auswendig , « sagte der Capitain . » Melden Sie es Seiner Excellenz , Herr Adjutant . « Schelesnow ging hinunter . - Die Schiffe näherten sich jetzt rasch , in Zeit von einer halben Stunde konnten die Signale deutlich spielen . Das Dampfschiff schlug jetzt die Richtung nach Südost ein und telegraphirte das Signal : » Anschließen . « » Der Bursche hat offenbar Etwas im Schilde , « sagte der Capitain . » Er hält auf Kap Kerempe ab und das ist zum Glück bis auf zwei Strich im Winde unsere eigene Richtung . In einer Viertelstunde werden wir Näheres wissen . « Während die beiden Schiffe in der angegebenen Richtung ihren Lauf fortsetzten , kamen sie einander immer näher und waren bereits in Rufweite , als der Lugmann aus dem Mastkorbe meldete : » Zwei Dampfer in Sicht ! « » Welchen Cours ? « » Der Eine Ost zu Süd , der Andere weiter nach Norden . « Der Admiral war jetzt auf das Verdeck gekommen . Der kleine weiße Wimpel am Flaggentau des Fockmastes zeigte seine Anwesenheit auf dem Schiff und der kleinere Dampfer setzte bereits sein Boot aus , um den kommandirenden Offizier an Bord der Fregatte zu schaffen . » Ah , Sie sind es , Capitain Glasemann , « sagte der Admiral , sich über das Bollwerk lehnend ; » kommen Sie geschwind herauf und bringen Sie mir Neuigkeiten . Diese Herren verlangen sehnlich danach . « Einige Augenblicke nachher war der Capitain-Lieutenant der Bessarabia auf dem Deck und begrüßte ehrerbietig seinen Vorgesetzten . - » Was haben Sie Capitain ? woher kommen Sie ? wo befindet sich die Escadre ? « » Admiral Nachimow , Excellenz , ist auf der Rückkehr nach Ssewastopol begriffen . Ich hatte Befehl , zu kreuzen und erfuhr durch Schiffer , daß ein egyptisches Kriegs-Dampfboot den Weg nach der abchasischen Küste genommen hat , und war im Begriff , ihm zu folgen , als ich Euer Excellenz fand . « » Ist eines der Schiffe , die in Sicht sind , der Egypter ? « » Ich hoffe es . « » Haben Sie irgend einen Verdacht , wer der zweite Bursche ist , der nach Norden steht ? « » Ich wüßte nicht , wenn es nicht etwa das Passagierboot des Lloyd sein sollte , oder ein Franzose , obschon ich sichere Nachricht habe , daß die englisch-französische Flotte noch vollständig im Bosporus ankert und keines ihrer Schiffe Rumili-Kawak4 überschritten hat . « » Iop foce mat ! 5 so weit kommen die Oesterreicher nicht . Aber Du kannst Recht haben , Söhnchen , es mag eines der Transportboote sein , doch ein türkisches . Je jedem Fall wollen wir uns die Burschen näher besehen . Lassen Sie die Maschinen ihre Schuldigkeit thun , Capitain Butakow , und zeigen , was der Wladimir kann . Sie , Capitain Glasemann , werden die Höhe gewinnen und dem Fremden den Rückzug abschneiden . « Ein solcher schien jedoch keineswegs in der Absicht der entfernten Schiffe zu liegen , vielmehr ging diese offenbar dahin , die anatolische Küste zu gewinnen . Das Ufer war bereits in Sicht getreten , man befand sich zwischen dem Hafen von Amastro und dem Cap Kerempe , als die weiter auf der Höhe befindliche Bessarabia signalisirte : » Flotte in Sicht . Weite in Fernsignal , « und gleich darauf die Frage : » Weiter Jagd machen ? « was offenbar andeutete , daß man die unbekannten Schiffe in dieser Nähe der Escadre unmöglich für feindliche halten könne . Auch auf dem Wladimir machte sich diese Ueberzeugung geltend und schon wollte der Admiral den Befehl ertheilen lassen , die Jagd aufzugeben und den Cours nach der Escadre zu richten , als die beiden fremden Dampfer Signale wechselten , dann plötzlich wendeten und die Richtung nach dem hohen Meere einschlugen . Dieser schwankende Lauf war jedenfalls verdächtig und konnte nur durch das Erblicken des Geschwaders veranlaßt sein . Namentlich war das Dampfschiff vor dem Wladimir sichtlich bemüht , eine Begegnung zu vermeiden , und änderte jetzt mehrfach seinen Cours . Um 91 / 4 Uhr wurde daher auf der Fregatte das Privatsignal aufgehißt und eine Kanone gelöst , es erfolgte jedoch keine Antwort ; darauf wurde die russische Flagge aufgezogen und der Befehl ertheilt : » Fertig zum Gefecht ! « Alsbald löste sich die aufregende Neugier , die bisher Offiziere und Mannschaften auf dem Deck und an den Bollwerken gehalten hatte , in rasche Thätigkeit ; die Kanonen wurden losgemacht , die Pulverkästen geöffnet , die Sandsäcke um die Maschinen gehäuft , und alle jene hundert Vorbereitungen getroffen , welche auf einem Kriegsschiffe dem Kampfe voran gehen und keine Vorsicht und Nothwendigkeit aus den Augen lassen . Die Mannschaft stand bei ihren Geschützen , auf den Kugelkästen saßen die Pulverjungen , der Wundarzt mit seinen Gehilfen im Unterraum , die Deckmeister machten mit dem Zimmermann die Runde , die Marinesoldaten standen auf den Gangwegen , und die Offiziere mit gezogenem Degen auf ihren Posten , die Befehle erwartend . Eine Viertelstunde später richtete das verfolgte Dampfschiff seinen Lauf gerade gegen den Wladimir und zeigte die türkische Flagge , den Weißen Halbmond mit dem Stern im rothen Felde . Bald darauf änderte es nochmals seinen Lauf ; die Schiffe waren jedoch einander bereits so nahe , daß bei der starken Maschine der russischen Fregatte an ein Entkommen nicht zu denken war . Da Admiral Kornilow sah , daß das feindliche Schiff schwächer war , als der Wladimir , befahl er nach Seesitte , ihm eine Kugel vor dem Bugspriet vorbeizusenden , als Aufforderung , sich zu ergeben . Der Türke antwortete mit einer vollen Seitenladung , diese jedoch der noch vorhandenen Entfernung wegen ganz unschädlich blieb . Damit war das Gefecht provozirt , und der Befehl , zum : » Fertig zum Feuern ! « durchlief das russische Deck . Unterdeß dampften die Schiffe parallel mit einander fort und kamen einander bald so nahe , daß die Kugeln und Granaten des fortwährend seine Breitseite abfeuernden Türken über den Wladimir weggingen und die Tackelage desselben beschädigten . Bereits waren ein Mann gefallen und drei Andere verwundet . Da die Kommandirenden jedoch erkannten , daß das feindliche Schiff keine Spiegel-Kanonen führte , beschloß man , es von Hinten zu bestreichen und so zur Uebergabe zu zwingen . Capitain Butakow , welcher das Manöver leitete , gab seine Befehle mit einer Ruhe und Sicherheit , als ob es einer Schiffsübung gälte . Der » Wladimir « fiel alsbald ab und in das Kielwasser des türkischen Schiffes , das er mit seinen Bug-Kanonen der Länge nach bestrich . Hierdurch wurde der Gegner genöthigt , fortwährend beizulegen , um eine Salve geben zu können und dann wieder eine neue Richtung zu steuern . Die » Bessarabia « verfolgte unterdeß das zweite Dampfschiff , das durch die Anwesenheit der Escadre unter dem Winde verhindert war , seine Richtung nach Osten zu nehmen , und die hohe See zu halten strebte . - Der Kampf hatte auf diese Weise bereits drei Stunden gedauert . Obschon es dem Wladimir leicht gewesen wäre , ihn fortzusetzen , die Bemannung des Gegners niederzuschmettern und seinen Rumpf zu durchlöchern , ohne selbst erheblichen Schaden zu nehmen , da die Breitseiten des Türken beim Beilegen über das russische Schiff hinweggingen , - so beschloß der Admiral doch , nunmehr dem Spiel ein Ende zu machen und auf Kartätschenschußweite heran zu gehen . Die Befehle wurden ertheilt , die Fregatte wandte und schoß dann mit der vollen Kraft der Maschine an der Seite , des Feindes auf und gab ihm eine volle Kugellage . Der Erfolg war in dieser Nähe furchtbar und die Maschine des Feindes hörte sofort auf zu arbeiten . Dennoch setzte er sich noch zur Wehr und gab eine neue Salve . Eine Granate zerschmetterte die Brust des Lieutenants Schelesnow , dem der Admiral eben einen Befehl ertheilte . Der Wladimir umfuhr den türkischen Dampfer . Zwei weitere Lagen , die eine mit Kartätschen , durchlöcherten den Rumpf und säuberten die Verdecke . Jetzt senkte der Moslem seine Flagge ; der erste Seesieg in diesem Kriege war erfochten . Das genommene Schiff war der egyptische Dampfer » Pervas Bachri « , von 220 Pferdekraft und mit zehn Kanonen bewaffnet . Von seiner Mannschaft waren der Capitain , 2 Offiziere und 19 Matrosen getödtet , 18 verwundet , und 134 Mann wurden gefangen genommen . Der Rumpf des Schiffes war so durchlöchert , daß es zu sinken drohte . Es bedurfte einer vierstündigen Arbeit , um es in Stand zu setzen , dem Wladimir nach Ssewastopol zu folgen , wo Beide am anderen Tage eintrafen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das Schiff , das während des Kampfes die » Bessarabia « jagte , war der » Djerid , « ein türkisches Passagier-Dampfboot , das von Varna kam und nach Sinope bestimmt war , Passagiere , Kupfer und Pulver an Bord hatte und eine werthvolle Beute war . Das Schiffsvolk und die Reisenden hatten sich auf dem Verdeck zusammengedrängt und beobachteten eifrig das sich in der Ferne entspinnende Gefecht . Auf dem Deck , in der Nähe des Steuers , saß der Capitain auf der Bank , den Schibuck im Munde , den einer der Schiffsjungen sorgfältig in Brand hielt , um nicht gepeitscht zu werden : ein dicker behäbiger Türke mit grauem Bart. Viel Sauberkeit und Ordnung war auf dem Schiffe nicht zu finden ; einige türkische Offiziere mit ihren Mannschaften , die nach Anatolien gingen , armenische und , syrische Handelsleute , mehrere Juden und zwei Kurden mit ihren Sclaven , die einen Trupp Pferde nach Varna geliefert hatten , diese bildeten die überwiegende Zahl der Reisenden . An den Radkästen des Schiffs waren in langen Reihen die Knoblauch-und Zwiebelstränge aufgehängt , mit jenen Gurken und Früchten , welche die Hauptnahrung der genügsamen Orientalen sind , aber die , Luft keineswegs mit besonderem Wohlgeruch erfüllen . Zuweilen tauchten aus den Luken zu den unteren Kajüten tief verhüllte Frauen auf , sich ängstlich umschauend oder über das Verdeck zum Heerde des Kochs schlürfend um ihr Tandur mit neuen Kohlen zu füllen ; doch waltete hier offenbar schon die orientalische Abschließung des weiblichen Geschlechts in weit höherem Grade ob , als auf den Schiffen im ägeischen Meer und im Bosporus . Man befand sich an der Küste Asiens , fern vom Verkehr der europäischen Völker . Einer der Passagiere nur erregte und verdiente besondere Aufmerksamkeit . Es war ein hoher schlanker Mann von schönem , etwas hartem Gesicht und hochblonden Haaren . Er trug reiche orientalische Kleidung , doch hätte ein aufmerksamer Beobachter leicht bemerkt , daß sie ihm ungewohnt saß . Auch sprach er nur mit zwei Männern , die offenbar seine Diener waren , einem Griechen und einem Mann , dem die orientalische Tracht noch ungefügiger stand , als dem Herrn . Dieser ging mit sichtlicher Unruhe auf dem Verdeck auf und ab , häufig nach der Treppe der großen Kajüte blickend , aus der von Zeit zu Zeit eine ältere Frau heraufstieg und ihm eine kurze Botschaft zu bringen schien . Der Passagier war Sir Maubridge , der sich mit Diona , einer Griechin zu ihrer Aufwartung und zwei Dienern in Varna eingeschifft hatte , um sich nach der anatolischen Küste zu begeben und dort die Niederkunft seiner Geliebten abzuwarten , für die er eine zärtlichere Liebe empfand , als er den Drohungen des Bruders gegenüber zugestanden . Um desto weniger Aufmerksamkeit zu erregen , hatten Alle die orientalische Kleidung angelegt . Sir Maubridge war von lebhafter Besorgniß bewegt , weil Diona , schon von der Seefahrt angegriffen , im Schreck über die plötzlich hereinbrechende Gefahr erkrankt war . Unmuthig trat er bereits zum zehnten Male zu dem Capitain , um ihn zu fragen , ob Aussicht vorhanden , dem russischen Kreuzer zu entgehen . Der bequeme Moslem aber that , als verstehe er weder das Italienisch , noch die wenigen türkischen Worte des Engländers , und schüttelte nur mit seinem ewigen » Bismillah « bedächtig den Kopf . Ungeduldig rief der Baronet endlich seinen griechischen Diener herbei , um mit dessen dolmetschender Hilfe das begonnene Gespräch fortzusetzen . » Frage dieses Faulthier von einem Menschen , « befahl er ärgerlich , » ob es nicht möglich sein wird , die Schnelligkeit unserer Fahrt zu verstärken ? Mich dünkt , die Entfernung hätte sich schon bedeutend verringert ! « Der Grieche wiederholte die Frage auf Türkisch . Der Capitain aber blies den blauen Rauch in die Luft : » Was kann ich thun ? - Ein Schiff ist ein Schiff , und diese Russen haben den Teufel im Leibe . Bak alum , wir werden sehen ! « Aber er sah nicht , sondern blieb ruhig sitzen . Der Engländer ballte entrüstet die Faust . » Sie werden uns nach Sebastopol schleppen ! « » Inshallah ! wie Gott will . Es ist unser Kismet , Effendi mou ! « » Frage das türkische Vieh , ob er sich denn nicht zu vertheidigen gedenkt ? Wir haben vier Kanonen an Bord und Hände in Menge ! « » Der Beisädih6 ist toll , « meinte der Capitain auf die etwas höflicher übersetzte Frage . » Ich habe den Vätern und den Müttern der Moskows das Nöthige erwiesen ; wir sind keine Kriegsleute , um zu sagen : Puf ! « Er hörte mit Gleichmuth , freilich ohne sie zu verstehen , die Ehrentitel an , die der erzürnte Brite ihm gab , der überzeugt war , daß das schöne in England gebaute Schiff bei nur einiger Anstrengung und guter Leitung leicht den Russen entgehen könne , und der nun einer , wenn auch kurzen , doch unangenehmen Gefangenschaft entgegen sah . Die Bessarabia war unterdeß immer näher gekommen und ein scharfer Schuß an dem Bug des Djerid vorbei mahnte die Türken , beizulegen . Indessen zeigte sich auch hier die Zähigkeit und Sorglosigkeit des National-Charakters ; denn statt dem eisernen Winke Folge zu leisten , setzte das Schiff nach wie vor seinen Weg fort . Eine Hand berührte jetzt den Arm des Baronets , es war das griechische Weib , Diona ' s Dienerin . » Herr , « sagte sie , » der Schrecken hat über Eure Dame das Wehe der schweren Stunde gebracht . Sie windet sich in den Schmerzen , die dem Weibe süß sind . « Maubridge fuhr auf . » Verstehe ich Euch recht , sie sieht einer Niederkunft entgegen , einer zu frühen Geburt ? « Die Frau bejahte . » Ich will zu ihr . « » Halt , Herr ! Ihr würdet das Harem verletzen und die Moslems sind streng darin . « » Was kümmern mich die Narren , « sagte der Brite aufgeregt . » Ich will zu meinem Weibe ! « Alle die vom Stolz und Trotz unterdrückte Liebe zu dem Mädchen brach in der vollen Kraft durch die Schranke , die sie so lange eingeschlossen . Mit zwei Sätzen , während ein zweiter Schuß des russischen Dampfers donnerte und die Kugel durch die Tackelage , des Djerid schlug , sprang der Baronet die Treppe zum Pavillon hinab und wollte die Thür desselben aufreißen , als eine kräftige Faust ihn zurückstieß . » Bosch ! Was willst Du ? « » Atsch ! - öffne ! ich muß hinein ! « » Das ist das Haremlik meines Herrn , kein Mann darf ihn betreten ! « Die drohende Geberde , mit welcher der schwarze Sclave sich vor die Thür warf , zeigte besser als die ihm unverständliche Sprache das Verbot . Zugleich suchte flehend die ihm nachgeeilte Griechin sich zwischen ihn und die Thür zu drängen . » Ihr wißt nicht , was Ihr thut , Herr ; die Türken ermorden Euch ! « Auf den türkischen Schiffen ist eine der Kajüten ausschließlich für die Frauen bestimmt und wird gleich dem Haremlik geachtet . Kein Mann darf eintreten . Hierzu kam , daß einer der anatolischen Kaufleute , ein strenger Moslem , zur Sicherung seiner mitgeführten Weiber den Sclaven an die Thür postirt hatte . Der Streit rief Neugierige herbei ; wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch das Schiff : ein Mann verletzt den Schutz des Haremliks . Die Moslems drängten sich heran ; denn der drohende Frevel gegen die geheiligte Sitte bewegte sie mehr , als die Gefahr von außen , die ja in Allah ' s Hand stand . » Wer ist der Hund , daß wir ihm das Seine thun ? seid Ihr ein Sohn des Teufels , daß Ihr es wagt , uns in den Bart zu speien ? « Wilde Drohungen umtobten den Briten , Waffen erhoben sich gegen ihn und vergeblich suchte sein englischer Diener sich zu ihm Platz zu machen . Auch der Capitain war herbeigekommen . » Thut ihm Nichts zu Leide , er ist ein Beisädih ! Was wissen diese Inglis von Gott und dem Propheten ! Sie sind tolle ! sie haben Frauen und Pferde , aber sie lassen die Einen nackend umherlaufen , und machen die Andern alle zu Bequirs7 und schneiden ihnen die Schwänze ab , so wahr Allah groß ist . « » Ein Dschaur8 in der Kleidung der Moslems ? was will das ungläubige Schwein unter uns ? Er ist an allem Unglück Schuld , er hat uns die Moskows über den Hals gebracht . Tödtet den Franken ! « Der Baronet der noch immer vergeblich um den Eintritt rang , schwebte in der größten Gefahr , ein Opfer des unvorsichtig erregten Fanatismus zu werden . Da donnerte und krachte es über und neben ihnen , und eine schwere Kugel prasselte , die Splitter umher stäubend , durch das Holzwerk und fuhr durch die Frauen-Kajüte . Die Splitter hatten Mehrere verwundet ; in Todesfurcht stürzten die Frauen aus der Kajüte , Alles floh in blindem Schrecken , sich in die untern Räume des Schiffes zu verbergen , und im Augenblick sah sich Maubridge allein mit seinem Diener auf dem behaupteten Kampfplatze . Er drang schnell in die Kajüte , die mit Staub und Trümmern gefüllt war . In der hintern offenen Kabine auf dem Schmerzenslager allein lag Diona . Er stürzte an ihre Seite , er verschwendete tausend Zärtlichkeiten an sie , indem er zugleich seinem Diener befahl , nöthigen Falles mit Gewalt die griechische Dienerin herbeizuschaffen . Dazwischen donnerte draußen über die Wogen her Schuß auf Schuß und die Kugeln fuhren durch Takelwerk und Rumpf . Die Mannschaft hatte den Kopf verloren und vermochte nicht einmal die feurigen Grüße zu beantworten oder die Flagge zu streichen , bis endlich einer der Maschinisten , ein Italiener , aus dem Raume sprang und das Flaggentau durchschnitt . Der rothe Wimpel mit dem Halbmond flatterte in ' s Meer und ein Jubelruf erhob sich am Bord des russischen Schiffes , das bereits fast seitlängs lag , und während die Maschine des türkischen Schiffes zu arbeiten aufhörte , seine Haken an den feindlichen Bord warf . Wenige Augenblicke darauf sprangen die russischen Offiziere , den Degen in der Faust , über die Bollwerke und im Nu war das Verdeck des Djerid mit Mannschaften überfluthet . Aber Widerstand war nirgends zu finden , die Weiber jammerten und schrieen , die Moslems krochen geduldig hervor und ergaben sich in das unvermeidliche Kismet , während der Capitain von dem ersten Lieutenant der Bessarabia genöthigt wurde , die Papiere über Ladung und Passagiere vorzulegen . In Angst und Besorgniß saß der englische Baronet am Eingange der Kabine , in der Diona , die arme Getäuschte , von der griechischen Dienerin unterstützt , mit den Schmerzen rang , die das werdende Leben begleiten . Seine ganze kalte harte Natur schien sich umgewandelt zu haben in zärtliche Sorge um das junge Wesen , dessen Wimmern und Schmerzensruf wie glühender Stahl sein Herz durchbohrte . Was kümmerte ihn der Kampf umher , er hatte jetzt nur Augen für die Geliebte . Da legte eine Hand sich auf seine Schulter und eine Stimme befahl ihm barsch , aufzustehen . Als er emporfuhr und die Angreifer zurückstoßen wollte , fielen diese , zwei russische Matrosen , über ihn her und schnürten ihm die Arme zusammen . Ein Offizier mit dem türkischen Capitain trat eben in die Kajüte . Auf den Ersteren sprang Maubridge zu und verlangte mit ungestümen Worten , sofort freigelassen zu werden , und Schutz für sich und seine Leute . Der Offizier sah ihn groß an . » Ich bin ein Brite . Unser Gesandter in Constantinopel wird Rechenschaft fordern für jede Beleidigung , die mir widerfährt . « Der Offizier lächelte malitiös . » Ein Engländer in türkischer Kleidung ? Wahrscheinlich ein englischer Spion , um unsere Häfen zu inspiziren . Ihre Papiere , mein Herr ! « Der Baronet erbleichte vor stolzer Wuth . » Ihre Leute haben mich gebunden . Lassen Sie mein Portefeuille aus der Tasche nehmen , meine Papiere befinden sich darin . - Ich hoffe , Sie werden die Banknoten dabei schonen ! « Der Russe befahl kalt , ihn zu durchsuchen , und öffnete am Tisch die Brieftasche , während Maubridge zähneknirschend daneben stand . - » Ein Paß für den Baronet Maubridge und seinen Diener . Das wäre richtig . Sieh ' da , Briefe an Churschid-Pascha9 und Selim-Pascha , also in ' s feindliche Lager . Und hier , ein solcher an Schamyl . - Das ist kein übler Fang ! « » Herr , Sie haben kein Recht , sich an meinen Briefen zu vergreifen ! « » Einem Engländer trauen wir Alles zu und mit einem Spion machen wir nicht viel Umstände . Bringt den Mann zu den anderen Gefangenen . « Ein Schmerzensruf erscholl aus der Kabine , deren Thür halb geschlossen war . Der Baronet überwand seine Wuth und seinen Stolz . » Sie werden menschlich sein , mein Herr , und in diesem Augenblicke mich nicht von der Frau da drinnen trennen die jeden Moment ihre Niederkunft erwartet . « » Wer ist das Weib ? « » Eine Griechin . Sie gehört zu meiner Begleitung . « » Davon steht Nichts in dem Paß . Pflegen die Herren Briten vielleicht auch schon ihre Harems mit sich zu führen ? « » Sie ist « - er zögerte einen Augenblick - » ich bitte , die Dame als meine Gattin zu achten ! « » Skotina10 , wer ' s glaubt ! - Fort mit dem Burschen , die Weiber werden hier besser am Platze sein , wie er . Sie können in diese Kajüte gesperrt werden . « Die Russen faßten den Baronet und zerrten ihn fort . Da an der Thür klang ihm zum letzten Male der schneidende Wehruf des Mädchens in ' s Herz - dann ein anderer Laut , - er war Vater ! Fußnoten 1 Russisch : Ssewastopol . 2 Midshipman . 3 Hol ' mich der Teufel ! 4 Das thracische Castell am Meereseingang des Bosporus . 5 Eine unübersetzbare , aber in der russischen Gesellschaft sehr gebräuchliche Redensart . 6 Sohn eines Lords . 7 Walachen . 8 Giaur , Ungläubiger . 9 Der frühere Insurgenten-General Guyon , Renegat , mit Selim Kommandirender der türkischen Truppen bei Batum . 10 Narr ! Dummkopf ! II. Zwing-Pontus . Es war am dritten Morgen nachher , als ein einfacher Trauerzug aus dem Quarantainegebäude der russischen Pontus-Festung Ssewastopol sich nach dem nahen , am Ende des Quarantainehafens befindlichen Kirchhof bewegte . Ein russischer Geistlicher ging dem Sarge voran , der nach griechischer Sitte offen und niedrig getragen wurde . Nur wenige Personen hatten sich dem Zuge angeschlossen , einige Diener aus dem Hospital der Quarantaine , eine griechische Frau und ein Mann in orientalischer Kleidung zwischen zwei russischen Marine-Soldaten . Der Mann war Edward Maubridge , der Baronet ; im offenen Sarge , den Rosmarin in den dunklen Locken und auf der Brust , lag Diona Grivas , die Schwester der Caraiskakis . In der Nacht nach der Geburt war sie gestorben - sie hatte das allzufrühe Leben des Kindes mit dem ihren erkauft . Ihr Verführer war fern ihrem Sterbebett , an dem nur der Pope der Fregatte Wladimir und die in Varna geworbene Dienerin mit den gefangenen türkischen Weibern stand . Dennoch war sein Namen im Tode auf ihren Lippen , Vergebung in ihrem Herzen . Sie ließ sich das Kind , einen Knaben , bringen , segnete ihn und übergab ihn dem Geistlichen ihres Glaubens mit dem Geschmeide , das sie von ihrer Mutter geerbt . Erst am anderen Morgen erfuhr der Baronet den Tod der Griechin . Die Nachricht erschütterte den trotzigen stolzen Mann im Innersten . Er ließ dem Kommandirenden des Schiffes die dringende Bitte stellen , zu der Leiche geführt zu werden , und als ihr gewillfahrtet worden , verließ er dieselbe nicht mehr , bis das Schiff in der Nacht auf der Rhede von Sebastopol Anker warf ? Am nächsten Morgen lieferten die russischen Dampfer ihre Beute im Quarantainehafen ab , und die Gefangenen wurden in ein zu ihrer Aufnahme bestimmtes Gebäude , die Leiche aber zum Hospital gebracht , von wo aus das Begräbniß am nächsten Tage erfolgte . Durch freigebige Anwendung seines Goldes erlangte der Baronet die Erlaubniß , die Todte bis zu ihrer letzten Ruhestätte zu begleiten . In finsterem Brüten vergingen ihm die nächsten Tage , das einzige Geschäft , das er unternahm , war , einen Bildhauer aus der Stadt kommen zu lassen und ihm den Auftrag zu einem einfachen Marmorstein für das Grab des griechischen Mädchens zu geben . Er bezahlte reichlich und im Voraus , um das Werk gefördert zu sehen . Um sein eigenes Schicksal schien er wenig bekümmert . Am fünften Tage nach der Ankunft der Gefangenen war ihre Quarantaine zu Ende und sie wurden in die Stadt gebracht . Hier ward der Baronet , trotz seiner Protestationen , von der griechischen Dienerin und dem Kinde getrennt und erhielt seinen Aufenthalt im Fort Sanct Nicolas angewiesen , wo er in strenger Absonderung mit seinem englischen Diener gehalten wurde . Nur der Grieche durfte ab und zu gehen und sorgte für ihre Bedürfnisse . Durch ihn erfuhr Maubridge , daß die Wärterin mit dem Kinde in der Familie des Geistlichen vom Wladimir , die in Sebastopol wohnte , Aufnahme gefunden hatte . Von dem Fenster seines hochgelegenen Gemaches aus übersah der Baronet die schöne Felsenbucht von Sebastopol mit den riesigen Befestigungen der Nordseite , dem Fort Constantin , dem Catharinen-Fort , der Sukaia-Batterie und der großen Citadelle , während rechts der Blick am Eingang des Militairhafens vorbei , dessen andere Seite , Fort Nicolaus gegenüber , das Fort Sanct Paul beschützte , bis an ' s Ende der Bucht zu den Höhen von Inkermann schweifte , wo die beiden Leuchtthürme des Nachts dem Schiffer ihr leitendes Feuer zeigten . Links am Artillerie-Hafen hin , zwischen dem Fort Nicolas und der großen Batterie , reichte seine Aussicht bis zum Fort Alexander und den beiden Quarantaine-Forts die auf der Südseite , Fort Constantin gegenüber , den Eingang der Bucht deckten . Ein buntes Leben herrschte in der prächtigen Seefestung , und der Brite schien recht eigentlich diese Wohnung erhalten zu haben , wie als solle er einen Anblick gewinnen von der Macht und Unbesiegbarkeit dieser Vormauer des russischen Kolosses im Süden , von der aus seine Flotten das Meer beherrschten und Constantinopel in ewiger Bedrohung hielten . Die mächtigen granitnen Wälle der Forts und Bastionen starrten von schweren Geschützen , die ein Kreuzfeuer über die Bucht zu eröffnen vermochten , das jeden eindringenden Feind in den Grund bohren mußte . Auf den breiten Quais um die prachtvollen Werfte und Docks bewegte sich eine dichte Bevölkerung von Seeleuten und Soldaten ; kolossale Marine-und Artillerie-Vorräthe waren überall aufgehäuft und wurden durch die fortwährend von Odessa und Nicolajew eintreffenden Transportschiffe vermehrt . Dampfer gingen täglich ab und zu und im Hafen selbst und draußen auf der Rhede lag zum Auslaufen bereit die prächtige russische Südflotte , um das riesige Admiralschiff ankernd , das den Namen des General-Admirals des zweiten Sohnes des kaiserlichen Herrn , Großfürst Constantin , trug . Dies ganze prächtige und großartige Schauspiel lag unter den Augen des Gefangenen , doch betrachtete er es mit Gleichgültigkeit . Mit dem Tode Diona ' s war eine auffallende Veränderung in seinem Wesen und Charakter vorgegangen ; er fühlte , daß er das Mädchen mit der ganzen Kraft seiner Seele geliebt hatte , und daß er dennoch unehrenhaft an ihr gehandelt . Das machte seinen hochmüthigen Sinn noch erbitterter , heftiger , abgeschlossener . All ' sein Gefühl sein Denken und seine Entschlüsse concentrirten sich jetzt auf das Kind , das er das seine nannte . Täglich mußte der griechische Diener zum Hause des Popen wandern , um ihm Nachricht von dem Knaben zu bringen , und eine bedeutende Summe sandte er für die Pflege desselben . So verstrichen mehr als zwei Wochen . All ' seine Beschwerden , Anforderungen und Drohungen , ihn in Freiheit zu setzen , waren von den russischen Behörden unbeachtet geblieben , er erhielt nicht einmal eine Antwort , und die Offiziere des Forts vermieden ihn , wenn er die Erlaubniß hatte , auf den Wäller desselben spazieren zu gehen . Es war am Nachmittage des 26. November , als er am Fenster seiner Zelle saß und mit finsterem Brüten gedankenlos dem Fluge der Möven zuschaute , die über die Bucht strichen , mit ihrem ängstlichen Geschrei eine Erneuerung des Sturmes verkündend , der bereits mit kurzen Unterbrechungen seit zwei Tagen getobt hatte , als seine Aufmerksamkeit durch ein kleines Dampfschiff erweckt wurde , das von der Höhe der See , ohne , wie die gewöhnliche Vorschrift erheischte , vor den Eingangs-Forts beizulegen , mit aufgehißten Signalen in die Bucht