Fledermaus der Langeweile , Die mich hetzt in allen Ecken . Ach , es ist nicht mehr der Reiz der Sinne , Denn ich weiß , was ich dabei gewinne : Einen Katzenjammer besten Falles , Einen schnöden Kitzel - das ist Alles . Wird mein Wille mich denn nie erretten Von den langgetragenen schweren Ketten ? Ja , ich thue einen großen Schwur : Will mit einem Rucke sie zerreißen , Tilgen jedes Sündenbrandmals Spur Und den innern Moloch von mir schmeißen . Liebe war es oft , die mich verführte Und mit Leidenschaft das Herz mir rührte - Kalt und ruhig blick ' ich nun umher , Keine Liebe kann mich locken mehr . Es leuchtet in meines Innern Haft Die Central-Seele der Welten . Doch auch die Flamme der Leidenschaft , Sie lodert daneben - was hilft das Schelten ? Vom Herbstwind eine Frühlingsblum ' geknickt Sahst Du noch nicht ? Dein Auge leicht dies Phänomen erblickt : Mein Angesicht . Elender , sieh Dein Bild in diesem Spiegel ! Die Lippe blaß , die Stirne düster ! Ehrloser Lüste und des Grames Siegel In jeder Falte ausgeprägt . Ach ! Meiner Sünden Leiden trägt Dies Antlitz , wüster , immer wüster . Ich dämmte in mir meiner Liebe Fluth Und barg voll Muth die innerliche Gluth Und widerstand den Augen , die mich riefen : » Was zauderst Du ? O laß den Blick , den kalten ! Soll ich vor Dir denn noch die Hände falten ? « Die Zweifel , Zorn und Kummer , die schon schliefen , Weckt ' ich auss neu , um mich ihr fern zu halten . Denn so nur in dem selbstgeschaffnen Leid Könnt ' ich das Werk vollenden , das ich plante : Die Zukunftsschöpfung meine Seele ahnte , In der mein Gram ward zur Unsterblichkeit . O könnt ich nur einmal die Liebesqual , Bekennen , mich stürzen zu Deinen Füßen , Und auf sie drücken das Henkermal Wuthbrennender Küsse , die Lust zu büßen ! Um Deine Kniee mit heimlicher Gier Meine Arme brünstig stehend verschränken , Deine zitternde Hüfte umspannend , zu mir Deinen wallenden Busen , niedersenken . Und immer weiter tasten jetzt Auf taumelnder Inbrunst Stufenleiter , Bis meine lüsterne Lippe zuletzt Vom Nacken kostet weiter und weiter . Bis die zarte Wange an meiner lehnt ! O könnt ich das Eis Deiner Keuschheit schmelzen ! Ha , wie der Verschmähung Rache sich sehnt , Dich schwelgend durch Höllensümpfe zu wälzen ! Paulus Hartung . Grabesseufzer an Serafina . Die Perle birgt sich in der tiefen Muschel , Brich sie heraus , so stirbt das Muschelthier : Zur Liedesperle formt sich die Empfindung . Doch ach ! das Herz es bricht darüber Dir . O sage nicht , daß dahin Deine Zeit Und daß Deine Schönheit zu früh verblüht Und daß Deine Jugendfreudigkeit In der Schwermuth Asche für immer verglüht . Einst streifte Dein Falkenauge nmher , Deiner Schönheit Beute suchte es sich . Nun senkt Dein Blick sich liebeschwer , Wie der Taube , die nie vom Neste wich . Und ist Dein Schritt nicht mehr so leicht ? Doch kehrte ich aus der Fremde zurück , Entgegen eiltest Du mir vielleicht So schnell , wie früher im Jugendglück . Und wäre auch Deine Schönheit verblüht , Sie blühte weiter im Herzen mir . Denn ewig bewahrt ein liebend Gemüth Die Rose der Erinnerung hier . Ich möchte stehn , wo wie ein flinker Aar , Deß Fittich leuchtet in der Sonne klar . Wie weiße Federn sträubend seine Wellen , Herniederstößt vom Berg der Wasserfall , Bis am Granit die Fänge ihm zerschellen . Wie Banner Wassersäulen wehn , die hellen , Durchwirkt mit Gold , Rubinen und Smaragd , Und schmetternd rollt es , wie Drommetenschall , Wie Pauken wirbelt es in dumpfem Takt , Und höher , dichter thürmt sich Wogenschwall , Als lärme eine Heerschaar von Rebellen In diesem Höllenschlunde , von Dämonen , Die mächtig rütteln an den Felsenthronen , Bis sie sich selbst erobert Sonnenkronen . Hier möcht ' ich stehn an des Verderbens Quellen , Wo aus dem Abgrund dumpfe Schreie gellen . Trüb war mein Blick von unvergossenen Thränen , Mein Auge noch Dein Auge mied . Daß Du verbergen wolltest , konnt ich ' s erwähnen , Wenn sanft Du niederschlugst das Lid , In Deinem Auge nur den Widerschein . Verstohlenen Mitleids , das mir galt allein ? Ein Augenblick hat mir Dein Herz erschlossen , Zum Tag des Glücks bin ich erwacht . Auf welke Herzensblumen hat ergossen Des Friedens Thau sich über Nacht . Als Deine Lippe zitternd mich berührt , Ward jedes Leidens Schatten mir entführt . Und neue Sonne lag in Deinem Blicke . Von mir Du fortgezaubert hast Mit süßer Ueberredung die Geschicke , Die lange mich verwandelt fast In eine Mißgestalt , ein Zwittersein , Ein falsches Wesen , dessen Kälte Schein . Doch jetzt fällt ab von mir die feige Hülle Und ich bekenne laut und frei All ' meiner Liebe Uebermaß und Fülle , Werf ' ab des Stolzes Sclaverei , Der mich vermummt ins fade Geckenkleid . Frei will ich nun bekennen Lust und Leid . Ich bin ein Künstler . Und das wahre Siegel » Von Gottes Gnaden « ist Dein Mund . Dein Aug ' ist meiner eignen Seele Spiegel , Ich schaue deutlich bis zum Grund In der Gefühle Strom , den Quell der Triebe . Mein Auge schärft der Sonnenstrahl der Liebe . Daß ich ein Künstler , fühl ich erst durch Minne : Jetzt springt die Fluth des Himmelsquells , Den noch verbarg der grobe Staub der Sinne Und des Verstandes kalter Fels . Der Muse Gruß ist der Geliebten Lippe , Und wahre Liebe wird zur Aganippe . Gedanken bleichten Deiner Wange Glanz , An ihrer weißen Rose zehrt der Gram . Doch würde Freude oder holde Scham Umwinden sie mit rötherm Rosenkranz , Fürcht ' ich , daß dieser rauhere Schimmer ganz Die wahre Anmuth Deinem Antlitz nahm . Zu früh der Sturm der Leidenschaften kam , Wollüstig wirbelnd Dich im Lebenstanz . Der Reue Dorn an Deinen Blüthen nagt , Der Unschuld Frische ist Dir nicht geblieben , Nur Liebesthau Dein welkes Herz erfrischt . Zu brechen ach ! Dich meine Hand nicht wagt , Ich scheue jenen Dorn trotz allem Lieben , Denn Deiner Farben Schmelz scheint nur verwischt . Wie Moses , der geschaut das heilige Feuer , Nicht sagen konnte , was er dort entdeckte , So auch mein Geist für immerdar bedeckte Meine Gedanken mit der Liebe Schleier . Eh mögen meine Haare mir erbleichen , Eh ich bekenne , was ich oft gelitten . Wohl hast mein Herz Du mittendurch geschnitten , Doch keine Thräne siehst Du niederschleichen . Kein Blut so locken dreischneidige Klingen Aus Wunden , innerlich verblutend , schweren , Doch Todesblässe sie den Wangen bringen . Auch Du vermißt in meinem Auge Zähren , Wenn Deiner Worte Dolche mich durchdringen , Mein bleiches Antlitz aber sollst Du ehren . Zwei Sterne waren ' s und ein Glanz von Rosen , Weißröthlich als ob Schnee darüber flockte , Das war ' s , was in der Liebe Schlinge lockte Mich schon Erstickenden und Odemlosen . Ich brenne , brenne . Ströme nicht noch Meere Verlöschen meine Gluth , doch brenn ' ich gerne . Entzündend mich an ihrem Augensterne , Aufs neue stets ich weiter mich verzehre . Ja , wie ein Phönix in die Flamme springe Ich selber , die an meinem Marke prassen ! O wie viel süßer wäre doch die Schlinge , Wenn ihre Arme wollten mich umfassen , Und glichen sie dem heißen Feuerringe ! Wohl bin ich frei , doch bin ich glückverlassen . Todtenlied auf die Geliebte des Kalifen . Wehe , wehe über diese Todte , Die der Sturm gepflückt in ihrem Lenze , Eh der Gluthstrom ihrer Brust verlohte - Sie die Herrin in dem Land der Tänze ! Sie die Herrin in dem Land der Sänge , Sie die Herrin in dem Land der Rosen - Laßt drum ihrer Heimathlieder Klänge Ihre fliehende Seele noch umkosen ! Auf die schwarze Gruft laßt niederflattern Weiße Rose , die zu Schiras sprießet ! Denn als Pflicht geziemt es den Bestattern , Daß ihr schönes Leben schön sich schließet . Nun hat sie das erste Leid betroffen , Daß auch dieses wandelt sich in Gnade : Früh steht Allah ' s Sternensaal ihr offen Und zum Tubabaum ziehn ihr Pfade , Während wir die Häupter niedersenken , Sündenreif , der kargen Erndte harrend , Und erst spät zum Grabe wankend lenken , Fast willkommen uns entgegenstarrend . Sie ist glücklich ! Darum auf , Gebieter , Welchen mehr , als uns , sie hat verlassen ! Warum willst Du , ihres Leichnams Hüter , Deiner Jugend Mark in Gram verprassen ? Dreier Tage Lauf ist Dir verstrichen , Speis und Trank versagend Deinem Munde - Bleich wie sie , die Dir und uns verblichen , Stierst Du starr und schweigend in die Runde . Wartest , ruhend neben ihrer Leiche , Kalt wie sie durch Dein erbittert Härmen , Ob Dein warmer Odem wohl sich schleiche In die Adern ihr , das Blut zu wärmen . Doch genug ! Erhebe Dich , Kalife ! Wenn der Liebe Freuden auch geschlossen , Ist Dir ' s nicht , als wenn Drommete riefe Oder Schnauben von beherzten Rossen ? Und Dein Reich , Kalif , es ruft Dich strenge , Daß den Scepter fremde Hand nicht fasse ! Ferne hör ' ich tausendstimmige Menge , Feindestritte hör ' ich nahn , erblasse ! Nein , erröthe in gerechtem Zorne ! Laß die Todten und das Leben wähle , Daß an unstillbarer Sehnsucht Dorne Nicht verblute Deine starke Seele ! Also hätte ja auch Sie gesprochen , Wenn der Feinde Schaaren Dich umdrohten ! An dem Feinde sei ihr Tod gerochen : So gedenk ' , o so gedenk ' der Todten ! Rafael Haubitz . Aus dem Morast der Sansara . Jüngst im Traum durch Kaschmirs Hain Schritt ich hin auf weichem Rasen , Wo Jungfrauen , selbst ein Kranz , Rosen sich zum Kranze lasen . Und ich wollte lechzend schon Meine Auges Gluth versenken In den Blick der schönsten Frau , Sinn und Seele , all mein Denken . Wollte an mein fiebernd Herz Ihren weißen Busen pressen Und in wilder Liebeslust Zeit und Ewigkeit vergessen . Ich erwachte . Nacht um mich . Einsam war ich und verlassen . Todte Nacht , nur einzeln schlich Noch ein Schwärmer durch die Gassen . Wie unschuldsrein sind Deiner Lippen Rosen , Wie jugendfrisch und rosig Deine Wangen , Wie weiblich sanft Dein schmeichlerisches Kosen ! Doch tief im Herzen wohnen giftige Schlangen . Längst ward es ein Morast , in dem versunken Ein jedes reinre Fühlen , schmutz-getödtet . Dort wohnt das Irrlicht nur und finstre Unken . War diese weiße Stirn je schamgeröthet ? War früher je Dein Herz ein Friedensweiher , In dem sich spiegelte der Stern der Reinheit ? Die Taube Weiblichkeit , hat sie der Reiher Der Noth verscheucht vom Sumpfe der Gemeinheit ? Ach , überm giftgen Abgrund fliegt die Taube Verzweifelt hin und wieder in der Herde Der Fledermäuse , flügel-lahm ihr Glaube Und fern die Hoffnung auf die Heimatherde . Sie winkt am Sumpfessaum , ein grüner Anger - Umsonst ! Nachtfalter schwirren dicht und dichter , Die Taube stürzt sich , flatternd bang und banger , Betäubt hinab , ihr eigener Vernichter . Doch bist Du eine Taube , süße Schlange ? Warst Du es je ? Du plätschertest mit Wonne Im heimathlichen Kothe wohl schon lange - Du mit dem reinen Antlitz der Madonne ! Denn keinen Flecken ließ das Schmutz-Geträufel Auf Deinen holden Zügen . Zu der Katzen Geschlecht gehörst Du , Engel halb , halb Teufel . Wie möchten Deine Tatzen mich zerkratzen ! Doch sehnsuchtsvoll singst Du Sirenen-stimmig , Als sehne sich Dein Herz nach reinerm Fühlen . Folgt ' ich Dir aber , würdest Du mir grimmig Das Herz zerreißen , um damit zu spielen . Gleich wie mit zartem Pfötchen sich ein Kätzchen Ein Mäuslein fängt als Spielzeug - wie possirlich ! So würdest Du mich Stück für Stück , mein Schätzchen , Zerfleischen - doch wie zierlich und manierlich ! Du echtes Weib ! Das Weib schon eine Sphinx ist , Liebe im Auge , Wollust in den Adern . Und wer im Bann des Liebeszauberrings ist , Soll mit der Fee , die ihn behext , nicht hadern . Sie übt nur ihr Metier , wer will drob schmälen ? Und das , mein Kindchen , euch am meisten kitzelt , Selbst wenn ihr wiederliebt , die Lieb ' zu quälen . Das Mündchen seinen eignen Kuß bewitzelt . Denn wenn auch wahre Leidenschaft euch schmeichelt Und ihr sie sucht und anfacht , so verlogen Ist die Kokette , daß sie Kälte heuchelt , Bis es zu spät ist und der Traum verflogen . Mein flammend Herz das ist ein Tabernakel , Zu Weihrauch dort verbrennen Deine Mängel : Aus dieser Gluth , abschmelzend allen Makel , Ein Phönix , neuverjüngt , rein wie ein Engel , Wirst Du entsteigen , die Du aus dem Schlamme , Wie Venus aus dem Meere stieg , entstiegen Mit keuscher Anmuth . Meiner Liebe Flamme Soll zu dem Scheine noch die Wahrheit fügen . Denn wer versteht unschuldig noch zu scheinen , Wer äußerlich den schönen Schein bewahrte , Wird innerlich , daß es nur Schein , beweinen . Und , wenn sich wahre Liebe offenbarte , Weit klarer ihre Lieblichkeit erkennen . Dem Christus folgt zuerst die Magdalene , Denn Er vergiebt . Wo seine Küsse brennen , Da trocknet die nutzlose Reuethräne . Reue ? Warum ? Blieb lauter nur die Seele Und kann sie nur zur Liebe sich erheben , So schwinden alle äußern Sündenfehle . Wer viel geliebet , dem wird viel vergeben . Frohsinn wird dann verschönen Deine Züge , Aus Thränen sprießen blumenreine Triebe . Verbanne von den Lippen jede Lüge Und glaube was Du ahnst : Daß ich Dich liebe ! Die unverdiente Schmach erdulden müssen Und selbst verdiente ist wohl bittre Pein . Und bitter , an des Grames schwarzen Flüssen Umirrend , fern dem Quell des Trostes sein . Vom Heim und seinen Lieben fortgerissen , Das Meer durchmessen einsam und allein , Zu suchen Sicherheit am fremden Porte , Nie zu betreten mehr vielleicht der Heimath Pforte . Es ist wohl bitter , wenn ein König Dich , Ein Volk , dem Du Dein bestes Blut geschenkt , Mit einem Tritt fortschleudert . Sicherlich Des Undanks Wort und That Dich bitter kränkt . Und Haß , der in des Freundes Herz sich schlich , Durch grundlose Verleumdung nur gelenkt , Ist bitter , bitter höhnende Verachtung , Und einem stolzen Sinn noch bittrer : Nichtbeachtung . Gekränkte Ehre bitter einem Ritter , Und in des Kriegers Brust das kalte Erz , Der mit sich fallen sieht sein Land und bitter Um ein zertretnes Vaterland der Schmerz . Und bitter , wie ein luftversperrend Gitter Den Kranken und Gefangnen , quält das Herz Der falsche Stolz , der , wenn ' s nach Liebe ringt , Aus eitlem Eigensinn und Trotz sich selbst bezwingt . Verkannt zu werden bitter und noch mehr ; Verstanden nicht zu werden . Bitter Tod Im Kern des Lebens . Bitter einem Seh ' r Vorauszusehen seines Volkes Noth . Bitter , stirbt eine Sendung stolz und hehr Mituns , zu sterben . Bitter ist das Brot Der Armuth , bittrer noch ist Sündengeld . Verschmähte Liebe scheint das Bitterste der Welt . Und dennoch Dinge giebt ' s , die bittrer sind Für Seelen stark und fest , wenn auch nicht rein , Und edel , wenn auch kalt . Wie Schauer rinnt , Dies bitterste Gefühl durch Mark und Bein . Lieben und nicht geliebt zu werden find ' Ich eine Wonne neben solcher Pein . Was ist vom Bittern übrig denn geblieben ? Es ist : Geliebt zu werden und nicht wieder lieben Wenn taufendfach ich umdräut von Weh , Wenn rastlos steigt der Leidenssee Und zur Krisis drängt das Lebensfieber , So ist mir wahrlich dies noch lieber , Als wenn ein einzeln nagender Kummer Vergiftet den zufriedenen Schlummer . Wie ich Dich liebe kann ich nimmer sagen , Nie habe mein Geheimniß ich gebrochen : Ich will es ohne Klagen weiter tragen , Der Gram bleibt ungeheilt und ungesprochen . Denn Scham muß ein Bekenntniß mir verwehren : Ich würde vor mir selber mich entehren . Ich halte nächtlich Dich im Traum umfangen , Ich kühle meine Gluth an Deinen Lippen Und schmieg ' an meine Deine blassen Wangen , Am Necktar höchster Wonne darf ich nippen . Doch Morgens ließ der Traum mir nichts als Thränen Und ungestilltes unzähmbares Sehnen . O knisterndes flammendröthliches Haar , O schwüle Farbe der Wangen ! Dein Rehaug ' blickt so klug und klar , Als kenne es kein Verlangen . Der Geist so herrlich entfaltet und Die Rede so weise-gemessen ! Wir schließen wahrhaftigen Seelenbund , Der Leib wird fast vergessen . Das äugelt so keusch , das girrt so sanft , Doch unter den Wimpern es lodert , Und die Scham wird plötzlich zu Boden gestampft Und fleischliche Opfer gefodert . Hingebende Wuth , die einander trutzt ! O rasende Sehnsucht der Sinne ! Bald hast Du Simson abgenutzt , O Astaroth der Minne ! Begierde ist ein Fieber-Rausch : Mein Fieber Austobte im Delirium Und kalt durchfröstelt es mich drum . Ach , rationelle Heizung wär mir lieber ! Der innere Verbrennungsprozeß Wird delirium tremens durch Exceß . Man sagt , dem Säufer schlage zur Kehle Heraus die Flamme vom Alkohole , - O schlüge die Flamme aus meiner Seele - Erkaltende Asche , verglimmende Kohle Könnt ' ich nur all meinen Spiritus Phosphorisch leuchten lassen zum Schluß In einer Geistesflamme ! Statt dessen Die Flammen nach Innen weiterfressen , Den wahren Zündstoff so verzehrend , Des Schaffens Ausbruch ihm verwehrend . Mitternacht ist lange schon vorüber . Einsam irr ich durch die regennassen Von dem Morgenwind durchheulten Gassen . Röthliche Laternen brennen trüber . Fort die Kaufmannsstraße lang-langweilig ! Rings im Ehebett schnarcht der Philister . Schnee und Hagel , tückisches Geknister . Und den Tod im Herzen , weiter eil ich . Schaudernd hin am kalten schwarzen Flusse ! Springe ! Welt und Gott hat Dich verlassen . Warum blöde nur das Dasein hassen ? Wirf es ab mit einem raschen Gusse ! Wer im Strom des Genusses zu baden gewillt , Darf nimmer zaudern und zagen , Wo die Naphtaquelle der Wollust quillt , Hineinzutauchen wagen . Ausbranden muß sich die Leidenschaft , Bis der letzte Schaum zerronnen . Vergeudet ist nur die geopferte Kraft , Wenn nicht durchgekostet die Wonnen . Den Wermuth schüttelst vom Mund Du Dir , Den Kelch zur Hefe genossen ! Doch grämelt die halb gesättigte Gier Ueber Freuden , die halb zerflossen . Und willst Du Dich spröde entziehen der Lust , Wird heimliche Brunst Dich verzehren . Einlullt die Wollust die müde Brust , Wird Dir Behagen bescheeren . Und wenn Dir das Laster Gewohnheit wird , So wolle es nicht mehr bezwingen ! Folg ' der Gewohnheit unbeirrt , Die Tugend kann nie mehr gelingen ! Mit einem feierlichen » Pfui ! « unterbrach hier Dr. v. Feichseler die Vorlesung der einzelnen Stücke . » O wie widerlich , wie widerlich ! Diese Versündigung an sich selbst , dies Wühlen in Unzucht und Größenwahn ! Wohin , meine Herrn , wohin flieht die Moral , die Moral ! « Die kahle Glatze des eleganten Männchens strahlte von sittlicher Entrüstung . Alle Haare , die er je verlor , schienen sich in Gedanken emporzusträuben . So vertheidigt man nur die Moral , wenn man die traurigen Folgen kennt , welche das Abirren vom Pfad der Tugend strafen . War er nicht besonders berufen , als getreuer Ekkart zu warnen , er , den der Venusberg in stürmischer Jugend so grausam gerupft ? » Mich chokirt weniger die Immoralität , « docirte Dondershausen , » als die Zuchtlosigkeit dieser jungen Schwärmer . Wie kann man dichten , ohne ein Privatissimum in der Logik und exacten Philosophie gehört zu haben ! Kant ' s Kritik der reinen Vernunft , meine Herrn , das erhabenste Werk , so der Menschengeist geschaffen , kann diesen jungen Herrn zur Lectüre nicht dringlich genug empfohlen werden . Bezüglich der Sinnlichkeit in der Kunst denke ich bekanntlich anders , als unser verehrter Wirth . Allein , es muß eine geadelte Sinnlichkeit sein . Man lese meine Elegieen vom Mügelsee in Hexametern , von welchen , wie ich wohl sagen darf , eine ganz neue Kunstanschauung der Sinnlichkeit herdatirt . Herr Graf haben sie ja gelesen ? « Krastinik verbeugte sich schweigend . Es war ihm widerlich , diese beiden abgelebten Pedanten ihr Gequatsch wiederkäuen zu hören . - Der Eine als moralischer Akademiker , der Andre als » vornehmer « » ritterlicher « Idealist , der seine greisenhafte Brunst mit ledernen philosophischen Phrasen verbrämte . Man las weiter in der Anthologie . Heinrich Edelmann . Pfingsten eines Gottsuchers . Rastlos wandernd ohne Grauen , Würde es auch spät und später , Wirst Du blauen klaren Aether Durch des Urwalds Dickicht schauen . Das ist der ruhige Fyord , Der seinen Gruß entboten Vom Heimathort zum Meere fort Als sichrer Port dem ringenden Piloten . Ist gleich des Glücks Symbole Das Alpenglühn versunken , Strahlt noch ein letzter Funken Auf höchster Alp , des Ruhmes Aureole . Das ist am Lebenshorizont Der Abendstern , der später gern Umwandelt sich zum Morgenstern , Der durch des Todes Schatten bricht , Bis sich an neuem Lebenslicht Die auferstandne Seele sonnt . Dem Edlen ist das Leben hold : Der Ruhe Balsam und der Weisheit Gold Vertraulich spendet jede Nacht . Die Glorie der Kunst , das Meteor der Träume Durchzuckt der Seele Sternenräume In ungeahnter Wunderpracht . Die auserkornen Geister aber hören Egerias Geheiß in unhörbaren Chören , Sich unsichtbare Geister zu beschwören . Im Walde über Stock und Stein Irrt König Artus , hinterdrein Irret die Tafelrunde . » Merlin , Merlin ! « so hallt ihr Schrei ' n Aus weheklagendem Munde . Merlin , der mystische Seher , hört Kein einzig Wort , er starrt bethört Nur in die Augen seiner Trauten , Die ihm den Weisheitsstolz bethört , An dem Jahrhunderte bauten . An der Weißdornhecke sitzt er nun , Sein Bart ist Moos , seine Füße ruhn , Von Sommerfäden umschlungen . Er ist verzaubert und merkt es nicht , Starrt in der Nixe Angesicht , Von ihrem Reiz bezwungen . Die Seele verkauft sich der Liebeslust Und dem üppigen Außenleben , Doch der Liebesschmerz in des Denkers Brust Wird neue Flügel ihr geben , Abschüttelnd den eiteln Maienblust , Bis der Sehnsucht Schwingen sich heben . Die getrennten Glieder sind dann vereint , Der Völker Tafelrunde . Und Artus ' Schwert mit dem letzten Feind Sank zu der Vergangenheit Schlunde . Zum Feeenschloß Avillion , Zu den Inseln der Seligen , pilgern schon Alle Templeisen im Bunde . Und dort , von Sinnlichkeit erlöst , Merlin das Saisbild entblößt , Des Grals geheimnißvolle Kunde . Gerhart Heidenauer Messiasleiden eines Promethiden . Zu Schmerz und Sünde wird der Mensch geboren , Sein innerst Wesen nur ist Schmerz und Sünde . Laokoon , durch alle Deine Poren Gift spritzen dieser Schlangen Eiterschlünde . Der Dichter aber wurde auserkoren , Daß der Dämonen Walten er verkünde . Er trägt der ganzen Menschheit Sündenschmerz . Ein Heiland , der gekreuzigt , ist sein Herz . Nur einen wahrhaft Glücklichen ersinne , Dem weder äußre Noth noch innre Qual Das Sein vergällen , dem nicht Ruhm noch Minne Den Sinn verrücken , der ins Erdenthal Herniederlächelt von der Weisheit Zinne , Den auch der Andern Sündenschmerz zumal Zu Mitleid nicht erregt und edlem Zorn : In ihm selbst quölle noch des Leidens Born . Zwischen zwei Polen schwebt das Menschenloos : Ein wirklich Weh und eingebildet Leiden . Nicht nur der Schiffer im Orkangetos Bebt auf der See , die Riffe zu vermeiden . Falsch ist ' s , daß in des Hafens sicherm Schoos Die Sicheren sich an fremder Mühsal weiden , Sie beben auch in ahnungsvollem Graus , Die Phantasie malt größere Schrecken aus . Die Eifersucht ist aller Schmerzen Quelle , Ob um ein Weib sie Dir das Sein vergälle , Ob Dich im Ruhmkrieg kränke ein Rival . Ruhm , Macht , Genuß , Gold , Liebe , Alles schal . Verwirf sie alle , Tod heißt jede Wahl . Mann , Weib und Thier verfallen allzumal Dem Weltprinzip und dies Gesetz heißt Qual . Wen sie verschont , der schafft sie sich zur Stelle , Denn ohne Qual sinkt in das Nichts das Sein . Das All und Nichts sind schmerzenlos allein . Doch Wiege ähneln sich und Totenschrein , Zum Leben selber führt des Leidens Schwelle . Und weil ein höheres Sein der Genius , Noch höhere Qualen er erdulden muß . Wenn der Gedanke , fern von Tageshelle , Selbstmord verübt in seiner dunklen Zelle . Wohl lehrte die Erfahrung schon von je , Daß was Euch Schuld bedünkt , nur eitel Weh . Doch ist ' s noch mehr : Ein unbewußtes Ahnen Führt Sündenlose auf der Sünde Bahnen . Und Weise , über Nichtiges erhaben , Versuchen sich an Nichtigem zu laben Und Epimetheus müht sich um Pandoras Gaben . Denn schwach und zärtlich ist der Künstlergeist , Leicht das Gewebe seines Innern reißt . Drum möge er , zum Kampfe sich zu stählen , Das Irdische dem Himmlischen vermählen . Die Sehnsuchtthränen nach dem Ideale Verschlucke Du und opfre mit dem Baale ! Taugt stets Dir Alpenluft ? Sei Mensch im Erdenthale ! Du denkst des Sterns , der einst die Wüste Dir erhellt . Doch Der verhüllte sich in Wolkennacht . Und einsam nun Dein Herz im Dunkel wacht . Der Reue Schakalschrei Dich ruhelos umgellt . In einer Wüste stehst Du ohne Quell und Thau . Es grinsen rings auf frührer Lebensbahn Gerippe manch verschollner Karawan ' . Dein wunder , müder Fuß tritt Kiesel hart und rauh . Weh dem , der opfern will die flüchtige Gegenwart Der Zukunft , schwanger stets mit neuem Plan ! Doch unheilbaren Siechthums Unterthan Ist , wer mit trübem Blick stets nach Vergangnem starrt ! Anno Buchsbaum . Schnitzel aus dem Schuldbuche der Zeit . Still , Krähen ! Denn der Löwe brüllt . Die Tatzen Zeigt er Euch , Minnesänger-Miesekatzen . Von meiner Feder hofft nicht Degenstöße , Nur Tatzenhiebe ziemen Eurer Blöße . ' s ist Mai . Ein wunderschöner Monat , gelt ? Ja , alle Gaben , die herniedergießt Aus vollem Horn der Frühling auf die Welt , Mein frommer Sinn andächtig mitgenießt . Mit Eimern regnet es vom Himmelszelt Und alles Unkraut wunderherrlich sprießt . Ach ! Ueber ' s Wachsthum bin ich schon hinaus , Obwohl ich hutlos wandle aus dem Haus . Damit der Frühlingsregen salbe mir Das Köpfchen und mir neues Wachsthum sende . Denn aufwärts , wie man wähnet , streben wir , Wenn uns das Haar durchnäßt die Himmelsspende . O Streberthum ! Was war die Frucht der Gier ? Der radikalste Schnupfen nur am Ende ! Doch freilich ( o Mirakel ! ) wächst mein Bart ! Ja , weil seit Tagen er rasirt nicht ward . So zeigt sich falsch doch jeder Ammenglaube : Zu jedem Ding natürlich ist der Grund ! ( Gelt , weise ? ! ) Wie im malerischen Staube Das Meer der Gärten fluthet grün und bunt ! Und wie die Wolke fliegt gleich einer Taube Entlang die Himmelkuppel blau und rund ! Auch Fröschehallelujah hin und wieder Und wie berauschend duftet frischer Flieder ! Mit neuem Flieder stets geheimnißvoll ( Ich ahne irgend einen Magnetismus ) Ein neu Gefühl der Brust erblühen soll . Wodurch ? ' s ist jedenfalls ein Ding auf ismus . Schon fühlt ' ich ' was , mein Bein vor Rührung schwoll , Da merkte ich , es war Herr Rheumatismus . Und das Gefühl saß nicht im Herzen , nein , Der Frühling regte sich in meinem Bein . Dies Klima überhaupt ! Frau Sonne heut Glotzt frech vom Himmel , daß wir derbe flehen , Sie möge haben die Gewogenheit , Uns etwas weniger im Licht zu stehen Und einmal glänzen durch Abwesenheit ! Was dann ? Nun will sie gar für immer gehen ! So übelnehmerisch ? Heißt das ertragen Die deutsche Grobheit ? ( Gradheit , wollt ich sagen . ) Nur Euch , Ihr oft besungnen Maiennächte , Euch will ich nicht bekritteln . Ihr , Ihr seid Voll mystischer naturgewalt ' ger Mächte . Ja , greint der Kater sein unnennbar Leid , Das ist das Urmotiv , das wahre , echte . Schauer-Romantik ! Himmel , wie er schreit ! Das ist die Sehnsucht nach der blauen Blume , Nach » Unbewußtem « und nach Dichterruhme ! Jüngst schrie ' s vor meinem Lager . Gräßlich war Das Mordgezeter . Haar , sträub ' dich empor ! Erwürgt man nächtlich eine Kinderschaar Ruchlos und grauenhaft vor meinem Thor ? Ein Kindermord von Bethlehem wohl gar ? Ha , schaudernd ich entschlossen Rache schwor : Ich griff den Knecht des Stiefels - heiliger Vater Fortschlich als Missethäter scheu ein Kater ! Ich schleuderte das Holz ihm schwungvoll nach , Dann setzt ' ich mich , in tiefer Rührung weinend . Der Tag herein mit trüben Schauern brach , Der Nachtwind heulte . Kurz , sich graus vereinend , All die Symptome da