von Chodeh einst verbannt , der sich erkühnt , dem Himmelsherrn zu gleichen ! Er stand vor ihr , sah lange stumm sie an und breitete dann seine starken Schwingen . Gieb mir die Hand ! sprach er . Ich trage dich im Abendrot zurück zur Morgenröte . Was keiner Himmelsliebe möglich war , hast du erreicht durch deine Erdenthränen . Wenn die Erlösung um die Menschen weint , so muß sogar das Herz der Hölle brechen . Ich war der Erste aller Kreatur . Ich war der Erste , der den Herrn betrübte . Nun will ich auch der Allererste sein , der reuig wiederkehrt mit der Erlösung ! Er schaute ätherwärts . Da kam der Abendstern . Süß dufteten ringsum die Nachtviolen . Da schloß der Abgrund sich . Der Himmel that sich auf . Und mit dem Duft der Blumen schwanden Beide . « Ahriman Mirza war Wort für Wort dem Märchen mit immer wachsender Spannung gefolgt . Jetzt zischte er in sich überstürzender Weise dem Ustad zornig zu : » Was soll das sein ? Was willst du mir mit diesem Märchen sagen ? Wo hast du es her ? Sind es deine eigenen Gedanken ? Von diesen Tausend und ein Tag hörte man noch nichts ! Du willst mir entgehen , indem du dich hinter alte , mythenhafte oder neue , selbstersonnene Lügen versteckst . Gieb mir Antwort auf das , was du von mir hörtest ! Ich sagte : Zeige mir einen solchen Unmöglichen , Undenkbaren , so bin ich dein . Wo nicht , so bist du aber mir mit allen deinen Dschamikun verfallen ! Du weißt nicht , was euch droht . Ich bin gekommen , euch zu vernichten ! « Da kam der Ustad langsamen Schrittes herbei , trat in den Kreis , sah mitleidig auf ihn hernieder und antwortete : » Du armer , armer Mann ! Deine Macht mag noch so groß sein ; die Allmacht aber , gegen welche du dich aufbäumst , ist doch noch größer ! Hast du nicht zugestanden , daß du alles , alles geben würdest , selbst dein Herz mit seinem ganzen Hasse , wenn du einen einzigen wahrhaft Liebenden fändest ? Du hast am falschen Ort gesucht . Suche an der rechten Stelle ! Denn daß du überhaupt suchst , das hast du mit diesen deinen Worten zugegeben . Und man sucht doch nichts , ohne daß man es begehrt und es zu haben wünscht . Du willst uns vernichten ? Wohl durch deinen Haß ? Ich aber sage dir , daß ich es bin , der dich vernichten wird ! Und zwar durch meine Liebe , indem ich dich segne ! Du wirst von diesem meinem Segen aufgezehrt werden , so aufgezehrt , daß nichts mehr von dir übrig bleibt . Und doch zu gleicher Zeit wirst du in diesem meinem Segen erstehen und wachsen zu einem neuen , wunderbaren Leben . Ich gebe ihn dir , den Segen , der dich ganz und voll erneuern wird ! « Bei diesen Worten legte er ihm die beiden Hände auf die Schultern . Der Perser aber fuhr vor ihm wie vor einer Natter zurück und rief aus : » Ich mag ihn nicht ! Ich schüttele ihn ab ! Dein Segen ist ein Fluch für mich ! « » Ich habe ihn dir gegeben , und er bleibt ! Du bist ihm verfallen und der Liebe , die dich verfolgen wird , bis du vor ihr zusammenbrichst ! « Da lachte Ahriman Mirza in schallendem Hohne auf und antwortete : » Du sprichst so kindisch und zugleich so altersschwach , wie eure sogenannte Frömmigkeit ja stets zu reden pflegt ! Sie ist die alt und schwach gewordene , lächerliche Tante aller der augenverdrehenden Seelen , welche so gern die Hände auflegen , um ihre Bettlerarmut und Begehrlichkeit hinter dem nur allzu durchsichtigen Schleier des sogenannten Segens zu verbergen . Hast du schon einmal einen Menschen gesehen , der dir seinen Segen umsonst gegeben hat ? Was hast du bezahlen müssen , bevor oder nachdem du ihn bekamst ? Wer sind die von Himmelsgaben strotzenden Millionäre , welche zu segnen wagen ? Untersuche ihre Taschen , um darin noch weniger als nichts zu finden . So stehst auch du vor mir in deiner ganzen , armseligen Bettelhaftigkeit ! Was giebst du mir ? Ein leeres Wort , welches dich nichts kostet ! Und was forderst du dafür ? Mich selbst mit allem , was ich bin und was ich habe . Ja , nicht nur das ! Du verlangst auch gar noch das , was ich durch diesen Segen zu werden habe ! Du siehst es jetzt an dir : euer Himmel giebt nur Worte und läßt sie sich mit dem vollen Inhalte einer ganzen Zeit und Ewigkeit bezahlen . Die Hölle aber giebt , giebt und giebt ohne Unterlaß . Sie teilt die ganze Fülle der Glückseligkeit an den durch euch verarmten Menschen aus und will nichts , nichts von ihm dafür , als daß er sie genieße ! Sag , bist du vielleicht schon so tief in eure Lügenhaftigkeit versunken , daß du es wagen kannst , dies leugnen zu wollen ? « Da wich die bisherige Milde aus dem Gesichte des Ustad . Sein Gesicht wurde tiefernst , und sein Auge richtete sich auf den Perser , als ob der Blick desselben alle Bestandteile seines Leibes und seiner Seele aufzulösen vermöge . » Du stehst weit , weit jenseits jener Grenze , an welcher das Geschöpf zum Teufel wird ! « sagte er . » Deine Gedanken besitzen die betrügerische Geschmeidigkeit der Hölle . Wollte ich dich mit Worten schlagen , so müßte ich mit ihnen zu dir hinab in die Dschehenna steigen . Aber ich verzichte auf das Wort , denn ich weiß , daß dich deine eigene That zerschmettern wird ! Im heiligsten der Bücher steht geschrieben , daß die Menschen sich von der Weisheit Chodehs nicht überzeugen und von seiner Gerechtigkeit nicht strafen lassen . Und in den Büchern der Geschichte ist zu lesen , daß sie seine Güte verachten und keine Nächstenliebe haben . Sie sind hartnäckiger als die Teufel , welche sich vom Geiste Chodehs strafen ließen und sich selbst in der Hölle die gegenseitige Hilfe nicht versagen . Was die nicht thun , die ihr Menschen nennt , das thaten die , welchen ihr den Namen Teufel gebt : Sie nahmen das Kreuz auf sich , welches die Folge ihres Sündenfalles war . Nun sollen sie auch die Ersten vor allen Andern sein , die sich der göttlichen Macht der Gnade fügen . Wenn der Himmel über die Hartherzigkeit seiner Erdenkinder weint , werden die Thränen der Erlösung an ihnen vorüber in die Hölle träufeln . Dann wird aus dieser Thränenflut ein Jubel sich erheben . Die Tiefe wird zur Höhe , die Dunkelheit zum Lichte , der Fluch zum Segen aufwärts steigen . Und wer ist der , der dann sich aus dem Abgrund heben wird , um der Erlösung stumm ins Auge zu schauen ? Der ihr dann sagt , daß er in Reue wiederkehren wolle ? Das wirst du sein , Ahriman Mirza , du selbst , der hier vor meinen Augen steht ! Und wenn sich hinter dir die Hölle schließt und vor und über dir der ganze Himmel öffnet , so wirst du selbst , du selbst die Antwort sein , die er dir giebt auf das , was heut die Hölle hier durch deinen Mund gefragt ! - Nun habe ich dir weiter nichts zu sagen . Was du noch vorzubringen hast , das ist der Andern Sache . Ich überlasse dich dem Scheik der Dschamikun ! « Er verließ den Kreis , in welchem er mitten unter uns gestanden hatte , und schritt die grüne Alm hinab , dem Tempel zu . Der Perser verschränkte die Arme über der Brust , warf den stolzen Kopf zurück und schaute ihm nach , bis er hinter dem Rosengebüsch verschwunden war . Dann sagte er in schneidender Ironie : » Ein alter Mann , der nicht mehr denken kann und darum nur noch lieben will , weil er sich ohne Liebe hilflos fühlt ! Wie stolz könnt ihr auf diesen Schwächling sein , der für die Faust , die ich gegen euch ballen werde , nicht eine mutige Antwort , sondern nur die von der Angst geöffnete Hand des Segens hat ! Mit welchem Rechte hat er überhaupt gesprochen ? Ist er ein Dschamiki ? Bei euch geboren ? Er scheint nicht zur Dschemma zu gehören . Er verwies mich auf den Scheik . Warum hat er meine Rede unterbrochen ? Ich sprach zur Dschemma , aber nicht für Andere . Ich wollte euch sagen , weshalb wir eigentlich hierher zu euch gekommen sind . « Da antwortete der Pedehr : » Was du da fragst , geht keinen Fremden an . Wurdest du unterbrochen , so sprich jetzt weiter . Aber fasse dich kurz ! Es ist nur Gefälligkeit von uns , daß wir dir überhaupt Gehör schenken ! « » Welche Güte ! « lachte er . » Ich danke euch ! « Er ließ seine Gestalt eine höchst nachlässige , mißachtende Haltung annehmen und fuhr dann fort : » Ich erzählte von jenen Anhängern Isa Ben Marryams , welche wir , als sie kamen , für Feinde hielten und dann aber ganz im Gegenteile als unsere allerbesten und brauchbarsten Helfer anerkannten . In ihrer inneren Zerrissenheit sorgen sie ja selbst dafür , daß sie uns nie beherrschen können werden . Der Raum zwischen dem Schah-in-Schah und seinem Volke wird von uns und ihnen ausgefüllt . Wer bei dem Herrscher etwas erreichen will , der hat sich an uns zu wenden . So war es stets , und so muß es immer bleiben ! Aber da hörten wir vor einiger Zeit , daß ein Mann beim Schah-in-Schah gewesen sei , ohne uns vorher zu fragen , und daß er einen Stamm regiere , dessen Angelegenheiten alle direkt zwischen ihm und dem Schah-in-Schah entschieden werden , ohne daß man uns Beachtung schenkt . Ja , wir erfuhren sogar , daß jeder Mensch , der diesem Stamme angehört , sich selbst persönlich an den Herrscher wenden könne . Wir erkundigten uns . Es war der Stamm der Dschamikun . Der Mann aber , der sich erdreistet hat , in solcher Weise uns unserer heilig gewordenen Rechte zu berauben , ist nicht etwa ein Dschamiki , sondern ein vollständig Landfremder , von dessen Herkommen niemand etwas weiß . Auch er spricht von Isa Ben Marryam . Auch er redet , ganz wie jene Vorherigen , von Frieden und Versöhnung , von Gnade und Barmherzigkeit . Darum mußten wir ihn für ebenso uns nützlich wie die Andern halten , so lange wir nichts näheres erfuhren . Da aber verbreitete sich das Gerücht , daß die Dschamikun eine große Schar der Massaban gefangen genommen und nach Teheran abgeliefert hätten . Diese Massaban gehören zu uns . Sie bilden zwar keinen Stamm für sich , stehen aber unter unserm ganz besondern Schutze . Auf den Vorschlag eures Ustad hat der Schah-in-Schah , ganz ohne sich vorher bei uns zu erkundigen , diese Massaban nach den Fiebergegenden verbannt , die einer Hölle gleichen . Da wir übergangen worden sind , ist es uns nicht möglich gewesen , dies zu verhindern . Durch diese unerhörte , eigenmächtige That eures Ustad habt ihr euch verraten . Wir haben euch erkannt . Könnt ihr leugnen , daß es wahr ist , was ich erzähle ? « » Leugnen ? « antwortete der Pedehr . » Bei den Dschamikun darf die Lüge nicht wagen , sich einzuschleichen . Und sollte sie sich etwa offen zeigen , so offen , wie heut ihr zu uns gekommen seid , so würde sie genau so weichen müssen , wie ihr am Schlusse des Rennens beschämt abzuziehen haben werdet . « » Das Rennen warte ab ! « fuhr der Perser auf . » Wir verfügen über Pferde von so adeligem Blute , wie - - - « Da fiel der Pedehr schnell ein : » Von so adeligem Blute , wie eure Freunde , die Massaban , besitzen , die Mörder , Räuber und Diebe sind , von denen wir das Land befreien mußten ! Jetzt sage ich dir , was du uns soeben sagtest : Durch diese Freundschaft habt ihr euch verraten . Wir haben euch erkannt ! Ihr seid noch größere Massaban als die , welche der Schah-in-Schah nach der Hölle des Südens schickte ! Nehmt euch in acht , daß ihr ihnen nicht zu folgen habt ! « » Scheik - - - ? Drohst du uns ? ! « erklang es schnell und giftig . » Ja ! « antwortete er . » Der Ustad hatte für dich und euch nur Liebe . Er kann nichts anderes haben . Du lachtest über seine offene Hand des Segens , welche er deiner Faust entgegenhielt . Du nanntest ihn furchtsam , einen Schwächling . So wisse denn : Die geballte Faust , die du von ihm erwartet zu haben scheinst , wird sich dir sicher zeigen , sobald er es für nötig hält ! Ich bin diese Faust ! Wenn ich meine Finger , die Tausende von Dschamikun , zusammenziehe , so giebt das einen Schlag für euch , der euch wohl noch ganz anders treffen würde , als wir jene unglücklichen Massaban getroffen haben , welche nur die Werkzeuge waren , während ihr die Thäter seid . Du hast gehöhnt , daß der Ustad sich ohne Liebe hilflos fühle . Er ist nicht ohne Liebe . Wir alle lieben ihn ; das ist genug ! Und er ist der Gebieter dieser Faust , auf deren Stärke er sich stets verlassen kann ! Ich habe vorhin den Multasim gewarnt ; jetzt warne ich dich : Zwinge mich nicht , mein Wort zurückzunehmen ! Du selbst wirst es mir brechen , sobald du abermals beleidigend wirst . Hüte dich , so weiter wie jetzt aus deiner eingebildeten Höhe zu uns herabzusprechen ! Thust du das noch einmal , so stecken wir euch zu euren edlen Kavalleristen , die jedenfalls ebenso adeligen Blutes sind wie die Massaban und auch ihr ! « Man sah Ahriman Mirza an , daß diese Rede des Pedehr aufregend auf ihn wirkte ; aber die Sorge , daß dieser seine Drohung wahrscheinlich ausführen werde , veranlaßte ihn , sich zu beherrschen . Er fuhr mit den beiden Daumen hüben und drüben hinter seinen Gürtel und krallte die übrigen Finger um die in demselben steckenden Waffen . Dadurch wurde das Gürtelschloß frei , welches ich bis jetzt entweder nicht gesehen oder nicht beachtet hatte . Nun aber zog es meine Aufmerksamkeit derart auf sich , daß ich mir Mühe geben mußte , sie geheimzuhalten . Auf dem goldenen oder vergoldeten Grunde dieses Schlosses war nämlich ein silberner Ring angebracht , der ein Sa und ein Lam umschloß , welche beiden Buchstaben über sich das Verdoppelungszeichen hatten . Ahriman gehörte also zu den Sillan , und wie es schien , bekleidete er in dieser geheimen Verbindung einen hohen Rang , vielleicht gar den allerhöchsten ! Ich hatte dieses Zeichen bisher nur an Fingerringen gesehen . Daß er es so groß und deutlich an dieser augenfälligen Stelle trug , konnte keinen anderen Grund als den angegebenen haben . Hatte ich ihn bisher schon an sich für einen ungewöhnlichen Mann halten müssen , so war er nun auch in besonderer Beziehung zu den Sillan zu distinguieren . Freilich ließ er mir nicht Zeit , diesen meinen heimlichen Betrachtungen nachzuhängen , denn er sprach jetzt weiter , und zwar schnell ; in abgerissenen Sätzen , denen man es anhörte , daß er so rasch wie möglich zu Ende kommen und nicht gegen die Warnung des Pedehr verstoßen wolle . Eigentümlicherweise gebrauchte er jetzt nicht mehr die erste Person der Mehr- , sondern der Einzahl . Er verriet hierdurch den Druck , den die Drohung des Scheikes auf ihn ausübte und gegen den sich sein Selbstbewußtsein so gern aufgebäumt hätte und aber doch nicht konnte . » Ich durfte das nicht länger dulden , « sagte er . » Ich beschloß , selbst hierher zu gehen . Ich mußte diesen fremden Ustad sehen . Ich hatte zu erfahren , wie es bei euch steht . Ich wollte vor allen Dingen nach eurer Liebe suchen . Ich brauchte dazu keine lange Zeit . Ein kurzer Besuch genügte . Meine Augen sind scharf . Es entgeht ihnen nichts ! Ich nahm mir vor , euch zu - - - « Hier hielt er inne . Er hatte wohl etwas sagen wollen , was er nun mitten im Satze als eine Unvorsichtigkeit erkannte . Dann sprach er weiter , immer nur im Ich : » Ich kam zu den Kalhuran . Ich hörte , was dort geschehen war . Ich erfuhr , daß die Mörder zu euch seien . Ich sah eure Boten und sprach mit ihnen . Ich richtete es so ein , daß wir eher wieder abritten als sie . Ich erfuhr , daß ihr den Mördern des Muhassil Schutz gewährt . Ihr fürchtet euch nicht , dies zu thun . Ist das die gewöhnliche Liebe , die kein Opfer bringt ? Auf alle Fälle aber war es kühn von euch ! Ich hörte von euren fremden Gästen . Ihr habt sie aufgenommen und wochenlang gepflegt . Die Krankheit war ansteckend , außerordentlich gefährlich für euch . Ist das die Liebe , die kein Opfer bringt ? Wir kamen hier an . Ich sah euer Hohes Haus , euer Beit-y-Chodeh . Ich hörte eure Musik und eure Lieder . Ich spreche nicht davon . Dieses Geplärr ist mir zuwider ! Ich redete mit diesem lächerlichen Tifl . Das kleine Kind ließ mich auf die Erwachsenen schließen . Was ich noch sah und hörte , wißt ihr selbst . Es war und ist und bleibt genug für mich ! Und nun - nun - - nun ? « Er schaute zum Tempel hinab und dann hinüber , rund um das ganze Thal . Seine Augen leuchteten . War das Wohlgefallen oder Mißfallen ? Man sah es ihm nicht an . Hierauf ließ er den Blick im Kreise über die ganze Dschemma gehen . Seine Hand fuhr nach den Augen und legte sich über sie . Kam der tief aufseufzende Atemzug , den man jetzt hörte , aus seinem Munde ? Er hatte einen Rundblick über das Paradies der Dschamikun gehalten . Tauchte jetzt , bei zugehaltenen Augen , in seinem Innern das Bild eines anderen , noch herrlicheren auf ? Als er die Hand nun wieder fallen ließ , kam es mir vor , als ob seine Wange plötzlich eingefallen und bleicher sei . Der dunkle Bart zuckte um seine Lippen , und seine Stimme zitterte leise , indem er das Wort von neuem ergriff : » Wäre euer Ustad hier , so würde ich ihm jetzt auch ein Märchen erzählen , nicht aus Tausend und eine Nacht , auch nicht aus seinem Tausend und ein Tag , sondern aus Tausend und eine Qual . - - - Es giebt Einen , den ich glühend , glühend hasse . Und wahrlich , wahrlich , ich weiß , daß es ihn giebt ! Und es giebt ein Buch , welches ich vernichten möchte , daß kein Blatt , keine Zeile , kein Buchstabe übrig bliebe ! Dieses Buch sagt von diesem Einen : Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag , der gestern vergangen ist . Würde ich einem Menschen gebieten , ein Buch über mich , mich , mich zu schreiben , so müßte darin zu lesen sein : Tausend Qualen sind vor dir wie ein Lächeln - - - wenn sie vergangen sind ! Aber diese eine , eine , letzte , die nach den tausend früheren kam , sie ist die fürchterlichste , die entsetzlichste , die unbeschreiblichste , weil sie niemals , niemals , niemals enden wird . Sie muß ewig sein , weil jener Eine , Eine ewig ist ! « Er beugte den Kopf und stand zusammengesunken da , als ob er zusammenbrechen wolle . Da aber richtete er sich plötzlich wieder auf und sprach in wieder energischem Tone : » Rückblicke , wo doch niemand je zurückkann ! Weder der Mensch , noch der Teufel , noch die Hölle ! Ich komme zum Schluß . Ich mache euch einen Vorschlag . Ihr sollt ihn hören . Anzunehmen braucht ihr ihn heut noch nicht . Ich gebe euch Zeit bis zum Tage des Wettrennens . Da sollt ihr mir sagen , was ihr beschlossen habt . Also hört ! « Unweit von uns saß Tifl mit einigen Männern , mit denen er sich unterhielt . Pekala , welche jetzt nicht mehr mit Speiseangelegenheiten beschäftigt war , hatte sich zu ihnen gesellt . » Das Kind « schaute soeben zu uns herüber . Da winkte der Perser ihm zu , näherzukommen , und setzte dann seine Rede fort : » Ihr seht mich heut zum erstenmal . Auch mein Name war euch bisher unbekannt . Ihr wißt also nicht , wer und was ich bin , werdet es aber erfahren , sobald ihr meinen Vorschlag angenommen habt . Ich bin der oberste derer , durch welche man mit dem Schah-in-Schah verkehrt . Meine Freundschaft kann selig machen , und meine Feindschaft kann verdammen . Das ist mein altes Recht , welches ich mir nicht nehmen lasse . Wer es antastet , richtet sich zu Grunde . Euer Ustad hat sich an diesem Rechte vergriffen . Ich sollte ihn wohl eigentlich verderben . Die Macht dazu ist in meinen Händen . Aber er gefällt mir , und auch ihr habt mir gefallen . Ich weiß , daß ihr einen vom Beherrscher eigenhändig unterschriebenen Vertrag besitzet . Ich könnte ihn euch abverlangen . Oder ich könnte den Schah-in-Schah veranlassen , ihn für nichtig zu erklären . Dann wäre es mit euch aus . Ich würde mit Militär kommen und euer Gebiet besetzen , um euch zu vertreiben . Viel mitzunehmen würde euch wohl nicht bleiben . Ihr kennt ja unsere Macht und unsere Art. Dies alles werde ich thun , ganz unbedingt und sicher , wenn ihr meinen Vorschlag von euch weiset . Ich bin aber überzeugt , daß ihr zu klug seid , dies zu thun . Ich möchte euch Freund sein und Freund bleiben . Ihr sollt euern Ustad behalten , euer Land , euer Eigentum und alle eure Rechte . Es soll bei euch alles und jedes genau so bleiben , wie es ist . Ich will nichts , gar nichts von euch haben , sondern ich will euch ganz im Gegenteile etwas geben , etwas so Seltenes und Köstliches , daß die Großen des Reiches alle ihre Finger danach lecken . Ihr hört und seht , wie gut ich es mit euch meine . Ich bin als euer wahrer , als euer bester Freund zu euch gekommen . « Er ließ seine Augen wieder im Kreise herumgehen ; sie trafen selbstverständlich auf sehr erwartungsvolle Gesichter . Der Pedehr aber lächelte still vor sich hin . Niemand sagte ein Wort . Darum fuhr der Perser fort : » Macht euch klar , was ich euch bringe ! Auf der einen Seite ist euch tiefste Armut , Vertreibung über die Grenze , wohl gar Vernichtung gewiß . Auf der anderen Seite behaltet ihr alles : es bleibt alles genau so , wie es ist , und ich bringe euch dazu noch ein Gnaden-oder auch Ehrengeschenk des Schah-in-Schah , um welches euch das ganze Land beneiden wird , weil es euch noch inniger mit ihm verbindet . Sag , was du denkst , o Scheik ! « » Du scheinst mächtiger und gütiger zu sein , als sogar der Himmel . Selbst Chodeh giebt nicht mehr , als man besitzt . Wir haben genug . Laß uns das ! « » Hast du einen Sohn ? « » Nein . « » Ich hörte es . Er ist tot . « » Ermordet von deinen Massaban ! « » Das ist vorüber ! Hast du eine Tochter ? « » Nein . « » Wer ist dein Erbe ? « » Der Stamm wird es sein . « » Wer wird nach deinem Tode Scheik ? « » Der , welchen die Dschemma wählt und unser Ustad bestätigt . « » Kann er schon vorher gewählt werden ? Also wenn du noch lebst ? « » Ja . Ich wünsche sogar , daß es geschehe . « » Hierauf bezieht sich mein Vorschlag . « » Maschallah ! Du willst dich in die Wahl meines Nachfolgers mischen ? « » Nein . Es soll gar nicht gewählt werden . Ich will ihn euch bezeichnen . « » Wer soll es sein ? « » Tifl . « Man kann sich die Wirkung dieses einen , kleinen , einsilbigen Wörtchens denken ! Aber niemand sprach . Tiefe Stille herrschte rundum . Auch der Pedehr schwieg , doch war jetzt sein Lächeln ein ganz anderes als vorher . » Also Tifl wird als zukünftiger Scheik gewählt , « setzte der Perser seine Rede fort , » und der Schah-in-Schah giebt ihm eine Frau . « » Das also ist das Gnaden- oder Ehrengeschenk ? « fragte der Pedehr . » Ja . Ein kostbares Geschenk , denn sie ist die Tochter eines Freundes von mir , der Prinz ist und also den Titel Mirza hat . Ich sehe , daß ich mich nicht in euch getäuscht habe . Ihr scheint vor Entzücken über dieses unerwartete Glück ganz starr zu sein . « » Macht das Entzücken starr ? « » Ich denke es . Die Sprache hat es dir aber nicht geraubt . Was hast du mir zu sagen ? « » Ich ? Hier kann doch wohl nur der , den es betrifft , zu sprechen haben . Tifl , komm her ! « Der Gerufene trat näher . Er lachte am ganzen Gesicht ; aber es war ein Lachen deutlichster Verlegenheit . » Hast du gehört , was gesagt worden ist ? « fragte ihn der Pedehr . » Ja , « antwortete das Kind . » Was sollst du werden ? « » Scheik . « » Willst du ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Ich bin ja viel zu dumm dazu ! « » Aber das ist ja grad der Grund , weshalb er dich vorgeschlagen hat ! « » Wenn er so dumm ist , wie er denkt , daß ich bin , so mag er es selber werden ! « » Jetzt hältst du dich aber doch wieder für klug ! « » Auch das ist richtig ! « » Wieso ? « » Um Scheik zu sein , dazu bin ich zu dumm . Und um mich zum Scheik machen zu lassen , bin ich zu klug . Eben weil ich mich für dumm halte , bin ich gescheit . Bei diesem Perser aber ist es umgekehrt : er hält sich für gescheit und ist folglich dumm ! « Das war ein urechtes Tiflwort . Alle lachten , nur Ahriman Mirza nicht . » Noch etwas , lieber Tifl ! « fuhr der Pedehr fort . » Hast du alles gehört ? « » Ja . « » Auch daß du eine Frau bekommen sollst ? « » Auch das . « » Was meinst du dazu ? « » Ich mag keine . « » Aber sie ist eine Prinzessin ! « » Umso schlimmer ! « » Also nicht ? « » Nein ! Wenn ich mir eine Frau nähme , so könnte es doch wohl keine andere sein als meine Pekala . Die bäckt und kocht . Die kann alles und thut alles . Die erzieht mich sogar . Eine Prinzessin aber müßte ich erziehen , und das ist mir nicht einmal bei meiner Pekala eingefallen und kann mir also bei einer Fremden erst recht nicht einfallen ! « » Aber du sollst doch von ihr erzogen werden ! Das ist es ja eben , was dieser Ahriman Mirza will ! Einen dummen Scheik der Dschamikun mit einer verschmitzten , arglistigen , ränkevollen Frau , welche ihren Anhang mit allen Fehlern , Gebrechen und Sünden , an denen wir dann langsam zu Grunde gehen sollen , mit zu uns bringt ! Und das bezeichnet man als ein Gnaden- und Ehrengeschenk des Schah-in-Schah ! Solche Geschenke giebt die Hölle , aber nicht der Beherrscher , der nur das Gute will ! Uebrigens , mein lieber Tifl , will ich dir ein Wort der Wahrheit sagen . Schau dir den Perser an ! Genau ! « Tifl that es sehr eingehend . » Bist du fertig ! « fragte dann der Scheik . » Ja . « » Gefällt er dir ? « » Nein ! « » Uns auch nicht . Auch wir gefallen ihm nicht , obgleich er , um uns zu überreden , das Gegenteil behauptete . Das war aber von ihm gelogen . Er hat sich über dich lustig gemacht . Er kennt dich nicht , deinen Mut , deine Gewandtheit , deine Fertigkeiten , deine Treue und Liebe , dein reines Herz , dein tiefes Gemüt und alle , alle die tausend Himmelsgaben , die dir von Chodeh verliehen worden sind . Er ist genau und wirklich das , was du vorhin von ihm sagtest : dumm ! Wenn der neue Scheik der Dschamikun jetzt gleich bestimmt werden sollte und wir hätten die Wahl zwischen dir und ihm , so versichere ich dir , daß wir dich wählen würden ; er aber müßte mit einer Nase abziehen , die gewiß zehnmal größer wäre als