. Die Frau mittleren Alters saß etwas tiefer als die ältere , die jungen noch tiefer . Die Frau hatte ein sanftes Angesicht von feiner weißer , ein wenig rot schimmernder Farbe . Ihre Augen waren blau , und die Haare , die unter der Haube hervor sahen , waren blond , und schienen blasser zu werden . Die älteste der Frauen hatte ebenfalls ein sehr feines Angesicht voll Freundlichkeit ; aber das Rot darauf war schwächer als bei der andern . Die Augen waren dunkelblau , und die Haare waren weiß wie die Haube . Als Witiko in dieses Gemach gekommen war , nahm er seine Haube ab , daß die blonden Haare sein Angesicht umwallten , neigte sich und sprach nicht . Die ältere der Frauen erhob sich von ihrem Sitze , legte die Nadel auf den Tisch , und sagte : » Du bist verwundert , Witiko , daß du in diese Stube der Frauen gekommen bist . Verharre ein Weilchen hier , und nimm zum Zeichen , daß du uns nicht verschmähest , einen Sitz . « Eine der jungen Frauen stand auf , und wollte einen Stuhl gegen Witiko rücken . Er kam ihr aber zuvor , nahm den Stuhl , und da sie wieder zu ihrem Platze gegangen war , setzte er sich auf denselben nieder . Die ältere Frau hatte auch ihre Stelle wieder eingenommen . Dann sprach sie : » Witiko , da du jetzt unter uns bist , grüße ich dich . Ich bin Agnes , die Witwe Leopolds , des vorvorigen Markgrafen von Österreich , die Tochter des Kaisers Heinrich des Vierten . « Witiko stand schnell von seinem Sitze auf . Sie aber sagte : » Bleibe auf deinem Stuhle , und wenn du reden willst , so rede von ihm aus . « Witiko setzte sich nieder , und sprach : » Hocherlauchte Frau , da es sich so gefügt hat , so erlaubt , daß ich Euch meinen Dank für die Aufnahme in diesem Gemache sage , und für die Huld , die Ihr mir erweiset . « Agnes aber sprach : » Witiko , als mein Vogt in dieses Zimmer kam , uns deinen Namen zu sagen , so befahl ich , weil deine Mutter hier war , dich zu uns zu führen . Verzeihe mir ; meine Augen wollten sehen , wie ein guter Sohn zu der guten Mutter komme . Unterlasse den Empfangsdank , und grüße deine Mutter ; denn das ist dein erstes . « Witiko stand nach diesen Worten auf , näherte sich der Frau des mittleren Alters , ließ sich vor ihr auf ein Knie nieder , und sagte : » Ich grüße dich , meine gute vielgeliebte Mutter ! « » Ich grüße dich , mein treuer Sohn « , antwortete die Frau . Sie zog ihn an seiner Hand empor , und legte ihre Hände auf sein Haupt . Da sie dieselben herab genommen hatte , beugte er sich auf ihre rechte Hand nieder , und küßte sie . Als er sich wieder erhoben hatte , und in ihr Angesicht schaute , waren in ihren Augen Tränen , und es waren in seinen Augen Tränen . Die zwei jungen Frauen hörten zu sticken auf , und sahen auf die Mutter und den Sohn . » Gehe wieder auf deinen Platz , Witiko « , sagte die Mutter , » und erweise der hohen Frau , die dich vor ihr Angesicht gerufen hat , deine Verehrung . « Witiko aber blieb auf seiner Stelle stehen , und sprach : » Ja , die Verehrung , welche der erhabenen Frau gebührt , die Verehrung , welche sich gegen die Tochter des denkwürdigen Kaisers Heinrich geziemt , die Verehrung , welche der Mutter des deutschen Königs Konrad zukömmt , die Verehrung , welche ich der Mutter Gertruds , der Gattin Wladislaws , des Herzogs von Böhmen und Mähren , zolle , die bei der Belagerung von Prag eine Heldin geworden ist , die Verehrung , welche ich gegen die Frau hege , die in ihren Söhnen und Töchtern auf geistlichen und weltlichen Stühlen und auf den Kriegsfeldern und im Fürstenrate waltet , und die Verehrung , die der Jüngling der Frau bringt . « » Witiko « , antwortete Agnes , » meine Schwiegertochter Maria hat mir erzählt , daß ihr Vater Sobeslaw , der Herzog von Böhmen und Mähren , gesagt hat , du könnest , wenn du auch noch jung bist , deine Worte gut stellen , und du hast uns ein Zeichen davon gegeben . Ich glaube , daß du mich verehrest , aber es ist für meine weißen Haare und für meinen gebeugten Körper , wie stets ein Alter wirkt , über welches Gott viel verhängt hat . « » Hocherhabne Frau « , sagte Witiko , » der Herzog Sobeslaw ist immer mild gegen mich gewesen , und meine Worte rede ich nach meinen Gedanken , und kann oft die Gedanken nicht in Worte bringen . In dir aber verehre ich , was du bist , und verehre auch dein Alter . « » Gehe zu deinem Sitze , Witiko « , sagte Agnes , » und harre noch eine Frist , ich werde dich deiner Mutter nicht lange entziehen . « Witiko ging zu seinem Stuhle , und setzte sich auf denselben nieder . » Bist du von Pric gekommen ? « fragte Agnes . » Ich bin von Pric gekommen « , antwortete Witiko ; » aber ich habe von Pric den hochehrwürdigen Bischof von Olmütz , Zdik , der auf der Flucht ist , nach Passau geleitet , und bin dann von Passau donauabwärts nach Wien gefahren . « » So ist der Bischof Zdik auf der Flucht ? « fragte Agnes . » Wegen der Mächtigen in seinem Lande , die einen schweren Groll gegen ihn tragen « , sagte Witiko . » Es ist immer so , und immer so « , entgegnete Agnes . » Wie lange hast du deine Mutter nicht gesehen , Witiko ? « » Vier Jahre « , antwortete Witiko . » Er ist in dem nämlichen Gewande gekommen , in welchem er Abschied genommen hat « , sagte die Mutter . » So hast du dein Jugendgewand angelegt ? « sprach Agnes . » Ich habe das Gewand angelegt « , antwortete Witiko , » weil ich dachte , daß auch die Mutter daran Freude habe , und dann ziemt mir ein schönes Ritterkleid noch wenig , weil ich noch keine Rittertaten habe vollbringen können , die von dem Herrn des Landes , dem man dient , und von fürstlichen Gebietern mit Verleihungen ausgezeichnet werden , und die den Ruhm und den Glanz vor den Menschen erringen . « » Dieser junge Ritter spricht auch wieder von Taten « , sagte Agnes , » und weiß man denn , was Taten sind ? Siehe , Witiko , heute ist hier ein Gedenktag , und ich habe , als du kamest , eben den Frauen von der Vergangenheit erzählt . Ich will weiter erzählen , dir kann es auch fruchten , Witiko , wenn du es hörst , und in deinen Gedanken überlegst . « Sie schwieg eine Weile , dann sprach sie : » Mein Vater hat seinen Sohn Konrad zum erwählten römischen König gemacht , und er sollte nach ihm römischer Kaiser werden . Aber Konrad stand gegen den Vater auf , und wollte ihm die Herrschaft entreißen . Die Fürsten entsetzten ihn auf dem Reichstage in Mainz seines Königtumes und seines Anrechtes auf das Kaisertum , weil keine Gewalt auf Frevel gegründet werden sollte . Der Vater zog jetzt seinen geliebten jungen Sohn Heinrich hervor , und derselbe wurde zum römischen Könige und Nachfolger des Vaters erwählt . Er wurde in Aachen gekrönt , und schwur , daß er dem Vater in allem gehorchen , und sich nie gegen seine Pflicht erheben werde . Mich vermählte der Vater , da ich noch sehr jung war , dem herrlichen Manne , Friedrich von Büren , der immer treu gewesen war , der sich die Burg auf dem hohen Staufen erbaut hatte , und den der Vater zum Herzoge von Schwaben gemacht hatte . Ich gebar ihm die Söhne Friedrich und Konrad . Als fünf Jahre nach der Krönung meines Bruders verflossen waren , ging dieser zu den Empörern nach Baiern . Der Vater sandte meinen Gatten , dann die Erzbischöfe von Trier und Köln zu ihm , daß sie ihm seinen Schwur und das vierte Gebot vorhielten . Aber er blieb unbeweglich . Er gewann die Sachsen und manche andere , und zog gegen den Vater . Da starb mein Gatte . Der Bruder sagte , er wolle nicht gegen den Vater kämpfen , er wolle nur , daß sich derselbe von dem Banne löse , und mit seinen Kindern , die ihm dann gehorchen werden , christlich lebe . Im Erntemonate kam die Heeresmacht meines Vaters bei Regensburg gegen die Heeresmacht meines Bruders . Die Heeresmacht des Vaters war größer als die Heeresmacht des Bruders . Es waren viele getreue Herren bei dem Vater , es war Leopold , der Markgraf von Österreich , bei ihm , es war Boriwoy , der Herzog von Böhmen und Mähren , bei ihm , und es waren noch andere bei ihm . Es war vorauszusehen , daß , wenn eine Schlacht würde , dem Vater der Sieg bliebe . Da ging der Bruder in der Nacht vorher zu dem Markgrafen Leopold , und sagte , er wolle mich ihm zur Gemahlin geben , wenn er dem Vater in der Schlacht nicht beistünde . Leopold versprach es , ging zu dem Vater , und sagte ihm , daß er für ihn nicht kämpfen werde . Darauf sagte Boriwoy , der Herzog von Böhmen und Mähren , man könne dann überhaupt nicht kämpfen , weil die Macht zu geringe sei . Als dieses geschehen war , sandte mein Bruder einen Boten an den Vater , der melden sollte , es sei eine Verbindung in dem Heere des Vaters geschlossen worden , ihn zu verlassen , und ihm nach dem Leben zu streben . Weil der Markgraf Leopold den Kampf verweigert hatte , weil der Herzog Boriwoy gesagt hatte , daß man nicht kämpfen könne , glaubte der Vater die Botschaft , er verzweifelte , und floh in der Nacht aus dem Lager . Mein Bruder ließ mich am andern Tage in seine Zelte bringen , und sagte mir , ich sei die Braut Leopolds , des Markgrafen von Österreich . Ich weiß , daß ich einen Schrei tat , und daß mir dann die Sinne vergingen . Als ich erwachte , lag ich auf dem Boden . Mein Bruder stand vor mir , und sah mich an . Die Frauen halfen mir nicht , weil sie den Bruder fürchteten . Da saß ein böhmisches Mädchen bei meinem Haupte auf der Erde , das Mädchen träufelte Wasser auf meine Stirne , und befeuchtete meine Lippen damit . Und als ich wieder in dem Leben war , drückte es seinen Mund auf den meinen , und streichelte meine Wangen , und liebkoste mich . Ich faßte mit meiner Hand den Arm des Mädchens , und das Mädchen half mir auf einen Stuhl . Und es ist den ganzen Tag und dann mehrere Tage bei mir geblieben . Dann zog es wieder mit den Ihrigen in das Land Böhmen . Ich sagte , daß ich Leopold , den Markgrafen von Österreich , ehelichen werde . Es ist das Sterbejahr meines Gatten gewesen , und es sind seitdem siebenunddreißig Jahre verflossen . Das böhmische Mädchen aber habe ich erforscht , es ist meine Freundin geworden , ich bin seine Freundin geworden , und wir haben uns Liebe durch das ganze Leben gewährt . Das Mädchen hat den böhmischen Herrn Zaton geheiratet , und das erstgeborne Kind dieser Ehe ist deine Mutter geworden , Witiko , und diese hat mir auch ihre Liebe während des Lebens und nach dem Tode ihrer Eltern gegeben . « » Meine Mutter hat nur eine Christenpflicht geübt « , sagte die Mutter Witikos . » Und mein Dank ist auch nur eine Christenpflicht gewesen « , antwortete Agnes . Dann sprach sie : » Mein Eheleben mit Leopold ist sehr glücklich geworden . Er ist fromm und gut gegen seine Untertanen gewesen , er hat Münster und Klöster gestiftet , durch diese Fenster kann man auf das Kloster der neuen Burg hinab schauen , das er gegründet hat . Unsere Kinder sind in der Liebe zu uns und in der Liebe zu einander aufgewachsen . Dann ist er gestorben , und ich trauere hier um ihn . « Sie schwieg eine kleine Zeit , und die andern schwiegen auch . Dann sprach sie wieder : » Der Vater ist nach Böhmen geflohen . Der Herzog Boriwoy ist ihm nachgezogen , und hat ihn dann ehrerbietig behandelt . Er geleitete ihn zu seinem Schwager Wipprecht von Groitsch . Wipprecht von Groitsch geleitete ihn weiter , bis er an den Rhein kam . Bei Koblenz sammelte er ein neues Heer . Mein Bruder zog auch an den Rhein , und es standen wieder die Männer des Sohnes gegen die Männer des Vaters . Da schickte mein Bruder Boten an den Vater , welche die Worte melden mußten : Auf die heilige Weihnachtzeit ist ein Reichstag nach Mainz angeordnet worden , ich bitte meinen Vater demütig , daß wir vorher zusammen kommen , und bereden , was unserer beiden Sache ist , und daß wir uns versöhnen . Der Vater kam zu der Unterredung , und als er den Sohn erblickte , flossen Tränen aus seinen Augen , und er sagte : Heinrich , um Gott des Allmächtigen willen bitte ich dich , lade nicht die Tat auf dich , die weder in diesem Leben noch in jenem Leben verziehen wird . Wir müßten beide verzweifeln . Mein Bruder fiel auf die Erde , und faßte die Knie des Vaters , und sagte , er bereue alles , was er gegen ihn getan habe , er bitte um Verzeihung , er werde gehorsamen , der Vater möge sich mit der Kirche versöhnen , und beide wollen sie auf den Reichstag nach Mainz gehen , und dort die Versöhnung besiegeln . Der Vater verzieh . Dann sagte mein Bruder , er wolle nach Mainz gehen , und dort alles vorbereiten , der Vater möge indessen warten . Er ging fort , der Vater wartete . Er kam wieder zurück , und schwor , er sei bereit , für den Vater Leib und Leben zu opfern , und er wolle ihn weiter geleiten . Sie zogen fort , und kamen bis gegen Bingen . Ein jeder hatte dreihundert Begleiter . Auf dem Wege wurden die Begleiter meines Bruders immer mehr . Vor Bingen sagte er : Vater , meine Besorgnis wächst , daß Euch der Erzbischof von Mainz wegen des Bannes nicht in seine Stadt einlassen werde . Bleibet in Bingen , und feiert dort das Weihnachtfest , ich werde nach Mainz gehen , und für Euch wirken . Der Vater antwortete : Heinrich , Gott richtet zwischen mir und dir , ich vertraue auf dich . Mein Bruder schwor zum dritten Male , daß er das Leben für den Vater lassen wolle . Er zog nach Mainz , der Vater nach Bingen . Aber in Bingen wurde er von Männern meines Bruders Heinrich , welche dort waren , und von Männern Gebharts , des Bischofes von Speyer , welche sich zu ihnen gesellt hatten , umringt , die Männer des Vaters wurden besiegt , und er wurde gefangen genommen . Und in der Haft wurde ihm des Leibes Bedürfnis und Bequemlichkeit versagt . Und es kamen dann von Mainz die Erzbischöfe von Mainz und Köln , der Bischof von Worms , und der Markgraf von Meißen . Sie sagten zu dem Vater : Gib die Kleinode heraus , die Krone und den Purpur und den Ring , daß wir sie deinem Sohne Heinrich bringen . Mein Vater fragte : Wo ist das Recht zu dem Begehren ? Sie sagten : Weil du priesterliche Stellen für Geld verkauft hast , weil du in dem Banne bist , und weil alle im Reiche an Leib und Seele Schaden leiden , so wollen der Heilige Vater und die Fürsten dich deiner Würde entsetzen . Der Vater rief : Du , Rothart , Erzbischof von Mainz , du , Friedrich , Erzbischof von Köln , und du , Adalbert , Bischof von Worms , was habt ihr mir für eure Stellen gegeben ? Sie antworteten : Nichts . Der Vater sagte : Nun also bin ich hierin gerechtfertigt ; denn ihr hättet mir viel für eure Stellen zahlen müssen . Euch aber sage ich , beflecket diese Stellen und die kaiserliche Würde nicht . Wollen die Fürsten über die andern Dinge einen Entschluß fassen , so werde eine Frist zur Untersuchung gesetzt , und werde ich schuldig befunden , so werde ich selber die Krone von meinem Haupte nehmen . Die Abgesandten sagten , eine Frist werde nicht gewährt , der Kaiser müsse sogleich willfahren . Darauf entfernte sich der Vater aus dem Gemache , und kam dann wieder in dasselbe zurück , angetan mit dem Purpur , die Krone auf dem Haupte , und den Ring an dem Finger . Er sprach : Der Kaiser hat sonst dem Verbrecher Frist und Gehör bewilligt , dem Kaiser werden sie nicht bewilligt . Wohlan , so nehmet , wornach euch gelüstet . Als er dieses gesagt hatte , standen die Boten , und regten sich nicht . Da sprach der Markgraf von Meißen : Unser König Heinrich hat gesagt , wenn der Kaiser schnell einwilligt , so kann sein Leben gerettet werden . Der Erzbischof von Mainz sagte : Wenn wir den Würdigsten auf den Kaiserstuhl setzen dürfen , warum sollen wir den Unwürdigsten nicht absetzen dürfen ? Und da dieses gesprochen war , nahmen sie dem Vater die Krone von dem Haupte , zogen ihm den Ring von dem Finger , und entkleideten ihn des Purpurs . Er aber rief : Herr , ich leide für die Sünden meiner Jugend . Ihr aber habt das Amt des Rächers nicht , und die Strafe wird euch ereilen wie den Verräter des Herrn . Und die Boten brachten dann die Kleinode nach Mainz , und die Fürsten und die Priester und die Abgesandten des Heiligen Vaters verlangten , der Kaiser solle nun kommen , soll Buße tun , und freiwillig dem Reiche entsagen . Der Bruder ließ den Vater nach Ingelheim bringen , die Fürsten und die Versammelten gingen auch dahin . Sie droheten dem Vater , und sagten , er solle die Herrschaft freiwillig niederlegen . Der Vater fragte : Wenn ich das tue , werde ich dann Ruhe und Sicherheit haben ? Darauf antwortete Gebhart , der Bischof von Konstanz , welcher der Gesandte des Heiligen Vaters war : Nein , du wirst so lange nicht Ruhe und Sicherheit haben , bis du eingestehst , daß du an der Kirche und an ihrem Haupte gefrevelt hast . Der Vater sagte : So setzet ein Gericht aus Fürsten und Priestern zusammen , daß es untersuche und entscheide . Gebhart sprach wieder : Du bleibest lebenslang gefangen , wenn du dich nicht sogleich entschließest . Der Vater sagte : Und wenn ich bekenne , und wenn ich die Herrschaft niederlege , wirst du dann den Bann von mir nehmen ? Gebhart antwortete : Das ist nicht in meiner Macht . Der Vater sagte : Wer die Beichte hört , muß auch lossprechen können . Gebhart antwortete : Das wird vielleicht der Heilige Vater tun , wenn du nach Rom pilgerst , und Genugtuung leistest . Nach diesen Worten fiel mein Vater auf die Knie , und rief : Um der Gnade und Barmherzigkeit des Himmels willen bitte ich euch alle um Milde und Gerechtigkeit , und an dich , Heinrich , mein Sohn , richte ich die Beschwörung , vollbringe nicht an mir das Unwürdigste und Entsetzlichste . Vielen Fürsten rannen nun die Tränen von den Wangen , Gebhart blieb bei seinen Worten , Heinrich , mein Bruder , sagte nichts , und blickte nicht auf den Vater . Da sprach der Kaiser : So entsage ich also dem Reiche , und werde der Kirche genügen , und nach dem Gebote der Verzeihung empfehle ich euch meinen Sohn . Sie wählten und weiheten dann darauf noch einmal meinen Bruder Heinrich zum Könige . Den Vater aber ließen sie nicht fort . Da eine Zeit vergangen war , bat er Gebhart , den Bischof von Speyer : Gib mir eine Pfründe in deinem Stifte , daß ich zum Chore gehen kann . Der Bischof verweigerte es . Und da der Vater dachte , daß sein Leben nicht sicher sei , so versuchte er die Flucht , und sie gelang ihm . Er floh nach Köln , und zog dann mit einem kleinen Geleite gegen Lüttich . Als sie auf dem Wege waren , hörten sie Jagdhörner , und der Herzog von Lothringen , den der Vater einmal abgesetzt hatte , trat ihm mit seinen Männern entgegen , und sagte : Du hast sehr unrecht an mir gehandelt . Der Vater antwortete : Ich leide jetzt dafür und für das andere . Der Herzog aber sagte : Ich will zu dir stehen , der du verfolgt bist . Und er ging darnach mit allen seinen Kriegsmännern zu dem Vater nach Lüttich . Und Köln und Jülich und andere Städte erklärten sich nun für den Vater , und es kam ein Kriegsheer zusammen . Da sandte nun mein Bruder Heinrich Boten zu dem Vater , ihn demütig zu grüßen , und zu sagen , daß er sich mit ihm aussöhnen , und daß er bei ihm in Lüttich das Osterfest feiern wolle . Der Vater antwortete : Ich vertraue dir nicht , ich bin an das Ende des Reiches gegangen , um Ruhe zu finden , und du bleibe fern , das Volk hier ist dir feindlich . Mein Bruder aber ging mit einem Heere gegen Lüttich , er wurde geschlagen , und rettete kaum sein Leben . Der Vater ließ einen Brief ergehen , darin stand : Ich klage Gott und den Heiligen mein Leid von der Kirche ; aber ich will mich ihr unterwerfen , und ihr Genugtuung leisten , und so ist die Ursache gehoben , um die mein Sohn gegen mich ist , es müßte nur sein , daß er einzig nach der Gewalt strebt . Mein Bruder sammelte wieder ein Heer , und belagerte Köln durch lange Zeit , bis Hunger und Krankheit seine Leute dahin nahmen . Dann verließ er Köln , sammelte neuerdings Männer , und zog gegen Lothringen . Da kam eines Tages Burkhard , der Bischof von Münster , zu ihm , und sagte : Dein Vater , der Kaiser , sendet dir das Reichsschwert , welches damals nicht in Bingen gewesen ist , du sollst es hinfort führen ; denn er ist am siebenten Tage des Erntemonates in Lüttich gestorben . Er läßt dich bitten , daß du ihn begrabest , und den Seinigen verzeihest . Aber Heinrich begrub den Vater nicht . Der Bischof von Lüttich begrub ihn christlich ; aber er mußte ihn wieder ausgraben , weil er im Banne gestorben war . Die Leiche stand nun auf ungeweihetem Grunde auf einer Insel der Maas , und nur ein einziger Pilger aus Jerusalem betete und sang bei ihr . Dann wurde sie mit dem Willen meines Bruders in einem steinernen Sarge nach Speyer gebracht . Der Diener des Vaters , Erkenbald , wollte sie mit Priestern und Volk in der Kirche der heiligen Jungfrau Maria , welche der Vater gebaut hatte , begraben ; aber der Bischof von Speyer gestattete es nicht . Von da stand sie fünf Jahre in einer ungeweiheten Kapelle . Nach dieser Zeit wurde sie begraben , und der Bruder feierte das Begräbnis . Er waltete nun fortan als das weltliche Haupt der Christenheit . Heute ist der Tag des Gedächtnisses an jenen Tag , an welchem mir endlich nach vielem Beten von Gott die Gnade verliehen worden ist , meinem Bruder gänzlich verzeihen zu können , was er an dem Vater gesündigt hat . Darum war feierlicher Gottesdienst , und darum erzähle ich davon . Es ist meinem Bruder auch die Gnade zu Teil geworden , seine Schuld noch hier ein wenig büßen zu können . Der Schoß seines Weibes blieb unfruchtbar , er wurde in den Bann der Kirche getan , und er starb in den Mannesjahren an einem kleinen Geschwüre , das sich vergrößerte , und ihn dahin raffte . Die deutsche Krone ist auf den Sachsen Lothar übergegangen . Rothart , der Erzbischof von Mainz , der den Namen von Hartesberg trug , starb drei Jahre nach dem Vorgange in Bingen , Adalbert , der Bischof von Worms , zwei Jahre darauf , Friedrich , der Erzbischof von Köln , der den Namen Ortenberg hatte , lebte noch über zwanzig Jahre , ist aber jetzt auch tot . Eben so ist jener Markgraf von Meißen dahin gegangen , der so schnell gestiegen ist , und dessen Geschlecht dann so Unglückliches erlebte . « Agnes schwieg nun . Die Mutter Witikos nahm das Wort , und sagte : » Hohe Frau , lasse diese traurigen Dinge nicht in deinem Gemüte empor leben , sie sind vergangen , Gott hat sie geschehen lassen , und richtet über sie . Denke an die Gegenwart . Du bist verehrt wie eine der Frauen , die im Leben heilig gewandelt sind , das Volk in diesen Ländern heiligt das Andenken deines Gemahles , und du hast wohlgeratene Kinder . Der Kaiser Lothar , der Sachse , ist tot , und die Herrlichkeit der deutschen Königskrone ist auf das Haupt deines Sohnes Konrad gekommen , und auf die Königskrone wird die Kaiserkrone folgen . Das neue starke Geschlecht der Hohenstaufen wird von der Krone geziert , und ziert die Krone bis in Zeiten , die in der entfernten Zukunft sind . Dein Sohn anderer Ehe , Heinrich , herrscht als Markgraf in diesem schönen Lande , er hat sich die Witwe seines Feindes in Liebe verbunden , er wird den Herzoghut tragen , und die Österreicher werden mit den Hohenstaufen in Freundschaft des gleichen Weges gehen bis in die Zeiten , von denen ich gesagt habe . « » O Wentila « , entgegnete Agnes , » die traurigen Dinge leben nicht in meinem Gemüte empor , sie leben in demselben immer fort , und wenn sie auch vergangen sind , und Gott über sie richtet , so ist die Vergangenheit doch in mir , und ich bin in ihr . Und heilig kann ich nicht wandeln , ich kann nur für meine Sünden büßen , und für die Lebenden und Toten beten . Die Macht und die Kronen aber sind Dinge , welche tauglich sind , mit ihnen Gutes zu tun , sonst sind sie nichtig . « » Und die Deinigen haben mit diesen Dingen schon Gutes getan « , sagte Wentila , » Konrad hat den wilden Krieg des trotzigen Mannes aus Baiern beendigt , er hat die Kraft des deutschen Landes viel befestigt , und wird sie noch mehr befestigen , und dann seine Augen auf Jerusalem und Bethlehem richten . Heinrich waltet in seiner Mark . Er wird der erste Herzog derselben sein , und die Dinge in den heiligen Ländern können durch ihn auch an Gedeihen gewinnen . « » Mögen die Hohenstaufen die Macht immer zum Guten wenden « , sagte Agnes , » und durch sie nicht in Verwirrung geraten , wie die , welche die Macht vor ihnen gehabt haben . Ich habe Taten genug gesehen , die gepriesen worden sind , und Übles gestiftet haben . Wer seine Ehefrau liebt , seine Kinder in Gott erzieht , seine Habe ehrbar mehrt , und seine Untertanen schützt und fördert , hat rechte Taten getan . Und wer weiß es , ob es nicht eine bessere Tat ist , wenn wir hier dieses Tuch zum Dienste der Kirche sticken , oder auch nur zum weichen Fußtritte eines Greises , als wenn wir Herzogtümer eroberten oder zertrümmerten . « » Hohe Frau « , sagte Wentila , » es sind der menschlichen Dinge unzählbare , wie es unzählbare Bäume und Kräuter gibt . « » Sie sind « , sagte Agnes , » und Gott leitet sie . Witiko , meine Schwiegertochter hat von dir geredet , mein Sohn hat von dir geredet , und deine Mutter hat mir erzählt , wie gut du bist . Ich habe dich gesehen . Gehe jetzt mit deiner Mutter in ihre Kammer , und redet , wie ihr redet , wenn ihr allein seid . Bleibe bei uns und deiner Mutter auf dem Kahlenberge , so lange du willst . Gehe zu meinem Sohne Heinrich , und gehe zu den alten und zu den jungen Rittern , und sage dann in der Heimat deinen Freunden , wie es bei uns ist . Hecila , melde Kunigunden , daß sie den Vogt anweise , Witiko seine Wohnung zu zeigen . « Eine von den zwei jungen Frauen erhob sich von ihrem Sitze , und ging aus dem Gemache . » Du beurlaubest uns , erlauchte Frau « , sagte Wentila , » und wir entfernen uns . « Sie stand von ihrem Sitze auf , und Witiko stand auch auf . Er sprach , da er stand : » Nehmet noch einmal den Dank für die gute Aufnahme , hocherlauchte Frau , und den für die Gewährung der Beherbergung , ich werde ihrer in Gemeinschaft mit meiner Mutter pflegen , und mich bestreben ,