? Gehenkt soll ich werden ? Wirklich ? « » Ja , und zwar sofort , damit ich Dschafar Mirza rette ! « » So flüchte ich mich in den Schutz des Scheik ul Islam , der mich verteidigen muß , wenn er nicht selbst zugrunde gehen will . Ich würde Alles verraten ! « Er rannte hin zu ihm . Dieser aber streckte beide Hände abwehrend gegen ihn aus und rief : » Bleibe mir fern , du Unvorsichtiger ! Warum hast du dich entlarven lassen ! Wer nicht einmal das Alphabet der Sillan geheim zu halten weiß , der ist auch imstande , die Absichten des heiligen Islam an das Laientum zu verraten ! Du bist ein abtrünniger Christ , also überhaupt Verräter gewesen , seit ich dich kenne . Nun drohst du auch mir mit Verrat . Hebe dich weg ! Ich sehe mit Freuden dich hängen ! « Da brüllte der Henker laut auf . Er trat , anstatt sich zu entfernen , ganz nahe an ihn heran , ballte die Fäuste und sprach , infolge seines nicht zu überwältigenden Grimmes in die unbeschränkteste Offenheit verfallend : » Ja , du hast recht ; ich bin ein Verräter , ein Verräter überhaupt ! Ich habe nicht nur die Menschen verraten , sondern auch Gott und mich selbst . Ich verriet meinen christlichen Glauben . Ich täuschte sodann den Beherrscher . Ich betrog den Fürsten der Schatten . Ich täuschte auch dich , genau so , wie du selbst täuschest . Aber einmal lüge ich nicht , nämlich jetzt , wenn ich öffentlich beichte ! Soll ich gehangen werden , so hänge man gleich Zwei ! Die Dritte und den Vierten wird man wohl laufen lassen . Dir aber knüpfe ich die wohlverdiente Schlinge ! « Er wendete sich von ihm ab , zu uns , richtete sich hoch auf und wollte sprechen . Da griff der Scheik ul Islam nach den vor ihm liegenden Kleidungsstücken , bei denen auch das Messer des Henkers lag , faßte es , zuckte es gegen ihn und drohte : » Schweig , Wahnsinniger , sonst stirbst du an deiner eigenen Klinge ! « » Ob Strick oder Klinge , das ist nun Alles gleich ; aber ich spreche ! « entgegnete der Multasim , schnell zugreifend , um sich zu wehren . » Dann fahre hin , und rede in der Hölle , aber nicht hier ! « Im nächsten Augenblicke hatten sie sich gefaßt . Die Khanum Gul schrie vor Entsetzen auf , gab Raum und eilte fort . Niemand schaute ihr nach , denn aller Augen waren auf die beiden Kämpfenden gerichtet , welche einander niederzerrten und dann unter den Sitzen weiterrangen , still , lautlos , wie zwei ineinander verbissene , wilde Tiere . Da plötzlich gab es einen Blitz und hoch über uns einen lauten Krach . Der Donner rollte . Unsere ganze Aufmerksamkeit war so ausschließlich hier unten festgehalten worden , daß wir die schweren Wetterwolken gar nicht beachtet hatten , welche hinter dem Ruinenberge aufgestiegen waren und nun über dem Alabasterzelte drohend kulminierten . Wir kannten diese Art von Wetter , welche sich in jenen Bergen ganz unerwartet zusammenziehen und alle Gewalt der Elemente entfesselt zu haben scheinen101 . Darum wußten wir sogleich , daß wir auf unser lustiges Vorrennen wenn nicht ganz , so doch für jetzt zu verzichten hatten . Es fielen schon gleich einzelne schwere , erbsengroße Regentropfen . Da war der Kampf auf Leben und Tod zu Ende . Der Scheik ul Islam kam unter den Sitzen hervorgekrochen und richtete sich auf , ganz ermattet , langsam , blutend . Er sah sich mit stierem Blick im Kreise um und rief mit heiserer Stimme : » Es kam so , wie ich sagte : Er ist zur Hölle gegangen . Dort mag er reden , was er will , so wird es doch nichts schaden . Die Teufel glauben nicht so schnell wie die Menschen ! Ich bin verwundet . Bringt mich nach meinem Zelte ! « Einige Taki eilten hinzu , um ihm zu helfen . Man zog den Multasim hervor . Er war tot . Das Messer steckte bis an den Griff in seiner nackten Brust . Da blitzte und krachte es abermals , und der Regen begann in einer solchen Weise sich zu ergießen , daß ich schleunigst nach dem Zelte Agha Sybils eilte , wo ich , der längst Erwartete , von meinem alten Bagdader Freunde und all den Seinen mit herzlicher Freude aufgenommen wurde . Mein Erstes war , gute Plätze für Halef , Hanneh und Kara zu reservieren , welche natürlich nicht auf sich warten ließen , und dann geschah der Freundschaft und der Vergangenheit ihr Recht , mochte es draußen gießen oder strömen und hier innen tropfen oder träufeln , wie es wollte . Auch Kepek wurde erwähnt . Man hatte ihn wegen seiner unbehilflichen Körperfülle so schnell wie möglich als Fracht nach Isphahan gesandt , wo sein Herr sich für die Zukunft mit ihm niederlassen wollte . Die » Festjungfrau « war als lebenslängliche Köchin in Aussicht genommen , und Tifl hatte dabei als Pendant zu Kepek tüchtig mitzuessen . Der Regen währte ausnahmsweise stundenlang . Als er einmal eine Pause machte , schickte Schakara für mich und Kara Pferde , für Halef und Hanneh aber eine Doppelsänfte , mit deren Hilfe wir schnell nach Hause kamen . Der Ustad folgte erst später . Wie umsichtig Schakara war , bewies sie jetzt auch wieder dadurch , daß sie unsere Pferde aus dem schweren Regen in das bereits wohlbekannte Gewölbe gerettet hatte . Der Ustad kam mit Dschafar Mirza , eben als das zurückgekehrte Gewitter mit einer zweiten , noch längeren Entladung einsetzte . Sie hatten im Hause des Chodj-y-Dschuna ein bequemes Unterkommen gefunden und von dort aus Alles beobachtet und nach Kräften dirigiert . Sie nahmen den von dem Unwetter angerichteten Wirrwarr nicht von der tragischen , sondern von der komischen Seite , und so fiel es auch mir nicht ein , mir um irgend Etwas betrübte Gedanken zu machen . Als ich nach der Leiche des Henkers frug , erfuhr ich , daß man sie nach den Ruinen geschafft und dort dem Scheik ul Islam vor das Zelt gelegt habe . Sein Pferd war vom Hauptmanne konfisziert worden ; den Kiss-y-Darr aber hatte der Ustad jetzt mitgebracht , um ihn wieder gesund zu pflegen . Der Regen ließ auch für später nicht nach . So war nichts mehr zu machen , und wir gingen in der Hoffnung schlafen , daß er sich bis morgen ausgegossen haben werde . - Es legte sich heut wohl kein Mensch so hochbefriedigt , so stolz nieder wie Hadschi Halef und Hanneh . Ihr Sohn war unbedingt der Held des heutigen Tages gewesen , und ich hatte ihnen gesagt , daß dies nicht etwa Zufall , sondern in der vortrefflichen Begabung Kara ' s begründet sei . Das war eine Wonne für meinen Hadschi , der , als ich am andern Morgen aufstand , soeben in die Sänfte stieg , um sich nach der Tribüne tragen zu lassen , denn Ahriman Mirza und der Scheik ul Islam hatten einen Zusammentritt des Preisgerichtes und der Dschemma gefordert , weil sie gleich heut früh einen wichtigen Antrag zu stellen hätten . Bei einer solchen Beratung mußte der » Scheik der Hadeddihn « natürlich gegenwärtig sein , und wenn er noch so schwach gewesen wäre ! Der gestrige Tag aber war ihm außerordentlich gut bekommen , natürlich infolge der Freude über das brave Verhalten seines Sohnes . Nach einer Stunde , als die Verhandlung vorüber war , welche der Ustad geleitet hatte , kam dieser selbst nach dem Hause herauf , um mich aufzusuchen und abzuholen . Da erfuhr ich denn , welche Wünsche Ahriman Mirza und der Scheik ul Islam vorgebracht hatten . Diesen beiden Herren schien nämlich der Gedanke , sich nach der gestrigen Blamage den ganzen heutigen Tag den Blicken einer so großen Volksmenge auszusetzen , sehr peinlich zu sein . Sie hatten sich also schon am frühesten Morgen darüber geeinigt , daß das Rennen , wenigstens für sie und ihre Zwecke , so kurz wie möglich abzumachen sei . Daher ihr Antrag . Dieser lautete : Die edlen Pferde , welche eigentlich laufen sollten , laufen nicht , werden aber als Gewinne gestellt . Wirklich rennen werden von jeder Seite nur drei . Wer in zwei Rennen siegt , gewinnt sämtliche Pferde . Keiner von diesen drei Matadoren darf zweimal laufen , und sie vorher vorzuzeigen , ist nicht nötig . Die Preispferde müssen gegenseitig von gleichem Werte sein . Was ich nun erwartete , das war auch geschehen : Die Dschamikun hatten diesen Antrag einstimmig angenommen , und man war unten am See jetzt schon sehr fleißig dabei , die Preise zu taxieren und zu vergleichen . Diese Bedingungen bezogen sich auch auf ein voranzugehendes Kamelrennen , bei welchem die Chancen der Dschamikun freilich nicht günstig standen , weil ihre Tiere mehr in die Berge als für den Schnellauf in der Ebene paßten , während dem Aemir-y-Syllan jedenfalls die besten Eilkamele seiner Schatten und Massaban zur Verfügung standen . Dieser Mangel aber wurde , zumal unter den neuen Bedingungen , durch die beiden Leibkamele unserer Hanneh vollständig ausgeglichen . Da wir nur Syrr verbergen , sonst aber mit unsern Matadoren nicht Versteckens spielen wollten , gab der Ustad Befehl , die Letzteren für unsere Boten bereit zu halten . Syrr jedoch wurde mit alten Decken behangen und ganz heimlich hinunter zum Chodj-y-Dschuna gebracht und in dessen Hof gestellt , den Niemand betreten durfte . Als wir dann gehen wollten , fragte Schakara , ob sie dieses gewiß seltene Rennen mit ansehen dürfe , und wir freuten uns darüber , ihr einen guten Platz zwischen uns Beiden versprechen zu können . Was das Wetter betrifft , so war dies so , wie wir es uns gar nicht besser hätten wünschen können . Es hatte zwar bis spät nach Mitternacht » wie aus Flußmulden « gegossen ; alles Buschwerk hing von der Schwere des herabgestürzten Wassers tief niederwärts ; die Stauden und Gräser lagen hart am Boden , und gar mancher Baum war mitsamt den Wurzeln ausgewuchtet worden ; aber die Flut hatte sich vollständig in den See verlaufen ; die Wege waren schnell wieder getrocknet , und die Rennbahn lag sogar noch besser da als gestern , weil die Wucht der Regenmassen von ebnender Wirkung gewesen war . Als wir mit Dschafar Mirza , der nun wahrscheinlich seines Lebens wieder sicher sein konnte , hinunterkamen , sahen wir , wie sehr Ahriman und der Scheik ul Islam sich beeilt hatten , ihre Preise zu stellen . Sie waren beide persönlich da , um darüber zu wachen , daß ihnen nur Gleichwertiges gegenübergesetzt wurde , denn es lag ja in ihrer Absicht , uns alles Gute abzugewinnen und dann über den zurückgebliebenen Schund zu lachen und zu lästern . Dadurch hatten sie aber auch sich selbst gezwungen , nur ihr Bestes daranzuwagen , und ich war sehr neugierig darauf , wie dieses » Beste « sich wohl ausnehmen und bewähren werde . Was zunächst nicht die Pferde und Kamele sondern die beiden genannten Personen betrifft , so machte der Scheik ul Islam heut fast denselben Eindruck , den gestern der » Schundroman « gemacht hatte , ja einen fast noch schlimmeren , weil die vielen Schnittwunden und Schmarren , welche er im Kampfe mit seinem eigenen Schützling erhalten hatte , keine gefälschten , sondern wirkliche waren . Das Messer schien ihm wiederholt entrissen und gegen ihn selbst gerichtet worden zu sein . Besonders hatte er das Gesicht sehr arg bepflastert , und an der einen Wange und dem Kinn fehlte ihm ein großes Stückchen Haut mitsamt dem Bart. Der Rest des letzteren war nun nicht mehr eine Zierde für ihn , sondern vielmehr eine Schande . Er gab sich aber die Miene , als ob ihm das im höchsten Grade gleichgültig sei . Ahriman Mirza war sehr still und in sich gekehrt . Bald hatte sein Gesicht einen gradezu blöden Ausdruck ; bald funkelten seine Augen in grimmiger Energie . Alles , was er tat , war unsicher und überhastet , und sehr oft horchte er ängstlich auf oder schaute wie erschrocken hinter sich , als ob er sich von etwas Unsichtbarem ärgerlich beobachtet und beeinflußt fühle . Sie hatten über dreißig Kamele gestellt . Diese waren vortrefflich , einige davon sogar ausgezeichnet , ausnahmslos nur echte , hochrassige Schuturi Ba ' aud102 . Der Umstand , daß die Dschamikun nur Bergkamele besaßen , die aber als solche von ganz demselben , vielleicht noch höherem Werte waren , wurde von ihnen bereitwillig durch die Zahl ausgeglichen : Sie stellten zehn Stück mehr dagegen . In Beziehung auf die Taki und Dinarun war dies nicht nötig . Diese brachten gegen vierzig Stück zusammen , was die Dschamikun mit ebenso vierzig erwiderten . In Betreff der Pferde lagen die Verhältnisse umgekehrt . Die Gegner mochten in Beziehung auf ihre Matadore denken , was sie wollten ; der Durchschnitt aber stellte sie tief . Sie konnten nicht einmal so tun , als ob sie das leugnen wollten . Ihr Aerger hierüber war groß ; sie verschluckten ihn aber im stillen . Sie brachten mit den Dinarun und Taki zwar gegen sechzig Stück » edles Blut « zusammen , wie sie es nannten , mußten es sich aber gefallen lassen , daß wir mit nur vierzig parierten . Nach Abschluß dieser Verhandlungen wurde das Resultat bekannt gegeben und schnell über das ganze Tal verbreitet . Nun schickten wir nach den beiden Eilkamelen , welche von einem der mitgebrachten Hadeddihn und von Hanneh geritten werden sollten ; sie tat das nicht anders ; sie wollte auch einmal zeigen , daß man kann , wenn man will ! Unser drittes war das schnellste Kamel der Dschamikun , leider aber schon ziemlich alt und dabei eigenwillig . Als die Gegner ihre drei Trümpfe brachten , sahen wir freilich , daß es nicht leicht war , gegen solche Kamele aufzukommen . Der Scheik ul Islam und der Mirza gebärdeten sich sehr siegesgewiß ; der alte , bigotte Scheik der Taki ebenso . Sie lachten , als der Dschamiki mit dem seinigen kam . Und sie lachten noch lauter , als unsere Bischarihn-Hadschihn gebracht wurden und sie nun erfuhren , daß eines derselben von einem Weibe geritten werden solle . Es wurde eine Schnur quer über die Bahn gezogen . An ihr hatten sich die sechs Kamele in einer Reihe neben einander niederzulegen . Sie wurden bestiegen . Sobald das Zeichen gegeben wurde , hatte man die Schnur zu entfernen . Es handelte sich hier um einen Gesamtlauf , während die Pferde zu Zweien rennen sollten . Unsere Hanneh schwang sich mit einer Miene in den Sattel , als ob es sich um etwas ganz Alltägliches handle . Sie hatte nur den dünnen Medrek in der Hand , ein leichtes Stäbchen , mit welchem man dem Hadschihn zeigt , nach welcher Seite es sich zu halten habe . Die Gegner aber waren mit schweren , schmerzenden Hetzpeitschen versehen . Da ertönte die Kärna . Die Schnur verschwand . Sechs Zurufe erschollen . Aber nur fünf Kamele gehorchten . Dasjenige des Dschamiki sprang nicht auf . Es blieb liegen . Es brüllte vor Zorn über die große Menschenmenge , vor der es sich produzieren sollte . Das paßte ihm nicht . Unsere Gegner lachten ; wir aber auch . Der Dschamiki lachte schließlich ebenso mit , stieg ab und gab seinem Kamele so lange gute Worte , bis es aufstand und sich von ihm fortbringen ließ . Inzwischen waren die drei Gegner sofort im eiligsten Laufe davongeritten , Hanneh und der Hadeddihn aber erst langsam hinterher . Der Scheik ul Islam jubelte laut , denn der Abstand , den es gab , war nach seiner Ansicht bei der nur einmaligen Runde , die es gab , fast gar nicht einzubringen . Aber die Schnelligkeit unserer Hedschihn vergrößerte sich ; sie vergrößerte sich auch dann noch , als sie diejenige der Vorläufer erreicht hatte ; sie nahm zu , immer zu , als ob sie sich bis in das Unheimliche steigern wolle . Jetzt war der hinterste Gegner erreicht ; er wurde überholt . Bald auch der zweite . Der erste war weiter voran . Er schaute sich wiederholt nach dem Verhängnisse um , dem er so gern entrinnen wollte und doch nicht konnte . Es kam ; es kam ! Es flog an ihm vorüber , weiter , immer weiter , den Geisterhedschahn gleich , von denen man in den Steppen des Sudan erzählt - - - jenseits am See zurück , vom brausenden Jubel der staunenden Menge begleitet , herbei , herbei , um endlich bei uns zu halten . Hanneh wartete das Niederknieen ihres unübertrefflichen Tieres gar nicht ab . Sie schwang sich von oben herunter , ging leuchtenden Auges dorthin , wo der Scheik ul Islam und der Mirza saßen , schlug mit ihrem Stabe laut auf die Bank vor ihnen und sagte : » Ihr lachtet über das Weib ; das Weib lacht nicht , aber es siegt ! « Hierauf kehrte sie an ihren Platz zurück , von Mann und Sohn mit Händedrücken empfangen . Ihr Hadeddihn führte die siegreichen Tiere fort . Dann erst kamen die Gegner , einer immer später als der andere . Wir hatten von drei Nummern zwei Gewinner und also die siebzig Kamele und auch die drei Matadore gewonnen . Der Pedehr sorgte dafür , daß sie sofort in Sicherheit gebracht wurden . Das hatten die Feinde nicht erwartet . Aber anstatt klug und still zu sein , verfielen sie in das Gegenteil und rühmten sich , mit den Pferden Rache nehmen zu wollen . Der Scheik ul Islam rief nach seinem » besten Pferd von Luristan « , gegen welches zunächst zu reiten sei . Es wurde ihm schnell gebracht , und so bekamen wir dieses vielgepriesene Wunder nun endlich einmal zu sehen . Es war Taki-Zucht , nicht Araber , doch auch nicht Perser , von jeder Rasse eine Muskel oder ein Knochen . Aber gut , sehr gut sah der Kerl aus ! Doch nicht für die Augen des Kenners , der sich vielmehr sagen mußte : Trügerische Formen , Paraderenner , aber nicht für den Ernst ! » Den nehme ich getrost mit meiner Sahm ! « sagte der Ustad . » Er verdient keinen berühmten Gegner . « Wir hatten nach Hause geschickt und unsere » Trümpfe « kommen lassen . Sie standen in der Nähe und wurden von den Gegnern in ausgiebigster Weise behaßäugelt . Der Scheik ul Islam erklärte , daß er sein Pferd selbst reiten werde , und so stellte sich ihm der Ustad mit der Sahm als Gegenpartner vor . Beide Pferde und beide Reiter wurden ausgerufen , und es ging wie ein Rauschen von Mund zu Mund und laut um den See , wen man jetzt im Kampfe zu sehen bekommen werde . Beide Reiter warfen ihre Oberkleider ab und stiegen auf . Sie hielten neben einander . Der Hornist hob die Kärna zum Munde , um das Zeichen zu geben . Noch aber erscholl es nicht , so jagte der Scheik ul Islam schon davon . Es galt für die drei Pferderennen je eine Doppelrunde . Man schrie laut auf über diese Unehrlichkeit ; aber der Ustad rief : » Ich protestiere nicht ! Aber ich reite ehrlich ! Heraus mit dem Zeichen ! « Die Kärna schmetterte . Die Stute ging regelrecht fort , erst Schritt , dann Trab , dann Galopp . Es sah aus , als reite der Ustad nur spazieren . Das » beste Pferd von Luristan « aber flog da draußen , als sei es aus einem Böller geschossen worden , denn der Scheick ul Islam hatte das Geheimnis schon gegeben . Tiefe Stille herrschte . Die Sahm lag jetzt in glattem Galopp . Ich sage mit Absicht , sie » lag « . Wie eine jener einst so hochberühmten amerikanischen Briggs mit kühner Schonertakelage , die man nicht » gehen « sieht , wenn sie vor dem Winde » liegt « , und aber doch nie einzuholen ist ! Und sie » blieb liegen ! « Die Entfernung der beiden Pferde blieb die gleiche , fort und fort , und um den See . Das Rennen kam von drüben wieder herüber - - an uns vorbei . Der Scheik ul Islam voran , mit tiefgeröteter Gesichtshaut zwischen den weißen Pflastern . Sein Pferd troff von Schweiß , und weiße Flocken flogen ihm vom Maule . Dann der Ustad , mit unveränderter Miene , uns vertraulich zunickend . Die Sahm war trocken und noch ganz bei Atem . Sie arbeitete nicht , sondern sie » lag « noch immer . » Er siegt ! « sagte Schakara neben mir . » Er hat das Geheimnis ja noch gar nicht angewendet ! « Es war , als ob er in innerer Verbindung mit der Sprecherin sei , denn kaum hatte sie es gesagt , so warf der Ustad den Arm hoch empor , und die Sahm bekam einen Ruck , dessen Schnellkraft nicht etwa verschwand , sondern von jetzt an ununterbrochen weiterwirkte . Und nun begann der bisherige Abstand , sich zusehends zu verringern . Das » beste Pferd von Luristan « war zu früh gezwungen worden , herzugeben , was es hatte . Die Kräfte ließen nach ; die Lunge versagte den Dienst . Der fliegende Galopp verwandelte sich in ein unregelmäßiges Springen . Die Sahm aber » lag « nun wieder , aber im Geheimnisse ! Sie holte den Gegner ein ; sie schoß an ihm vorrüber . Noch eine kleine Weile , so nahm der Ustad das Geheimnis wieder ab , um sie zu schonen , denn er hatte zurückgeschaut und bemerkt , daß das Pferd des Scheikes nun nicht mehr rannte , sondern sich gegen seinen Reiter sträubte , weiter zu gehen . Er schlug mit der Peitsche zwar unbarmherzig auf das arme , so töricht ausgepumpte Tier los , aber vergeblich . Es blieb einfach stehen , so daß er ihm schließlich seinen Willen oder vielmehr Unwillen lassen mußte und langsam durch den Duar herbeigeritten kam . Als er die Tribüne erreichte und abstieg , saß der Ustad schon längst wieder an seinem Platze ! Der Besiegte lies » das beste Pferd « stehen , ging , ohne ein Wort zu sagen , zu seinem Sitz und sank ermattet auf demselben nieder . Ahriman Mirza aber sprang auf , warf ihm einige grimmige Worte in das Gesicht und verkündete hierauf laut , daß jetzt der unbesiegbare Iblis erscheinen und uns eines ganz Anderen belehren werde ! Natürlich war man allgemein gespannt , dieses Pferd zu sehen . Es wurde gebracht . Wir gingen hin . Ahriman stand bei ihm und pries es mit überschwänglichen Worten . Schakara sah ihn dabei aufmerksam an und sagte uns dann leise : » Nehmt Euch in acht ! Ich fühle eine schlimme Absicht , die er hat ; nur weiß ich nicht , welche . « Wir wußten , daß der Iblis eine Khorassan-Schecke sei . Dieses Pferd hier war eine Schecke , ja , aber auf keinen Fall aus Khorassan stammend ! Freilich , man konnte uns falsch berichtet haben , und sie war dann doch der Iblis . Aber da sagte der Mirza , daß sein » Freund « sie reiten werde , und da stand es bei uns fest , daß ein Betrug oder wenigstens eine List beabsichtigt werde . Der Ustad war der Meinung , man wolle uns verleiten , unsern besten Trumpf an dieses vorgeschobene Pferd zu verschwenden , und es stellte sich dann auch heraus , daß dies richtig war . Da keiner der Matadore zweimal rennen durfte , hätte dann der echte Iblis keinen ebenbürtigen Gegner gehabt . So wenigstens hatte Ahriman gerechnet , dabei aber nicht angenommen , daß schon das erste Rennen für ihn verloren gehen könne . War er denn gedankenschwach geworden ? Er sah doch unsere Rappen stehen , gegen welche diese Schecke unmöglich aufkommen konnte ! Wenn sie dieses zweite Rennen verlor , wurden wir Sieger und brauchten gar nicht weiter mitzumachen ! Wir fragten unsern Kara , ob er es übernehmen wolle , den angeblichen Iblis mit dem Barkh behaglich um die Ecke zu reiten , und er war mit Wonne bereit dazu . So wurden also diese beiden Pferde und ihre Reiter ausgerufen . Wir sahen , daß der » Freund « jener Vertraute war , der mit dem Obersten der Schatten den geheimen Gang in den Ruinen untersucht hatte . Er stieg auf und schaute von seiner Schecke herab , als ob er die Absicht habe , seinen Gegner sofort in Grund und Boden zu reiten . Es kam aber anders ! Hatte nämlich der Ustad mit dem Geheimnisse gespart , so tat Kara jetzt das Gegenteil . Kaum waren nach dem gegebenen Zeichen die Pferde in Gang , so gab er es und war schon in der nächsten Minute dem » Freunde « so weit voraus , daß alle Zuschauer staunten . Und das wuchs und wuchs ! Die Schecke lief gut ; sie lief , was sie nur konnte ; aber sie kam gegen unsern Rappen nicht vorwärts , trotz ihres guten Willens . Auch der Reiter gab sich alle Mühe , doch umsonst . Als Kara , die zweite Runde beginnend , an uns vorüberkam , hatte er das Geheimnis bereits wieder ausgelöst ; die Schecke war aber noch jenseits draußen vor dem Duar , dessen ganze Ausdehnung also schon zwischen ihnen lag . Und nun tat Kara weiter nichts , als daß er diesen Abstand unausgesetzt erhielt , bis er nach der zweiten Runde das Ziel erreichte . Zwei Touren gewonnen von dreien ! Wir waren also Sieger ! Da aber erhob Ahriman Mirza von dem Ausruferstand , den er bestieg , lauten Einspruch . Das erste Rennen gelte nichts , weil der Scheik ul Islam unehrlich gewesen und vorgeritten sei . Er beschimpfte also seinen eigenen Partner und drang auf die dritte und letzte Tour . Nur wer diese gewinne , sei Sieger , sonst aber Keiner ! Die Preisrichter nahmen diese Frage vor und entschieden für uns , denn man könne die Unehrlichkeit doch nicht belohnen und der Ustad habe ausdrücklich erklärt , daß er nicht protestiere . Die Gegner aber standen zum Mirza und wollten sich nicht fügen . Schon standen wir in Begriff , mit Gewaltmaßregeln zu drohen , da geschah etwas sonderbar Seltsames . Schakara verließ nämlich , ohne uns vorher hierüber zu verständigen , ihren Sitz , stieg die Stufen zum Stand hinauf und winkte Schweigen . Das Erscheinen eines Mädchens da eben verwunderte . Man war still . Da begann sie zu sprechen , kurz , klar , bestimmt . Sie forderte Ahriman Mirza auf , seinen Chandschar mit zu den Preisen zu legen , dann werde das dritte Rennen sofort stattfinden , und wer es gewinne , der habe gesiegt . Sie tat sogar noch mehr : Sie setzte gegen den Dolch die bereits gewonnenen Kamele , so daß also dem Sieger dieser letzten Tour der ganze Gewinn und dazu der Chandschar zu gehören habe . Wir staunten ! Der Mirza auch ! Woher nahm dieses sonst so bescheidene , zurückgezogene Mädchen den Mut , hier in dieser Weise öffentlich aufzutreten ? Uns allen in einer so wichtigen Sache ohne Erlaubnis vorzugreifen ? Da drückte mir der Ustad die Hand und sagte : » Erschrecke nicht ! Du weißt , sie kommt von Marah Durimeh ! Sie hat geheime Gründe ! Wenn der Mirza darauf eingeht , tue ich es gern . Du hast ja den Syrr ! « Da verließ Ahriman seinen Platz . Mit weit geöffneten Augen Schakara anstarrend , schritt er langsam zu ihr hin , löste den Chandschar vom Gürtel und reichte ihn ihr hinauf . Sie nahm ihn . Nun legte er sich beide Hände vor die Augen und stand eine Weile still , doch mit zuckendem Körper . Hierauf nahm er die Hände hinweg , richtete sich kerzengerade empor , warf beide Arme in die Höhe und rief aus : » Meinen Chandschar , meine Waffe , mein Höchstes ! Nicht um ein Reich zu beherrschen , sondern für Pferde und Kamele ! Aber ich muß , ich muß ! Sie hat ihre Augen ! Sie hat ihre Gestalt , ihre Stimme ! Und sie hat auch ihre Gedanken und ihre Macht ! Da bin ich nichts ; da muß ich gehorchen ! - - - Wohlan ! Holt mir den Teufel ! Aber den echten , den wahren , den wirklichen , nicht den faschen , den gelogenen ! Es gilt ein Reiten , wie es wohl noch nie geritten worden ist ! Denn wenn Marah Durimeh mich zwingt , in den Sattel zu steigen , um meinen Chandschar zu retten , so stellt sie mir auch jenes von der Hölle gehaßte Geschöpf , aus dessen Haar beim Ritt die Funken springen ! Also den Teufel her , den Iblis ! Und schnell , denn es hat Eile ! « Wen oder was meinte er mit jenem » Geschöpf , aus dessen Haar die Funken springen « ? Hatte er das nur figürlich gemeint ? Oder war er bereits verrückt ? Vielleicht das Letztere , denn sein Gebaren glich augenblicklich ganz dem eines Irren , der auf Etwas warten muß und es doch nicht erwarten kann . Und als man das verlangte Pferd brachte , sprang er auf dasselbe zu , schnellte sich in den Sattel und rief aus : » Das ist er , das , der schnellste aller Teufel ! Und ich bin Ahriman , sein Meister und sein Herr ! Wo ist der