das Werk lieber behalten . « Als Erikson diese seltsame Steigerung auffiel und er sie zu seinen Gunsten auszulegen und zu wenden beschloß , verbeugte er sich lächelnd , strich sein Geld wieder ein und erwiderte » Da mein kleines Bild eine so gute Stelle gefunden , wäre es lieblos von mir , es derselben zu berauben ! « Die Schöne aber fuhr fort » Und damit Sie sehen , daß nicht Habsucht mich zu dieser Steigerung antrieb , bitte ich , mir ein Seitenstück um diesen verdoppelten Preis zu malen , so bald als möglich , und mir jetzt gleich den Platz für beide Bilder aussuchen zu helfen ! « Erikson spazierte wohl eine Stunde mit ihr in den Gemächern herum , bis er den geeigneten Platz gefunden , und als er sich verabschiedete , grüßte sie ihn freundlich , aber kurz , und lud ihn nicht ein , sonst wiederzukommen . Aber er hatte wohlweislich vergessen , das Maß des Bildchens gleich zu nehmen , und sah sich daher gezwungen , am zweiten Tage sich wieder hinzubegeben , um vieles sorgfältiger gekleidet . Sie erschien sogleich selbst und führte ihn zu dem Bildchen , hielt ihn aber nach getaner Verrichtung durchaus nicht weiter auf . Und doch schien sie dem Weggehenden so froh und munter während des kurzen Besuches , daß er höchst zufrieden nach Hause ging und die neue Arbeit begann . Auch vergingen kaum einige Tage , als ihn Rosalie höchst dringend rufen ließ , um sich wegen des Rahmens mit ihm zu besprechen derjenige des ersten Bildes gefiele ihr ausnehmend wohl , und sie wünsche einen ganz gleichen zum zweiten zu bekommen . Als er sie über diesen Punkt einigermaßen beruhigt , entließ ihn die ihn stets schöner dünkende Rosalie auf das freundlichste , doch nicht ohne ihn auf den kommenden Sonntag zu Tische gebeten zu haben , indem sie , wie sie anmutig sich ausdrückte , diese Gelegenheit nun zu benutzen wünsche , ihr Haus mit einiger Künstlerschaft zu zieren und etwas zu lernen , damit solche grobe Verstöße , wie der begangene , immer weniger wiederkehren könnten . Erikson betrug sich ruhig und bescheiden , und wie ein Jäger auf ein edles Wild ging er auf sein schönes Ziel los mit klopfendem Herzen , aber ohne einen Schritt zuviel noch zuwenig zu tun , und zwar nicht aus allzutiefer Berechnung , sondern aus natürlicher Klugheit . Inzwischen malte er das bestellte Bildchen und ließ sich alle Zeit dazu ; er malte diesmal mit wahrer Zufriedenheit ein recht hoffnungsgrünes Frühlingslandschäftchen , welches fast reich und anmutig zu nennen war ; denn es schwante ihm , daß dieses seine letzte Schilderei sein werde . Es war im Spätherbste , als ihm dies Abenteuer begegnete , und im Februar war er schon so weit , daß Rosalie unter seinem offenen Schutze an dem Künstlerfeste erscheinen wollte . Noch hatte weder Erikson Ferdinands wundersame Agnes noch dieser die anmutsvolle und freundliche Witwe gesehen , und beide waren übereingekommen , daß dies am Feste zum ersten Male geschehen sollte . Heinrich hingegen war beiden Geliebten als ein ungefährliches junges Blut gelegentlich vorgestellt worden , und er freute sich , ohne leidenschaftlich beteiligt zu sein , die kommende Festzeit in dem Scheine solcher zwei Sterne mitgenießen zu können . Sechstes Kapitel Das große Theater war in einen Saal umgewandelt und hatte , voll erleuchtet , bereits die beiden Hauptkörper des Festheeres , die , welche das Fest geben , und die , welche es sehen sollten , in sich aufgenommen . Während in den Logenreihen die wohlhabendere und gebildete Hälfte der Stadt in vollem Schmucke versammelt harrte , den königlichen Hof in der Mitte , waren die Seitensäle und Gänge dicht angefüllt von den sich ordnenden Künstlerscharen . Hier wogte es hundertfarbig und schimmernd durcheinander . Jeder war für sich eine inhaltvolle Erscheinung , und indem er selber etwas Rechtem gleichsah , betrachtete er freudig den Nächsten , welcher , durch die schöne Tracht gänzlich umgewandelt , nun ebenfalls so vorteilhaft und kräftig erschien , wie man es gar nicht in ihm gesucht hätte . Allen klopfte das Herz vor froher Erwartung , und doch hielten sie sich ruhig und gemessen , wie Leute , welche fühlten , daß ihnen eine schönere äußere Erscheinung für das ganze Leben gebührte und nicht bloß für eine Nacht . Seltsame Zeit , wo die Menschen , wenn sie sich freudig erheben wollen , das Gewand der Vergangenheit anziehen müssen , um nur anständig zu erscheinen ! Und allerdings ist es ein prickliges Gefühl , zu wissen , daß die Nachkommen unsere jetzige Tracht nur etwa hervorziehen werden , um sich im Spotte zu ergehen , wie wir dies jetzo mit derjenigen des achtzehnten Jahrhunderts tun , welches sich selbst doch so wohl gefiel . Und wir können uns nicht anders rächen , als indem wir , wie öfter geschieht , die verborgene Zukunft in mutmaßenden Zerrbildern lächerlich machen und zum voraus beschimpfen ! Wann wird wieder eine Zeit kommen , wo wir uns um die eigene Achse drehen und uns in eigener Gegenwart genügen ? Nun öffneten sich endlich die Türen , und die Trompeter und Pauker , welche klangvoll erschienen , verbargen in ihrer Breite den hinter ihnen anschwellenden Zug , so daß man ungeduldig harrte , bis sie weiter vorgeschritten und der reichen Entfaltung Raum gaben . Ihnen folgten zwei Zugführer mit dem alten Wappen von Nürnberg , dem Jungfernadler auf den weißen und roten Wappenröcken , und hinter ihnen schritt schlank und zierlich einher , in dieselben Farben gekleidet , aber mit einem mächtigen Laubkranze auf dem Kopfe , der Zunftführer , welcher der stattlichen Zunft der Meistersänger voranging mit seinem goldenen Stabe . Alle bekränzt , ging jetzt die gute Schar der nürnbergischen Meistersänger daher mit ihrer Spruchtafel , die Jugend , in welcher noch das abenteuernde Wanderblut wallte , voran in kurzer Tracht mit der Zither auf dem Rücken ; dann aber folgten die Alten , um den ehrwürdigen Hans Sachs gesellet ; dieser stellte sich dar in dunkelfarbigem Pelzmantel , ehrbar und stattlich wie ein wohlgelungenes Leben und doch mit dem Sonnenschein ewiger Jugend um das weiße Haupt . Das junge Weib mit voller Brust und rundem Leib , wie Goethe sang , hatte ihm gezeigt : » Der Menschen wunderliches Weben , Ihr Wirren , Suchen , Stoßen und Treiben , Schieben , Reißen , Drängen und Reiben , Wie kunterbunt die Wirtschaft tollert , Der Ameishauf durcheinander kollert ! - Unter dem Himmel allerlei Wesen , Wie ihr ' s möcht in sein ' n Schriften lesen . « Welcher auch das alte Weiblein zu ihm gleiten sah : » Man nennet sie Historia , Mythologia , Fabula . Sie ist rumpfet , strumpfet , bucklet und krumb , Aber eben ehrwürdig darumb « - auch welcher tat einen Narren spüren » mit Bocks- und Affensprüngen hofiren « ; welchem endlich stieg » auf einer Wolke Saum Herein zu ' s Oberfensters Raum Die Muse , heilig anzuschaun Wie ' n Bild unsrer lieben Fraun . Die umgibt ihn mit ihrer Klarheit , Immer kräftig wirkender Wahrheit . « - Und obgleich hier der Sängergreis ganz erschien , wie ihn sein wackerer Schüler Puschmann beschrieben : » In dem Saal stund unecket bedecket ein Tisch mit Seiden grün , am selben saß ein Alt Mann , was Grau und weiß , wie ein Taub dermaß , der hett ein ' n großen Bart fürbas ; in ein ' m schönen großen Buch las mit Gold beschlagen schön « ; so verstand der Darsteller doch sein Urbild so wohl , daß man ihm noch ansah , was Goethe wieder sang : » Ein holdes Mägdlein sitzend warten Am Bächlein beim Holunderstrauch ; Mit abgesenktem Haupt und Aug Sitzt ' s unter einem Apfelbaum Und spürt die Welt rings um sich kaum ; Hat Rosen in ihr ' n Schoß gepflückt Und bindet ein Kränzlein gar geschickt Mit hellen Knospen und Blättern drein . Für wen mag wohl das Kränzel sein ? - - Wie er den schlanken Leib umfaßt , Von aller Müh er findet Rast ; Wie er ins runde Ärmlein sinkt , Neue Lebenstäg und Kräfte trinkt . - - So wird die Liebe nimmer alt Und wird der Dichter nimmer kalt . « - So ging er jetzt im Schmucke des Alters und der Poesie daher , ein großes Buch tragend . Aber das bürgerliche Lied war dazumal so reich und überquellend , daß es mit jeder Meisterschaft unzertrennlich war und hauptsächlich auch unter dem Banner der nun folgenden Baderzunft hinter Schermesser und Bartbecken herging . Da war unter den kränzegeschmückten Gesellen Hans Rosenplüt , genannt der Schnepperer , der vielgewanderte Schalks-und Wappendichter , ein krummbuckliger munterer Gesell mit einer großen Klistierspritze im Arm . Mit langen Schritten folgte diesem der hochbeinige magere Hans Foltz von Worms , der berühmte Barbier und Dichter der Fastnachtsspiele und Schwänke und als solcher Genoß des Rosenplüt und Vorzünder des Hans Sachs . Zwei Bartscherer und ein Schuhmacher pflegten so das zarte Schoß des deutschen Theaters . Liederreich waren alle die alten Zünfte , die jetzt folgten in ihren bestimmten Farben an Kleid und Banner ; die Schäffler und Brauer , die Metzger , welche in rotem und schwarzem , mit Fuchspelz verbrämten Zunftgewande höchst tüchtig aussahen , sowie die hechtgrauen und weißen Bäcker ; die Wachszieher , lieblich in Grün , Rot und Weiß , und die berühmten Lebküchler , hellbraun mit Dunkelrot gekleidet ; die unsterblichen Schuster , schwarz und grün , in die Farbe des Peches und der Hoffnung gehüllt ; buntflickig die Schneider ; die Damast- und Teppichwirker , bei welchen das Künstlichere den Anfang nahm und schon meisterliche Namen aufzeichnete ; denn diese webten und wirkten die fürstlichen Teppiche und Tücher , mit denen die Häuser der großen Kaufherren und Patrizier angefüllt waren . Alle nun folgenden Zünfte waren angefüllt mit einer wahren Republik kraftvoller , erfindungsreicher und arbeittreuer Handwerks- und Kunstmänner . Die Tüchtigkeit teilte sich sowohl unter die Gesellen , welche manchen handlichen berühmten Burschen aufzuweisen hatten , als unter die Meister . Schon die Dreher zeigten den Meister Hieronymus Gärtner , welcher mit kindlich frommem Eifer aus einem Stücklein Holz eine Kirsche schnitzte , so zart , daß sie auf dem Stiele schwankte und die Fliege , welche auf ihr saß , mit den Flügeln wehte und auf den Füßen sich bewegte , wenn man daran hauchte - der aber zugleich ein erfahrener Meister und Errichter von Wasserwerken und kunstreichen Brunnen war . Unter den Hufschmieden , rot und schwarz gekleidet wie Feuer und Kohle , ging Meister Melchior , der die großen eisernen Schlangengeschütze aus freier Hand schmiedete ; unter den Büchsenmachern der erfindungsreiche Geselle Hans Danner , welcher schon dazumal von den harten Metallen Späne trieb , als hätte er weiches Holz unter den Händen , und sein Bruder Leonhard , der Erfinder von mauerstürzenden Brechschrauben . Da ging auch der Meister Wolff , Danner , der Erfinder des Feuersteinschlosses an den Gewehren und Büchsen , die er trefflich schmiedete und künstlich ausbohrte , und neben ihm Böheim , der Meister der Geschützgießer , welche ihre gleißenden , wohlverzierten Geschützröhren , Kanonen , Metzen und Kartaunen durch alle Welt berühmt machten . Überhaupt war der Krieg die zehnte Muse . Die Zunft der Schwertfeger und Waffenschmiede allein umfaßte eine mehrfach gegliederte Welt kunstreicher , feiner und fleißiger Metallarbeiter . Der Schwertfeger der Haubenschmied , der Harnischmacher , jeder von diesen brachte den Teil der kriegerischen Rüstung , der seinem Namen entsprach , zur größten Gediegenheit und Zierlichkeit und bewährte darin ein nachhaltiges Künstler dasein . Wunderbar löste sich diese strenge Einteilung und Beschränkung in die Freiheit und Allseitigkeit , mit welcher die schlichten Zunftmänner wieder zu den wichtigsten Taten und Erfindungen vorschritten und alle wieder alles konnten , oft ohne lesen und schreiben zu können . So der Schlosser Hans Bullmann , der Verfertiger großer Uhrwerke mit Planetensystemen und musizierenden Figuren , und der Vervollkommner dieser , Andreas Heinlein , welcher auch so kleine Uhren zuwege brachte , daß sie im Knopfe der Spazierstöcke Platz fanden ; auch Peter Hele , der eigentliche Erfinder der Taschenuhren , ging hier unter dem handfesten Namen eines Schlossermeisters . Gleich auf dies handlich sinnige Zunftwesen folgte dasjenige , welches am schärfsten diese Zeit von einem frühern Jahrtausend unterschied , nämlich das der Buchdrucker und Formschneider , welche für Wort und Bild die Schleusen der unendlichen Vervielfältigung auftaten und den Strom losließen , der nun die Welt überschwemmt . Vor bald vierhundert Jahren haben sie den Zapfen ausgestoßen , daß das Brünnlein sprang , und wo stehen wir jetzt ? Es ist ein großes unentbehrliches Mittel geworden , welches der Unsinn ebenso behende braucht als die Vernunft ; es ist die Luft , welche der Gerechte wie der Ungerechte atmet , und der Tischklopfer badet sich so munter und unbefangen in seiner Flut wie der Sperling im Bache . Weit hinter dieser Flut ist die langsame , aber stete Bewegung des eigentlichen Geistes geblieben , des Geistes , der nicht auf dem Papier , sondern in Fleisch und Blut lebt und sich nur von Leib zu Leib , von Auge zu Auge , von Ohr zu Ohr mitteilt , überzeugt , trennt und einigt . Auch hier kommt zuletzt alles wieder auf den persönlichen Menschen an , wie er leibt und lebt und zu dem andern hintritt mit seiner Wahrheit oder Täuschung . Aber nichtsdestominder wollen wir die Gruppe der Meister höchlich ehren , welche nun schwarz und weiß gekleidet daherkam . Es waren die Männer , welche nebst der unschätzbaren Bibel freilich auch das Corpus juris druckten , aber daneben auch eifrig bemüht waren , stattliche Ausgaben der wiedererstandenen Klassiker herzustellen , und eine Ehre dareinsetzten . So wackere und fähige Werkleute waren sie , daß sie nicht nur das kitzlige und zusammengesetzte Handwerkszeug selbst anfertigten und verbesserten , sondern auch die griechischen und lateinischen Bücher selbst zu korrigieren verstanden . Es lag aber etwas Griechisches in der Luft jener Zeit , und wie alle Gewerke schon durch den Meistergesang mit der Kunst verbunden waren , so ging beinahe jedes einzelne unmittelbar in die bildende Kunst über und hatte bei derselben als Legaten die Sprößlinge seiner Werkstatt . So waren hier mit den Buchdruckern die Formschneider gepaart , deren Kunst alsobald der jungen Buchdruckerei zur Seite ging und in dem damaligen Drange , jedem geeigneten Raume Form und Bild aufzudrücken , sich blühend entfaltete . Ein tödlicher Frost ist dann lange Jahre hindurch auf diesen Blütendrang , der in allem Handwerk trieb , gefallen , und erst in neuester Zeit erholt er sich wieder ein wenig und fängt gerade , die bis zur Überfeinerung gediehene Kupferstecherei der verdunkelten Jahre überspringend , wieder da an wie ehemals , nämlich beim Holzschnitt . Aber noch wuchert mit der zehnfachen Mühe , mit welcher das Gute zu tun wäre , das Krabbelige , Charakterlose und Schwächliche und überwuchert das Klare und Feste , und das Übel scheint von oben zu kommen , wo man den festen Gedanken , der zur festen Form gehört , nicht freigeben will . Bezeichnend hiefür ist ein Zug , welcher sich unlängst zutrug . Der König eines großen deutschen Staates hatte über seine eigenen Porzellanwerkstätten in ernster Kunst ergraute Männer gesetzt , daß sie die Formen der Gefäße überwachten und den unreinen Geschmack austrieben und fernhielten . Allein eine überroyalistische Zeitung tadelte des Königs Maßregel und bemerkte ziemlich unbotmäßig , daß sich die vornehme Welt wohl keinen Geschmack vorschreiben ließe und den Rokokostil , welchen sie einmal zu ihrem Zeichen erhoben , aufrechtzuhalten wissen werde . Diese Palastrevolution gelang denn auch insofern , als die Pairs des Landes nicht des Königs rein geformte Blumengeschirre kauften , sondern sich anderwärts mit solchen versahen , welche einem aufrechtstehenden gefrorenen Waschlappen gleichen , und die Wächter des Geschmackes bewachten trauernd des Königs Ladenhüter . Neben Hans Schäufelein , dem fleißigen Schüler Albrecht Dürers , ging unter den Holzschneidern ein kleines Männchen in einem Mäntelchen von Katzenpelz und einer ebensolchen Zipfelkappe . Dies war Hieronymus Rösch , ein großer Katzenfreund , in dessen stiller Arbeitsstube überall spinnende Katzen saßen , am Fenster , auf Bänken und auf dem Tische . Auf das dunkle Katzenmännchen folgte eine lichte Erscheinung , die Silberschmiede , in himmelblauem und rosenrotem Gewand mit weißem Überwurf , die Klarheit und das kunstweckende Wesen ihres Metalles verkündend , während die Gold schmiede , ganz rot gekleidet in schwarzdamastenem Mantel und reich mit Gold gestickt , den tiefern Glanz ihres Stoffes zur Schau trugen . Silberne Bildtafeln und goldgetriebene Schalen wurden ihnen vorangetragen ; die plastische Kunst lächelte hier aus silberner Wiege , und die neugeborene Kupferstecherkunst hatte hier ihren metallischen Ursprung , wunderlich getrennt von dem Holzschnitt , welcher mit der schwärzlichen Buchdruckerei ging . Mit Holz und Kupfer nur hatten es die nun auftretenden Kupfertreiber und Ornamentschneider zu tun , dafür waren sie aber schon ganz Künstler und unbezweifelte Bildwerker . Sebastian Lindenast arbeitete seine kupfernen Gefäße und Schalen so schön und kostbar , daß ihm der Kaiser das Vorrecht verlieh , sie zu vergolden , welches sonst niemand durfte . Obgleich dergleichen für heute nicht mehr ziemte , so kann es doch keine sinnigere Beschränkung und Befreiung von derselben geben als diese , wo ein kunstreicher treuer Mann vom obersten Haupte der Nation , des Reiches die Befugnis erhielt , sein geringes Metall der edlen Form wegen , die er ihm zu geben wußte , mit Goldglanz zu umgeben und es so zum Golde zu erheben . Neben dieser um dieses Umstandes willen so lieblichen und wohltuenden Gestalt des Lindenast ( wie deutsch und grün wehend war schon dieser Name ! ) ging Veit Stoß , der Mann von wunderlichster Mischung . Dieser schnitzte aus Holz so holde Marienbilder und Engel und bekleidete sie so lieblich mit Farben , güldenem Haar und Edelsteinen , daß damalige Dichter begeistert seine Werke besangen . Dazu war er ein mäßiger und stiller Mann , der keinen Wein trank und fleißig seines Werkes oblag , die frommen Wunderbilder für die Altäre zutage fördernd . Welch reines Gemüt mußte dieser Künstler in sich tragen . Aber er machte eifrigst falsche Wertpapiere , um sein Gut zu erhöhen , und als er ertappt ward , durchstach man ihm beide Wangen öffentlich mit glühendem Eisen . Aber weit entfernt , von solcher Schmach gebrochen zu werden , erreichte er in aller Gemächlichkeit ein Alter von fünfundneunzig Jahren und schnitt nebenbei schöne und lehrreiche Reliefkarten von Landschaften mit Städten , Gebirgen und Flüssen ; auch malte er und stach in Kupfer . Noch ein sinnreicher Arbeiter in Kupfer war Hans Frei , Dürers Schwiegervater , welcher reizende und mutwillige Frauenfiguren in Kupfer trieb , die aus den Brüsten und aus dem Kopfputze Wasser springen ließen ; zugleich spielte er trefflich die Harfe und war in Musik und Poesie wohlerfahren . Seine schöne böse Tochter Agnes aber , in welcher sich Liebreiz und Unerträglichkeit unablässig vermählten , brachte den schönheitbedürftigen und sanftmütigen Altrecht unter den Boden . Doch als ein ganzer und klassischer Genoß trat nun , unter dem schlichten Namen der Gelb- und Rotgießer , Peter Vischer einher mit seinen fünf Söhnen , die Hantierer in glänzendem Erze . Er sah aus mit seinem kräftig gelockten Bart , seiner runden Filzmütze und seinem Schmiedefell wie der wackere Hephästos selber . Sein freundliches großes Auge verkündete , daß es ihm gelang , aus reinlichem Erz sich ein unvergängliches Denkmal zu setzen , reich in der Arbeit vieler Jahre und beschienen von der fernen Sonne griechischer Welt . Noch heute steht sein Grabmal des heiligen Sebaldus , ein schlank edler Aufbau von romantischer Phantasie und klassischer Anmut , der reiche Wohnsitz einer Schar edler mannigfaltiger Bildwerke , die in lichtem Raume den silbernen Sarg des Heiligen hüten . Er wohnte mit seinen fünf Söhnen samt deren Weibern und Kindern in einem Hause , an einer Werkstatt und konnte so mit seiner Familie einem geheiligten Baume verglichen werden , in dessen Ästen die köstlichen Früchte von Erz reiften , die in alle Länder hin sich verbreiteten . Die Wiege eines Helden , Staatsmannes oder Dichters müßte einmal in solcher Werkstatt stehen , wo unter leidenschaftlich bewegter Arbeit die ehernen Gestalten und eine Welt ebenmäßiger Zieraten aus einem Kerne sich bilden und das lang ausdauernde Schaffen einem lebendigen Epos gleicht . Zu den edelsten und vertrauenswertesten Gestalten einer wohlbestehenden Stadt gehören die kundigen Baumeister . Sie stehen unter allen Künstlern dem Rat am nächsten und sind dem Bürgerkinde stets eine werte Erscheinung , welche ihm Einsicht , Maß und Zierde bedeutet , Rat und Tat für das öffentliche Ganze wie für das Bedürfnis des einzelnen . Sie sind am innigsten mit Land und Boden verbunden ; denn sie bauen das Unbewegliche und müssen daher kundig sein in Fels und Wald wie am rauschenden Wasser . Ganz in diesem Sinne erschien in dem Zuge mit den Maurer- und Zimmermeistern besonders der eine der beiden Behaims , Hans , von dem die Nachrichten sagen , er sei angesehen gewesen bei Rat und Gemeinde , freundlich und gütigen Bescheids gegen jedermann wie gegen die geringsten seiner Arbeitsleute . Wenn man an die zierbegabten und gewaltigen Bauwerke jener Glanzzeit denkt , so muß man dieses Mannes vorzüglich zugleich gedenken . Wir aber , die wir nach menschlicher Schwachheit immer lieber das auffallende und seltsame Gute als das in gereihter sicherer Ordnung Erwachsene betrachten , sehen jetzt mit Vorliebe jenen großen dickstarken Mann heranschreiten , den Zimmermann Georg Weber , zu dessen grauem Kleide es einer Unzahl von Ellen handfesten Tuches bedurfte . Dieser war ein rechter Wäldervertilger ; denn mit seinen Werkleuten , die er alle so groß und stark aussuchte , wie er selber war , mit dieser Riesenschaft werkte er so mächtig in Bäumen und Balken und zugleich so sinnreich und künstlich , daß er seinesgleichen nicht fand . Aber er war auch ein trotziger Volksmann und machte im Bauernkrieg den Bauern Geschütze aus grünen Waldbäumen , aus welchen sie ganz emsig auf die Adeligen schossen . Er sollte desnahen zu Dinkelsbühl geköpft werden . Allein der Rat von Nürnberg löste ihn wegen seiner Kunst und Nutzbarkeit aus und machte ihn zum Stadtzimmermeister ; denn er baute nicht nur schönes und festes Sparren- und Balkenwerk , sondern auch Mühl- und Hebemaschinen und gewaltige lasttragende Wagen und fand für jedes Hindernis , eine jede Gewichtmasse einen Anschlag unter seiner starken Hirnschale . Das merkwürdigste war nun , daß er weder lesen noch schreiben konnte und bei aller dieser trotzigen Stärke doch so genau , maßtreffend , sorgfältig und fast zart in seinem Werke war , wie es nur die mit frommer Kindesunschuld gepaarte Kraft des Volkes sein kann . Endlich erschien , eröffnet von zwei » Lehrbuben « , die eigentliche Zunft der Maler und Bildhauer ; wie bei allen anderen Zünften folgten auch hier nach den Lehrlingen die Träger der Zunftzeichen und nach diesen zwei Gesellen der Maler Hans Spring in Klee , Dürers Schüler und Hausgenoß und kunstreich im Malen auf Pergament , in zierlich goldschimmernden und azurblauen Arabesken und Figuren , dann der Bildhauer Peter Flötner , ein geistvoller handsicherer Gesell und Künstler . Einzeln ging jetzt ein schöner Edelknabe mit dem Wappen , das in himmelblauem Felde drei silberne Schildchen zeigt und von Maximilian dem großen Meister für die ganze geehrte Künstlerschaft gegeben worden ist . Der Sinn dieses Wappens dürfte sich am einfachsten in den Begriff von Tafeln oder Schilderei auflösen . Hätten die Maler selbst es bestimmen dürfen , so würden sie wahrscheinlich in hergebrachtem Sinne eine Trophäe der bekannten Malergerätschaften gewählt haben ; der wappenkundige und poetische Kaiser aber wußte das einfache Besondere in die einfachste allgemeine sinnige Form zu kleiden . Hinter diesem anmutigen Wappen schritt nun Albrecht Dürer , zwischen seinem Lehrer Wohlgemuth und Adam Kraft , wie zwischen den guten Genien seines eigenen Namens . Für seine Person hatte sich ein Maler gefunden , der sein Äußeres , mit Ausnahme der Kleidung , nicht zu ändern brauchte , um dem Bildnisse des deutschen Meisters , das dieser selbst von sich gefertigt , beinahe ganz zu gleichen . Die hellen Ringellocken fielen , zu beiden Seiten gleich gescheitelt , ganz so auf die breiten pelzgeschmückten Schultern nieder , das gedankentiefe , fromme heitere Antlitz schien aus jenem Bilde herausgeschnitten , und ein schlankgeformter geschmeidiger Leib bewegte sich in dem schwarzen Untergewande . Diese Erscheinung war ganz germanisch und ganz christlich , und wenn sich auch in den geringelten Haaren ein anmutiger Schalk ahnen ließ , so war auch dieser christlich und ließ sich von der kirchlich angetrauten bösen Ehehälfte geduldig unter die Erde zanken . Wie anders jener römische Raffael , der , vom Anschauen des alten Marmors gesättigt , im Christlichen nur das Menschliche sah und sein kurzes blühendes Leben in freudebringendem gewaltigem Schaffen und freier Frauenliebe verzehrte . Albrecht war ein eifriger Reformationsmann , eben weil er ein tiefer Christ war ; hätte Raffael die Reformation empfunden und mitgelebt , er würde vielleicht nicht Raffael gewesen sein . Der Glückliche träumte in einer anderen Welt , und Papst wie Luther gingen wie Schatten an seinem Auge vorüber . Albrecht Dürer schloß als der letzte die vorüberwandelnde Schar der Bildner und Werkleute . Sie war der bedeutsamste Teil des ganzen Zuges gewesen , weil sie für alle noch eine Wahrheit war . Wenn auch nicht als organisches , republikanisch bürgerliches Gemeinwesen erwachsen wie jenes reichsstädtische , sondern durch das Wort eines zufälligen Fürsten zusammengerufen , gepflegt und bestärkt , hatten alle diese Männer und Jünglinge nicht nur durch die ungebrochene äußere Gestalt , sondern auch durch ihr Können und Wollen die Fähigkeit und das Recht , jene bewährten Vorfahren darzustellen . Denn es war kein dilettantisches Bestreben , was in dieser Stadt herrschte , sondern die Meisterschaft blühte in hundert Zweigen in glänzend reifender Technik . Außer den vielen Malern und Bildhauern gingen Baumeister , Erzgießer , Glas- und Porzellanmaler , Holzschneider , Kupferstecher , Steinzeichner , Medailleure und viele andere Angehörige eines vollen Kunstlebens . In den Gießhäusern standen zwölf Ahnenbilder für den Palast des Königs , soeben vollendet , jedes zwölf Fuß hoch und vom Scheitel bis zur Zehe im Feuer vergoldet ; zahlreiche kolossale Statuen von Fürsten , Dichtern und anderen Großen der Nation , zu Roß und Fuß , samt den reichen Bildwerken ihrer Fußgestelle , waren schon vollendet und über Deutschland zerstreut , riesenhafte Unternehmungen begonnen , und es ging in diesen Feuerhäusern wohl schon so gewaltsam und kraftvoll her wie an jenem Gußofen zu Florenz , als Benvenuto seinen Perseus goß . In Fresko und in Wachs waren schon unabsehbare Wände bemalt , ja in diesem Gebiete war ein Unerhörtes und Neues geschehen , indem ein schlichter Meister lange Hallen mit italienischen und hellenischen Landschaften auf eine maßgebende und bleibende Weise , und zwar so bemalt hatte , daß die Griechen , deren plastischem Auge unsere heutige Landschafterei wahrscheinlich ungenießbar wäre , diese Bilder verstanden und genossen und darin unserer Zeit einen Vorteil beneidet hätten . Haushohe Glasfenster wurden hier gebrannt und zusammengesetzt in einem Farbenfeuer und mit solch bewußtem Geschmacke , daß sie gegen die alten Reste , die wir besitzen , als eine neue Tat gelten konnten , und was die Gemäldesammlungen des Staates an seltenen und unersetzbaren Schätzen auf verwitterter Leinwand bewahrten , wurde zur Erhaltung von bewährten Arbeitern mit anspruchlosem Fleiße auf Porzellanplatten und edle Gefäße getreu übertragen mit einer Kunst , die man selbst vor zwanzig Jahren nicht geübt hatte . Neue bedeutsame Sammlungen entstanden auf diese Art. Nachdem nun , was eine Stadt baut und ziert und von ihr liebend gehegt wird , vorangegangen , trat gewissermaßen die Stadt selbst auf , wenn der nun folgende Zug von jenem irgend noch zu trennen ist ; denn beide zusammen machten ja das Ganze aus , und sein rühmliches Wohl kannte nur einen Boden für seine Wurzeln . Von zwei bärtigen Hellebardierern begleitet , wurde das große Stadtbanner getragen . Hoch trug der kecke Träger im weiß und roten , üppig geschlitzten Kleide die wallende Fahne , die eine Faust stattlich in die Seite gestemmt und anmutig den Fuß vorsetzend . Alsdann kam der Stadthauptmann , kriegerisch prachtvoll in Rot und Schwarz gekleidet , mit einem Brustharnisch angetan und den Kopf mit breitem , von Federn wogendem Baretthute bedeckt . Ihm folgten gleich die beiden Bürgermeister , staatsmännischen und weisen Ansehens , dann der Syndikus und die Ratsherren , unter denen manch ein im weiten Reich angesehener und demselben ersprießlicher Mann war . Von den beiden Stadtschreibern , welche nebeneinander gingen , war der eine schmächtige Schwarzgekleidete , mit der schöngeschnitzten Elfenbeinbrille auf der Nase , in Wirklichkeit der Literator der Künstlerschaft und der gelehrte Beschreiber des Festes . Sein rühmliches Gedenkbuch ist unserm Gedächtnis dankbar zur Hilfe genommen . Den Schluß bildeten nun die festlichen Reihen der ehrbaren Geschlechter . Seide , Gold und Juwelen glänzten hier in schwerem Überfluß . Diese kaufmännischen Patrizier , deren Güter auf allen Meeren schwammen , die zugleich in kriegerischer Haltung mit dem selbstgegossenen trefflichen Geschütze ihre Stadt verteidigten und an Reichskriegen teilnahmen , übertrafen den Adel an Pracht und Reichtum und unterschieden sich von ihm durch Gemeinsinn und sittliche Würde , vom gemeinen Bürger aber durch weitsehenden Blick und umfassenden erhaltenden Sinn . Ihre Frauen und Töchter rauschten wie große lebende Blumen einher , und die Damen mußten sich selbst gestehen , daß man vor vierhundert Jahren sich auch zu putzen wußte . Einige gingen mit goldenen Netzen und Häubchen um die schöngezöpften Haare , andere mit federwallenden Baretten und Hüten ; manche die Brüste straff in Goldstoff und Perlenstickerei gespannt , zwei Rubinen auf den höchsten Punkten , mit feinstem Linnen den Hals umschlossen , manche aber mit prächtig entblößten Schultern , von köstlichem Rauhwerk eingefaßt . Das Fremde und Eigensinnige im