man wenigstens entfernter von dem Schmuz der Thiere auf der anderen Seite . An ein Weiterkommen in dieser Nacht war nicht zu denken gewesen , da die Pferde zum Tode erschöpft durch den rasenden Lauf sich zeigten und sie nach der Versicherung des Wirthes von der rechten Straße ab und auf einen Nebenweg gerathen waren , von dem aus man im Dunkel der Nacht unter zwei Stunden das Schloß des Fürsten Lubienski nicht zu erreichen vermocht hätte , selbst wenn man der Gefahr durch die umherstreifenden Wölfe hätte trotzen wollen . Es blieb demnach nur übrig , den Tag hier , so gut es gehen wollte , zu erwarten . Während die junge Gräfin am Feuer sich wärmte , und Bogislaw aus den im Gepäck befindlichen Vorräthen Thee kochte , wobei das glänzende Silbergeschirr wieder die gierige Aufmerksamkeit der Hüttenbewohner erregte , suchte der Graf von dem Manne Nachrichten über die Bewohner der Gegend , die Ansichten und die Stimmung des Volkes zu erhalten , stieß aber auf ein hartnäckiges Ausweichen , von dem er nicht ermitteln konnte , ob es Trotz und Verstellung oder angeborene Stupidität war , so daß er endlich die unnütze Mühe aufgab . Nach einer Stunde etwa kehrten die ausgeschickten Männer zurück - es waren zwei Söhne des Wirths und ein fremder Holzschläger - und brachten die Nachricht , daß man von dem unglücklichen Postillon nur traurige Knochen- und Kleiderreste gefunden hatte , so vollständig war von den Wölfen das gräßliche Werk gethan . » Aber die Büchse ? ich verlor im letzten Kampf das Gewehr und es muß sich auf dem Platz gefunden haben ? « fragte Bogislaw . Die Männer schauten einander verlegen an , verneinten aber insgesamt die Frage . Einer meinte , die Wölfe würden die Büchse vielleicht unter den Schnee gestampft haben , oder sie sei später vom Schlitten gefallen und man werde sie morgen bei Tageslicht leichter finden . Dieser Meinung trat auch der Graf bei , obschon sein Diener bedenklich den Kopf schüttelte und erklärte , er wisse ganz gewiß , das er das Gewehr bei dem augenblicklichen Halt , den das Stürzen des Pferdes nothwendig gemacht , verloren habe . Die Männer setzten sich in einen Winkel der Küche zusammen , ihr Abendbrod zu verzehren , zu dem der Graf eine Flasche Rum aus seinem Vorrath gefügt , und schienen von der Gegenwart der vornehmen Gäste bedrückt , denn sie sprachen wenig und nur flüsternd unter einander . Dagegen bemerkte Bogislaw mißtrauisch , daß hin und wieder Einer oder der Andere auf einen Wink des Wirths das Haus verließ , und draußen eine Unterredung mit ihm zu pflegen schien . So war eine zweite Stunde vergangen , und die Reisenden machten sich bereit , ihr improvisirtes Nachtlager aus Pelzen und Mänteln einzunehmen , als plötzlich am Eingang des Gehöftes ein Ruf erscholl und Pferde hörbar wurden . Mit finsterm Gesicht fuhr der Wirth empor und zur Thür : » Niech cie djabli wezma ! 2 ich kann keine Leute mehr beherbergen , sie müssen weiter ! « aber schon waren auch der Graf und sein Diener an die Thür getreten , und vor derselben , in die Mäntel gehüllt , hielten zu Pferde zwei Militairs , ein Ulanen-Offizier mit seiner Ordonnanz . Der Erstere , ein noch junger Mann von hoher , schlanker Figur mit edlem , stolzem Gesicht sprang sogleich vom Roß , indem er den Zügel einem der Männer zuwarf und mühsam in polnischer Sprache befahl , ihm behilflich zu sein , seinen Begleiter aus dem Sattel zu heben , der bei einem Sturz den Fuß gebrochen habe . Vergeblich erklärte mürrisch der Wirth , er könne keine Herberge mehr geben , man möge weiterreiten ; der Offizier , an den Umgang mit dem Volk gewöhnt , kümmerte sich wenig darum und drohte mit dem Kantschuh , der statt der Reitgerte an seiner Faust hing . Zugleich erklärte der Graf menschenfreundlich , daß er gern sich jede Unbequemlichkeit gefallen lassen werde , um Hilfe zu schaffen und die Reiter nicht dem auf ' s Neue drohenden Schneewetter auszusetzen , und wenige Worte , aber derbe Püffe des Jägers Bogislaw brachten den Wirth und seine Söhne alsbald dazu , Hand anzulegen und den Soldaten in den Küchenraum zu tragen , wo er auf einem von Stroh bereiteten Lager niedergelegt wurde . Nachdem er die Pferde sicher untergebracht gesehen und den Schnee vom Mantel geschüttelt , folgte der Offizier gleichfalls und begrüßte höflich und erstaunt die junge Dame , die sich bereits mit dem Leidenden zu schaffen gemacht und ihn mit einer frischen Tasse Thee erquickt hatte . Auf die Einladung des Grafen nahm der Offizier am Feuer Platz und es entspann sich alsbald in französischer Sprache eine Unterhaltung , in welcher sich ergab , daß der Neuangekommene , zur Garnison des Städtchens Olewsk gehörend , gleichfalls auf dem Wege zu dem Schloß des Fürsten Lubienski begriffen war , um auf die Einladung des reichen Grundbesitzers mit einigen bereits vorausgegangenen Kameraden die Festtage dort zuzubringen . Der Dienst hatte ihn verhindert , eher als am späten Nachmittag aufzubrechen , das Schneewetter ihn gleichfalls im Walde betroffen , und ein Sturz über eine Baumwurzel seinen Burschen so unglücklich vom Pferde geworfen , daß derselbe den Fuß gebrochen hatte und der Offizier gezwungen war , nachdem er ihn mühsam wieder in den Sattel gebracht , ihn langsam weiter zu geleiten , bis er in die Nähe des ihm vom Ansehen bekannten Kruges gekommen war . Mit Verwunderung hörte zugleich der Graf , daß dieser gar nicht weit ab von der Straße zum Schloß des Fürsten und deren Vereinigung mit dem Wege von Olewsk gelegen sei und daß sie morgen in Zeit von einer starken Stunde an ihr Ziel gelangen könnten . Die Wirthsleute des Krugs hatten sie daher absichtlich getäuscht . Obschon der fremde Offizier seinen Namen nicht genannt hatte , zeigte ihn doch das ganze Gespräch als Mann von Bildung und Erziehung und eine zufällige Bemerkung ergab , daß er erst seit etwa drei Monaten hier in Garnison stand . Ein Zug von Ernst , ja Schwermuth , der über das ganze Wesen des jungen Mannes ausgegossen war , erhöhte das Interesse , das seine männliche Schönheit erregte . Nur die Begeisterung , mit der er des Kaisers erwähnte , machte die Polen mißtrauisch und zurückhaltend . Nach einer längeren Unterhaltung mußte man endlich an die Ruhe für die Nacht denken , da die junge Dame offenbar sehr erschöpft war . Der Wirth schlug vor , daß der junge Offizier den Verschlag zur Linken der Küche einnehmen sollte ; da dieser jedoch von Schmuz aller Art strotzte , erklärte Jener , daß er es vorzöge , in seinen Mantel gehüllt , die Nacht am Heerdfeuer zuzubringen , wobei ihm der Jäger Bogislaw Gesellschaft leisten wollte . Diese Anordnung schien dem Eigenthümer des Hauses wenig zu behagen , und er gab sich mehrfach Mühe , den Fremden die Kammer oder den mit Streu und Heu gefüllten Boden anzupreisen , der über den größten Theil des Gebäudes lief . Als er endlich sah , daß sie auf ihrem Willen bestanden , fügte er sich mürrisch und trieb die Weiber in die Kammer , während er , wie er sagte , mit seinen Söhnen und dem fremden Holzhauer die Nacht im Pferdestall zubringen wollte . Es war Etwas in dem Wesen der Familie , was dem aufmerksamen Diener nicht gefiel und sein Mißtrauen erregte . Dennoch lag kein Grund vor , dasselbe zu äußern , und nachdem er für sich und den Offizier , so gut es ging , zu beiden Seiten des Heerdes ein Lager bereitet , und alle Andern den Raum verlassen hatten , streckten sich Beide zur Ruhe nieder . In wenig Minuten war der junge Offizier im festen Schlaf , Bogislaw aber blieb , seine Pfeife rauchend , auf dem Lager wach . Ein eigentümliches Geräusch hatte seinen Verdacht auf ' s Neue erregt ; ihm war , als hätte er einen Reiter vorsichtig den Hofraum verlassen und draußen , davonjagen hören . Bald darauf öffnete sich leise die Thür der Kammer und die Wirthin des Hauses streckte vorsichtig den Kopf heraus , um nach den Schläfern zu lauschen . Sie schreckte eilig zurück , als sie die glänzenden Augen Bogislaw ' s auf sich gerichtet sah . Noch immer hatte sich Nichts ereignet , was genügend gewesen wäre , den Verdacht des Jägers zu rechtfertigen , und dennoch wurde derselbe von Minute zu Minute stärker , bis Bogislaw endlich beschloß , sich auf jeden Fall Ueberzeugung zu verschaffen . Die Gluth des Heerdes warf nur ein mattes Licht über den weiten Raum , und da sein Lager sich im tiefen Schatten des Vorsprunges befand , gelang es ihm leicht , seinen Plan auszuführen . Indem er den weiten Pelz scheinbar zusammengeballt liegen ließ , als ruhe ein Körper darunter , wand er sich geschickt daraus hervor und erreichte die Leiter , die an der linken Seitenwand zum offenen Eingang des Bodenraumes führte . Diese stieg er mit katzengleicher Vorsicht hinan , und war gleich darauf im Dunkel des Raumes verschwunden . - Zur selben Zeit saßen in dem entgegengesetzten Flügel des Gebäudes am Ende des Stalles , der an fünfzig kräftige ukrainer Pferde , außer denen der Fremden , enthielt , der Wirth mit einem seiner Söhne und dem Holzfäller um eine dürftige Lampe in eifrigem Gespräch . Den zweiten Sohn hätte der Blick eines Lauschers vergeblich gesucht . - » Ich sage Dir , Stenko , « sprach der Bauer , » Deine Vorsicht wird Alles verderben . Warum den Segen , den uns die heilige Mutter von Czenstochau in unserer Armuth geschickt , erst mit den Anderen theilen ? Der Kranke zählt nicht , und mit den Dreien wären wir allein fertig geworden . « » Du redest , wie Du ' s verstehst , sobaczy synu ! « 3 entgegnete der Wirth . » Der Teufel könnte sein Spiel haben und Einer entkommen und dann wären wir Alle verloren . Ueberdies sind sie bewaffnet und würden sich scharf wehren . Die Freunde , die Iarkow herbeiholt , werden mit der Heiligen Hilfe hier sein , ehe der Tag graut , und dann liegen die Edelleute grad ' im tiefsten Schlaf . Auch brauchen wir Jene , um den Schlitten und die Pferde hinweg zu führen , damit wir Alle zu Hause getroffen werden und kein Verdacht auf uns fällt . « » Es war gut , Vater , « meinte der junge Bursche , » daß wir die Büchse bei Seite gebracht haben . Die Narren glauben sie dort unter ' m Schnee , während sie hier wohl aufgehoben ist . « Er brachte das Gewehr zum Vorschein , das er unter der Streu verborgen hatte , und besah es von allen Seiten . » Verflucht , daß wir ' s nicht brauchen können , « grollte der Alte . » Es ist eines von den neuen Dingern , wie sie die Jäger des Herrn haben , ohne Schloß und Stein , aber unsereins versteht damit nicht umzugehen . Schande , daß uns der Herr die Flinten weggenommen , und uns blos die Aexte und Messer zu unserer Verteidigung gelassen hat . « » Eine Axt ist ein schönes Ding , « meinte der Andere , » wo sie hinschlägt , trifft sie sicher . Die Brüder sagen , der russische Kaiser habe es befohlen , daß die Armen keine Flinten mehr besitzen sollen . Hei ! was war es für ein ander Leben , als wir vor vier Jahren Büchse und Säbel hatten und die Schlösser der Edelleute plünderten mit unsern Brüdern in Galizien , und die Köpfe der stolzen Herrn einschlugen , als wäre der Donner des Himmels über sie gekommen ! « » Du warst ein wilder Teufel , Jankowitsch , es war gut , daß sie Dich nicht fingen . Sie hätten Dich an den ersten Baum aufgeknüpft . « » Ei , ich weiß , daß Du nicht besser warst , als Du bei den Weißmützen stand ' st unter Uminski . Boris hat mir ' s oft genug erzählt . « » Tysiac byci mac mordowalo ! 4 Sollten wir unser Leben denn für die Edelleute opfern , wenn es dabei nicht Etwas zu plündern gegeben hätte ? Ein Herr ist wie der andere und drüben in Rußland haben sie ' s wahrlich noch besser als wir hier . Müssen wir nicht Holz fällen und das Vieh hüten in den Sümpfen Jahr aus , Jahr ein ? und haben die Wölfe oder Bären ein Stück zerrissen , muß es unser Rücken nicht entgelten ? Ich habe mir sagen lassen , drüben aus Weißrußland ließen viele Herren ihre Leibeigene lernen , zu was sie Geschick haben , und sie kamen in den großen Städten zu Ehren und Reichthum . Wo ist dies je einem der Unsern geschehen ? Ich war ein Mal mit dem Herrn in Kiew , um Pferde zum Markt zu treiben , und hab ' s wohl gemerkt . Die Bauern des Kaisers drüben sind reiche Leute gegen uns ! « » Ob Boris mit dem Jungen kommen wird ? « » Warum sollt ' er nicht ? Ein solcher Fang findet sich selten , und er läßt einen Freund nicht im Stich , wenn er auf seine Faust und sein Messer rechnet . Reich ' mir die Wotkaflasche , Michael . « Der Branntwein machte die Runde . » Nun legt Euch auf ' s Ohr und schlaft , « sagte der Wirth , » vor der zweiten Hahnenkräh ' können die Burschen unmöglich hier sein , und ich wüßte nicht , weswegen wir den Schlaf verlieren sollten . Wir haben morgen in der Frühe viel zu thun , um alle Spuren zu tilgen und das Gut fort zu schaffen . Iarkow wird uns schon wecken , wenn er kommt . « Er warf sich auf die Streu und die beiden Andern folgten alsbald seinem Beispiel . - - - Das Feuer des Heerdes war im Verlöschen , der Raum fast dunkel , als eine Hand leise die Schulter des jungen Offiziers schüttelte und dieser , an rasches Erwachen gewöhnt , auffuhr und im selben Augenblick nach dem unter dem Mantel neben ihm ruhenden Säbel griff . Doch die Hand legte sich rasch auf seinen Mund und eine Stimme flüsterte an seinem Ohr : » Stille , es gilt unser Leben ! « Der Offizier erkannte im Halbdunkel den Jäger Bogislaw , der sich lang an seine Seite kauerte . » Ich sehe , Sie sind von rechter Soldatenart , « flüsterte dieser , » im Augenblick munter und die Hand an den Waffen . Wir werden sie brauchen ! Bleiben Sie still auf Ihrem Lager und hören Sie mich an , denn jede Bewegung könnte uns zu früh verrathen , ich traue den Weibern da drinnen nicht . « Der Offizier that , wie der Jäger verlangte , und horchte aufmerksam auf die Mittheilung desselben . » Wir sind einer Bande jener mörderischen Schurken in die Hände gefallen , « sagte Bogislaw , » die bei dem Aufstande von 49 an der galizischen Gränze raubten und plünderten . Der Wirth hat seinen Sohn nach anderen Genossen ausgeschickt , uns zu bewältigen . Wie viele ihrer kommen werden , weiß ich nicht . Ich habe sie belauscht und erfahren , daß wir Zeit zu unsern Vorbereitungen haben . Sie gedenken uns erst im Morgenschlaf zu überraschen . « » Es soll den Schuften nicht gelingen , « sagte der junge Mann . » Sie werden sich blutige Köpfe holen . Aber was hindert uns , ihnen zuvorzukommen ? Wir sind Drei gegen Drei und gut bewaffnet . Sie vermögen nicht , uns aufzuhalten . « » Sie vergessen den Wald und die Wölfe . Ohne Führer würden wir uns schwerlich bei Nacht zurechtfinden und den Mördern vielleicht in die Hände laufen . Auch hindern uns die Gräfin und der arme Bursche dort an der Flucht , der jetzt im Wundfieber stöhnt und den wir doch nicht ihrem Messer überlassen können . « » Aber was ist zu thun ? - wir wollen den Grafen wecken . « » Noch nicht , Herr . Wir müssen erst unsern Vertheidigungsplan entwerfen . Ich weiß nicht , ob die Weiber da drinnen schlafen , und jede Bewegung könnte uns verrathen . Ich sehe , Sie haben Ihre Sattelpistolen bei sich . « » Sie sind geladen und auch die meines Burschen . Aber wir haben keine Patronen bei uns . « » Thut Nichts . Drinnen beim Grafen liegt Pulverhorn und Kugelbeutel , und die Jagdflinte des Herrn . Meine Büchse haben die Schurken gestohlen , aber sie nützt ihnen nicht , und da sie weiter kein Schießgewehr haben , sind wir im Vortheil . Ich denke , wir lassen den Grafen und die junge Gräfin noch ein Paar Stunden ruhen und halten abwechselnd Wache . Bis dahin können wir überlegen , was wir am besten thun . Nehmen Sie die erste Wache , Herr , und wecken Sie mich in zwei Stunden , oder wenn Sie das geringste verdächtige Geräusch hören . Vielleicht kommt mir im Schlaf ein guter Gedanke . « Er schlich zurück zu seinem Lager , nachdem er noch vorsichtig die Leiter abgehoben , die zum Boden führte und sie leise quer vor die Kammerthür zur Linken geschoben hatte ; der Offizier , der zu seinem bedächtigen und muthigen Gefährten volles Vertrauen gefaßt , beschloß , sich ganz seiner Einsicht zu fügen . Die Pistolen im Bereich der Hand , stützte er den Kopf auf den Arm und versank in tiefes Nachsinnen . Wohin führten ihn seine Gedanken ? wohin wanderte seine Phantasie ? Bilder seiner Kindheit erhoben sich umher , der mächtige Felsenhorst , auf dem der Adler nistet , wilde abenteuerliche Gestalten im blitzenden Silberpanzer , - Waffen , - brausende Bergströme , - das Getobe des wilden Kampfes , - Ströme von Blut , - und der Knabe emporgehoben von den Armen eines hohen blassen Mannes mit langem dunklem Bart und blitzendem Auge ! - Dann Nacht um ihn her , geröthet vom Flammenschein brennender Häuser , das wilde Geheul der Stürmenden , blitzende Bajonnete , donnernde Salven , - Dampf , Rauch , Blut , Feuer , - Tod und Gefahr ringsum ! - Und wiederum aus der frühesten Kindheit liebliche , seltsame Bilder : Frauen , in dichte Schleier gehüllt , die Brust von dem weichen Leder des Berghirsches eng umschlossen , blitzende Steine und Geschmeide um Haar und Hals ; - am dunklen Felsenhang die Ziege kletternd , - und von den hohen Bergwällen der Blick des spielenden Knaben hinabtauchend auf Fels und Thal und weit darüber hin die silberglänzende Fläche des weiten Meeres ! - Dann kamen die Erinnerungen seiner späteren Jahre , die Erziehung im Corps zu Petersburg , das Bild der Jugendfreunde und Kameraden , die jetzt weit zerstreut waren über das unermeßliche Reich , - die leuchtende Gestalt des kaiserlichen Herrn , den er so oft geschaut , dem er Treue geschworen , er , der - - Und nun vielleicht hier unrühmlich , ohne Namen , ohne Ruhm zu enden unter dem Beile eines Mörders ; vergessen zu werden unter dem Leichenhügel des Schnees , zerrissen von den gierigen Bestien des Waldes , die seine Leiche aus der heimlichen Gruft gescharrt ! - Dazwischen tauchte ein lichtes schönes Bild auf , seit wenigen Stunden erst gekannt , und dennoch verlockend , reizend vor seinen Augen stehend , - Wanda , - die junge Gräfin , für die er sein Blut vergießen , die er zu retten versuchen , oder mit der er sterben sollte . - - Eine wilde , energische Kraft , wie edles Blut vom Herzen strömend , schoß durch seine Adern ; er fühlte , daß das dunkle schwärmerische Auge des Mädchens ihn zu jeder That und Anstrengung begeistern könne . - - Die Stunden vergingen , es war Zeit , den Jäger zu wecken , und er that es . Im Augenblick war der Pole munter und bat ihn , nun seinerseits unbesorgt eine Stunde der Ruhe zu pflegen . Aber der Geist des jungen Mannes war zu aufgeregt , als daß er Schlaf zu finden vermocht hätte . Er überließ zwar seinem Begleiter , ohne sich einzumischen , alle Vorbereitungen , doch schaute er ihnen wach und aufmerksam von seinem Lager aus zu . Bogislaw horchte erst aufmerksam an dem Eingang , der zu der Kammer führte , in der die Weiber schliefen . Dann untersuchte er sorgfältig die Hausthür . Sie war zum Glück ziemlich fest , aber ohne Verschluß , als daß ein ziemlich starker Querbaum in Haspen vor dieselbe gelegt werden konnte . Die Thüren beider Kammern öffneten sich nach der Küche , sie konnten demnach verrammelt werden . Es blieb noch der Eingang von der Bodenluke her . Die Dispositionen des Jägers waren schnell getroffen . Er hing den großen hölzernen Riegelbaum vor die Thür und begann vor der Kammer der Frauen von den in der Küche aufgethürmten großen Holzstücken einen förmlichen Wall zu bauen , der bald halbe Mannshöhe erreicht hatte und die Bretter der Thür festhielt . Darauf schob er ein neues Scheit in das Feuer und fachte dieses wieder an . - » Es wird eben so gut sein , « sagte er leise nach allen diesen Vorbereitungen , » wenn wir meine Herrschaft schlafen lassen , bis die Gefahr wirklich erscheint . Der Graf ist ein alter Soldat und wird auf dem Platz sein . « - Die Uhr des Offiziers zeigte die vierte Stunde , als draußen ein leises Geräusch sich hören ließ und Bogislaw seinem Gefährten winkte . » Sie kommen ! machen wir uns bereit , sie zu empfangen , und möge die heilige Jungfrau uns schützen . Halten Sie die Bodenluke im Auge , ich werde die Thür nehmen . Nieder mit Jedem , der herein zu dringen wagt ! « Jeder von ihnen hatte ein Paar der Kavalerie-Pistolen an sich genommen ; der Offizier faßte an der Wand , gegenüber der Bodenluke , Posten , der Jäger an der Thür , an deren beiden Seiten zwei kleine Fensterchen , wie sie in den polnischen Hütten üblich sind , sich befanden , eben groß genug , um Licht und Luft hereinzulassen , aber zu eng , um zu einem Einsteigen , wenigstens bei einiger Vorsicht der Vertheidigenden , Gelegenheit zu geben . Beide waren von Außen mit Läden verschlossen , die kleinen Fensterscheiben zerbrochen und mit Papier ausgeflickt . Auch die Oeffnung des Bodenraumes war zum Glück nur so groß , daß Mann gebückt durch sie passiren konnte . Da mit der Seitenwand der Küche der Boden aufhörte und der Raum über derselben bis zu den Dachsparren frei war , lag der Zugang in der Wand ziemlich hoch , von der Erde aus mindestens in doppelter Mannshöhe , die Luke war jedoch offen und ohne Thür . Der Jäger hatte absichtlich nur spärlich das Feuer wieder aufgefrischt und ein schwaches Licht verbreitete sich über den Raum , das jedoch stark genug war , um den im Innern Befindlichen den nöthigen Ueberblick zu gewähren . » Wenn ich nur wüßte , « flüsterte der Diener , » wie Viele ihrer sind ! Es ist zu dunkel draußen , um sie zu zählen und ich darf es nicht wagen , sie nochmals wie vorhin zu belauern . « Das Geräusch hatte sich verstärkt , man konnte deutlich hören , daß mehrere Personen , jedoch vorsichtig , in das Gehöft eintraten und an dem Hause entlang schlichen . Der unter den Sohlen ihrer Stiefeln knisternde Schnee verrieth sie . Dann war Alles wieder still . - - Die kühnen Wächter harrten . Ihre Mäntel lagen auf den verlassenen Lagerstätten , so daß sie in dem matten Lichte in einiger Entfernung leicht ein fremdes Auge täuschen konnten . Sie selbst standen in den dunklen Schatten verborgen , so daß sie nicht leicht bemerkt werden konnten . Wiederum knisterte der Schnee und leise Schritte mehrerer Männer schlichen heran und hielten an der Thür des Hauses still . Zugleich ließ sich ein leichtes Geräusch auf dem Boden vernehmen . Wenige Augenblicke darauf erschien den scharfen Augen des jungen Mannes ein Gesicht in dem dunklen Raume , eine Gestalt wurde erkennbar - der Wirth des Hauses , - und der Offizier konnte sehen , daß seine Hand mit einem kurzen schweren Beil bewaffnet war . Die andere tastete nach der Leiter umher . Sie suchte vergeblich . Der Kopf des Mannes bog sich vor aus der Luke , um zu schauen , ob sie nicht an Ort und Stelle sei . Das Blut des jungen Ulanen fieberte , seine Hand spannte sich um den Kolben der Pistole . Aber er fühlte , daß Ruhe und Vorsicht hier mehr galt , als Muth und Tapferkeit . » Przeklecie ! Die Hundssöhne haben richtig die Leiter weggenommen , « flüsterte oben eine Stimme . » Bleibe Du hier , die Weiber sollen uns öffnen . Ich sehe , die Beiden liegen am Feuer . « Der Kopf verschwand . Wiederum war eine lange Pause . Dann hörte der Jäger an das Fenster der Kammer klopfen und eines der Weiber aufstehen und herankommen . Es folgte ein kurzes Flüstern , darauf machte die Frau den Versuch , ihre Thür zu öffnen , und als sie dies zu ihrer Verwunderung nicht konnte und die Verrammelung bemerkte , theilte sie dies eilig den Männern draußen mit . Ein wilder Fluch , - dann eine kurze Berathung folgten . Gleich darauf erschien der Wirth auf ' s Neue oben an der Bodenluke , schaute sich um und schickte sich dann an , herabzuklettern . Der Augenblick des Handelns war gekommen . » Zurück da ! bleibe dort oben oder ich schicke Dir eine Kugel durch den Kopf ! « » Mögen die Teufel Deine Mutter quälen ! Bin ich Herr in meinem Hause oder nicht ? - Setzt die Leiter an , ich muß hinunter ! « » Bleibe , wo Du bist , Schurke , « sagte ruhig der Jäger , » wir wissen , was Du willst und welche Gesellschaft Du bei Dir hast . So wahr ich an Gott und die Heiligen glaube , Jeder , der diesen Raum vor vollem Tageslicht betritt , ist ein Kind des Todes ! Also troll ' Dich und laß uns in Frieden . « » Ist ' s so gemeint , Hundssohn ? - Her mit der Leiter , Michael , wir wollen doch sehen , ob sie , die wir von den Wölfen gerettet , uns aus dem eigenen Hause zu jagen wagen . « Eine zweite Gestalt wurde sichtbar und schob eine Leiter durch die Luke . Der Krugwirth half . » Jetzt hinunter , Michael ; ich will sie von Deinen Pferden zerreißen lassen , wenn sie es wagen , Dir ein Haar zu krümmen . Hinunter , Junge , sag ' ich ! « Der junge Mann setzte den Fuß auf die erste Stufe der Leiter , ein Dritter zeigte sich hinter ihnen . Ruhig und kaltblütig hob der Offizier , der bis jetzt im Schatten gestanden und sich bei seiner geringen Kenntniß des Polnischen nicht in die Verhandlung gemischt hatte , die Pistole ; im nächsten Moment fiel der Schuß , der junge Bauer öffnete die Arme , stieß einen Schrei aus und stürzte schwer von der Höhe der Leiter herab aus die Tenne des Küchenflurs . Gleichzeitig mit dem Schuß war mit einem raschen Sprung der Jäger von der Thür her unter der Luke und entriß mit kräftigem Griff die Leiter den Händen , die sie oben fest hielten und die im Schreck über die rasche That sich öffneten . » Verfluchte , Ihr habt mein Kind erschossen ! « Die kurze , schwere Axt , von der Hand des Vaters geschleudert , flog durch die Luft , aber Bogislaw war außer dem Bereich seiner Hand und der Offizier machte eine rasche Seitenbewegung , daß sie unschädlich an ihm vorbeisauste und an die Kammerthür zur Rechten schlug , die eben rasch von innen geöffnet wurde . Der Graf , seine Pistolen in der Hand , erschien in derselben , hinter ihm , bleich , verstört , aus dem tiefen Schlaf geweckt , die Gräfin Wanda . Zugleich erscholl das Gekreisch der Weiber in der Kammer , wildes Lärmen der Männer draußen , die ihr Werk verrathen sahen , und ihre Axtschläge donnerten gegen Thür und Läden . Stenko , der Wirth , war im Begriff , in seiner Wuth hinabzuspringen , als sich bedächtig der Arm des jungen Offiziers mit der zweiten Pistole hob und nach ihm zielte . » Zurück ! « Der Dritte , der mit dem Kneipenwirth auf dem Boden war , riß diesen von der Luke zurück : » Hinunter zu den Andern ! « Sie verschwanden . Die Gräfin in der Thür der Kammer wies zitternd , erregt aus den blutenden Mann , der sich am Boden krümmte . » Um Gotteswillen , ein Mord ! was ist geschehen ? « Mit der Hochherzigkeit weiblicher Natur flog sie zu dem Verwundeten , ihm Hilfe zu leisten . » Was bedeutet das Alles , Bogislaw ? « fragte der Graf . » Werden wir angegriffen ? « » Mein Verdacht hat sich bestätigt , « sagte der Jäger rasch und kurz . » Wir sind in diesem Hause in einer Falle und der Wirth hat seine Mordgenossen herbeigerufen . Wahren Sie uns den Rücken dort nach dem Boden zu , Herr Graf ! Hierher , Herr Lieutenant ! « Die kräftigen Abschläge draußen zerschmetterten die Läden der Fenster und donnerten gegen die zum Glück starke Thür . Stenko hatte den Genossen die Gewißheit gebracht , daß sie entdeckt