: » Ihr ? wäre es auch , wär ' s doch kein Verdienst ; Ihr selbst triebt ja den Gatten und Vater von ihnen . « - » Schweigt ! « herrschte ihm Wallrade zu : » Ich konnte sie verschmachten lassen , und that es nicht ; ich konnte sie dem Hohn der Welt preis geben , und that es nicht . Nach Baldergrün wollte ich sie führen . Der Gedanke gefiel mir , gerade ihnen wohl zu thun . Allein ... begehrt Ihr ihr ferneres Schicksal zu wissen , - so muß ich befürchten wirklich der Schlange zu gleichen , von welcher Ihr spracht . « - » O sagt ' s heraus ! « unterbrach sie Bilger schnell und verstört : » Euer Zögern gibt mir im Voraus den Tod . O welches Wort sprach ich jetzt aus ? « setzte er hinzu , und schauderte : » Mußte ich ihn nennen , den Tod ? Und steht er nicht in Verbindung mit dem , was ich von Euch erfahren werde ? « - » Möglich ; « antwortete Wallrade kalt : » Gewißheit ist indessen besser als der Zweifel . Durch meines Herzens Bezwingung erhielt ich Katharinens Freundschaft , allein weder Trost noch Freigebigkeit konnten ihr Leben erhalten . Mit ihrem Kinde im Arms stürzte sie sich in die Fluthen des Mains . « - Der Herr von der Rhön sank langsam nieder auf die Trümmer der Altarstufen . - » In die Fluthen des Mains ! « wiederholte er mit der eisigen Kälte der Verzweiflung , die jedes Wort mit Zentnergewicht belegt , damit es ja unerbittlich die Seele zerschmettre . - » In die Fluthen des Mains ? Das , unglückseliges Weib , war also deiner Tugend Ziel ? das das letzte Schlafstündlein meines Kindes ? O , wahr ist es , wahr , daß die Sünde nimmer Gedeihen bringt , aber nur der Teufel bringt die Sünde auf die Welt . « » Laßt doch meine Hand los ! « sagte Wallrade zitternd , da sie sich von Bilger ' s eisiger Rechten erfaßt fühlte : » Die Kälte des Todes zuckt in Euern Fingern ! « - » Warum habt Ihr nicht recht ? « jammerte der Herr von der Rhön , und erleichternde Thränen schossen in seine Augen , wie der Angstschweiß auf die Stirne : » Warum liege ich nicht auch , ein erstarrter Leichnam , im Abgrund des trügerischen Stroms ? Ach , ich habe ja doch nur sie geliebt . Was früher mein Herz bewegte , war eitler Tand , ... sie nur war das Juwel , die Perle meines Lebens . Aber so wie die Perl emporsteigt aus der Tiefe der Fluth , so hat sie sich hinunter gesenkt auf den kühlen Moosgrund , weil die Welt zu arm war , dies Kleinod zu kaufen und zu hüten . « » Ihr werdet wahnsinnig ! « versetzte Wallrade ; » laßt mich ! « - » Nicht eher , als bis Du mich hingeführt hast zum Grabe meines Weibes ! « sprach Bilger : » Wo ruht sie ? wo mein Kind ? O sage es mir , - Du , ihre letzte Pflegerin , Du ihre Mörderin ! « » Spart Euern Witz ! « antwortete das Fräulein kalt : » Eure Sünden haben sie umgebracht . Ihre Leiber fand man aber nicht , und gewiß hat die Fluth sie hinausgeführt in ' s offne Meer , damit nicht christlich geweihte Erde die Theilnehmerin wie die Frucht schändlicher Doppelehe bedecke ! « - » Nicht einmal ihr Grab werde ich sehen ? « klagte Bilger , ohne auf Wallradens Schmachrede zu hören : » Wie elend bin ich nun ? « Mochte ich doch flüchtig umherirren ... ich wußte ja doch , daß fern von mir zwei Herzen voll Liebe für mich schlagen ! Und diese sind jetzt zur Ruhe gegangen ! » O , ich Schändlichen ! Du , Grausame ! wir haben sie gemordet ! Ein unerbittlich Strafgericht hat mich gen Frankfurt geführt , und in diese Höhle des Raubes , damit ich erfahre , wie ganz verwaist ich nun bin ? Meine Katharine ! meine kleine , holde , unschuldige Agnese ! « - » Seht da , in welcher Erbärmlichkeit und Blöße Euer unmännlicher Schmerz Euch darstellt ! « sprach hierauf Wallrade , deren Büsen hoch aufklopfte bei diesem Anblick : » Ihr trauert um das Weib , das Euch nicht gehörte , - um das Kind der Unzucht ; und Eure rechtmäßige Gattin verabscheut Ihr ? nach Euerm Sohn sendet Ihr kein fragend Wort aus ? « - » Wölfin ! « seufzte Bilger , trostlos ihr in ' s Auge sehend : » Erbarmte mich nicht des Knaben Schicksal ? hielst Du ihn nicht von mir entfernt , und begannst meine Strafe , indem Du ihn mir entzogst ? « » Weil ich mein Kind nicht als einen Fündling in Euerm Hause wissen wollte ; « erwiederte Wallrade : » Täuschung verabscheut mein Herz . Der Knabe sollte Euern Namen nicht führen , aber unter Katharinens Herrschaft stehen ? Nimmermehr ! Ich behielt ihn , damit er mir stets Euer Verbrechen vergegenwärtige , und - ich läugne es nicht - zu meinem Rächer wollte ich ihn erziehen . « - » Mein Sohn sollte Dich an mir rächen ? « fragte Bilger entsetzt : » Weib ! Du hast keinen menschlichen Blutstropfen in Deinen Adern . Wo wird er zu diesem abscheulichen Geschäft erzogen ? « - » Ich hatte ihn dem Freiherrn von Issing vertraut ; « entgegnete Wallrade ruhig , obgleich bei diesem Namen ein Blitz aus Bilger ' s nassem Auge schlug : » allein der edle , von Euch verkannte Mann war schon in Preußen in einem Volksaufruhr gefallen , und der Knabe selbst wurde mir geraubt . « - » Geraubt ? « stammelte Bilger : » Geraubt ? O sprecht es aus : Er ist auch todt ? « - » Ich würde es Euch nicht verhehlen ! « erwiederte das Fräulein fest : » allein ich sage die Wahrheit . Euch hatte ich zuerst im Verdacht ; aber nun habe ich erkundet , wo der Knabe ist , und werde ihn - so bald ich befreit bin - zurückfordern . « - » Wo , wo ist er ? « fragte Bilger dringend : » Dieses Kind könnte mir allein die Ruhe wiedergeben . Wenn noch ein Anklang jener Zeit in Deinem Busen lebt , die uns das Trugbild einer schönen Zukunft vorspiegelte , so verhehle mir auch nicht - des Knaben Aufenthalt . Wer hat ihn entführt ? Wer hat sich seiner angenommen ? O , wenn ich ihn auch nicht mein nennen darf , - nur sehen , sehen möchte ich ihn ! Ihn küssen und fliehen bis in mein Grab ! « » Ihr seyd berauscht von Euerm Schmerz ; « versetzte Wallrade : » Ich bedaure Euch ; aber des Knaben Wohnort nenn ich Euch nicht . Eure Unbesonnenheit und Euer Ungestüm könnten mir mein Eigenthum rauben , ehe meine Ketten sich hier lösen . « » O warum bin ich ein ohnmächtiger , wehrloser Mann ? « rief Bilger : » Warum kann ich Euch nicht befreien , daß Ihr mich hinführen könntet zu dem holden Knaben , den Ihr zu unnatürlichem Dienste bestimmt . O gewiß ! meine Reue , meine Liebe würden schon in dem Kinde die Rache , des Mannes entwaffnen ! Ich würde ruhig und ferne sterben können ! « - » Der List , welche ohnmächtig scheint , und es nicht ist , gelingt oft mehr als der Stärke und Gewalt ! « sprach Wallrade : » Euerm Gewande sollte , selbst in der Mitte dieser rohen Bösewichter , nichts unmöglich seyn . Wollt Ihr dem Sohne zu Liebe thun , was Ihr der Mutter nie zu Gunsten thun würdet , so trachtet , mich zu befreien . Dann führe ich Euch zum Sohne . Im Gegenfalle sterbe ich eher , als ich an Euch verrathe , wo der Knabe lebt . Sinnt nach ! An Muße dazu fehlt es in dem Gefängnisse nicht . Ich lohne Euch mit gänzlichem Vergessen , und mit einer Umarmung unsers Johanns . Vielleicht thue ich auch mehr , wenn ich Vertrauen zu Euerm Vaterherzen fassen kann . Nunmehr laßt uns aber scheiden . Im nahen Dorfe schlägt die elfte Stunde , und , so ich nicht irre , vernehme ich von fern Frau Elsen , die mich abzuholen kömmt . « - Sie verließ den zerknirschten Mann , der unbeweglich auf des Altars Stufen ruhen blieb . Frau Else kam ihr wirklich im Hofe entgegen , und der Anblick der Gefangnen erheiterte die harten und finster gewordenen Züge der Frau von Vilbel . - » Sieh , sieh , « sagte diese Letztere , die Lampe in ihren Händen putzend : » das war ein lang Gewerbe in dem Kirchlein . Ich dachte , es würde kein Ende nehmen , midi fürchtete bereits , Ihr möchtet mit dem Ordensmanne durch die Luft davon gegangen seyn . Nun , nun , wenn man Buße thut , so thue man sie recht ; das ist auch meine Meinung , und ich würde auch recht fleißig zur Kirche gehen , wenn mein Alter nicht beständig im Interdikt läge . Kommt jetzo nur mit hinaus . Ich habe die Trunkenbolde alle zu Bett geschickt , denn ich saß wegen Eurer auf Nadeln zwischen den ungehobelten Gesellen . Der Weg zu unserm Gemache ist rein und still . « - Während Wallrade auf das Gebäude zuschritt , rief Else in die offne Kapellenthüre : » Kommt , ehrwürdiger Herr ! Ihr werdet müde seyn , und ich habe Euch am glimmenden Herde ein Lager bereitet , worauf ihr schlafen könnt , wie ein Kaiser . « - Indem trat der Herr von der Rhön auf sie zu , und vor seinem leichenmäßigen Antlitz entsetzte sich Bechtram ' s Ehewirthin . - » Um Gott ! « flüsterte sie : » Was ist Euch zugestoßen , hochwürdiger Herr ? Ist es doch , als hättet Ihr ein Gespenst gesehen , oder wärt selber eins ! « - Da nun aber der sogenannte Mönch nicht antwortete , sondern unwillkürlich nach der Thüre des Thurms ging , in welchem er bisher gewohnt war , seine Behausung zu sehen , so nahm ihn Frau Else ohne Umstände beim Arm , und sagte : » Was treibt Ihr denn , guter Herr ? Seyd Ihr schlaftrunken , oder hat Euch ein Gesicht erschreckt ? Kommt , kommt ; dort in der Halle ist es warm und heimlich . Dort werdet Ihr ruhen und Eurer bisherigen Leiden vergessen . Ich werde meinem Alten sagen , daß es anders mit Euch wird . Kommt nur ! kommt ! « - Sie schloß die Kirchenthüre zu , und führte sorglicher , als man von dem harten Weibe hätte erwarten dürfen , den von seinem Schreck noch nicht zu sich Gekommenen , in das Haus . Wallrade floh bei seiner Ännäherung die Stiege hinan , und Bilger sank , nachdem Else mit eigner Hand die Holztreppe des Hauses in die Höhe gewunden , und in dem Schloß befestigt hatte , ermüdet von Gram und Entbehrung auf die dürftige Ruhestätte , die ihm die mitleidige Ritterfrau am Fuße des Herdes bereitet hatte . Die Stunden schlichen aber über seinem Haupte hin , wie saumselig zögernde Grabgestalten ; und Gestalten des Grabes sah auch nur sein wacher Traum . Er hatte Wallraden nur wieder gesehen , um neues Unbill von ihr zu erfahren . Ein größres hatte sie ihm indessen niemals zugefügt ; denn die Kunde von Katharinen ' s und Agnesen ' s Tode schlug seinen Muth völlig darnieder . Die Ungewißheit über seines Sohnes Schicksal , den er nur mit bangem Widerstreben , um sein Geheimniß nicht zu enthüllen , Wallraden überlassen hatte , vermehrte seine entsetzliche Stimmug , und der Gedanke , daß er Wallraden zuvor befreien müsse , ehe er erfahren werde , wo sein Sohn hingekommen , scheuchte auch die leiseste Annäherung des Schlummers von seinem Haupte . Und da gegen Morgen die Erschöpfung ihr Recht geltend machen wollte , umstanden schon die Herren und Gäste des Hauses sein Lager , und weckten ihn unter Scherzen , wie sie in der Genossenschaft gäng und gäbe waren . - » Aufgestanden , Hexenmeister ! « rief der Hornberger , aus dessen rothen Augen noch die Flamme der gestrigen Ausschweifung loderten : » Halloh ! an ' s Werk ! Bechtram ' s Roß muß gesund seyn , ehe noch die Sonne ganz über den Bergen ist . « » Wo seyd Ihr denn gestern hingekommen ? « fragte Bechtram , der dem Herrn von der Rhön vom Lager aufhalf . » Nicht weiter als hieher , ich wette ! « lachte der Leuenberger : » Der feurige Steinwein war dem armen Burschen ein ungewohnt Ding , und er ging an die Arznei , als schon der Kopf nicht mehr sein war . Da hat er sich gewißlich während des Kesselschwenkens nieder gelegt , um sanft zu entschlafen und selig . « - » Kommt , ihr Herren , « erwiederte Bilger nach all diesen freundlichen und spöttischen Reden : » ich denke , ich werde nicht zu viel versprochen haben . « - Der Versuch fiel glücklich aus . Bechtram ' s Gaul spitzte muthig die Ohren , da die schmerzhafte Heilung vorüber war , und scharrte mit dem Huf , als wollte er in ' s Weite . Bechtram jubelte ob dem Gelingen , und ließ sorgfaltig den Gaul in den Stall zurückbringen . - » Habt Dank , Meister Kuttenmann ! « sprach er freundlich zu Bilger : » Meine Anerkennung will ich Euch thätig beweisen , so bald ich kann . Vor der Hand könnt Ihr frei gehen , so weit der Zwinger reicht , und meine Hausfrau soll Euch nichts abgehen lassen . Ich hab ' es ihr befohlen , und will bei meiner Rückkehr hören , ob sie Wort gehalten . « - Der Herr von der Rhön nickte gleichgültig mit dem Kopfe , und entfernte sich langsam in ' s Innre der Burg . - » Ein närrischer Kumpan ! « spottete der Hornberger : » Kurz angebunden , als ob er , - weiß Gott wer - wäre . Und wie nennt man ihn denn ? « - Die Übrigen mußten bekennen , daß sie es eben so wenig wußten . » Wozu auch einen Namen ? « rief der Leuenberg : » Ist Pfaffe nicht genug ? Pfaffe , und damit gut . Mag er uns ein Freudenamt singen , wenn unser Wirth gesund und wohlbehalten von Frankfurt wiederkehrt . « - » Willst Du im Ernste hin ? « fragte Doring den Ritter : » und lächelnd bejahte er es . « Doring schüttelte den Kopf . » Traue den Krämerfüchsen nicht ! « sprach er warnend : » Du wirst Dich verlassen auf das freie Geleit , daß sie Dir vor einer Woche zustellen ließen , für den heutigen Tag , und den morgenden , im Fall sich die Unterhandlungen in die Länge dehnen sollten . Aber wir erleben heut zu Tage gar oft das Beispiel , daß frei Geleit gebrochen wird , sonder Scham und Reue . Geh nicht hin . « - » So tapfer im Strauß , so feig im Rath ! « versetzte lächelnd wie oben der Burgherr : » Ich traue den Frankfurtern , und habe eher Recht , als sie , wenn sie mir vertrauen wollten . War ich nicht geraume Zeit ihr Stadt- und Feldhauptmann ? Sie werden nicht hinterlistig handeln gegen einen Mann , der ihre Fahne trug . « - » Eben darum ! « fuhr Doring lebhafter fort : » Hättest Du den Lappen nie getragen ! Und wozu soll denn wohl der vorgeschlagene Vergleich dienen ? Du wirst doch nicht die Artikel halten wollen , die das Bürgerpack Dir aufschwatzen möchte ? « - » Beschwören und halten ist nicht einerlei ; « sprach Bechtram dagegen : » aber mir kann ' s nicht einerlei seyn , wenn ich sehe , daß die vorsichtigen Pfeffersäcke mir die Heerstraße rein halten , so weit das Auge reicht . Darum will ich sie wieder kirre machen , und wimmelts alsdann wie ehedem von Körnern , Mezgerzügen und Weinfuhren , so will ich ihnen die Leichtgläubigkeit eintränken , und meine Vorräthe anhäufen . Jährlich einen Span mit Frankfurt , und jährlich wieder Versöhnung ! Dabei finde ich gute Rechnung . Haltet mich darum nicht auf , meine Freunde . Den alten Fuchs von Vilbel fängt man nicht so leicht , und die Herren von Frankfurt fürchten mich und meine Drohungen . « - » Donner und zehntausend Teufel ! « rief der Hornberger dazwischen : » Das dürfen sie auch . Wir heißen nicht umsonst die wilde Jagd in der Wetterau . Eine Lohe wollten wir anschüren über den Giebeln der Stadt , daß die Engel im Himmel die Füße zusammenziehen sollten vor Brandschmerz ; .. und so viel Achtung und Freundlichkeit mir das Fräulein von Baldergrün eingeflößt hat , - das Haupt schlüge ich ihr vom Rumpfe , und schickte es ihren Landsleuten zum Geschenke , wenn sie sich an unserm biedern Wirth vergreifen wollten . « - » Erbärmliche Prahlerei ! « sprach der Leuenberger halblaut zu dem von Wiede : » Ich wollt es ihm doch rathen , des Fräuleins Kopf ungeschorn zu lassen . « - » Donner und Pestilenz ! « erwiederte der Junker von Hornberg , der die Äußerung gehört hatte : » Wer spricht da ? Veit ! Veit ! nimm Dich in Acht mit Deiner vorlauten Zunge ! Einen Prahler schilt mich Keiner zweimal . « - » ' s käme darauf an , es zu versuchen ! « entgegnete Veit , und warf die Nase in die Höhe : » Es gibt Dinge , die ich nicht einmal im Scherz begreife . « - » Wahre Dich vor dem Hornberger ! « redete Bechtram lachend dazwischen : » Du weißt ja , daß er mir gestern beinahe in aller Freundschaft und Kumpanei den Hals gebrochen hätte . Schäme Dich aber auch , alter , großer Leuenberg , daß Du so unritterlich dem Fräulein den Hof machst . Schon längst hab ' ich ' s gemerkt , und ich glaube , in der ganzen Veste gibt es Keinen , dem es ein Geheimniß wäre . Es gibt , weiß Gott , nichts Lächerlicheres , als einen verliebten Burschen , der schon beinahe über die Jahre hinaus , und in seinem ganzen Leben der Schönste nie gewesen ist . « - Die Genossen des Ritters lachten hell auf , während eine Art von Schaamröthe in Veit ' s braunes Gesicht stieg . - Bechtram fand Anerkennung seines rohen Witzes , und fuhr daher kecker fort : » Den Hornberg lob ' ich mir dagegen . Die Blicke einer Dirne prallen von ihm ab , wie die Pfeile des Schützen von dem Küraß . Und doch wäre er ein andrer Mann als Du , mein guter Veit Lustiger , offner , und ... ich muß es sagen , - weit kecker als Du . Während Du auf der faulen Haut liegst , und denkst , die Sonne soll Dir Wein , Brod und fleisch in die Kammer scheinen , sitzt der Hornberg risch und straff zu Gaule , und ist in der Wetterau gefürchtet , wie ich es nur war in meiner besten Zeit . Aber derselbe Muth , der im freien Felde , sich herumschlägt , gewinnt auch in einsamer Kammer die Herzen der Weiber . Merke Dir das , Veit ; und vergib mir , daß ich Dir in etwas die Wahrheit sagte , wie man nur einem Freunde zu thun pflegt . « - » An Eurer Ausrichtigkeit ist mir nie eingefallen zu zweifeln , « versetzte Veit , seinen auf ' s Höchste gestiegenen Unmuth hinter einem bittersüßen Lächeln verbergend : » ob es geziemend ist , einen Gast durch solche Reden zu kränken vor ansehnlicher Ritterschaft , meine ich nicht ; allein ich übersehe es Euch , da Ihr eben mein Gastfreund und obendrein mein Lehrer seyd , und Eures Alters wegen ein Wort voraushaben mögt . « Daß ich überall dabei bin , wo es gilt , und ich einen Vortheil absehe , daß ich in Kühnheit und Muth es aufnehme mit Jedem , der es mit mir wagen will , behaupte ich , so wie , daß ich Jedem den Hals breche , der an den des Fräuleins will . » Sie ist meine Base , und wahrlich weder der Graf von Montfort , noch Ihr , verehrlicher Ritter habt Euch durch ihren Raub Ruhm erworben . « - » Horch ! horch ! « spottete Hornberg , die Weise eines damalig beliebten Liedleins nachäffend : » Wie anders die Schalmeye klingt , denn sie zuvor erklungen ! wie anders doch der Buhe singt , denn er zuvor gesungen ! Wie hat der Leuenberg vor wenig Tagen noch gesprochen , und wie spricht er jetzo ? So lernt man minnen , was man haßte . Was gilt ' s , hol ' mich der Satan , er bedauert , der arme Schelm , daß ihn die Frankfurter in den Bann gethan . In die Krämerladen würde er sich stellen , und das Einmal Eins lernen , und die Elle handhaben , um sein Liebchen zu gewinnen ! « - » Wenn Du nicht schweigst ! « - schrie Veit , nach dem Dolche fahrend . Bechtram stieß ihn indessen kurz und bündig zurück . » Friede ! « rief er barsch dazwischen : » Stern und Kreuz ! Ihr habt mich gestern verhindert zu raufen , ob ich gleich der Herr vom Hause bin . Heute sollt Ihr mir dafür keinen Lärm und Hader anzetteln , und müßte ich euch Beide vor das Schloß werfen . Vertragt Euch , und damit ihr ' s könnt , soll meine Wirthin Wein schaffen ! « - Er klatschte in die Hände , pfiff seinen wohlbekannten Forstruf , und da das Fenster erklang , und Frau Else herausschaute , begehrte er einen Valet-und Satteltrunk . - » Ich bin heute so vergnügt ; « fuhr er fort , und sah sich munter im Kreise um : » Ich gedenke heute einen frohen Tag zu feiern , und morgen spätestens wieder behaglich in Eurer Mitte zu seyn . « - Alle , sogar des maulende Veit reichten ihm die Hände . Doring sagte jedoch kopfschüttelnd : » Gott verdamme den Weg , den Du machst , Bechtram . Ich habe böse Ahnung , Dein Gaul hat gestern das Vorzeichen gegeben . Es droht Dir entweder zu Frankfurt Unheil , oder Du bringst es von dannen nach Deinem Hause . Bleib daheim . « - » Plaudertasche ! « versetzte Bechtram lächelnd , ihn beim Schnauzbart zupfend : » Sorge nicht ; mir begegnet nichts Böses . Der alte Auerstier ist die Furcht des Waldes , und wäre ich ' s auch nicht allein , den die Städter fürchten , so sind es doch meine Freunde . Sieh einmal hin , auf die Hand voll Menschen , keck wie die Hähne , gespornt wie sie , und nicht minder hitzig . Ihr laßt mir nichts geschehen , Freunde , und in diesem Vertrauen laßt uns die Becher leeren auf fröhlich Wiedersehen ! « - Frau Else kredenzte den Trunk , und mit einem Jubel aufflogen die geleerten Humpen in die Luft . - » Nun keinen Tropfen mehr ! « rief der Reifenberger . » Auf morgen , oder heute Abend schon , das Übrige ! « setzte Henne von Wiede hinzu . - » Wiedersehen ! « murmelte Doring , dem Bechtram die Rechte schüttelnd . - » Ehe wir aber uns hinsetzen , um über die hintergangnen Reichsstädter in ' s Fäustchen zu lachen , müssen wir unsern Freund an Frankfurts Thore geleiten ! « sprach lebhaft der Hornberger . - » Ja ! das müssen , das wollen wir ! « jubelten alle insgesammt . - » Ich reite mit ihm in Sachsenhausen ein ! « fügte der von Wiede hinzu : » ich gehe ihm nicht von der Seite ! « - » Warum darf ich nicht ein Gleiches thun ! « brummte Doring : » Aber ich habe einen Span mit dem Rathe , und traue nicht . « - » Wir erwarten den Bechtram zu Oberrad ! « schlug der Hornberger vor , und Bechtram willigte gerne in das Geleit seiner Freunde und Genossen . - » So sey ' s ! « sprach er : » so bald ich mit dem Magistrate im deutschen Hause Frieden geschlossen , komme ich zu Euch , und sollte jener Unglücksvogel , der Kunz , recht haben , und sie mich einsperren auf ein Lösegeld , trotz Geleit und Furcht , so kommt der Wiede doch , und bringt Euch Kunde . « » Wehe dann , der Stadt ! « betheuerten Alle mit Lärm und Geschrei . - » Dir , mein werther Schüler und Freund , « wendete sich Bechtram zu Leuenberg : » Dir glaube ich eine Liebe zu thun , wenn ich Dich abermals zum Hüter der Frauen und des Hauses bestelle . Wallradens Gefangenschaft wird Dir weniger grausam erscheinen , wenn sie nur Deine Gefangene ist . Du magst indessen die liebe Base trösten . Bleibt der Montfort noch eine Weile aus , trotz Versprechen und Wort , so liefre ich das Fräulein wieder aus an ihren Vater , der mir ein schweres Lösegeld dafür bezahlen soll . Dann magst Du um dasselbe freien nach Herzenslust , guter Veit , insofern Herr Diether Frosch Deine Armuth , und der Papst die Blutsfreundschaft übersieht . Bewahre mir also vor der Hand Thurm und Haus mit treuem Sinn , und sorge , daß meiner Hausfrau und Deinen Basen nichts Böses , widerfahre . « - Die Herren schwangen sich auf die Gäule , und nachdem Frau Else einen kurzen und männlichen Abschied von dem Gatten genommen , zogen die Reiter von dannen , einige wenige Knechte auf ihrer Spur . Der Leuenberger sah ihnen durch das Vorsprungfensterlein am Thore nach , und sprach zu sich : » Viel Glück auf den Weg , lieben Freunde ; elendes Volk und Gesindel , das sich überhebt , als wäre es schon vor der Sündfluth geadelt worden . Daß der Hornberg ein vorlauter , böser Geselle ist , war mir längst bekannt , und seine Freundschaft , so viel Wesens die Base Petronella davon macht , hat mir nie Erkleckliches in den Seckel gelockt . Ich hasse den Buben jetzt von ganzer Seele , aber ich denke , ich hasse den alten Bechtram noch weit mehr seit einer Stunde . Wie mich der Graubart hingestellt hat vor aller Welt , wie man einen gemeinen Dieb an ' s Halseisen legt ! Was er sich nur einbildet ? Auf was er nur pocht ? Auf seine Habe ? Der Teufel danke ihm sein Geld , seinen Wein und seinen fetten Tisch . Hätte ich ein Paar Dutzend Knechte , und einige arme , aber handfeste Schlucker wie der Doring , der Wiede oder der Reifenberg zu meinem Befehl , ich wollte mich auch bald reich gearbeitet haben . - Oder pocht er auf seinen Stamm ? Mein Adel ist so alt als der seine , und dem Kaiser wird es schon lange leid thun , daß er ihn zum Ritter geschlagen . Was nützen ihm die goldnen Sporen ? Wenn es um den Scharlachhandel zu thun ist , oder darauf ankömmt , ein Paar elende Kaufleute nieder zu werfen , so ist der Edelmann mit der besten Faust der tauglichste , er sey nun Ritter oder Junker . Eine gute Faust konnte man dem Bechtram nicht abläugnen , aber er ist schon ein alter Bär geworden . Ich hätte mich wohl unterfangen , mit ihm anzubinden , aber ich habe die Übrigen gefürchtet . Indessen soll er an mich denken , und es bereuen , daß er mich wie einen Schmarotzer und Krippenreiter behandelt hat . Ich fürchte , seine Hoffnung auf das Lösegeld aus Diether ' s Hand schlägt fehl , denn ich kenne Einen , der ihm zuvorkommen wird . Heute haben wir Vollmond , und ich meine , Meister Diether werde auf der Bergener Straße zu finden seyn . Ist das Geld in meinen Händen , dann wird auch Wallrade mir folgen müssen , wenn auch nicht in ihr väterlich Haus , und die Frankfurter brennen zum schuldigen Dank dem hochmüthigen Bechtram den Schornstein ober , dem Haupte weg . « » Pest und rother Hahn ! Ein herrliches Fündlein , « setzte er bei , indem er vergnügt sich die Hände reibend , aufstand : » Mit einem Streiche erlange ich Diether ' s Geld , Wallradens Demüthigung , Bechtram ' s Verderben , und zuletzt muß mein verhaßter Schwager erst noch , getäuscht , mit langer Bahn von diesen Mauern abziehen ! Noch einmal : Glück auf den Weg , ihr Herren und Freunde ! der Leuenberger macht Euch Alles wett ! « - Die Stunden verstrichen in sorgloser Stille . Die Veste lag einsam , und weder Roß noch Mann weit hinaus in die Runde war zu sehen . Die Sonne sank , und im Zwinger und Burghof wurde es schon schattig und düster . Die Frauen beschlossen , abermals auf dem Wartthurme luftige Helle zu suchen . Während sie jedoch die Höhe erklimmten , ließ der Leuenberger seinen Gaul aus dem Stalle ziehen , und die Pforte öffnen . - » Wilpert