Mensch , der sich an mich und diesen Satan wagt ? « Wir gingen hin , um das Pferd in Augenschein zu nehmen , konnten uns aber nicht ganz nähern , denn die Bestie duldete das nicht . Sie biß und schlug nach Jedem , den sie erreichen konnte . War das natürliche Bosheit oder Dressur ? Ja , diese Schecke war ein echtes Khorassanvollblut , starrsinnig und bis zur Glühhitze kalt , wie das Klima ihrer heimatlichen Salzwüsten ! Die Ohren groß , mit hängenden Spitzen , wie bei gewissen Hunderassen . Die Stirn verschwindend niedrig , doch knochig , höckerig und überbreit . Das Auge boshaft , aus dem Weißen schielend . Das knorpelige Maul mit Borsten stark besetzt . Die Brust sehr schmal , das Ideal einer Rennerlunge andeutend . Die Muskeln der Vorarme und Schenkel vortrefflich geübt und gestählt . Die Beugesehnen , Kötengelenke , Fesseln , Kronen und Hufe geradezu unvergleichlich . Schopf , Mähne und Schwanz aber häßlich dünn , ohne Glanz , mit absterbenden Haarspitzen . Das Alles zusammen ein Pferd , welches ein Fragezeichen für jeden Kenner war , sobald es ruhig stand , dann aber schon bei der kleinsten Bewegung ahnen ließ , daß höchst wahrscheinlich ganz Ueberraschendes in ihm stecke . Ich hatte , sobald der Mirza nach seinem Teufel rief , Kara fortgeschickt , auch Syrr zu bringen . Er kam mit ihm , grad als Ahriman die Frage , wer mit ihm anzubinden wage , zum zweitenmal wiederholte . Da trat ich vor und sagte nichts , als - - » ich ! « Da lachte er fast brüllend auf und rief zu seiner Khanum Gul hinüber : » Hast du es gehört ? Er - - er - - derselbe ! Fast dachte ich es mir ! Denn dieser Mensch scheint mir dazu geboren , stets da zu sein , wo ihn kein Teufel braucht ! « Er strich mit der Reitpeitsche quer gegen mich hernieder und fuhr dann fort : » Kein Anderer käme mir so recht wie du ! Ein Ausgestoßener des Abendlandes , der uns das schöne Morgenland vergällt , um sich in seiner Heimat wieder einzuschmeicheln ! Du wärst der Mann , den Chandschar mir zu nehmen ! Ich habe wohl gehört von deinem Rappen , mit dem du prahlst , wohin du immer kommst . Assil Ben Rih , der Hengst der Hadeddihn , der dort bei euern andern Kleppern steht ! Hol ihn herbei ! Ich weiß , er ist doch Eure letzte Hoffnung ! « » Er ? « antwortete ich . » Nein , den reite ich nicht . « » Wen sonst ? Etwas Besseres habt Ihr ja nicht ! « » Wir haben nicht nur ihn , sondern auch seinen Chodem . Den reite ich . Schau dich um ! « Da fuhr er scharf zusammen , riß seine Schecke herum und starrte Syrr an , der , von Kara gehalten , hinter ihm gestanden hatte . Man sah , wie er erschrack , als er ihn erblickte . » Syrr ! Der Syrr ! Das Lieblingspferd des Schah-in-Schah ! « entfuhr es tonlos seinen Lippen . » Oh , nun weiß ich Alles ! Das ist dein Werk , Marah Durimeh , das deinige ! Du , du und nur du kannst den Schah-in-Schah veranlaßt haben , den Syrr zum Chodem des Assil zu machen ! Aber , sei es denn ! Er geht ja keinen Schritt mit einem Fremden ! und gar den Halfter nur , nicht Trense und Kandare ! Verrückt , verrückt , verrückt ! Fast sollte ich mich schämen , des Teufels Ruhm mit einem Sieg zu schänden , den jedes Kind vorauszusehen hat . Doch , weil es meinem Chandschar gilt , bin ich gezwungen , diese Tour zu reiten , blamiert vom Syrr , der stehenbleiben wird ! « Er trieb den Teufel an die Schranke . Ich stieg auf , um ihm zu folgen . Syrr aber ging keinen Schritt . Wollte er heut nicht ? Oder war ihm die Schecke so zuwider , daß er sich weigerte , sich in gleiche Linie mit ihr zu stellen ? Als Ariman dieses Weigern bemerkte , lachte er siegessicher auf und gebot , das Zeichen zu geben Er hatte schon gleich im Anfange wenigstens fünfzehn Pferdelängen voraus . Die Spannung , welche ringsum herrschte , war eine ungeheure . Die Namen wurden verkündet . Wir sahen und hörten , daß sie weitergetragen wurden , uns voraus . Dann ertönte die Kärna , und der Teufel flog sofort im Galopp auf die weite , offene Bahn hinaus . Noch stand Syrr still . Ich trieb ihn an , doch ohne Erfolg . Fast wollte es mir Angst werden . Da streckte er den schönen Kopf aus , ließ seine schmetternde Stimme hören und - - - ja , was war denn das ? Ritt ich , oder flogen alle die doch unbeweglich stehenden Menschen auf mich zu , um hinter mir zu verschwinden ? Ich fühlte nichts , als nur den Wunsch , den Teufel zu besiegen , und es war , als säße ich nicht auf einem Pferde , sondern auf diesem Wunsche , dem die Erfüllung entfliehen wollte und aber doch mit immer wachsender Schnelligkeit entgegenkam . Am Ende des Sees war ich dem Iblis schon so nahe , daß ihn der Mirza zu peitschen begann . Im Duar holte ich ihn ein . An der Tribüne fluchte Ahriman schon hinter mir . Bald darauf hörte ich schon den Hufschlag des Teufels nicht mehr . Ich drehte mich nicht um . Aber als ich zum zweiten Male um den See gebogen war ; sah ich den Mirza erst an der Biegung ankommen . Er hatte die Peitsche umgedreht und bearbeitete den Kopf der Schecke mit dem schweren Griffe . Der Schmerz veranlaßte sie zu einer letzten Anstrengung ; sie kam mir wieder näher . Da gab mir Syrr durch sein tiefes » U - u - u - uh « zu verstehen , daß er das auch sehe , und griff derart aus , daß ich glaubte , ihn zügeln zu müssen . Wieder im Duar angekommen , ließ er schnell nach , ging in hohem parierendem Galopp am Landeplatz vorüber und kam dann , gemächlich schreitend , bei der Tribüne an . Wie gönnte ich ihm den brausenden Jubel , dessen Bedeutung er gar wohl verstand , wie mir seine spielenden Ohren verrieten . Aber der Kuß , den ich ihm gab , sobald ich abgestiegen war , schien ihm doch lieber zu sein , denn er küßte mich wieder , auf die Wange , fuhr mir in das Haar , nahm bald meine eine , bald meine andere Hand in das Maul , kurz , zeigte mir auf alle mögliche Weise , daß er nur für mich da sei , für nichts Anderes . Und doch war er es , auf dem Aller Augen bewundernd ruhten , nicht etwa auf mir , und das war auch ganz selbstverständlich und richtig ! Und da kam nun auch Ahriman mit dem Teufel , oder vielmehr der Teufel mit Ahriman , denn er ging mit ihm durch ; infolge der Hiebe mit der Peitsche . Die Zügel hingen vorn herunter ; die Bügel waren leer ; der Reiter lag nach vorn und klammerte sich am Halse fest . Aber dieses Durchbrennen war kein gewöhnliches . Es geschah nicht etwa in vollem Jagen und ging auch nicht stets in derselben Richtung , sondern das Pferd verfolgte die sehr bemerkbare Absicht , den Reiter aus dem Sattel und unter die stampfenden Hufe zu bringen . Es bockte und schlingerte , sprang bald nach rechts , bald nach links , rannte dann eine Strecke geradeaus , blieb stehen , um mit gefletschten Zähnen nach rückwärts zu beißen , lief wieder fort , kehrte um , drehte sich im Kreise , kurz , es wollte den Mirza herunterhaben , um sich zu rächen . Den Grund sahen wir , als es sich uns näherte . Es hatte nur noch ein gesundes Auge . Das andere hing aus der blutenden Höhle . Ahriman hatte es ihm ausgeschlagen ! Er befand sich in ganz derselben Stimmung wie sein Teufel : Scham , Wut , Rache ! Als er uns erreichte , stand die Schecke für einen Augenblick still , um eine neue Tücke vorzubereiten . Da richtete er sich auf und rief : » Der Chandschar ist verloren , und so sei es denn dieser Satan auch ! Ihr habt ihn gewonnen . Wohlan , da nehmt ihn hin ! Aber nur als Aas für den Schinder ! « Er zog die Doppelpistole aus dem Gürtel , spannte die Hähne , hielt die Läufe an die zwischen den Nickwirbeln liegende Stelle und gab die beiden Schüsse rasch hinter einander ab . Er hätte jetzt schnell abspringen müssen , war aber in seinem Rachedurste für die Vorsicht blind . Der Iblis zuckte unter den Kugeln . Das übrig gebliebene Auge schloß sich ; der Kopf sank niederwärts , und die Kniee schienen brechen zu wollen . Da aber sammelte sich seine sterbende , dämonische Kraft . Er warf den Kopf empor , ging mit allen Vieren in die Luft , faßte wieder Boden , warf sich aus freier Hand grad auf den Rücken , sprang wieder auf und packte den nun an der Erde liegenden Peiniger mit den Zähnen , und zwar am Kopfe , dessen oberer Teil in dem weit , weit geöffneten Rachen ganz verschwand . Dabei überkam ihn ein Zittern , welches über seinen ganzen Körper lief . Den Kopf des Prinzen festhaltend , brach er zusammen - - - er war tot ! Man eilte hin . Die schreckliche Gruppe war vor den hilfeleistenden Menschen für einige Zeit nicht zu sehen . Dann teilte sie sich . Man hatte Ahriman aus den Zähnen der verendeten Bestie befreit . War es Besinnung oder etwas Anderes , daß er sich aus seiner Ohnmacht halb aufrichtete , um zu sprechen ? Er hob die geballte Faust empor , schüttelte sie und rief : » Mein Kopf , mein Kopf ! Immer nur mein Kopf , mein Kopf ! Das war der Chodem wieder , der Chodem , der mich aufgegeben hat ! Ich soll verrückt werden , verrückt , verrückt ! Ich habe gekämpft mit ihm - - - von der Mauer der Vergeltung an bis hierher ! Vergeblich ! Er empörte den Teufel gegen mich - - - er warf mich unter ihn nieder - - - er faßte mein Gehirn mit des Satans Zähnen - - - der Biß ging durch und durch - - - durch den Geist und durch die Seele - - - es ist aus ; es ist aus ; es ist aus ! « Mit einer letzten , großen Anstrengung aufspringend , schrie er , indem seine Stimme überschnappte : » Freut Euch , Ihr Dschamikun , denn hört , was ich Euch sage - - - der Fürst der Schatten ist von jetzt an nur ein Aas - - - ein verwesendes Aas für den Schinder - - - - - - genau wie der Satan hier - - - schleppt uns fort ; schleppt uns fort - - - alle Drei , alle Drei - - - nicht nur die Aase , sondern auch den Verrückten ! « Er ließ den erhobenen Arm sinken , schüttelte sich wie vor innerem Grauen und fiel dann , wieder ohnmächtig , auf den scheckigen Kadaver des Teufels nieder . Auch uns graute ; wir wendeten uns ab . Schakara ' s Augen aber strahlten in glänzender Freude . Sie reichte mir den gewonnenen Chandschar des Mirza und sagte : » Nimm sie hin , die Waffe der Feinde , die sich von nun an nur gegen sie selbst zu richten hat ! Sie ist in unsere Hand geraten , doch wollen wir den Frieden . Stecke sie in die Scheide ! Nimmt man diesen Frieden aber nicht an , so fährt sie wieder heraus . Dann aber gibt es kein spielendes Rennen wie heut , nur um dem Volke den Satan figürlich zu zeigen , sondern wir machen das Spiel zum tödlichen Ernst ! Wen unser Rennen nicht warnt , weil er den Geist nicht besitzt , zu begreifen , was es bedeutet , der treibe die Feindschaft weiter , sich selbst zur schließlichen Schande ! « Man räumte den Teufel aus dem Wege und schaffte auch Ahriman fort . Als ich nach den Sitzen der Khanum Gul und des Scheik ul Islam hinüberschaute , waren Beide verschwunden . Die gewonnenen Pferde wurden in Sicherheit gebracht , doch verständigte der Ustad den Scheik der Dinarun und den Takikurden Ibn el Idrak davon , daß sie heut Abend die ihrigen und ebenso auch ihre Kamele heimlich zurückbekommen würden . Die Gegner wurden von jetzt an unsichtbar , einer nach dem andern . Es versteht sich von selbst , daß wir uns unsers Sieges freuten , am meisten aber wohl mein kleiner Hadschi Halef . Er strahlte geradezu vor Glück . Sein Kara ein mehrfacher Sieger ! Und gar auch Hanneh , die » lieblichste Blume der Frauen « , ein großes Rennen gewonnen ! Das ging ihm über Alles , was er bisher erlebt hatte , sogar auch über das Ehrengewand vom Beherrscher des persischen Reiches ! Großen Jubel gab es , als die Kärna ertönte und dann der Ausrufer verkündete , daß jetzt das gestern verregnete , lustige Rennen beginnen werde . Während dieses vorbereitet wurde , trat die Dschemma mit den Preisrichtern zu einer schnellen Beratung zusammen , um noch mehrere bedeutende , aber friedliche Rennen zu veranstalten , zu denen sich nur Freunde melden durften . Kara bat mich hierzu um den Assil und bekam ihn natürlich sehr gern . Ich aber ritt den Syrr nach Hause , nicht ohne befriedigt über die Worte zu sein , welche Dschafar mir mitgab . Er hatte nicht gewußt , daß Syrr mir gern gehorchte , und war daher auf das Heftigste erschrocken , als ich den Glanzrappen gegen den Teufel stellte . Umso größer aber war nun sein Entzücken über den Sieg , und er nahm sich vor , dem Beherrscher sehr ausführlich Bericht zu erstatten . Es war rührend , wie wohl sich Syrr fühlte und wie deutlich er seine Freude äußerte , als er aus der Menschenmenge herauskam . Auch ich bin am liebsten allein , und so beschloß ich , bei ihm zu bleiben und mir die nun noch folgenden Ereignisse des Tages von oben anzuschauen . Auf der Pferdeweide angekommen , sattelte ich ab , gab ihm Wasser und Gerste , holte ein Gericht Aepfel für ihn und setzte mich neben ihn dahin , wo ich eine gute Aussicht über das Tal hatte . Später gesellte sich Schakara zu mir . Um es kurz zu machen , sei gesagt , daß der Ustad mit der Sahm einen Preis gewann und Kara mit Assil und Ghalib auch je einen . Das war mehr als genug . In und bei den zwei herrschaftlichen Zelten drüben in den Ruinen war es während des ganzen Nachmittages sehr still . Der Scheik ul Islam ließ sich nicht sehen und die Khanum Gul auch nicht . Hier und da ritt ein Bote zwischen ihnen und Ahriman Mirza hin und her . Das Gefolge schien nach auswärts gegangen zu sein , jedenfalls um bei der Vorbereitung zu der morgenden Umzingelung mit tätig zu sein . Gegen Abend kam der Ustad und fragte mich , ob ich ihn zu einer genauen Wiederholung unsers Sonntagsrittes begleiten wolle . Es gelte aber heut nicht , die Posten zu revidieren , sondern die erwähnte , berühmte Umzingelung wieder zu umzingeln . Ich war natürlich sofort und gern bereit . Syrr wurde von Neuem gesattelt , und dann ging es , der Ustad auf der Stute , abermals den Berg zum Alabasterzelte hinan . Als wir da oben ankamen , blieben wir betroffen , ja beinahe erschrocken halten . Die Wucht und Masse des gestrigen , langen Regens war hier von unheilvoller Wirkung gewesen . Sie hatte das ganze Erdreich von der zurückliegenden Bergeskuppe herabgeschwemmt und , mit schweren Steinen vermischt , in eine Art von Moräne verwandelt , welcher das abschüssige Terrain keinen Stillstand erlaubte . Man sah an der glatten Bahn dieses Rutsches ganz deutlich , welchen Weg er bereits zurückgelegt hatte . Es war zwar noch ziemlich weit von ihm bis zu dem schon wiederholt erwähnten , gefährlich lockern Steingeröll ; aber wenn er es erreichte , so mußte sein Druck sofort die Katastrophe herbeiführen , welche der Ustad am Sonntage nicht nur erwähnt , sondern sogar befürchtet hatte . Jetzt freilich war hier nichts zu unterehmen , denn der Abend nahte schon ; aber für morgen früh nahm sich der Ustad vor , dem Weiterschreiten der Moräne schnellsten Einhalt zu tun . Wir mußten von hier oben fort , um noch vor Nachts hinüber auf die Nordebene zu kommen . Das gelang uns auch . Genau an derselben Stelle , wo wir den Boten von Marah Durimehs Hilfstruppen gefunden hatten , erwarteten uns diese , angeführt von dem unternehmenden Scheik von Schohrd , der sich herzlich freute , mich wiederzusehen . Seine Truppen waren mehr als genügend , die Ultra-Taki von hinten zu packen . Er erhielt die nötigen Weisungen für alle möglichen Fälle und dazu das Versprechen , daß wir ihm den uns freundlich gesinnten Taki Ibn el Idrack schicken würden . Dann ritten wir weiter . Im Norden standen die dortigen Dschamikun nicht mehr zerstreut , sondern schon festgeschart . Sie hatten Fühlung mit dem Scheik von Schohrd und mit den Kalhuran im Osten . Als wir diese erreichten , fanden wir sie in zwei Treffen geteilt , um die von den Kundschaftern bereits erspähten Massaban und Schatten hindurchzulassen und sich dann hinter ihnen wie zwei Torflügel zu schließen . Im Süden freuten wir uns über die dortlagernden Dinarun , die sich so schnell aus Feinden in Freunde verwandelt hatten . Ihr Scheik war soeben bei ihnen angekommen , hatte ihnen Alles erzählt und war soeben dabei , ihnen auch zu sagen , daß er die verwetteten Pferde und Kamele bereits zurückerhalten habe , und zwar unter Aufsicht des Pedehr , dem dies von dem Ustad übertragen worden war . Als wir ihnen mitteilten , daß es besten Falles gar keinen Kampf geben werde , versicherten sie uns , daß dies ganz gegen ihre Absicht sei , da sie wünschten , uns ihre Freundschaft durch die Tat beweisen zu können . Wir brachten sie in Fühlung mit den südlichen Dschamikun , die sich im Rücken der Taki mit dem Scheik von Schohrd zu verbinden hatten . So war unser Ring also geschlossen , mit Ausnahme der Durchzugsstelle für die Massaban und Schatten . Wenn sie so töricht waren , diese Tür zu benutzen , so gerieten sie in eine Falle , aus welcher es kein Entrinnen gab ! Es war mitten in der Nacht , als wir heimkehrten , und doch wartete Schakara auf uns . Sie sagte , sie habe vor Sorge nicht schlafen können , um uns eine Beobachtung mitzuteilen , die vielleicht sehr wichtig sei . Sie war , ehe sie sich zur Ruhe legen wollte , noch einmal zu den Pferden gegangen und hatte sie in einer ganz auffälligen Unruhe gefunden . Besonders waren die Tiere nicht dazu zu bewegen gewesen , sich zu legen . Das deutete auf irgend eine Gefahr , die unter ihnen in der Erde lag . Schakara dachte nach , und indem sie so still dastand und sann , hörte sie , scheinbar unter ihren Füßen , ein dröhnendes Geräusch , dem ein fortrollendes Donnern und Beben folgte . Das machte sie besorgt , und darum beschloß sie , nicht schlafen zu gehen , bevor sie es uns mitgeteilt habe . » Wir müssen hinunter « - - - » in das Bassin ! « sagte der Ustad und sagte auch ich , beide wie aus einem Munde . Wir holten Fackeln und begaben uns , begleitet von Schakara , die nicht ohne uns bleiben wollte , nach dem Landeplatze , stiegen in das Boot und ruderten nach dem Kanale . Es gab keinen Menschen , der uns sah . Weil der Ustad auch schon hier gewesen war , wußte er Bescheid . Wir bemerkten sofort , daß das Wasser in Folge des langen , bedeutenden Regengusses viel höher stand als früher . Die Ranken waren hier oben dichter ; sie ließen uns nur schwer hindurch . Dann brannten wir sogleich zwei Fackeln an und stakten und ruderten uns durch den Kanal in das vordere Becken . Heut konnten wir die Decken über uns erkennen , wohl wegen des Wasserhochstandes . Diese Flut mußte drücken und heben . Gleich an der ersten Säule sahen wir , daß an ihrer Basis ein großes Stück ausgewuchtet worden war ; oben aber prasselte es . Dennoch wagten wir uns weiter . Es bröckelte überall , und zwar in beängstigender Art und Weise . Stein auf Stein fiel klingend oder gluchzend in die Flut . Es war wirklich verwegen , nicht umzukehren ! Wir kamen dahin , wo die Säule mit dem Gerippe gestanden hatte . Sie war verschwunden . Nur der untere Stein stand noch , mit dem Skelett darauf . Von hinten her kam ein Aechzen , Knarren und Prasseln . Schakara war bisher still gewesen , überwältigt von der unheimlichen Schrecknis dieser Unterwelt ; jetzt aber schrie sie auf und bat uns , Gott ja nicht länger zu versuchen , sondern sofort umzukehren und zu flüchten . Wir taten es , ohne erst noch nachzusehen , ob vielleicht nicht nur diese eine , sondern noch mehrere Säulen zusammengestürzt seien . Die Folge sollte zeigen , daß dies sehr wahrscheinlich der Fall gewesen war . So standen wir also zwischen zwei drohenden Gefahren : Oben am Alabasterzelte rückte die Moräne vor , und unter uns brach das Innere der Erde zusammen . Glücklicher Weise lag sowohl der Duar als auch unser Haus mit dem Garten und dem Weideplatze zwar nahe , aber doch außerhalb des Bereiches der beiden Katastrophen , von denen nur die Ruinen betroffen werden konnten ! Wir waren weder Geologen noch Architekten von Fach , aber es stand dennoch für uns außer allem Zweifel , daß kein Leben bedroht sei außer demjenigen , welches sich von jetzt an noch in das alte Gemäuer wagte . Darum ließ der Ustad gleich in der Morgenfrühe den Zutritt zu den Ruinen allgemein und bei hoher Strafe verbieten . Auch schickte er Boten nach den beiden Zelten hinüber , um die Bewohner derselben zu warnen . Man ließ ihm aber antworten , daß man die feindseligen Gründe dieser albernen Warnung kenne und über sie nur lache ! Hierauf stieg eine Menge Arbeiter zum Alabasterzelte hinauf , um den Absturz der Erd- und Steinmassen zu verhindern . Da sandte uns der Scheik ul Islam ein Stück Papier , auf welchem folgende Zeilen standen : » Gebt Euch keine Mühe , weder von oben noch von unten ! Wir glauben keinen Lügen ! Wir halten die Ruinen fest bis morgen ; dann werden Alle gehen , die nicht hierher gehören ! Hierauf mein Wort als Scheik ul Islam ! « Was unsere Festgäste betrifft , so hatten alle , denen nicht zu trauen war , sich wohlweislich entfernt . Von den andern aber fiel es keinem ein , den Ustad zu verlassen . Sie verhielten sich so , als ob sie vollständig ahnungslos seien , waren aber alle sehr wohl unterrichtet und warteten mit Ungeduld auf den nächsten Morgen , der die Entscheidung zu bringen hatte . Im Verlaufe des Nachmittages kamen Boten von verschiedenen Seiten , und als es dunkel geworden war , brachte der letzte von ihnen die Nachricht , daß die Massaban und Schatten in die Falle gegangen seien . Was die Taki betrifft , so hatte sich Ibn el Idrak schon früh bei dem Ustad eingestellt , um sich mit ihm für Weiteres zu besprechen . So sehr dieser Stamm an seinen alten Vorurteilen hing und so von Allah bevorzugt sich die Angehörigen desselben betrachteten , dieser vermeintlichen Ueberlegenheit ein blutiges Opfer zu bringen , zumal so friedfertigen Nachbarn gegenüber , das erschien ihnen doch als zu viel verlangt . Nur die kleine , halsstarrige Corona , welche sich in den Strahlen des Scheik ul Islam sonnte , hielt fest zu ihm , sonst aber Niemand weiter . Und diese Verblendeten waren es auch , die in den geheimen Gang eindringen sollten , um uns zu überrumpeln . Der Ustad beschloß , sie trotz alledem zu schonen , aber sie in diesem Gange derart festzustopfen , daß sie sich nicht zu rühren vermochten . Ibn el Idrak war hiermit außerordentlich gern einverstanden und ritt dann fort , um den Scheik von Schohrd aufzusuchen . Infolge dessen gingen bei Anbruch des Abends zwei Abteilungen Dschamikun heimlich ab , die eine um von außen her bis zur Hälfte des Ganges vorzudringen , ihn zu verstopfen und sich hinter dieser Barrikade aufzustellen . Der hierzu bestimmte Punkt war natürlich so gewählt , daß ihn keine der beiden zu erwartenden Katastrophen berühren konnte . Die andere Abteilung sollte die Feinde alle eindringen lassen und dann den Ausgang besetzen , um ihnen die Rückkehr unmöglich zu machen . Wenn dies gelang , konnten die Eingeschlossenen keine andere als nur noch eine höchst lächerliche Rolle spielen , und es sei gleich hier gesagt , daß es so gut gelang , wie es gar nicht besser gelingen konnte . Hiermit waren diese Feinde also kalt gestellt , und es handelte sich nur noch um die Massaban und Schatten , vor denen es uns ebenso wenig bange wie vor Jenen war , denn wir hatten sie ja fest und konnten sie erdrücken , sobald es uns beliebte . Man hatte während des ganzen Tages wieder Reisig und Holz auf sämtliche Häupter und Vorsprünge der Berge geschafft . Wie das Fest mit einer Höhenbeleuchtung begonnen hatte , so sollte es auch mit einer solchen enden . So wurde gesagt . Die Eingeweihten aber wußten , daß das Aufflammen dieser Feuer für die Umschließung der Feinde das Zeichen sei , daß die Entscheidung einzutreten beginne . Nur eine einzige Stelle war von dieser Bedeutung ausgenommen , nämlich die Kuppe des Alabasterzeltes . Man hatte dort den ganzen Tag sich mit der größten Anstrengung bemüht , der Moräne Stillstand zu gebieten , doch ohne den gewünschten Erfolg . Sie war trotz aller künstlichen Hemmnisse weiter und weiter vorgerückt , um die vorlagernden Geröllmassen zu ergreifen . Das verheerende Schicksal von oben war also mit Gewißheit zu erwarten , doch sah man sich außer Stande , die Zeit genau zu berechnen . Darum standen nun Wächter oben , welche die dortigen Holzhaufen anzubrennen hatten , sobald der gefährliche Augenblick im Nahen sei . Das war es , was die Feuerzeichen von diesem Punkte aus zu sagen hatten . In Erwartung aller dieser Dinge versicherten wir uns unserer Pferde , welche in das Gewölbe gebracht wurden . Auf der ganzen Breite der Pferdeweide standen Posten , um uns von den Ruinen abzuschließen . Im Hofe etablierte der Ustad eine Art Hauptquartier , zu welchem alle geltenden Personen gehörten , doch aber nicht Ibn el Idrak und die Scheike der Dinarun und Kalhuran , welche sich bei ihren Stämmen befanden und genau wußten , wie sie zu handeln hatten . Je weiter der Abend vorrückte , umso stiller wurde es unten im Tale . Alle Dschamikun verließen den See und stiegen bergauf in die Höhe . Die Schatten sollten kommen dürfen , ohne den geringsten Widerstand zu finden . Aber der Duar selbst blieb umso schärfer besetzt , an jeder Flanke sechs Kamelkanonen , um den Zugang von beiden Seiten des Sees her zu bestreichen . Schon diese Geschütze allein genügten , den Schatten ihre Ohnmacht gegen uns zu beweisen . Die übrigen acht waren zu beiden Seiten des Sees auf dominierende Punkte verteilt , von denen aus wir mit ihnen die ganze Rennbahn beherrschten . Für den Bedarfsfall hatte der Ustad eine Menge von Fackeln verteilen und anfertigen lassen , und draußen am Ende des Sees lagen Späher versteckt , um das Zelt Ahrimans zu beobachten und uns das Erscheinen der Massaban zu melden . Er wollte ja mit diesen die Ruinen besetzen , und so waren sie viel früher als die Schatten zu erwarten . Als wir die Zeit dazu gekommen glaubten , gingen wir hinunter in den Duar und erfuhren dort , daß der Pedehr so gewissenhaft gewesen war , die Bewohner der Zelte noch einmal zu warnen , und zwar in eigener Person , von ihnen aber ebenso höhnisch abgewiesen worden war wie die vorherigen Boten . Damit hatten wir den Pflichten der Menschlichkeit genügt . Auf dreimaliges Vermahnen nur Spott ; mochte für sie nun kommen , was da wollte ! Am Himmel waren die Sterne verschwunden , nicht etwa infolge von Regenwolken , sondern es schien , als habe er sich in einen dichten , undurchdringlichen Schleier gehüllt , um nicht sehen zu müssen , was sich hier unten ereignen werde . Es nahte eine zwar nicht vollständig dunkle , aber fahl obskure Mitternacht , so recht geeignet für Schemen , Phantome und Chimären . Auf dem See bildeten sich Nebel . Sie lagen erst in unbestimmten Umrissen auf dem Wasser . Dann lösten sie sich von ihm , um sich in einzelnen Fetzen aufzurichten und zu individualisieren . Hierauf verdichteten sie sich zu allerlei gespenstischen Gestalten und trachteten dem Lande zu , um , feucht und kalt , wie Geister von Ertrunkenen , sich auf uns zuzuschleichen . Da tauchte aus ihnen einer der Späher auf und teilte uns mit , daß