noch eine Stunde vergehen werde , bis man die Klopfenden erreiche , und so rief ich sämtliche , befreundete Häuptlinge zusammen , um unter dem Vorsitze Tatellah-Satahs über das Schicksal unserer Gefangenen zu beraten . Diese Beratung fand auf unserer Kanzel statt , denn sie sollte von denen , über deren Schicksal wir bestimmten , gehört werden . Ich gab die Weisung , möglichst streng zu verfahren , und so kam es , daß die Sitzung einen sehr ernsten Verlauf nahm . Das Urteil lautete : Simon Bell und Edward Sommer werden aus dem Komitee entlassen . William Evening und Antonius Paper werden fortgejagt . Kiktahan Schonka Tusahga Saritsch , Tangua und To-kei-chun kommen an den Marterpfahl , bis sie tot sind , ihre Medizinen aber werden verbrannt . Ihre Unterhäuptlinge werden erschossen . Ihren viertausend Kriegern werden die Waffen , die Haarschöpfe und die Medizinen genommen ; dann können sie laufen , wohin sie wollen ! Das hatte einen harten Klang , war aber nur gut gemeint . Wir wußten ja alle , daß keiner von uns die Ausführung dieses Urteils wirklich wünschte . Alle die Genannten hatten sich da drüben auf ihrer Kanzel , obwohl sie jedes Wort unserer Beratung deutlich hörten , vollständig still verhalten . Wir hatten keinen einzigen Laut von ihnen vernommen . Nun aber das Urteil verkündet war , gab es bei ihnen eine nicht mehr zu unterdrückende Aufregung und einen Lärm , der uns der beste Beweis dafür war , wie ernst sie uns und unsere Aussprüche nahmen . Nur allein Tangua beteiligte sich nicht an diesem Lärm . Er ließ auch jetzt nichts weiter als sein klagendes : » Pida , mein Sohn ! « hören . Er mußte diesen Sohn außerordentlich lieb haben . Er war der achtbarste unter allen , die wir soeben verurteilt hatten ; ja , er begann sogar , mir sympathisch zu werden . Uebrigens taten wir so , als ob wir den Lärm da drüben gar nicht hörten . Und nun kam aus der Höhle die Botschaft , daß die Verschütteten erreicht worden seien , und daß ihr Anführer Pida mit Old Shatterhand zu sprechen wünsche . Ich gab die Weisung , ihn heraus zu mir zu bringen , aber nur ihn allein , denn sie alle seien als unsere Gefangenen zu betrachten . Es dauerte nicht lange , so kam er , ohne Waffen ; man hatte sie ihm abgenommen . Ich reichte ihm die Hand und sagte : » Pida ist mein Gefangener , aber mein Freund . Er wird uns nicht entfliehen ? « » Nein ! « antwortete er stolz . » Er gehe zu seinem Vater , um sich mit ihm zu besprechen . Dann komme er wieder zu mir ! Je schneller er das tut , um so rascher werden seine verunglückten Krieger aus der Höhle befreit ! « Ich gab ihm einen Führer mit . Er ging . Als er drüben angekommen war , hörten wir jedes Wort , welches nun dort verhandelt wurde . Dann kehrte er zurück . Ich tat so , als ob wir nichts gehört hätten und nichts wüßten , und fragte ihn : » Was hat Pida zu berichten ? « » Die Häuptlinge wünschen , mit Euch zu verhandeln . « » Worüber ? « » Ueber ihr Schicksal . « » Kennen sie es ? « » Ja . « » Von wem ? - Wer hat es ihnen mitgeteilt ? « » Niemand . Sie haben es gehört . Ihr habt beraten . Sie verstanden jedes Wort . Es geschehen Wunder hier am Mount Winnetou ! « » Ja , es geschehen hier Wunder ! « stimmte ich bei . » Und das größte dieser Wunder ist , daß wir gesonnen sind , Gnade walten zu lassen . Aber nur in Beziehung auf Eure Krieger ! Wir wollen ihnen ihre Medizinen lassen . Aber ihre Waffen haben sie in der Höhle abzulegen . Sie dürfen einzeln kommen , einer nach dem andern . Die Hungrigen werden gespeist , die Durstigen getränkt und die Verletzten verbunden . Wenn Pida uns sein Wort verpfändet , daß alle diese Krieger sich dankbar und friedlich verhalten , ist es sogar möglich , daß wir auch gegen die Häuptlinge nachsichtig sind ! « » Ich gebe dir dieses Wort . Aber dann muß ich noch einmal in die Höhle zurück , um diese Leute anzuweisen , wie sie sich zu verhalten haben ! « » So geh und komme bald wieder ! « Er wollte gehen , besann sich aber und sagte in etwas wärmerem Tone : » Tangua , mein Vater , hörte von mir , daß du dich selbst jetzt noch als meinen Freund betrachtest . Er beauftragte mich , dir hierfür Dank zu sagen . Er hat mich lieb . Seine Angst um mich war groß ! « Nun entfernte er sich . Das Herzle war bis jetzt bei ihren Freundinnen gewesen , welche sich mit ihren Scharen bereit hielten , die aus der Höhle Entlassenen mit Speise , Trank und Verbandzeug zu empfangen . Jetzt kam sie zu mir , um mich zu fragen , wann der erste Gerettete erscheine . » Der war schon da ! « antwortete ich . » Nämlich Pida . Er ist in die Höhle zurück , wird aber sofort wiederkehren . Und dann erscheinen sie alle , einer nach dem andern . « » So ist es ja die höchste Zeit ! Ich habe mich zu beeilen ! Ich muß zum Ingenieur ! Nun die Geretteten kommen , soll auch unser Winnetou erscheinen ! « Sie entfernte sich schnell . Es hatten bis jetzt nur einige wenige elektrische Glühlichter gebrannt , so daß von einer Beleuchtung des ganzen , großen , von Menschen wimmelnden Platzes keine Rede gewesen war . Jetzt kam Pida zurück , und grad als er wieder bei mir stand , öffnete der Ingenieur seinen Apparat , und sofort erschien auf der grandiosen , herabstürzenden Wasserfläche unser zum Himmel emporstrebender Winnetou , mit wehendem Haar und zur Erde zurückkehrender Häuptlingsfeder . Infolge der abwärts gehenden Bewegung des Wassers hatte es den Anschein , als ob die Gestalt sich in Wirklichkeit nach oben bewege , was einen Eindruck hervorbrachte , der gar nicht zu beschreiben ist . » Das ist Winnetou ! Mein Winnetou ! Unser Winnetou ! « rief Tatellah-Satah über die in diesem Augenblicke todesstille , kaum atmende Menschenmenge hin . Und da hörte man Wakons sonore , weithin schallende Stimme : » Ja , das ist Winnetou ! Das ist seine Seele ! « Und nun löste sich die allgemeine Ueberraschung , das Staunen , die Bewunderung in tausend laute , begeisterte Freudenrufe auf , bis der mächtige Brustton des riesigen Intschu-inta erklang : » Tatellah-Satah ! Unser Tatellah-Satah ! « Das galt dem einen Kopfe , den man zu Winnetous rechter Seite erblickte . » Tatellah-Satah ! Unser Tatellah-Satah ! « jubelte die Menge . » Der andere Kopf ist Marimeh , die Königin der Sage , die Freundin aller unserer Ahnen ! « Der » junge Adler « war es , der das rief . » Marimeh ! Die Königin ! Die Freundin ! « ging es wiederholend von Mund zu Mund . Eine Magik sondergleichen für das Auge und für das Herz , so lag der Schleierfall vor uns ! Niemand dachte in diesem Augenblicke an die gestern versunkene Figur . Niemand achtete des gähnenden Abgrundes , in dem die Pläne und die Hoffnungen unserer Gegner vollständig verschwunden waren . Aller Augen und aller Sinne und Gedanken waren nur von dem wie lebend erscheinenden Bilde gefesselt , von dem kein Blick sich wenden zu können schien . Und da kamen die ersten Geretteten aus der Mündung des unterirdischen Ganges . Sie blieben stehen , von dem strahlenden Anblick , der nach so langer und tiefer Dunkelheit sich ihnen jetzt bot , wie fasziniert . Aber vorwärts , vorwärts ! Sie mußten weiter immer weiter ! Denn es kamen hinter ihnen andere , die ebenso entzückt stehen blieben und doch ebenso auch weiter mußten ! Unsere Winnetous bildeten ein Spalier , durch welche die dem Tode Entgangenen nach den für sie reservierten Teilen des Tales geleitet wurden , wo sie einstweilige Unterkunft und Verpflegung fanden . Das ging so stundenlang . Es hatte ungefähr um Mitternacht begonnen , und es endete erst gegen Morgen , als der Tag zu grauen begann . Inzwischen hatte Pida nicht die Hände in den Schoß gelegt . Er war zwischen mir , dem Beauftragten von unserer Seite , und Tangua , dem Sprecher von jener Seite , fast ununterbrochen hin- und hergegangen und hatte sich alle mögliche Mühe gegeben , das über die Häuptlinge ausgesprochene Urteil möglichst zu mildern . Wir sahen das sehr gern , taten aber so , als ob uns an diesen neuen Verhandlungen gar nichts liege . Darum ließ ich zunächst nur in Beziehung auf die gewöhnlichen Krieger unsere Bestimmungen fallen . Sie durften frei sein , vollständig frei , ihre Medizinen und ihre Pferde behalten und sich entfernen , sobald sie wollten . Als sie das hörten , gab es einen großen Jubel unter ihnen . Ihre Lage gestaltete sich , den Verhältnissen angemessen , so vorteilhaft , wie sie es noch vor einigen Stunden gar nicht hatten ahnen können . Sie hatten trotz der Gefährlichkeit der Katastrophe keinen einzigen Toten gehabt . Die Verletzungen , welche meist in Quetschungen bestanden , waren zwar schmerzhaft , aber nicht gefährlich . Sie wurden von den Frauen verbunden , und die Herren Patienten fühlten sich in der ihnen gewidmeten Fürsorge außerordentlich wohl . Sie fanden es ganz angenehm , nun jetzt die Freunde derer zu sein , die sie noch gestern hatten vernichten wollen . Sie sahen die Sterne , welche ihre Wohltäter und Wohltäterinnen trugen . Sie fragten nach dem Sinn , nach der Bedeutung dieser Sterne . Man erklärte sie ihnen . Man zeigte auf die herrliche Gestalt unseres Winnetou . Man sagte ihnen , daß es sich nicht mehr um die Aufstellung eines toten , steinernen Bildes handle , sondern um die Schöpfung eines großen , edlen , lebendigen Winnetoukörpers , eines sich über ganz Amerika und auch darüber hinaus verbreitenden » Clan Winnetou « , der von seinen Gliedern weiter nichts verlangt , als edle Menschen zu sein , die nur Liebe geben , weil nur diese allein den Menschen edel macht . Bald hörte man die belehrende Stimme des » jungen Adlers « erschallen . Er war » der erste Winnetou « und gesellte sich jetzt zu ihnen , um ihnen zu erzählen und zu predigen , was ihnen , zumal in ihrer jetzigen Lage , förderlich und heilsam war . An anderen Stellen hörte man die Stimmen anderer Winnetous . Sie gingen , um mich eines biblischen Ausdruckes zu bedienen , » Menschen fangen « . Als Pida das sah , freute er sich und sagte : » Es ist ein wunderbarer Samen , den Old Shatterhand in das Herz seines Bruders Winnetou legte . Dieser Same trug köstliche Früchte . Die Blüten duften weiter und weiter , und die Körner keimen weiter und weiter . Es wird nicht mehr Stunden , sondern nur noch Minuten dauern , so werden alle diese eure Feinde verlangen , in den Clan Winnetou aufgenommen zu werden . Wäre ihnen diese Bitte zu erfüllen ? « » Gewiß ! Sehr gerne ! « antwortete ich . » Auch mir ? « » Auch dir ! « » Auch uns ? « Er deutete bei diesen Worten nach der gegnerischen Kanzel hinüber . Ich antwortete lächelnd : » Mein Bruder Pida ist ein sehr , sehr kluger Vermittler . Wenn ich die Wahrheit sage , daß auch die gefangenen Häuptlinge in den Clan aufgenommen werden können , muß ich sie freigeben und ihnen alles verzeihen ! « » Wenn du das tust , bist du ein Winnetou , sonst aber nicht ! - Erlaubst du mir , zu meinem Vater zu gehen ? « » Geh ! « sagte ich , aber erst nach einer Weile . » Doch kehre bald zurück . Der Morgen ist schon unterwegs . « Er ging . Als er bei den Seinen angekommen war , hörten wir hier hüben wieder alles , was er drüben sagte . Er war auch dort ein vortrefflicher Vermittler . Die in der Höhle ausgestandene Angst , der liebevolle Empfang von unserer Seite , der unvergleichliche Eindruck der heutigen Beleuchtung und unserer köstlichen Winnetoufigur , das alles wirkte zusammen , den jungen Häuptling der Kiowa zu unterstützen , seinen guten Zweck zu erreichen . Er kehrte zu mir zurück und meldete : » Tangua , mein Vater , der Häuptling der Kiowa , würde zu dir kommen , aber er kann nicht gehen . Er möchte dich um Verzeihung bitten , sich mit dir versöhnen ! « » So bleibe er ! « antwortete ich froh . » Ich gehe zu ihm . Ich bitte dich , mich zu ihm zu bringen ! « Ehe ich mich mit ihm entfernte , bat ich die Häuptlinge , hier sitzen zu bleiben , zu lauschen und , falls ich von drüben herüber darum bitten sollte , mit zu antworten . Am Fuße unserer Kanzel erschien gerade jetzt der » junge Adler « , um irgend eine Frage an mich zu richten . Ich ließ ihn gar nicht zu Worte kommen , sondern sagte : » Die Häuptlinge sollen sofort ihre Medizinen erhalten . Wie lange dauert es , bis du sie bringen kannst ? « » Mit dem Vogel ? « fragte er . » Wenn es möglich ist , ja . « » Eine halbe Stunde . « » Das ist mir recht . Es wird dann , gerade so wie gestern , dämmern . Das ist die rechte Zeit . Bitte , geh sogleich ! « Als ich mit Pida drüben ankam , stand seine Frau mit ihrer Schwester an der Kanzel . Wir stiegen hinauf . Pida setzte sich zu den Häuptlingen nieder , ich aber blieb stehen . Tangua ergriff das Wort . Er sagte , daß er gern aufstehen möchte , um zu mir zu sprechen , leider aber könne er sich nicht erheben . Ich ließ ihn nicht weiterreden , sondern fiel ihm in das Wort . Ich sagte , wenn hier um Verzeihung gebeten werden solle , so sei gewiß nicht der Indianer , sondern das Bleichgesicht zuerst und zumeist hierzu verpflichtet , und dieses Bleichgesicht sei ich . Hierauf griff ich in die Vergangenheit und erzählte , wie das Bleichgesicht über das Meer gekommen sei , um seinem » roten Bruder « alle seine » Medizinen « zu rauben . Ich ging hierauf der Geschichte nach . Ich übertrieb nichts und bemäntelte nichts . Ich erzählte die Wahrheit , nackt und ungeschminkt , wie sie wirklich , wirklich war . Ich sprach von den Fehlern der roten Rasse , von ihren Tugenden , von ihren Leiden , vor allen Dingen von ihrer bisherigen Zukunftslosigkeit . Das alles habe man vornehmlich dem Bleichgesicht zu verdanken . Aber dieses Bleichgesicht sei zur besseren Erkenntnis gekommen . Es wünsche , daß sein roter Bruder leben bleibe und zum Volke werde , wie es ihm von Anfang an beschieden sei . Dieses Bleichgesicht sei bereit , alle seine Irrtümer einzugestehen und wieder gut zu machen . Es fühle vor allen Dingen , daß es verpflichtet sei , sein Herz und sein Gewissen zu reinigen , indem es seine roten Brüder um Verzeihung bitte . Indem ich dies sagte , trat ich zu ihnen hin und streckte meine Hände aus , sie ihnen zur Abbitte zu reichen . Einige Augenblicke lang waren alle still ; dann aber wurden mir alle Hände entgegengereicht , und alle Stämme versicherten mir , daß sie ebenso gesündigt und ebenso um Verzeihung zu bitten hätten , wie ich , das Bleichgesicht . » Einander verzeihen ! Ihr uns und wir euch ! « rief Tangua . » Und dann einander helfen ! Ich habe dich gehaßt , nun aber werde ich dich lieben ! Wenn ich sterbe , soll Friede sein über meinem Grabe ! Sind wir noch eure Gefangenen ? « » Nein ! « erklang die Stimme Tatellah-Satahs , noch ehe ich antworten konnte . » Uff ! « rief Kiktahan Schonka . » Wer spricht da ? « » Der Bewahrer der großen Medizin . « » Wo ? « » Drüben auf der anderen Teufelskanzel . « » So sind wir hier auch auf einer Kanzel ? « » Ja . Ich belauschte euch auf der nördliche Tenfelskanzel , die man Tscha Manitou , das Ohr Gottes , nennt . Dort hört der gute Mensch , was die bösen Menschen sagen , und kann sich darum retten . Und nun belauschten wir euch hier auf der südlichen Teufelskanzel , die man Tscha Kehtikeh , das Ohr des Teufels , nennt . Da hören die bösen Menschen , was die guten sagen , und sehen sich dann gerettet . Der Häuptling Tangua hat gefragt , ob ihr noch gefangen seid . Er mag weiter fragen ! « Das ließ er sich nicht zweimal sagen , sondern tat es sofort : » Kommen wir an den Marterpfahl ? « » Nein , « antwortete Tatellah-Satah von drüben herüber . » Wir müssen also nicht sterben ? « » Nein . « » Wir behalten unsere Waffen und unsere Pferde ? « » Ja . « » Dürfen hier bleiben und Winnetous werden ? « » Ja . « » Sind alle eure Häuptlinge einverstanden ? « » Alle , alle , alle , alle ! « ertönten so viele Stimmen , wie Häuptlinge sich jetzt bei Tatellah-Satah befanden . » Und was wird mit unseren Medizinen ? « » Schau zum Himmel auf ! - Wen siehst du da ? « Es dämmerte jetzt so , daß der Ingenieur den Apparat schloß . Winnetou verschwand vom Schleierfall . Dafür aber erschien hoch oben der » junge Adler « , ließ sich tiefer und tiefer herab , flog dreimal um den Platz und landete dann so , daß er genau vor der Kanzel , auf der ich mich jetzt befand , den Boden berührte . Da stieg er aus , kam herauf und sprach : » Old Shatterhand gibt euch durch mich eure Medizinen zurück . Ihr seid also frei ! « Wie hastig sie zugriffen , um sie sich umzuhängen ! Sie jubelten laut , und dieser ihr Jubel verbreitete sich weiter und weiter . Dazwischen hinein aber rief Tatellah-Satah zu ihnen herüber : » Ihr seid unsere Freunde ! Morgen wird ein neues Komitee gebildet , welches über den Clan Winnetou zu beraten hat . Und übermorgen reiten sämtlich Häuptlinge und Unterhäuptlinge nach dem Berg der Königsgräber , um nach der Geschichte unserer Vergangenheit zu suchen . Howgh ! « Durch diese Nachricht wurde der Jubel verdoppelt . Der » junge Adler « flog wieder nach seinem Turm zurück . Ich aber beschloß , mit meinem Herzle einen Rundgang durch das Tal und alle die verschiedenen Gruppen , die sich da gebildet hatten , zu machen . Wir kamen da bis hinauf nach der Kantine , in deren Nähe die Brüder Enters noch lagen , sorgfältig zugedeckt und von zwei Komantschen bewacht . Niemand hatte Zeit gehabt , sich mit ihnen zu beschäftigen . Nun aber war es unsere Pflicht , in ernster , humaner Weise für ihr Begräbnis zu sorgen . Wir erfüllten ihren letzten Willen : wir suchten nach den Namen in ihren Winnetousternen . Hariman hatte meinen Namen , Sebulon den Namen meiner Frau geschrieben . So waren sie , die uns erst nach dem Leben trachteten , durch innere Wandlung zu unsern Beschützern geworden und für uns in den Tod gegangen ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das ist der Schluß dieses vierten Bandes . Indem ich ihn jetzt , Ostern 1910 , beende , kommt das Herzle und legt mir eine deutsche Zeitung vom 23. März dieses Jahres vor , in welcher unter dem Titel » Ein Denkmal für die Indianer « folgendes zu lesen ist : » Aus New York wird berichtet : Das große Standbild der Columbia in der New Yorker Hafeneinfahrt wird voraussichtlich in kurzer Zeit ein Gegenstück erhalten . Am Hafen der amerikanischen Metropole soll ein großes , mächtiges Denkmal entstehen , das bestimmt ist , kommenden Generationen die Erinnerung an die rote Rasse aufrecht zu erhalten , die vielleicht in wenigen Menschenaltern als solche ausgestorben sein wird . Der Plan dieses Denkmales geht auf Mr. Rodman Wanamaker zurück und hat im ganzen Land sofort lebhaften Widerhall gefunden . Auch Präsident Taft hat der Idee zugestimmt . An der Hafeneinfahrt soll das Standbild eines riesigen Indianers errichtet werden , als ein Sinnbild dafür , daß das Volk Amerikas trotz aller der roten Rasse zugefügten Ungerechtigkeiten die edlen Eigenschaften der Ureinwohner Amerikas vollauf würdigt . Es soll die Schuld des Landes gegen die aussterbende Rasse der ersten Amerikaner symbolisieren und künftigen Geschlechtern die schönen Charakterzüge der roten Rasse vor Augen führen . Der Indianer wird mit ausgestreckten Händen dargestellt , wie er die ersten weißen Männer willkommen hieß , die Amerikas Küste beraten . « Ich frage : Ist das nicht interessant ? Fußnoten 1 Zimmermädchen . 2 » Nebeljungfrau « . 3 Friedhof . 4 Gewaltigen und unvergleichlichen Redner . 5 Teufelskanzel . 6 Siouxdialekt : » Der wachende Hund « . 7 Fahrkarten . 8 Diener , Pferdeknechte . 9 Adelig . 10 Maultier . 11 Sprich Klänn . 12 Das Ohr Gottes . 13 Ohr des Teufels . 14 Utahsprache : Schwarzer Hund . 15 Utahsprache : Der Fuchsberg . 16 Siouxsprache : Wasser des Todes . 17 Tödlicher Staub . 18 Dienerschaft . 19 Dunkles Wasser . 20 » Eine Feder « . Siehe Winnetou III , S. 553 . 21 » Dunkles Haar « . 22 » Große Schlange « . 23 » Fünf Berge « . 24 » Geheimnis- oder Medizinensee « . 25 » Gutes Auge . « 26 Passionsblumen . 27 Pfeffermühle .