ab ! - Ist denn solcher - möglich ! Jung und - « » Die Bedächtigkeit ist doch eine schöne Sache , « fiel Bovillard ein . » Ihr intriguirt doch hinter unserm Rücken , « fuhr die Fürstin auf , » trotz Beyme ' s Versprechen , das er der Radziwill geben musste , trotz des Gesprächs , was Lombard neulich mit der Prinzessin Marianne hatte . Ihr lasst Haugwitz mit dem Erzherzog Anton verhandeln , damit er von der wichtigern Unterhaltung mit Alexander abgezogen wird . Hardenberg lasst Ihr einer reisenden Schauspielerin mit Extrapost nachfliegen , daß er noch nicht nach Potsdam zurück ist ; Prinz Louis zu einer opportunen Zeit dem König in den Weg treten , daß er aufgebracht werden musste . Stein , Gott weiß , wo Ihr den in den Winkel gestellt habt . Kurz , ich durchschaue alle Eure Ränke , und im wichtigsten Moment seines Lebens , wo er Rath haben muß , ist es Euch gelungen , ihn mit Nullen und Pagoden zu umstellen . « Wie Bovillard jetzt , aufrecht stehend , sie groß ansah , die Hand an der Brust , hätte der gewiegteste Psycholog geschworen , er meine es aufrichtig : » Erlauchte Prinzessin , die Flüsse spielen um den Berg , aber , wenn der Berg den Einfall bekommt einzustürzen , ist ihr Spiel aus . Einem Selbstherrscher aller Reussen gegenüber , der den Einfall bekommt , uns mit seinem höchst eigenen Besuch zu überraschen , hört unser Spiel auf . Der Gewalt weicht die Kunst . Jetzt spielen höhere Mächte und wir fügen uns als Stoiker in das Unabänderliche . « Es entstand eine Pause . Die Fürstin hatte ihre Promenade noch nicht beendet : » Einer muß doch den Anfang machen ! « rief sie halb für sich aus dem Chaos ihrer Gedanken . » Aber wenn der Eine es nicht geschickt anfängt , schickt er ihn fort « sagte Bovillard . » So ging es Stein . Der Freiherr polterte mit einer Proklamation los , die er in der Tasche trug , am Schweif eine Kriegserklärung . Majestät zogen die Stirn und zuckten mit dem Arm . Stein sagte , was man wolle , müsse man zeigen , und was man zeige , müsse man wollen . Majestät sagten , sie hätten auch noch andre Räthe , auch kluge Leute , auch treue Diener ihres Herrn , die er schon länger kenne als den Herrn von Stein , und die nicht gleich mit dem Kopf durch die Mauer wollten . Zum Glück aplanirte der Kaiser mit einer liebenswürdigen Wendung den Riß . « » Und Stein ? « » Studirt im Lustgarten den Kunststil der Dryaden und Najaden . « » Hardenberg wäre besser zum ersten Angriff gewesen . Wer denn nun ? Johannes Müller ist doch citirt , « sagte die Fürstin . » Steht auch da , Erlaucht , mit der Feder in der Tasche , Dinte hat er auch , aber das Papier will man ihm noch nicht geben . Lombard ist ja auch berufen , hat auch die Feder gespitzt ; je nach dem , französisch oder deutsch , hart oder weich . « » Aber nachdem Stein abgeblitzt , mussten doch Majestät Ihre Meinung äußern . « » Sie haben sie auch geäußert . Das Wort Kriegserklärung so hart noch herausgestoßen , ohne Ueberzuckerung , hatten Majestät dermaßen irritirt , daß Ihro Majestät die Königin dem Kaiser einen Wink gab . Alexander verstand sie auch mit einer admirablen Grazie . Nun ward der Krieg emballirt , in eine traurige Eventualität übersetzt , und unter dieser Umhüllung passirte er wieder in der Konversation . Wenn man nur den rechten Ernst zeige und nur zur rechten Zeit , dann könne man sich der sichern Hoffnung hingeben - « » Daß Bonaparte zu Kreuz kriecht ! - O charmant ! « rief die Fürstin , und dunkle Lichter blitzten auf ihrem Gesicht , die wenig zu der zurechtgelegten Sanftmuth passten . » Darum von Petersburg nach Moskau geflogen , darum eine halbe Welt in Aufruhr , darum diese kostbare Stunden in Potsdam ! Um eine Ambassade , um eine neue Konferenz , um Protokolle - « » Ohne Ambassade , Erlaucht , geht es nicht ab , mein kleiner Finger sagt es mir . « » Die dem Korsen vorstellen soll , wie unbillig er gehandelt , ihm Moral predigen und Unterricht im Völkerrecht geben ! Damit er sie , uns , alle , nicht allein verachtet , besiegt , mit Füßen tritt , nein , daß er sie auch verlacht . Und er hat recht . « Der Major von Eisenhauch war schon während ihres Gesprächs eingetreten . Er schien über die Gesellschaft , die er hier fand , verwundert . » Nun und Sie , Major ? « Er zuckte die Achseln : » Bis zum außerordentlichen Gesandten ist man gekommen . Er soll morgen abreisen . « » Mit welchen Bedingungen ? « » Man spricht davon , der Luneviller Friede soll zum Grunde gelegt werden . « » Die kann Bonaparte nicht annehmen , « sagte die Fürstin rasch . » Das wäre also so gut wie Krieg . Aber wer wird zu ihm gesandt ? « » Haugwitz . « In den Gesichtszügen der Anwesenden war Ueberraschung , vielleicht etwas mehr , Entrüstung , Schreck zu lesen . Eine sprachlose Pause . » Ist das auch das Spiel der höheren Mächte ? « fragte die Gargazin mit einem bittern Blick auf Bovillard , der verstummte . Der Major antwortete statt seiner : » Seiner Majestät eigener Wille . Niemand hatte natürlich an Haugwitz gedacht . Sie mögen denken , wie es auf Alle gewirkt . Aber des Königs Gerechtigkeitsgefühl spielte mit . « » Sagen Sie - ach , mir fehlen auch die Worte dafür . Er schickt den , der unter jeder Bedingung nach dem Frieden greift . « » Warum nicht den , « bemerkte Bovillard bescheiden , » der Napoleon persönlich angenehm ist . Zum Vermitteln schickt man doch nicht widerwärtige Geschöpfe . « » Um Vergebung , « nahm der Major das Wort , » ich glaube vielmehr , daß das des Monarchen eigenthümlicher Sinn war . Er wollte dem , welchen er durch einen gefassten Beschluß gekränkt , durch sein Vertrauen es vergütigen . Uebrigens ich glaube jetzt auch an Haugwitz . Er geht nicht gern , aber er geht . Der Erzherzog , der Kaiser , von allen Seiten überschüttet man ihn mit schmeichelhafter Aufmerksamkeit . Auch contre-coeur ist er verstrickt . « » Meine Herren , « erhob sich die Fürstin , » die Personen sind am Ende gleichgültig . Aber wo ist der Wille ? Was ist beschlossen ? Wann reist Haugwitz ? Mit Courierpferden ? Wohin ? Welchen Termin soll er dem Usurpator setzen ? Wenn er nein sagt , wann stoßen unsere Heere zusammen ? Wo ? Wo ist der Plan ? Wo der Traktat ? Fehlt es in Potsdam an Papier ? Eine Feder kritzelt zu langsam . Mit Blitzen müsste man schreiben . Denn der Attila reitet auf Blitzen . « Sie sah sich vergebens nach einem Aufblitzen in den Mienen um . Die Herren zuckten die Achseln . Man blickte ziemlich rathlos zum Fenster hinaus . Auch dort waren nur fragende Gesichter . » Köckeritz kommt aus dem Schlosse ! « » Rüchel packt ihn . Wie hastig sie sprechen ! « » Rüchel ist außer sich . Er kneift den armen Köckeritz ordentlich in den Arm . « » O weh , seine Nachrichten müssen schlimm lauten . « Aber man sprach sich Trost zu . Es sei gut , daß man die Hitzigen aus der nächsten Umgebung zu entfernen gewusst . Die Radziwill und ihr Bruder hätten durch ein Wort alles verderben können . Die Königin operirte verständig und im Einverständniß ; mit dem Kaiser . Sie leiteten klugerweise das Gespräch auf gleichgiltige , aber dem König angenehme Dinge , um in der Gunst der Stunde auf die Sache einzulenken . Dann lasse sich oft das Schwierigste in einem Augenblick abthun . » Und wer kann sich rühmen , daß er der Liebenswürdigkeit eines Alexander auf die Länge widerstanden hat ! « bemerkte ein Begleiter der Fürstin mit einem feinen Seitenblick , der trotz der Aufregung verstanden ward . Es hatte sich noch Jemand in der Gesellschaft eingefunden , entweder jetzt erst , oder er befand sich schon eine Weile unbemerkt im Zimmer , das einer gemeinschaftlichen Schauloge ähnlich schien . Vom letzten Fenster wandte sich der Legationsrath von Wandel zu dem Sprechenden um : » Wir dürften uns die klugen Leiter dieses Tages zum Beispiel nehmen und wie sie die Ungeduldigen , unsere eigene Ungeduld zurechtweisen . Wenn man auch schon einig wäre , würde man einen geheimen Traktat vor aller Augen abschließen ? Halb Berlin ist hier versammelt , die Ohren und Augen dringen bis durch die Mauern des Schlosses . Außerdem kennen wir alle die Scheu Seiner Majestät vor der Publicität . Man hat gewiß diesen Tag in Potsdam nicht ohne Absicht gewählt , aber nicht auf diesen Strom von Zuschauern gerechnet . Mich dünkt es ist sehr klug , daß man nun den Tag verstreichen lässt , um den Abend abzuwarten . « » Wissen Sie etwas ? « Die Fürstin trat mit ihm bei Seite . » Eigentlich nichts . Man unterminirt und weicht aus . Alexander sucht ihm die Eventualität als gar nicht so gefährlich zu schildern . Es werde mit einer Entscheidungsschlacht abgethan sein . Wenn die drei vereinigten Heere zusammen agirten , müsse man den schon Geschwächten zerdrücken , wie er den Mack bei Ulm « » Und er rechnet aus die Leichen und das Blut ! « » Dann meint Alexander , es werde vielleicht in dem Falle gar nicht zum Blutvergießen kommen ; umzingelt , ohne Rettung , ohne Aussicht , werde er sich auf Gnade ergeben . « » Charmant ! Majestät unser gnädigster Kaiser malen ihm auch vielleicht die Seligkeit der Großmuth . Wie sie den Besiegten aufheben , ihn an ihre Brust drücken wollen , wie Karl den Wittekind , ihn ihrer Liebe versichern und ihm ein bescheidenes Kaiserthum zuweisen . Nicht wahr , Majestät Napoleon werde gerührt von so viel Großmuth in Thränen ausbrechen , daß er sich in seinen wahren Freunden getäuscht , mit ihnen in einem heiligen Bunde geloben , fortan nur für das Wohl der Menschheit zu wirken . Und so weiter . « » Vergessen Erlaucht nicht : der König ist ein gerechter Mann und ein Mann von Takt . Durch Illusionen lässt er sich nicht bestechen . « » Bestechlich ist Jeder . Man muß nur viel und das Rechte bieten . « » Ihr Kaiser schien vergessen zu haben , daß der König vor Napoleon Respekt hat . Friedrich Wilhelm erinnerte ihn , daß er ein großer Feldherr sei , dem Gott Siege verliehen , und nur Siege , auch jetzt ein gekrönter Fürst , den er anerkannt , daß er Verträge mit ihm geschlossen , die ihm immer und auch dann noch heilig seien , wenn der Andere sie verletzt - « » Wirklich ! Und - « » Da schien die Königin der Bock einen Wink gegeben zu haben . Sie trat mit einem der jüngsten Kinder herein . « » Et cetera , « rief die Fürstin ungeduldig . » Und nach dieser Kinderscene , was kam da für eine neue ? « » Nachdem man wieder weich geworden , stellten Ihro Majestät ihrem Gemahl vor , ob nur Bonaparte vor Gott mit Siegen gekrönt , ob nur er Kronen trage , ob man um seiner Feinde willen seine Freunde vergessen dürfe ? Ob er einen besseren Freund habe als Alexander ? Ob irgend ein anderer Freund so gütig seine herben Launen würde hingenommen haben ? Was er sagen würde , wenn der Kaiser aufgebracht , das Zimmer verlassen , sich in den Wagen geworfen und aufgebrochen wäre ? Und was die Welt dazu sagen würde , wenn Alexander - nach solchem Embarras , scheide , breche ? Ob das nicht ein Bruch mit Rußland , mit den Alliirten wäre ? Ob Napoleon wenigstens das nicht so ansehen müsse ? Ob er mit Gewalt in dessen Arme wolle gestoßen sein ? « Der Legationsrath neigte sich zum Ohr der Fürstin : » Ein moralischer Koup . Irgend eine Attrape - um Mitternacht meint man . Worin sie bestehen wird , ist noch Geheimniß . « » Doch keine Geisterscheinung ! « Die Fürstin sah ihn mißtrauisch an . » Die kämen im Jahre 1805 um zehn zu spät . Und woher wissen Sie es ? « Der Legationsrath beugte sich wieder aus Ohr der Fürstin , als die Thür aufgerissen ward , und der Jäger herein rief : » Excellenz , Minister Laforest ! « » Laforest ! « hallte es leise wider von den Lippen ; die Gesichter schienen zu erblassen wie vor einer Geistererscheinung . Aber Laforest ' s Eintritt verscheuchte den Eindruck . Ihm voraus sprang ein großes schönes Windspiel ; er selbst im eleganten hellen Negligé-Ueberrock glich mehr einem Engländer als einem Franzosen ; nonchalant und heiter , warf er leicht grüßend seine Blicke im Kreise umher , nachdem er vor der Fürstin sich verbindlich geneigt . » Herr von Laforest in Potsdam - das ist ja eine unerwartete Ueberraschung ! « sagte diese . » Sie meinen , weil Duroc abgereist ist , müsste ich auch Pässe erhalten . Durocs Mission war Krieg , meine Frieden . Der Krieg geht ab , der Friede bleibt . Gnädigste Frau , das ist der Vorzug eines ordentlichen Gesandten , der sich um außerordentliche Dinge nicht zu kümmern hat . « » Excellenz haben vermuthlich doch die Dinge sehr nahe betrachtet ? « » Ich kam auf dem Umweg über Sanssouei . Das herbstliche Laub giebt eine wunderliche Schattirung . Sie sollten dahin einen Ausflug machen . Herr von Stein ging an mir vorüber , ohne mich zu sehen . Ich mache nun wirklich nicht Ansprüche ein Menschenkenner zu sein , aber ein ABC-Schüler konnte auf seinem Gesicht lesen , daß seine Kriegspläne nicht durchgegangen sind . Ein Biedermann , ein scharfer Verstand , mit einem Wort ein Kraftgenie , dieser Herr von Stein . Wirklich schade , daß er ein Ideologe ist . « » Haben Sie gute Nachricht von Ihrem Kaiser ? Seine Majestät befinden sich doch in erwünschtem Wohlsein ? « » Er erwartet mit Sehnsucht den Ambassadeur aus Berlin . Sie müssen wissen , Kaiserin Josephine bewundert Kaiser Alexander in der Stille um seine Humanität , seine Ritterlichkeit . Sie möchte ihn gern von Angesicht sehen - « » Mein Kaiser Alexander ist zu galant , als daß er dem Wunsch einer reizenden Dame nicht gern entgegen käme . « » Auf das Entgegenkommen kommt es ja nur an , in allen Dingen . « » Das fehlte noch , daß uns Napoleon hier überraschte ! « rief unwillkürlich Major Eisenhauch . Der Gesandte schien es gehört zu haben : » Aber nichts von Ueberraschung in so ernsten Dingen . Ein neutraler Ort in der Mitte , der findet sich ja leicht zum Fürstenkongreß . Drei , vier edle Monarchen , und noch edlere Menschen , begleitet von schönen Fürstinnen , holden Frauen , in deren Augen der Thau des Mitgefühls für Menschenleiden perlt , und in ihren Händen ruhend das Schicksal des Kontinents ! Was giebt es Schöneres ? Einen Dichter könnte es begeistern zu einer Ode . Leider sind Diplomaten keine Dichter . Tiras , Attention ! « » Wohin ? « Laforest war aufgestanden , der Hund sprang an ihn herauf : » Wittgenstein ließ mich dringend auf einen Augenblick bitten . Was wird es sein ? Eine neue chronique scandaleuse . - Berlin ist von Ihrem Kaiser enchantirt . Weiß man noch gar nichts , wo sein Auge hasten blieb ? « » Wohin sehen Excellenz ? « » Prächtig ! - Das sind die Söhne der Natur , Prinzessin ! Besonders der ältere mit dem röthlichen Bart. « » Ach , die beiden Donischen Kosacken , seine Begleiter ! « » Solche Ursprünglichkeit ! Das erquickt das Auge . Wie zusammengewachsen mit ihren Pferden . Kein Blick der Neugier auf die Tausende , welche sie angaffen . Herr von Eisenhauch seufzt - gewiß über unsere Entartung . Ja , von den Söhnen der Steppe könnte wieder frisches Blut in unser Geschlecht kommen . « » Der Kaiser reitet jetzt wahrscheinlich aus , « sagte der Kammerherr . » Wenn Kaiser Napoleon uns mit seinem Besuch erfreuen sollte , sprach der Major , wird er uns doch auch mit seinem treuen Rustan überraschen . « » Hier braucht er keine Mamelucken , « fiel Laforest rasch ein . » Im Vaterlande der Humanität schützt ihn Ruhe und Ordnung . Er hat es oft gesagt , in Berlin würde er allein , ohne Waffen , ohne Begleitung in der Dämmerung durch die Winkelgassen reiten . « » Ein ehrenvolles Attest für uns ! « bemerkte St. Real . » Gewiß ! « stimmten Alle ein . » Wenn es seine irdische Krone verlöre , hätte Preußen auf die himmlische Anspruch , die den Friedfertigen verheißen ist . « » Wir sind Feinde , Herr von Eisenhauch , « wandte sich Laforest zum Sprecher , während die Fürstin zum Fenster hinaussah . » Feinde , aber in Einem kommen Sie doch mit mir überein ? « » Ich gebe nichts auf . « » Auch nicht die Hoffnung , daß man hier noch Politik machen kann ? « Der Jubel draußen galt dem Erscheinen des ritterlichen Kaisers . Zwei Schritt begleitete die Fürstin den Gesandten ; seine Miene schien ihr noch etwas mittheilen zu wollen . » Was soll ' s noch , Excellenz ! Die Orlogfahne flattert . « » Sie kann wieder abgenommen werden . « » Jetzt nicht mehr . « » Aber später . « » Die Kluft ist zu groß . « » Ueber die tiefste weiß die Diplomatie Brücken zu schlagen , wenn das Interesse es fordert . Wir sind Feinde , in Einem kommen Sie aber doch mit mir überein ? « » Keine Allianz ! « rief sie mit nervöser Heftigkeit . » Mit den Ideologen oder Germanomanen . Ich bin kein Dichter , aber vielleicht ein Prophet . Ich sehe die Brücke gespannt , die Rußland und Frankreich einst verbindet . « » Was wollte Laforest eigentlich ? « fragte ein Russe , nachdem der Kaiser vorüber geritten , und die Gesellschaft sich wieder schweigend zusammen fand . » Auf die Frechheit den Hohn setzen ! « rief Eisenhauch . » Belauscht hat er wenigstens nichts , was er nicht schon weiß , « versicherte Bovillard . Der Legationsrath erwiderte : » Vielleicht nur uns beschäftigt , um unsere Aufmerksamkeit von dem abzuziehen , was wir nicht wissen sollen . Die erlauchte Frau steht in Gedanken versunken ? « » Ueber dem aufgewühlten Chaos hinzutänzeln wie auf Blumenwiesen ist die Kunst dieses Lebens , « sagte die Fürstin Gargazin . » Wer immer die Risse sähe und die züngelnden Flammen ! - Ich liebe die Diplomaten , welche in jeder Situation die Dehors beobachten . « » Frau Baronin Eitelbach ! « meldete der Jäger . » Unausstehlich , « schien auf den schwellenden Lippen der sanften Frau geschrieben ; aber über die Lippen kamen nur die halb verhallenden Worte : » Auch die jetzt ! Und wir stehen auf Kohlen ! « wobei ein strafender Blick auf den Legationsrath fiel ; der aber blieb bis auf ein leises Achselzucken unbeweglich . Es war die Protestation der Unschuld . » Sehr willkommen ! « sagte die Fürstin laut , und als die Gemeldete eintrat , war der Schauer des Unmuths von Lippen und Stirn verschwunden , oder versteckt in dem herzlichen Embrassement . » Auch meine liebe Baronin ! Ich weiß nicht , ob die Ueberraschung größer ist oder die Freude ! « Dreiundvierzigstes Kapitel . Das Gespenst von Sanssonci . Theilten nur die mit Sternen und Bändern die fieberhafte Stimmung ? Auch unter dem schlichten Bürgerrock schlugen warme Herzen , bang , sehnsuchtsvoll , der Entscheidung entgegen . Nicht Alle vielleicht , nicht Viele unter Vielen , aber Alle fühlten , was es galt . Wenn nicht das Vaterland selbst , doch seine gefährdete Ehre . Und es war eine mächtige Blutströmung damals , weil der Glaube sie trug , daß sie unerschütterlich stehe am Firmament , angefestet mit dem Gestirn , das Friedrichs Ehre heißt . Unter Denen , die in dem langen Korbwagen aus Berlin gekommen , wusste man gewiß so wenig von dem , was im Schlosse vorging , als die in glänzenden Equipagen und mit blasenden Postzügen herübergerollt , es wussten . Und doch , obgleich ihre Ohren nicht so fein gespitzt , ihre Augen nicht so geschärft waren , um aus dem Schütteln einer Handkrause Schlüsse zu ziehen , was den Mann in dem Augenblick bewegte , der das Hemde trug , obgleich alle die feinern Vermittelungen , Organe und Bezüge ihnen abgingen , welche die Erwählten mit dem in Verbindung setzen , was ihnen als Herz gilt , doch wussten diese Massen weit mehr als Jene . Ein Tropfen Blut färbt ein Glas mit Wasser , ein Wort , eine hingestreute Nachricht , durchfliegt , bewegt , entzündet die Massen . Jene üben die Kritik der Phantasie , um ihre Denkkraft zu zersplittern bis zur Nichtigkeit , Diese lassen sich berauschen von einem Wink , Blick , Schall , ohne ihn zu prüfen . Jene legen die Empfängniß auf einen Destillirkolben , der auch den Diamant in Rauch zersetzt , bei Diesen fällt sie in den Zauberkessel des Glaubens , und steigt und schwillt zu einem riesigen Dunstphantom in die Lüfte . Warum konnte denn Kaiser Alexander nach Berlin gekommen sein , warum hatte man ihn nach Potsdam feierlich abgeholt ? Warum hatten sich die hohen Herrschaften als Familie abgeschlossen ? Warum war der Erzherzog Anton da , und die hohe Generalität in Gala ? Es muß eine systematische Depravation vorgegangen sein , wenn das Volk bei außerordentlichen Akten an eine Komödie denken soll . Es war Vieles in Preußen vorangegangen , was das Volk geschmerzt , gekränkt , es hatte viele Männer hassen gelernt , und hielt andere für fähig , es täuschen und verrathen zu wollen , aber das die höchsten Behörden , Minister und Generale , die Regierung in ihrer Gesammtheit , daß der Hof , der König und der Kaiser ein großes Schauspiel vor ihm aufführe , hinter dem eine andre Wahrheit lauert , als die sichtbare , das hielt damals das Preußische Volk für unmöglich . Es glaubte an die Wahrheit wie an die Ehre seines Staates . Weil es glaubte , war es froh . In der Freude das Maaß der Schönheit beobachten ist nicht allen Völkern gegeben . Die Lustigkeit brach roh heraus . Wenn der Kosack die Peitsche wirbelte , jubelten sie ihn an , sein Hurrah erwidernd : » Los auf die Franzosen ! « Man reichte den Söhnen des Don die Schnapsflaschen . Die Flaschen gingen auch im Volk von Mund zu Munde . Des alten Fritz Name , der Name Roßbach schallten unter einem Gelächter , daß Manchem die schönen Namen in der Gesellschaft leid thun konnten . Das musste auch Einem so gehen , der sich unter die dichtesten Haufen gemischt ; er wollte die Volksstimme hören . Aber Walter van Asten fand nirgend die Volkstimme , die er suchte . Ihm schien die Freude empörend , mit der man dem Kosacken die Hände schüttelte , seine Stiefel , Sporen betastete , den Schweif seines Rosses streichelte . Einer im Haufen machte den Spaßvogel . Mit wankenden Füßen und rothaufgedunsenem Gesicht , malte er den Zuschauern , wie Napoleon bei Noßbach laufen würde , wofür schallendes Gelächter und Jubel ihn belohnte . Wo waren denn die Patrioten , die Walter suchte ? Er musste in einer bösen Stimmung sein ; wo er ging , wohin sein Auge fiel , sah er nicht was er erwartet . Im Volke Rohheit , blödsinnige Hoffnungen , in den Andern verbissene Wuth , militärischen Uebermuth oder Kammerherrngesichter . Er hatte auf ein Schauspiel gehofft , auf eines , das aufgehn werde , wie die Sonne am Frühlingsmorgen , auf einen Auferstehungstag des Preußischen Volkes . Wenn die Trommel wirbelte , eine Reiterschaar durch die Straßen sprengte , Aller Augen nach dem Schlosse sich wandten , wenn dann - die Fenster aufgerissen , der König an die Brüstung träte , an der Hand die schöne Königin , zur Seite der ritterliche Freund . Wenn er an die Brust fasste , die Hand zum Schwur gen Himmel hob : » Gott sei mein Zeuge , ich kann nicht anders . Was ich gethan , er weiß es , um die blutige Entscheidung zu sparen . Er wollte sie mir nicht sparen . Mein Volk , es ist kein Krieg um eitlen Vortheil , es gilt die Erhaltung deiner selbst , unsrer theuer errungenen Selbstständigkeit , es gilt Preußens mit Füßen getretene Ehe , es gilt den Augenblick , den nichts zurückkauft . Mein Volk , es gilt unser Dasein . Dies Wort ist Krieg und mein Volk wird zu mir stehen ! « - Und das Volk wäre mit einer Stimme , mit einem Laut in des Königs Worte eingefallen . Dann hätten Thränen perlen mögen im festesten Auge , dann Jeder an die Brust des Andern fallen , dann die Arme sich zum Schwur erheben , ein Laut in die Wolken , nicht Jubel , Freude , Musik , ein Laut der Einigkeit zwischen Fürst und Volk . Die Trommel wirbelte oft , es blieben Präludien . Kavallerieschaaren preschten flimmernd und klirrend durch die Straßen , es war der Wind , der im Aehrenfelde rauscht . Nur eine Melodie summte alle Viertelstunde ihm in die Ohren , das Glockenspiel auf dem Thurme : Ueb ' immer Treu und Redlichkeit Bis an dein stilles Grab , Und weiche keinen Finger breit Von Gottes Wegen ab . Er folgte den welken Blättern , die der Wind vor seinen Füßen trieb ; ihm gleich wohin . Er folgte ihnen aus der Stadt , hinaus aufs Feld , auf die Höhen . Ehe er es selbst wusste , stand er auf dem Ruinenberge , der das unter ihm liegende Sanssouei und die noch tiefere Stadt beherrscht . Die Laune des großen Königs baute Trümmerwände eines römischen Cirkus hierher , die Arena sollte das Wasserreservoir werden , aus dem die Fontainen in Sanssouei und der Stadt gespeist würden . Das Werk mißlang , und der König gab es auf . Er war müde geworden des Kampfes mit den Menschen und der Natur . Die künstliche Ruine , von Unkraut überwuchert , von aufschießenden Kiefernbäumen umstanden , war selbst wieder zur natürlichen geworden . Die eisernen Röhren , zerschlagen , waren als Prellpfeiler an den Straßen benutzt . Walther lehnte sich an eine Arcade . Grau lag Gegend und Stadt vor seinen Füßen ; von den geputzten Menschen drang kein bunter Flimmer über die Dächer , vom Geräusch kein Ton herauf . Er war einsam , nur die Krähen schwirrten um die Kiefern . Kalt die Luft , grau der Himmel , grau war es in ihm . Es war grau nicht seit heute erst . Mit geschlossenen Augen verfolgte er ein Schauspiel ; die Träume seiner Jugend gingen an ihm vorüber . Der Ehrgeiz , der schon in des Knaben Brust gespielt , wie oft hatte er sie geschwellt , wonach hatte er nicht die Hand gestreckt ! Was war jetzt sein ? Wie vieles davon hatte er , mit männlichem Entschluß , es nie wieder anzusehen , selbst in die Rumpelkammer verschlossen . Die Dichterlerche wollte wirbelnd in die Lüfte steigen ; hatte er nicht geträumt von Lorbeerkränzen und seinen Namen an die Säulen geschrieben gesehen , wo die glänzendsten stehen ! Eine Schamröthe flog über seine Wangen . Dann - und dann , es waren Schaumwellen , und er lächelte . Aber er lächelte nicht mehr bei einem andern Gedanken , seine Hand presste sich krampfhaft an die Brust : Und auch das könnte ein Traum gewesen sein ? - Liebt sie dich denn ? - Er wollte die Frage , die wie Hammerschläge auf sein Herz pochte , fortdrängen , was gehörte sie hierher ! Er glaubte sie heut wenigstens überwältigt zu haben ; andere Gedanken hatten ihn hergetrieben . Aber wie neckisches Echo rief sie wieder aus jedem Winkel . Endlich schwieg das Echo , aber er sann einer anderen Frage nach , und seine Brust hob sich wieder : War das sträflicher Ehrgeiz , Jugenddünkel ? Ist es mir den Adlern erlaubt aus der Wolkenhöhe auf die Erde zu schauen ? Dringt des Menschen Geist nicht tiefer in die geschaffenen Dinge , fliegt er nicht höher als der Vogel ? Was tiefer , höher ! War das Ehrgeiz , daß er ein tiefes Uebel des Gemeinwesens erkannt , daß der Drang ihn übermannt , es vor der Welt hinzustellen und zu rufen : Helft , und so könnt ihr helfen ! Wie ernst geprüft , studirt hatte er , dann nach vollster Ueberzeugung seine Gedanken ausgesprochen : so klar , deutlich ; es musste ja Jedem , der die Augen nicht verschließen will , einleuchten . Und wo er anklopfte , verschlossene Thüren ; wo er sprach , lächelte man . Hatte ihn Jemand widerlegt ? Man hatte von schönen Gedanken gesprochen , aber wie die Welt sei , blieben es ja doch nur Chimären . » Sie hätten die ganze Welt für eine Chimäre erklärt , wenn der Schöpfer , ehe er das Werde sprach , die