die Liebe des Fräuleins weicht jetzt der Furcht , sie kann nicht fliehen , aber sie wendet sich von ihm und schließt ihre Augen mit beiden Händen . Es ist ein Augenblick , wo alles stille steht , daß die Ratsuhr über den vollen Markt zu hören ist , dann aber hat die Seele aus ihrer innersten Tiefe einen Lebensmut getrunken . » Gertraud , ich lebe « , ruft der Ritter , » geliebte Gertraud , sieh , mein Waidewund kennt mich und legt sich mir zu Füßen , wende dich nicht fort von mir . « Kaum ruht sie selig in seinen Armen , so eilt Susanna auf Anton zu und spricht zu ihm : » Herr , waffnet Euch , oben in der Stadt , im Wirtshause wird heftig gefochten , viel fremdes Volk ist in der Stadt , die sie verbrennen wollen , alle rufen nach Seger , der muß ihr Anführer sein . « Nach diesem Zuruf reichte sie ihm den Degen der Frau und einen Helm , den sie gefunden . Schon stürzen die Ratsherren herbei und einzelne bewaffnete Bürger , viele sprechen von Gegenwehr . » Nieder mit den Mordbrennern ! « schreien sie , aber keiner führt sie , keiner weiß die Macht zu richten . Da tritt Anton in ihre Mitte und schreit : » Wer die Stadt lieb hat , der folge mir ! « - Die Gewalt seiner Stimme und seines Ansehens unterwirft sich alle , Ritter Blaubart selbst stellt sich an seine Seite , keiner kennt ihn und doch trauen ihm alle , denn mit rascher Einsicht teilt er die Männer ab , läßt die Halbbewaffneten zurück , teilt die Bewaffneten in drei Rotten , die eine führt er , die andere der Ritter , die dritte Susanna . Diese drei läßt er durch drei verschiedene Straßen gegen das Wirtshaus andringen , wo die fremden Mordbrenner Seger suchen . Wo sie ziehen , geben sie den guten Bürgern Mut sich ihnen zu gesellen , ihre Zahl vermehrt sich um das Doppelte , ehe sie an dem Ort des Kampfes ankamen wo die Bürger eben nach allen Seiten vor den Fremden zurückwichen , aber auf allen drei Seiten , wo sie fliehen wollten , von den frischen Rotten aufgenommen und in den Kampf zurückgedrängt wurden . Der Kampf war über alle Erwartung heftig , die Gegner wohl bewaffnet und so entschieden auf Sieg oder Tod gefaßt , daß alle Anerbietungen von Gnade bei ihnen abgleiteten ; sie selbst hatten hinter sich die Häuser angezündet , daß keiner der Ihren im Wahne sich zu retten , den Kampf verlassen konnte , dabei schien eine Religionswut sie zu begeistern , denn sie riefen grimmig den Bürgern » Ketzer ! Ketzer ! « entgegen , auch teilte das ausbrechende Feuer die Aufmerksamkeit des Rats und der herbeieilenden Bürger . Anton half nach , wo er irgend einen Kampf zweifelhaft sah , ihn selbst scheuten die Verräter , er aber schonte sie nicht und sein Degen arbeitete in seiner Hand , daß er es selbst nicht begreifen konnte . Sein Mut drängte ihn vor , und er war fast von den Feinden umringt , als ihm die bekannte Stimme Fausts zurief : » Komm , flüchte in meine Arme , ich weinte mich blind , wenn dein Leib durchbohrt wäre . « Aber mit grimmem Zorne , den er nicht bewältigen konnte - es war ihm , wie in der Kindheit , wenn ihn große Mädchen verspotteten - schlug er auf den Doktor ein und streckte ihn nieder . Jetzt aber trat ein fahrender Schüler gegen ihn auf , der einen festen Degen hatte , keiner mochte da nahe treten , viele aber ruhten einen Augenblick , denn solche Künste hatte noch niemand geschaut , aber wie zwei Ärzte , welche mit ihrer Kunst bei einer Frau , die beide lieben , gegen einander wirken und beide nichts ausrichten können , weil sich ihre Mittel und Liebestränke einander aufheben , so fochten auch diese festen Degen gegen einander ganz vergebens , bis Güldenkamm , der bisher unter den Fremden versteckt gewesen war , mit des Fräuleins Nadel , die er in seinem Busen bewahrt hatte , den fahrenden Schüler von hinten durchstach , daß er umsank . Jetzt konnte Anton erst wieder auf die Seinen sehen , da war aber alles rückwärts gewichen , ja alles wäre verloren gewesen , wenn nicht die , welche am Markte von ihm zurückgelassen worden , jetzt verstärkt ihnen zugezogen wären . Unter diesen waren endlich auch gute Schützen , die ihre Musketen geladen hatten und den Kampf entschieden , da gab es ein Bücken , ein Schreien zu allen Heiligen , ein Fluchen und Würgen ; die Fremden wurden endlich in den brennenden Hof des Wirtshauses getrieben , nachdem sie ihre größte Zahl verloren hatten . In dem Jammer dieser Glut suchten sie wieder hinauszudringen , da stürzte aber das Gebäude zusammen und die letzten schrieen mit großer Wut , aber unerschütterlicher Festigkeit Rache und Trotz gegen die ketzerische Stadt . Jetzt ließ Anton den Bürgern noch nicht Zeit ihre Gefallenen zu betrauern und ihre Gefangenen auszuforschen , dem Feuer mußte erst Einhalt getan werden , das mit unermüdlicher Tätigkeit um sich griff und zerstörte . Anton befahl , einige kleinere Häuser , die den brennenden Teil mit dem übrigen Teile verband , niederzureißen , er selbst stieg voran und half mit seiner Stärke ; als diese Arbeit beendigt , ließ er die Spritzen an diesen Übergangsorten sammeln , jenen Teil aber dem Feuer Übergeben , das ihn auch in einer Stunde nach dem Kampfe bis zu den Kellern ausgebrannt hatte . Die Wachen blieben noch immer an ihren Stellen ; jetzt aber , wo man mitten in dem Jammer und in der Freude der Bürger , die siegend viele der Ihren verloren hatten , zu der Untersuchung schreiten wollte , verkündeten die Hörner aller Turmwächter die Ankunft eines Heeres . Das Zutrauen zu Anton hatte sich bis zu einer göttlichen Verehrung durch den Erfolg vermehrt , jeder wußte von seinem wunderbaren Kampfe mit dem fahrenden Schüler zu erzählen , der allerdings ein Erzzauberer gewesen sein mußte ; jeder fragte jetzt um seine Befehle und er ließ schleunig die Tore schließen , die Brücken aufziehen und die Bürger , die endlich alle bewaffnet waren , den Wall besetzen , die Ermüdeten mit Wein aus den Ratskellern stärken , auch Speisen durch die Weiber herbeitragen . Der anziehende Haufe wurde an seiner unordentlichen Bewegung , an dem unbestimmten Blinken mannigfaltiger Waffen , an den Feuersäulen , die hinter ihm aller Orten aufgingen , für ein Bauernheer erkannt , das sich unter Anführung des armen Konrad schon seit einem Monat versammelt hatte . Bald trieb der Wind den hohen Staub über die Stadtmauer , auch klang das alte Spottlied : » Der Schwäbisch Bund kummt , die Gurr gumpt , da drunten , da droben , da kummen die Schwoben mit der kleine Gillegeia , mit der großen Gunggung . « Anton vertrieb ihnen dieses Zutrauen , indem er auf einen Wink erst alle kleine Gewehre , dann alle großen Stücke gegen sie losbrennen ließ . Diese unerwartete Anrede wendete sie in einem Augenblick allesamt um , die Getroffenen ausgenommen , die jämmerlich am Boden schrieen ; sie zogen sich in eine Entfernung , wo sie vom Geschütz nicht mehr erreicht werden konnten . Kurz darauf ritt ein Trompeter bis nahe ans Tor und begehrte eine Unterhandlung , Anton mußte auf Begehren der Ratsherren zu ihnen heraustreten . Der Abgesandte bei dem Trompeter war der arme Konrad selbst , er bot der Stadt Friede und Schonung ihrer Dörfer an , wenn man ihnen alle Freunde , die wahrscheinlich bei ihnen gefangen seien , ausliefern wolle , insbesondere erkundigte er sich nach Seger , der über alle Haufen den Oberbefehl führte . Anton sagte ihm , daß er tot sei . Da wollte Konrad schier aus der Haut fahren , er schlug sich gegen die Stirne und weinte die hellen Tränen , ein paar seiner Leute begehrten von ihm Rat , er aber sprach : » Ich bin nicht Konrad , sondern kein Rat . Der arme Konrad heiß ich , bin ich , bleib ich ! « -Anton erzählte ihm alle Greuel , wie es in der Stadt ergangen , ehe sie der Fremdlinge Meister geworden seien , Konrad redete granzend dazwischen : » Ja wär Seger nur nicht so früh gestorben , da wären wir diesen Morgen schon in der Stadt gewesen und hätten gewirtschaftet ; da er uns kein Zeichen mit dem Tuche an der Mauer gab , so schlichen unsre Kundschafter zurück und meinten alles bis morgen aufgeschoben ; was mag dem guten Bruder angekommen sein , ach gnädiger Herr , es ist mit der Mutter Maria gar nichts mehr , sonst wär es uns besser gegangen , sagt guter Herr , was habt Ihr in der Stadt für einen Patron , wir wollen uns auch darunter begeben . « » Hör du arme Seele « , sprach Anton , » du bist auch wohl zum Heerführer geworden , du weißt nicht wie ? « » Ja Herr , woher wißt Ihr das ? « sprach Konrad , » seht Ihr ' s mir an der Nase an ? ja verflucht ! - meine Nase hat mich immer verraten , seht nur , ich war ein armer Knecht des Herzogs von Württemberg in Beutelsbach und da sagte mir einmal der Seger , der Herzog sei ein Mensch wie ich ; das kam mir gar wunderlich in die Gesinnung , ich fragte den geistlichen Herrn , was jenen zum Herzog und mich zum armen Konrad gemacht habe , der sagte mir , der liebe Gott , und weil wir beide , der zum Herzog und ich zum Konrad geboren , so seien wir auch höchsten Orts dazu gewählt und müßten wir dabei bleiben . Damit war ich ruhig und wurde bald darauf von einem hitzigen Trunk sehr krank und der Geistliche sagte , ich solle mich nur drein ergeben , ich müsse sterben . Ich sagte ihm aber kecklich : Nein Herr , so geb ich mich noch nicht , und er mußte unverrichteter Sache abziehen , ohne daß er mich zum Tode vorbereiten konnte . Da wurde ich bald darauf wieder gesund , saß einen Monat nachher auf meinem Kirschbaum und pflückte mir Kirschen der geistliche Herr ging darunter weg und sah mich nicht , da ließ ich ihm ein Dutzend Kirschen auf die Nase fallen . He Konrad sprach er , seid Ihr ' s , wie geht ' s Euch ? - Recht gut , sprach ich ich bin auf einen grünen Zweig gekommen , aber sagt Herr , wo wär ich jetzt , wenn ich Euch gefolgt wäre und mich ins Sterben begeben hätte . - Seht Herr , seit dem Tage kriegte ich einen festen Mut ; was mir nicht recht war , das sagte ich und litt es nicht , wo etwas auszufechten war , da sprach ich ... « » Sprech Er nur nicht zu lange « , sagte der Trompeter zu dem Feldherrn , » ich habe meine Zeit auch nicht gestohlen ! « » Was ist Er ? « sprach der arme Konrad ; » Er ist Trompeter , also schweig Er , wenn sein Kriegsoberster redet , wie soll ich Krieg führen , wenn jeder Schliffel drein spricht . « » Recht so « , sagte Anton , » Ihr versteht ' s , das ist Kriegsordnung . « » Nun hört Er wohl « , sprach Konrad , » der Herr sagt ' s auch , immer soll ich unrecht haben , sie sehen es mir alle an , daß ich nur ein dummer Bauer bin . Sie hören mich doch noch an , was ich so in meiner Dummheit rede , aber die Ochsenpantoffel lachen mich immer aus . « Nun gnäd ' ger Herr , da kam die neue Pfennigsteuer und die neuen Maße in unser Land , das fand ich ganz unrecht , Maß ist Maß , und was wir zu geben hatten , das gaben wir lange ; als wir so zusammen waren , sprach ich darüber und alle gaben mir recht ; da nahm ich meinen Stock , machte einen Kreis und sagte : Wer den Pfennig nicht geben will , der komm in diesen Kreis . Da gingen sie alle hinein und so weit war es recht gut mit dem Spaß , aber da war gleich der Geißhirte und der Hammelmann , die sagten , ich solle ihr Feldoberster werden , oder der Teufel sollte mich auf der Stelle holen . Es waren ein paar starke Kerls , rechte Knochenbrecher , was sollte ich mich wehren , ich sagte ihnen : Meinetwegen , wenn ' s nicht anders sein soll ; wenn unser Herr Treibjagen hielt , hatte ich oft schon die Jungens angestellt . Da war alles richtig . « Ein Bauer kam jetzt mit großem Zorne : » Oberster , wir hauen Euch das Fell lederweich , wenn Ihr nicht bald den Kram abschließt . « » Bedanke mich für eure Dienste « , sagte Konrad , » mag nicht mehr euer Feldoberster sein , alle Tage Prügel zu kriegen , man mag tun , was man will , das hält kein Mensch auf die Länge aus ; wenn es Euch recht ist , gnäd ' ger Herr , so gehe ich mit Euch in die Stadt , Ihr braucht doch wohl einen Hausknecht , ich bin fleißig und diese Geschichte soll meinem Vorwitz eine rechte Warnung sein . « Die andern Bauern und der Trompeter wollten über den armen knickbeinigen Kerl mit derben Fäusten herfallen , aber Anton schmiß sie zurück , versicherte ihn seines Schutzes und ließ den Bauern durch den Trompeter sagen , wenn sie nicht liefen , daß ihnen die Beine ausfielen , so möchten sie wohl nimmermehr gesund nach Hause kommen , dann ging er mit seinem armen Konrad in die Stadt , den er sogleich als Knecht in seine Dienste einsetzte und bestallte mit dem Amte eines Stallknechtes . Der Übergang ihres Oberfeldherrn Konrad , die Nachricht von Segers und der Seinen Tode hatte schon gewirkt , noch ehe Anton dem Rate Bericht über seine Sendung abgestattet hatte , die Bürger sahen mit Jubel den schnellen Rückzug der Bauern und sangen Schandlieder hinter ihnen her : » Vor einem Knall sind sie geflohn , gelobt sei unser Herr Anton . « Alle dankten ihm jetzt feierlichst für seinen Heldenmut und Klugheit , die Tochter des Ratsherrn , die ihn gestern erstechen wollte , überreichte ihm mit einem zärtlich verwirrten , beschämten Blicke einen Kranz und einen herrlichen roten Mantel mit Gold gestickt . Beides mußte er anlegen , um zu dem Rate hinauf zu gehen , der ihn in einer ernsten Rede begrüßte und den Ritterschlag durch des Kaisers hohe Hand ihm zusicherte . Anton achtete wenig auf diese Rede , denn hinter dem Redner im Dunkel begrüßte ihn die zärtliche Gestalt mit solcher Heftigkeit , daß er erhitzt vom Kampfe sich kaum bemeistern konnte ; alle lieblichen Jungfrauengestalten , die ihn mit Gertraud umgaben , unter denen auch viele waren , die er im Bade gesehen hatte , verschwanden gegen den glühenden Reiz , die schamlose Lockung der zärtlichen Gestalt , alles , was zu seiner Ehre gesprochen war , schien ihm zum Ärger gesagt , denn seine ganze Sehnsucht strebte nur nach dem Augenblicke mit der frechen Schönen allein zu sein . Neue Qualen hinderten ihn , als jetzt noch die verwundeten Gefangenen , nachdem die Frauen entlassen , in seiner Gegenwart zum Verhöre geführt wurden , aber die Lichter , die jetzt den Saal erhellten , verdrängten den zärtlichen Schatten , er gewann der Fassung und Überlegung genug , die Entwirrung alles Rätselhaften in den Begebenheiten der letzten Tage mit Ruhe abzuwarten und abzuhorchen . Der fahrende Schüler , welchen er niedergestreckt , wurde noch lebend hereingetragen ; er litt fürchterlich in den Qualen seines Gewissens , mehr als an seinen Wunden , und erklärte , daß er in Rom von Mönchen mit Seger und vielen hundert andern , die sich nur aus Zeichen kannten , ausgesendet worden sei , die Länder , in denen sich ein Anhang Luthers zeigte , durch Brand und Aufruhr zu verwüsten . Ihm wurde ein Geistlicher gerufen , dem er sein Bekenntnis schwer atmend in abgerissenen Sätzen ablegte , die Reihe seiner Brandstiftungen übertraf seine Kräfte ; durch geheime Zeichen , die nur den Seinen bekannt waren , heftete er das Verderben an friedliche Wohnungen , deren Bewohner sie sahen und als kindische Spielerei duldeten , wo bald das Feuer zu ihrem Verderben eingelegt wurde ; selbst den Vögeln , deren Schutz sonst Segen über die Häuser bringt , den frommen Schwalben , hatten sie oft brennenden Zündschwamm an die Füße gebunden , womit sie in ihre Nester geflogen sind und ihre Jungen zuerst dem Tode und ihre Schützer dem Verderben übergeben haben . Hier erfuhr Anton , daß der Brand in dem Frauenhause zu Augsburg , der heimlich sein Gewissen beschwerte , ein längst beschlossener Bundesstreich dieser Rotte war , der ihnen aber durch Antons Händel und die dadurch erweckte Besorglichkeit der Bürger weniger eingetragen hatte , als sie erwartet . Daher der plötzlich wieder erwachte Ingrimm in Segers Herzen , dessen ganzes Verhalten zu Anton , wie der Schüler meinte , noch besondere Gründe haben müsse , er sei zuweilen sehr ängstlich um ihn besorgt gewesen . Der Schüler fieberte dann allerlei Geschichten unter einander , endlich kam er auf den Anschlag gegen die Stadt , nannte die Orte , die von Seger zum Feuereinlegen bezeichnet gewesen waren , welches Feuer schon in der Nacht hätte auskommen sollen , um die Bürger am Morgen in der größten Verwirrung zu überfallen , er bezeichnete den Ort der Mauer , wo er mit seinen Gesellen eingeschlichen war . Er habe im Wirtshause das erste Feuer einlegen sollen und sei fast damit fertig gewesen , als er in der Kammer von einem fremden Knaben ein Gebet vernahm , der sich und die ganze Stadt in die gnädige Vorsorge Gottes befohlen und bekreuziget habe ; die Stimme habe aber auf eine Stelle in seiner Seele getroffen , die er hart zugefroren gemeint und jetzt so weich gefunden , daß sein ganzer Vorsatz darin versunken . Gleich habe er das eingelegte Feuer gelöscht und einige Häuser weiter eingelegt , er habe sich erkundigt , wer der Knabe sei , und man habe ihn Kurt genannt , er sei mit Seger gekommen ; was ihn aber über alle Beschreibung geärgert , denselben Knaben habe er am Morgen im Gefechte überall gegen sich gefunden und ihm doch nichts anhaben können , er wisse selbst nicht , wie ihn das so wild gemacht , daß er darum auf Anton so unermüdlich losgestoßen . Dieses war seine letzte Erzählung , seine Notseufzer verkündigten sein Ende , ein Kinnbackenkrampf schloß ihm den Mund , durch den nur ein dumpfes Schlucken hervorscholl . - Die allgemeine Ermüdung machte der Sitzung ein Ende , die nötige Vorsicht für die nahende überschattende Nacht auf den Wällen und bei der Brandstätte beschäftigte Anton noch einige Zeit , dann führte ihn der Ratsherr Ehinger , der Vater der schönen Gertraud , nach seinem Hause , um ihn dort zu bewirten und zu betten . Vergebens weigerte sich Anton aus einer Bescheidenheit , die ihm im Glücke immer eigen war , bei ihm zu nachten , doch drang er sehr ernstlich darauf , erst von seinen beiden Gefährten , Güldenkamm und Susanna Nachricht zu bekommen . » Für die ist längst bei mir gesorgt « , sprach der dienstfertige Mann , » was werdet Ihr aber sagen , werter Ritter , wenn ich Euch versichere , daß jetzt die Zeit gekommen , wo die Schmetterlinge aus ihren Larven fliegen und in der Sonne glänzen . « Anton verstand ihn nicht , jener fuhr fort : » Ihr werdet sehen , daß ich eine neue Tochter gewonnen , da mein Sohn verloren und meine Tochter durch Heirat mir entfremdet wird , und einen Sohn wohl zugleich , wenn ich die jungen Leute recht verstehe . Ihr seht mich groß an und legt den Finger an den Mund , ich will ' s Euch erklären , der Kurt von hier , der in früheren Jahren zu Waiblingen bei einem reichen Vetter sich aufhielt , von dem nach Augsburg geschickt wurde auf die Stadtschule und dort durch böse Lust verführt , mit einem öffentlichen Mädchen flüchtete , jetzt hört , leise , denn mein Schmerz kann es Euch nicht laut sagen : ist eben der fahrende Schüler , der durch Euch und Güldenkamm gefallen ist ; macht keine Entschuldigung , ich lese sie auf Eurem Gesichte ; Ihr tatet ein herrlich Werk , ich hätte es selbst vollbringen müssen , wärt Ihr nicht gewesen , es war ein Ausbund von Verderben in diesem Knaben . Der Himmel hat ihn mir schon reichlich in Eurem Kurt ersetzt , der Susanna heißt , und in edler weiblicher Tracht alle unsre Mädchen an Ausdruck und edlem Leben übertrifft , ein Hieb hatte den Wams gelöst , ich erkannte ihr Geschlecht und gebe sie ihrem Geschlechte zurück , Güldenkamm ist zum Vergehen in sie verliebt und verläßt sie keinen Augenblick . « Mit diesem Gespräche hatten sie sich dem Hause des Ratsherren genähert , Anton , von allen Gefühlen bestürmt , nahm doch mit tiefem Schmerze wahr , daß ein Jammer über den nahen Verlust Susannens diese alle überwältigte ; schweren Herzens trat er in den Saal und mit einem freudigen Rufe sprang ihm Susanna entgegen , die auf einem Ruhebette eingeschlummert war . Er staunte , als er sie jetzt anschaute , und vergaß darüber , Güldenkamm für die Kühnheit zu danken , mit der er dem Gefechte zwischen ihm und dem fahrenden Schüler ein Ende gemacht hatte ; er sah sie in vollendeter weiblicher Reife vor sich stehn , so schnell hatte das tätige Leben , worin er sie gestürzt , ihre Entwickelung beendigt . Ihre verbrannte Haut , im Antlitz und an den Händen , wie eine fremde Färbung neben dem weißen Schnee ihrer Arme und ihres Halses , erinnerte an einen Übergang aus einem sehr verschiedenen Lebensklima ; in aller Bewegung erschien sie sonst in dem Ebenmaße und der geschickten Verbindung einer Frau , die lange in den besten Gesellschaften ihres Geschlechts gelebt hatte ; der Anstand war ihr etwas Eingebornes , kein Angelerntes , sie konnte ihn nicht lassen , also konnte sie auch nicht dagegen sündigen . Bald erhoben sich noch andere befreundete Hausgenossen ; Ritter Blaubart , der an seinen früheren Wunden litt und an diesem Tage wieder ein paar leichte Wunden erhalten hatte , bat Anton zu ihm zu treten und bot ihm seine Hand , um damit allen vergangnen Streit auf ewig aus seinem Herzen auszulöschen . Anton gab ihm mit freundlichem Entgegenkommen beide Hände und schwor ihm , daß er sich auf ihn verlassen dürfe , wo er ihn irgend brauchen könne . Fräulein Gertraud war bei dieser ganzen Verhandlung in einer wunderlichen Bewegung , die aber Anton wenig beachtete , weil er innerlich ganz mit Susannen beschäftigt war ; sie wandte sich mit einer Unruhe , mit einer fliegenden Röte so oft zu ihm , schien um ihren Bräutigam so gar nicht mehr unruhig , und während sie jenem mit steter Aufmerksamkeit Wein und Früchte und was die Küche vermochte darbot , ließ sie diesen mehrmals nach einer Labung bitten , die sie ihm dann eilig darreichte , um von Anton etwas Neues zu vernehmen . » Mein Kranz hat sich auf Eurer Stirn verrückt « , sagte sie plötzlich , als nichts seine Aufmerksamkeit gewinnen wollte , stellte sich vor ihn , rückte an dem Kranze und drückte ihm zuletzt einen bekämpften Kuß auf die Lippen , von dem sie aus Verlegenheit überlaut lachend , sich zu ihrem Vater umdrehte und sagte : » Lieber Vater , den Kuß war ich unserm Befreier noch für alle jene schuldig , die ich gestern auf meinen Knieen verschwendet habe , um ihn schnell hinrichten zu lassen . « - Der Vater lachte und sprach : » So seid ihr Mädchen , so war auch meine Frau selig ; wenn ich an einem Tage alles getan hätte , worum sie mich gebeten , sie hätte mir dafür am nächsten Tage die Augen ausgekratzt ; was wird aber der fremde Ritter dazu sagen , von einem Mädchen geküßt zu werden . « - » Ihr seht ja , daß ich schweige « , sagte Anton , » denn im Grunde küßt das Fräulein in mir nur ihren Ritter , weil sie ihn nun ungestört besitzt und mir etwas Verdienst darum zuschreiben will . « Fräulein Gertraud schien mit dieser Auslegung nicht zufrieden und durfte es sich doch nicht merken lassen ; als sie aber Antons Seite beim Nachtessen besetzt hatte , da drückte sie ihm zärtlich die Hand , und er mußte es erwidern , weil er überhaupt niemand leicht etwas abschlagen konnte . Doch beschäftigten ihn diese Zeichen wenig , er sehnte sich nach einem Augenblicke mit Susannen allein zu sein , und doch fand sich keiner durch die stete Gegenwart und Gesprächigkeit des Fräuleins , die immer lebhafter in ihn drang , alle kleinen Umstände dieser Tage zu erfahren . Anton erzählte endlich den ganzen Vorgang ausführlich , vergaß auch der Goldstücke nicht , die in sein Gefängnis geworfen worden und die dem Ratsherren durch ihre Jahreszahl als äußerst selten bekannt waren , er behauptete , daß niemand in der Stadt einer solchen Freigebigkeit fähig sei . Anton erzählte dann auch von seinem wunderbaren Traume und von den Blumen , die er am Fenstergitter gefunden , dabei bemerkte er , daß sich Susanna entfärbte , er brach also ab , weil er eine weibliche Gespensterfurcht in ihr voraussetzte , und ging zu der fröhlichen Unterredung mit dem Obersten der Bauern über , den er zu diesem Zwecke ins Zimmer kommen ließ , nachdem er sich einen Teller voll kleiner Kieselsteine bestellt hatte . » Konrad « , sagte Anton , als jener besorglich eingetreten und an der Türe stehen geblieben war , » Konrad , wie geht es dir ? « - » Den armen Konrad hungert « , antwortete Konrad , » und da sage ich immer , ein Mensch ist doch immer ein Mensch und alle Menschen sind Sünder , ich bin freilich ein Sünder , aber ein Mensch muß doch immer essen . « ANTON : » Konrad , möchtest wohl gern mit deinem Herrn an einem Tische essen . « KONRAD : » Und aus einer Schüssel noch lieber . « ANTON : » Meinst du denn , wir essen mehr als ihr armen Leute ? « KONRAD : » Ihr eßt doch , so viel Ihr wollt und was Ihr wollt . « ANTON : » Das weißt du nicht , sieh Konrad , wenn ich so feste Bauernklöße sehe , womit Ihr Euch die Köpfe einschlagen könntet , da hab ich immer große Eßlust , aber die sind zu schlecht auf einem Herrentische , die darf ich nie fordern , komm einmal her , ob dir unsre Kost schmeckt und ob sie dir wohl bekommt . « Konrad setzte sich ohne Umstände Anton zur Seite , der einige Kieselsteine vom Teller nahm , mit einer Brühe übergoß und herunterschluckte ; der arme Konrad war freilich schon von dem Geklapper dieses Gerichts überrascht , meinte aber , es seien indianische Eier , nahm sich eine tüchtige Portion und biß sich darauf einen Zahn aus . Anton fragte , ob er sich den Backenzahn ausgebissen hätte . » Ich bin der arme Konrad « , sagte er und ging unter dem Gelächter der Ratsherren heraus , » und will der arme Konrad bleiben , Hoffart will Zwang haben , von solcher Speise kriegt unser einer Zahnweh . « Anton warf ihm einen Braten zu , der stehen geblieben war ; Konrad vergaß den Schmerz und rief : » Heida , hier ist ' s besser unterm Tische als an dem Tische sitzen . « Anton sehnte sich jetzt nach Ruhe , es wurde seine Gesundheit getrunken und die Stadtpfeifer ließen sich mit einer Musik vor den Fenstern hören , er nahm ein Licht und dankte allen , da nahm ihm Susanna nach alter Gewohnheit das Licht ab und wollte vorleuchten , Anton sah sie traurig an . » Seit du in diesen Kleidern umhergehest , kannst du mir nicht mehr als ein dienender Knabe vorgehen , Kleider machen Menschen ! « » Lieber Herr « , sprach sie züchtig , » ich möchte mit Euch ein Wort allein sprechen , ist mir das auch nicht vergönnt ? « » Nicht zu aller Zeit und an jedem Orte « , sagte er , » führe mich nicht in Versuchung , sondern erlöse mich vom Übel . « SUSANNA : » Lieber Herr , es ist etwas sehr Gutes , was ich Euch sagen möchte . « Anton wollte sie eben mitnehmen , als Fräulein Gertraud dazwischen trat und Susanna mit der Bitte an sich zog , sie möchte bei ihr schlafen , der Ritter sei müde und bedürfe der Ruhe . Susanna schien sich ihr ungern zu fügen , Anton ging auf sein Zimmer , schlaftrunken und von Susannen erfüllt , vergaß er aller Zärtlichkeit des Gespenstes , dann wollte er einschlafen , aber die zärtliche Gestalt stand wieder mit unendlich freundlichen Reden vor ihm . » Wer lohnt deine Mühe , wer preist deinen Ruhm « , sprach sie , » ich allein , alle andern denken nur an sich , wenn es dunkel wird , ich sehe dann , ob du schläfst , und wache , wenn du