schoß und am Fort Nicolas beilegte . Sogleich wurde ein Boot herabgelassen und mehrere Personen fuhren zum Ufer . Es war dem Baronet , als sei ihm eine derselben nicht unbekannt , doch war die Entfernung zu groß , um Genaueres zu erkennen . Die Dämmerung begann unterdeß einzutreten und mit dem Abend sich der Wind auf ' s Neue zu erheben . Regen und Hagel peitschten gegen das Fenster der Zelle , an welchem der Gefangene noch immer saß , in den beginnenden Kampf der Elemente hinausstarrend . Plötzlich donnerten rasch nach einander drei Signalschüsse von der vorderen Bastion des Forts und Maubrige konnte bemerken , daß Signale mit bunten Laternen aufgezogen wurden , die bald darauf von den Schiffen in der Bucht und auf der Rhede am Eingang wiederholt wurden . Ein lebendiger rascher Verkehr schien sich trotz der unruhigen See zwischen der Flotte und dem Ufer zu erheben , Boote , schwer mit Mannschaft beladen , gingen und kamen , und die ankernden Dampfer begannen zu heizen . Eine wichtige Nachricht mußte eingetroffen sein , das zeigte auch die Bewegung im Fort selbst und die Unruhe auf den nächstliegenden Straßen . Es mochte gegen 9 Uhr Abends sein , als Tritte sich seiner Thür näherten und ein Offizier in Begleitung zweier Marinesoldaten mit aufgepflanztem Bajonet eintrat , während vier russische Matrosen an dem Zugang stehen blieben . » Ich habe Ordre , mein Herr , « sagte der Offizier , » Sie sofort zum Kommandanten zu geleiten . Zugleich ersuche ich Sie , Ihren Leuten Anweisung zum Packen Ihrer Effecten und zur Ueberweisung derselben an diese Männer zu geben , die sie befördern werden . « » So bin ich meiner Haft entlassen und kann abreisen ? « » Ich befinde mich außer Stande , Ihnen Antwort zu geben , « erklärte der Offizier ; » ich erfülle die Befehle meiner Vorgesetzten und bitte Sie , sich fertig zu machen , um mir zu folgen . « Der Baronet war zu stolz , um weiter zu fragen , und nach einigen Befehlen an seine Diener alsbald bereit . Der Russe rieth ihm höflich , seinen Regenmantel zu nehmen , da draußen das Wetter immer heftiger tobte , und führte ihn dann in Begleitung der Wachen durch die Gänge und Höfe des Forts . Zum Erstaunen des Briten schlug der Offizier den Weg zu dem Thor ein , gab dort die Parole und verließ mit ihm die Citadelle . Auf den Straßen war trotz der üblen Witterung reges Leben und Treiben , Licht an allen Fenstern , Matrosen und Marinesoldaten kamen und gingen in Trupps aus und zu den Magazinen , Offiziere eilten in ihre grauen Schiffsmäntel gehüllt dahin , und vor dem großen Eingang des Admiralitätsgebäudes , der Wohnung des Oberbefehlshabers Admiral Berg und zur Zeit des Fürsten Mentschikoff , brannten große Pechfackeln und war ein lebhaftes Gedränge von Offizieren , Beamten und schaulustigem Volk in seinen russischen , europäischen und tatarischen Trachten . Der Baronet wurde in ein Vorzimmer des ersten Stocks geführt und nach wenigen Minuten winkte ihm der begleitende Offizier , in den anstoßenden Saal einzutreten . Derselbe war von Offizieren und Marinebeamten gefüllt . An einer großen Tafel , auf der große Seekarten ausgebreitet lagen , waren mehrere höhere Flottenoffiziere eifrig beschäftigt und in einer Debatte begriffen . Der Wind war unterdeß immer heftiger geworden und gestaltete sich zum Sturm , der in einzelnen langen Stößen durch die Bergschluchten fegte und die hohen Fenster des Saales erklirren ließ . » Es wird kaum möglich sein , Nowossilsky , daß Sie Anker lichten können und die hohe See erreichen in diesem Wetter , « sagte ein alter Offizier in der Admiralsuniform , der in der Mitte des Tisches saß . » Warten Sie bis morgen . « » Wir würden höchstens das Tageslicht zum Gewinn haben , Excellenz , und dafür eine kostbare Zeit verlieren , « entgegnete ein Mann von kühnem seemännischem Aussehen , der Kommandant der vierten Flotten-Division , Contre-Admiral Nowossilsky . » Sie kennen unsere Stürme und wissen , daß sie ihre Zeit haben müssen . Die englisch-französische Flotte könnte leicht Nachricht erhalten haben und aus dem sichern Bosporus herauskommen . Nachimow hätte dann das Nachsehen . « » Nun , wie Sie wollen . Capitain Tschigiri , haben Sie die Ordre bereit ? « Der Offizier du jour reichte das Papier und Admiral Berg unterzeichnete es . » Die Paris und Tri Sswjatitelja liegen bereits auf der Rhede , « fuhr der Contre-Admiral fort . » Ich werde mich durch die Bessarabia hinausbugsiren lassen . Wann erwarten Sie Korniloff zurück ? « » Morgen . Sie werden die Bessarabia kommandiren , ihm entgegen zu fahren . « » Nun , ich hoffe , daß er nicht mehr zur rechten Zeit ankommt und uns Andern auch Etwas übrig läßt . Er hat jetzt bereits drei Dampfer den Türken genommen , während wir kaum das Bugspriet aus dem Nest gesteckt haben . Doch wie steht es mit dem Passagier , Excellenz , den Sie mir mitgeben wollten ? Die Zeit drängt . « » Haben Sie den Engländer hier , Rogula ? « Der zweite Hafen-Kommandant , an den die Frage gerichtet war , sah nach der Gruppe an der Thür . » Der Gefangene soll vortreten . « Maubridge trat mit finsterm Blick bis zu dem Tisch und stützte die Hand darauf . » Wer von den Herren , « fragte er , ohne die Anrede abzuwarten , » ist Fürst Mentschikoff ? ich wünsche ihn zu sprechen . « Der greise Offizier winkte . » Der Fürst ist abwesend . Ich bin Admiral Berg , der Oberkommandant der Festung , und Sie werden sich mit mir begnügen müssen . « » Dann lege ich Protest bei Ihnen ein im Namen der britischen Nation , wegen der unwürdigen Behandlung und rechtswidrigen Haft , die mir hier geworden ist . Ich werde mich bei unserm Gesandten in Petersburg beschweren . « Der Admiral schien die Phrase nicht zu beachten . » Sie heißen ? « » Edward Maubridge , Baronet . « » Nach dem Bericht des Capitain Juschkin sind Sie am 6. auf dem türkischen Dampfboot Djerid gefangen genommen worden auf dem Wege nach Sinope . Man hat bei Ihnen Briefe an die türkischen Befehlshaber in Anatolien und selbst an Schamyl gefunden , die beweisen , daß Sie mit den Feinden Rußlands in Verbindung stehen . « » Ich bin Engländer und habe Niemand Rechenschaft zu geben , wohin ich gehe und mit wem ich in Verbindung stehe . England ist bei Ihrem Kriege eine neutrale Macht . « Der Admiral lächelte . » Wie man ' s nehmen will ! Ich habe jedoch nicht Zeit , mich mit Ihnen in eine politische Controverse einzulassen . Ich will Sie trotz jener Verbindungen als Reisenden gelten lassen , und wir werden Sie an den Ort schaffen , wohin Sie gehen wollten . Sie haben sich demnach nur über eine Haft zu beklagen , die durch die Umstände geboten war . Unser Geschwader geht in einer Stunde nach Sinope ab und wird Sie dort mit Ihren Dienern an ' s Land setzen . Treten Sie ab . « » Einen Augenblick , mein Herr - ich will Alles vergessen , aber ich kann diese Stadt nicht verlassen ohne mein Kind ! Lassen Sie mein Kind holen mit seiner Wärterin . « » Ihr Kind ? - Meinetwegen . Doch sehe ich Nichts von einem Kinde in Ihrem Paß erwähnt . Was ist damit , Capitain Juschkin ? « Der Capitain der Bessarabia trat vor . » Ein griechisches Weib , Excellenz , ist nach dem Gefecht eines Knaben genesen , den Popa Alexanowitsch in seine Pflege nahm , da die Frau starb . « » Welches Recht haben Sie an dem Kinde ? « » Es ist das meine , die Verstorbene war Lady Diona Maubridge . « » Lügner ! « gellte es durch den Saal von den Lippen eines bleichen Mannes , der im Haufen der Umstehenden bis jetzt mit athemloser Spannung dem Verhör und der Verhandlung beigewohnt hatte , das Auge voll Haß keinen Moment von dem Briten abwendend . » Lügner ! Beweise Dein Anrecht an Diona Grivas , die Du gemordet , Dein Recht , das Du selbst mit Füßen getreten und verleugnet hast ! « Der Baronet stand bleich , - ihm gegenüber der Bruder und Rächer des todten Mädchens , Gregor Caraiskakis . » Euer Excellenz , « sagte der Grieche und Schmerz und Zorn erstickten fast seine Stimme , als er sich zu dem Admiral wandte , » wenn der Dienst , den ich Ihnen geleistet , wenn Eifer und Treue für die Sache Rußlands eine Anerkennung verdienen , so gewähren Sie mir Gerechtigkeit gegen diesen Mann . Zwei Mal entführte er meine Schwester durch heuchlerische Künste und entehrte sie , indem er durch ein bübisches Spiel mit der Arglosen sie glauben machte , sie sei seine angetraute Gattin . Als ich ihr Recht von ihm forderte , leugnete er es , und Diona Grivas , die Schwester der Caraiskakis , wurde durch seinen Trug zu seiner Maitresse erniedrigt . In diesem Augenblick erfahre ich , der Bruder , aus seinem Munde , dessen Spur ich bis Varna verfolgte , den Tod der Unglücklichen und ich segne ihn , denn er deckt ihre und unsere Schande . Aber das Kind , das Kind aus dem Blute meiner Schwester , soll der falsche Engländer nimmer besitzen , und sollte ich es ihm mit dem Leben entreißen ! « Die verächtlichen drohenden Blicke der Offiziere ringsum , hafteten auf dem Briten , der bleich und trotzig im Kreise umher schaute . » Das Kind ist mein , ich nehme das Recht des Vaters und Engländers in Anspruch ! « » Herr Caraiskakis , « sagte der Admiral ernst , indem er sich erhob , » wir sind Ihnen verpflichtet durch den Dienst , den Sie uns erwiesen haben , indem Sie keine Gefahr scheuten , um Admiral Nachimow und dann uns Nachricht zu bringen von dem verrätherischen Unternehmen des türkischen Geschwaders . Wir möchten Ihnen gern Gerechtigkeit gewähren an diesem Mann , doch - das Recht eines Vaters ist ein heiliges , und als solcher kam er in unsere Gewalt . « » Einen Augenblick , Excellenz , « unterbrach der Vice-Admiral Rogula den Greis . » Wenn ich Capitain-Lieutenant Juschkin recht verstanden habe , erfolgte die Entbindung des Mädchens erst nach der Wegnahme des Schiffs ? « » So ist es , « bestätigte der Capitain . » Dann , mein Herr , « sagte mit Würde der Admiral , » ist das Kind unter russischer Flagge geboren und genießt russischen Schutz , bis Ihre Ansprüche bewiesen sind , was durch den Tod der Mutter unmöglich werden dürfte . « Der Baronet stampfte mit dem Fuße auf . » Ich will mein Kind ! « Ein Sturmstoß erschütterte das Gebäude , daß es in seinen Grundfesten zu erbeben schien . » Hören Sie die Stimme des Allmächtigen , Herr , « sprach streng der Greis , » der mit seinem Sturmwind über jene Wogen fährt , denen bald Ihr Leben anvertraut sein wird , und bereuen Sie Ihre Handlungsweise . - Fort mit ihm , und Sie , Nowossilsky , zu Schiffe , zu Schiffe , damit Sie die hohe See erreichen , ehe der Sturm nach Süden umsetzt ! « Er reichte dem Contre-Admiral die Hand und die Schiffs-Offiziere verließen eilig den Saal und die Admiralität . Knirschend fügte sich der stolze Brite in die Befehle , da einige deutliche Winke ihn belehrten , daß er sonst mit Gewalt an Bord geschleppt werden würde . Als er am Quai stand und auf das Boot harrte , legte sich eine Hand auf seine Schulter , und sich umwendend schaute er wieder in das Haß glühende Auge des Griechen . » Ich hoffe , « sagte dieser mit zischendem Ton , » wir werden uns wieder begegnen , wo Sie nicht unter ' m Schutz der Gefangenschaft stehen . Holen Sie Ihr Kind , Mylord , wenn Sie den Muth dazu haben ! « » Ich werde es holen ! Goddam ! « Er sprang in ' s Boot und die dunklen Wellen trennten die Gegner . - Während der ausbrechende Sturm bereits das Land und Meer peitschte , remorquirte die Bessarabia das Admiralschiff » Großfürst Constantin « aus der Bucht , auf deren Höhe die beiden anderen Linienschiffe es erwarteten . Eine Stunde darauf waren die Anker gelichtet und das Geschwader stand unter Sturmsegeln glücklich hinaus in See . III. Sinope . Die russische Pontus-Flotte hatte bisher ungehindert auf dem Schwarzen Meere und bis dicht an die rumelischen und anatolischen Küsten gekreuzt , und bereits mehrere türkische Dampfschiffe , darunter noch während der von Omer-Pascha dem russischen Oberbefehlshaber in den Fürstenthümern gestellten Frist den » Medari Tidjaret , « genommen . Die türkisch-egyptische Flotte ankerte während dessen noch im Bosporus in der Bucht von Beykos . Das französisch-englische Geschwader war am 8. und 9. vor Constantinopel eingetroffen , wobei wieder verschiedene kleine Scenen von Rivalität zwischen den beiden Nationen stattgefunden hatten . Ihre mächtigen Schiffe lagen jetzt vom Eingang des Goldenen Horns bis Bujukdere hinauf an dem europäischen Ufer des Bosporus und ihre Mannschaften füllten die Straßen von Constantinopel , wobei das anständige und freundliche Benehmen der französischen Matrosen einen grellen Gegensatz gegen das brutale und rohe Treiben der englischen Seeleute bildete , die auf den Straßen Schlägereien mit den türkischen Wachen anfingen , Weiber insultirten , die Bevölkerung verhöhnten und sich so viehisch betranken , daß täglich Abends die Gassen in Galata und Tophana voll Sinnloser lagen , die sich im Koth wälzten . Es blieb zuletzt dem Seraskier Nichts übrig , als der Befehl an sämtliche Wachen , jeden Morgen die betrunkenen Matrosen von den Straßen aufzulesen und sie in großen Booten an Bord des englischen Wachtschiffes abzuliefern . Die Feindseligkeiten in Asien zwischen Russen und Türken hatten unterdeß einen ausgedehnteren Gang und größere Bedeutung gewonnen , so daß die Unterstützung der beiderseitigen Flotten nöthig wurde . Am 28. October hatte Selim-Pascha , der Oberbefehlshaber der türkischen Truppen in Anatolien , das Fort Nikolajowst ( Scheffekil ) , den ersten russischen Posten an der südlichsten Spitze der Küste von Kaukasien , zwischen Batum und Redutkale , überfallen und nach siebenstündigem hartem Kampf genommen . Der Posten war nur durch die großen Proviantvorräthe von Bedeutung , welche hier lagerten . Der Kommandant der Truppen in Grusien , Oberst Karganow , versuchte zwar denselben wieder zu nehmen , wurde jedoch zurückgedrängt . Der Verlust auf beiden Seiten war erheblich . Die türkische Armee überschritt hierauf auch an anderen Punkten die russische Gränze und nahm einige kleine Posten weg , bis Fürst Bariatinsky , der Chef des Generalstabes der zweiten activen Armee1 , dem Feinde in einer vorteilhaften Stellung bei Gümri2 am 14. November eine bedeutende Niederlage beibrachte , bei welcher circa 1000 Türken zu Gefangenen gemacht wurden . Bald darauf , am 26. , erfocht Fürst Andronikoff einen zweiten glänzenden Sieg über das türkische Corps , das Achalzik ( Akiska ) eingenommen hatte und die Festung belagerte . Die Türken verloren hier an 5000 Mann , 12 Kanonen , 7 Fahnen , die ganze Bagage und große Munitionsvorräthe . Es ist eine bekannte Sache , daß die tscherkessischen Stämme in ihrem Kampfe gegen Rußland seit Jahren im Stillen von England unterstützt wurden . Bei Beginn der orientalischen Verwickelungen war daher eines der ersten Mittel , was die sogenannte neutrale Intervention in ' s Auge faßte , die Aufreizung Schamyl ' s zu einem Angriff gegen die russischen Forts an der abchasischen Küste und die ganze Stellung am Kaukasus . Man hoffte dabei offenbar auf einen Aufstand aller mingrelischen Stämme , um damit eine Schutzwehr für Anatolien zu erlangen . Die Politik der Westmächte , die bis zum letzten Augenblicke den Schein einer abwartenden und ausgleichenden Stellung zu bewahren suchte , schob natürlich bei Verfolgung dieser Intrigue das türkische Cabinet vor . Es wurde im Divan eine Expedition an die abchasische Küste beschlossen , um den Bergvölkern Geld , Waffen und Truppen zuzuführen , und alsbald in ' s Werk gesetzt . Mit dem Kommando des Geschwaders ward , auf die Einwirkung des Kapudan-Pascha , dieses zweiten Führers der Kriegspartei , der 61 jährige Osman-Pascha betraut . Derselbe empfahl sich wenigstens durch einen 42jährigen Seedienst , indem er schon 21 Jahre im Dienste Mehemed Ali ' s gestanden , bei Navarin eine Brigg , beim Bombardement von St. Jean d ' Acre ein Linienschiff kommandirt hatte und seit 10 Jahren den Titel eines Admirals führte . Die Erfahrung indeß hat gelehrt , daß auch jetzt eben noch wie früher die türkische Marine trotz der in England gebauten Schiffe keineswegs den Ruf verdient , den man ihr mit Gewalt gegenüber der russischen beizulegen versuchte . Mit wenigen Ausnahmen hat die Türkei nie gute Seeoffiziere erzeugt , und das Kommando sich stets in unfähigen Händen befunden . Eben so wenig sind die Türken tüchtige Seeleute und die türkische Flotte war bis zum Beginn des Krieges zum großen Theil mit griechischen Matrosen bemannt , die bei der allgemeinen fanatischen Stimmung unter der griechischen Bevölkerung ihren Dienst verließen , so daß nur eine ziemlich undisciplinirte zusammengeraffte Mannschaft auf derselben zurückblieb . Noch trauriger war es auf der egyptischen Flotte bestellt , die mit Ausnahme der Dampfschiffe aus so jämmerlichen , alten und morschen Fahrzeugen bestand , daß beim Auslaufen dieser Hilfsescadre aus Alexandrien im Sommer das Admiralschiff alsbald gesunken war , und die Flagge schleunig auf einem zweiten Schiffe aufgehißt werden mußte . Das Geschwader , mit dem Osman-Pascha in der ersten Hälfte des Novembers Befehl erhielt , unter Segel zu gehen , bestand aus 7 Fregatten von 74 , 60 , 52 , 56 , 50 , 38 und 42 Kanonen , 2 Corvetten , 1 Sloop und 2 Transportschiffen . Es hatte über 5000 Mann Landtruppen unter Kommando Mustapha-Pascha ' s , zur Ausschiffung an der tscherkessischen Küste , an Bord , so wie 20 Millionen Piaster in englischem Golde , nebst bedeutenden Vorräthen von Waffen und Munition . Mehrere englische Offiziere und Ingenieure , so wie eine Anzahl politischer Flüchtlinge , befanden sich auf den Schiffen . Dies war die wichtige Nachricht der russischen Agenten in Constantinopel , welche Caraiskakis von Varna aus , indem er ein auf der Höhe der Bucht kreuzendes Schiff erreichte , dem Geschwader des Vice-Admirals Nachimow , des Kommandirenden der fünften Flotten-Division , und von diesem mit der Bessarabia nach Ssewastopol überbracht hatte . Am 24. erblickte Vice-Admiral Nachimow , in der Aufsuchung des türkischen Geschwaders begriffen , dasselbe im Hafen von Sinope , wohin sich Osman-Pascha , der am 16. von Trapezunt abgesegelt war , zurückgezogen hatte , theils um Schutz vor den Stürmen zu suchen , theils um abzuwarten , daß die an der abchasischen Küste kreuzenden russischen Schiffe sich zurückzögen . Die Türken glaubten sich auf der Rhede von Sinope vollkommen sicher vor jedem Angriff . Am folgenden Tage verhinderte ein heftiger Sturm aus Westen den Admiral , sich Sinope zu nähern , und er sandte sofort die Bessarabia nach Ssewastopol mit der Nachricht ab , indem er mit den Linienschiffen » Kaiserin Maria « von 120 , » Tschesme « und » Rosstisslaw « von 84 Kanonen und den Fregatten » Kagul « und » Kulewtschi « die Rhede blokirte . Die Stadt Sinope , im Alterthum berühmt und als Geburtsort des Philosophen Diogenes bekannt , liegt auf einer weit in ' s Meer vorspringenden Landzunge , die einen sichern Hafen bildet . Von ihren berühmten Tempeln , Lyceen und Porticis ist Nichts mehr zu sehen , aber die großen Fundgruben alterthümlicher Reste sind die Mauern , welche die ärmlich erbaute neue Stadt und die Citadelle umgeben . Letztere scheint ein byzantinisches Werk zu sein und ihre Mauern bestehen ganz aus Bruchstücken von Säulen , Friesen und Kapitälern etc. , bunt durcheinander . Die Stadt zählt etwa 10,000 Einwohner . Die türkische Escadre war bogenförmig längs dem Ufer aufgestellt , mit seitwärts ausgeworfenen Wurf-Ankern , um bei jedem Winde eine Linie bilden zu können . Am Ufer waren , den Zwischenräumen der Schiffe gegenüber , doch ziemlich ungeschickt , fünf Batterieen errichtet . In der Nacht zum 28. traf der Contre-Admiral Nowossilski mit seiner Abtheilung bei dem blokirenden Geschwader ein . Dasselbe bestand nunmehr aus 6 Linienschiffen und 2 Fregatten . Am 28. machte der Vice-Admiral Nachimow seine Dispositionen , um beim ersten günstigen Winde den Feind anzugreifen . Dies sollte in zwei Colonnen geschehen , deren rechte der Admiral führen wollte . Sein Flaggenschiff war die » Kaiserin Maria « ; die Schiffe » Großfürst Constantin « und » Tschesme « sollten ihm folgen . Die linke Angriffscolonne unter Befehl des Contre-Admirals Nowossilski bestand aus den Schiffen » Paris « , » Tri Sswjatitalja « und » Rosstisslaw « . Die Fregatten » Kagul « und » Kulewtschi « sollten unter Segel auf der Rhede bleiben , um , falls einige feindliche Schiffe sich durch die Flucht zu retten versuchen wollten , sie daran zu verhindern . Die Russen ersehnten eifrig den günstigen Wind , während die Türken unter dem Schutz der Batterieen an die Unmöglichkeit eines Angriffs zu glauben schienen . Endlich am Morgen des 30. , Mittwoch , setzte der Wind um und es trat ein leichter günstiger Ost-Nord-Ost ein . Um 10 Uhr Morgens gab der Admiral das Zeichen , sich zum Kampfe fertig zu machen . Am Tage vorher war Sir Maubridge mit seinen beiden Dienern durch ein Boot in der Nähe der Stadt an ' s Land gesetzt worden . Während sich die beiden Colonnen unter Leesegeln dem Feinde näherten , herrschte so starker Nebel und Regen , daß die feindlichen Schiffe kaum in der Entfernung einer halben Stunde deutlich sichtbar waren . Die » Kaiserin Maria « ging auf ungefähr 250 Faden weit an zwei türkische Fregatten heran , deren eine von 74 Kanonen die Flagge des Bahrielivaki ( Vice-Admiral ) Osman Pascha zeigte und hinter deren Spiegel am Ufer sich eine Batterie von 12 Kanonen befand , und warf in dieser Entfernung Anker und Wurfanker . Zugleich legte sich auf dem linken Flügel das Flaggenschiff des Contre-Admirals Nowossilski , » Paris , « noch näher an den Feind und die anderen Schiffe nahmen ihre ihnen angewiesene Stellung ein , der » Tschesme « aus dem äußersten rechten , der » Tri Sswjatitelja « auf dem linken Flügel . Die russischen Schiffe hatten kaum Anker geworfen , so begannen die türkischen Batterieen und Fregatten ihr Feuer . Admiral Nachimow hatte mit seinen Offizieren auf der Schanze der » Maria « seinen Platz genommen und beobachtete mit dem Fernrohr die beginnende Schlacht . Die Kugeln der Batterieen , namentlich die des Forts von Sinope , thaten dem Masten- und Spierenwerk des Schiffes großen Schaden , und auch auf dem » Constantin « bemerkte man deutlich denselben Uebelstand . » Lassen Sie die Geschütze der obern Batterie zunächst gegen das Kastell richten , Capitain Budischtschew , « befahl der Admiral , » wir müssen dasselbe zum Schweigen bringen , sonst behalten wir keine Stenge an Bord . Mit den Fregatten wollen wir alsdann schon fertig werden . « - Lieutenant Roßtißlaw führte den Befehl auf dem ersten Deck . An seinen Geschützen arbeiteten die später durch ihren Heldentod so berühmt gewordenen Matrosen Bolotnikow , Schewtschenko und Koschka mit ihren Kameraden , alle bis zum Gürtel entblößt , auf den ersten Wink zum Beginn des Feuers harrend . Der Capitain ging selbst durch die Batterieen und ordnete die Richtung der Geschütze , während die türkischen Kugeln durch das Takelwerk pfiffen und hin und wieder in die Wände des Schiffes prasselten . Nachdem Alles geordnet war , erfolgte der Befehl zur Eröffnung des Feuers , und von diesem Augenblick an spie die » Maria « ohne Unterbrechung ihre Breitseiten gegen das Ufer . » Sehen Sie den Constantin an , Excellenz , « bemerkte Budischtew , » wie er mit der Batterie dort umspringt ; wahrhaftig , Capitain Rakowskoi rasirt sie , ehe die Türken drei Mal zum Laden kommen . « In der That war fünf Minuten nachher die Batterie völlig demontirt und das Linienschiff konnte unbehindert seine Bombenkanonen des untern Decks gegen die gegenüberstehende Fregatte wenden . » Das Feuer auf dem linken Flügel scheint heftig , « sagte der Admiral ; » der Rosstisslaw scheint von den kleinen Schiffen , die sich an ihn gehangen , und den Batterieen zu leiden . Geben Sie dem Kagul das Signal , sich anzuschließen . « » Die Bomben der Paris haben die Stadt in Brand geschossen , ich sehe eine Feuersäule aufsteigen , « meldete der Lieutenant Birjulew . » In welchem Theil ? « » Nach den Minarets ist es das türkische Viertel . « » Ha ! - was ist das ? Tscherti tjebie by wsiali ! da geht sie wahrhaftig in die Höh ' ! « Ein donnerndes Geprassel überdröhnte das Brüllen der Kanonen , - die Fregatte , welche dem » Constantin « gegenüber gestanden , flog in die Luft , ihre Trümmer fielen weit ringsum und entzündeten die Flamme an einer zweiten Stelle der Türkenstadt . Lustig arbeiteten die Kanonen auf den drei Decks der » Maria « , dichter Pulverdampf hüllte sie in fast undurchdringlichen Nebel , daß kaum die Mannschaften der Geschütze neben einander sich sehen konnten . Nur der ermunternde Zuruf der Offiziere , das Aechzen der Verwundeten unterbrach die stille Arbeit an den Kanonen . Da prasselte es durch das obere Deck und eine Bombe schlug mitten zwischen die Batterie . » Nieder ! zu Boden ! « Der Ruf des Lieutenants wurde nur von Wenigen vernommen , die , gewohnt an blinden augenblicklichen Gehorsam , sich auf das Deck warfen . Einer der Matrosen des nächsten Geschützes aber war , mit dem Rücken gegen den Offizier gekehrt , eben mit der Visirung seiner Kanone beschäftigt und hörte den Befehl , oder achtete der Gefahr nicht . Lieutenant Roßtißlaw , im Begriff , sich niederzuwerfen , bemerkte den Mann . Im selben Augenblick auch erfaßte er ihn bei den Beinen und riß ihn schwer zu Boden , daß der Matrose hart mit dem Schädel gegen das Geschützrad schlug und sein Gesicht sich mit Blut bedeckte . Im nächsten Moment platzte die Bombe und ihre Tod und Verderben bringenden Splitter sprühten umher . Zehn verstümmelte Leichen deckten den Boden , als der Offizier wieder in die Höhe sprang , schweres Aechzen belehrte ihn , daß noch Mehrere verwundet worden . » Der Teufel hole die Kugel , sie kostet uns ein Dutzend der besten Leute ! Was , auch mein braver Schwetschenko ? - Warum hörtest Du nicht auf meinen Befehl , Sukiensyn3 ! « » Hollah , Euer Gnaden , « sagte der Matrose , den der Lieutenant eben bedauerte und welcher derselbe war , den er zu Boden gerissen , » die Bombe hat mir Nichts gethan , Euer Gnaden haben mich nur etwas unsanft angepackt . Aber jetzt weiß ich warum , und schorte wos mi , wenn ich ' s Euer Gnaden vergesse ! « Ein Adjutant des Admirals sprang die Leiter herunter . » Vielen Verlust , Roßtißlaw , von der Bombe ? « » Zehn todt , sechs verwundet ! « » Teufel , das wird den Alten ärgern ! An ' s Werk , Jungens , und richten Sie die Geschütze jetzt gegen das Admiralschiff . Wir müssen die Flagge haben ! « Die Kanonen donnerten , die Männer arbeiteten , von Blut , Dampf , Staub und Schweiß bedeckt , wie die Teufel ausschauend , wie die Teufel thätig in diesem Meer von Donner und Flammen . Eine neue Explosion erfolgte : die türkische Fregatte , welche der » Paris « gegenüberlag , ging in die Luft . Die See weit umher war von Trümmern , Leichen und Schwimmenden bedeckt . » Die Wurf-Ankertaue sind durchschossen , « ließ der im Vorderkastell kommandirende Offizier der » Maria « dem Capitain melden . » Das Schiff fällt ab . « » Auf der Barkasse den Wurfanker ! Herunter mit dem Kabeltau ! « Unter dem heftigsten Feuer wurde das Schiff wieder festgelegt . Der » Tri Sswjatitelja « war in gleicher Verlegenheit gewesen . Eine Stunde hatte das Feuer in voller Heftigkeit gedauert , als es auf türkischer Seite zu ermatten begann . Die Boote der Schiffe , die noch See halten konnten , bedeckten , mit Flüchtenden gefüllt , den Raum nach dem Ufer . Hunderte warfen sich in ' s Wasser , um schwimmend ihre Rettung zu versuchen . Um 2 Uhr hörte das Feuer von den türkischen Fahrzeugen fast ganz auf ; drei Fregatten , darunter die des türkischen Admirals , standen in Flammen , und von den zwei durch die Kugeln durchbohrten und gesunkenen Transportschiffen waren nur die Masten sichtbar . Eine der Corvetten war gleichfalls von den herbeigekommenen Fregatten » Kagul « und » Kulewtschi « in Grund gebohrt , die andere Corvette und die Sloop kampfunfähig . Die drei Schiffe hatten dem » Rosstisslaw « arg zugesetzt . Um 21 / 2 Uhr gab Admiral Nachimow das Signal , das Feuer einzustellen . Zugleich wurde Lieutenant Birjulew mit der Parlamentairflagge nach der Stadt gesandt , um den türkischen Behörden anzuzeigen , daß , wenn noch ein Schuß von den Batterieen oder vom Ufer aus fallen sollte , der Admiral von Grund aus die Stadt zerstören und abbrennen werde . Der Offizier verweilte fast eine Stunde unbehindert am Ufer , ohne eine obrigkeitliche Person auffinden zu können . Ein panischer Schrecken hatte sich der Moslems bemächtigt und die türkische Bevölkerung sich sämtlich in die nächsten Dörfer geflüchtet . - Während die Schlacht im Hafen von Sinope wüthete , hatte sich auf der See jenseits der