sangen ihm sein frohes Reiterlied nach . GÜLDENKAMM : Flüchtig Dasein auf den Rossen , Kühnes Buhlen mit dem Winde Schaut die Erde fortgestoßen , Rollet unter uns geschwinde . CHOR : Schaut die Erde fortgestoßen , Rollet unter uns geschwinde . GÜLDENKAMM : Brausend strecken sich die Rosse Schmal wie einer Jungfrau Leib , Was auf Erden ich genossen , Dies ist schnellster Zeitvertreib . CHOR : Was auf Erden wir genossen , Dies ist schnellster Zeitvertreib . GÜLDENKAMM : Grüne Äste überstreifend , Treiben fort die läst ' gen Fliegen , Durch die grünen Wiesen Gleiten wir in Wolkenzügen . CHOR : Durch die leichten Wolken schweifend Teilet euch in gleichen Zügen . GÜLDENKAMM : Unser Hufschlag schallet doppelt An des Waldes grüner Wand , Und die Sonne scheinet doppelt Bebend an der Erde Rand . CHOR : Seht , die Sonne scheinet doppelt Vor dem Auge froh entbrannt . GÜLDENKAMM : In den Zügen , welch Geschreie , In den Mähnen , welch ein Hauch , Über uns kommt eine Weihe , Eine Träne in das Aug . CHOR : Über uns kommt ein Geschreie , Holla ho nach Reiterbrauch . GÜLDENKAMM : Wir vergessen schon der Stunden , Wo wir zwischen Mauern wohnen , Sind vom Abendglanz gebunden Freier Lieb zur Nacht zu fronen . CHOR : Abendglanz , wer dich gefunden , Wird bei seinem Liebchen wohnen . GÜLDENKAMM : Lange drückte schweigend Bangen Meines Herzens tiefen Grund , Seit mein Roß ist durchgegangen , Füllt mit Jubel sich mein Mund . CHOR : Uns erfasset doch ein Bangen Auf dem glatten Wiesengrund . GÜLDENKAMM : Weggeworfen sind die Bügel , Schwebend hält mich Gleichgewicht , Freies Roß , zerreiß die Zügel , Jage nach dem Sonnenlicht . CHOR : Fallet ihm nur in die Zügel , Daß er sich den Hals nicht bricht . Die gute Laune der Reiter endete das gefährliche Spiel Güldenkamms , der in einer frevelnden Begeisterung diesen Abend fortphantasierte , wunderliche , oft freche Liebesabenteuer anderer als seine eigene Geschichte erzählte ; indem er in verkehrter Überzeugung eines heimlichen Einverständnisses zwischen Anton und Susanna seine Liebe zu ihr auszulöschen suchte in angenommenem Stolz , entfernte er sie ohne Willen von sich zu einer Zeit , wo sie ihre Freundlichkeit mehr als je zu ihm hingewendet hätte , da sie vor mancher Eitelkeit Antons zurückschreckte . Auf einer warmen Bergseite , wo in der Wiesennähe große Haufen des schönsten frischen trocknen Heues dufteten , beschloß Anton diese Nacht zu rasten , alles stieg ab , die Knechte sorgten für die Pferde , die sie mit verbundenen Füßen auf die schöne Wiese führten und ihrer Freßlust überließen , die Herren hatten unterdessen schon das Heu unter dem Laubdache großer Buchen ausgebreitet und Decken darauf gelegt . Sie suchten nach Holz und fanden Bretter , die sie als Tisch in die Mitte des Lagers zur Sicherstellung der Becher auflegen konnten , das Brennholz mußten sie aus dem häufigen Reisig zusammenlesen , alles brach man übers Knie , was vorgefunden wurde , und Anton , indem er Feuer angeschlagen hatte , legte den brennenden Zündschwamm in einen großen Büschel trockner Blätter , die von Papier festgehalten waren , und bewegte sie dann heftig in der Luft herum . Erst rauchte es , dann fing es an , rötlich durchzuleuchten , dann brach die helle Flamme durch seine Hand , womit er schnell die angebrannte Blättermenge unter das trockene Reisig steckte , ein Wind erhob sich , und alles loderte mit Eile empor , daß sich die Bäume plötzlich in herrlicher Beleuchtung gleichsam verwandelt wie Säulen eines Tempels mit grüner Wölbung um ihn her ordneten , herrlich knatterte mit Wohlgeruch das grüne Laub des Wacholders , an welchem die Beeren fast schwarz gereift waren ; die Vögel in ihrem Blätterdickicht erwachten und glaubten den Tag zu begrüßen , Güldenkamm bestärkte sie darin , denn mit wunderlicher Geschicklichkeit wußte er ihren Morgengruß nachzumachen , daß Finken und Häher , Meise und Specht getäuscht wurden . Ehe die Speisen bereitet waren , wurde das Weinfaß aufgerichtet , Susanna als erwählter Mundschenk mußte die Becher füllen , da gab ' s ein Gesundheittrinken , ein Singen aus allen Kehlen , von Klingenberg am Maine , von dem guten Heu , Güldenkamm schrie seine Späße dazwischen , daß mancher ehrliche Pforzheimer sich wälzen mußte . Als er alle lustig geschwatzt hatte , machte er plötzlich einen ernsten Zug mit der Hand übers Angesicht , sah auf einmal ganz anders aus und sang mit recht bitterm Ernst : Grimmig ist der Gott verwandelt , Der im weine lächelnd haust , Hat mit Schlägen mich behandelt , In den Haaren mich gezaust . Keiner trink vom Freudenwein , Der ein traurig Herz verschließt , Denn er öffnet uns allein , Was in Tränen sich ergießt . Wein verwandelt sich in Weinen , Wie er lang den Namen äfft , Denn die Traurigen erscheinen Während Lust sich selbst verschläft . Trauer sitzet auf zur Wacht , Liebe schließet ihr das Tor , Und die kalte feuchte Nacht Weilet sausend ihr im Ohr . Die lustigen Seelen waren aber noch nicht hinlänglich verschlafen , um von dem Schreckensgesange nicht aufgeweckt zu werden , ein paar fielen über ihn her , um ihn zum Tanzen zu bringen , er wehrte sich , aber es half nicht , der Zwang verdroß ihn , aber es half nicht , er schlug um sich , es half nicht , ein paar knollige Bursche hatten ihn gepackt , ein paar ludelten dazu , Anton gönnte ihm den Unterricht in dem , was sich beim Trinken schickt . Endlich riß ihm die Geduld und er riß sich los , die andern mit Holzbränden hinter ihm her , das war eine Jagd , er lief so eilig , daß er einem wilden Eber beinahe in die Rippen trat , der dann mit seinen Hauern den Verfolgern den Weg zu verhauen Lust bezeugte . Der Anblick war den unbewaffneten Verfolgern nicht willkommen , sie waren noch gescheit genug davon zu laufen , wobei es leicht begreiflich war daß sie im allmählichen Erlöschen aller ihrer Feuerbrände den rechten Weg verfehlten , nur ein paar kamen zu Anton zurück , der mit Konrad und Susannen beim Weine geblieben war . Vergebens war jetzt das Rufen nach ihnen , die vielen Stimmen , die verwirrend einander zuriefen , der Widerschein , der sie weiter lockte , Irrlichter , die sie in falsche Richtungen führten , Moräste , die sie vermeiden mußten , zogen sie immer weiter von dem schönen Lager ab , an dem sich jetzt die Knechte ergötzten , die über einander genug zu lachen und zu erzählen hatten , was jeder erlebt , wie er sich endlich wieder zurecht gefunden , um sehr lange bei der unglücklichen Ursache dieser Zerstreuung zu verweilen . Noch waren keineswegs alle vollzählig , wohl aber waren manche Jäger und Bauern durch das Lärmen herbeigezogen worden , auf die man ein wachsames Auge haben mußte . Unter diesen Fremden zog ein Hirtenmädchen Katharina die Aufmerksamkeit aller auf sich , sie ging stolz neben ihrer Ziegenherde , ihre Größe war männlich , ihre Hüften hoch , ihr langes schwarzes Haar trug sie frei aufgebunden , ihre gebogene Nase hatte einen Adlerstolz und die aufgeworfene Lippe verleugnete diesen weder durch Ansehen , noch durch Rede . Einige junge Leute machten ihr leichtsinnige Anträge , sie wirft alle hochmütig von sich und wenn sie um die Ursache dieses Stolzes fragten , antwortete sie höhnisch : » Weil ich eine Jungfrau bin . « - Als die Bauern sahen , daß die Fremden sie neckten , fingen sie auch an sich in etwas sehen zu lassen , der eine fragte : » Was macht der Herr Vater Edelmann auf der Burg ? « - Sie erwiderte stolz : » Er prügelt euch Bauern ! « - Güldenkamm , der ein Gefallen am Ungewöhnlichen vorgab , nahte sich ihr mit vieler Artigkeit , wodurch er ihr Zutrauen schnell zu erwerben wußte , daß sie von ihm Wein und Speisen annahm , ihm auch erlaubte ihre Ziegen an sich zu locken , die er herzte und küßte , als hätte sich alle Zärtlichkeit von Susanna plötzlich auf diese Tiere geworfen , er trug sie und schüttelte sie , neckte sie , bis sie gegen ihn anliefen , dann fing er den Stoß mit seinen Händen auf . Katharina schien das mit Wohlgefallen zu bemerken , sie saß dabei in ernster Ruhe und sang ein Hirtenlied , das sie auf sich gemacht hatte : Die Schäferin Mit Rittersinn , Die Jungfrau rein Geht ganz allein , Der Bauernknecht Ist ihr zu schlecht , Aus edlem Blut Erwächst ihr Mut . Des Kaisers Jagd Zieht übers Feld , Des Kaisers Macht Sich ihr gesellt , Der Kaiser spricht Ihr ins Gesicht . Der Kaiser Vom Schloß ich zieh , Zu dir ich flieh , Lieb Schäferin , Nach deinem Sinn . Mein Zepter wird Ein Hirtenstab , Und was ich hab , Dich Schäfrin ziert . - Die Schäfrin spricht Vor sich ins Gras , Ihr im Gesicht Der Kaiser las . Schäferin Ich Schäferin Mit leichtem Sinn Sing ruhig fort Mein sinnig Wort : Ein jeder bleib Bei seiner Herd , Den König ehrt Kein Schäferweib . Der Gesang entzückte Güldenkamm , er glaubte einer vertriebenen Kaiserin begegnet zu sein , er sagte ihr entzückt , daß ihr Wesen ihre hohe Abkunft beweise , und sie nahm diese Worte mit sichtbarem Wohlgefallen auf , auch sprach sie gern mit Susannen , die sehr bald aus ihr herausbrachte , daß sie sich für die Tochter eines Grafen halte . Die Bauern aber versicherten , es sei nicht wahr , der Vater habe sie oft darum geschlagen , es sei daher gekommen , daß eine Gräfin in früher Zeit sie einige Zeit zu sich genommen habe , bis ein eignes Kind die Lücke gefüllt hätte , da sei sie im Schlosse nicht mehr wie sonst geliebt und verzogen worden , das habe sie gekränkt und sie sei fortgeflüchtet . Das sei schon sehr lange und Katharina gar nicht so jung , wie sie aussähe . Die Gräfin fand diese Aufführung so undankbar , daß sie das Mädchen nie wieder gesehen hat , Katharina hingegen lebt in ihren Gedanken noch immer auf dem Schlosse , sie verrichtet ihre Geschäfte , dann aber nimmt sie alle vornehme Leute , die sie dort gesehen , in Gedanken zum Besuche an , spielt mit ihnen wunderliche Abenteuer , wobei ihre Tugend und ihr Leben oft in schrecklicher Gefahr zu sein scheinen , die sie aber alle glücklich überwindet . Anton bat die Leute , Güldenkamm von diesen Einbildungen der stolzen Hirtin nichts zu sagen ; da er doch wegen einiger vermißter Reisegenossen den Tag noch im Walde gelagert bleiben wollte , so versprach er sich davon einige Unterhaltung . Sehr bald ging Güldenkamm mit der Hirtin in tiefen Gesprächen den Berghang hinunter ; als er zurückkam , schien er in besonders heitrer Laune ganz in der Art , wie er in den ersten Tagen mit Susannen gewesen , er drückte jeden an sein Herz und lächelte , als würde er von schöner Hand gekämmt . Allmählich kamen die Verlorenen wieder zusammen , Ritter Blaubart war einer der letzten , er wurde ganz erschöpft und gebunden von einem Köhler herbeigeführt . Nachdem er befragt , erzählte er seine Abenteuer , daß er durch ungeheure Sümpfe sich gearbeitet habe , wo Molch und Schlangen sich um ihn hergeschlängelt , daß er endlich vor der Hütte eines armen Kohlenbrenners liegen geblieben sei , der ihn gespeist und erquickt habe ; derselbe Mensch habe ihn auch zurückgeführt , sei aber unterwegs so still geworden , habe sich einen gewaltigen Stamm als Spazierstock abgebrochen und so fürchterlich mit allen Muskeln geknackt , daß er jeden Augenblick gefaßt gewesen sei , ihn gegen sich als Mörder umdrehen zu sehen . Dieser Gedanke hatte den Ritter endlich so durchdrungen , daß er sich über den Führer von hinten hergeworfen und ihn geknebelt hatte . Nachdem er dies vollbracht , hatte er erst die Klagen des alten Mannes vernommen , der ihm alles Gute vorwarf , was er ihm getan , er hatte sich über eine so schlechte Vergeltung geärgert und den alten Mann losgebunden ; kaum aber ist der Köhler in Freiheit gewesen , so hat der die Gelegenheit benutzt , als er es am wenigsten erwartet , ihn zu binden , der Ritter hatte seinen Tod für gewiß gehalten , der Alte aber hatte ihn stillschweigend an den Platz geführt , wo er die Fremden vermutete . Anton fragte den Köhler nach der Ursach seines Betragens , der Alte brummte ganz ruhig : » Einmal war der Herr nicht recht klug , da konnte er es wohl öfter sein . « Dagegen war nichts einzuwenden , alles Zutrauen ist doch nur die Folge davon , daß es niemals gebrochen ; Anton suchte mit einem frohen Trinkgelage alle zu versöhnen , wozu er ein nah gelegenes verlaßnes Schloß erwählte , dessen Rittersaal , mit wilden Rosen reichlich geschmückt , die große Menge stattlich und bequem umfing . Güldenkamm war unterdes mit der stolzen Katharina beschäftigt , sie kam häufig zu der Gesellschaft zurück , er aber suchte sie auf allerlei Art davon zu entfernen , besonders von Anton , dem sie nicht abgeneigt schien . Als sie wieder allein war mit Güldenkamm , fing sie an ihn milder anzublicken und versicherte , sie wolle ihm in der Nacht etwas vertrauen , er möchte nur zu ihr schleichen , sie würde sich unter der hohen Eiche nicht weit vom Schlosse finden lassen . Sie sprach so ernst bei dieser Einladung , daß Güldenkamm erst an ein Liebesabenteuer gar nicht denken wollte , sie aber sah ihn zuweilen so schelmisch an und sang dann mit leiser Stimme : Auf den Berg bin ich gezogen , Hab den Vögeln zugeschaut , Wie sie da gespielet haben , Daß die Federn sind geflogen , Und ich nahm die kleinen Gaben , Hab ein Häuschen draus erbaut . Auf die Wiesen sah ich nieder , Und die Lämmer , mit Gespött Jagten sich in Rosenhecken , Wolle blieb da hin und wieder An den Dornenzweigen stecken Und ich machte draus ein Bett . Als der Erntewagen kommen , Zog er auch am Rosenzweig , Weil er war zu breit geladen , Hat der Zweig davon genommen , Wär ' s verloren , war ' s ein Schaden , Was ich sammle , macht mich reich . Haus und Bett und Winterfutter Hab ich mir nun angeschafft , Einsam lieg ich in dem Bette , In dem Haus befiehlt die Mutter , Wenn ich einen Liebsten hätte , Wär ich frei aus dieser Haft . Güldenkamm war von dieser Annäherung sehr überrascht , doch ging er gleich zur näheren Untersuchung dieses gepriesenen Heiratsguts mehr aus Neugierde , als daß sein Herz darnach verlangte . Katharina erzählte ihm nun ausführlich , daß sie lange Gänse gehütet habe und Schafe und alle verlorne Federn und alle hängen gebliebene Wolle sich aufgesammelt habe , nun sei daraus ein schönes breites Bette geworden , auch habe sie mit Ährenlesen eine kleine Scheuer gefüllt , das alles sei ihr Eigentum und wenn sie nun erst den Grafen , ihren reichen Vater , gefunden , da werde sie in Überfluß leben . Güldenkamm fragte nach dem Namen dieses Grafen , sie verwies ihn auf die Nacht , wo sie ihm alles sicher erzählen könne . » Seht da « , sprach sie , » ich werde schon wieder gescholten werden von dem alten Niklas , der sich ganz trotzig für meinen Vater ausgibt , aber Ihr braucht ihn nur anzusehen , so werdet Ihr finden , das sei unmöglich . « Der alte Köhler kam jetzt vorbei und befahl ihr mit grimmigen Gebärden ihn nach Hause zu geleiten , es sei finster und er werde bald nicht mehr recht sehen können . » Alter , bleibt hier « , sagte Güldenkamm , » es ist für Euch reichlich gesorgt mit Speise und Trank ! « - » Ich kann nicht « , sagte der Alte , » die Mutter wartet mit dem Essen . « - » Die wird was Schönes zugekocht haben « , sagte Katharina , » kein Mensch mag mit der essen , heut ist so ihr Tag , wo sie Rattenschwänze statt Nudeln in die Suppe tut . « - Der Alte ward böse und wollte Katharinen mit Gewalt fortreißen , aber Güldenkamm warf sich dazwischen und nötigte ihn mit Ernst in das Schloß zurück , wo er ihn der Aufsicht der Knechte übergab , damit er ihm sein nächtliches Abenteuer nicht durchkreuze . Als er das veranstaltet , fühlte er selbst , wie zerschlagen er war durch die Anstrengung vergangener Nacht , durch den Tritt des Ebers in seine Rippen , er konnte sich kaum regen , wenn er sich einmal niedersetzte , und mußte vor sich selbst lachen , wie er so eifrig einem Vergnügen auflauere , das er wohl gar verschlafen müsse , doch fühlte er dabei , daß die Lust ihren eigenen Kopf hat , und an den Leib nicht gebunden ist . Im Schlosse ward es immer unruhiger , auf dem Hofe tanzte und schlug sich das Bauernvolk bei dem Biere ; da hatten sie bunte Federn auf ihre Kappen gesetzt , da hatte einer schon seinen alten rostigen Degen gezogen , weil der Nachbar seine Frau in einen Winkel gezogen , dort hatten ein paar Weiber einander bei den Haaren und die Männer gossen ihnen ruhig kaltes Bier über die Köpfe ; der Dudelsack ging nicht schlecht . Im großen Schloßsaale ging es beim Weine noch etwas still zu , das ganze Zimmer war mit wilden Blumen aller Art gestreut , Anton und die meisten seiner Gesellschaft lagen umher und schienen in der Behaglichkeit zur Träumerei übergehen zu wollen . Endlich sprang Anton auf und sang , indem er sich an die Spitze des langen Tisches setzte : ANTON : Wälzt ihr träumend euch auf Rosen , Wecken sie mit spitzem Dorn , Laßt beim Wein der Liebe Kosen , Denn das gärt ihn auf zum Zorn . GÜLDENKAMM : Kitzelt die Lust , Witzelt die Freude . Mir ist bewußt Himmlische Weide . ALLE : Springt zum Weine , muntre Füllen , Alle Pfropfen sollen springen ; Jeder Becher soll sich füllen Und am andern widerklingen . GÜLDENKAMM : Springet in Lust , Klinget in Scherzen , Mir ist bewußt Heimliches Scherzen . ALLE : Eitle Lichter sollen zittern , In der Tonflut hohen Wellen , Alle Tische ungewittern , Trommeln mut ' ge Trinkgesellen . GÜLDENKAMM : Trommelt in Lust , Stürmet den Himmel , Mir ist bewußt Zärtlich Getümmel . ALLE : Höret alle Scheiben beben , Höret alle Wände dröhnen , Wenn die Stimmen sich erheben , Muß der Donner uns versöhnen . GÜLDENKAMM : Bebet in Lust , Tönet in Fülle , Mir ist bewußt Liebender Wille . ALLE : Überall ist frohes Leben , Wie noch keiner je erhörte , Alle Lustigkeit von oben Wieder zu der Erde kehrte . GÜLDENKAMM : Lebet in Lust Jauchzender Stunden , Mir ist bewußt , Wer sie empfunden . ALLE : Saget , unter welchem Zeichen Stehen wir an diesem Tage ? Schwört , daß keiner soll entweichen Ohne Spitz vom Festgelage . GÜLDENKAMM : Fraget in Lust , Suchet die Zeichen , Mir ist ' s bewußt , Sie ist mir eigen . ALLE : Einer schwanket nach der Türe , Daß wir andern fester sitzen , Schwacher Bruder , laß dich führen , Mußt dich nicht so schnell bespitzen . GÜLDENKAMM : Bleibet in Lust Angeführt sitzen , Mir bebt die Brust , Sie zu besitzen . ALLE : Einer fiel , es fallen alle , Doch in Reih und Glied wie Krieger Harren wir mit Jubelschalle , Wer zuletzt erst fällt als Sieger . Alle glaubten , Güldenkamm mache einen seiner gewohnten Scherze , eine Heimlichkeit sich einzubilden , diesmal war es aber ernst , er schlich nach der hohen Eiche , an der Katharina , mit ihrem Schäferstab gelehnt , wie eine Bildsäule stand . Der Meistersänger beschleunigte seine müden Beine und wollte ihr um den Hals fallen , sie wies ihn mit dem Schäferstabe zurück . » Höre « , sprach sie , » nicht zu schnödem Liebeswerk hat dich die schuldlose Schäferin bestimmt , nein du edler Sänger , ein größeres Werk ist dir beschieden , mich sollst du führen auf des Vaters Schloß , zur Kronenburg , die mir verheißen . « » Kronenburg ? « fragte Güldenkamm , » und wenn ich mein Gedächtnis wie eine Tasche umdrehe , so fällt mir nicht ein , wo der Ort gelegen sei , Mädchen laß das jetzt . « » Drei Schritt von mir « , spricht sie , » sonst straf ich deine Frechheit ; gedenke , daß ich eine Jungfrau bin , wohl aus dem herrlichen Geschlecht der Grafen Stock . « » Gut gesprochen « , sagte Güldenkamm , der durch alles Feierliche in den Gegensatz des Spottes gesetzt wurde , » den Stock scheinst du führen zu können , daß ich dich immerhin als Gräfin von dem Stocke anerkennen möchte , wenn du ihn nur bei Seite stellen wolltest , aufrichtig gesagt , es kommt nichts dabei heraus . « KATHARINA : » Es kommt heraus , daß ich des Grafen Schwester bin , dem du als Sänger zugesellt ; zwar nicht im Ehestand geboren , doch aus der Liebe , sieh diesen roten Strich um meinen Hals im Mondenscheine , dies wird dem Herrn mein edles Blut versichern . « GÜLDENKAMM : » Der Strich ist mit den Augen nicht zu leugnen , doch möcht ich ihn auch mit dem Munde mir bestätigen . « KATHARINA : » Des braucht es jetzt noch nicht , doch biet ich dir die Wange heut zum Kuß , wenn du zur Ehe dich mir heut verloben willst , doch ohne meiner Liebe zu begehren . « GÜLDENKAMM : » Ich könnte das Versprechen immer wagen , denn nicht umsonst blick ich durch deine Feueraugen in dein Herz . « KATHARINA : » Was ich gebiete , kann ich selbst halten , doch ehe du leichtsinnig diesen Bund willst eingehen , höre , was ich dir von den Meinen sagen muß . « Sie redete leiser , » ich habe Schreckliches dir zu verkünden , der Niklas , der mein Vater wird genannt , der ist der Teufel und meine Mutter hat er zur Hexenkunst verführt . Sie hat es mir vertraut , als sie mich ihm mit Leib und Seele übergeben wollte , er könne sich verwandeln , erscheine oft ein stattlich junger Jäger mit einer Hahnenfeder , wenn sie ihm wohlgedient , mit Zärtlichkeit zu lohnen . Ich tat ihr meinen Abscheu kund , da lachte sie und sprach : Vergnügen ist nicht viel dabei , das muß ich selbst gestehen , doch manche Kunst , die gar sehr künstlich ist ! Bei diesen Worten hatte sie die Stirn sich eingesalbt und setzte sich auf eine Ofengabel und schwankte bebend um den Feuerherd , dann sank sie tot zu Boden , daß ich sie nicht erwecken mochte , doch plötzlich krachte schwer das Dach , da wachte sie aus ihrer Ohnmacht auf und erzählte vergnügt von tausend Dingen , die sie auf ihrer Reise nach dem Blocksberg wollt gesehen haben , wohin der böse Geist sie in der kurzen Zeit entrückt hatte , sie sprach von der Musik , vom Tanz , vom Glanz der großen Herren , als ob ich noch in meines Vaters Schloß gewesen , und sicher hätte sie mich in das Garn gelockt , wenn sie mir nicht von dem Konfekt geboten hätte , was sie dort eingesteckt , das war ... « GÜLDENKAMM : » Ein Dreck . « KATHARINA : » So eine fremde Losung mocht es sein . Seitdem vermied ich sie und suchte mir im Dorf Bekannte und mancher Freier kam , mich zu besuchen , doch wenn sie sich bei uns zum Tisch gesetzt und sahn die Schlangen in der Suppe und den Salat von Spinnen und gebackene Frösche , was sie als Leckerbissen ihnen vorgesetzt , da liefen sie mit großer Übelkeit vom Hause fort und ich ward bald verlacht . Seht Herr , mit solchem Haus wollt Ihr Euch kühn verbinden . « GÜLDENKAMM : » Es macht mich eifriger nach deiner Liebe , weil sie dir nützlich ist und mir nichts kostet als die Keuschheit , die ich doch gegen dich bewahren müßte , wenn ich dich nicht besäße ; wohlan , nimm meine Hand , ich will dich führen zu dem Bruder . « Sie gingen beide auf das Schloß zu , und wie Katharina den Schatten der Bäume am Boden so zuschaute , winkte sie Güldenkamm mit einem Drucke der Hand auf einige Schattenbilder von Menschen zu achten , die in den Zweigen versteckt an mehreren Bäumen hervorsahen . Güldenkamm sah mit einem heimlichen Herz- und Händefrost diese sonderbare Erscheinung , wären es Geister gewesen , die jene Bäume bewohnt , so hätten sie keine Schatten geworfen , es mußten versteckte Mörder sein , denn die leben wollten , fanden es herrlich lebend im Schlosse , wo jedermann gut aufgenommen war . Stillschweigend gingen sie in das Schloß , immer in der Sorge , daß der Druck eines Fingers eine Kugel oder die Spitze einer Lanze gegen sie aussende , doch kamen sie unverletzt in den Rittersaal , wo alles in tobender Freude durcheinander sang und lag . Anton goß durch eine Trompete den Wein an die Erde und blies abwechselnd hinein , dabei sang er : Trompete , du willst lustig sein , Und gießt den Wein von oben rein , Und unten läuft er wieder aus , Da bleibt das liebe Gut im Haus , Du blecherne Trompete , Du willst ein rein Gelöte . Trompete , du willst lustig sein , Ich blase dir von vorn hinein , Du bläst von hinten gar nicht fein , Du grunzest wie ein wildes Schwein , Du blecherne Trompete , Was spricht von dir die Flöte ? Nur mit Mühe konnte Güldenkamm Anton in diesem Gesang stören , um ihm die sonderbare Erscheinung auf den Bäumen zu melden , die Anton weiter nicht achten mochte . Aber der Zufall hatte ihm besser gedient als seine Klugheit , der Schall seiner Trompete hatte die Knechte geweckt , daß sie die Pferde gesattelt herausführten ; die Bauern , die auf den Bäumen versteckt die müde Frühheit zum Überfalle erwarteten , wurden über die Trompete , über das Lärmen im Schlosse bedenklich , ein paar glaubten , der alte Niklas , der sich aus dem Hause weggeschlichen , werde sie den Herrn verraten , fielen über ihn her , banden ihn und brachten ihn mit großem Geschrei ins Schloß , wo jedermann ihn noch in festem Gewahrsam vermutete . » Er hat uns allein verführt « , rief einer , » die gnädigen Herren heute auf den Kopf zu schlagen , ich verstehe , daß wir es haben tun wollen , er hat uns viel Geld dafür versprochen . « Alles fuhr auf und sprach untereinander , nur Anton blickte ihn ruhig scharf an und fragte ihn , warum er das habe tun wollen . » Ihr habt meinen Fabian umgebracht « , sagte der Alte , » meinen lieben Fabian . « » Bist du Niklas ? « » Ich bin es , Herr ! « » Hab ich dich , du Verruchter « , wütete Anton , » wie hast du meinen armen Vater verfolgt ; wie kann ich das je genug an dir rächen . « » Herr « , sprach er , » er hat Euch wohl nicht gesagt , daß wir ausgeglichen sind , er ist ein Sünder wie ich , hab ich ihm wehe getan in der Jugend , so hat er mich in späteren Jahren vernichtet ; o du mein Himmelchen , meine Barbara , die hatte ich mir für meine alten Tage ganz allein für mich geheiratet und als er von seiner Frau erst keine Kinder hatte , da hat er mir Hörner aufgesetzt , - und da seht Ihr sie stehn , Eure Halbschwester . « » Dem Teufel Hörner aufzusetzen , das ist ein liebes wertes Stück « , sagte Güldenkamm ; Anton aber sah den roten Streifen um Katharinens Hals , der sein Geschlecht bezeichnete , er faßte seines Vaters Ähnlichkeit in ihrer hohen Gestalt , stürzte in ihre Arme und nannte sie Schwester . » Niklas « , sagte er , » Euch sei verziehen um dieser Schwester willen , die Ihr mir auferzogen habt , aber sagt mir Bescheid , Ihr seid nun ein alter Mann , Euer Haar fällt vom Haupte und Eure Knieen beben , könnt Ihr nicht endlich zum Guten kehren ? - seht diese geliebte Schwester , da so viel Herrliches neben Euch bestanden hat , so muß Gottes Kraft groß sein , entsagt dem Teufel und allen seinen Werken . « » Hört Niklas « , sprach Katharina , » seht nur , wie so ein Mann noch gutmütig zu Euch reden kann , für Euch sorgen möchte , den Ihr ewig verflucht habt , wendet Euch aus des Teufels Ringen , reicht uns die Hand . « Niklas schien weinen zu wollen , er wollte auch die Hand ausstrecken , die Rührung in beiden , aus dem ersten Genusse verschwisterter Gesinnung hervorgequollen , strömte ihm aus einem Himmel , den er nie gekannt hatte ; zum erstenmal rief ihm eine innere Stimme zu : ich wollte , daß ich wäre wie diese ! Da warf ihn die Macht des Teufels an die Erde nieder ; wie der