an dir . Ich weiß , wie Liebe bindet an ein ehlich Weib . Und du hast das Weib deinem Volk geopfert ? Das ist viel . « » Bruder ! was sinnest du ? « rief Arahad , » was hast du vor ? « - » Ich habe vor , das Haus der Wölsungen an Edelmut nicht beschämen zu lassen . Edle Geburt , Arahad , heischt edle Tat ! Sag ' mir nur eins noch : weshalb hast du nicht lieber die Krone hingegeben , ja dein Leben , als dein Weib ? « » Weil es des Reiches sicheres Verderben war . Zweimal wollt ' ich die Krone Graf Arahad abtreten : zweimal schwuren die Ersten meines Heeres , ihn nie anzuerkennen . Drei , vier Gegenkönige würden gewählt , aber , bei meinem Wort , Graf Arahad würde niemals anerkannt . Da rang ich mein Weib von mir ab , vom blutenden Herzen . Und nun , Herzog Guntharis , gedenk ' auch du des Gotenvolks . Verloren ist das Haus der Wölsungen , wenn die Goten verloren . Die edelste Blüte des Stammes fällt mit dem Stamm , wenn Belisar die Axt an die Wurzel legt . Ich habe mein Weib dahingegeben , meines Lebens Krone : gib du die Hoffnung einer Krone auf . « » Man soll nicht singen in der Goten Hallen : Der Gemeinfreie Witichis war edler , als des Adels Edelste ! Der Krieg ist aus : ich huldige dir , mein König . « Und der stolze Herzog bog das Knie vor Witichis , der ihn aufhob und an seine Brust zog . » Bruder ! Bruder ! was tust du an mir ! welche Schmach ! « rief Arahad . » Ich rechn ' es mir zur Ehre ! « sprach Guntharis ruhig . » Und zum Zeichen , daß mein König nicht Feigheit sieht , sondern eine Edeltat in der Huldigung , erbitt ' ich mir eine Gunst . Amaler und Balten haben unser Geschlecht zurückgedrängt von dem Platz , der ihm gebührt im Volke der Goten . « - » In dieser Stunde , « sprach Witichis , » kaufst du ihn zurück : die Goten sollen nie vergessen , daß Wölsungen-Edelsinn ihnen einen Bruderkampf erspart hat . « - » Und des zum Zeichen sollst du uns das Recht verleihen , daß die Wölsungen der Goten Sturmfahne dem Heer vorauftragen in jeder Schlacht . « - » So sei ' s , « sagte der König , ihm die Rechte reichend , » und keine Hand wird sie mir würdiger führen . « - » Wohlan , jetzt auf zu Mataswintha , « sprach Guntharis . » Mataswintha ! « rief Arahad , der bisher wie betäubt der Versöhnung zugesehen , die alle seine Hoffnungen begrub . » Mataswintha ! « wiederholte er . » Ha , zur rechten Zeit gemahnt ihr mich . Ihr könnt mir die Krone nehmen : - sie fahre hin , - nicht meine Liebe und nicht die Pflicht , die Geliebte zu beschützen . Sie hat mich verschmäht : ich aber liebe sie bis zum Tode . Ich habe sie vor meinem Bruder beschirmt , der sie zwingen wollte , mein zu werden . Nicht minder wahrlich will ich sie beschützen , wollt ihr sie nun beide zwingen , des verhaßten Feindes zu werden . Frei soll sie bleiben , diese Hand , die kostbarer als alle Kronen der Erde . « Und rasch schwang er sich aufs Pferd und jagte mit verhängtem Zügel seinem Lager zu . Witichis sah ihm besorgt nach . » Laß ihn , « sprach Herzog Guntharis , » wir beide , einig , haben nichts zu fürchten . Gehen wir die Heere zu versöhnen , wie die Führer . « Während Guntharis zuerst den König durch seine Reihen führte und diese aufforderte , gleich ihm zu huldigen , was sie mit Freuden taten , und darauf Witichis den Wölsungen und seine Anführer mit in sein Lager nahm , wo die Besiegung des stolzen Herzogs durch Friedensworte als ein Wunderwerk des Königs angesehen wurde , sammelte Arahad aus den Reitern im Vordertreffen eine kleine Schar von etwa hundert ihm treu ergebenen Gefolgen und sprengte mit ihnen nach seinem Lager zurück . Bald stand er im Zelt vor Mataswinthen , die sich bei seinem Eintreten unwillig erhob . » Zürne nicht , schilt nicht , Fürstin ! diesmal hast du kein Recht dazu . Arahad kommt , die letzte Pflicht seiner Liebe zu erfüllen . Flieh , du mußt mir folgen . « Und im Ungestüm seiner Aufregung griff er nach der weißen , schmalen Hand . Mataswintha trat einen Schritt zurück und legte die Rechte an den breiten Goldgürtel , der ihr weißes Untergewand umschloß : » Fliehen ? « sagte sie , » wohin fliehen ? « » Übers Meer ! Über die Alpen ! gleichviel : in die Freiheit . Denn deiner Freiheit droht höchste Gefahr . « » Von Euch allein droht sie . « - » Nicht mehr von mir ! Und ich kann dich nicht mehr beschirmen . Solang du mein werden solltest , konnte ich es , konnte grausam sein gegen mich selbst , deinen Willen zu ehren . Aber nun - « » Aber nun ? « sprach Mataswintha erbleichend . » Sie haben dich einem andern bestimmt . Mein Bruder , mein Heer und meine Feinde im Königslager und in Ravenna , alle sind darin einig . Bald werden sie dich tausendstimmig als Opfer zum Brautaltar rufen . Ich kann ' s nicht denken ! Diese Seele , diese Schönheit entweiht als Opfer in ungeliebtem Ehebund . « » Laß sie kommen , « sagte Mataswintha , » laß sehen , ob sie mich zwingen ! « Und sie drückte den Dolch , den sie im Gürtel trug , an sich . - » Wer ist er , der neue Zwingherr , der mir droht . « » Frage , nicht ! « rief Arahad , » dein Feind , der dein nicht wert , der dich nicht liebt ; der - folge mir ! - flieh , schon kommen sie ! « Man hörte von draußen nahenden Hufschlag . » Ich bleibe . Wer zwingt das Enkelkind Theoderichs ? « » Nein ! du sollst nicht , sollst nicht in ihre Hände fallen , der Fühllosen , die nicht dich lieben , nicht deine Herrlichkeit , nur dein Recht auf die Krone ! Folge mir ... - « Da ward der Türvorhang des Zeltes zur Seite geschoben : Graf Teja trat ein . Zwei Gotenknaben mit ihm , in weißer Seide , festlich gekleidet . Sie trugen ein mit einem Schleier verhülltes Purpurkissen . Er trat bis an die Mitte des Zeltes und beugte das Knie vor Mataswinthen . Er trug , wie die Knaben , einen grünen Rautenzweig um den Helm . Aber sein Auge und seine Stirne war düster , - als er sprach : » Ich grüße dich , der Goten und Italier Königin ! « Mit erstauntem Blick maß sie ihn . Teja erhob sich , trat zurück zu den Knaben , nahm von dem Kissen einen goldenen Reif und den grünen Rautenkranz und sprach : » Ich reiche dir den Brautkranz und die Krone , Mataswintha , und lade dich zur Hochzeit und zur Krönung - die Sänfte steht bereit . « Arahad griff ans Schwert . » Wer sendet dich ? « fragte Mataswintha mit klopfendem Herzen , aber die Hand am Dolch . » Wer sonst , als Witichis , der Goten König . « Da leuchtete ein Strahl der Begeisterung aus Mataswinthens wunderbaren Augen : sie erhob beide Arme gen Himmel und sprach : » Dank , Himmel , deine Sterne lügen nicht : und nicht das treue Herz . Ich wußt ' es wohl . « Und mit beiden schimmernden Händen ergriff sie das bekränzte Diadem und drückte es fest auf das dunkelrote Haar . » Ich bin bereit . Geleite mich , « sprach sie , » zu deinem Herrn und meinem . « Und mit königlicher Wendung reichte sie Graf Teja die Linke , der sie ehrerbietig hinausführte . Arahad aber starrte der Verschwundenen nach , sprachlos , noch immer die Hand am Schwert . Da trat Eurich , einer seiner Gefolgen , zu ihm heran , und legte ihm die Hand auf die Schulter : » Was nun ? « fragte er , » die Rosse stehen und harren : wohin ? « - » Wohin ? « rief Arahad auffahrend - » wohin ? Es gibt nur noch Einen Weg : wir wollen ihn gehen . Wo stehen die Byzantiner und der Tod ? « Zweites Kapitel . Am siebenten Tage nach diesen Ereignissen bereitete sich ein glanzvolles Fest auf den Fora und in dem Königspalast zu Ravenna . Die Bürger der Stadt und die Goten aller drei Parteien wogten in gemischten Scharen durch die Straßen und fuhren durch die Lagunenkanäle - denn Ravenna war damals eine Wasserstadt , fast , aber doch nicht ganz , wie heute Venedig - die riesigen Kränze , Blumenbogen und Fahnen zu bewundern , die von allen Zinnen und Dächern niederwehten : denn es galt , die Vermählung des gotischen Königspaares zu feiern . Am frühen Morgen hatte sich das ganze jetzt vereinigte Heer der Goten vor den Toren der Stadt zu feierlicher Volksversammlung geschart . Der König und die Königin erschienen auf milchweißen Rossen : abgestiegen waren sie vor allem Volk unter eine breitschattende Steineiche getreten : dort hatte Witichis seiner Braut die rechte Hand auf das Haupt gelegt : sie aber trat mit dem entblößten linken Fuß in den Goldschuh des Königs . Damit war unter dem Zuruf der Tausende die Ehe nach Volksrecht geschlossen . Darauf bestieg das Paar einen mit grünen Zweigen geschmückten Wagen , der von vier weißen Rindern gezogen ward ; der König schwang die Geißel und sie fuhren , gefolgt von dem Heere , in die Stadt . Dort schloß sich an die halb heidnische , germanische , eine zweite , die christliche Feier : der arianische Bischof erteilte seinen Segen über das Paar in der Basilika Sancti Vitalis und ließ es die Ringe wechseln . Rauthgundens wurde nicht gedacht . Noch war die Kirche nicht mächtig genug , ihre Forderung der Unauflöslichkeit einer kirchlich geschlossenen Ehe überall durchzusetzen : vornehme Römer und vollends Germanen verstießen noch häufig in voller Willkür ihre Frauen . Und wenn gar ein König aus Gründen des Staatswohls und ohne Einspruch der Gattin das gleiche beschloß , erhob sich kein Widerstand . - Aus der Kirche ging der Zug nach dem Palast , in dessen Hallen und Gärten ein großes Festmahl gerüstet war . Das ganze Gotenheer und die ganze Bevölkerung der Stadt fand hier , dann auf den Fora des Herkules und des Honorius und in den nächsten Straßen und Kanälen auf Schiffen , an tausend Tischen reiche Bewirtung , während die Großen des Reiches und die Vornehmen der Stadt mit dem Königspaar in der Gartenrotunde oder in der weiten Trinkhalle , die Theoderich hatte in dem römischen Palast anbringen lassen , tafelten . So wenig die Lage des Landes und des Königs Stimmung zu rauschenden Festen passen mochten - es galt , die Ravennaten mit den Goten und die verschiedenen Parteien der Goten unter sich zu versöhnen : und man hoffte , in Strömen des Festweins die letzten feindseligen Erinnerungen hinwegzuspülen . Am besten übersah man den Königstisch und die festlichen Tafeln , die sich über den weiten Garten und Park verteilten , von dem zum Brautgemach Mataswinthens bestimmten kleinen Gelaß , dessen einziges Fenster auf die Rotunde vor dem Garten und , über den Garten hin , bis auf das Meer ausblicken ließ . In diesem Gemach drei Tage zuvor schon schmückend zu schalten und zu walten , hatte sich Aspa , die Numiderin , als Lohn treuer Dienste ausgebeten . » Denn diese ernsten , finstern Römer wissen ebensowenig wie die rauhen Goten , dem schönsten Weib der Erde das Brautbett zu bereiten : in Afrika , im Land der Wunder , lernt man das . « Und wohl war ihr ' s gelungen , wenn auch im Sinn der schwülen , phantastischen Üppigkeit ihrer Heimat . Sie hatte das enge und niedre Gemach wie zu einem kleinen Zauberkistchen umgeschaffen ! Wände und Decke waren von glänzend weißen Marmorplatten gefügt . Aber Aspa hatte den ganzen Raum mit drei- und vierfach aufeinandergelegten Gehängen von dunkelroter Seide verhüllt , die in schweren Falten von den Wänden niederfloß , sich über die Getäfeldecke wie ein Rundbogen wölbte und den Marmorboden so dicht verhüllte , daß jeder Tritt lautlos drüber hinglitt und alles Geräusch sich im Entstehen brach . Nur an der Fensterbrüstung sah man den schimmernd weißen Marmor sich prachtvoll von der Glut der Seide heben . Das Fenster von weißem Frauenglas war mit einem Vorhang von mattgelber Seide verhangen und alles Licht in dem kleinen Raum strömte aus von einer Ampel , die von der Mitte der Decke aus niederhing : eine Silbertaube mit goldnen Flügeln schwebte aus einem Füllhorn von Blumengewinden : in den Füßen trug sie eine flache Schale aus einem einzigen großen Karneol , der , ein Geschenk des Vandalenkönigs , in den aurasischen Bergen gefunden , als ein seltenes Wunder galt . Und in dieser Schale glühte ein rotes Flämmchen , genährt von stark duftendem Zederöl . Ein gebrochenes , träumerisches Dämmerlicht ergoß sich von hier aus über das phantastische Doppelpfühl , das , halb von Blumen verschüttet , darunter stand . Aspa hatte sich das bräutliche Lager als die aufgeschlagnen Schalen einer Muschel gedacht , die an der innern Seite zusammenhängen , zwei ovale muschelförmige Klinen von Citrusholz erhoben sich nur wenig von dem Teppich des Bodens . Über die weißen Kissen und Teppiche hin war eine Linnendecke von orangegoldnem Glanz gegossen . Aber der eigenste Schmuck des Gelasses war die Fülle von Blumen , welche die Hand der Numiderin mit poesiereichem , wenn auch phantastischem Geschmack über das ganze Gemach verstreut und über die Wände , Decken , Vorhänge , die Türe und das Lager verteilt hatte . Ein Bogen von starkduftigen Geißblattranken überwölbte laubenartig die einzige Türe , den schmalen Eingang . Zwei mächtige Rosenbäume standen zu Häupten des Lagers und streuten ihre roten und weißen Blüten auf die Teppiche . Die Ampel hing , wie erwähnt , aus einem kunstvoll gewundnen Füllhorn von Blumen herab . Und überall sonst , wo eine Falte , eine Biegung der Teppiche das Auge zu verweilen lud , hatte Aspa eine seltene Blume glücklich angeschmiegt . Der Lorbeer und der Oleander Italiens , die sizilische Myrte , das schöne Rhododendron der Alpen und die glühenden Iriazeen Afrikas mit ihren reichen Kelchen : alle lauschten je am gelegensten Ort und doch , wie es schien , vom Zufall hingeworfen . - Schon standen die Sterne am Himmel . Es dämmerte draußen : im Gemach hatte Aspa die Flamme in der veilchendunkeln Schale entzündet und war nur noch beschäftigt , hier und da eine Falte zu glätten , indes sie eine römische Sklavin anwies , in den Silberkrügen auf dem Bronzekredenztisch den Palmwein mit Schnee zu kühlen , eine andre , das Gemach mit Balsam zu durchsprengen . » Reichlicher die Narden , reichlicher die Myrrhen gesprengt ! So ! « rief Aspa , eine volle Libation über das Lager spritzend . » Laß ab , « mahnte die Römerin , » es ist zu viel ! Schon der Duft der Blumen betäubt : die Rose und das Geißblatt berauschen fast die Sinne : mir würde schwindeln hier . « » Ah , « lachte Aspa , » wie singt der Dichter : Nüchternen nimmer nahet , das Glück : nur in seligem Rausche . Laß uns jetzt das Fenster schließen . « - » Nur ein wenig noch laß mich lauschen , « bat eine dritte junge Sklavin , die dort lehnte . » Es ist zu schön ! Komm , Frithilo , « sprach sie zu einer gotischen Magd , die neben ihr stand , » du kennst ja all ' die stolzen Männer und Frauen : sage , wer ist der zur Linken der Königin mit dem goldnen Schuppenpanzer ? er trinkt dem König zu . « - » Herzog Guntharis von Tuscien , der Wölsung . Sein Bruder , Graf Arahad von Asta ... - wo mag der sein zu dieser Stunde ? « » Und der Alte neben dem König , mit dem grauen Bart ? « » Das ist der Graf Grippa , der die Goten in Ravenna befehligt . Er spricht die Fürstin an . Wie sie lacht und errötet ! Nie war sie so schön . « - » Ja , aber auch der Bräutigam - welch ' herrlicher Mann ! Der Kopf des Mars , der Nacken des Neptun . Aber er sieht nicht fröhlich - vorhin starrte er lange sprachlos in seinen Becher und furchte die Stirn : - die Königin sah es : - bis der alte Hildebrand , gegenüber , ihm zurief . Da sah er seufzend auf . Was hat der Mann zu seufzen ? neben diesem Götterweib . « » Nun , « sprach die Gotin , » er hat dann doch nicht ein ganz steinern Herz . Er denkt dann vielleicht an die , die sein rechtes Weib vor Gott und Menschen , die er verstoßen . « » Was ? wie ? was sagst du ? « riefen die drei Sklavinnen zugleich . Aber urplötzlich fuhr Aspa zwischen die Mädchen : » Willst du wohl schweigen mit dem dummen Gerede , Barbarin ! Mach ' , daß du fortkommst ! Ein solches Wort : - eine Silbe , daß es die Königin hört , und du sollst der Afrikanerin gedenken . « Frithilo wollte erwidern . » Still , « rief eine der Römerinnen . » Die Königin bricht auf . « - » Sie wird hier heraufkommen . « - » Der König bleibt noch . « - » Nur die Frauen folgen ihr . « - » Sie geben ihr das Geleit bis hierher , « sprach Aspa . » Gleich kann sie hier sein : bereitet euch , sie zu empfangen . « Bald nahte der Zug , von Fackelträgern und Flötenbläsern eröffnet . Darauf eine Auswahl der gotischen Edelfrauen : neben Mataswintha , der Braut oder jungen Frau , schritt Theudigotho , die Gattin Herzogs Guntharis , und Hildiko , die Tochter Grippas . Die vornehmen Frauen von Ravenna schlossen den Zug . An der Schwelle der Brautkammer verabschiedete Mataswintha ihr Gefolge , an die jungen Mädchen ihren Schleier , an die Frauen ihren Gürtel verschenkend . Die meisten zogen sich wieder zu dem Fest in den Garten , andre nach Hause zurück . Sechs Gotinnen aber , drei Frauen und drei Jungfrauen , ließen sich als Ehrenwache vor der Türe des Brautgemaches nieder , wo Teppiche für sie bereitet lagen . Dort hatten sie mit einer gleichen Zahl gotischer Männer , die den Bräutigam geleiteten , die Nacht zu verbringen : so wollt ' es die gotische Sitte . Mataswintha überschritt die Schwelle mit einem Ausruf des Staunens . » Aspa , « rief sie , » das hast du schön gemacht - zauberisch ! « - Die Afrikanerin kreuzte selig die Arme über die Brust und beugte den Nacken . Sie an sich ziehend , flüsterte die Braut : » Du kanntest mein Herz und seine Träume ! Aber , « fuhr sie aufatmend fort , » wie schwül ! Deine glühenden Blumen berauschen . « » In Glut und Rausch nahen die Götter ! « sprach Aspa . » Wie schön jene Violen : und dort die Purpurlilie ; mir ist , die Göttin Flora flog durchs Zimmer und dachte einen Liebestraum und verlor darüber ihre schönsten Blumen . Es ist ein ahnungsvolles Wunder , das ich hier erlebe . Es durchrieselt mich heiß . - Es ist schwül . - Nehmt mir den schweren Prunk ab . « Und sie nahm die goldne Krone aus dem Haar . Aspa strich ihr die vollen , dunkelroten Flechten hinter das feine Ohr und zog die goldne Nadel heraus , die sie am Hinterkopf zusammenhielt : frei wallte das Haar in den Nacken . Die andern Sklavinnen lösten die Spange , die in Gestalt einer geringelten Schlange den schweren Purpurmantel mit seinen reichen Goldstreifen auf der linken Schulter zusammenhielt . Der Mantel fiel und zeigte die edle , hochschlanke Gestalt der Jungfrau in dem ärmellosen wallenden Unterkleid von weißer persischer Seide . Ihre schimmernden Arme umzirkten zwei breite , goldne Armreife : - Erbstücke aus dem alten Schatz der Amalungen : grüne Schlangen von Smaragden waren darin eingelegt . Mit Entzücken schaute Aspa auf die Gebieterin , wie diese vor den in den Marmor eingelassenen Metallspiegel trat , das lose Haar mit goldnem Kamm zu schlichten . » Wie schön du bist ! wie zauberschön ! - wie Astaroth , die Liebesgöttin - nie warst du so schön , wie in dieser Stunde . « Mataswintha warf einen raschen Blick in den Spiegel . Sie sah , noch mehr , sie fühlte , daß Aspa recht hatte : und sie errötete . » Geht , « sagte sie , » laßt mich allein mit meinem Glück . « - Die Sklavinnen gehorchten . Mataswintha eilte ans Fenster , das sie rasch öffnete , wie um ihren Gedanken zu entfliehen . Ihr erster Blick fiel auf Witichis , der unten vom Schein der Hängelampen im Garten voll beleuchtet war . » Er ! Wieder er . Wohin entflieh ' ich vor ihm , dem süßen Tod ? « Sie wandte sich rasch : da an der Wand , gerade dem Fenster gegenüber , glänzte im Ampellicht eine weiße Marmorbüste . Sie kannte sie wohl : Aspa hatte den Areskopf nicht vergessen , den treuen Begleiter lang harrender Sehnsucht . Heute aber schlang sich ein Kranz von weißen und roten Rosen um sein Haar . » Und wieder du ! « flüsterte die Braut , süß erschrocken , und legte die weiße Hand vor die Augen . » Und schließ ' ich die Augen und wend ' ich sie nach innen , so seh ' ich wieder sein Bild , sein Bild allein im tiefsten Herzen . Ich werde noch untergehn in diesem Bilde ! Ach , und ich will ' s ! « rief sie , die Hand fallen lassend und dicht vor die Büste tretend : » ich will ' s ! Wie oft , mein Ares , wann der Abend kam , hab ' ich zu dir aufgeblickt , wie zu meinem Stern , bis Frieden und Ruhe aus deinen klaren , großen Zügen drang in die schwanke Seele . Wie wunderbar hat dieses Ahnen , dieses Sehnen , dieses Hoffen sich erfüllt ! Wie er einst dem weinenden Kinde die Tränen getrocknet und die Ratlose nach Hause geführt , so wird er auch jetzt all mein Klagen stillen und mir die wahre Heimat bauen in seinem Herzen . Und durch all ' diese öden Jahre , durch all ' die letzten Monate voll Gefahr und Angst trug ich in mir das sichere Gefühl : Es wird ! Dir wird geschehen , wie du glaubst ! Dein Retter kommt und birgt dich sicher an der starken Brust . Und , o Gnade , unaussprechliche reiche Gnade des Himmels : - es ward . Ich bin sein ! Dank , glühenden , seligen Dank , wer immer du bist , beglückende Macht , die über den Sternen die Bahn der Menschen lenkt mit weiser , mit liebender , mit wunderbar segnender Hand . O ich will ' s verdienen , dieses Glück . Er soll im Himmel wandeln . Sie sagen , ich bin schön : ich weiß es , daß ich ' s bin : ich weiß es ja durch ihn : - ich will ' s für ihn sein . Laß mir , Himmel , diese Schöne . Sie sagen : ich habe einen mächtigen , schwungvollen Geist . O gib ihm Flügel , Gott , daß ich seiner Heldenseele folgen kann in alle Sonnenhöhen . Aber , o Gott , laß mich auch abtun meine Fehler , den spröden , stolzen , leicht gereizten Sinn , den Trotz des zornigen Eigenwillens , den unbändigen Drang nach Freiheit ... - O fort damit : beuge dich , beuge dich , hochmütiger Geist : ihm sich zu beugen ist edelster Ruhm . Gib dich gebunden , Herz , und verloren auf ewig ' an ihn , deinen starken und herrlichen Herrn . O Witichis , « rief sie und sank fortgerissen vom Gefühl halb aufs Knie , sich an das Lager lehnend und zu der Büste aufblickend mit schwimmenden Augen - » ich bin dein . Tu , wie du willst mit meiner Seele ! Vernichte sie ! nur gesteh ' , daß du glücklich bist , glücklich durch mich . « Und sie beugte das schöne Haupt vor , nach den gefaltenen Händen . Doch plötzlich fuhr sie empor . Licht , helles Licht floß ins Gemach . An der offenen Türe stand der König : draußen auf dem Gang zeigten sich zahlreiche Goten und Ravennaten mit hellen Fackeln . » Dank , meine Freunde , « sprach der König mit ernster Stimme . » Dank , für das Festgeleit . Geht nun und vollendet die Nacht , « und er wollte die Türe schließen . » Halt , « sprach Hildebrand , mit der Hand die Türe wieder öffnend , so daß Mataswintha sichtbar ward , » hier seht ihr , alles Volk : der Mann und das Weib , die heut ' wir vermählt , sind glücklich geeint im Ehegemach . Ihr sehet Witichis und Mataswintha : und ihren ersten ehelichen Kuß . « Mataswintha erbebte . Sie wankte , und schlug erglühend die Augen nieder . Unschlüssig stand der König in der Tür . » Du kennst der Goten Brauch , « sprach Hildebrand laut , » so tu danach . « Da wandte sich Witichis rasch , ergriff die zitternde Linke Mataswinthens , führte sie schnell einen Schritt vorwärts und berührte mit den Lippen ihre Stirn . Mataswintha zuckte . » Heil euch ! « rief Hildebrand . » Wir haben gesehen den bräutlichen Kuß . Wir bezeugen hinfort den ehelichen Bund ! Heil König Witichis und seinem schönen Weib , der Königin Mataswintha . « Der Zug wiederholte den Ruf und Hildebrand , Graf Grippa , Herzog Guntharis , Hildebad , Aligern und der tapfere Bandalarius ( Bannerträger ) des Königs , Graf Wisand von Volsinii , lagerten sich neben den sechs Frauen und Mädchen vor der Türe des Brautgemachs , welche Witichis nun schloß . Sie waren allein . Witichis warf einen langen , prüfenden Blick durch das Gemach . Das erste , was Mataswintha tat , war - sein Kuß brannte auf ihrer Stirn - , daß sie unwillkürlich so weit als möglich von ihm hinwegglitt . So war sie - sie wußte nicht wie - in die fernste Ecke des Zimmers , an das Fenster , gelangt . Witichis mochte es bemerken . Er stand hart an der Schwelle , die Hände auf das mächtige , breite und fast brusthohe Schwert gestützt , das er , aus dem Wehrgehäng genommen , in der Scheide , wie einen Stab , in der Rechten führte . Mit einem Seufzer trat er einen Schritt vor , das Auge ruhig auf Mataswintha gerichtet . » Königin , « sprach er und seine Stimme drang ernst und feierlich aus seiner Brust , » sei getrost ! Ich ahne , was du fürchtend fühlst in zarter Mädchenbrust . Es mußte sein . Ich durfte dein nicht schonen . Das Wohl des Volks gebot ' s : ich griff nach deiner Hand : sie muß mein sein und bleiben . Doch hab ' ich schon in allen diesen Tagen dir gezeigt , daß deine Scheu mir heilig . Ich habe dich gemieden - und wir sind jetzt zum erstenmal allein . Auch diese gepreßte bange Stunde hätt ' ich dir gern erspart : es ging nicht an . Du kennst , glaube ich , die alte Sitte des Brautgeleits . Und du weißt , in unserm Fall liegt alles daran , sie nicht zu verletzen . Als ich in dies Gemach trat und die Röte in deinen Wangen aufflammen sah , - lieber hätt ' ich im ödesten Berggeklüft dieses müde Haupt auf harten Fels zur Ruhe gelegt . Es ging nicht : Hildebrand und Graf Grippa und Herzog Guntharis hüten diese Schwelle . Sonst ist kein Ausgang aus diesem Gemach . Wollt ' ich dich verlassen , es gäbe Lärm und Spott und Streit : und neuen Zwist vielleicht . Du mußt mich diese Nacht in deiner Nähe dulden . « Und er trat einen Schritt weiter vor und nahm die schwere Krone ab : auch den Purpurmantel , den er , ähnlich dem Mataswinthens , über der Schulter trug , warf er ab . Zitternd , sprachlos lehnte Mataswintha an der Wand . Witichis drückte dies Schweigen : so schwer er selber litt , ihn dauerte des Mädchens . » Komm , Mataswintha , « sprach er . » Verharre nicht in unversöhntem Zorn . Es mußte sein , sag ' ich dir . Laß uns , was sein muß , edel tragen und nicht durch Kleinheit uns verbittern . Ich mußte deine Hand nehmen - dein Herz bleibt frei . Ich weiß , du liebst mich nicht : du kannst , du sollst , du darfst mich nicht lieben . Doch glaub ' mir : redlich ist mein Herz und achten sollst du immerdar den Mann , mit dem du diese