unter diesem Stande die bestimmten Stellen des Seegrundes liegen . Dieser mittlere Stand , der nach demjenigen genommen wurde , welcher in der meisten Zeit des Jahres herrscht , war in meiner Abbildung auch der Wasserspiegel . Ihn nahm ich bei den Nachmessungen zur Richtschnur . In größeren Entfernungen von dem Ufer hatte sich der Seegrund seit dem Beginne meiner Messungen nicht geändert , oder wenn er sich geändert hatte , war es so wenig , daß es durch unsere Meßwerkzeuge nicht wahrzunehmen war . An jenen Ufern oder in der Nähe derselben , wo große Tiefen herrschten und steile , ruhige Wände standen , an denen bei Regengüssen höchstens schmale Bänder oder seichte Wasserflächen niederrieseln , war ebenfalls keine Veränderung . Aber an seichten Stellen bei flacheren Ufern , wo der Regen Gerölle und andere Dinge einführt , fanden sich schon Veränderungen vor . Am meisten aber waren die Wandlungen und am größten , wo eine Schlucht sich gegen das Wasser öffnete , aus welcher ein Bergbach hervorströmte , der , je nachdem er weiter her floß oder bei Güssen heftiger anschwoll , auch größere Berge von Gerölle in den See schob und dort liegen ließ . Nach der Wiederholung dieser alten Messungen wurde zu neuen geschritten , die zur Vollendung der mir zum Ziele gesetzten Kenntnisse notwendig waren . Ebenso wurden die Zeichnungen der Gebilde , welche sich außerhalb des Wassers als Ufer befanden , fleißig fortgesetzt . Zweimal wurde die Arbeit unterbrochen . Ich ging in das Rothmoor , um nachzusehen , wie weit die Dinge , die aus meinen Marmoren verfertigt werden sollten , gediehen wären , und wie gut sie ausgeführt würden . Die Fortschritte waren zu loben . Man sagte - und ich selber sah die Möglichkeit ein - , daß in diesem Sommer noch alles fertig werden würde . Aber in Hinsicht der Güte hatte ich Ausstellungen zu machen . Ich ordnete mit Bitten , Vorstellungen und Versprechen an , daß man das , was ich angab , so genau und so rein mache , wie ich es wollte . Wenn Regenzeit war , so daß die Wolken an den Bergen herum hingen , und weder diese noch die Gestalt des Sees richtig zu überblicken waren , so blieb ich zu Hause , und zeichnete und malte dasjenige in mein Hauptblatt , was ich im Freien auf viele Nebenblätter aufgenommen hatte . So rückte das Unternehmen der Vollendung immer näher . Endlich waren die Arbeiten im Freien beendigt , und es erübrigte nur noch , die vielen Angaben , welche in meinen Papieren zerstreut waren , und welche ich bisher nicht hatte bewältigen können , in die Zeichnung einzutragen , und die Gestalten , welche ich auf einzelnen Blättern hatte , teils mit der Hauptzeichnung wegen der Richtigkeit zu vergleichen , teils diese , wo es nottat , zu ergänzen . Auch Farben mußten auf verschiedene Stellen aufgetragen werden . Nach langer Arbeit und nach vielen Schwierigkeiten , die ich zur Erzielung einer großen Genauigkeit zu überwinden hatte , war das Werk eines Tages fertig , und der ganze Entwurf lag in schwermütiger Düsterheit und in einer Schönheit vor meinen Augen , die ich selber nicht erwartet hatte . Ich betrachtete allein die Abbildung eine Weile , da niemand war , der das Anschauen mit mir geteilt hätte , rollte dann das Blatt auf eine Walze , verpackte es sehr gut in einen Koffer , nahm von dem See und von allen Bewohnern des Seewirtshauses Abschied , und begab mich auf den Weg in das Ahornhaus des Lautertales . Dort siedelte ich mich an . Ich ging nun täglich in das Rothmoor , blieb den ganzen Tag dort , und kehrte abends zurück , so daß ich in der Dämmerung im Ahornhause ankam . Ich sah im Rothmoore den Arbeiten an meinen Marmoren zu , dem Schneiden , Feilen , Reiben , Schleifen und Glätten . Ich gab auch an , wie manches zu behandeln sei , und wie es einer größeren Vollendung , namentlich aber einer größern Genauigkeit entgegen geführt werden könnte . Das Wasserbecken meines Vaters wurde nach und nach fertig , und die kleineren Dinge , welche gemacht werden sollten , waren ebenfalls vollendet . Die Sonne schien in die Bauhütte , und das Becken erglänzte recht rein und schön in derselben . Ich ließ von starken Balken Behältnisse zimmern . In diese wurden die Teile des Beckens mit Winden , Hebeln und Stricken gepackt und zur Versendung bereitet . Die Wägen mußten eigens vorgerichtet werden , damit die Behältnisse an den Strom gebracht werden könnten . Diese Vorrichtung war endlich fertig . Das Aufladen wurde bewerkstelligt , und die Wägen gingen ab . Ich ging mit ihnen bis an den Strom , und verließ sie keinen Augenblick , um wo möglich jeden Unfall zu verhüten . Am Strome wurden die Behältnisse auf ein Schiff verladen und weiter befördert . Von dem Landungsplatze vor unserer Stadt wurden sie endlich wieder durch starke Wägen in unsern Garten gebracht . Es wurde nun daran geschritten , das Wasserwerk in diesem Herbste noch fertig zu machen . Der Vater hatte auf Briefe von mir und auf gesendete Maße den Dingen bereits vorarbeiten lassen . Es wurden nun noch mehrere Arbeiter gedungen und ein Wasserbaukundiger genommen , welcher die Arbeiten zu leiten hatte . Ich war den ganzen Tag bei dem Werke zugegen und half mit . Der Vater kargte sich ebenfalls alle mögliche Zeit ab , um zugegen sein und zuschauen zu können . Die Röhren wurden gelegt , die Steigröhre verzapft , der Stengel über sie gebaut , mit den nötigen Eisen gestärkt und verlötet , und an demselben wurde das Blatt befestigt . Der Pfropfen , welcher den in das Blatt mündenden Stengel geschlossen gehalten hatte , wurde gelüftet , und der reine Strahl fiel auf die im Blatte liegende Einbeere hinunter , füllte das Becken , und glitt von demselben , als es gefüllt war , auf den sanften gelb marmornen Fußboden nieder und rieselte in dessen Rinne weiter . Die Farben stimmten sehr gut zusammen , das Dunkel des Stengels hob sich von dem Rosenrot des Blattes ab , und das Gelb des Fußbodens gab dem Rosenrot eine schönere Farbe und einen feineren Glanz . Es waren mehrere Gäste zur Eröffnung des Werkes geladen worden , und diese so wie Vater , Mutter und Schwester freuten sich des Gelingens . Der Vater reichte mir als Gegengeschenk , sehr schön gebunden und auf den Deckeln mit halberhabener Arbeit versehen , das Nibelungenlied . Ich dankte ihm sehr dafür . Es wurde beschlossen , für den Winter ein Bretterhäuschen über das Wasserwerk machen zu lassen und dasselbe gut zu verwahren , daß keine Kälte eindringen könne . Für den Frühling wurden Plane entworfen , wie man die Gartenumgebungen des Beckens einrichten solle , daß der ganze Anblick ein desto würdigerer und schönerer sei . Man hoffte , bis zum Eintritte der besseren Jahreszeit mit den Entwürfen im Reinen zu sein und beginnen zu können . Ich übergab außer dem Becken auch die andern Marmorgegenstände , welche in dem Rothmoore waren verfertiget worden . Darunter befanden sich Säulen und Simse , welche an einer Stelle verwendet werden sollten , die am Ende des Gartens lag , eine Aussicht auf die Berge und auf die Umgebung bot , und auf welcher der Vater etwas zu errichten vorhatte , das der Aussicht würdig wäre und sie besser genießen lasse . Ich meinte , es dürfte eine schöne Fassung anzulegen sein , die den Platz begrenzt , die breite Flächen hat , daß man sich auf dieselben lehnen und Dinge auf sie legen könne , und an der sich Sitze befänden , auf welchen man ausruhen könne . Wenn in der Nähe dieser Fassung ein Tisch wäre , würde es noch besser sein . Außerdem hatte ich Schalen zu beliebigem Gebrauche gebracht , Ringe , die einen Vorhang fassen , Tischplatten , Pfeilerverzierungen , Steine von verschiedener Farbe , die im Vierecke geschliffen waren , und die man der Reihe nach auf Papier oder Ähnliches legen konnte , und noch mehrere Dinge dieser Art. Dem Vater zeigte ich die Zeichnung von dem Kerberger Altare und sagte , daß ich sie eigens für ihn gemacht habe und sie ihm hiemit übergebe . Er war sehr erfreut darüber und dankte mir dafür . Der Altar war ihm zwar nicht neu , er hatte ihn in früherer Zeit , ehe er wieder hergestellt worden war , gesehen , und die Zeichnung des wiederhergestellten Altares war unter den von meinem Gastfreunde dem Vater im vorigen Jahre gesendeten Zeichnungen gewesen . Desohngeachtet war es ihm sehr angenehm , die Zeichnung zu besitzen und sie öfter und nach Muße betrachten zu können . Er machte mich auf mehrere Dinge aufmerksam , die er nach wiederholter Betrachtung entdeckt hatte . Zuerst sah er , daß der Altar viel reicher und mannigfaltiger sei , als da er ihn in noch unverbessertem Zustande vor vielen Jahren in Wirklichkeit gesehen hatte ; dann machte er mich darauf aufmerksam , daß dieses Werk schon die Rundlinien habe , daß die Türmchen durch gewundene Stäbe in Gestalten von Pyramiden gebildet , und daß die menschlichen Gestalten schon sehr durchgearbeitet seien , was alles darauf hindeute , daß das Werk nicht mehr der Zeit der strengen gotischen Bauart angehöre , sondern derjenigen , wo diese Art sich schon zu verwandeln begonnen hatte . Auch zeigte er mir , daß Teile der Verzierungen im Laufe der Zeiten an andere Orte gestellt worden seien , als an die sie gehören , daß die Büsten sich nicht an dem rechten Platze befinden , und daß menschliche Gestalten verloren gegangen sein müssen . Er holte Bücher aus seinem Bücherschreine herbei , in denen Abbildungen waren , und aus denen er mir die Wahrheit dessen bewies , was er behauptete . Ich sagte ihm , daß mein Gastfreund und Eustach der nämlichen Meinung sind , daß aber die Wiederherstellungen , welche man an dem Altare gemacht hat , im strengen Wortverstande nicht Wiederherstellungen gewesen seien , sondern daß man sich zuerst nur zum Zwecke gesetzt habe , den Stoff zu erhalten , und weitere Umänderungen oder größere Ergänzungen einer ferneren Zeit aufzubewahren , wenn sich überhaupt die Mittel und Wege dazu fänden . Nur solche Ergänzungen sind gemacht worden , bei denen die Gestalt des Gegenstandes unzweifelhaft gegeben war . Die Bücher des Vaters machten mich auf die Sache , die sie behandelten , mehr aufmerksam , ich bat ihn , daß er sie mir in meine Wohnung leihe , und begann sie durchzugehen . Sie führten mich dahin , daß ich die Baukunst und ihre Geschichte vom Anfange an genauer kennen zu lernen wünschte , und mir alle Bücher , die hiezu nötig waren , nach dem Rate meines Vaters und anderer ankaufte . 5. Der Bund Der Winter verging wie gewöhnlich . Ich richtete meine mitgebrachten Dinge in Ordnung , und holte an Schreibgeschäften nach , was im Sommer wegen der Tätigkeit im Freien und der anderweitig verlorenen Zeit im Rückstande geblieben war . Der Umgang mit den Meinigen in dem engsten Kreise des Hauses war mir das Liebste , er war mein größtes Vergnügen , er war meine höchste Freude . Der Vater bezeigte mir von Tag zu Tag mehr Achtung . Liebe konnte er mir nicht in größerem Maße bezeigen , denn diese hatte er mir immer höchstmöglich bewiesen ; aber so wie er früher bei der zärtlichsten Sorg falt für mein Wohl und bei der Herbeischaffung alles dessen , was zu meinem Unterhalte und meiner Ausbildung notwendig gewesen ist , mich meine Wege gehen ließ , immer freundlich und liebevoll war , und nicht begehrte , daß ich mich in andere Richtungen begebe , die ihm etwa bequemer sein mochten : so war er zwar dies jetzt alles auch ; aber er fragte mich doch häufiger um meine Bestrebungen und ließ sich die Dinge , welche darauf Bezug hatten , auseinandersetzen , er holte meinen Rat und meine Meinung in Angelegenheiten seiner Sammlungen oder in denen des Hauses ein und handelte darnach , er sprach über Werke der Dichter , der Geschichtschreiber , der Kunst mit mir , und tat dies öfter , als es in früheren Zeiten der Fall gewesen war . Er brachte in meiner Gesellschaft manche Zeit bei seinen Bildern , bei seinen Büchern und bei seinen andern Dingen zu , und versammelte uns gerne in dem Glashäuschen , das eine erwärmte Luft durchwehte , die sich traulich um die alten Waffen , die alten Schnitzwerke und die Pfeilerverkleidungen ergoß . Er sprach von verschiedenen Dingen , und schien sich wohl zu fühlen , den Abend in dem engsten Kreise seiner Familie zubringen zu können . Mir schien es , daß er zu der jetzigen Zeit nicht nur früher aus seiner Schreibstube nach Hause komme als sonst , sondern daß er sich auch mehr innerhalb der Mauern desselben aufhalte als in früheren Jahren . Die Mutter war sehr freudig über die Heiterkeit des Vaters , sie ging gerne in seine Pläne ein , und beförderte alles , was sie in ihrem Kreise zu der Erfüllung derselben tun konnte . Sie schien uns Kinder mehr zu lieben als in jeder vergangenen Zeit . Klotilde wendete sich immer mehr und mehr zu mir , sie war gleichsam mein Bruder , ich war ihr Freund , ihr Ratgeber , ihr Gesellschafter . Sie schien gar keine andere Empfindung als für unser Haus zu haben . Wir setzten unsere Übungen im Spanischen , im Zitherspielen , im Zeichnen und Malen fort . Trotz dieser Dinge war sie auch im Hauswesen eifrig , um der Mutter Folge zu leisten und ihren Beifall zu gewinnen . Wenn etwas in dieser Art , das eine größere Sorgfalt und Geschicklichkeit erheischte , besonders gelang und dies erkannt wurde , so war ihre Befriedigung größer , als wenn sie bei einer ernsten und wichtigen Bewerbung vor einer ansehnlichen Versammlung den Preis davon getragen hätte . In den Gesellschaften , die in kleineren oder größeren Kreisen , nur seltener als in früheren Jahren , in unserem Hause statt fanden , wurden jetzt auch mehr Gespräche geführt , als da wir noch jünger waren . Es wurden ernsthafte Dinge in Untersuchung gezogen , Angelegenheiten des Staates , allgemeine öffentliche Unternehmungen oder Erscheinungen , die von sich reden machten . Man sprach auch von seinen Beschäftigungen , von seinen Liebhabereien oder von dem gewöhnlichen Tagesstoffe , wie etwa das Theater ist , oder wie Begebenheiten sind , die sich in den nächsten Umgebungen zutragen . Im übrigen wurde auch zu den bekannten Vergnügungen gegriffen , Musik , Tanz , Liedersingen . Manche jüngere Leute lernten sich da neu kennen , ältere setzten die früher bestandene Bekanntschaft fort . Ich besuchte meine Freunde , besprach mich mit ihnen , und erzählte ihnen im allgemeinen , womit ich mich eben beschäftige . Sie teilten mir aus dem Kreise ihrer Erlebnisse mit , und machten mich auf manche Persönlichkeiten aufmerksamen . Ich setzte meine Malerei fort , ich betrieb die Edelsteinkunde , und besuchte manches Theater . Das Lesen der Bücher über Baukunst vergnügte mich sehr , und es eröffnete sich mir da ein neues Feld , das manches Ersprießliche und manche Förderung versprach . Die Abende bei der Fürstin erschienen mir immer wichtiger . Es hatte sich nach und nach eine Gesellschaft zusammen gefunden , deren Mitglieder sich häufig und gerne in dem Zimmer der Fürstin versammelten . Es wurden die anziehendsten Stoffe verhandelt , und man schrak nicht zurück , wenn jemand die Fragen der allerneuesten Weltweisheit auf die Bahn brachte . Man legte sich die Dinge zurecht , wie man konnte , man kleidete die eigentümliche Redeweise der sogenannten Fachmänner in die gewöhnliche Sprache , und wendete den gewöhnlichen Verstand darauf an . Was durch diese Mittel und durch die der Gesellschaft herausgebracht werden konnte , das besaß man , und wenn es von der Gesellschaft als ein Gewinn betrachtet wurde , so behielt man es als einen Gewinn . Wenn aber nur Worte da zu sein schienen , von denen man eine greifbare Bedeutung nicht ermitteln konnte , so ließ man die Sache dahin gestellt sein , ohne ihr eine Folge zu geben , und ohne über sie aburteilen zu wollen . Die Dichter und das Spanische wurden lebhaft fortgesetzt . Wenn sehr klare Tage waren und eine heitere Sonne ein erhellendes Licht in den Zimmern vermittelte , so war ich in dem Glashäuschen und arbeitete an den Abbildungen der Pfeilerverkleidungen für meinen Gastfreund . Ich wollte sie so gut machen , als es mir nur möglich wäre , um dem Manne , dem ich so viel verdankte , und den ich so hoch achtete , Zufriedenheit abzugewinnen , oder ihm gar etwa ein Vergnügen zu bereiten . Ich wollte zuerst Zeichnungen von den Verkleidungen entwerfen , und nach ihnen Bilder in Ölfarben ausführen . Ich machte die Zeichnungen auf lichtbraunes Papier , tiefte die Schatten in Schwarz ab , erhöhte die Lichter in einem helleren Braun , und setzte die höchsten Glanzstellen mit Weiß auf . Als ich die Zeichnungen in dieser Art fertig hatte , und durch vielfache Vergleichungen und Abmessungen überzeugt war , daß sie in allen Verhältnissen richtig seien , setzte ich noch den Maßstab hinzu , nach dem sie ausgeführt waren . Ich schritt nun zur Verfertigung der Bilder . Sie wurden etwas kleiner als die Entwürfe gemacht , aber im genauen Verhältnisse zu denselben . Ich benutzte zum Malen immer die nämlichen Vormittagsstunden , um die Glanzpunkte , die Lichter und die Schatten in ihrer vollen Richtigkeit zu erfassen , und auch der Farbe im allgemeinen ihre Treue geben zu können . Es zeigte sich mir da eine Erfahrung in den Farben wieder bestätigt , die ich schon früher gemacht hatte . Auf die mit schwachem Firnisse überzogenen Holzschnitzwerke nahmen die umgebenden Gegenstände einen solchen Einfluß , daß sich Schwerter , Morgensterne , dunkelrotes Faltenwerk , die Führung der Wände , des Fußbodens , die Fenstervorhänge und die Zimmerdecke in unbestimmten Ausdehnungen und unklaren Umrissen in ihnen spiegelten . Ich merkte bald , daß , wenn alle diese Dinge in die Farbe der Abbildungen aufgenommen werden sollten , die dargestellten Gegenstände wohl an Reichtum und Reiz gewinnen , aber an Verständlichkeit verlieren würden , so lange man nicht das Zimmer mit allem , was es enthält , mit malt und dadurch die Begründung aufzeigt . Da ich dies nicht konnte und mein Zweck es auch nicht erheischte , so entfernte ich alles Zufällige und stark Einwirkende aus dem Zimmer , und malte dann die Schnitzereien , wie sie sich samt den übergebliebenen Einwirkungen mir zeigten , um einerseits wahr zu sein , und um andererseits , wenn ich jede Einwirkung der Umgebung weg ließe , nicht etwas geradezu Unmögliches an ihre Stelle zu setzen und den Gegenstand seines Lebens zu berauben , weil er dadurch aus jeder Umgebung gerückt würde , keinen Platz seines Daseins und also überhaupt kein Dasein hätte . Was die wirkliche Ortsfarbe der Schnitzereien sei , würde sich aus dem Ganzen schon ergeben und müßte aus ihm erkannt werden . Ich wendete bei der Arbeit sehr viele Mühe auf , und suchte sie so genau , als es meiner Kraft und meinen Kenntnissen möglich war , zu verrichten . Ich erhöhte und vertiefte die Farben so lange , und suchte nach dem richtigen Tone und dem erforderlichen Feuer so lange , bis das Bild neben die Gegenstände gestellt aus der Ferne von ihnen nicht zu unterscheiden war . Die Zeichnung des Bildes mußte richtig sein , weil sie vollkommen genau nach dem ursprünglichen Entwurfe gemacht worden war , den ich nach mathematischen Weisungen zusammen gestellt hatte . Als die Sache nach meiner Meinung fertig war , zeigte ich sie dem Vater , welcher sie auch mit Ausnahme von kleinen Anständen , die er erhob , billigte . Die Anstände beseitigte ich zu seiner Zufriedenheit . Hierauf wurde alles in taugliche Fächer gebracht und zur Verführung bereit gehalten . Es waren fast die Tage des Vorfrühlings herangekommen , ehe ich mit diesem Werke fertig war . Dies hatte seinen Grund auch vorzüglich darin , daß ich die späteren , hellen Wintertage mehr als die früheren , trüben hatte benutzen können . Im Frühlinge trat ich meine Reise wieder an . Ich machte zuerst einen Besuch bei meinem Gastfreunde , brachte ihm die Fächer , in denen die Abbildungen der Pfeilerverkleidungen enthalten waren , und händigte ihm sowohl den Entwurf als auch das Farbenbild der Schnitzereien ein . Er berief Eustach in seine Stabe , in welcher die Dinge ausgepackt wurden , herüber . Beide sprachen sich sehr günstig über die Arbeit aus , und zwar günstiger als über jede frühere , die ich ihnen vorgelegt hatte . Ich war darüber sehr erfreut . Eustach sagte , daß man sehr gut die Ortsfarben und die , welche durch fremde Einwirkungen entstanden waren , unterscheiden könne , und daß man aus den letzten die Beschaffenheit der Umgebungen zu ahnen vermöge . Sie stellten das Bild in die nötige Entfernung und betrachteten es mit Gefallen . Besonders anerkennend sprach Eustach über die Richtigkeit und Brauchbarkeit des unfarbigen Entwurfes . Ich reiste nach dem kurzen Besuche in dem Rosenhause in die Gegend der Tann , blieb auch dort nur kurz , und drang tiefer in das Gebirge ein , um eine Mittelstelle zu finden , von der aus ich meine neuen Arbeiten unternehmen könnte . Als ich eine solche gefunden hatte , ging ich in das Lautertal und dort in das Ahornwirtshaus , um meinen Kaspar und die andern , welche mir im vorigen Jahre geholfen hatten , auch für das heurige zu dingen . Als dies , wie ich glaube , zu gegenseitiger Zufriedenheit abgetan war , blieb ich noch einige Tage in dem Ahornhause , teils damit sich meine Leute zu der Abreise rüsten konnten , teils um das mir liebgewordene Haus , das liebgewordene Tal und die Umgebung wieder ein wenig zu genießen . Ich ging bei dieser Gelegenheit mehrere Male in das Rothmoor , um dort nachzusehen , was man eben für Gegenstände aus Marmor mache . Mir schien es , als wäre die Anstalt seit einem Jahre sehr gediehen . Ich besprach mich dort auch über Arbeiten , die für mich auszufahren wären , falls ich den hiezu nötigen Marmor fände . Erkundigungen , um auf Spuren der Ergänzungen der Pfeilerverkleidungen meines Vaters , die ich in dieser Gegend gekauft hatte , zu kommen , waren auch heuer wie in früherer Zeit fruchtlos . Ein Ereignis trat in dem Lautertale ein , das mich sehr erheiterte . Mein Zitherspiellehrer , der einige Zeit gleichsam verschollen war , war wieder da . Er zeigte viele Freude , mich zu sehen , und sagte , er wolle mir in das Kargrat folgen , welches jetzt der Mittelpunkt meiner Arbeiten war , ein Dörfchen auf grasigen , baum- und buschlosen Anhöhen ganz nahe an dem ewigen Eise , mit armen Bewohnern und einem vielleicht noch ärmeren , genügsamen Pfarrer . Er sagte , er wolle diejenigen Arbeiten , die ich ihm auftragen werde , gegen Lohn verrichten , und in freier Zeit wollen wir auf der Zither spielen . Er habe noch keinen Schüler gehabt , mit dem ihm die Übungen auf der Zither so viele Freude gemacht hätten . Ich beschloß , einen Versuch zu wagen , und wir wurden über die gegenseitigen Bedingungen einig . Als alles in Bereitschaft war , gingen wir aus dem Ahornhause in das Kargrat ab . Ich ging mit den Leuten auf abgelegenen und schneller zum Ziele führenden Gebirgspfaden . Nur einmal hatten wir eine Strecke gebahnter Straße , auf welcher ich zwei leichte Wägen mietete . Im Kargrat fand ich ein kleines Zimmerchen . Für meine Leute wurde eine Scheune zurecht gerichtet , und zur Aufbewahrung meiner Gegenstände wurde aus Brettern ein ganz kleines Häuschen eigens erbaut . Wir waren nun in der Nähe der höchsten Höhen . In mein winziges Fenster sahen die drei Schneehäupter der Leiterköpfe , hinter denen die steile , ziemlich schlanke , blendend weiße Nadel der Karspitze hervorragte , und neben denen die edelsteinglänzenden Bänke der Simmen oder des Simmieises sich dehnten . Um den sehr spitzen Kirchturm des Dörfchens wehte die scharfe , fast harte Gebirgsluft und senkte sich auf unsere Häupter und Angesichter nieder . Weit ab gegen die Tiefe zu lagen die anderen Berge und die dichter bewohnten und bevölkerten Länder . Über das Zitherspiel meines wiedergefundenen Lehrers war ich wirklich sehr erfreut . Ich hatte in der Zeit , während welcher ich ihn nicht gesehen hatte , schon beinahe vergessen , wie vortrefflich er spiele . Alles , was ich seit dem gehört hatte , erblaßte zur Unbedeutenheit gegen sein Spiel , von dem ich den Ausdruck höchste Herrlichkeit gebrauchen muß . Er scheint von diesem seinem Musikgeräte auch ergriffen und beherrscht zu sein ; wenn er spielt , ist er ein anderer Mensch , und greift in seine und in die Tiefen anderer Menschen , und zwar in gute . Auf diesen Berghöhen war das schöne Spiel fast noch schöner , noch rührender und einsamer . Wie uns im vorigen Jahre Wälder und Wände eingeschlossen hatten , und nur wenige Stellen uns freien Umblick verschafften , so waren wir heuer fast immer auf freien Höhen , und nur ausnahmsweise umschlossen uns Wände oder Wälder . Der häufigste Begleiter unserer Bestrebungen war das Eis . Als die Kalendertage sagten , daß die Rosenblüte schon beinahe vorüber sein müsse , beschloß ich , meine Freunde zu besuchen . Ich ordnete im Kargrat alles für meine Abwesenheit und Wiederkunft an , und begab mich auf den Weg . Als ich in dem Asperhofe ankam , sagten mir der Gärtner und die Dienstleute , daß Mathilde , Natalie , mein Gastfreund , Eustach , Roland und Gustav in den Sternenhof fort seien . Die Rosen waren schon verblüht , und man hatte mich nicht mehr erwartet . Mein Gastfreund hatte gesagt , daß ich , weil ich ihm im Frühlinge mitgeteilt hatte , daß ich heuer ganz nahe an dem Simmieise wohnen werde , wahrscheinlich im Sommer von dorther den weiten Weg nicht werde haben machen wollen , und daß zu vermuten sei , daß ich im Herbste meine Arbeit abkürzen und auf eine Zeit bei meinen Freunden einsprechen werde . Sollte ich aber dennoch kommen , so hatten die Leute den Auftrag , zu sagen , daß man mich bitte , in den Sternenhof nach zu kommen . Ich mietete also des andern Tages auf der Post einen leichten Wagen und schlug die Richtung nach dem Sternenhofe ein . Als ich in der Umgebung desselben angekommen war , sah ich an Zäunen und in Gärten noch manche Rose frisch blühen , obwohl im Asperhofe weder auf dem Gitter noch im Garten eine zu erblicken gewesen war , außer mancher welken und gerunzelten Blume , die man abzunehmen vergessen hatte . Auch auf der Anhöhe , die zu dem Schlosse empor leitete , waren an Rosenbüschen , die gelegentlich den Rasen säumten , weil man im Sternenhofe die Rosen nicht eigens pflegte , sondern sie nur wie gewöhnlich als schönen Gartenschmuck zog , noch Knospen , die ihres Aufbrechens harrten . Diese Tatsache mag daher kommen , weil der Sternenhof näher an den Gebirgen und höher liegt als das Rosenhaus meines Freundes . In dem Hofe des Hauses nahmen die Leute mein Gepäck und die Pferde in Empfang und wiesen mich die große Treppe hinan . Da ich gemeldet worden war , wurde ich in Mathildens Zimmer geführt , und fand sie in demselben allein . Sie ging mir fast bis zu der Tür entgegen und empfing mich mit derselben offenen Herzlichkeit und Freundlichkeit , die ihr immer eigen war . Sie führte mich zu dem Tische , der an einem mit Blumen geschmückten Fenster stand , wo sie gerne saß , und wies mir ihr gegenüber einen Stuhl an dem Tische an . Als wir uns gesetzt hatten , sagte sie : » Es freut mich sehr , daß Ihr noch gekommen seid , wir haben geglaubt , daß Ihr heuer den weiten Weg nicht machen würdet . « » Wo man mich so freundlich aufnimmt , « antwortete ich , » und wo man mich so gütig behandelt , dahin mache ich gerne einen Weg , ich mache ihn jedes Jahr , wenn er auch weit ist , und wenn ich auch meine Beschäftigung unterbrechen muß . « » Und jetzt findet Ihr mich und Natalien nur allein in diesem Hause , « erwiderte sie , » die Männer , da sie sahen , daß Ihr nach dem Abblühen der Rosen noch nicht gekommen waret , meinten , Ihr würdet im Sommer nun gar nicht mehr kommen , und haben eine kleine Reise angetreten , die auch Gustav mitmacht , weil er das Reisen so liebt . Sie besuchen eine kleine Kirche in einem abgelegenen Gebirgstale , deren Zeichnung Roland gebracht hat . Die Kirche wurde in der Zeichnung sehr schön befunden , und zu ihr sind sie nun unter Rolands Führung auf dem Wege . Wo sie nach der Besichtigung derselben hinfahren werden , weiß ich nicht ; aber das weiß ich , daß sie nur einige Tage ausbleiben und in den Sternenhof zurückkehren werden . Ihr müßt sie hier erwarten , sie werden eine Freude haben , Euch zu sehen , und ich werde mich bemühen , alles Erforderliche einzuleiten , daß Ihr indessen hier die beste Bequemlichkeit haben könnet . « » Der Bequemlichkeit « , erwiderte ich , » bin ich weder gewohnt , noch schlage ich sie hoch an . Ich möchte nur nicht eine Störung in Euer jetziges einsames Hauswesen bringen . Das Höchste , was mir zu Teil werden kann , habe ich empfangen , eine