönen Mannes . « Holbach , der sich bisher passiv verhielt , vertheidigte jetzt Heinrichs in seiner bekannten Manier aus Sheridan ' s » Lästerschule « , wo grade beim Vertheidigen tropfenweis Bosheiten nachsickern . Feichseler brannte jedoch vor Begier , zum Schluß der Anthologie zu kommen , und den schließenden Autor , last not least , durchzuhecheln . Friedrich Leonhart . Robespierre . Brav , schöner Brissot , mache nur Madam Roland den Hof . Wohlwollend lächelt der Patriach , Ihr Mann der Philosoph . Wieviel poetisch Phrasengedresch , Wieviel Genialität ! Doch heiser kichert ' s aus einem Eck , Wo ein gelbes Männchen steht . Da schrie der stramme Maultitan Danton , wie immer benebelt : » Du Lederfratz , ist Dir das Maul Denn immer zugeknebelt ? « Der hat noch nie Bonmots gemacht , Der kneift nicht in die Backen Den Bürgerinnen , hat auch nicht Stierhals und Löwennacken . Er ist ein schlichtbescheidener Mann Und mit verliebter Miene Denkt er sich grade Danton ' s Kopf Als Zierde der Guillotine . Achill an der Leiche des Patroklus . ( Byron und Trelawny verbrennen Shelley ' s Leiche . ) Zum öden weißen Dünenstrand Von blauen Bergesketten Ziehn Pinienwälder schwarz herab , Die sich im Golfe betten . Zwei Männer bei einer Leiche stehn Am Mittelmeere einsam , Einen Scheiterhaufen entzünden sie Als Todtenwächter gemeinsam . » Den Freunden sein sterblicher Ueberrest Und Albion sein Gedächtniß ! Trage Du fort die Erinnerung , Meer , Und sein Lied als letztes Vermächtniß ! Für uns letzte Feueranbeter zumal Der Scheiterhaufen hier lodert . « Das Feuerzeichen steigt drohend empor , Als ob es Rache fodert . Wie ein Riesenarm mit geballter Faust ! Doch dann sich verdünnend bleicht es . In goldiger Säule senkrecht auf Bis zu den Wolken reicht es . Abscheidend vom Unsterblichen Die sterblichen Erdenatome ! Symbol der Psyche , darüber schwebt Ein Vogel im Aetherdome . Wie ein Phönix aus den Flammen hier Scheint er emporzusteigen Und tummelt sich zwischen Himmel und Meer In glückbeseligtem Reigen . Durchrieselt von erhabenem Graun , Ruft Byron , reckend die Rechte : » Hier als Brandopfer werfe ich ab Alles Feige und Schlechte . Wie Harmodius als Tyrsus schwing ich mein Schwert , Von bräutlichen Myrthen umwunden Ich bringe der Freiheit als Rosenstrauß Spartanische Ehrenwunden . Wie mein Ahne Ralph mit dem langen Bart Zieh ich an Deckbord des Drachen . Die Harfe zerschmettert , die Streitaxt hoch ! Durch aller Donner Krachen ! Mein Ahn hieß der Schlechtwetter-Johann , Ihm hab ' ich mich verglichen , Bin oft gescheitert auf festem Land , Hab ' nie die Flagge gestrichen . « Auf schwarzen Mitternachtfluthen schwimmt Ein schwarzer Orlog . Am Sterne Beim Vordersteven ein schwarz Panier . Ein Sarg scheint ' s in der Ferne . Stumm ist die Aeolsharfe nun , Die im Schicksalssturme erschollen , Bis im Schlußakkord des Todes sie borst , Der Titanenseufzer entquollen . Er ist jetzt eins mit der Lieblichkeit Der Natur , die er lieblicher machte , Mit dem allbelebenden Schöpferhauch , Der in ihm die Flamme entfachte . Durch die dumpfen chaotischen Massen des Alls Schwebt er dahin für immer , Auferstanden in neuer Gestalt In ewigem Jugendschimmer . Mater Dolorosa von Sedan . Viel tausend Granaten rechts und links Durchfurchen Feld und Heer . Doch ragt , von Trümmern umschleudeet rings , Der Altar blumenschwer . Noch lächelt die Jungfrau dort herab , Von steinerner Nische gedeckt . Zu ihren Füßen wühlt sein Grab , Wer fallend niedergestreckt . Ave Maria ! Die Stunde dies , Wo die Glocke zur Messe ruft , Wo wie ein Gruß zum Paradies Aufwirbelt des Weihrauchs Duft . Hier aber Dampf nur überall , Die Erde bebt im Krampf , Auffliegender Pulverkarren Knall Und Kampf und Rossegestampf . Am Kreuz noch immer die Erde hängt Und ewige Wehn der Geburt Durchzittern den Leib , den ewig umfängt Des Todes eherner Gurt . Dort schlendert ein bleicher Schemen durchs Feld : Des Kaiserreichs Gespenst ! Nun zähle die Leichen , Lügenheld , Ob Du Dein Werk erkennst ? » Es lebe der Kaiser ! « - Still , Du Narr ! Der Austerlitzsonne Glanz Geht blutig unter , doch leichenstarr Rast weiter im Todtentanz ! Spielt auf , Trompeten , zum letzten Marsch ! Noch ein Idol bleibt ganz ! » Merde ! « knirschte die alte Garde barsch Und wir » La France , la France ! « Zufall . In einer Schenke im Tiberthal Trafen zwo Reiter sich einmal . Der eine Dandy , der andre Roué , Doch Beide Patrizier vom Wirbel zur Zeh ' . Sie beplauderten überm Wein Die letzten pikanten Klatscherein . Den großen Clodius Pulcher-Skandal , Der als Weib verkleidet im Frauensaal Bei den Saturnalien Unfug versucht . Terentias falsche Haare . Luculls Fischbehälter und Seidenwurmzucht . Auch wie ein gewisser Sallust den Puls Der Zeit befühle und sich bereit Halte , zu sammeln die » Zeichen der Zeit « . Wie Crassus seine Volksküche und Sein Volkstheater ihm angepriesen Als Wichtigstes , doch der Autor mit Grund Ihn als bestes Zeichen der Zeit verwiesen An die Schulden des jungen Caesar , Zins Auf Zinseszins häufend , weil er die Provinz , Die er künftig bekommt , schon verpfändet . Und wie Sallust schon dem künftigen Opus verlieh Den Titel : » Catilina ' s Verschwörung « , Weil er prophezeie offne Empörung . » Beim letzten Fest hat mit Muränen Crassus gefüttert all seine Sclaven ! « Der Aeltre meint mit