von der Welt nichts weißt , bei deinem Lager ; wer ist dir treu ? ich allein ; wer ist schön ? ich allein , denn in mir sind alle , die dich lieben . « - » Schön bist du « , sagte Anton , » ich möchte dich malen , wart , daß ich dich anschaue und in mein Gedächtnis präge . « - Kaum blickte er sie so fest an , so war sie verschwunden und er schlief ruhig bis zum Spätmorgen . Kaum war er angekleidet , so klopfte es mehrmals furchtsam an seine Türe , er öffnete und es trat Susanna in der Kleidung eines Mannes zu ihm herein . » Sollte mich der Schmuck von Euch trennen « , sprach sie , » lieber wollte ich in Lumpen umhergehen , verwundert Euch nicht ; bis ich in den Kleidern einer Frau für Euch sorgen kann , bleibe ich so , ich habe Euch viel zu erzählen , gewährt mir Aufmerksamkeit . - Jener Unbekannte , der Euch die Goldgulden verehrt hat , war ich , denn ich hatte auch die Blumen an Eurem Fenster zurückgelassen , wie aber die Kreuzer und Heller , die wir im Wirtshause mit Komödienspielen erworben haben , sich in Goldgülden verwandelt haben , weiß ich nicht , so wenig , wie die Blumen , die Seger auf dem Tische künstlich hatte wachsen lassen , ihm selbst so gefährlich werden konnten . Seht hier den Beutel , derselbe den ich von Eurer Frau empfing , ich meine , daß in ihm die goldmachende Kraft heimlich verborgen sei , Ihr müßt ihn versuchen , denn wahrhaftig , in dem Degen , der so unscheinbar ist , müssen auch geheime Kräfte wirken , da er in so vielen Angriffen glücklich bestanden ist . « - Sie versuchte jetzt den Beutel und warf ein paar kleine Münzen hinein ; wie sie diese umschüttelte , fielen ein paar Goldstücke heraus . » Bei Gott « , rief Anton , » das ist ein Fortunatussäckel , nun bin ich für immer ein gemachter Mann , will mich aber in acht nehmen , daß ich nicht so schändlich darum komme , wie die alte Historie von jenem berichtet . Gleich , Susanna , laß einen Goldgulden in Kreuzer wechseln , ich will mir so viel Geld in dieser edlen Münze prägen , daß ich meiner verfluchten Frau ein Geschenk mache , das mehr wert ist als ihre alten Becher und alle alten Klappern ihres Hauses zusammengenommen , bei Gott , sie soll eine Achtung gegen mich bekommen , als wäre ich ein Dukatenmacher , und wenn sie sich vor mir auf die Knieen wirft , so will ich stolz vorüberreiten und mein Pferd soll ein Paar goldne Hufeisen fallen lassen , die sie begierig hinter mir aufnehmen wird und wenn auch Pferdeäpfel darauf lägen ; mach schnell und wechsle , es ist die einzige Lust , die ich kaum erwarten kann , dann will ich auch dem Ratsfreunde seine Hosen wieder schicken und meine Schuld dreifach bezahlen und ein Bündel Ruten , womit die Frau zu ihrer Beßrung wie ein Sandland bepflanzt werden muß , dabei legen , auch den andern Wirt will ich bezahlen und dann Almosen geben , daß Pforzheim in einem halben Jahre schöner aufgebaut ist , als es je gestanden . « - Heiter ging er in diesen Gedanken auf und nieder , von Würden zu Würden hob er sich empor , erkaufte Länder , erweiterte durch Eroberung , und die Krone auf der Kronenburg , die das vereinigte Deutschland beherrschen sollte , fühlte er schon auf seiner Stirne , ihm ward so wollüstig , da stand die zärtliche Gestalt in dem Dunkel des Zimmers vor ihm . » Und dir « , rief er wütend , » dir werf ich diese Handvoll Dukaten an den Kopf , damit du kommst , wenn ich dich rufe , und wegbleibst , wenn du mich störst . « - Sie verschwand , Susanna trat mit einem Beutel voll kleiner Kupfermünzen herein , die sich schnell in einen Schatz von Golde verwandelten . Er verfuhr damit , wie er beschlossen , ein angesehener Kaufmann schaffte ihm ein Paar viel prachtvollere Becher , als die er damals seiner Frau heimlich verkauft hatte . Güldenkamm , der von dem Kampfe kaum ausgeschlafen hatte , mußte die Wirte bezahlen und necken , dann ließ Anton in der ganzen Stadt die Armen , die beim Brande das Ihre verloren , nach dem Rathause vorfordern , um dort eine Unterstützung zu empfangen . Welcher Jubel von allen Seiten , als die Goldgulden so leicht wie die Kreuzer verschenkt wurden , der Beutel mußte den ganzen Tag ununterbrochen arbeiten . Sehr verlegen trat aus der Menge sein erster Wirt im Hopfenblatte , der kleine Ratsfreund , zu ihm : » Die sich zuerst verkennen , erkennen einander späterhin am besten , wer zuletzt lacht , der lacht am besten , meine Frau ist durch Gottes Fügung verbrannt , ich heirate in meinem Leben nicht wieder , herzlichen Dank für die gnädige Zahlung , ich habe viel verloren in diesem Brande , aber meiner Frauen Tod macht aus einem geschlagenen einen reichen Mann , ich und mein Georg wissen vor lauter Vergnügen nicht , wo uns der Kopf steht ; was von Gott kommt , das gedeiht durch Gott , was aber vom Teufel kommt , das geht mit dem Teufel unter , meine Frau ist wie ein Feuer in mein Haus gekommen und mit dem Feuer hinausgezogen , ich verlang nicht selig zu sein , wo sie es ist . « » Ja « , sagte Anton , » es ist erschrecklich , wie leichtsinnig wir Männer zu den Weibern kommen , hütet Euch künftig davor , wenn Ihr Eure Hosen behalten wollt , Ihr habt der ganzen Stadt immer so gut geraten , aber die ganze Stadt ist dafür an Eure Frau geraten und das taugt nicht . « So schieden sie mit weisen Sprüchen auseinander , Güldenkamm kam wie aus einem Triumphzuge aus allen Kneipen der Stadt zurück ; ganz behangen mit Kränzen und Bändern wie eine Festtagskerze , schüttelte er sich sehr ärgerlich , als Anton ihm anzeigte , daß er Rüstung und Pferde gekauft habe , um mit dem anderen Morgen nach Waiblingen zu ziehen . Desto froher war Susanne , ein geheimer Kummer mußte sie in der Stadt beschwert haben , ihre Freude war heftig , sie sprang gegen ihre Gewohnheit hoch auf und rief : » Nun wird alles gut , Ihr kehret heim zu Eurer Hausfrau , lebet treu und ehrlich und ich kann ungekränkt in Eurer Nähe mich in allem unterrichten lassen . « - » Nein liebes Mädchen « , sagte Anton , » du hast meinen Fluch gehört , jenes Glück ist für mich kein Wunsch mehr , es liegt hinter mir , aber ich will seine Grabstätte noch überreiten , um seiner zu spotten , es liegt mir wie ein Balken auf meinem Haupte , daß mein Weib noch immer in sich triumphiert , wie ich in Not schmachte , als ein armer Wicht und meint mich bestraft für den unschuldigen Leichtsinn , der mich erheitert hat , sie soll es sehen , daß das Glück mir ewig treu ist , ich will ihr nichts schuldig bleiben , reichlich will ich ihr ersetzen , was sie mir geschenkt , aber wenn sie dann mich verlangt , da soll sie mich suchen und nicht finden , wie ich sie nicht gefunden habe , als ich sie suchte . « - Mit diesen Gedanken legte er sich auch ins Bette , er sah sich schon in stolzer Rüstung über den Markt reiten , ließ sein Pferd auf den Hinterfüßen tanzen , und vergaß darüber der zärtlichen Gestalt zu achten , als ein leises Pochen seine Tür erschütterte und Fräulein Gertraud zu ihm ins Zimmer trat , in einer Hand eine Blendlaterne , in der andern einen schön geschliffenen Degen . Anton glaubte im ersten Erwachen , sie komme in der Absicht ihn zu ermorden , aber ihr freundliches Niederknieen an seinem Bette , der Kuß , den sie auf eine Hand drückte , ließ ihn eher einen Liebesgruß hoffen , wozu sein Herz auch nicht unwillig sich regte . Er hoffte ein Wort von ihr zu hören , aber sie schwieg , sah ihn zärtlich an und reichte einen Degen mit dem etwas ungeduldigen Ausrufe : » Da , da ! « - » Soll der mein sein , soll ich ihn zu deiner Ehre führen ? « - Sie nickte und fing an ihn zu küssen , einerlei was sie von ihm wegriß , was Antons Begierden nicht bloß entflammte , sondern auch seine Ehre gewissermaßen , die sie in Zärtlichkeit zu überwältigen strebte . Dieser Wettstreit von Höflichkeit verwirrte ihre Lage immer mehr , war ein Kuß ungewöhnlich vertraulich , so wurde der Gegengruß frei und der dritte unzüchtig , der vierte hätte Anton zur Schändung der Ehre der schönen Verlobten veranlaßt , wenn sie nicht zurückgesprungen wäre und geweint hätte . Anton schauderte wie ein armer Sünder darüber zusammen . » Was begegnet Euch Fräulein , welch ein Unglück schwebt Euch wie ein Gespenst vor ! « - Sie aber antwortete : » Ich will allem mich unterwerfen , aber schenke mir den Degen , womit Ihr meinen Ritter überwunden habt , er wird ihn und seine wilden Launen in meine Gewalt geben , wisset , daß schon zwei Frauen durch seine Heftigkeit gestorben sind . « - » Mein Fräulein « , sagte Anton , » der Degen ist mir lieber als das teuerste Glied meines Leibes , Ihr fordert zu viel und es ist Torheit von Euch ; was der Degen wirkt , das wirkt er nur in meiner Hand , in Eurer Hand ist er eine Gerte . « » Bitte , bitte « , sagte sie kindisch , » ich brachte Euch dieses prächtige Schwert , dessen Knopf in Italien von Benvenuto Cellini in Stahl so herrlich geschnitten des Herkules Taten darstellt , seht ihn bei der Lampe , wie wunderbar , und Euer Degen dagegen , halb verrostet , der Korb zerbrochen und klappernd , wie könnt Ihr mir diese Kleinigkeit versagen , und daß ich ihn führen kann , bei Gott , das solltet Ihr gleich sehen ; wenn Ihr ihn mir geben wolltet , ich würde Euch zeigen , und damit nieder strecken und mit tausend Küssen züchtigen , macht die Probe ! « Anton konnte aus ritterlicher Gesinnung nichts dagegen einwenden , er reichte ihr seinen rostigen Flederwisch und bewaffnete sich mit dem neuen Degen . Gertraud drang lustig auf ihn ein , er vermied es erst sie zu berühren und wendete nur ihre Hiebe von sich ab , deswegen ging er einigemal zurück , der wunderliche Geist des Degens hatte sie besessen und wäre er nicht durch Zufall in sein Bette gestürzt , er möchte verloren gewesen sein . Er schämte sich und wütete in sich , mochte sich das aber nicht merken lassen ; der Befreier der ganzen Stadt von einem Mädchen überwunden , das schmerzte ihn , er suchte dies hinter Liebkosungen zu verstecken und seine Siegerin beantwortete diese in den abenteuerlichsten Abirrungen einer Romanphantasie , wollte er aber seiner Lust gemäß sich an ihr erfreuen , da drohte sie ihm mit dem Degen . Ergrimmt darüber wollte er sich in den Degen stürzen , aber sie wich vor ihm und flüchtete sich mit dem Zauberdegen von ihm fort . Seine Wut war entflammt , er ging in Konrads Nebenzimmer und fragte , warum er nicht ihm zu Hülfe gekommen sei , er sei von einem Fremden überfallen worden . Konrad kam schweißtriefend unter der Decke heraus und sagte : » Herr , das war unmöglich , erst hörte ich Degen klingen , da verkroch ich mich unter der Decke , davon kriegte ich solche Hitze und solchen Schweiß , daß wenn ich aufgestanden wäre , ich mich sicher erkältet hätte , die Nächte werden wahrhaftig schon kalt . « Anton konnte über den armen Teufel nicht lachen , er hätte sich gerne Luft gemacht , seine Unruh ließ ihn nicht zum Schlaf kommen , gern hätte er den Schimpf vergessen , aber er durfte nicht laut schimpfen ; er hoffte auf das zärtliche Gespenst , um seine Galle dagegen auszuspeien Aber auch das blieb aus und nachdem er die Stunden auf und nieder schreitend in seinem Zimmer gemessen hatte , wurde es hell , da wurde es ihm wehmütig in seinem Herzen , er ließ sich auf ein Knie nieder und betete zu dem Gestirn , das in alle Naturen Klarheit gösse , ihn von diesen grauenvollen Wunderlichkeiten , die ihn umdunkelten , zu erheben , in die Arme der einen ewig einigen Liebe zu legen , die einst im gemeinsten Leben ihn so sicher und fest , so erfüllt von einem , so erheitert von allem in ruhiger Tätigkeit geduldet hatte , » vorher aber « , rief es in ihm , » räche mich an dem Weibe , das mich in diesen Abgrund von Zweifeln durch Geiz und Zank gestürzt hat , laß sie erblinden , daß du der Welt nicht dein strahlendes Auge entziehen mußt . « Susanna trat jetzt zierlich gerüstet herein , sie sagte , daß alles auf sei , und eine Schar der edelsten Bürger habe beschlossen ihn zu begleiten . Anton sah sie nicht an , er mußte die Augen niederschlagen , ein Ekel vor der Nacht schlug ihn selbst nieder und als sie nach dem Zauberdegen fragte , da wußte er kaum , was er antworten solle . Er zwang sich zum Lachen und sprach : » Sieh , ich habe gut getauscht , was hältst du von dieser damaszierten Klinge , von dem herrlichen Gefäße ? « » Recht schön « , sagte Susanna , » dieser trägt seine Schönheit außerhalb , jener hatte sie in sich . « Anton schwieg , er fühlte , daß sie recht habe , er hätte heute den ganzen Tag schweigen mögen und still und einsam seinen Weg fortreiten , aber nun mußte er noch so viel Grüße , so viel Feierlichkeiten ausstehen , schon stand der Haufen reitender Bürger in einer Reihe vor dem Hause , die Trompeter schmetterten lustig in die Morgenluft , die Pauker wirbelten und ließen ihre Paukenhämmer durch die Luft spielen , die Fahne wehte und die Glocken läuteten . Jetzt gab ein Schießen mit kleinen Gewehren das Zeichen der Feierlichkeit , die Bürgerschaft rückte von allen Seiten an , der Ratsherr trat in sein Zimmer und bereitete ihn auf ein feierliches Lebehoch , das ihm von den Einwohnern , verbunden mit den fremden Badegästen gegeben werden sollte . Er trat mit ihm ans Fenster , der Ratsherr wollte das Fenster ausheben , konnte aber damit nicht fertig werden , Anton griff zu und hob es mit einem Drucke aus den Angeln , welche Freundlichkeit der ganzen Bürgerschaft ungemein wohlgefiel . Jetzt begannen die Zünfte mit ihren Ehrenzeichen den Zug vor dem Fenster ; da trugen die Zimmerleute ein gezimmertes kleines Haus mit bunten Bändern geziert , die Maurer alle Säulenordnungen in großen Modellen , die Bäcker ließen ihren weiß angezogenen Fahnenschwinger durch eine große Brezel springen , kurz jedes Gewerk trug sein eigenes Zeichen mit Pracht und Zierlichkeit , jedes machte ein eigenes Geschenk und jedermann nahm an dem geretteten Wohlstand der Stadt einen gemeinschaftlichen Anteil , einen Ausdruck mit allen , der allen ein neues Band gegenseitigen Vertrauens wird . Nachdem sich alle Zünfte im Kreise gestellt , rief der Ritter Blaubart , wegen des ausgezeichneten Mutes , den er am Tage der Bestürmung bewiesen , dem tapfersten und weisesten Führer , Ritter Grafen von Stock , sein dreifaches Lebehoch , alles rief dreimal mit , daß Pauken und Trompeten kaum zu hören waren . Alle waren entzückt , nur Anton sah mit innerer Scham seinen guten alten Degen in den Händen des Ritters , und seufzte in sich nach Gelegenheit ihn mit offener Gewalt wieder zu gewinnen . Seine Pferde wurden jetzt vorgeführt , sowohl die mit eignem Gold und Geschenken aller Art beladenen , als auch die Ritterpferde , da gab es ein Anstaunen der Pracht , er nahm einen herzlichen Abschied von seinem Hausherrn und hing ihm eine goldne Kette um , auch Gertraud zeigte sich ihm ganz unbefangen und fröhlich , als sähe sie ihn zum ersten Mal , aber es war ihr noch eine Beschämung zugedacht und die blieb nicht lange aus . Der arme Konrad hatte ihre Stimme in der Nacht recht wohl vernommen , er meinte einen seiner bäurischen Späße an ihr vollbringen zu können und hatte ihr im Vorbeigehen , wo er ihr den Rock zu küssen schien , einen Faden hindurch gezogen , den gab er so geschickt über seine Schulter mit den Zügeln in Antons Hand , daß dieser , indem er sein Pferd anspringen ließ , die Röcke des Fräuleins emporhob , die jetzt als ein Bild der Unzüchtigkeit allgemein verlacht wurde . Dabei tat er aber so eifrig , diesen Faden abzureißen , daß er das Übel noch vermehrte , ehe er es fortschaffen konnte . Ritter Blaubart , unentschlossen , ob er selbst zuspringen und den Vorhang herunter lassen sollte , oder ob dies die Verwirrung nur vermehren möchte , vielleicht auch etwas angezogen von dem Anblicke , bewegte er seinen Degen aus Verlegenheit in derselben Art , wie er mit den Trompetern verabredet hatte , wenn er ihnen das Zeichen des Tusches geben wollte , die Trompeter gehorchten im Augenblicke und der Tusch wurde hellaut geblasen und erstickte und vermehrte das Gelächter . Wütend schrie der Vater des Fräuleins , indem er seinen Mantel über die Tochter deckte , zu den Trompetern : ob jetzt der Tusch sein sollte . - Das ward zum Sprüchwort unter den lustigen Gesellen und jeder feierliche Schimpf wurde seitdem ein Tusch genannt . Der Faden war nun gerissen . Anton drehte sich um , den Vorfall gut zu machen , aber der Faden seiner Rede schien ihm auch gerissen , er mußte lachen , das Fräulein lag in Ohnmacht und die Gesellen riefen einander zu , wenn sie nun weiter wanderten , kennten sie doch wenigstens das Wahrzeichen der Stadt ; der Zunftmeister ließ auf ihr Begehren den Vorfall in Stein gehauen an dem Hause des Ratsherrn aufstellen , der nach glücklicher Verheiratung seiner Tochter ebenfalls seine Freude daran hatte . So fröhlich war nun der Austritt Antons ; vor dem Tore hatten ihm die Badegäste noch eine kleine Überraschung gemacht , da die Bäder in der Stadt abgebrannt waren , so mußten sich jetzt alle in dem großen Weiher vor der Stadt baden , er mußte nahe vorbei , alle waren hinter einem hervorragenden Ufer versteckt , plötzlich rauschten sie zu ihm hin wie eine Schar Enten , vom Hunde aus dem Rohre gejagt , sein Pferd scheute sich , er hielt es . Zwei Jungfrauen erhoben sich jetzt auf künstlichen weißen Flügeln und setzten ihm , indem sie vorüberstreiften , einen Perlenkranz auf sein Haupt , dabei sangen sie sehr anmutig : Den Nymphen der Gewässer hast du beigestanden In ihrem Kampfe mit dem Feuer , Du führtest sie , entlöstest sie den Banden , Du wurdest ihrer Macht Befreier , Und siegend drückten sie die Flammen nieder Und brachten sie zurück zur Unterwelt , Dich sanft zu kühlen schwingt sich ihr Gefieder , Du hast noch weiten Weg , du kühner Held ! Anton dankte ihnen anständig und freundlich . Georg kam noch zu ihm , streichelte sein Pferd und konnte sich nicht trösten , daß er schon fortritt , und wollte ihn durchaus begleiten , er beschenkte ihn mit schönen Früchten und tröstete ihn damit , dann ging der Zug munter weiter , die gute Stadt verschwand hinter ihm , Güldenkamm ritt mit Susannen neben ihm , alle wunderlichen Abenteuer ihm zu berichten , die ihnen während ihrer ersten Reise hier begegnet waren . Es wurde beiden leichter , als sie sich so aussprachen . Die ungeheuren Dinge , die Güldenkamm auf seinem Herzen drückten , wie er sich mit Susannen stehe , was aus ihnen beiden werden solle , schwanden auf einmal in ihr Nichts . Anton sprach nachdenklich : » Wenn ich diese mancherlei Hindernisse überdenke , so meine ich , daß ihr auf diesem Wege nicht zusammenkommen solltet , ach wäre ich so gestört worden , so aufgehalten , ehe ich meinen alten Drachen geheiratet , da wäre ich jetzt noch ein freier Mann und könnte dich heiraten , Susanna . « » Das wäre recht schön « , sagte sie . - Güldenkamm entflammte von Eifersucht , aber er versteckte sich , er wollte beide erforschen , ob sie vielleicht einander schon näher verbunden seien , als er in seinem zutraulichen Sinne niemals geahnt hatte . » Wäret Ihr lutherisch gesinnt « , sagte er und sah vor sich nieder , » da könntet Ihr rasch von Eurer Frau geschieden sein , sie hat Euch ihr Haus und Bette versagt und Susannen könntet Ihr dann heiraten . « » Sonderbar ist ' s « , sagte Anton , » daß es in einer Lehre eine Sünde sein kann , was gleichsam die ganze Seele fordert , und die andre Lehre für recht erklärt ; überhaupt seit mir selbst so viel Wunderbares begegnet ist , denke ich über das Wunderbare in unserm Glauben anders , ich bin allen den Wesen , vor denen ich in scheuer Entfernung selig in ihrem kleinsten Blicke wandelte , näher gezwungen , das Wunderbare in ihnen liebe ich nicht mehr , sondern ich meine es ein großes Unglück , womit sie behaftet sind , aber das Herrliche , rein Menschliche in ihrem Wandel schwebt mir in unerreichlicher Höhe und käme ich wieder zu meinen Farben , das würde ich auszudrücken streben ; was kümmert mich jetzt die gnadenreiche Mutter Maria , die an den geheiligten Orten manchem Leidenden geholfen hat ; die herrliche Mutter und Frau , deren weiser Unterricht ihr Kind so früh gereift hat , daß es im Tempel jugendlich auftreten konnte , die alten Graubärte zu beschämen , die ist mir ehrwürdig , weil Millionen zu ihr anstreben und keiner sie erreicht . « » Herr « , sprach Güldenkamm , der seit den letzten Ereignissen sich zu einer Art von ernstem Verhältnisse gegen ihn gebunden fühlte , » Herr , Ihr seid schon ein Lutheraner , wenn Ihr so sprecht , wenn Ihr so frei forscht über das Religionswesen , wenn Ihr nur das ehren wollt , was Euch ehrwürdig scheint . « » Da bin ich gar schon weiter « , sprach Anton , » das lange Beten unverständlicher lateinischer Worte mag ich gar nicht mehr ertragen , selbst das Gebrümmle eines solchen Beters kann mich erzürnen , immerhin mag es gut sein , wenn Menschen mit Gewalt einem Glauben unterworfen sind , die nichts anerkennen als die Gewalt , daß sie so einen Betlärmen bei einander machen , wie jede Art Vieh sich an solch Geschrei und auch die erkennt , die sie füttern ; die Menschen aber , die in ihrer Erkenntnis aus den übrigen hervorgerissen sind , denen genügt kein solches auswendig gelerntes Plappern . « » Herr , Ihr seid schon weit über Luther « , sprach Güldenkamm , » Ihr könnt Euch immer scheiden lassen . « » Aber hört « , sprach Susanna , » wenn unsrer Inbrunst nun kein Wort genügt und die Stummheit unsern Herzen widerspricht , sind uns da nicht Worte willkommen , bei denen das Gefühl stets mit Heiligkeit verweilte , die von uns nie gemißbraucht sind , weil sie uns nicht verständlich sind , während in unserer Sprache selbst die frommsten Redensarten gar oft fluchend und spottend vor unsern Ohren mißbraucht sind , darum bete ich mein Ave Maria . « » Ihr würdet Euch also niemals scheiden lassen ? « fragte Anton erleichtert . » Ich verdamme keinen , der es tut « , sprach Susanna , » ich habe in Pforzheim viel fromme Leute gesehen , die sich in großer Ehrbarkeit haben scheiden lassen , ich aber , wem ich mich verlobe , dem ergebe ich mich für Zeit und Ewigkeit , seine Tugend und sein Laster soll mein werden , kein Geschick kann mich von ihm trennen , mir scheint eine Ehe wie das Leben von Zwillingen , die ohne daß sie es selbst wissen , zusammengewachsen sind , nur in diesem Glauben der vollkommenen Einigung könnte ich mich einem Manne ergeben . « Anton drückte ihr die Hand , es dämmerte ihm eine Aufklärung seiner wunderlichen Schicksale aus diesen Worten , er aber wußte sie nicht zu deuten . Nicht lange blieb ihnen Frist von diesem innern Leben in ihnen zu verhandeln , die Reiter , welche mit ihren Pferden bisher sie nicht hatten einholen können , ritten jetzt in ihre Nähe und der Ritter Blaubart dankte Anton in den freundlichsten Worten , daß er ihm durch das Geschenk des Degens , womit er ihn überwunden , den vergangnen Schmerz zu einer angenehmen Erinnerung habe umschaffen wollen ; er schwor , das Schwert bis zu seinem letzten Atemzuge zu bewahren , es solle ihm den Ernst und die Würde verleihen , die er bisher , von einem gütigen Vater verzogen , oft vergessen habe . Was konnte Anton so großen Vorsätzen entgegenstellen , um den Degen wieder zu erhalten ; sollte er ihn wegen seiner Zauberkraft rühmen , so verlor sein Kampf und alles sein Bemühen den Wert , im Grunde war er auch froh wieder von einer der schrecklichen Gewalten frei zu sein , die ihn bisher getrieben hatten . Den Ritter Blaubart trat jetzt ein Haufe Zigeuner an , die mit schußfertigen Gewehren , in Vortrupp und Lauscher verteilt den Weg herunterzogen , sie hatten nichts Bösartiges im Sinn , suchten ihm aber ihre Kunst gleich deutlich zu machen , indem sie ihn als blanken Bräutigam anredeten . Er mußte ihnen die Hand zeigen und ein altes Mütterchen fahr zurück , sie sagte ihm , er werde fünf Frauen haben und viere davon würden gewaltsam umkommen . » Wie geht es mir aber dann ? « fragte er lachend . Die Alte sagte : » Buch zu ! « » Diese Alte müssen wir doch etwas näher betrachten « , sagte Güldenkamm , » ein bedeutenderes Gesicht ist mir nie begegnet , nicht die Zauberzeichen , womit ihr Kragen und Hemdärmel gestickt sind , erzwingen von mir einen gewissen Glauben an sie , diese Stirn , dieses Auge unterwerfen mich , laßt Euch weissagen von ihr , Graf Anton . « » Frau « , sagte Anton , » laßt Euer gelbes Ungeziefer von Gesellen zurücktreten , die Kerle mit ihren sonderbaren Fellen , närrischen Waffen und unverständlichen Reden stören mich , da ist meine Hand . « » Ei « , sagte die Frau , » Eure Hand ist so breit , blanker Herr , daß sie ein Land bedecken könnte , und sie wird nicht hart darauf ruhen , ja das wäre nun alles recht gut , blanker Herr , aber Ihr werdet noch heiraten , das wäre alles gut , aber Ihr werdet ein junges Mädchen heiraten , das nicht bis fünf zählen kann . « Susanna ward rot und Anton sah auf sie mit dem Gedanken , es könne sie wohl betrüben , daß sie es nicht sei , und fragte , um einen übereinstimmendern Sinn zu bekommen , wessen Tochter seine Frau sein werde . » Eines Kaisers Tochter « , antwortete die Frau . ANTON : » Wann soll ich sie erkennen ? « ZIGEUNERIN : » Wenn du niemand liebst als sie . « Susanna reichte jetzt die Hand , die Zigeunerin schlug ihr leicht darauf , gab sie ihr dann , drückte sie und sagte : » Bist bald zu groß zum Hosentragen , blanke Schwester , trag die Hosen über dein Gewissen sorgsam , daß dir nichts genommen werde , was du nicht wieder bekömmst . « Güldenkamm war auch schon mit der Hand bereit , die Zigeunerin lachte : » Ihr werdet noch allen aus der Not helfen ohne selbst einen Rat zu wissen , Ihr seid ein Mann des Zufalls , seid zufrieden mit allem , was er Euch beschert , ein verständiges Weib täte Euch not . « » Das ist infam « , schrie Güldenkamm , » das Weib macht mich zum Narrn . « » Nein « , sprach sie , » du wirst nur zum Narrn gehalten , aber du bist keiner , der aber dort auf einem Pferde sitzt , das er immer mit dem Zügel anzieht , wenn es still stehen soll , der hat einhundert Narrenkappen in seinem Wappen und wird Euch so gut bedienen , wie irgend ein Narr vornehme Herren bedient hat . « Jedermann sah sich um , der arme Konrad pfiff in die Luft , und merkte nichts . Anton wollte schon weiter ziehen , indem er der Zigeunerin einen Goldgulden überreichte , sie aber trat noch zu ihm und sprach : » Sorgt für Susanna , ich werde sie einmal von Euch zurückfordern . « » Wer seid Ihr , warum könnt Ihr sie von mir fordern ? « » Schweigt davon « , sagte sie , » denn keine Springwurzel öffnet mein Herz , wenn ich nicht sprechen darf , gedenkt , daß Ihr von der Krone auf hohem Turm auch schweigen müßt . Gott behüt Euch , blanker Bruder . « Die Zigeuner zogen mit ihrem wunderlichen Kram von tanzenden Bären , Murmeltieren und abgerichteten Vögeln fort . Anton zog tief in sich versenkt seinen Weg , da öffnete Güldenkamm , indem er lustig zujagend seinen Gram gestoßen und verschaukelt , seinen Mund und die andern