sie zu verdienen . « » Genieße mit deiner Mutter « , sagte Agnes , » wie es ist , wenn Eltern und Kinder einig sind . « Die junge Frau , welche aus dem Gemache gegangen war , kam wieder zurück . » Du hast deinen Auftrag vollbracht , Hecila « , sagte Agnes . » Es ist geschehen « , antwortete die Frau . » Nun , so wollen wir , die wir zurück bleiben , wieder an die Arbeit gehen , und sie zu fördern suchen « , sagte Agnes . » Gehabe dich wohl , hohe Frau « , sagte Wentila . » Du auch « , entgegnete Agnes . Wentila und Witiko neigten sich vor Agnes , und verließen das Gemach . Sie gingen durch die Stube , in welcher die jungen Mädchen spannen , und als sie draußen waren , setzte Witiko die Lederhaube wieder auf sein Haupt . Wentila geleitete Witiko durch einen Teil des Ganges , und führte ihn zu einer Tür . Sie öffnete dieselbe , und sie traten in ein Gemach , in welchem ein Mädchen saß , und nähte . Das Mädchen stand auf , da die Mutter und der Sohn herein kamen . » Sei gegrüßt , Lutgart « , sagte Witiko . » Seid gegrüßt , hoher Herr « , antwortete das Mädchen . Es ging zu einer Tür , und öffnete sie in eine zweite Stube . » Sorge , daß wir nicht gestört werden « , sagte Wentila . » Ich werde es tun , hochverehrte Frau « , antwortete das Mädchen . Wentila führte Witiko in die zweite Stube , und das Mädchen schloß hinter ihnen die Tür . » Lege deine Haube auf diesen Tisch , Witiko , und lege dein Schwert dazu « , sagte Wentila . Witiko nahm seine Haube von dem Haupte , und legte sie auf den Tisch . Dann lösete er sein Schwert ab , und legte es zu der Haube . Hierauf sagte er : » Sei mir nun erst recht gegrüßt , meine liebe , ehrwürdige Mutter . « » Sei mir gegrüßt , mein guter Sohn des guten Wok « , antwortete Wentila . Sie nahm ihn mit beiden Händen an dem Haupte , und küßte ihn auf die Stirne . Dann streichelte sie mit den Händen seine Wangen . » Setze dich zu mir auf eine dieser Bänke « , sagte sie darauf , » und genießen wir die Einigkeit , wie die Frau Markgräfin gesprochen hat . « Sie setzte sich auf eine gepolsterte Bank , und Witiko setzte sich zur ihr . Er nahm ihre Hand , und drückte seine Lippen ehrerbietig darauf . Sie sah ihn freundlich an , und sprach : » Wo hat dich denn mein Bote getroffen ? « » Er ist nach Pric zu mir gekommen « , antwortete Witiko . » Als ich dir durch Smitan auf deine Botschaft zurück hatte sagen lassen , daß ich dir eine Kammer in Landshut richten werde « , sagte Wentila , » ritt Gerhard , der Marschalk Ottos , des Bischofes von Freising , nach Landshut , und meldete mir , daß mich Agnes , die verwitwete Markgräfin von Österreich , zu sich auf den Kahlenberg entbietet , weil ein Geschwader des Bischofes nach Wien geht , das mich geleiten würde . Ich willigte ein , und schickte dir gleich den alten Michael mit der Nachricht zu . « » Er ist über Plan nach Pric geritten « , sagte Witiko , » ich mußte nur vorher den Bischof Zdik nach Passau geleiten . « » Und auf einem Schiffe bist du von Passau nach Wien gefahren ? « fragte Wentila . » Auf einem Schiffe « , antwortete Witiko . » Ich habe dich lange nicht gesehen « , sagte Wentila . » Es werden jetzt bald vier Jahre , seit ich von Passau über den Wald geritten bin « , entgegnete Witiko . » Vier Jahre sind eine lange Zeit « , sagte Wentila . » Mutter « , antwortete Witiko , » ich mußte manche Tage harren , ob sich etwas ereigne , daran ich mitwirken könnte , und ob ich auch etwas zu vollbringen vermöchte , zu dir kommen zu können ; aber endlich wollte ich dich wieder sehen , und mit dir über verschiedene Dinge sprechen . Ich habe dir in manchen Zeiten Nachrichten geschickt . « » Ich habe sie empfangen , und habe dir Nachrichten zurück geschickt « , sagte Wentila . » Und in dem Kleide bist du zu mir gekommen , in dem du von mir weg geritten bist . « » Ich habe das Kleid deinetwillen angelegt « , entgegnete Witiko , » und auch eines andern Menschen willen , von dem ich dir später sagen werde . « » Du bist viel stärker geworden , Witiko « , sagte Wentila . » Ich habe es nicht beachtet « , antwortete Witiko . » Auch deine Wangen sind röter geworden « , sagte Wentila . » Das kann von den freien Lüften herrühren « , entgegnete Witiko . » Gott im Himmel wird dir ferner noch Gedeihen geben « , sprach Wentila . » Witiko , sage , befolgst du die Lehren der heiligen Kirche ? « » Ich suche nach dem zu leben , wie mich der ehrwürdige Vater Benno angeleitet hat « , entgegnete Witiko . » Dann wirst du gottgefällig leben wie er « , sagte Wentila . » Bist du gütig und freundlich gegen alle Menschen , auch gegen die Geringen ? « » Ich liebe die Menschen , und strebe , gegen sie gut zu sein « , antwortete Witiko . » So ist dein Vater Wok gewesen und dein Großvater Witek « , sprach Wentila . » Der ehrwürdige Vater Benno sagt , daß das recht gewesen ist , was du getan hast , Witiko . « » Sagst du das auch , Mutter ? « fragte Witiko . » Benno weiß es besser « , antwortete Wentila , » und ich sage , es wird schon recht sein . « » Da ist auch der hochehrwürdige Silvester « , sagte Witiko , » welcher Abt in dem Kloster an der Sazawa gewesen ist , dann erwählter Bischof von Prag wurde , wegen Ungerechtigkeit zurückgetreten ist , und jetzt wieder in dem Kloster an der Sazawa wohnt . Er sagt , daß man nur das Gute tun soll , und alles andere ist damit verbunden . Er lobt nicht alles , was ich getan habe . Ich möchte unter allen , die ich kenne , zuerst dir , Mutter , Genüge tun , und dann Benno und Silvester , und dann noch einem Menschen . « » Witiko , öffne mir dein ganzes Gemüt « , sagte Wentila . » Ich bin lange in Plan gewesen « , antwortete Witiko . » Ich weiß es « , entgegnete Wentila . » Dort sind die Gründe Waldland « , sagte Witiko . » Von dem Walde sind Gerölle , Grobsand und Steinmehl in unsern Äckern . Aber Martin und Raimund und Lucia bewirtschaften mit Taglöhnern das kleine Anwesen gut . Das Haus ist nicht schadhaft , und liegt handsam in dem Walde . « » Du hast dort Arbeiten wie ein Knecht verrichtet « , sagte Wentila . » Florian , den mir Mathias geschickt hat , ist ein guter Bote gewesen . « » Ich habe geholfen , und es ist mir dabei gut geworden « , sagte Witiko . » Und in Pric hast du auch geholfen « , sagte Wentila . » Pric hat einen besseren Boden , und es wird noch immer besser werden « , antwortete Witiko . » Kuto ist ein treuer Diener , er versteht die Pflege , und ist gelassen und sparsam . Kan und Peko und Mira und Glota dienen ihm gerne . Die Brücke ist fertig geworden , das Dach ist verbessert , und die zwei Kühe sind von dem Fichtelberge gekommen . « » Es ist gut , Witiko « , sagte Wentila , » deine Vorfahrer haben kleine Besitzungen gehabt , sind für sie sorgsam gewesen , und haben auch gerne selber die Hände angelegt . « » Im Wangetschlage ist der harte Boden doch gedeihlich , und wird gut gehalten « , sagte Witiko . » Das Häuschen bedarf noch lange keiner Ausbesserung , und die Wiesenmauer hat Jakob aus Steinen gelegt . Huldrik wacht auch über die Tiere , und sucht überall nachzuhelfen . « » Er ist in seinen Sendungen richtig , und die Knoten seiner Merkschnüre sind genau « , sagte Wentila . » Und er nimmt für sich das Armseligste « , antwortete Witiko . » Ich weiß es « , sprach Wentila . » Er hat mich nach Friedberg geleitet « , sagte Witiko , » und hat mir das Pferd wie ein Knecht geführt . « » Weil er uns für ein vornehmes Geschlecht hält « , antwortete Wentila . » Das Pferd hat er ledig von Friedberg durch den Wald in die untere Moldau hinauf geführt « , sagte Witiko ; » denn ich bin von dem Ufer , das bei Friedberg ist , durch die Waldlehne bis auf den Kamm hinauf gestiegen , wo ein Platz ist , auf dem einmal eine Denksäule des heiligen Apostels Thomas gestanden ist . « » Ich kenne den Platz « , sagte Wentila , » man sieht von ihm auf Baiern , Böhmen und Österreich , und der Wald ist um ihn . « » Ja , so ist es « , sagte Witiko . » Und dann bist du auf dem langen Wege durch den Thomaswald in die untere Moldau hinab gegangen , wo die Herberge steht « , sagte Wentila . » Ja « , entgegnete Witiko , » und in der Herberge haben Huldrik und Jakob mit dem Pferde auf mich gewartet . « » Ich habe jetzt lange diese Dinge nicht gesehen « , sagte Wentila , » der Wald ist dort sehr groß und sehr schön . « » Er ist dort am schönsten « , antwortete Witiko . » In dem schönen Walde ist Huldrik « , sagte Wentila , » und möchte in einem Schlosse Marschalk sein . « » Er soll zu mir kommen , wenn ich mir einmal einen festen Ort erwähle , und er dann noch lebt « , sagte Witiko . » Nun , er sagt ja « , sprach Wentila , » daß die Angehörigen seines Stammes sehr alt werden , und daß er dieses auch hofft . « » Gott gewähre es ihm « , sagte Witiko . » Er gewähre es ihm nach meinem Wunsche « , antwortete Wentila . » Mutter « , sprach Witiko , » ich habe dir in meinen Botschaften etwas nicht erzählt , ich will es dir jetzt sagen . An jenem Sonntage , an welchem ich in dem Walde der drei Sessel betete , habe ich ein Mädchen des Namens Bertha kennen gelernt , das damals dunkelrote Waldrosen , die du liebst , als gutes Zeichen auf dem Haupte trug . Ich bin , da ich den hochehrwürdigen Bischof Zdik nach Passau geleitete , wieder in dem Hause der Eltern Berthas gewesen , und habe mich mit Bertha in Zuneigung und Liebe geeinigt , daß wir Ehegatten werden wollen . Sie ist die Tochter Heinrichs von Jugelbach . « » Er wird sie dir nicht geben « , sagte Wentila . » Es ist noch ungewiß « , sprach Witiko . » Du hast die Sache den Eltern Berthas geoffenbart « , sagte Wentila . » Ich habe sie dem Vater geoffenbart « , entgegnete Witiko , » und er hat zurück geredet : wenn die Rose , welche ich auf dem Berge Wysoka in dem weißen Schilde getragen habe , in einer Burg ist , und wenn sie in die Geschicke unserer Länder hinein blüht , solle ich wieder kommen , und fragen . « » Ich weiß nicht , ob es so gewesen ist , wie der Vater Benno sagt « , antwortete Wentila , » daß unsere Vorfahren einst reiche Güter gehabt haben , und die Herren in dem Walde gewesen sind ; aber die Geschlechter werden reich , und wieder arm , und können wieder reich werden , und es wechseln die Geschicke . Wenn du Bertha zu deinem Eheweibe gewinnen kannst , so erfreue dich darüber ; wenn es aber nicht möglich ist , so trage es gelassen . « » Ich werde es tragen « , sagte Witiko . » Wiulfhilt , die Mutter Berthas , ist sehr gut « , sprach Wentila , » und Bertha wird auch gut sein . « » Sie ist gut und starkherzig « , sagte Witiko , » und haßt die schlechten Taten wie die Frau Markgräfin , aber anders , und liebt die großen und herrlichen . Sie hat gesagt , ich solle tun , daß mir keiner gleich sei in dem Felde der goldenen Ähren und in dem Walde der Wipfel der Bäume . « » Strebe nicht mit Hoffart nach deinem Ziele , Witiko « , entgegnete Wentila . » Und wenn du auch nicht tust , daß dir keiner gleich ist in dem Felde der goldenen Ähren oder in den Wäldern der Wipfel der Bäume , und wenn dir nur die Gnade verliehen ist , Geringeres zu tun , was recht ist , wie du mir die Meinung Silvesters gemeldet hast , so wird es am besten sein . « » Ich werde suchen , das Gute zu tun , wie es dein und Silvesters Gedanke ist « , antwortete Witiko . » Tue es , mein Sohn « , sagte Wentila . » Ich habe Bertha gesehen , da sie ein kleines Kind war . Vielleicht sehe ich sie wieder , wenn ihre Eltern nach Jugelbach heimkehren , und ich auf der Rückreise bin . « » Wenn du zu ihr kommst , so wirst du wissen , daß meine Neigung gut ist « , sagte Witiko . » Ich weiß es schon « , antwortete Wentila , » weil ich dir vertraue . « » Und wann meinst du wieder nach Landshut zurückzukehren ? « fragte Witiko . » Wenn es die hohe Frau , die mich auf diesen Berg geladen hat , anordnet « , entgegnete Wentila . » Es wird ihr Sohn Otto , der Bischof von Freising , kommen , und ich glaube , daß ich mit seinem Geleite nach Baiern zurückreisen werde . « » Ich habe auch Berthas willen das Lederkleid angelegt , weil sie mich zuerst darin gesehen hat « , sprach Witiko . » Ich denke es mir « , sagte die Mutter . » Und nun , Mutter « , sprach Witiko , » wie lebt denn der hochehrwürdige Vater Benno ? « » Er lebt in Gesundheit « , antwortete Wentila , » er hält seinen Gottesdienst in der Kirche des heiligen Martin , er stellt Betrachtungen an , und schreibt in ein großes Buch die Dinge der Kaiser ein ; denn er sucht alles zu ergründen , was einmal geschehen ist . Er hat mir aufgetragen , dir einen feierlichen Gruß von ihm zu sagen . « » Bringe ihm den Dank , wenn du heimkehrst « , sagte Witiko , » und bringe ihm meine Ehrerbietung . « » Ich werde es tun « , antwortete Wentila , » und es wird ihn freuen , weil er dich liebt , wie , da du noch ein Kind warest . Er sagt , daß die Baiern mit Sorge auf Österreich schauen , seit Konrad , der Halbbruder des Markgrafen Heinrich , in Deutschland herrscht , und seit der Markgraf die Witwe ihres verstorbenen Herzogs geheiratet hat . « » Wird er denn auch wieder einmal nach Pric kommen ? « fragte Witiko . » Pric erweckt ihm seit dem Tode deines Vaters Traurigkeit « , antwortete Wentila , » aber er wird schon kommen . « » Die Leute dort lieben ihn « , sagte Witiko . » Die Leute aller Orten lieben ihn « , entgegnete Wentila . » Und wie lebt denn die Base Hiltrut ? « fragte Witiko . » Sie ist fromm « , antwortete Wentila , » genießt der Gesundheit des Leibes , sorgt in dem Hause , und denkt deiner , wie sie dachte , da sie dich noch in den Windeln pflegte . « » Ich möchte ihr recht viel Gutes tun « , sagte Witiko . » Das tust du « , entgegnete Wentila , » da du ihr beständig die guten Grüße schickest , die ihr angenehm sind . « » Mir ist es auch angenehm , Grüße zu schicken « , antwortete Witiko ; » bringe ihr wieder einige , wenn du hier fort gehst . « » Sie bedarf ja nichts als Zuneigung « , sagte Wentila . » Und diese empfängt sie von uns reichlich « , antwortete Witiko . » Du bist in Plan zu den Leuten in ihre Stuben gegangen « , sagte Wentila . » Ja , Mutter « , entgegnete Witiko . » Wir haben es auch immer so gepflegt , wenn wir dort lebten « , sagte Wentila , » sie sind gut , ernsthaft und treu . « » Sie sind dieses alles in ihrer Armut und in der Härte und Stärke ihres Körpers « , sagte Witiko . » Sie haben in dem vergangenen Kriege der Gerechtigkeit zur Entscheidung geholfen , sind meine Gefährten geworden , und ich bin ihr Gefährte geworden . « » Du hast sie auch in deiner Stube versammelt « , sagte Wentila . » Ja , sie haben dort Brod und Salz gegessen « , antwortete Witiko . » Es ist gut so « , sagte Wentila , » das Land des Waldes ist vielen Menschen noch unbekannt ; aber es ist sehr bedeutsam . Was wirst du denn nach der jetzigen Zeit tun , Witiko ? « » Ich werde wieder nach Plan und Pric gehen « , antwortete Witiko , » dann werde ich nach Prag zu dem Herzoge reiten . Im Frühlinge wird der Krieg gegen die mährischen Fürsten beginnen , und ich werde in ihm sein . « » Du wirst tun , was dir obliegt , mein Sohn Witiko « , sagte Wentila , » und du wirst klug und vorsichtig sein . « » Ich werde tun , wie ich es nur immer als gut und recht einsehe « , entgegnete Witiko . » Und Gott wird das Gute und Rechte schützen « , antwortete Wentila , » und nach dem Kriege werde ich mit der Base Hiltrut nach Pric kommen . « » Ich werde euch von Landshut holen und nach Pric geleiten « , sagte Witiko . » Bleibe jetzt eine Weile auf diesem Berge , mein Sohn « , sagte Wentila , » Agnes , die hohe Frau , ist gegen mich und dich gut gesinnt . Siehe nur , welch ein schönes Gemach mit den gepolsterten Gesiedeln und der Aussicht in das ganze Land sie mir gegeben hat . Ihr Sohn Heinrich hält seinen Hof in Wien , und um ihn sind die Herren der Kirche und die Männer des Rittertumes und der Künste , und befleißigen sich zierlicher Sitten . Du wirst zu ihm gehen , und wirst manches sehen , was dir gut ist . « » Ich bleibe bei dir , und werde öfter nach Wien gehen « , antwortete Witiko , » es müßte nur sein , daß ich in unserem Lande nötig werde , dann reite ich schnell in dasselbe . « » Es wird sich alles erweisen « , sagte Wentila . » Jetzt , Witiko , ruhe . Lasse dir deine Kammer zeigen , und wenn es dich gemahnt , dann komme wieder zu mir . Richte dich hier ein , und möge es dir gefallen . « Sie stand bei diesen Worten auf , Witiko auch . Er setzte seine Haube auf das Haupt , und befestigte sein Schwert an seiner Seite . Dann machte sie ein Kreuz auf seine Stirne , und er küßte ihre beiden Hände . Hierauf verabschiedeten sie sich . Witiko verließ die Stube , sie blieb in derselben zurück . Als Witiko in das Vorgemach gekommen war , in welchem das Mädchen Lutgart saß , sah er auch einen Mann auf einem Stuhle sitzen . Es war der nämliche Mann , welcher ihn in das Gemach der spinnenden Mädchen geführt hatte . Der Mann stand auf , und sagte : » Ich bin der Hausvogt der hocherhabenen Frau Markgräfin , Ezelin , und bin von der hohen Frau Markgräfin befohlen , Euch , edler Witiko , in Eure Herberge in dieser Burg zu geleiten . « » So geleitet mich , edler Vogt Ezelin « , sagte Witiko . Die zwei Männer verließen nun die Vorstube . Der Vogt führte Witiko über eine Treppe empor in ein Gemach , an welchem noch eine zweite Stube war . » Hier sollet Ihr mit Euerm Diener wohnen « , sagte er , » und der Speisemeister und der Gewandmeister und der Meier und der Marschalk sind angewiesen , Euch zu gehorchen , wie Ihr wünschet . « » Ich danke Euch für Euer Geleite , edler Vogt « , sagte Witiko , » ich bedarf zu dieser Zeit keines andern Dinges als der Stube . « » So verabschiede ich mich « , sagte der Mann . » Gehabt Euch wohl « , entgegnete Witiko . Der Mann entfernte sich , und Witiko stand allein in dem Gemache . Dasselbe war nicht groß , hatte weiße getünchte Wände , und es standen starke Geräte aus Eichenholz darinnen . Durch die zwei schmalen Fenster , welche spitzige Bögen hatten , sah Witiko auf einen Wald und dann auf ebenes Land , das gegen Morgen hin ging , und in welchem die Donau floß . Die zweite Stube war kleiner , war auch weiß , und hatte auch Eichengeräte . Witiko verließ diese Herberge wieder , und ging in das Wartezimmer um Raimund . Raimund war nicht in dem Zimmer . Darauf ging Witiko in den Stall . In dem Stalle stand Raimund bei den Pferden . Witiko führte ihn in die Herberggemächer , und zeigte sie ihm . Dann sagte er : » Rüste dein Pferd , reite in die Stadt Wien hinab , und lasse unsere Habe in die Burg herauf bringen . « Raimund schickte sich an , den Befehl Witikos zu vollführen . Er verließ das Zimmer , und nach einer halben Stunde ritt er in dem Walde des Berges hinunter . Witiko aber blieb in seinem Gemache , ging an ein Fenster , und sah auf das Land Österreich hinab . Der Wald des Berges trug nicht wie die Wälder , die an den Ufern der jungen Moldau stehen , die dunkle Tanne , die grüne Buche , die leuchtende Birke , den langarmigen Ahorn , die Eibe , die Ulme , die Esche , die Erle und den zackigen Wacholder , sondern gleichartiges Laubwerk der Buche , Esche , Eibe , des Haselstrauches und das Dämmer der Föhre und andern Nadelgehölzes . In der Donau waren breite und gestreckte Inseln , welche Auwald trugen , und auf dem ebenen Lande war Auwald . Dem Kahlenberge gegenüber sah Witiko wieder einen Berg . Und von diesen zwei Bergen floß die Donau in der Ebene gegen das Land Ungarn hinaus . Als es Mittag war , kam ein Mann , und führte Witiko in das Speisegemach . Dasselbe war ein Saal mit langen Tischen , Stühlen und Speisegeräten . In dem Saale waren Männer in schönen Gewändern . Sie waren die Mannen der Markgräfin . Sie gingen Witiko entgegen , und grüßten ihn , und er grüßte sie . Dann setzten sich alle an den Tisch , ein Priester sprach das Gebet , und es wurden ihnen gute Speisen und guter Wein aufgetragen . Nach dem Essen ging Witiko wieder zu seiner Mutter , sie wandelten auf verschiedenen Wegen des Waldes , und saßen dann in Wentilas Stube . Des Nachmittages kam Raimund aus Wien zurück , und ein Säumer brachte auf einem Saumtiere das Reiseeigentum Witikos . Dasselbe wurde in die Beherberggemächer gebracht , und dort geordnet . Am andern Tage des frühen Morgens rüstete sich Witiko zum Ritte an den Hof des Markgrafen Heinrich . Er hatte sein Ledergewand an , und trug sein Petrusschwert an Sobeslaws Gürtel . Er ritt auf seinem eisengrauen Pferde den Weg zwischen dem Laubwerke des Berges hinunter . Raimund ritt in seinem Waldgewande hinter ihm . Sie kamen in das grüne Gefilde , und durch dasselbe bis zu der Freiung , und von da über die Brücke des Grabens in die Stadt . Sie ritten an vielen Menschen und Dingen vorüber an das Haus , das der Markgraf baute , um mit Gertrud darin zu wohnen . Es war groß und gewaltig , und an manchen Teilen waren noch Gerüste . Man wies die Reiter in einen Hof . Dort standen Pferde und Knappen , Reiter stiegen auf oder stiegen ab , und Männer in Kriegesgewändern waren da . Witiko stieg von seinem eisengrauen Pferde , und gab die Zügel desselben in die Hände Raimunds . Er ging gegen eine Treppe , an welcher Männer in schönen Kleidern standen . Einer , der sehr langschnäblige purpurrote Schuhe , einen grauen Bart und graue Haare hatte , rief ihn an , und sprach : » Nun , du Ledermann , wohin gehst du ? « » Was frägst du ? « entgegnete Witiko . » Ich frage , weil ich frage « , sagte der Mann . » Und ich gehe , weil ich gehe « , sagte Witiko . » Und hast du ein Recht ? « fragte der Mann . » Und hast du ein Recht ? « fragte Witiko . » Wenn Thiemo von der Aue kein Recht hat , wer soll es denn haben ? « fragte der Mann . Die umher standen , lachten nach diesen Worten . » Wenn du ein Recht hast « , sagte Witiko , » so wisse , daß ich zu Heinrich , dem erlauchten Markgrafen von Österreich , will . « » Und will Heinrich , der erlauchte Markgraf von Österreich , auch , daß du zu ihm willst ? « fragte der Mann . » Das weiß ich nicht « , sagte Witiko , » und das werde ich erfahren , wenn er gefragt wird . « » Und wer wird ihn fragen ? « sagte der Mann . » Wer Geleite zu ihm geben kann « , antwortete Witiko . » Thiemo von der Aue kann Geleite geben « , sagte ein Mann , der ein dunkelgrünes Gewand und einen braunen Mantel hatte , » ich bin Marchard von Hintberg , und wenn du ein Anliegen hast , mein Kind , lasse deinen Namen sagen , der Markgraf wird dir behilflich sein , er ist gut . « » Ich habe kein Anliegen « , antwortete Witiko , » ich will nur den erlauchten Markgrafen sehen , und ihm meine Ehrerbietung bezeigen . Ich bin in dem Zuge gewesen , als der erhabene König Konrad mit Wladislaw , dem Herzoge von Böhmen und Mähren , gegen Prag ging , um die Empörer zu besiegen , und der erlauchte Markgraf ist auch in dem Zuge gewesen . « » Ihr seid also Kriegsgenossen « , entgegnete der Mann . » Nun ich bin auch ein solcher Kriegsgenosse , ich bin auch in dem Zuge gewesen , und Thiemo von der Aue ist in dem Zuge gewesen , und Gebhard von Abbadesdorf , und Ebergus von Aland , und Werinhard von Brun , und Juborth von Tribanswinchel , und Viricus von Gaden , die alle hier stehen . Du bist aus einem fremden Lande , wie wir sehen , und kennest die österreichischen Degen noch nicht . « » Ich kenne sie nicht « , sprach Witiko , » aber ich will dir meinen Namen sagen , ich heiße Witiko , stamme vom Lande Böhmen , und diene dem Herzoge Wladislaw . « » Du bist Witiko « , sagte Marchard von Hintberg , » der die Herzoge aus Mähren gefangen , und dann hat weiter reiten lassen . « » Ich habe den Herzogen die Flucht gestattet « , antwortete Witiko . » Du bist Witiko « , rief Gebhard von Abbadesdorf . » Witiko « , sagte Viricus von Gaden . » Du bist Witiko , und bist noch so jung « , sprach Ebergus von Aland . » Er hat sie geschlagen , und hat sie dann wacker davon gejagt « , sagte Thiemo von der Aue . » Du hast sie nicht einen Deut geachtet , Witiko « , sagte Juborth von Tribanswinchel , » sei uns gegrüßt . « » Seid gegrüßt « , sagte Witiko . » Du hast närrisch gehandelt « , sprach Werinhard von Brun , » aber sei gegrüßt , hat dich dein Herzog getadelt ? « » Er hat mich geehrt « , antwortete Witiko . Und die Männer traten herzu , und reichten Witiko die Hand . » Du hast heute den guten Tag gewählt « , sagte Thiemo von der Aue , » der Markgraf wird dich anhören , morgen würde es nicht sein können , weil Kahlenbergritt ist . « » Wir werden dich geleiten « , sagte Marchard von Hintberg . Die Männer gingen nun mit Witiko über die Treppe in das Innere des Hauses hinan . Sie kamen in einen Gang und dann durch eine Tür in