fragte mich , ob ich euch dabei schonen solle oder nicht . Da hörte ich , daß ihr eure Feinde nicht verraten hättet . Ich traute meinen Ohren nicht , denn ein solcher Edelmut war mir noch nicht vorgekommen . Als ihr dann nach Süden rittet , wurdet ihr von den Beni Khalid erwartet . Ich wollte dies benutzen , um sie und euch zugleich zu fassen . Sie sollten geschlagen , ihr aber mit Zurücklassung des Schatzes wieder freigelassen werden . Ich wußte nicht , daß die Soldaten mit ihm nach Norden reiten sollten . Da kehrte Scheik Tawil mit einer kleinen Schar zurück . Ich schickte ihm meine Läufer nach , und so entging es mir , daß sich der Perser von euch trennte . Dann rittet ihr auch nach Süden , kehrtet aber ebenso wieder um ; die Beni Khalid folgten euch . Was nun geschah , wißt ihr zum kleinen Teile ; das andere sollt ihr erst dann erfahren , nachdem ihr es gesehen habt . Der Osten scheint sich schon lichten zu wollen . Sobald es hell wird , brechen wir auf von hier . « » Wohin ? « fragte Halef . » Zum Bir Hilu . « » Nehmt ihr den Ghani mit ? « » Ja . « » Und was geschieht dann mit ihm ? « » Wir jagen ihn fort . « » Allah ! Ihr werdet ihn nicht auch erschießen ? « » Nein . Er ist an dem Morde , den wir zu rächen hatten , nicht beteiligt , sondern nur später der Verhehler gewesen , hat also nicht das Blut eines Ben Lam vergossen ; wir dürfen ihm also auch nicht das seinige nehmen . Was er gegen euch und die Asaker gethan hat , das ist nicht unsere , sondern eure Sache . Auch ist ein einsames Alter ohne seinen Sohn für ihn eine größere Strafe , als es ein rascher Tod sein würde . « » Das ist wahr . Er hat die Liebe von sich gestoßen ; sie ist von ihm gegangen ; nun muß er ohne Liebe dem Grabe entgegenwanken . Er hat es grad so und nicht anders gewollt . « » Um so fester werden wir sie , und besonders werde ich sie halten , « sagte Abd el Idrak sehr ernst . » Schon aus den Beobachtungen , welche ich am Bir Hilu an euch machen ließ , ergab sich ein Verhalten , welches mich zunächst befremdete . Ihr wenigen Leute fürchtetet euch nicht vor einer großen Uebermacht von Feinden , die ihr sogar noch schontet ! Dann hattet ihr für die Mörder der Soldaten Gnade anstatt Rache . Eure Reden wurden mir berichtet , auch wie ihr die Toten bestattet und über ihrem Grabe geschossen habt . Das thut kein Ibn Arab160 und ist so tief ergreifend ! Dazu kommt etwas , was ich euch doch sagen will , obgleich ich mir vorgenommen hatte , darüber zu schweigen . Als einer meiner Läufer beim Brunnen tief im Sande steckte , um euch zu beobachten , entfernten sich von dort vier Männer , die nahe an ihm vorübergingen . Er schlich ihnen nach . Sie stiegen auf einen Felsen . Der Münedschi ist bei ihnen gewesen . Er sprach lange Zeit mit lauter Stimme . Mein Späher hat zugehört und mir alles berichtet , auch das , was ihm zu schwer gewesen ist , es zu begreifen . Sein Bericht ist unvollständig und wohl auch in vielem falsch gewesen ; aber ich habe doch so manches davon tief in mein Herz geschlossen , wo es mir die Ahnung dessen brachte , was ich im Leben besitzen muß , um den Tod in Leben zu verwandeln . Wißt ihr , wer die andern drei gewesen sind ? « » Der Effendi , Khutab Agha und ich , « antwortete Halef . » Könnte ich diese Reden von euch ausführlicher erfahren ? « » Ja . Wir sind sehr gern bereit dazu . « » Ich danke dir schon jetzt ! « Er gab dem Hadschi die Hand und sprach dann weiter : » Ich habe euch schon gesagt , daß der Münedschi still war , bis das Urteil an den vier Mördern vollzogen worden war . Gleich nach dem letzten Schusse aber stand er auf und sprach mit geschlossenen Augen längere Zeit so ernste und tiefsinnige Worte von dem Leben und dem Tode , von der Liebe und der Gerechtigkeit , daß wir alle so andächtig lauschten , wie ich in meinem ganzen Leben noch keinem Chatib161 zugehört habe . Es war , als ob der Engel , der durch ihn sprach , die Absicht hätte , alles aus meinem Herzen zu treiben , was sich gegen euch noch darinnen befand . Ich beschloß , auf den Kanz el A ' da zu verzichten , auch auf eure Pferde und auf das Hedschihn , auf welche ich es noch mehr als auf den Schatz der Glieder abgesehen hatte . Ich kann das , was in mir vorging , nicht beschreiben ; ich weiß , daß dies kein Mensch zuwege gebracht hätte , und bin überzeugt , daß es der Einfluß dieses unsichtbaren Ben Nur gewesen ist . Es wuchs und wuchs , es wallte und wallte ein Gefühl , doch nein , kein Gefühl bloß , sondern eine Ueberzeugung in mir auf , daß ich euch bitten müsse , mich mit meinen Armen an euch festhalten zu dürfen , daß über mich und mein Leben von euch eine Kraft ausgehen werde , die mir segensreicher sei als der Schatz und die Tiere , welche ich euch hatte nehmen wollen . Und , ganz sonderbarerweise , gab es eine Stimme in mir , welche mir riet , euch zu zeigen , daß wir Krieger sind , welche eure Achtung verdienen . Darum nahm ich mir vor , euch zum Scheine zu überfallen , und zwar so , daß ich euch überwältigte , ohne daß einem von euch ein Leid geschehen durfte . Das war freilich nur dadurch möglich , daß wir den gefährlichen Abstieg dort von der Sandwand herunter wagten . Es ist niemand von uns dabei verunglückt , und ihr werdet zugeben , daß auch das übrige gelungen ist . Den Ghani und den Münedschi ließen wir mit ihren Wächtern natürlich einstweilen in der Nähe zurück , und dort stehen auch unsere Kamele , auf denen wir hergeritten sind . Nun wird es hell . Wir werden aufbrechen können . Ihr reitet doch mit ? « » Das brauchst du gar nicht erst zu fragen , « antwortete Halef . » Du hast sehr recht daran gethan , dir zunächst unsere Achtung zu erwerben . Sie ist euch geworden , und die Liebe ist auch schon unterwegs ! « » Das wünsche ich . Es giebt ein reiches Feld für sie wohl überall , vor allen Dingen aber hier in diesem vom Haß zerrissenen Lande . Allah will das Glück der Menschen ; er bietet es ihnen an , schon seit es Menschen giebt ; sie greifen aber nicht zu , es von ihm zu nehmen . Sie suchen es an Orten , die fern von seinen Wegen liegen ! « Ich verwunderte mich im stillen immer mehr über diesen seltenen Mann . Er war ein Suchender , und wer sucht , der findet ; so lautet die Verheißung . Ich sah , da es nun heller wurde , sein Gesicht , nicht plötzlich , sondern nach und nach , um so deutlicher , je heller der Morgen wurde . » Das ist Petrus ! « sagte ich mir . Und es war so ! Je mehr es tagte , desto bestimmter trat seine Aehnlichkeit mit diesem Jünger , wie er auf dem bekannten Abendmahlsbilde von Leonardo da Vinci zu sehen ist , hervor . Ich hätte es ihm am liebsten sagen mögen , aber ich durfte dieses Bild ja gar nicht kennen ! Welch ein anderes , geradezu fürchterliches Gesicht war dagegen jetzt dasjenige des Ghani ! Der » Liebling des Großscherif « ! Er sah nichts weniger als wie ein Liebling aus . Seine aufgedunsene Physiognomie wirkte mehr als abstoßend ; seine Augen waren mit Blut unterlaufen , seine Lippen blau . Er bot einen mehr tierischen als menschlichen Anblick dar . Sein Gewand war mit Blut getränkt . Und die Leiche auf seinem Rücken - es war schrecklich ! Halef betrachtete ihn auch . Er sah es , und da brach er nach so langem Schweigen brüllend los : » Hund , schau nicht her ! Euch , euch habe ich dieses Elend zu verdanken , nur euch , euch allein ! Ich verfluche euch , verfluche euch beim Himmel und der Hölle ! Seid alle , alle verflucht , und - - - « Doch still ! Denn was nun noch folgte , kann unmöglich wiedergegeben werden . Als Halef annahm , daß er sich ausgetobt hatte , sagte er ihm : » Schieb ja die Schuld nicht auf uns ; du trägst sie ganz allein , wie du die Leiche deines Sohnes trägst . Der Effendi hat dir vorher gesagt , daß dein Gelächter sehr bald enden und sich in das Gegenteil verkehren wird . Nun ist es so eingetroffen . Die Last , welche auf dir liegt , hast du dir - - - « Weiter konnte er nicht sprechen , denn er wurde von einem neuen Ausbruche des Ghani unterbrochen . Ich bat ihn , doch lieber zu schweigen , und er gab mir recht . Wir ließen diesen Auswurf den Beni Lam über und nahmen uns des Münedschi an , welcher von dem immerwährenden Hin- und Herreiten so geschwächt war , daß er gar nicht mehr recht zu sich kam . Wir richteten ihm den Sitz im Sattel so bequem wie möglich her , banden ihn fest und ließen ihn dann , als wir aufgebrochen waren , zwischen uns reiten . Es ging zu der schon öfters erwähnten Enge hinaus und nach der Stelle , wo sich die Kamele der Beni Lam befanden , hierauf setzte sich der Scheik derselben an die Spitze und führte den Zug hinaus auf die offene Sandwüste , wo wir nach der von uns schon zweimal gerittenen Linie einlenkten . Später ging es über den Serir , die Wüste des glatten Steines , bis wir die Wüste der Felseninseln durchritten , in welcher der Bir Hilu lag . Noch ehe wir diesen ganz erreicht hatten , trafen wir auf einen ausgestellten Beni Lam-Posten , welcher seinem Scheik meldete , daß sich nichts Neues ereignet habe und die Grube bereit zur Aufnahme der Leichen sei . Was für eine Grube und was für Leichen gemeint seien , das sahen wir zu unserem Grausen , als wir den Platz erreichten , auf welchem der Zweikampf zwischen uns und den Beni Khalid stattgefunden hatte . Dieser Platz war von über dreihundert Beni Lam belebt , von denen , wie wir sahen , eine ziemliche Anzahl verwundet war . Sie empfingen uns still , was wohl eine Folge der Thätigkeit war , welche sie hier zu verrichten gehabt hatten . Nämlich der Felsen , welcher den Platz im Norden begrenzte , derselbe , den wir mit dem Münedschi erstiegen hatten , besaß eine nicht sehr breite , aber tief einschneidende Bucht , welche von dem Winde fast bis oben mit den leichtesten Teilen des Sandes , also mit Flugsand , vollgeweht worden war . Das hatten wir früher wohl gesehen , aber nicht zu beachten gehabt . Dieser Sand nun war herausgeschafft und vor dem Felsen für einstweilen aufgehäuft worden . Man hatte auch noch den Boden möglichst tief ausgeworfen , so daß eine ganz bedeutende Grube entstanden war , welche an drei Seiten von den aufragenden Felswänden eingeschlossen wurde . Vor dieser Spalte , dieser Grube lagen die aus dem ganzen Umkreise , soweit der Kampf gewütet hatte , zusammengetragenen Leichen der Gefallenen . Die erschreckend große Zahl dieser Toten bewies , daß das Wort » gewütet « keine Uebertreibung war . Nun erst erfuhren wir , wie es sich zugetragen hatte . Als wir , vom Süden zurückkehrend , um dem Perser nachzureiten und ihn zu retten , am Brunnen vorüber gewesen waren , hatten die Beni Lam den Platz besetzt und , hinter den Felsen Stellung nehmend , auf die Beni Khalid gewartet . Diese waren zwar ziemlich vorsichtig herangekommen , weil es doch in der Möglichkeit gelegen hatte , daß wir hier geblieben waren , doch daß auch andere Feinde , und zwar in solcher Zahl , hier stecken könnten , dieser Gedanke war ihnen gar nicht in den Sinn gekommen . Sie hatten auf dem Brunnenplatze einen kurzen Halt gemacht , und da war es gewesen , wo von allen Seiten her die Schüsse ganz unerwartet gekracht hatten und die Beni Lam auf sie eingedrungen waren . Scheik Abd el Idrak hatte zu uns ganz richtig gesagt : » Nur kurze Zeit ; in wenigen Minuten war es aus ! « Ja , es war aus gewesen , und wie mochte es dann auch ausgesehen haben ! Der Boden sah noch jetzt so rot vom Blut , daß es fast keine anders gefärbte Stelle gab . Jetzt lagen die erbeuteten Kamele da . Auch sahen wir einen ganzen Hausen ebenso erbeuteter Waffen und allerlei Gegenstände liegen , welche den Toten aus den Taschen genommen worden waren . Die nicht oder nur leicht verwundeten Beni Khalid waren schon nach kurzer , aber um so blutiger Gegenwehr in wilder Flucht davongejagt ; viele hatten sich nur zu Fuß retten können ! Voraussichtlich hatten nun lange , lange Jahre zu vergehen , ehe sie daran denken konnten , für diese Niederlage Rache zu nehmen . Die Leichen zu zählen , das unternahmen wir gar nicht , denn schon der bloße Anblick that ja wehe ! Sie lagen in einem großen , weiten Halbkreise um die Felsengrube . Da , wo wir standen , sahen wir auch einen nur zu bekannten liegen , nämlich den speerwerfenden » Vater der Selbstverständlichkeit « . Er war » natürlich « auch mit gefallen ; seine Armmuskeln hatten ihn nicht retten können . Da zeigte Abd el Idrak nach der andern Seite . » Kennt ihr den ? « fragte er . Da sahen wir , sitzend aufgerichtet und mit dem Rücken an den Felsen gelehnt , den Scheik Tawil Ben Schahid ! Er hatte mitten in sein schon von Halefs Peitsche gezeichnetes Gesicht einen Kolbenhieb bekommen , der ihn fast unkenntlich machte ; den Tod aber hatte ihm eine Brustwunde gebracht . Er war während des Hauptkampfes nicht zugegen gewesen , sondern dann später ebenso abgefangen worden wie die vierzig Mann , die er in zwei Abteilungen zurückgeschickt hatte , um den Kanz el A ' da für sich allein zu haben . Ohne diese Selbstsucht hätte er sich mit seinem Truppe vielleicht retten können . » Das Grab , das Grab zwischen uns und ihm ! « sagte Halef , indem er erst auf ihn und dann auf die Grube deutete . » Sind dir die Worte , welche er sagte , noch gegenwärtig , Effendi ? « » Ja , « antwortete ich . » Wie lauteten sie doch ? « » Von diesem Augenblicke an gähnt zwischen uns ein Grab . Wen es aufzunehmen hat , mich oder euch , das mögen die entscheiden , bei denen ich geschworen habe - - oder mag es auch die Liebe entscheiden , die eure angebetete Götzin ist . Ich habe nichts dagegen ! « » Ja , sie hat entschieden , und er kann nun freilich nichts dagegen haben ! Ist es nicht sonderbar , daß uns jetzt solche Reden schon wiederholt ganz genau , fast wörtlich , in Erfüllung gegangen sind ? ! « » Es ist das mehr als sonderbar . Es ist mir das einigemale mit meinen eigenen Worten passiert ; es möchte mir fast vor mir selber grauen . Ich sage nichts mehr derartiges ! Komm , wir wollen gehen . Dieser Anblick thut mir sogar körperlich wehe ! « Wir gingen nach dem Brunnen , wo man den Münedschi hingesetzt hatte . Er war nicht allein . Der Ghani befand sich bei ihm . Dieser war damit beschäftigt , drei Kamele zu tränken , nämlich das seinige , das des Blinden und auch dasjenige , welches die Leiche seines Sohnes hierhergetragen hatte ; er war nur für die Nacht mit ihr zusammengebunden und dann früh , kurz bevor wir aufbrachen , von ihr befreit worden . » Es scheint ganz so , als ob er den Toten mit sich nehmen will , « sagte Halef zu mir . » Und den Münedschi wohl auch ! « » Dulden wir das ? « » Hm ! Eigentlich gehört der Blinde nicht zu uns , sondern zu ihm . « » Jetzt nicht mehr , denn der Ghani hat sich als ein Mensch erwiesen , dem so ein armer Mann unmöglich anvertraut bleiben darf . Bist du einverstanden , daß wir uns seiner annehmen ? « » Sehr gern sogar ! « » Gut ; ich werde sofort mit dem Blinden sprechen ! « Dieser war grad jetzt bei voller Besinnung . Wir traten zu ihm und Halef fragte : » Weißt du , o Münedschi , wo du bist ? « » Ja ; mein Beschützer hat es mir gesagt . « » Dein Beschützer ? Hältst du ihn auch jetzt noch dafür ? « » Er wird es bleiben , so lange ich lebe . Ich weiß , daß unsere Gefährten erschossen worden sind ; aber ich bleibe bei ihm und reite mit ihm heim nach Mekka . « » Das ist dein Ernst ? « » Ja ! « » Bist du vollständig wach und munter ? « » Ich bin im Besitze meiner vollsten Selbständigkeit . Deiner Stimme nach bist du der Scheik Hadschi Halef ? « » Ja , der bin ich . « » Wo ist der Effendi aus dem Wadi Draha ? « » Er steht hier neben mir . « » So muß ich ihm ein Wort sagen ! Effendi , ich weiß , daß ich dich verkannt habe , und bitte dich um Verzeihung . Wirst du sie einem alten , blinden Manne versagen ? « » Nein . Ich habe dir überhaupt nicht gezürnt , « antwortete ich . » Das kann ich dir durch die Mitteilung beweisen , daß wir uns entschlossen haben , dich mit uns nach Mekka zu nehmen . « » Ich danke euch für diese Güte , kann sie aber nicht annehmen . « » Warum ? « » Weil ich bei dem Ghani , meinem Beschützer , bleibe . « » Bei diesem - - - « » Sag nichts weiter ! « unterbrach er mich . » Wenn du wüßtest , wie wehe du mir damit thust , würdest du ganz gewiß gern schweigen . Mein Herz hängt an ihm . Sei gut mit mir , und dränge nicht in mich , ihn zu verlassen ! « » Du bist also überzeugt , dich ihm auch ferner anvertrauen zu dürfen ? « » Vollständig ! Wenn ihr mich mit Gewalt von ihm nehmen wolltet , müßte ich mich so nach ihm grämen , daß ich mein Unglück mehr als doppelt fühlen würde ! « » Wenn du so sprichst , dürfen wir nicht weiter in dich dringen . Wann will er fort ? « » Wenn die Kamele getrunken haben . Laßt uns nicht hungern ; gebt uns Essen mit , und auch Tabak für mich ! « » Das sollst du haben . Wir reiten hinter euch drein , und ich denke , daß wir uns sehr bald wiedersehen . Wehe dann ihm , wenn wir erfahren , daß er dich leiden läßt ! « Während dieses Gespräches hatte der Ghani gethan , als ob er sich gar nicht um uns bekümmere . Jetzt drehte er sich nach uns um und rief uns mit einer Stimme , welche vor innerm Ingrimm heiser klang , zu : » Ich rufe auch ein Wehe über euch , schon jetzt ! Ja , du hast recht ; wir sehen uns wieder . Aber dann - - - dann - - - dann - - - ! « Er fletschte die Zähne und schüttelte drohend die Fäuste . Wir erwiderten hierauf nichts und entfernten uns . Er rief uns noch nach : » Drei Kamele kann ich bloß mitnehmen . Bezahlt mir die andern drei , ihr Hunde ! « Abd el Idrak stand in der Nähe . Er hörte das , zuckte die Achsel und meinte : » Abu Kurban könnte ihm alle sechs nehmen , als Ersatz für die geraubten , die in El Kasab verkauft worden sind . Hört nicht mehr auf diesen Menschen ! « Wir befolgten diesen Rat ; doch als ich nach einiger Zeit sah , daß der Blinde von seinem » Beschützer « auf das Kamel gesetzt und dort festgebunden wurde , ging ich doch noch einmal zu ihm , um ihm für voraussichtlich kurze Zeit Lebewohl zu sagen . Tabak und Proviant hatte ich ihm vorher geschickt . Sie ritten miteinander und mit der Leiche auf dem dritten Kamele fort , ohne daß sich jemand um sie kümmerte , ausgenommen Halef , Hanneh , Kara und der Perser . Diese sahen ihnen noch nach , bis sie hinter dem nächsten Felsen verschwunden waren . Im stillen war mir um den Münedschi angst . Die Toten wurden in die Grube , und dann , als diese voll war , noch immer weiter übereinander gelegt , bis sie alle waren und sich die Einbuchtung des Felsens von ihnen fast gefüllt hatte . Obenauf kamen die wenigen Gefallenen der Beni Lam zu liegen . Dann wurde der ausgeworfene Sand auf sie geschüttet , bis er eine hinreichende Decke über ihnen und an der offenen Seite herunter bildete . Dadurch wurde der Riß im Gestein so vollständig geschlossen , daß niemand außer dem Eingeweihten wissen konnte , was er enthielt . Der Scheik hatte vorher die Gebete des Todes gesprochen , und jetzt befahl er , daß fünfzig Krieger dreimal schießen sollten , ganz so , wie wir es über das Grab der Soldaten gethan hatten . Dieser militärische Brauch hatte ihm imponiert . Diese Bestattung hatte längere Zeit in Anspruch genommen , und dann gab es noch soviel zu verrichten , daß die Beni Lam gar nicht daran denken konnten , den Bir Hilu heut schon alle zu verlassen . Die Mehrzahl von ihnen mußte des Wassers wegen allerdings fort . Aus demselben Grunde hatten sie den Heimweg in verschiedenen Abteilungen über verschiedene Brunnen zu nehmen , um nicht Mangel leiden zu müssen . Der Scheik blieb bis zuletzt da , und da es bis zu unserm nächsten Ziele , der Ain Bahrid , eine ganze Tagesreise war und wir , auch schon der Spur des Ghani wegen , nicht des Nachts unterwegs sein wollten , so hatten wir uns entschlossen , diesen Weg erst morgen früh anzutreten . Aber es kam anders , als wir uns vorgenommen hatten . Da Abd el Idrak die Beschäftigungen seiner Leute nur überwachte und sich nicht auch daran beteiligte , so hatte er Zeit , bei uns zu sein , und das nützte er so reichlich aus , daß er sich fast keinen Augenblick von uns entfernte . Gesprächsstoffe waren überreich vorhanden . Am meisten natürlich wurde über sein und unser Zusammentreffen mit den Beni Khalid gesprochen , und das brachte uns wieder und immer wieder auf den Münedschi , auf Ben Nur und auf die von ihm oder , um ausführlicher zu sein , von ihnen erhaltenen Lehren zurück . Der Scheik gehörte zu den nicht sehr zahlreichen Menschen , denen die Religion Herzenssache , ja die wichtigste Sache ihres Lebens ist . Auch davon abgesehen , daß er sich zum Islam bekannte , war er noch nicht auf den eigentlichen Grund davon gekommen , warum es grad so sein muß und nicht anders sein soll oder doch sein sollte , und nun hatte er hier von Ben Nur einen so wichtigen Fingerzeig bekommen , der ihn auf diesen Grund aller Gründe , die Liebe , aufmerksam machte . Er hatte sogleich und mit Feuereifer zugegriffen und fühlte sich von der entdeckten Neuheit , die doch so uralt ist , weil sie von Anfang war , so begeistert , daß er hunderte von Fragen hatte , deren Beantwortung selbst für einen , der diesen Stoff beherrschte , eine Kunst zu nennen war . Diese seine Entzückung riß auch uns mit sich fort , und so fragten und antworteten wir uns immer mehr ineinander hinein , bis wir , als wir am späten Abend endlich doch aufhören mußten , bemerkten , daß wir uns herzlich liebgewonnen hatten . Nicht nur seine innern Vorzüge , auch sein Aeußeres , sein Petrusgesicht , hatten es mir angethan . Er fühlte diesen Zug der Herzen ebenso wie wir und sagte , indem er glücklich lächelte : » Es scheint ganz so zu sein , wie Hadschi Halef heut früh verkündigt hat : Die Achtung ist euch geworden , und die Liebe ist auch schon unterwegs ! Ja , die Liebe , sie hat sich wirklich eingefunden , wenigstens was mich betrifft ! Ich möchte so gern weiter fortschreiten in ihr und bin so unbeholfen . Ich möchte sie gern so fest haben , daß sie mich nimmer wieder verlassen kann ; ich möchte sie meinem ganzen Stamm verleihen und weiß doch nicht , wie ich das anzufangen habe ; ich bin noch zu unerfahren und zu ungeschickt dazu . Ich brauche euch ; ja , ja , ich brauche euch ; ich muß euch noch haben , wenn auch nur für noch kurze Zeit ! Und darum spreche ich die Bitte aus : Kommt für einige Tage mit uns ! Seid unsere lieben , hochwillkommenen Gäste ! Ich weiß , daß euch ein schnelles Nein auf den Lippen liegt ; aber ich flehe euch an , es ja nicht auszusprechen ! Ihr bringt Glück in unsere Zelte , und wer Glück spenden kann , der darf ja nicht unterlassen , es zu thun . Sagt also ja statt nein ; ich bitte euch von Herzen ! « Wir sahen einander an , und während wir uns so anschauten , ließ jeder ein vergnügtes Lachen hören . Und in dieses Lachen hinein ertönte Hannehs Stimme : » Wir nehmen die Einladung an ; wir gehen mit ; ich will die Frauenzelte der Beni Lam kennen lernen ! « Da war das große Wort ja schon gesprochen ! Wir waren nicht abgeneigt , die Bitte des Scheikes zu erfüllen , und hätten es wahrscheinlich nach einigen Wiederholungen derselben gethan , aber da es eine solche Fürsprache gab , lachte Halef noch lauter als vorher , sprang auf und rief : » Oh Hanneh , du Retterin aus der schwersten Not der Unentschlossenheit , gesegnet sei dein Wort ! Nie schlage ich dir eine Bitte ab , auch diese nicht . Du sollst die Zelte kennen lernen , nach denen du dich sehnst ! « » Da bat Abd el Idrak den Hadschi um die Erlaubnis , zu Hanneh gehen und ihre Hand küssen zu dürfen . « » Ja , küsse sie ; sie hat ' s um dich verdient ! « antwortete Halef . » Küsse ihr auch die andere ! Und wenn du dann noch weiterküssen willst , so habe auch ich zwei Hände , und auch die andern haben jeder deren zwei ! Dann legen wir uns schlafen , denn wenn wir mit dir ziehen , ist der Weg des morgenden Tages sehr weit , und wir müssen sehr früh zum Aufbruche fertig sein ! « So wendet sich der Weg des Menschen oft anders , als er denkt ! Wir sollten später erfahren , daß dieser so rasch beschlossene Besuch bei den Beni Lam ein für uns nicht nur wichtiges , sondern , wie sich herausstellte , fast unvermeidliches Ereignis war . Und es kam noch etwas ganz Ueberraschendes dazu . Nämlich , als wir am andern Morgen aufbrachen , schlugen wir natürlich nicht den Weg nach der Ain Bahrid ein , sondern den kürzesten , den es nach dem Gebiete der Beni Lam gab . Das war eine äußerst selten von einem Wanderer benützte Richtung , wie uns der Scheik sagte , und darum wunderten wir uns , als wir um die Mittagszeit auf eine Spur trafen , welche quer über die unsrige ging und nach einer Gegend lief , wo es mehrere Tagereisen weit keinen Brunnen gab . Die Stapfen deuteten auf drei Kamele und auf die Zeit von gestern . Als wir eine Viertelstunde geritten waren , kehrte diese Spur zurück . Da blieb Abd el Idrak halten und sagte : » Das ist auffällig ! Wer so in die trockene Wüste reitet und so straks wieder umkehrt , den kann nur ein ganz bestimmter Grund geführt haben . Und dieser Grund ist , daß es in der Einöde da einen verborgenen Brunnen giebt , den der , welcher ihn braucht , mit einem Fell und mit Sand bedeckt , damit ihn weiter niemand finde . So ein Wasser ist von größter Wichtigkeit , und ich schlage vor , wir reiten hin , um uns zu überzeugen . Weit fort von hier geht es ja nicht ; das sieht man an den Spuren . « Halef zeigte ein bedenkliches Gesicht ; nach der Ursache gefragt , antwortete er : » Mir will es nicht gefallen , daß es grad drei Kamele sind . Ich muß an den Ghani denken . Die Spur kommt aus der Gegend seines Weges . - Was sagst