einen Vorsaal . In dem Vorsaale waren wieder Männer in verschiedenen schönen Kleidern , es waren Jünglinge da und auch Knaben in feinen Gewändern . Thiemo von der Aue schritt gegen einen Mann , der ein dunkles weites Gewand und ein silbernes Kreuz hatte . » Rudpert « , sagte er zu dem Manne , » da bringe ich einen , der drei goldene Fische gefangen , und sie in das Wasser geworfen hat . Er ist Witiko , von einem böhmischen Schlosse , wie heißt es ? « » Kein Schloß , nur der Hof Pric « , sagte Witiko . » Ich weiß alles « , entgegnete der Mann , » ich bin als Kapellan mit dem Markgrafen auf die Vogelweide gegangen , und Witiko hat die Vögel verjagt . Was willst du denn hier , mein Sohn ? « » Er will mit dem erlauchten Markgrafen sprechen , weil derselbe sein Kriegsgenosse gewesen ist « , sagte Thiemo . » Es ist gebührlich , Freundschaft mit Kriegsgenossen zu halten « , sagte der Kapellan . » Dort steht Tibert , der Kämmerer . Komme nur , Witiko . « Nach diesen Worten faßte er Witiko an dem Arme , und führte ihn im Geleite der andern Männer gegen einen Ritter , der in einem dunkelrotbraunen Kleide dastand . Er sprach zu dem Ritter : » Tapferer Tibert , da ist ein Mann aus Böhmen , der mit seinem Herzoge Wladislaw in unserem Kriegszuge von Nürnberg nach Pilsen und Prag gewesen ist . Er hat unser Land besucht , den hocherlauchten Markgrafen zu sehen . Man nennt ihn Witiko von Pric . « » Du bist Witiko , du junges Blut ? « sagte der Kämmerer . » Sie haben von dir übel geredet wegen der mährischen Herzoge , und gut wegen deiner Tapferkeit im Frühlingskriege und bei Pilsen . Bist du dieser Mann ? « » Ich war in dem Kriege wie ein anderer « , sagte Witiko , » und habe bei Pilsen nach meiner Einsicht getan . « » Nun der hohe Markgraf wird schon mit dir sprechen « , sagte der Kämmerer . Dann rief er gegen die Knaben : » Komm her , du kleiner Chunring . « Ein Knabe in einem Gewande , das rot und weiß war , ging herzu . » Lauf zu dem Herrn Otto von Lengenbach hinein , und sage ihm , daß ein Ritter aus Böhmen da ist , der Witiko heißt , und der zu dem Herrn Markgrafen will « , sprach der Kämmerer zu dem Knaben . » Ja « , sagte der Knabe , und ging von dem Saale in ein Gemach . Nach einer Weile kam er wieder heraus , und sagte zu dem Kämmerer : » Der Herr Ritter soll hinein kommen . « Tibert , der Kämmerer , und Thiemo von der Aue führten Witiko in das Gemach , aus welchem der Knabe die Botschaft gebracht hatte . In dem Gemache waren wieder Herren und Ritter , und auch Frauen , welche warteten . Ein alter Ritter in einem grünen Kleide sagte zu Witiko : » Du mußt ein wenig harren , junger Kriegsmann , der erlauchte Markgraf ist beschäftigt . « Witiko blieb stehen , und wartete . Die Männer sprachen mit einander . Nach einer Zeit kam ein alter Mann aus der Tür eines weiteren Gemaches , grüßte die , welche da waren , und ging dann in den Vorsaal hinaus . » Nun ist es an dir , Witiko « , sagte der Ritter in dem grünen Gewande . Er wies mit der Hand gegen die Tür , aus welcher der alte Mann gekommen war . Witiko ging gegen die Tür , ein Greis in einem Gewande , das rot und weiß war , stand vor derselben , öffnete sie , und Witiko ging hinein . Er kam in ein Gemach , das mit Birnholz getäfelt war . An verschiedenen Stellen hingen rote Stoffe in langen Falten herab . An einem Tische saß in ritterlichen Kleidern Heinrich , der Markgraf von Österreich , aus dem Geschlechte der Herren von Babenberg . Eine schöne Haube aus rotem Sammet lag vor ihm auf dem Tische . Er hatte blonde Locken und blaue Augen . Witiko nahm seine Haube ab , und stand vor ihm . » Sei gegrüßet , du junger Degen « , sagte der Markgraf , » bist du in unser Ländlein Österreich gekommen ? « » Ich bin in das Land gekommen « , sprach Witiko , » und die erhabene Frau Markgräfin , deine erlauchte Mutter , hoher Herr , hat gesagt , daß ich mich unterfangen dürfe , dir den Ehrfurchtsgruß zu bringen . « » Ich danke dir für den Gruß , mein Sohn « , sagte der Markgraf , » unsere erlauchte Mutter hat dir gut geraten , ich nehme dich so lieb auf wie andere fremde Männer , die mich mit einem Heimsuche bedenken und achte dich , weil mein Schwager Wladislaw und meine Schwester dich genannt haben , daß du in ihrer Sache mit Entscheid gehandelt hast . « » Ich habe gemeint , das Geziemende zu tun « , antwortete Witiko . » Der Herzog sagt , daß du nach Gerechtigkeit strebest « , entgegnete der Markgraf . » Ich möchte sie nur so einsehen können , wie die weisen Männer , welche um den Herzog sind « , antwortete Witiko . » Das wird in den Jahren kommen , welche noch vor dir sind , Witiko « , sagte der Markgraf . » Du bist mit deiner Mutter auf dem Kahlenberge bei unserer vielgeliebten Mutter als Gast . « » Meine Mutter ist früher da gewesen , ich bin dann gekommen , und es hat mir die erlauchte Frau Markgräfin Herberge gewährt « , sagte Witiko . » Unsere Mutter liebt deine Mutter als die Tochter ihrer Mutter ungemein « , antwortete der Markgraf , » genießet die Herberge , und komme oft zu mir und meinen Männern herunter . Ich werde meinen Herren und Kriegsleuten befehlen , daß sie gütlich mit dir umgehen . Erheitere dich in unserer Weise , da noch die Waffenruhe vor dem Kriege gegen die Mährer , die du entlassen hast , dauert . « » Ich dachte , daß der Krieg leichter gegen jeden Fürsten allein sein wird , als gegen ihre Vereinigung « , antwortete Witiko , » und dann werden wir den Streit auch ohne fremde Hilfe vollführen können . « » Das liegt bei Gott , Witiko , und das werden die Kriegsherren ermessen und die weisen Männer , von denen du sagst , daß sie bei dem Herzoge sind « , entgegnete der Markgraf . » Fahre im Guten fort , Witiko , du bist noch jung , und kannst vieles erstreben , ich bin auch nicht alt , und so mir Gott hilft , werde ich das Ehrengrüßen , das du bringst , und das mir andere bringen , erst recht verdienen . Bleibe lange bei uns , und wenn du scheidest , lasse dir nicht leid sein , daß du gekommen bist , und wenn du eine österreichische Sitte gelernt hast , lasse dich ' s nicht kränken , und komme wieder . « » Es wird mir nicht leid sein « , sagte Witiko , » und ich werde suchen , von dir und den Deinigen zu lernen . « » So etwas zu lernen ist « , erwiderte der Markgraf . » Bringe unserer geliebten Mutter einen Gruß , grüße deine Mutter , und gehabe dich wohl . « Er stand nach diesen Worten auf , und reichte Witiko die Hand . Witiko sah , daß die Hand weiß und schön gebildet sei . Er faßte sie , und sagte . » Lebe glücklich , hoher Herr ! « » Das wäre ein guter Wunsch , wenn Gott ihn erfüllen will « , antwortete der Markgraf . Darauf verneigte sich Witiko , und verließ das Gemach . In dem Vorgemache grüßte er den Ritter in dem grünen Gewande , und setzte dann seine Lederhaube wieder auf das Haupt . Der Ritter aber sagte . » Ich bin Otto von Lengenbach , und so du einmal in meine Veste kommen willst , Witiko , so wirst du freundlich aufgenommen werden . « » Ich danke Euch , Herr « , sagte Witiko , » es könnte sich fügen , und dann nehme ich die Einladung an . « Hierauf wurde er von Tibert , dem Kämmerer , und Thiemo von der Aue in den Vorsaal geführt . Von dem Vorsaale ging er im Geleite derer , die mit ihm gekommen waren , über die Treppe hinab . In dem Hofe waren nun Pferde von den Knechten der Ritter , die bei ihm waren , herbei geführt worden . Witiko bestieg sein Pferd , die Ritter bestiegen auch die ihrigen , und Marchard von Hintberg sagte : » Wir werden dich eine Strecke geleiten , Witiko . « » Ich freue mich eurer freundlichen Art « , entgegnete Witiko . Alle die Männer und hinter ihnen ihre Knechte ritten nun aus dem Hause auf den großen Platz hinaus . Dort rief Thiemo von der Aue : » Wo hast du denn deine Herberge , du junger fahrender Ritter , der du da fremde Länder besuchst ? « » Ich bin nicht genau ein fahrender Ritter « , sagte Witiko , » meine Mutter ist in euerm Lande , und ich bin zu ihr gekommen und so auch gerne in euer Land . « » Und wo herbergt denn deine Mutter , so du jetzt etwa zu ihr reitest ? « fragte Thiemo von der Aue . » Ich reite zu ihr « , antwortete Witiko , » und sie herbergt auf dem Kahlenberge bei der hocherlauchten Frau Markgräfin Agnes , zu der sie beschieden worden ist . « » Das ist die böhmische Wentila « , rief Thiemo von der Aue , » und herbergest du auch bei ihr auf dem Kahlenberge ? « » Ich herberge auch dort « , entgegnete Witiko . » Dann werden wir dich morgen sehen , weil Kahlenbergritt ist « , sagte Marchard von Hintberg , » du mußt dich anschließen , und mit uns reiten . « » Wenn es sich ziemt « , sagte Witiko . » Es ziemt sich « , rief Ebergus von Aland , » und es ist deine Ritterpflicht und Kriegerpflicht , weil du dem Markgrafen einen Heimsuch gemacht hast . « » Dann werde ich mitreiten « , entgegnete Witiko . » Und ich werde dich schützen « , rief Thiemo von der Aue . » Ich hege großen Dank für deinen Schutz « , sagte Witiko , » aber ich denke , ich werde mich selber schützen , oder eines Schutzes nicht bedürfen . « » Gegen den Witz schütze ich dich « , rief Thiemo , » und gegen den Witz kann dich kein anderer so schützen . « » So schütze mich , Vater « , antwortete Witiko . » So bist du ein folgsamer Knabe « , rief Thiemo . » Ich werde dir immer gehorsamen « , sagte Witiko . » Das wird zu deinem Heile sein « , antwortete Thiemo . Die Männer ritten durch das Tor der Stadtmauer gegen den tiefen Graben hinaus . Sie ritten über die Brücke des Grabens , und an der Freiung vorüber . Dann nahmen sie Abschied . » Reite wohl , Witiko « , rief Marchard von Hintberg . » Gehabe dich gut « , sagte Viricus von Gaden . » Gedenke des Gehorsams « , rief Thiemo von der Aue . » Freue dich in unserem Lande « , sagte Werinhard von Brun . » Bleibe recht lange da « , rief Gebhard von Abbadesdorf . » Habet Dank , ihr Herren « , rief Witiko entgegen , » und gehabet euch wohl . « » Gehabe dich wohl « , riefen mehrere , und sie riefen ihm noch zu , daß er sie in ihren Vesten besuchen solle . Dann wendeten sie ihre Pferde , und ritten der Freiung entlang wieder gegen die Stadt . Witiko aber ritt mit Raimund auf den Kahlenberg . Nach dem Mittagessen zeigte Ezelin , der Vogt , Witiko die ganze Burg , er zeigte ihm ihre Vorräte und ihre Waffen , und zeigte ihm , wie sie den Ungarn Widerstand geleistet habe , und wie sie in Zukunft zu verteidigen wäre . Ehe an dem folgenden Tage die Sonne aufgegangen war , begannen sich die Männer auf dem Kahlenberge zum Empfange derer , die da kommen sollten , zu rüsten . Sie schmückten sich und ihre Pferde , und luden Witiko ein , das gleiche zu tun . Er aber rüstete nur sein Pferd , legte sein Hausgewand ab , tat das Ledergewand an , und gürtete an dasselbe sein Schwert mit dem Sobeslawgürtel . Dann bestiegen alle die Pferde , ritten vor die Burg , und stellten sich in eine Reihe . Als sie eine Zeit gewartet hatten , kam ein Zug von Reitern und Reiterinnen auf dem Pfade des Laubwaldes herauf . Der erste in dem Zuge war Heinrich , der Markgraf von Österreich . Er hatte ein blaßrotes Kleid , und auf der dunkelroten Sammethaube eine weiße Reigerfeder . Sein Pferd war schwarz . Neben ihm ritt die Markgräfin in einem weißen Kleide und einem grünen Schleier . Sie hatte blonde Haare , blaue Augen und ein helles Angesicht . Die Farbe ihres Pferdes war goldbraun . Hinter dem Markgrafen und der Markgräfin ritten Herren und Frauen in schönen Gewändern . Die Herren hatten Obsorge , daß die Frauen gut ritten . Als der Zug zu dem Tore der Burg gelangte , ritt Agnes , die verwitwete Markgräfin von Österreich , durch das Tor heraus . Sie hatte ein graues Gewand und einen weißen Schleier . Ihr Zelter war weiß . Hinter ihr ritten Herren und Frauen . Die Herren hatten schöne Kleider , die Frauen aber nur graue . Unter den Frauen war Wentila , Witikos Mutter . Als Agnes zu dem Markgrafen und der Markgräfin gekommen war , wurde sie von ihnen ehrerbietig gegrüßt . Sie dankte des Grußes . Dann sprachen sie noch ein wenig mit einander . Dann stellten sie ihre Pferde neben einander , und ritten von der Burg weg auf einem Pfade , der gegen Abend führte . Die Männer und Frauen , die zu Heinrich und Gertrud und die zu Agnes gehörten , folgten ihnen . Vorn ritten solche , welche Hofämter hatten . Dann kamen die andern . Die Männer der beiden Geleite vermischten sich , wie es sich ergab , oder ihr Wunsch es fügte . Am Ende des Zuges ritten die jüngeren Leute , und waren auseinander gestreuter . An den Seiten des Zuges standen die grünen Bäume , und streckten ihre Zweige gegen die bunten und schimmernden Gewänder , gegen die Panzergeflechte und gegen die Waffen . Witiko ritt zwischen Weringand von Plaien und Poto von Potenbrun . Sie zeigten ihm Männer und Frauen , die vor ihnen ritten , und nannten ihre Namen . Gebhard von Abbadesdorf lenkte sein Pferd herzu , und sagte : » Sei gegrüßt , Witiko , tummle dein Roß unter österreichischen Reitern . « » Sei gegrüßt « , antwortete Witiko , » auf diesem Pfade ist wenig zu tummeln . « » So komme zu uns hinab , wo der Raum größer ist « , sagte der andere . » Ich werde kommen « , entgegnete Witiko . Dann ritten Ebergus von Aland und Viricus von Gaden herbei , und Ebergus sagte : » Bist du da , junger Reiter ? « » Ich bin da « , entgegnete Witiko , » du hast ja gesagt , daß es meine Pflicht ist . « » Und du erfüllest sie « , sagte der andere . » Ich werde sie immer zu erfüllen streben « , sagte Witiko . » Dann erfülle sie auch gegen die Frauen , und huldige ihnen , sie sind schön , und verdienen es « , sprach Viricus von Gaden . » Ich bin in Huldigungen nicht geübt « , antwortete Witiko . » So übe dich , und nimm von Thiemo deinen Unterricht , der sich schon lange übt . « Marchard von Hintberg kam herzu , und sagte : » Sei gegrüßt , du Freund von gestern , es ist gute Art , daß du bei uns bist , nun lebe recht wacker mit uns . « » Sei gegrüßt « , antwortete Witiko , » wie es sich fügt und schickt . « » Es fügt sich und schickt sich « , entgegnete Marchard . Dann kam Werinhard von Brun , und sagte : » Böhmischer Rittersmann , du bist in dem Zuge , nun lasse es dir gefallen , wie es auch andern gefallen hat , die gekommen sind . « Hierauf ritt Thiemo von der Aue von hinten nach vorne gegen Witiko , und sagte : » Sei gegrüßt , Witiko , ich habe jetzt nicht Zeit , ich werde später wieder zu dir kommen . « Dann ritt er vorwärts , und schloß sich an die älteren Männer an . Und so kamen noch andere Männer herzu , und ritten wieder weg , und sprachen mit einander . Nach einer Zeit hörte Witiko hinter sich schnellere Pferdetritte , wie wenn einer näher reitet , und dann hörte er die Worte : » Es hat mir an dem Herzen viel dicke weh getan , daß mich es des gelüste , das ich nicht mochte han . « Er blickte um , und es war ein sehr junger Mann in blauen Kleidern auf einem weißen Pferde hinter ihm . Witiko rief : » Der Fiedler vom Kürenberge . « » Ja , du Lederhaube , so bist du in Österreich « , antwortete der Mann . » Ich bin bei meiner Mutter und der Frau Markgräfin auf dem Kahlenberge « , entgegnete Witiko . » Ich weiß es « , sagte der Mann , » und mußte dich im Zuge mit den Augen herausstechen , wie man eine Lerche an den Pfeil heftet . « Nach diesen Worten trieb er sein Pferd vorwärts , bis er neben Witiko war . » Und wie bist du denn nach Österreich gekommen ? « fragte Witiko . » So wie du in die Welt gegangen bist « , antwortete der Ritter vom Kürenberge . » Als der alte Regimar tot war , und als du fort warest , ritt ich von Passau hinweg . Ich bin in vielen Gebieten und Burgen gewesen , und dann bin ich an den Hof der Markgrafen von Österreich gezogen . Als der Krieg kam , der zwischen dem Markgrafen von Österreich und dem Herzoge von Baiern war , zogen wir nicht in den Krieg , es zog mein Vater nicht , die Ritter von Rohre zogen nicht , der alte Heinrich von Oftering zog nicht , der unser Nachbar ist , die Herren von Wilheringen zogen nicht , der Ritter von Traun zog nicht , und viele nicht , die um uns waren . Wir halfen aber auch dem Markgrafen von Österreich nicht . Ich ritt zu meinem Vater auf den Kürenberg , und blieb auf dem Kürenberge . Als der Krieg geendiget war , und als der Ruf ging , daß wir nach Böhmen ziehen werden , um die mährischen Fürsten zu züchtigen , so kamen wir aus den Gauen der Traun und der Enns und der Donau zusammen , und zogen mit unseren Fähnlein den bayrischen Wald hinan , und vereinigten uns bei dem Orte Furth mit dem Könige Konrad . Und als die Sache aus war , und als ich von Prag wieder auf den Kürenberg gekommen war , ritt ich eine Weile zu Erlustigungen nach Linz und nach Wels und nach Eferdingen und nach Enns und nach Kremsmünster und nach Rohre , und dann ritt ich nach Wien an den Hof Heinrichs , des Markgrafen von Österreich ; denn die Babenberge sind doch anders als die Welfe , und das Herzogtum Baiern ist jetzt ledig , und weil der Markgraf Heinrich der Stiefbruder des Königs Konrad ist , so wird er von dem Könige Konrad mit Baiern belehnt werden , und wenn er auch damit nicht belehnt wird , so kann das bayrische Land zwischen der Enns und dem Inn losgetrennt und zu Österreich gefügt werden , und der Markgraf Heinrich wird dann der erste Herzog von Österreich sein , und wir werden Mannen des Herzoges von Österreich sein . « » Ich habe Zdik , den Bischof von Olmütz , der auf der Flucht ist , von Böhmen nach Passau geleitet « , sagte Witiko , » und bin dann auf einem Schiffe die Donau herab nach Wien gefahren , und da ich gegen Linz kam , habe ich auf den Wald des Kürenberges geschaut , und habe deiner gedacht . « » Hast du meiner gedacht ? « rief der Ritter vom Kürenberge , » nun so habe meinen Dank dafür . Auf der Burg des Kürenberges sitzt nun mein Vater allein . Er reitet nicht mehr an den Hof . Es ist kein Hof in Baiern , und zu dem Hoflager des Königs reitet er nicht , und an den Hof des Markgrafen auch nicht . Er waltet mit den Knechten , streicht die Fiedel , läßt noch seine Stimme erschallen , gibt Rat , tröstet meine Mutter , wenn sie ein Leid hat , und sendet mir Botschaften . Unten an dem Kürenberge , wo die kleinen Föhren gegen die Stadt Wels hingehen , sitzt auf dem ebenen Boden der alte Heinrich von Oftering , der noch manchen Streitsang hegt . Er ist der Vater des jungen Heinrich von Oftering , der mit uns ein Knabe bei dem alten Regimar gewesen ist , du weißt noch die roten Wänglein und die blonden Haare . « » Ich weiß es « , sagte Witiko . » Und wie ist es denn bei euch in Prag ? « fragte der vom Kürenberge . » Der Hof des Herzogs Wladislaw ist bisher mit Sorgen und mit Krieg erfüllt gewesen « , sagte Witiko . » Der Krieg ist auch herrlich « , sprach der Ritter vom Kürenberge , » er ist nach dem Sange das Herrlichste , und gibt den Ruhm . « » Uns hat er Zerstörung und Jammer gegeben « , sagte Witiko . » Und der Ritter Gertrud und ihr Knappe Dimut sind jetzt in dem Munde aller Sänger an dem Hofe ihres Bruders Heinrich « , entgegnete der Ritter vom Kürenberge . » Das geschieht mit Recht « , antwortete Witiko , » wer ein Großes tut , dessen Name soll in Ewigkeit genannt werden . « » In Ewigkeit « , rief der Ritter , » und sein Sänger dazu . « » Es sind auch alte Helden in dem Kampfe gewesen « , sagte Witiko . » Wir wissen es , und ehren sie « , antwortete der Ritter . » Bist du nach dem Kriege in die Heimat gegangen ? « » Ich bin in die Heimat gegangen « , antwortete Witiko . » Ich habe erst von dir reden gehört , als wir auf dem Rückwege nach Deutschland waren « , sagte der Ritter . » Da ist nicht viel zu reden « , antwortete Witiko . » Sie haben hingeredet und haben widergeredet « , sagte der Ritter , » du solltest jetzt bei uns bleiben . « » Ich diene meiner Heimat « , entgegnete Witiko . » So diene ihr , wie wir im Deutschen dienen « , antwortete der Ritter , » aber du sollst recht lange in Wien bleiben . « » So lange es sich fügen mag « , entgegnete Witiko . » Wenn der Hof des alten Regimar fröhlich gewesen ist « , sagte der Ritter , » wenn der Hof Regimberts noch fröhlicher ist , so ist der Hof zu Wien nur wonniglich . Der Hof der Markgrafen von Österreich ist der Erste in der Christenheit , zu dem die Jugend wandert . Die alten lobebaren Recken sind da , die sich im Ernste und im Schimpfe umtun , und Ruhm gewinnen , und es sind die jungen zierlichen Degen da , die alle kommen . Heute sind manche versammelt . Der hinter dem Markgrafen reitet , und den braunen Mantel trägt , ist der von Chunring . Er ist in dem Geleite gewesen , das der Schwester des Markgrafen , Gertrud , mitgegeben worden ist , da sie die Brautfahrt nach Böhmen gemacht hat . Sein Gemüt ist tapfer ; er achtet aber des Klanges nicht . Der in dem dunkeln Gewande ist der Kapellan Rudpert . Der in dem schwarzen Gewande reitet , und die weiße Feder hat , ist Rudeger , welcher bei dem Markgrafen fünf Männer gilt . Er ist ein Degen der Ehren , stark und viel kunstreich , und hat die schönste Hausfrau in den Landen . Neben ihm reitet Tibert , der Kämmerer , in dem grünen Kleide , ein guter Mann und vieledler Degen . Dann kömmt Chunrad von Aspan , der auch im Brautgeleite gewesen ist , und an seiner rechten Seite reitet Gotescalc , der Abt von Heiligenkreuz . Dann kommen Bruno von Pusinberg , Albero von Chunring , ein starker Degen , Heinrich von Mistelbach , Hartung von Ruhenegk , Udalrich von Marbach und Heinrich von Gundramsdorf . Siehst du dann den Mann , der ein gelbes Gewand hat und ein grünes Wams und eine rote Feder ? « » Ich sehe ihn « , sagte Witiko . » Der ist Thiemo von der Aue « , sagte der Reiter von dem Kürenberge , » er hat Kleider wie ein Zeisig und Füße wie Krebsscheren . Seine roten Schuhschnäbel werden immer länger , daß er sie an den Gürtel wird binden können , und seine Ärmel werden weiter , daß sie auf die Schuhschnäbel reichen mögen . Er trägt die Farbe des Fräuleins Kunigunde von Hartheim , das er in Regensburg gesehen hat , als er mit dem vorvorigen Markgrafen dort gewesen ist , und das er heiraten gewollt hat . Neben ihm reitet ein junger Mann im blauen Kleide auf einem weißen Pferde . « » Ich sehe ihn « , sagte Witiko . » Der ist der junge Heinrich von Oftering « , sprach der Ritter , » wir tragen immer gleiche Kleider . Und auf der andern Seite reitet einer mit einem grünen Mantel . « » Ich kann ihn sehen « , sagte Witiko . » Der ist der junge Ruhenegk aus der Waldschlucht « , entgegnete der Ritter . » Oftering und Ruhenegk zwingen den alten Knaben immer , daß er Reimzeilen sagt , die so ungefüg sind wie die Wollkittel der böhmischen Männer Boriwoys , die er in Regensburg gesehen hat . Er hält die Reime aber immer für höfisch . Sie lassen ihn nicht zu dir zurück , wie er sonst täte , weil er alle Fremden beschützt . Du solltest schöne Kleider anziehen , so lange du bei uns bist , Witiko . « » Ich habe das Leder in Freud und Leid getragen , und werde es fortan tragen « , erwiderte Witiko . » Du bist noch so töricht wie du in Passau gewesen bist « , sagte der Ritter vom Kürenberge ; » aber ich will dir weiter von unserem Hofe erzählen . Da ist das Werfen der Speere , das Schießen der Pfeile und das Brechen der Lanzen , wenn man in vollen Platten in den Bügeln steht , und gegen einander reitet , daß die Splitter fliegen , und der Palast und der Saal ertost , und wenn man dann doch mauerrecht in dem Sattel sitzt , daß die Frauen und Jungfrauen auf dem Söller jubeln , und mit dem Scheine ihrer Augen herab sehen . « » Ich würde es vorziehen « , antwortete Witiko , » durch das , was ich vollbringe , nicht den Schein der Augen einer Jungfrau zu gewinnen , sondern ihr Herz zu treffen , daß es nichts anderes kennt als die Liebe zu mir , und daß ich ihr die größte Lust auf der Erde bin , wenn ich es nämlich vermag . « » So triff das Herz , du waghalsiger Mann « , sagte der Ritter vom Kürenberge , » hier und allerwärts sind die schönsten Jungfrauen . Oder hast du es schon getroffen ? « » Ich habe noch nichts Großes zu vollbringen vermocht « , sagte Witiko . » Und wer dann im Stechen die Ehren gewann « , sprach der Ritter vom Kürenberge , » der erhält im Angesichte aller den Preis , und sein Name wird genannt in den Ländern und Burgen . Und wie die liebe Sonne auf das Land Österreich scheint , so ist ein Klingen und Singen in dem Lande , und wird viel geehrt , und es wird noch immer höher und höher gehen . Wer da Geltung hat in Sang und Klang , der geht nach Österreich , und der Preis , den er gewinnt , ist dem der Waffen gleich . Die von Babenberg sollten Kaiser sein . Da würde das Hoflager bald in Würzburg , bald in Nürnberg , bald in Speyer , bald in Frankfurt , bald in Regensburg schimmern , und es würde das schimmerndste auf der Erde sein . Die neuen Herzoge in Schwaben , die sich erst ihre Burg auf dem hohen Staufen erbaut haben , und schon die Königskrone tragen , mögen herrlich sein , wie der starke Büren gewesen ist , und wie der junge Friedrich werden wird , dem