einbuchtenden Landzunge eine andere Kampfscene ereignet . Am 29. , sobald der General-Adjutant , Vice-Admiral Korniloff , den die » Bessarabia « aufgesucht hatte , mit seinem Dampfgeschwader , bestehend aus den Dampfschiffen » Odessa « , » Krimm « und » Chersones « , in Ssewastopol eingetroffen und die Schiffe zum Auslaufen wieder bereit waren , ging er zur Escadre Nachimow ' s ab . Admiral Korniloff befand sich auf der » Odessa « . Am 30. , bald nach 12 Uhr , bemerkte man auf dem Dampfer , der sich bereits der anatolischen Küste genähert hatte , über die Landzunge von Sinope hinweg , daß die Schlacht begonnen , und die Dampfschiffe beschleunigten alsbald ihren Lauf so sehr als möglich , um die Rhede zu erreichen . Als sie am Vorgebirge von Sinope vorübergingen , wurde ihnen die türkische Dampffregatte Taïf , von 20 Kanonen , sichtbar , die , auf dem linken Flügel der türkischen Stellung postirt , weniger gelitten und bereits vor Beginn des Kampfes geheizt hatte und jetzt bemüht war , durch die Flucht der allgemeinen Vernichtung zu entgehen . Der Vice-Admiral Korniloff befahl alsbald , seine Flagge aufzuziehen und dem türkischen Dampfschiffe , das nach der hohen See steuerte , den Cours abzuschneiden . Der » Taïf « , obschon er fast drei Mal stärker war , als die Odessa , änderte jedoch , sobald er das russische Manövre gewahr wurde , seine frühere Richtung und lief längs dem Ufer hin . Als das Dampfschiff Odessa sich bis auf Kanonenschußweite genähert , eröffnete es das Feuer aus dem langen Neunpfünder auf seinem Vordertheil . » Bei Gott , « sagte der Admiral , » die Schurken werden den Kampf nicht annehmen , sondern verlassen sich auf ihre stärkere Maschine . Wir müssen zu dem letzten Mittel greifen , sie zum Fechten zu zwingen . Lassen Sie die Enterhaken bereit machen , Capitain Stanißlaw , und die nöthige Mannschaft an die Schanzverkleidungen treten . Wir wollen versuchen , ihn im Vorbeikommen anzulaufen , die Enterhaken an seinen Bord zu werfen und ihm dabei eine Salve zu geben . « In wenigen Augenblicken waren die Vorbereitungen getroffen und die Schiffe näherten sich rasch einander , denn der Capitain des Taïf sah ein , daß er dem russischen Dampfer nicht ausweichen könne , ohne auf die Klippen des Ufers zu gerathen . Die Besorgniß einer Enterung oder eines Zusammenstoßes war dagegen eine weit geringere , da , wie erwähnt , das türkische Schiff noch ein Mal so groß war wie die Odessa , und nur in dem Kampfe mit allen drei Dampfern Gefahr lag , der beim Gelingen einer Enterung unvermeidlich gewesen wäre . Die Mannschaften beider Schiffe standen auf den Decks , die Türken mit Rudern und Stangen bewaffnet , um das feindliche Schiff abzuhalten . Auf den Radkästen und an den Seiten der Odessa waren die Enterer postirt , Capitain Stanißlaw auf der Brücke über der Maschine , um die Kommando ' s für die Bewegungen zu geben . » Was thun Sie hier , mein Herr ? « sagte einer der Offiziere zu einem Manne in einem der grauen russischen Militair-Capots und darunter in Civilkleidung , der , das Glas am Auge , einen Säbel in der Faust , am Bogspriet des Dampfers auf einer der gefährdetsten Stellen sich hielt . » Sie gehören nicht zur Equipage und setzen sich hier unnütz der Gefahr aus . « Der Angeredete verwandte kein Auge von dem heranbrausenden Gegner . » Bitte , lassen Sie mich hier , « sagte er dringend , » ich habe von dem Admiral die Erlaubniß erhalten , den Kampf mitzufechten , und bin begierig , Ihnen zu zeigen , daß mein Volk die Gefahren seiner Beschützer zu theilen wünscht . « Es war keine Zeit zu langem Streit , denn die Schiffe waren etwa nur noch 20-30 Faden weit aus einander , und Gregor Caraiskakis , - denn er war es , der an der Brustwehr stand , und welcher , nach dem er in Sebastopol verschiedene Verfügungen über das Kind seiner Schwester getroffen hatte , auf seine ausdrückliche Bitte auf dem Schiff des Vice-Admirals aufgenommen worden war , um seinem Gegner nach Sinope zu folgen , - behielt seinen Platz . Während der Taïf in grader Linie seinen Lauf fortsetzte , schoß die Odessa in einem spitzen Winkel gegen ihn heran . In der Entfernung von etwa einer halben Seemeile eilten die beiden andern Dampfschiffe herbei . Es war die Absicht des Admirals , das Bogspriet des kleinen Dampfers womöglich in den Radkasten der türkischen Fregatte aufzurennen , die Enterhaken zu werfen und die Türken so im Kampf festzuhalten , bis die beiden andern Dampfer herankommen konnten . Auf dem türkischen Schiff war diese Absicht offenbar erkannt , denn auch dort füllten sich die Radkästen und alle höheren Stellen mit Männern . Die Odessa schoß wie ein schnaubendes Kampfroß heran und ihr Vordertheil berührte beinahe die Flanke des Taïf , als dieser im selben Augenblick wendete , so daß der Vordertheil des russischen Schiffes an den Radkästen vorüberschoß und nur das hohe Hinterkastell der Fregatte traf . Die Enterhaken wurden zwar geworfen , fanden hier aber wenig Halt , und ein kurzer Kampf entspann sich auf den Decks , während der Dampfer von dem Aufstoß sich langsam herumschwenkte und seitlängs der Fregatte legte . Einige der russischen Matrosen versuchten an der höheren Brüstung des türkischen Schiffes empor zu klettern , wurden aber zurückgeworfen oder in ' s Wasser gestürzt . Unter denen , welche vergeblich sich damit abmühten , befand sich auch Caraiskakis . Er hatte mit der Linken sich an eine der herabhängenden Bootketten festgeklammert und war im Begriff , sich über den feindlichen Bord zu schwingen , als ein donnerndes Krachen verkündete , daß die Odessa die vier kleinen Kanonen gelöst , die ihre Breitseite bildeten . Die Schwere der Geschütze war zu gering , um selbst in dieser Nähe eine gefährliche Wirkung auf die Fregatte auszuüben , der Rückstoß der Salve bewirkte jedoch , daß die Schiffe von einander prallten und einige Ketten der geworfenen Enterhaken sprangen , während andere von dem türkischen Schiffsvolk gelöst wurden . Zugleich schoß die Fregatte mit aller Kraft der Maschinen vorwärts und war im nächsten Augenblick schon mehrere Schritte an der Odessa vorbei . Ein wilder Ruf des Schreckens ertönte von den Lippen Derer , die noch an dem türkischen Schiff hingen und vergeblich jetzt wieder an den eigenen Bord zu gelangen suchten . Einige ließen sofort los und vertrauten sich den Wellen an , Andere wurden von den Türken heruntergestoßen . Caraiskakis , der zu spät die Schanze des russischen Schiffes unter seinen Füßen weichen fühlte , wurde , ehe er noch einen Entschluß fassen konnte , hart von einem Türken bedroht , gegen den er sich , so gut er es in dieser Lage vermochte , mit dem Säbel vertheidigte . Schon wollte er den schwankenden Halt aufgeben und sich gleichfalls in ' s Meer werfen , als er sich von hinten am Kragen ergriffen und von einer kräftigen Faust emporgehoben und über Bord geschwungen fühlte . Im nächsten Augenblick , als er sich emporraffte , starrte er seinem Besieger in ' s Antlitz , der ruhig die Moslems von dem Gefangenen zurückwehrte , - es war Sir Maubridge . - Die Odessa verlor mehrere Minuten mit dem Auflesen ihrer Leute und dem Wenden . Als sie die Verfolgung des Taïf wieder aufnahm , war dieser bereits eine ziemliche Strecke entfernt , und obschon die Maschine auf ' s Höchste angespannt wurde , zeigte es sich doch bald , daß der Lauf der Fregatte zu überlegen war , um ein Einholen möglich zu machen . Sobald dieselbe daher außer Schußweite gekommen , befahl der Admiral , die Jagd einzustellen , und die drei Dampfer wandten sich eilig nach der Richtung von Sinope , um dort ihren Theil am Kampfe zu nehmen . Aber sie kamen hier zu spät . Auf der Rhede von Sinope war die Schlacht beendet . Die eintreffenden Dampfer Krim und Chersones erhielten sofort die Ordre , die russischen Schiffe aus der Schußweite der noch kampffähigen Uferbatterieen zu bugsiren für den Fall , daß es dem Feinde einfallen sollte , in der Nacht sein Feuer zu erneuern . Die Odessa aber wurde beordert , die türkische Fregatte » Damiette « , welche am wenigsten von den Kugeln gelitten hatte , in Besitz zu nehmen und vom Ufer fortzuführen . Dies geschah ohne Widerstand . Man fand auf der Fregatte kaum noch 100 Mann der Besatzung und etwa 50 Verwundete . Der Commandeur und die Offiziere hatten das Schiff schon im Anfange der Schlacht verlassen , indem sie sich mit sämtlichen Ruderbooten in schimpflicher Flucht an ' s Ufer retteten . Mehrere der türkischen Schiffe standen noch in vollen Flammen und gewährten in dem einsinkenden Dunkel des Abends ein furchtbar schönes Schauspiel , indem sie aus den glühend gewordenen Geschützen ihre Kugeln weit hinaus über die Rhede versendeten . Als das Feuer die Pulverkammern erreichte , flogen sie endlich in die Luft und die brennenden Trümmer verbreiteten sich über die am Ufer entlang liegende Türkenstadt , so daß diese auf ' s Neue in Brand gerieth . Gegen Mitternacht stand der ganze , von einer steinernen Mauer umgebene Raum in Flammen ; die Griechenstadt blieb jedoch von dem Feuer verschont . Am 1. December bei Tagesanbruch waren von den 12 Fahrzeugen , aus denen die türkische Escadre bestanden hatte , auf der Rhede nur noch die Fregatte Damiette im Schlepptau der Odessa , die Sloop und die zweite Corvette ganz zerschossen auf dem Strande am Südufer der Bucht zu erblicken . Nach aufmerksamer Besichtigung erwies es sich , daß die » Damiette « 17 Kugeln unter der Wasserlinie erhalten hatte ; der ganze Rumpf unter dem Wasser , die Masten und die Takelage waren in dem Grade beschädigt , daß ohne bedeutende Reparaturen , die viel Zeit gekostet hätten , es unmöglich gewesen wäre , sie bis Sebastopol zu bringen . Es wurde demnach befohlen , sie an ' s Ufer zu werfen und gleichfalls in Brand zu stecken . Mit gleichem Befehl bemächtigten sich die Boote der Fregatte Kagul der Sloop und der Corvette . Die mit dem Auftrag betrauten Offiziere fanden auf der Sloop den Kommandanten der türkischen Escadre , den Bahrielivaki ( Vice-Admiral ) Osman Pascha , den Capitain der Fregatte » Raphael « , den Commandeur der Sloop und 80 Matrosen . Osman Pascha war bald nach der Eröffnung des Feuers am rechten Bein verwundet worden , indem eine Kugel den Knochen zerschmetterte . Das Admiralschiff war das zweite , das von den Bomben der Russen in Brand geschossen worden , und die zügellose Mannschaft hatte sich alsbald in die Böte geworfen , indem sie ihren Admiral obenein ausplünderte , ihn seiner Uhr und seiner Kleidung beraubten und ihn hilflos und entblößt auf dem Deck liegen ließ . Ein Boot der Sloop , das der brennenden Fregatte zu Hilfe eilte , hatte ihn aufgenommen . Die türkischen Offiziere wurden auf das Dampfschiff Odessa , die gefangenen Mannschaften auf das Schiff Tschesme gebracht . Am Abend des 1. Decembers fand sich auf der Rhede von Sinope kein türkisches Fahrzeug mehr auf dem Wasser . Die Beschädigungen der russischen Schiffe beschränkten sich größtentheils auf die Masten und die Takelage ; am meisten hatten in ihrer Armirung die Schiffe » Kaiserin Maria « , » Tri-Sswjatitelja « , » Großfürst Constantin « und » Rostisslaw « gelitten . Die Mannschaften gingen trotz der Ermüdung des Kampfes eilig an die Ausbesserung . Am 2. December lichtete die Escadre des Vice-Admirals Nachimow Anker und verließ die Rhede von Sinope , indem die beschädigten Fahrzeuge von den Dampfern bugsirt wurden . Schon am 4. langten die drei am schwersten beschädigten Schiffe auf der Rhede von Sebastopol an . Der Taïf brachte die Kunde von der Vernichtung des türkischen Geschwaders nach Constantinopel und der Schrecken und die Verwirrung über die unerwartete Botschaft waren um so größer , als Niemand an die Möglichkeit eines solchen Schlages geglaubt hatte . Von den zehn Fregatten und sechs Corvetten der türkischen Flotte waren sechs und zwei vernichtet , und die Moslems begannen zum ersten Male bedenklich zu werden über den vielgepriesenen Schutz der Westmächte . Im Räume des Taïf langte in Fesseln Gregor Caraiskakis , der einzige Gefangene , wieder in Constantinopel an . Fußnoten 1 Dieselbe operirte getrennt von der Armee am Kaukasus , die unter Befehl des General-Adjutanten Fürsten Woronzow stand . 2 Alexandropol . 3 Hundssohn . Das Blut Schamyl ' s. Es war ein trüber December-Abend , das Sternengewölbe durch düstere Schneewolken verhüllt , die der Wind am hin und wieder mit mattem Glanz durchbrechenden Mond vorüberpeitschte , - als durch eine lange straßenähnliche Lichtung am Saume eines der ungeheuren Urwälder , welche noch große Flächen der Ukraine und Volhyniens bedecken und die Sümpfe von Rokitno und Mozyr genannt werden , ein auf polnische Art bespannter dreispänniger Schlitten über die Schneedecke flog . Eine dürftige Spur zeigte allein an , daß die Reisenden noch auf einem gangbaren Wege sich befanden , obschon dieser wenig genug benutzt werden mochte und meilenweit den Fahrenden kein lebendes Wesen begegnet war . Im Schlitten saßen zwei Personen , ein alter Mann von straffer militairischer Haltung mit noch jugendlich feurigem Blick trotz des weißen Haars , das unter der dicken Pelzmütze hervorquoll , neben einem jungen Mädchen von liebreizendem Antlitz , so weit aus den Krägen , Tüchern und Hüllen , mit denen sie sich gegen die Kälte geschützt hatte , dieses zu schauen war . Das Gespräch zwischen Beiden war langst verstummt , theils wegen der Unfreundlichkeit der Witterung , theils weil sie schon lange mit einander gefahren und kein Gegenstand zur Unterhaltung nahe lag . Auf dem Vordersitz des Schlittens neben dem Postillon saß ein Diener , ein Mann von mittleren Jahren und kühnem verständigem Aussehen in der polnischen Tracht , die weiße barankenbesetzte Mütze über die Ohren gezogen . » Das Wetter will mir wenig gefallen , Herr Graf , « sagte , sich umwendend , der Diener ; » ehe eine Viertelstunde vergeht , werden wir volles Schneetreiben sehen , und dieser Wald scheint kein Ende zu nehmen . « » Hast Du den Postillon gefragt , wie weit wir noch bis zum Schloß des Fürsten haben ? « » Volle drei Stunden . Wir werden vor eilf Uhr in keinem Fall ankommen , wenn - wir überhaupt ankommen . « » Wie meinst Du das , Bogislaw ? « Der Diener schwieg einige Augenblicke , dann sagte er auf Deutsch : » Die Schneefälle sind gefährlich in diesen Wäldern , Herr Graf , auch wäre es leicht , daß wir auf Wölfe stoßen könnten . Die ganze vorige Woche war harter Frost und das bringt die Bestien von den Karpathen herauf und aus den Sümpfen her . « Graf Lubomirski , - der Reisende im Schlitten war der alte Offizier , dem wir in der ersten Scene unseres Buchs und dessen Namen wir zuletzt in Petersburg begegnet sind , - beugte sich besorgt vorwärts . » Ich habe selbst schon bedauert , « sagte er in der gleichen Sprache , von der er wußte , daß sie der jungen Dame an seiner Seite nicht geläufig war , » nicht in Owrucz geblieben zu sein . Doch hatte ich dem Fürsten zu heute meine Ankunft angezeigt , um morgen mit ihm das heilige Christfest zu begehen . Es bleibt uns Nichts übrig , als so rasch wie möglich vorwärts zu kommen . Frage den Postillon , ob es denn keinen Halteplatz giebt bis zum Schloß des Fürsten ? « Nach einer kurzen Unterredung berichtete Bogislaw , daß zwar ein Gehöft , ein Krug für die Holzfäller , eine Meile weiter seitab im Walde liege , doch sei es besser nach der Meinung des Postillons , den geraden Weg zu verfolgen . » Was fürchten Sie , Oheim ? « fragte die junge Dame . » Sollten wir uns vielleicht verirrt haben ? « » Nein , mein Kind , « beruhigte der Graf . » Es ist kein Grund zur Besorgniß vorhanden , der Weg führt geradeaus durch die Lichtung und ist kaum zu verfehlen . « Ein furchtbarer Windstoß , der die riesigen Stämme zu entwurzeln schien , strafte seine Betheuerung der Sicherheit Lügen . Er schien das Signal zu sein zum Beginn des Unwetters , denn alsbald entluden sich die Wolken in einem dichten Schneegestöber und binnen wenigen Minuten waren die Reisenden und ihr Fuhrwerk in einen dichten weißen Mantel eingehüllt . Die Flocken fielen so dicht , daß man rechts und links die dunkle Baumwand nicht zu sehen vermochte . Man mußte den Lauf der Pferde ihrem Instinct überlassen . Das tolle Wetter dauerte ungefähr eine halbe Stunde , von einzelnen heftigen Windstößen unterbrochen , dann begann es nachzulassen und sich aufzuklären - es verzog sich so rasch , wie es gekommen war . Trotz aller Anstrengungen der Pferde hatten die Reisenden während des Wetters doch nur geringe Fortschritte gemacht und das Schlimmste von Allem war , daß nach kurzer Zeit der Postillon erklärte , er sei nicht mehr ganz sicher , ob sie auch noch auf dem rechten Wege wären , da das Schneegestöber jede Spur eines solchen tief bedeckt hatte . Vor ihnen breitete sich im Mondenschein , der wieder klar und hell vom Himmel strahlte , noch immer eine Lichtung aus , doch war es fraglich , ob es die rechte sei . Dem Zweifel und der Berathung wurde ein kurzes Ende gemacht , - ein entfernter , klagender , heulender Ton ließ sich hören , bei dessen erstem Laut die ermüdeten Pferde die Ohren spitzten und ohne Antrieb von Zügel und Peitsche sofort sich wieder in Galopp setzten . » Haben Sie gehört , Oheim ? « fragte die Dame . » Wir sind den Wohnungen nahe , das war das Heulen eines Hundes . « Der Graf antwortete nicht , aber er nahm unter der Decke des Schlittens zwei dort gesicherte Jagdgewehre hervor und reichte das eine dem Diener . » Ehe zehn Minuten vergehen , werden wir die Bestien auf dem Halse haben , « sagte dieser , diesmal auf Polnisch . » Um Gott , Oheim , was giebt es ? « » Nichts von Bedeutung , Wanda ; einige Wölfe , die vielleicht auf unsere Spur kommen . Wir werden sie mit blutigen Köpfen zurückschicken . « Die Dame war eine Polin , und obschon in Warschau erzogen , kannte sie doch durch Erzählungen hinreichend die Gefahren der Wälder ihres Vaterlandes . » Wir sind verloren , Onkel , wenn uns die Wölfe in dieser Wildniß erreichen ! « Gleich als sollte ihre Furcht bestätigt werden , erscholl dicht zur Seite des Schlittens , der am Waldrande dahinflog , ein durchdringendes Geheul und ein dunkler Körper schoß plötzlich aus dem Schatten der Bäume über die helle Fläche des Schnees und sprang dem linken Handpferde an die Kehle . Im nächsten Augenblick erfolgte ein Knall und der Wolf stürzte todt zurück : Bogislaw war beim Anblick der Gefahr vom Schlitten gesprungen und hatte dem Wolf den Kopf zerschmettert . » Vorwärts ! vorwärts ! « rief er , indem er sich schnell wie der Gedanke auf seinen Sitz zurückschwang , und die Pferde , die scheuend vor dem unerwarteten Angriff kaum einen Augenblick angehalten hatten , jagten auf ' s Neue davon . Ein lautes Geheul erklang jetzt hinter ihnen drein , und als der Graf sich umwandte , sah er in der Entfernung von einigen Hundert Schritten eine dunkle bewegliche Masse sich auf der Schneefläche hinter ihnen her wälzen . Feurige hüpfende Punkte glühten gleich Johanniskäfern aus dem dunklen Knäuel . » Lade schnell das Gewehr , Bogislaw , indeß ich sie in Respekt halte , « befahl der Graf . » Ich habe so manches Mal in längst vergangenen Zeiten meine Flinte auf die Bestien im Bialowizer Walde abgefeuert , daß ich wohl auch heute noch mein Ziel halten werde . « Die Gräfin Wanda barg ihr Gesicht in dem Pelzcapuchon , das ihren Kopf bedeckte , um die Gefahr nicht zu sehen . Wenige Augenblicke darauf knallte neben ihrem Ohr die Büchse des Oheims und ein Schmerzensgeheul aus dem Rudel , das sich auf etwa hundert Schritt schon dem Schlitten genähert hatte , verkündete ihr , daß ein Verfolger weniger war . » Sie werden einige Minuten anhalten , um ihren Gefährten zu verzehren , « sagte der Diener . » Ich kenne das Geschmeiß und habe oft mit ihm zu thun gehabt , als ich noch Büchsenspanner und Jäger beim seligen Grafen war ! « Die Voraussage bestätigte sich ; nach kurzer Zeit waren die Wölfe wieder auf der Fährte des Schlittens und jagten kaum fünfzig Ellen entfernt hinter ihm d ' rein . Noch zwei Mal schoß der Graf mit gleichem Erfolg das Gewehr ab , das der Jäger ihm reichte , aber der Fall der getroffenen Wölfe vermochte jetzt nur wenig Augenblicke die Verfolger aufzuhalten und zurückzuscheuchen . Während die Männer die Blicke und ihre Aufmerksamkeit nach jenen gewandt hielten , schrie plötzlich die junge Gräfin laut auf : » Jesus Maria , ich sehe Licht ! « Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr der Rettungsstrahl , die Gefährdeten . » Es ist das Schloß oder ein Gehöft , in einer Viertelstunde sind wir dort . Hölle und Teufel , was ist das ? « Der Diener Bogislaw , der es rief , beugte sich vorwärts . » Die Bestie hat das Pferd dennoch verletzt - es stürzt - herunter , Postillon ! rasch , rasch ! schneide die Stränge los , ehe sie uns einholen , es gilt Tod und Leben ! « Er hatte den Zitternden fast mit Gewalt hinabgestoßen und ihm das Messer in die Hand gedrückt , während er selbst bemüht war , die Zugstränge des Handpferdes zu lösen , das , an einer Halsarterie verletzt , nur , von der Furcht getrieben , so lange ausgehalten hatte und jetzt zusammengestürzt war und wild um sich schlug . » Den Vordersten , Herr Graf , den Vordersten ! « Wieder knallte die Büchse und der Leitwolf stürzte zusammen , aber an ihm vorbei jagte die Meute , denn sie wußte , daß in wenigen Minuten ihr die Beute entgangen sein würde . Rechts und links am Schlitten vorüber sprangen zwei große Wölfe und einer derselben am Vordersitz empor . Die wie feurige Kugeln glühenden Augen , der weit geöffnete Rachen mit der lechzenden Zunge , aus dem der giftige heiße Athem dampfte , waren schrecklich anzuschauen . Laut auf klang der Schrei des gefährdeten Mädchens , während der Greis mit dem Büchsenlauf die Bestien vom Rücken des Schlittens zurückzuhalten suchte . In diesem Augenblick war es den Beiden gelungen , die Stränge abzuschneiden und im selben Moment , als sie sich von der hemmenden Last befreit fühlten , sprangen die beiden Pferde vorwärts und rissen dabei den noch an ihrem Vorderzeug beschäftigten Postillon zu Boden . Bogislaw hatte kaum Zeit , sich auf die Deichsel zu schwingen und festzuklammern , als der Schlitten zwei schwere Rucke erhielt , wie über hindernde Körper hinschnellend , daß die Insitzenden fast herausgeschleudert wurden , und dann wieder über die Fläche dahin sauste . Zugleich gellte ein wilder Angst-und Schmerzensruf , dem alsbald das wüthende Geheul der Bestien antwortete . Die ganze Sache war so gedankenschnell vor sich gegangen , daß erst jetzt der Graf und Bogislaw den Wolf bemerkten , der sich halb erschrocken noch immer an den Schlitten festklammerte , ohne jedoch durch die rasche Fahrt und seine hängende Lage zu einem Angriff kommen zu können . Die Faust des früheren Jägers , noch mit dem langen Messer bewaffnet , fuhr im Nu nach dem Rachen der Bestie und man hörte das Knirschen des Stahls an dem harten Kiefer und den Zähnen ; der Wolf ließ los und stürzte rücklings in den Schnee . Die beiden Pferde jagten wie toll dem rasch sich nähernden Lichtschein entgegen . Es dauerte eine Weile , ehe es dem tapferen Diener gelang , mit den Zügeln , die er zum Glück um die linke Hand geschlungen gehabt , ihrer wieder Herr zu werden . Jetzt erst erholte sich die junge Dame so weit von dem Entsetzen der eben erlebten grausigen Scene , um zu bemerken , daß eine der Personen auf dem Schlitten fehlte . » Um Gotteswillen , Oheim , Bogislaw - der Postillon ? « Die beiden Männer antworteten nicht und Bogislaw peitschte nur wüthend auf die Pferde . Das bebende Mädchen brach in einen Thränenstrom aus ; das Zurückbleiben der Wölfe , ihr Geheul und Bellen gaben ihr die Ahnung , welchem entsetzlichen Opfer sie die einstweilige Rettung verdankten . Aber diese sollte vollständig werden ; denn von jenem Lichtschein aus , den sie in der Ferne gesehen , und der , wie sie näher kommend schon bemerken konnten , aus einem Gehöft mitten im Walde kam , bewegten sich mehrere Feuer über die dunkle Fläche , Kienfackeln , von Menschen getragen , und lautes Geschrei und Rufen verkündete die Nähe von Helfern in der Noth . Einige Augenblicke darauf waren sie in der Mitte einer Gruppe von Männern wilden Aussehens , die mit brennenden Kiensplittern , Stangen und Aexten bewaffnet , herbeikamen , Bewohner des düsteren Waldes , die auf das wiederholte Schießen sich von dem wärmenden Heerd in der elenden Waldherberge losgemacht hatten , an deren Hofthor jetzt der Schlitten hielt . Wenige Worte genügten , um das schreckliche Ereigniß zu melden ; das entfernte Heulen der Bestien , die sich außer dem Lichtkreise der Fackeln hielten , verkündete ihre Wuth , daß ihnen der größte Theil ihrer Beute entgangen war . Es war offenbar ganz nutzlos , Menschenleben zu gefährden in einem Versuch , ob der arme Postillon noch zu retten sei . Ehe der Schlitten noch den dritten Theil des Weges von der verhängnißvollen Stelle bis zum schützenden Hause zurückgelegt hatte , mußte jedes Glied von ihm in tausend Stücke zerrissen sein . Dennoch , als der Graf mit seines Dieners Hilfe kaum die noch immer zitternde Dame in den großen Raum getragen , welcher die Flur und Küche des ärmlichen Gebäudes bildete , und sie am Heerde niedergelassen hatte , wandte er sich auf ihre Bitte sogleich an die Leute , die mit stumpfer Neugier umherstanden , nahm eine Hand voll Silber aus seiner Börse und bot es ihnen mit der Aufforderung , sich mit Fackeln und Waffen aufzumachen , um wenigstens die Reste des Verunglückten zu suchen . Als die Männer das Silber sahen , welches der Graf mit so unvorsichtiger Freigebigkeit ausstreute , waren sie alsbald zu dem Gange bereit und machten sich , drei an der Zahl , mit frischen Kienspähnen und ihren Aexten auf den Weg . Nur der Wirth des Hauses , eine grobe vierschrötige Gestalt mit all ' dem finster tückischen Ansehen der niedersten Slavenraçe , blieb im Hause bei den unerwarteten Gästen . Erst jetzt kamen diese dazu , sich in dem Raume umzusehen , der ihnen zu einer Zufluchtsstätte diente . Die Hütte , ein mit Sumpfbinsen gedecktes einstöckiges Gebäude von Lehm und Holz , bot das traurigste Bild von Dürftigkeit , Unordnung und Schmutz , wie man es in den polnischen Provinzen so häufig findet . Sie war ausnehmend lang , der größte Theil für Pferde , Rinder- und Schweineheerden eingerichtet , welche die Hirten der Gegend hierhin zur Sicherung gegen die Kälte und Raubthiere trieben . Für diese und die Holzschläger , welche die riesigen Buchen und Eichen des Waldes fällten , ein wüstes wildes Geschlecht von Leibeigenen , war ein Theil des Hauses zum Krug1 eingerichtet . Ein halbverfallener Bretterzaun umgab das Hauptgebäude und ein oder zwei ähnliche für die Aufbewahrung der Futtervorräthe . Der Raum , welcher die Küche bildete , nahm den größten Theil des einen Flügels des Gebäudes ein und war rechts und links von Verschlägen oder , wenn man sie so nennen will , Gemächern begränzt . In dem großen Kamin brannten riesige Kloben von Holz und verbreiteten Licht und Wärme , was um so nöthiger war , als der traurige Zustand der Wände durch zahllose klaffende Spalten dem Luftzuge freien Eintritt sicherte . Diese träge Vernachlässigung inmitten aller Hilfsquellen und alles Materials ist eine charakteristische Eigenschaft der polnischen Raçe . Während der Deutsche mit dem zehnten Theil der Arbeit , die Jener darauf verwendet , das Holz zum Brennen herbeizuschaffen , das Haus dauernd in festen wohnlichen Stand setzen würde , läßt der Pole ruhig seine Hütte verfallen , bis ihr gänzlicher Einsturz ihn endlich zwingt , eine neue zu bauen . Wie in den unteren Ständen , so herrscht auch in den oberen eine gleiche Vernachlässigung , ein gleichgültiges Verkommenlassen und von Ordnungssinn ist keine Spur in dem Volke . In dieser Beziehung unterscheidet sich scharf der polnische und russische Charakter . In einem großen Kessel auf dem Feuer kochte das Abendbrod der Gesellschaft , Speck und Grütze , und zwei Frauenzimmer , Mutter und Tochter , waren dabei beschäftigt und bequemten sich erst auf eine handgreifliche Ermahnung des Vaters zum Dienst der Dame . Jener war , wie erwähnt , ein finster und trotzig blickender Mann von robusten Formen , der volle Typus des verkommenden Volkes , im schmuzigen Schafpelz , die fettglänzende Mütze bis über die Ohren heruntergezogen . Dennoch lag bei aller Wildheit und Rohheit seines Wesens eine gewisse kriechende Höflichkeit gegen den vornehmen Gast darin , ein Belauern jeder Bewegung , die derselbe machte . Bogislaw hatte aus dem Schlitten die Decken und Mäntel herbeigeschafft und nach dem durch einen starken Holzverschlag von der Küche getrennten Räume gebracht , der das Ende des Hauses bildete und der von den Weibern auf das Verlangen des Dieners schnell von einigem alten Geräth und Holz gereinigt worden war , denn hier war