der goldene Bart wächst , der Neffe der verwitweten Markgräfin Agnes : aber Österreich ist alt und aller Ehren und aller Freuden voll . Seine Männer ziehen in den Krieg in Schmuck und Zier , und reiten klar und sonder Umschweif in den Feind , daß er weicht , und die Rückkehr scheut , und sie ziehen auf die Jagd , und wieder an den Hof zu Sitten und Spielen . « » In unseren Landen ist auch ein altes Volk , das seine Sitten und seine Tapferkeit wahrt « , sagte Witiko . » Ja , ja « , entgegnete der Ritter vom Kürenberg . » Sage , Witiko , tragt ihr auch schon die glänzenden Harnische ? « » Einige tragen sie « , antwortete Witiko , » andere haben die biegsamen Waffenhemden , und viele haben Leder . Das Leder schützt besser , und ist leichter . Und der Schild ist das Schwert , welches ein Rad vor dem Leibe macht , und dem Zudringen der Waffen wehrt . « » Das wäre ein Zeug gegen die Ungarn « , sagte der Ritter . » Diese kämpfen nicht nach der Sitte . Und wenn wir noch so zierlich gegen sie reiten , so achten sie die Zier für nichts , sie fliehen , und fliehen um unseren Waffenbann herum , und senden Pfeile herzu , daß mancher Mann und manches Pferd verwundet oder getötet wird , indes wir sie nicht erreichen , und in unsern Helmfässern hungern können . Du würdest an sie kommen , wenn du ein Pferd dazu hast , würdest sie treffen , und ihre Pfriemen würden an deinem Elen oder Schelch , oder was es für ein Getier ist , hängen bleiben . « » Sie blieben hängen « , sagte Witiko . » Und wenn ihr nicht in dem Kriegsgewande geht « , sprach der Ritter , » so habt ihr weite Kittel , daß es eine Schande ist , und bindet sie mit einem Riemen oder Stricke zusammen , und die Männerzier , die Locken , schneidet ihr zu einem Strohdächlein herab , und auf der Haube habt ihr die gerade Feder wie einen Pfahl . « » Die gerade Feder ist der Trotz « , sagte Witiko , » und wenn ich meine Haube abtäte , so würdest du meine Locken sehen . « » Trägst du die Locken nach deutscher Art ? « fragte der Ritter . » Wie sie die jungen Männer in Böhmen und Mähren tragen , habe ich sie nicht « , antwortete Witiko , » weil ich aus andern Ländern kam ; aber unsere Ritter nähern sich schon eurer Kleidersitte ; obgleich ich sagen muß , daß , wenn der alte Bolemil oder Lubomir in das dunkle fließende Gewand gekleidet sind , und die reichen Gürtel tragen , es erhabener aussieht , als eure schimmernden Fähnlein . In dem Mittage des Landes haben sie enge Gewänder aus grober Wolle . Ich trage sie auch , wenn ich dort bin . « » Die werden wohl in diesen Gewändern nicht turnieren « , sagte der Ritter vom Kürenberge . » Diese turnieren gar nicht « , entgegnete Witiko , » wo sie mit ihren Keulen oder Hämmern oder Eisenstangen hinschlagen , gilt es gleich auf das Leben . « » Ich bin von den Bäumen , die in unserem Lande mit der unendlichen Obstblüte und der unendlichen Obstfrucht stehen , nicht zu euern Buchen und Tannen hinein gekommen « , sagte der Ritter , » und habe keinen Bären gesehen , der seinem Feinde die Haut abziehen , oder ihn erdrücken will . « » Wir werden in dem nächsten Kriege sehen , was der Bär vermag « , sagte Witiko , » wenn dann auch kein zierlicher Sänger von ihm singt . « » So muß ein unzierlicher singen , wenn sie unzierlich kämpfen « , sprach der Ritter . » Er singe , wie sie kämpfen « , sagte Witiko . » Lasse uns vorwärts zu Heinrich von Oftering reiten « , sagte der Ritter vom Kürenberge , » er wird sich freuen , daß du da bist . Heinrich und ich werden einmal einen Sang anheben von dem hörnernen Sifrid und von den Burgonden und von Island und von dem Könige Etzel und von Dietrich von Bern . Es möge nur nicht so werden , wie mit der schönen Frau in Passau , von der ich als Büblein die Farbe trug , und die ich nicht mochte han , was mir an meinem Herzen viel dicke weh getan . « » So hast du das Lied von Passau nicht vergessen ? « fragte Witiko . » Ich habe es von Passau nach Wien getragen « , antwortete der Ritter ; » aber ich achte jetzt mehr auf das Lied als auf die Frau . Witiko , reite recht oft zu mir in die Stadt Wien hinab , ich werde dir zeigen , was man tut und baut und singt , und werde dich zu Männern und Leuten führen . « » Ich werde kommen « , sagte Witiko . » Nun aber trachten wir zu dem hochgemuten Degen Heinrich von Oftering « , sprach der Ritter . » So tun wir es « , sagte Witiko . » Mit Vergunst , ihr Herren « , sprach der Ritter vom Kürenberge zu den Männern , die um Witiko waren , » gebt euerm Gaste Urlaub , wir reiten zu Heinrich von Oftering , der ihm ein Freund ist . « » Reitet zu ihm , und gehabt euch in der Frist wohl « , sagte Poto von Potenbrun . » Gehabt euch wohl « , sagte Witiko . Und sie setzten ihre Pferde in schnellere Bewegung , und waren bald bei Heinrich von Oftering . Witiko grüßte ihn , er grüßte Witiko , und Witiko ritt nun auf seinem grauen Pferde zwischen den zwei Männern mit den blauen Gewändern und den weißen Pferden , und sie begannen zu sprechen . Der Zug des Markgrafen ging nach mehrerer Zeit auf einem Wege in dem Walde nach abwärts . Er kam in ein enges Tal , in welchem ein Bach floß . Die Männer und Frauen ritten an dem Bache dahin . Dann kamen sie in ein weiteres Tal , ritten in demselben fort , bis die Bäume des Waldes zu Ende waren , und das Münster der neuen Burg vor ihnen stand . Sie ritten in das Münster , in dem Vorhofe stiegen sie von den Pferden , die Pferde wurden den Knechten zur Wahrung übergeben , Hartmann , der Abt , kam herzu , begrüßte die Mutter des Markgrafen , den Markgrafen und seine Gemahlin , und geleitete sie in die Kirche . Die Ritter , die Frauen und Jungfrauen folgten . Der Markgraf und die Markgräfinnen wurden zu einem geschmückten Platze geführt , die andern nahmen ihre Plätze ein , das Volk sammelte sich in dem hinteren Teile der Kirche , und es wurde ein feierlicher Gottesdienst gehalten . Nach dem Gottesdienste gingen die Gäste in den großen Saal , es wurde Wein und es wurden Speisen gereicht , und verschiedene Gespräche wurden geführt . Dann bestiegen die , welche von dem Kahlenberge gekommen waren , ihre Pferde , und ritten wieder auf den Berg zurück . Dort wurden die Pferde in die Ställe gebracht , und die Reiter und Reiterinnen gingen in die Gemächer der Burg . Am Mittage wurde in dem Saale ein Mahl abgehalten . Nach dem Mahle waren Gespräche , und es war Lustwandeln in dem Walde . Gegen den Abend ritten die , welche aus der Stadt gekommen waren , wieder in die Stadt zurück , und Männer der Burg , unter denen auch Witiko war , geleiteten sie über die Höhe des Waldes hinab . Dann ritten sie wieder in die Burg zurück . In den Tagen , die nun kamen , schloß Witiko Genossenschaft mit den Männern der Burg , und lernte die Frauen und Jungfrauen kennen , und diente ihnen nach der Sitte , wie er hier sah . Eines Tages ritt er mit Raimund in die Stadt Wien hinunter . Er ging zu dem Fiedler vom Kürenberge und mit ihm dann zu Heinrich von Oftering . Sie grüßten ihn , und wandelten dann mit ihm in der Stadt herum . Sie zeigten ihm den Bau des Markgrafen , an dem geschaffen wurde . Sie zeigten ihm die Kirchen , und dann Häuser , die schon von alten Zeiten her da standen , und solche , welche neu emporgerichtet wurden . In den Gassen und auf den größeren Plätzen sah Witiko Männer und Frauen , Herren und Knechte , Ritter und Reisige , Feiernde und Arbeitende , Jünglinge und Kinder teils herumstehen , teils wandeln , teils reiten , teils sogar fahren . Er sah Werkstätten der Waffen , der Stoffe , der Gewänder , und Stätten , wo Gold und Silber verwendet wurde , und kostbare Edelsteine in Fassung kamen . Er betrachtete die Hütten , in denen Dinge zum Verkaufe lagen , und betrachtete freie Gassenschenken , wo die Leute Wein , Bier , Met und Zugehöriges genossen , und ein Harfner zu Zeiten Weisen ertönen ließ . An einem Hause sang ein Mann Lieder von einem Gerüste herunter , und viele hörten ihm zu , und an einer andern Stelle tanzten auf Brettern zu der Fiedel bunte Männer und Frauen . Die wandernden Krämer schrieen ihre Waren aus , die sie trugen . Auch manchen fremden Mann und manche fremde Frau sah Witiko in der Tracht des Landes Ungarn oder der Länder Böhmen und Mähren oder des weiteren deutschen Reiches . An dem Saume der Stadt waren Gärten mit grünen Bäumen , mit Blumen , Gemüsen und Früchten , und mit Wegen zum Wandeln . Die jungen Ritter führten Witiko an diesem Tage auch zu Chunrad von Asparn , zu Werinhard von Brun , zu Udalrich von Marbach , zu Wolftrigil von Stein und zu Thiemo von der Aue . Dann aß und trank Witiko mit mehreren Rittern , und kehrte am Abende wieder auf den Kahlenberg zurück . Und so kam er nun öfter in die Stadt , und trachtete , sie immer mehr zu ergründen . Er ging auch zu älteren Herren und Rittern , und hielt mit den jüngeren Genossenschaft . Er lernte auch Frauen und Jungfrauen kennen , und wurde in manche Wohnungen geladen . Zu Zeiten ritten einige seiner neuen Freunde auf den Kahlenberg , und pflegten mit ihm ihrer Übungen . Einmal wurde ein Fest des Hofes angesagt , und Witiko dazu entboten . Man errichtete auf einem Anger außerhalb der Stadt vor den Häusern der Wollzeile viele Schranken . An den Schranken wurde ein Gerüste mit Sitzen und Söllern gezimmert , und noch andere Gerüste wurden herum errichtet . Über die Gerüste wurden kostbare Tücher gebreitet , und über die Söller seidene Dächer gespannt . An dem Tage des Festes saßen der Markgraf und die Markgräfin auf dem höchsten Söller unter dem seidenen Dache , und auf den andern Söllern und Sitzen saßen die Herren und Frauen des Hofes und die hohen Männer und Frauen des Landes , und Ritter und Ritterfrauen und Jungfrauen . Außerhalb der Schranken war viel Volk . Auf einem sehr schön gezierten Gerüste erhoben Ritter in prächtigen Gewändern ihre Stimme zum Gesange , und übten die Fiedel . Der Ritter vom Kürenberge und Heinrich von Oftering waren unter den Männern . Hierauf wurden die Preise in Gold und in Seide und in Kleinodien ausgeteilt . Dann ritten die Männer zum Turniere . Witiko ritt auf seinem grauen Pferde und einem schönen Sattel , dessen Schemel Goldränder hatten , in die Schranken . Er trug einen Ringpanzer , einen Helm mit goldenen Zierden und an dem Arme einen weißen Schild , darauf eine Waldrose war , die fünf Blätter und die dunkelrote Farbe hatte . Er erstritt sich den Preis einer Binde aus Goldstoff mit edlen Steinen . Die Markgräfin reichte ihm die Binde . Der Ritter vom Kürenberge , Heinrich von Oftering , Wolftrigil von Stein , Udalrich von Marbach , Werinhard von Brun , Chunrad von Asparn und Erchambert von Mosebach erhielten Preise . Thiemo von der Aue ritt auf einem weißen Pferde in die Schranken . Er hatte eine weiße und eine grüne und eine rote Feder auf dem Helme . Sein Harnisch glänzte silbern , die Beinschienen waren blau und der Schild gelb . Über den Harnisch trug er eine veilchenblaue Schärpe , welches die Farbe des Fräuleins von Hartheim war . Er legte drei Ritter in den Sand , erhielt einen kostbaren Preis , und ritt zu den jungen Männern zurück , bei denen er seinen Stand hatte . Das Volk erhob großen Jubel über die Spiele , Zinken und Pfeifen ertönten zu Zeiten , und helle Rufe stiegen empor , da der Markgraf , die Markgräfin und die Herren und Ritter und die Frauen und Jungfrauen in die Stadt zurückkehrten . Als dreiunddreißig Tage vergangen waren , als Witiko und seine Mutter über alles geredet hatten , was sie im Sinne und Gedanken trugen , und als sie sich geeint hatten , was in ihrem Eigentume noch geschehen solle , rüstete sich Witiko zur Fortreise . Er ging zur Markgräfin Agnes , den Abschiedsdank zu sagen . Sie sprach zu ihm : » Witiko , ziehe mit Gottes Gnade , und bleibe gut . Denke an uns , und denke auch an meinen Vater , und bete einmal für ihn . Er ist schön an Gestalt gewesen , sein Geist hat viele Gaben gehabt , von seinen Lippen sind demütige Worte gegangen , und er hat so Herbes erdulden müssen . « » Ich werde an Euch und an Euern Vater und an alle hier gedenken , und mein Gebet für sie zu Gott richten « , antwortete Witiko . Sie gab ihm ein leuchtendes Gewand und eine schöne Helmzier zum Geschenke . Dann verabschiedete er sich von seiner Mutter . Sie gab ihm ein Sammetbeutelchen mit so viel Gold , als sie vermochte . Er nahm es im Danke an . Dann verabschiedete er sich von den Herren und Frauen der Burg . Dann sagte er Lutgart , dem Mädchen seiner Mutter , einen Scheidegruß . Dann ordnete er seine Habe , übergab sie Säumern , und ritt mit Raimund in die Stadt Wien . Dort verabschiedete er sich von allen seinen neuen Genossen , und noch besonders von dem Ritter vom Kürenberge , von Heinrich von Oftering und von Werinhard von Brun . Dann ritt er mit Raimund aus der Stadt Wien über die lange Donaubrücke hinaus , und schlug den Weg nach dem oberen Plane ein . 3 Mit Waldschäften . Witiko ritt mit Raimund über die große Ebene , welche in Mitternacht der Stadt Wien an dem linken Ufer der Donau liegt . Er ritt einen Tag lang dem Wasser der Donau entgegen . Am Morgen des zweiten Tages ritt er über eine Anhöhe hinan , auf welcher dann das Waldland begann . Er ritt durch Gebiete der Herren von Chunring , durch die Stadt Horn , und übernachtete in einer Herberge des Waldes . Am dritten Tage ritt er über Hügel , durch Täler , an Büschen , Hütten und Gehöften vorüber , und kam darauf in den dichteren Wald , in dem größere und mächtigere Bäume standen . Am vierten Tage gelangte er in die krumme Au . Am fünften Tage ritt er an dem Turme Rownos vorüber , dann zwischen den Häusern von Horec hindurch , und kam am Mittage in dem oberen Plane an . Er ritt in den Hof des steinernen Hauses , und brachte dann mit der Hilfe Martins und Raimunds die Pferde in eine Ruhestelle , und begann die Pflege derselben . Hierauf ging er in die Stube , legte seine Lederhaube von sich , und setzte sich mit Martin an den großen Tisch . Lucia bereitete Speisen , und als sie fertig waren , verzehrten Witiko und Raimund dieselben . Nach dem Essen ging Witiko zu dem alten Pfarrer . Die Leute , welche ihm auf dem Wege begegneten , grüßten ihn , und auch aus Häusern kamen manche zum Gruße . Witiko sprach mit einem jeden . Bei dem alten Pfarrer blieb er eine Stunde . Dann ging er zu David , dem Zimmerer , und sagte zu ihm : » David , hast du trockenes Baumholz ? « » Sie sind in der Laube geschichtet , die wir vor drei Jahren nach dem Tage des heiligen Andreas geschlagen , und im Sommer behauen haben « , antwortete David , der Zimmerer . » Hast du Gehilfen , schnell einen Holzbau aufzurichten ? « frage Witiko wieder . » Ich habe Gehilfen , und kann überall Gehilfen bekommen « , antwortete David . » Bei uns liegen auch behauene und trockene Kernstämme « , sagte Witiko . » Ich werde die Laube in einen warmen Holzstall umwandeln lassen , und an einer andern Stelle eine neue Laube bauen . Ehe die Fröste des späten Herbstes kommen , muß die Sache fertig sein . « » Sie wird fertig sein « , sagte David , der Zimmerer . » So nimm Männer zu deiner Arbeit « , sprach Witiko , » und komme morgen in der ersten Frühe zu mir , daß wir die Maße des Platzes nehmen , und daß wir über das Werk sprechen . « » Ich werde vor dem Aufgange der Sonne bei dir sein « , sagte David . » Dann zimmere mir aber auch zugleich vier Truhen , welche geeignet sind , daß man Habschaften in ihnen aufbewahren kann « , sagte Witiko . » Ich werde in der Frist das Zimmern der Truhen beginnen , in der du mein Haus verlassen hast « , antwortete David . » So tue es « , sagte Witiko . » Ich werde in diesem Winter bei euch bleiben . « » Das wird schön sein « , antwortete David . Nach diesen Worten verließ Witiko das Haus Davids , und ging noch zu Peter Laurenz , dem Schmied , und zu Christ Severin und zu Veit Gregor und zu Tom Johannes , dem Fiedler , und zu Stephan und zu der Mutter Norberts . Dann ging er wieder in sein Haus . Dort sprach er mit Martin über die Dinge , welche in der Zeit seiner Abwesenheit in dem Hause geschehen waren , und ließ sich manches zeigen . Am Abende saß er mit mehreren Männern , die gekommen waren , auf der Gasse des Hauses , und als es Nacht geworden war , legte er sich in der Kammer auf sein Lager . Nach dem Anbruche des nächsten Tages zog er sein graues grobes Wollgewand und seine langen Stiefel an , und setzte seine dunkle Filzhaube auf das Haupt . Dann kam David , der Zimmerer . Er zeigte ihm die behauenen Stämme , die im Hause waren , sie maßen die Länge und Breite der Laube , und bestimmten , was geschehen müsse , daß daraus ein Stall werde . Dann ging David , der Zimmerer , wieder fort . Witiko bestellte nun drei Männer mit Saumrossen , und trug ihnen auf , daß sie am Mittage in Bereitschaft wären , in die krumme Au zu ziehen , dort seine Habe , welche Säumer aus Wien bringen würden , auf die Rosse zu laden , und sie nach Plan zu fördern . Raimund wurde beauftragt , mit den Männern zu reiten , und die Habe von den Säumern aus Wien zu übernehmen . Als dies geschehen war , ging Witiko auf den Kreuzberg , tat vor dem Kreuze ein kurzes Gebet , und blickte dann auf den Wald , in welchem der dunkle See lag , und hinter welchem das Haus Heinrichs von Jugelbach stand . Dann blickte er auf den Wald des heiligen Thomas . Nach dem Mittagessen kamen vier Männer mit einem Gehilfen Davids , des Zimmerers , und begannen die Arbeit an der Laube . Am Nachmittage ritt Witiko auf seinem grauen Pferde eine Wegstunde in der Richtung gegen den Thomaswald und wieder zurück . Am Abende kamen Stephan , der Wagenbauer , Peter Laurenz , der Schmied , Tom Johannes , der Fiedler , Christ Severin , der Wollweber , Zacharias , der Schenke , Roman , den sie den grünen Weber hießen , Tobias , Maz Albrecht , Urban und Mathias zu Witiko . David , der Zimmerer , sandte sein Weib , und ließ sagen , daß er Witiko nicht besuchen könne , weil er an den Truhen mit seinen Knechten arbeite , so lange ein Tagesschein ist . Witiko ließ durch Martin und Lucia Holzschragen aus dem Hause auf die Gasse tragen , die Männer legten lange Bretter darüber , so daß Bänke wurden , und sie setzten sich im Vierecke auf die Bänke . Sie sagten , weil Witiko einen Stall baue , und weil der Stall vor dem Herbste fertig sein müsse , und weil es der Brauch sei , daß die Einwohner von Plan einer dem andern helfen , wenn er etwas baut , oder unternimmt , so wollen sie ihm auch beistehen und mit Werkzeugen kommen . Witiko nahm mit Dankbezeugung das Anerbieten an . » Ich werde morgen in der Frühe heraus gehen « , sagte Tobias . » Ich auch « , sagte Mathias . » Ich werde auch kommen « , sagte Maz Albrecht . » Ich kann nicht selber kommen « , sagte Zacharias , der Schenke ; » aber mein Altknecht ist in Bereitschaft , und wird an manchem Tage da sein . « » Ich komme selber « , sagte Roman , » und wir werden abwechseln . « Jetzt nahm Peter Laurenz , der Schmied , das Wort , und sprach : » Witiko , wir haben alles ausgewirkt , was dem Herzoge von Nutzen war , und das Eisenwerk zu dem Stalle wird keinen Tadel leiden , und ich werde nichts verzögern , und eher das andere liegen lassen , und Urban ist kein Kind , das um Taglohn arbeitet , er hat dessen nicht Not , er hat seine Geschäfte , und wird etwas Erkleckliches in der Welt werden , ich erziehe ihn dazu ; aber er wird kommen , und wird bei dir arbeiten , weil er mit dir in Nürnberg gewesen ist , ich habe ihn unterrichtet , daß er es besser machen kann als die andern . So sage ich . « » Und ich werde erfreut sein , wenn Urban an meinem Holzbaue mitwirkt , und werde ihm auch wieder helfen , wenn er einmal einer Hilfe bedarf « , sagte Witiko . » Du kannst ihm raten , wenn er nach großen Dingen geht , weil du doch älter bist als er « , antwortete der Schmied . » Ich werde morgen kommen « , sagte Urban , » und man wird mir schon zeigen , wie ich die Sache angreifen muß , daß ich nicht ungeschickt verfahre . « » Mache alles so , wie ich dir gesagt habe « , sagte der Schmied . » Nun , wir wollen den Bau einrichten , wie wir ja schon andere Baue in die Höhe gebracht haben « , sagte Roman . » Ja , das haben wir « , antwortete der Schmied , » und ich habe sie geleitet . « » Männer « , sprach Witiko , » helft , wie ihr euch erbietet . Und wenn ich einmal ein größeres Ding unternehme , so helft mir wieder . Und wenn dann einer von euch etwas zu erbauen gesonnen ist , werde ich mich ebenfalls erbieten , werde die Leute , die ich habe , senden , oder werde , wie es sich fügt , wohl auch selber die Hände an das Werk legen . « » So lege sie an , und es wird dich zieren , wie es eine Zier ist , wenn du mit dem Herzoge reitest « , sagte der Schmied . » Aber das Haus da ist ja nur ein kleines Kämmerlein , du brauchst ein großes mit Klammern und Sparren . Baue es um , wir werden es schon recht machen . « » Was in einer Zeit sein muß , wird sein « , sagte Witiko , » dieses Haus von Stein hat einmal einer meiner Vorfahrer , den niemand mehr kennt , erbaut , und so mag es noch eine Weile stehen . « » Es kennt niemand die , welche Plan gebaut haben « , sagte der Schmied , » aber der Pfarrer weiß alles , und er kann die Namen aus der alten Zeit sagen . « » Das ist ja nicht auf einmal gebaut worden « , sagte Zacharias , der Schenke , » sondern es hat sich einer nach dem andern angesiedelt . « » Das kann man nicht wissen , wie es nach der Erschaffung der Welt geworden ist , daß Dörfer und Kirchen entstanden sind « , sagte Christ Severin , der Wollweber . » Die heiligen Väter haben Kirchen und Dörfer gebaut , « sagte Tom Johannes , der Fiedler , » Loth und Abraham , und die andern , und als sie den babylonischen Turm bauen wollten , haben sie auch an Städte gedacht . Ich kann mit Hauen und Äxten nicht mehr umgehen , Witiko ; aber ich werde dir meinen Buben senden , daß er hilft , und ich werde den Leuten Anweisungen geben . « » Die Anweisungen geben wir selber « , sagte der Schmied . » Diese gibt Witiko und der Zimmerer « , sagte Roman . » Aber es muß einer sein , der sorgt , daß sie erfüllt werden « , sagte Tom Johannes , der Fiedler . » Lernt Urban bei dir schon geigen ? « fragte Zacharias , der Schenke . » Er lernt es , daß du es nicht begreifst « , antwortete Tom Johannes . » Wer handhabt denn die Geige des Herzogs « fragte Witiko . » Die handhabt niemand « , entgegnete Tom Johannes , » sie hängt in meiner schönen Stube , und ich hülle ein Tuch darüber , und ich streiche zu mancher Zeit mit der linken Hand sachte auf die Saiten , daß sie singen , und ich kneipe sie schwach , und den Urban und meinen Buben unterrichte ich , daß die guten Geiger in Plan nicht aufhören . « » So bemühe dich nur , « sagte Witiko . » Ich bemühe mich , und ich kann es auch « , antwortete Tom Johannes , der Fiedler . Und so sprachen die Männer fort , sie sprachen vorzüglich von dem Kriege , in dem sie gewesen waren , und was jeder darin erfahren hatte , und sie gingen erst in ihre Wohnungen , als die Sterne schon an dem Himmel standen . Am andern Morgen kamen die , welche bei dem Baue des Stalles zu arbeiten versprochen hatten , und es kamen auch noch andere mit ihren Werkzeugen . David , der Zimmerer , ordnete sie , daß sie sich nicht hinderten , und es begann die emsige Arbeit . Gegen den Abend traf Raimund mit den Säumern von der krummen Au ein , und sie brachten die Habschaften Witikos . Dieselben wurden abgeladen , und in dem Hause aufbewahrt , wie man es konnte . Vor dem Anbruche der Nacht saßen wieder Männer mit Witiko vor seinem Hause . Es waren an diesem Tage mehr gekommen als an dem vorigen . Und in der Zeit , die folgte , wurde fleißig gearbeitet , und an den Abenden saßen Männer vor dem Hause Witikos . Von denen , welche arbeiten halfen , blieben an manchen Tagen einige weg , weil sie in ihrem Hause Verrichtungen hatten , dafür kamen andere . Und so wechselten sie nun fort und fort . Die Abendversammlungen aber wurden stets zahlreicher . Am sechzehnten Tage nach der Ankunft Witikos waren die vier Truhen fertig geworden . Er ließ sie neben einander in die große Stube stellen , und legte von seiner Habe dasjenige , was die Säumer gebracht hatten , und was sonst noch in dem Hause war , hinein . So lange die Arbeit an dem Holzstalle dauerte , war er dabei beschäftigt , und leitete sie . Zu einem jeden der Männer , die an den Abenden zu ihm kamen , konnte er nicht sogleich wieder gehen , um die Ehre des Heimsuches zurückzugeben , weil ihrer zu viele waren ; aber er ging nach und nach zu allen , sprach mit ihnen , und aß an ihrem Tische Brod und Salz . An jedem Tage tat er auf seinem grauen Pferde einen Ritt , und oft ging er auf den Kreuzberg , und sah auf die dunkeln Bänder der Wälder . Wenn die Mädchen auf einer Gasse oder auf dem Anger einen Gesang hielten , oder wenn zwischen ihnen und den jungen Männern ein Wechselgesang stattfand , war er unter den alten Männern und Frauen , welche zuhörten . Er war auch dabei , wenn ein Tanz oder eine Belustigung angestellt wurde . An Sonntagen und Festtagen saß er in der Kirche auf der Stelle , welche zu dem steinernen Hause gestiftet worden war . Auf dem großen Anger außerhalb der Häuser , auf welchem Gänse , Schafe , Hunde und andere Tiere herum gingen , Linnen zur Bleiche lag , und Kinder spielten , stieg er zuweilen von seinem Pferde , zeigte den Knaben die Ausrüstung des Pferdes , und erzählte ihnen Märchen . Oder er gesellte sich zu manchem alten Manne , der nicht mehr arbeiten konnte , und die Spiele der Knaben leitete , und die Streite ausglich . Er sah , ob die Spiele noch