Mark , Gentzrode auf 300000 Mark berechnet worden , so daß Herr Paul Höpffner noch einen Zuschlag von 200000 Mark empfing . Dies war im Januar 1887 . Schon im Juni 1888 entäußerte sich Herr Paul Höpffner seines Gentzroder Besitzes wieder und verkaufte denselben , und zwar für die Summe von 300000 Mark an den früheren bremensischen Konsul in Argentinien , Herrn F.W. Nardenholz . Dieser gedenkt das Gut zu halten und in dem Geiste weiterzuführen , der es vor grad einem Menschenalter ins Leben rief . Es soll aufhören , ein Spekulationsobjekt zu sein , sondern umgekehrt wieder ein Gegenstand des Pflanzens , der Passion , des landwirtschaftlichen Versuchs werden . Alles wie dereinst unter den Begründern , Gentz Vater und Sohn . Konsul Nardenholz will hier leben , nicht erwerben , er will entstehen sehen und sich des Entstehenden freuen . * Und nun noch ein Schlußwort . Der Reiz , den diese Gentzroder Schöpfung von Anfang hatte , wird ihr noch auf lange hin verbleiben , der Reiz , daß hier alles erst im Werden ist . Unsere Teilnahme haftet am Unfertigen . » Was wird sich bewähren , was nicht « , » wie wird sich ' s entwickeln ? « Das sind die Fragen , die , von alters her , uns an Menschen und Dingen am meisten interessiert haben . Die ganze landwirtschaftliche Welt unsrer Provinz verkehrt in Gentzrode oder fährt hier vor , um den in einen Eichwald umgewandelten Dünensand nach Art eines » interessanten Falls « zu studieren . Und vieles in der Tat ist hier zu lernen , auch seitens derer , die hier anderen Fragen nachsinnen , als denen der Agrikultur . Eine neue Macht hat sich etabliert : das intelligente , dem Mittelalterlichen ab- , dem Fortschrittlichen zugewandte Bürgertum , das , aus Überlieferung und Vorurteil gelöst , um dieser Welt willen lebt und das Glück im Besitz und in der Verklärung des Diesseitigen sucht . Ob es erreicht werden wird ? Es wird bejaht und bestritten . Aber wie immer auch die Antwort auf diese Frage lauten möge , wir haben uns zunächst einer natürlich fortschreitenden Entwicklung alles Lebenden um uns her zu freuen , ungetrübt durch die Betrachtung , ob diese Fortentwicklung ein Schritt aufwärts zu höherem Dasein oder ein Schritt abwärts zu Tod und Auflösung ist . Das Wachsende , gut oder nicht , tritt an die Stelle des Fallenden , um über kurz oder lang selber ein Fallendes zu sein . Das ist ewiges Gesetz . Fußnoten 1 In dem schönen , höchst anmutig gelegenen Schloßgarten von Wustrau befindet sich bis diesen Augenblick , und zwar nur wenige Schritte vom See entfernt , das ehemalig Rohrsche Herrenhaus , ein alter Fachwerkbau , der jetzt teils als Gärtnerwohnung , teils als Orangeriehaus dient . Das Haus ist interessant , einmal dadurch , daß es uns zeigt , wie schlicht und anspruchslos der Landadel früher lebte , andererseits durch die Ornamentierung , die Graf Zieten eben diesem Hause gegeben hat . Als nämlich der Perleberger Dom im ersten Drittel dieses Jahrhunderts restauriert und der alte Schmuck desselben beseitigt wurde , kaufte Graf Zieten allerhand Glasmalereien und Holzschnitzwerk , namentlich Heiligenbilder und Engelsfiguren auf und begann mit Hilfe derselben die Fassaden und Fenster des alten Rohrschen Herrenhauses zu schmücken . Im ersten Stocke desselben befindet sich eine Rüst- und Antiquitätenkammer von sehr ungleichem Wert , Gleichgültiges und Alltägliches steht neben wirklichen Raritäten . Das Sehenswerteste ist ein kleiner Holzaltar vielleicht von vier Fuß Höhe , der zwischen seinen beiden Säulchen ein ziemlich gut gemaltes Heiligenbild trägt . Wahrscheinlich stellt es eine heilig gesprochene schlesische Fürstin ( die heilige Hedwig ) dar , denn dies Frauenbild , voll schöner Milde im Ausdruck , hält in der Linken einen Krummstab , während ihre rechte Hand auf einer Grafen- oder Fürstenkrone ruht . Dieser Altar befand sich in einem schlesischen Kloster , wo bald nach der Schlacht von Hohenfriedberg der damalige Generalmajor von Zieten Quartier genommen hatte . Bei Tische saß er im Refektorium des Klosters diesem Bilde gegenüber und sah lange zu ihm auf . Die Äbtissin , die von Zietenschen Husaren nicht das Beste erwarten mochte , nahm Anstoß daran und es kam zu einem Gespräch zwischen ihr und dem General . Er sagte ihr unbefangen , daß er das Bild betrachte , weil es ihn Zug um Zug an seine geliebte Frau , fern daheim am Ruppiner See erinnere , und das Gespräch nahm nun eine freundliche Wendung . Bald darauf erfolgte der Weitermarsch . Einige Tage später bemerkte Zieten eine riesige Kiste auf einem seiner Gepäckwagen und begann zu schelten . Da hieß es denn zur Entschuldigung : » Die Nonnen hätten die Kiste aufgeladen und Vorsicht eigens zur Pflicht gemacht , denn sie gehöre dem General Zieten , der sie mit heim nehmen wolle nach Wustrau . « Nun befahl Zieten die Kiste zu öffnen und man fand – Altar und Altarbild . 2 Außer diesem einfachen Husarensäbel existieren noch zwei Zietensche Prachtsäbel , von denen er den einen 1762 vom Kaiser Peter III. von Rußland , den anderen , einen » türkischen « , schon vorher 1746 von König Friedrich II. zum Geschenk erhielt . Von diesem erhielt er auch gegen Ende seines Lebens einen Krückstock . Die Krücke desselben ist von Elfenbein und ein eigenhändiges Schreiben des Königs läßt sich in gemütvoller Weise darüber aus , warum sie von Elfenbein und nicht von Gold sei . Stock und Handschreiben befinden sich beide in der Großherzoglichen Bibliothek zu Weimar . Der von Peter III. herrührende Prachtsäbel ist im Besitze des Zietenschen Husarenregiments . Zietens Tigerdecke , sowie seine Zobelmütze mit dem Adlerflügel befanden sich früher in der Berliner Kunstkammer und sind jetzt , wenn ich nicht irre , im Hohenzollernmuseum in Schloß Monbijou . 3 Von Bernhard Rode rührt auch das große , zur Verherrlichung des alten Husarengenerals gemalte Ölbild her , das sich , neben den Bildern anderer Helden des Siebenjährigen Krieges ( alle von B. Rode ) in der Garnisonkirche zu Berlin befindet . Die Komposition auch dieses Bildes ist Dutzendarbeit und trotz der Prätension , geistvoll sein zu wollen , eigentlich ohne Geist . Auch hier ein bequemes Operieren mit traditionellen Mittelchen und Arrangements . Eine Urne mit dem Reliefbilde Zietens in Front derselben , am Boden ein Löwe , der ziemlich friedlich in einer Zietenschen Husarentigerdecke drin steckt wie ein Kater in einem Damenmuff ; außerdem eine hohe Frauengestalt , die einen Sternenkranz auf die Urne drückt , – das ist alles . Das Reliefporträt ist schlecht , nicht einmal ähnlich , aber die Urania oder Polyhymnia , die ihm den Sternenkranz bringt , ist in Zeichnung und Farbe um ein wesentliches besser , als gemeinhin Rodesche Figuren ( er war ein Meister im Verzeichnen ) zu sein pflegen . 4 Friedrich Christian Emil von Zieten , dessen schon Seite 15 und 16 kurz Erwähnung geschah , war der einzige Sohn Hans Joachims aus seiner zweiten Ehe mit Hedwig Elisabeth Albertine von Platen . Dieser letzte Zieten aus der Wustrauer Linie wurde den 6. Oktober 1765 geboren und starb am 29. Juni 1854 . Er war Rittmeister , Landrat des Ruppiner Kreises , und Ritter des Schwarzen Adlerordens . Wurde gegraft am 15 Oktober 1840 . ( Aus Hans Joachims erster Ehe mit Leopoldine Judith von Jürgaß war eine Tochter geboren worden , die sich später mit einem Jürgaß auf Ganzer verheiratete . Vgl. das Kapitel Ganzer . ) 5 Der alte Feldmarschall von dem Knesebeck hat eine ziemliche Anzahl von Gedichten hinterlassen . Eins der seinerzeit populärsten ist das vorstehende . Es stammt aus den Leutnantstagen in Halberstadt ( 1792 ) . 6 Ein solches von Schinkel herrührendes Grabdenkmals- oder Mausoleumsbildchen besitze ich ebenfalls . Vielleicht das einzige Blatt , was aus der Epoche von 1796 bis 1799 außer den Radenslebenschen Blättern noch existiert . Es stellt einen nach zwei Seiten hin von dunklen Baumpartien eingeschlossenen Bau dar . Nach links hin öffnet sich der Blick auf eine kleine Landschaft , die dem Beschauer zugekehrte Langseite des Mausoleums aber trägt die Inschrift : » Tranquillitati « und darunter ein sauber ausgeführtes Basrelief , Pluto und Proserpina , zu deren Füßen ein Bittender kniet . Es ist rechts in der Ecke mit » Schinkel 99 fecit « bezeichnet . Dies Bildchen ( neun Zoll breit , fünf Zoll hoch ) befand sich in Händen des Küsters in Darritz , eine halbe Meile von Kränzlin , dem es wahrscheinlich als sein Erinnerungsstück aus der Kränzliner Pfarre zugefallen war . Er hat es mir später überlassen . 7 Dies Lindow ist nicht das märkische Städtchen gleichen Namens , zwei Meilen östlich von Ruppin , dessen Klosterruinen bis diesen Tag höchst malerisch zwischen dem Wutz- und dem Gudelacksee liegen , sondern die Grafschaft Lindow in der Nähe von Zerbst . 8 Über der alten Gruft der Grafen zu Ruppin in der im vorigen Kapitel ausführlicher erwähnten Klosterkirche , standen folgende von der Hand der Mönche her rührende Reimzeilen : Hierunner is der edlen Herrn van Lindow Grafft Van Olders hefft se gewerket Godes Krafft Dorch oren ( ihren ) Veddern Broder Wichman , Want hy allererst huff ( hub ) dat Kloster an . Greve Ghenerd , de uns de Stede hefft gegeven Van synet und alle synes geslechte wegen , De is de erste , de syn Graff hie hefft ghekaren . Gott geve dat erer aller Sylen nimmer werden verlaren . 9 Diese » Kuhburg « existierte noch im Anfange des vorigen ( 18. ) Jahrhunderts ; später wurde sie abgetragen und ihr Mauerwerk bei Aufführung des Ruppiner Rathauses mit versandt . Solcher » Kuhburgen « ( d.h. Burgen oder Türme zum Schutz der Viehherden , besonders der Kühe ) gab es damals viele in der Mark und noch heute lassen sich einzelne derselben nachweisen . Sie sollten vor Gefahr schützen , aber vor allem sie rechtzeitig erkennen lassen . Deshalb lagen diese Warten in der Regel so hoch wie möglich ; am vorteilhaftesten war der » Lug ins Land « bei Gransee gelegen . ( Die zwei oder drei einzeln stehenden Türme , denen man noch jetzt auf dem Wege nach Rheinsberg begegnet und die gelegentlich auch wohl als solche » Warten « angesehen worden sind , sind aus verhältnismäßig neuer Zeit und dienten als Fanaltürme , als nächtliche Wegweiser , wenn Kronprinz Friedrich in raschem Ritt von Ruppin nach Rheinsberg zurückkehrte . ) 10 Alle Städte der Grafschaft : Ruppin , Gransee , Wusterhausen , Rheinsberg , waren außerordentlich fest . Was Ruppin angeht , so zogen sich dreifache Wälle – die an der Nordwestseite bis diese Stunde wohl erhalten sind und eine besondere Zierde der Stadt bilden – um die hohe Mauer herum , die von fünfundzwanzig Wachthäusern besetzt war . An Gewappneten war kein Mangel . Die Stadt hatte acht Hauptleute und neben einer Art Miliz auch noch eine Anzahl berittener Knechte , die mit Handbüchsen , Panzern , Kaskets und Seitengewehren bewaffnet waren . Die Bürger waren durchgängig zum Kriegsdienst verpflichtet und mit Armbrüsten , Spießen und Lanzen bewaffnet . Eigentliche Söldner oder Lanzknechte kommen vor 1520 in den Kämmereiregistern nicht vor . Die Kriegsgerätschaften werden ohne Ausnahme in Ruppin verfertigt . Die Stadt hatte ihren Schwertfeger oder » Armbostyrer « ( auch Harnswischer oder Harnsputzer genannt ) , ihren » Pulvermeker « , der das Büssen-Krut und Büssen-Lodt ( Pulver und Blei ) herzustellen hatte , endlich ihren Büchsenmeister , der die » groten und kleinen Büssen « ( Kanonen und Gewehre ) gießen und in Stand halten mußte . Zu jedem der fünfundzwanzig Wachthäuser gehörte eine » Büsse « oder auch zwei . Die Stadt konnte , nach einer mäßigen Berechnung , fünfhundert Gewappnete ins Feld stellen . Aber dennoch hören wir , historisch verbürgt , von keiner einzigen eingenommenen Burg . Nur die Tradition erzählt von einigen wenigen Fällen derart ( z.B. Kränzlin ) . 11 In einem Gutachten , das der Kurfürst eingefordert hatte , schrieb er im wesentlichen wie folgt : » Ew . Kurf . Durchlaucht fragen , welchergestalt die lang disiderierte christlich-brüderliche Verträglichkeit gestiftet werden könne . Ich halte dafür , das würde helfen , daß beide Teile eine Zeitlang das Streiten ließen , legten beiderseits ihre Partikular-Konfessionen eine Weile an die Seite , nähmen die Bibel und gingen damit zurück in die ersten fünfhundert Jahre der Christenheit , täten , als wenn sie zu derselben Zeit lebten , da diese Spaltung noch nicht war , setzten sich in Demut zu den Füßen der bewährtesten heiligen Väter ... und suchten aus der Väter Lehren , nach Anweisung des Vicentii Lirinensis , das zusammen , quod ubique , quod semper , quod ab omnibus creditum est , womit dann z.B. fortfallen würde , was Augustinus über Gnadenwahl und Prädestination Hartes gesagt hat ... Täte man so , man würde in kurzer Zeit von Luther und Calvin und Formula Concordiae wenig mehr hören , und was die neuen Lehrer auseinander gepredigt haben , das würde Gott durch die alten Lehrer bald wieder zusammenbringen . « Die Formula Concordiae ( » Konkordienformel « ) ist , wie es der Name anzeigt , ein Einigungsbuch , in dem sich die Lutheraner über gewisse Streitfragen einigten , und feststellten , was hinfüro in betreff dieser Fragen das Richtige sein solle und was nicht . Dies Einigungsbuch , das aus einem kürzer abgefaßten und einem weiter ausgeführten Teile ( die aber beide dieselben Fragen behandeln ) besteht , wurde , auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen , von zwölf lutherischen Theologen ausgearbeitet und 1580 veröffentlicht . Zweck war : das Eindringen einzelner calvinistischer Lehren in das Luthertum zu verhindern . Es sind elf Streitfragen , worüber die Formula Concordiae Festsetzungen trifft . Die wichtigsten sind : die Lehre von der Erbsünde , vom freien Willen , von den guten Werken , vom heiligen Abendmahl und von der Vorherbestimmung und Gnadenwahl . Die Konkordienformel , in ihrer Bekämpfung dessen , was sie calvinistische Irrlehre nennt , betont selbstverständlich die leibliche Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl und lehnt sich gegen die Prädestinationslehre auf . Wer sich zur Formula Concordiae bekannte , hatte dadurch seine Gegnerschaft gegen den Calvinismus ausgesprochen . 12 Solche » Reverse « existierten in verschiedener Fassung . Eine Formel lautete wie folgt : Daß Wir Endes benannte Prediger bei der Lutherischen Kirchen zu Berlin in Unserm Lehr-Ambte bey den Glaubens- und Lebens-Lehren , und namentlich auch in denen zwischen Uns und den Reformirten schwebenden streittigen Puncten bey Dr. Lutheri Meinung und Erklährung , wie selbige in Augustana Confessione und deren Apologia enthalten , und demnach auch in Gemeinschaft der Allgemeinen Lutherischen Kirchen beständig zu bleiben gemeint seien , jedoch aber bei Tractirung der gedachten Controversien Uns zugleich unverbrüchlich halten wollen , wie in den Churft . Brandenburgischen Edictis de anno 1614 , 1662 und 1664 Uns anbefohlen ist , Solches thun wir mit diesem eigenhändig unterschriebenen Revers angeloben , urkunden und bekennen . Diese Edikte , die sich untereinander ergänzen , verboten das Studieren in Wittenberg , ordneten Rückberufung der dort Studierenden innerhalb drei Monaten an und äußerten sich in betreff der Zänkereien wie folgt : » So mögen denn die Wittenberger sich des unseligen Verdammens und Verketzerns , sowie der Verhöhnung der Personen und aller höhnischen Vorstellung ihrer Lehren enthalten und sich also bezeigen , daß sie neben der Wahrheit auch den Frieden suchen , und die brüderliche Liebe unter den Christen eher erwecken als dämpfen . « Ähnliche Ermahnungen , besonders aber die Aufforderung , gewisse Hypothesen nicht als die alleinige Wahrheit anzusehen , kehren in den Edikten vielfach wieder . Es war unbedingt hart für die Lutheraner , darüber einen » Revers « ausstellen zu sollen . 13 Ausführlicher über die Lehninsche Weissagung spreche ich bei Gelegenheit von » Kloster Lehnin « , in einem späteren Bande dieser Wanderungen . Hier nur so viel , daß bekanntlich der Streit noch immer schwankt , ob die Lehninsche Weissagung wirklich von einem Lehniner Mönche ums Jahr 1300 , oder aber , als Falsifikat , in einer späteren Epoche geschrieben wurde . Die meisten Stimmen vereinigen sich dahin , daß die sogenannte Prophezeiung am Schluß des siebzehnten Jahrhunderts in den letzten Lebensjahren des Großen Kurfürsten oder doch nur wenig später entstanden ist , trennen sich aber in der Frage , wer der Verfasser gewesen sei . Jeder , der sich mit der › Weissagung ‹ beschäftigt hat , hat auch seinen eigenen Kandidaten aufgestellt . Der Kandidat unseres Otto Schulz heißt – Andreas Fromm . Drei Beweise bringt er für die Verfasserschaft des letzteren bei : 1. er hatte vor vielen anderen die Fähigkeit und 2. vor vielen anderen die Veranlassung ( Groll , Bitterkeit ) dazu ; endlich 3. war er der spezielle Freund Martin Seidels , in dessen Bibliothek man ( nach Seidels Tode ) das Manuskript der » Weissagung « vorfand . Diese drei Punkte sind sehr geschickt zusammengestellt , aber sie genügen keineswegs . Nach der ganzen Charakteranlage Fromms liegt kein Grund zu der Annahme vor , daß er seine Sicherheit und seine Muße zu einem Angriff auf die Hohenzollern ( die dem Unfrieden und den Zänkereien gerade ebenso abhold waren , wie er selbst ) hätte benutzen sollen . Das lag nicht in ihm . Außerdem sprechen Einzelheiten , besonders in den acht Zeilen , die sich auf George Wilhelm und den Großen Kurfürsten beziehen , gegen diese Annahme , teils durch das , was sie sagen , noch mehr durch das , was sie nicht sagen . 14 Gleich nach seinem Eintreffen in Ruppin fand zu Ehren der neuen Uniform ( das Goltzische Regiment hatte bis dahin blau und Gold getragen ) folgende Szene statt . Der Kronprinz lud die Offiziere vor eins der Tore , wo sie einen brennenden Holzstoß fanden . Erfrischungen wurden gereicht . Als alles guten Humors war , begann der Prinz : » Nun , meine Herren , da wir hier alle versammelt sind , dächte ich , wir erzeigten der Goltzischen Uniform die letzte Ehre . « Dabei zog er Rock und Weste aus und warf sie ins Feuer . Die Offiziere taten desgleichen . Unter lautem Gelächter folgten schließlich auch die Beinkleider . In neuer Uniform kehrte man in die Stadt zurück . Diese Szene ist charakteristisch für den Ton , der herrschte . 15 Amalthea , die Nymphe , welche den Jupiter mit der Milch einer Ziege ernährte , auch diese Ziege selbst . Also hier etwa Milchwirtschaft , Meierei . 16 Dieser von Knobelsdorff ist nicht Georg Wenzeslaus von K. , der berühmte Baumeister und Freund des Königs , sondern Karl Siegmund von K. aus dem Hause Bobersberg . Er blieb bei Chotusitz ( Czaslau ) . Georg kam allerdings 1735 auf Besuch nach Ruppin , legte den Garten an und baute den » Tempel « , der auf einer Kuppel die Statue Apollos trug . Der Besuch wird aber nur wenige Wochen gedauert haben . Anderseits wiederum , so kurz dieser Aufenthalt war , war er doch lang genug , um G. von K. 1736 von Rom aus schreiben zu lassen : » Die Instrumentalmusik hier hat mich noch nie in Verwunderung gesetzt und ich wünschte wohl , denen Römern ein Ruppinsches Konzert hören zu lassen . « 17 Chevalier Chazot , der während der Rheinkampagne ( 1734 ) im französischen Heere diente , hatte das Unglück , einen Anverwandten des Herzogs von Boufflers im Duell zu töten . Er floh deshalb in das Lager des Prinzen Eugen , zunächst nicht um in Dienst zu treten , sondern nur um ein Asyl zu finden . Beim Prinzen Eugen lernte ihn der Kronprinz kennen , dem er später nach Ruppin hin folgte . 18 Bielefeld schreibt allerdings 1754 : » Der Prinz Ferdinand hat in Ruppin , wo sein Regiment steht , kein passendes Palais gefunden , besonders für den Fall seiner Vermählung . Er kaufte daher einige Häuser und Gärten , die er vereinigte und bequem und schön einrichtete . Der Garten besonders ist freundlich , und alle Nachtigallen der Gegend scheinen darin zusammenzukommen . « Dies klingt so , als ob Prinz Ferdinand nicht das Palais bezogen hätte , das sein älterer Bruder als Kronprinz bereits innegehabt und das seit 1740 leer stand . Und in der Tat möglich ist es , daß ein Prinz-Ferdinand-Palais eigens erst eingerichtet wurde , wahrscheinlicher aber erscheint es mir , daß der Prinz das Palais bezog , das nun einmal da war . Auch stimmt die Beschreibung ganz zu der Lokalität , die der Kronprinz bewohnt hatte . 19 In eben diesem Garten hat der Besitzer einen zugespitzten , etwa sechs Fuß hohen Granitstein errichtet , der die Inschrift trägt : » Hier überdachte Friedrich der Einzige als Kronprinz die Pläne , die er als König zur Ausführung brachte . « 20 Diese Instruktion hatte speziell die Regelung des kronprinzlichen Lebens im Feldlager der vom Prinzen Eugen kommandierten Reichsarmee ( zu der der Kronprinz im Sommer 1734 abging ) vor Augen . Es darf aber wohl angenommen werden , daß die Grundsätze , die der König bei dieser Gelegenheit aussprach , ebensowohl für den unmittelbar voraufgehenden und unmittelbar folgenden Ruppiner Garnisondienst wie für den Kriegsdienst am Rheine galten . 21 Boyen hat auch in bezug hierauf eine etwas prosaischere Version . Er schreibt : » Günther zog sich früh aus dem Treiben der Welt und der Gesellschaft zurück . Was ihn zu dieser Zurückgezogenheit bestimmte , ob es schmerzlich zerrissene Lebensverbindungen waren ( also unglückliche Liebe , aber nichts von einem Keuschheitsgelübde ) mag dahingestellt bleiben . « Auch der » Gewaltigkeit seines Körpers « erwähnt Boyen nicht ; vielmehr spricht er viel von der Kränklichkeit des Generals , die nur in dessen moralischer Kraft ihr Gegengewicht gefunden habe . Er war auch hierin ganz dem alten Zieten verwandt , der bekanntlich immer leidend und zu Zeiten völlig hinfällig war . 22 Goethe war überhaupt voller Anerkennung für Schinkel . 1820 war letzterer in Gesellschaft von Rauch und Friedrich Tieck in Weimar auf Besuch , und Goethe , dem vorzugsweise diese Reise gegolten hatte , schrieb über diese schönen Tage : » Von Jugend auf war meine Freude mit bildenden Künstlern umzugehen , Herr Geh.-Rath Schinkel machte mich mit den Absichten seines Theaterbaues bekannt und wies zugleich unschätzbare landschaftliche Federzeichnungen vor , die er auf einer Reise in ' s Tyrol gewonnen hatte . Die Herren Tieck und Rauch modellirten meine Büste , ersterer zugleich ein Profil von Freund Knebel . Eine lebhafte , ja leidenschaftliche Kunstunterhaltung ergab sich dabei , und ich durfte diese Tage unter die schönsten des Jahres rechnen . « 23 Es scheint fast , daß alle hervorragenden Künstler die oft ans Wunderbare grenzende Gabe besitzen , das allerflüchtigst Wahrgenommene auf viele Jahre hin , um nicht zu sagen für immer , in ihrer Vorstellung zu bewahren . Das Geschaute fällt wie ein Lichtbild in ihre Seele und fixiert sich daselbst . William Turner sollte zu einer bestimmten Gelegenheit die » Landungsbrücke von Calais « malen , und man erwartete , er werde hinüberfahren , um das Bild nach der Natur anzufertigen . Er war aber ein oder zwei Jahre vorher nach Paris gereist , und hatte sich , auf dem Dampfschiffe stehend , ohne die geringste Ahnung davon , daß ihm solche Aufgabe jemals zufallen würde , die Szenerie von Calais ( bloß dadurch , daß sein Auge einen Moment darauf ruhte ) so vollständig eingeprägt , daß er das bestellte Bild in frappantester Naturwahrheit aus dem Kopfe malen konnte . – Ein anderes Mal zeichnete er mit raschen Strichen einen Dreimaster aufs Papier , den er länger als zwanzig Jahre vorher auf der Reede von Spithead hatte tanzen sehen . Das Schiff existierte noch in Portsmouth oder Plymouth und man verglich die Zeichnung damit . Zum Staunen aller ergab sich , daß Turner sogar die Zahl und Stellung der Stückpforten völlig richtig wiedergegeben hatte . – Auch aus dem Kreise Berliner Künstler wird ähnliches berichtet . Der polnische Graf Cz . verliert plötzlich sein einziges Kind , eine Tochter von zehn Jahren . Er ist untröstlich und will wenigstens eine Büste von der Hingeschiedenen besitzen . Er wendet sich wenige Tage später an einen unserer Bildhauer , dieser aber muß ablehnen , als er erfährt , daß nur eine schon vor etwa sechs Jahren angefertigte Kreidezeichnung von der jungen Komtesse vorhanden sei . Auf dem Heimwege begegnet der Bildhauer seinem Freunde dem Maler M. und erzählt ihm das eben Erlebte . Der Maler , als er den Namen des Grafen hört , hält im Gehen inne und fragt : » War das nicht Graf Cz . , dem wir vor kaum drei Wochen am › großen Stern ‹ begegneten ? Er fuhr mit einer Dame ; rückwärts saß ein schönes Kind ? « » Das war er « , antwortete der Bildhauer . » Nun , dann läßt sich vielleicht helfen . « Und der Maler zeichnete alsbald einen Kopf , der vollständig ähnlich befunden und nach dem seitens des Bildhauers die Büste angefertigt wurde . 24 In den betreffenden Kapiteln des 1. , 2. und 4. Bandes dieser » Wanderungen « sind diese Bilder und Zeichnungen ausführlicher beschrieben . 25 In Potsdam führte Schinkel folgende Bauten aus : das Kasino , Schloß Glienicke , die Nikolaikirche , das Kavalierhaus auf der Pfaueninsel , die Brücke zu Glienicke , Charlottenhof , Schloß Babelsberg ( teilweis ) . In Tegel : das Schlößchen ; in Stralau : die Kirche . Dazu verschiedene Villen in der Umgegend von Berlin . 26 Es darf nicht vergessen werden , daß dieser Aufsatz vor mehr als zwanzig Jahren geschrieben wurde . Bis zum Jahre 60 und dann immer mehr sich abschwächend bis zum Jahre 70 hin harte das vorstehend Gesagte Gültigkeit ; seitdem aber hat die Welt der Renaissance die Schinkelsche Welt abgelöst . 27 Thorwaldsen starb drei Jahre später . Ihm war freilich ein schönerer Tod gegönnt . Er war mit Oehlenschläger im Kopenhagener Theater und ein nationales Stück , dessen Titel ich vergessen habe , wurde gegeben . An einer schönen , ergreifenden Stelle , als aller Augen auf die Bühne gerichtet waren , fühlte Oehlenschläger , wie das weiße , mächtige Haupt Thorwaldsens langsam und beinahe leblos schon auf seine Schultern niederfiel , und sich erhebend , rief er mit mächtiger Stimme in die Bühne hinein : » Still ! Thorwaldsen stirbt « ... Und alles wurde still . 28 Schinkels Porträtfigur an der Blücherstatue befindet sich auf dem Seitenfelde rechts , dem Opernhause zu . Es ist ein Soldat , der sich , nach der Schlacht , an sein Pferd lehnt , während Verwundete und Erschöpfte um einen großen , über dem Feuer hängenden Kessel herum sitzen . – Auf dem Beuthdenkmal ist Schinkel derjenige , der sich ( Seitenfeld rechts ) mit dem Entwurf des Musters zu einem Gewebe beschäftigt . 29 In solchen Momenten war ihm der kunstsinnige Kronprinz ein Trost und eine Erhebung . » Kopf oben , Schinkel ; wir wollen einst zusammen bauen « , das war die Zauberformel , vor der alle Trübsal schwand . Charlottenhof , » das in Rosen liegt « , war nur ein Anfang , ganz andere Dinge noch waren geplant und harrten ihrer Ausführung . Ob das Einvernehmen dasselbe geblieben wäre , wenn Schinkel die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. um mehr als wenige Monate überlebt hätte , steht freilich dahin . Fast möchten wir es bezweifeln . Der König war eben König , und Schinkel , wenn auch in vielem nachgiebig , war doch sehr fest in seinen Kunstprinzipien . Die einzige Begegnung , die sie noch hatten , verlief nicht ermutigend . Schinkel , wenige Tage nach der Thronbesteigung bereits zum Könige berufen , war nicht da ; er war ohne Urlaub nach Ruppin gereist . Als er erschien , wurde er mit den Worten empfangen : » Sie haben sich wohl vor dem Kanonendonner gefürchtet , der meinem Volke meine Thronbesteigung verkündete . « Gewiß wäre alles auf eine Weile hin wieder eingeklungen ; aber , wie immer auch , der König war eben – der Kronprinz nicht mehr . 30 Es existiert ein natürlicher Gegensatz zwischen dem Chevaleresken und dem Merkantilen , der natürliche Gegensatz von geben und nehmen . Schon der einfache Kalkul : » ich kaufe zu 1 und verkaufe zu 2 « , enthält ein Etwas , das dem noblesse oblige widerstreitet , dem überall , wo es echt ist , die Neigung innewohnen muß , den vorstehenden Rechnungssatz umzukehren . In den höchsten Handelssphären haben sich freilich diese Gegensätze von geben und nehmen gelegentlich versöhnt , und die Kaufhäuser erwiesen sich dann den Fürstenhäusern verwandt , in denen sich die Gewinnfragen zu Kulturfragen gestalteten . Aber so gewiß es in Jahrhunderten , die nicht allzuweit zurückliegen , solche Handelshäuser gegeben hat , so gewiß ist es doch auch , daß unsere Sandmark – von Berlin selbst ist abzusehen – jederzeit der unglücklichste Boden für sie gewesen ist . Hier war , als Regel , immer nur der Kleinhandel zu Hause , der , bis in die neueste Zeit hinein , seine Normen weder aus Venedig und Florenz , noch aus Amsterdam und dem alten Hansa-Lübeck entnehmen konnte . 31 Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein , Sohn des Prinzen von Noer , wurde 1803 geboren und starb 1881 . Er erhielt 1870 vom König von Preußen für sich und seine Deszendenz den Titel Graf von Noer , Prinz Friedrich war ein begeisterter Orientalist , der , nachdem er jahrelang in Indien gelebt , über seine Reisen in Kleinasien geschrieben und zuletzt ein sehr beachtenswertes Werk : » Geschichte des Kaisers Akbars des Großen « hinterlassen hat . 32 Sohn des berühmten Hallenser Anatomen , ein Schüler Hans Gudes , lebt in Karlsruhe . 33 W. Gentz scheint hiernach davon auszugehen , daß beiden berühmten Malern ( Rembrandt und Menzel )