wäre sonderbar , wer es aber wohl möchte gewesen sein , der ein so schönes Mädchen in solchem Zustande von sich entließe . Anton brach hier ab und fragte , was sie zu ihrem Unterhalte beginnen wollten , denn er sah wieder den wunderlichen Schatten im Dunkel des Zimmers , der ihn von den Gegenwärtigen fort hin zu sich locken wollte , er drehte sich deswegen gewaltsam nach dem Fenster . Güldenkamm sprach : » Ihr habt in der Not unterwegs eine Kunst erfunden , die ich mit höchster Verwunderung angesehen , Ihr habt so viel Steine heruntergeschluckt , daß ich meine , Ihr müßtet ein Bergwerk im Leibe haben , doch hat es Euch nichts geschadet bei der Ausfuhr , darum dächte ich , Ihr könntet diese Beschaffenheit Eures Leibes als ein silberhaltiges Bergwerk ernstlich benutzen und Euch für Geld damit sehen lassen , auch seid Ihr so riesenhaft stark , wie ich oftmals bemerkte , daß auch dieses Aufsehen erregen wird . Meine Singerei kennt Ihr , ich will Euch verkündigen , Susanna mag recht artig das Geld einfordern ; schade , daß wir den Seger nicht bei uns haben , da ließe sich auch zuweilen allerlei tragieren . « Anton seufzte bei diesem Vorschlage , er dachte mit einem tiefen Ausrufe der Kronenburg und seiner großen Ahnen , und seiner Bestimmung in der Zukunft und seines jetzigen Elends , und er meinte gewiß , wenn er so etwas treibe , müsse es jenem Alten im Grabe bittern Schmerz machen , aber wieder sah er den zärtlichen Schatten im Dunkel des Zimmers und freute sich durch diese Beschäftigung den wunderlichen Gedanken entrissen zu werden . » Gut « , sprach er , » der Vorschlag mag gelten , ich will Steine fressen , daß sich die Steine erbarmen , mach ' s nur schnell bekannt , doch muß ich dir sagen , wir dreie sind noch zu vornehm zu solchem Unternehmen ; wir müßten den Seger haben , der gäbe erst dem Dinge einen gemeinen Beigeschmack , daß es allen gefiele . « » Da ist der Seger « , rief dessen bekannte Stimme , die seinem haarigen Körper voreilte , » was soll er wieder ? er ist doch zu allem gut und keiner dankt ihm , da habt Ihr Fasanen und Rebhühner , heut soll es ein Fressen geben . « » Steine werd ich fressen sollen « , sagte Anton traurig . » Meinetwegen auch Haare und Karbatschenstiele « , sagte Seger , » jetzt aber laßt uns zusehen , es wird auf dem Markte ein großer öffentlicher Zweikampf gehalten werden ! « » Da müssen wir gleich hin « , sagte Güldenkamm , » wer will fechten ? « » Der Ritter Blaubart « , sagte Seger , » mit einem unbekannten Ritter , der ihn in unserm alten Wirtshause gebunden hat . « » Das bin ich « , rief Anton , » bei allen Heiligen , den Lumpenkerl hatte ich ganz vergessen . Schnell gebt mir Waffen , verflucht daß wir unsre guten Degen im Walde weggeworfen , die Meisen pfeifen jetzt darauf , und mir will der Tod dafür auf seinen alten Knochen flöten . Her da , gebt her das alte Schwert , das mein schändliches Weib mir spöttlich zugesendet hat , es ist wohl unansehnlich , es mag aber geheime Kraft führen . « Vergebens suchten ihn Güldenkamm und Susanna abzuraten und zurückzuhalten ; Seger trieb ihn mit kaltem Spotte in die Schanze . Die Tore waren schon geschlossen , der Markt mit Sand bestreut und die Schranken , die von alter Zeit her standen , mit Grießwärteln besetzt ; an einer Seite stand eine Totenbahre mit Kerzen und Bahrtüchern . Der Junker stand mit seinen Freunden an einer Seite und ließ ausrufen , daß dem Fremden , der ihn beleidigt habe , vom Rate ein freier öffentlicher Kampf , mit welcher Art gleicher Waffen es sei , zugesagt worden , es sollten sich deswegen alle Weiber und Knaben unter dreizehn Jahren entfernen ; bei Lebensstrafe solle aber niemand durch Wink und Zuruf sich in den Kampf mischen . Ritter Blaubart hatte diese ganze Festlichkeit seiner Braut zu Ehren durch den Schwiegervater anrichten lassen , der gegen die Meinung der andern Ratsherren das alte Recht der Stadt , solche Kämpfe und Gottesgerichte , das seit einem Jahrhundert nicht in Ausübung gebracht worden war , geltend machte , der festen Überzeugung , daß sich niemand einfinden werde und daß diese schnöde Flucht des Gegners , den er mit Faust verwechselt hatte , der fortgeritten , seines Eidams Ehre in der Stadt herstellen werde . Die erste Viertelstunde war schon verlaufen und der Herold wollte eben zum dritten Male ausrufen , als Anton mit seinem alten Degen in seinem Soldatenwams und Ratsherrenhosen in Begleitung des rauhen Seger , des feinen Güldenkamm und seines schönen Knaben in die Schranken trat . Der Junker lachte verächtlich über den wunderlichen Aufzug , doch bebte ihm heimlich das Herz . Der riesenhafte sichere Mensch stand da so fest , als ob er wie die steinerne Rolandssäule zum ersten Gericht hingepflanzt sei . Der Junker wollte erst seine Ahnen wissen , worauf Seger beschwor , es sei ein ehelicher Sohn des Grafen von Stock , dann verlangte der Junker , daß er in gleichen Waffen wie er mit Brustharnisch und Schienen sich darstellen solle . Anton sprach : » Schmeißt Eure Rüstung ab , so sind wir gleich gewaffnet , hab ich gleich nur einen alten rostigen Bratspieß , glaube ich doch gegen Eure Strahlenklinge zu bestehen . « Dem Anton war ungemein behaglich ; wenn er den Degen ansah , dachte er an seine Frau und es war ihm , als könne er sein ganzes Gift gegen sie damit auslassen , er lag ihm so leicht in der Hand wie sein Pinsel und er wollte sein Bild heute rot anlegen . Der Junker hatte ihm noch mancherlei gesagt , aber er hörte nicht darauf , sondern versuchte für sich die Klinge ; der Anhang des Junkers wurde selbst ungeduldig , was daraus werden sollte , und ermahnten ihn dringend , so viele Umstände und Kosten nicht umsonst angewendet zu haben . Seger besonders erhitzte das junge Gemüt dieses Helden , indem er sanft von einem Hundejungen etwas fallen ließ , der Männer herauszufordern wage . Der Junker warf endlich mit einem Fluche seine Rüstung weg und um sich aus dem Froste in die Hitze zu bringen , ließ er einen Strom von Schimpfreden gegen den Stocknarren los , so nannte er den Grafen von Stock , der es wage , sich mit ihm zu messen ; er schwor , die Leute sollten etwas sehen , daß sie die Augen wegdrehen möchten und doch nicht könnten , und schwor , so gewiß ein Teufel in der Hölle , so gewiß wolle er auf dem Flecke in Antons Jacke , sie war am Herzen , ein Loch stoßen , das kein Mensch zustopfen solle . Die Trompeter stopften ihm den Mund , er ging auf Anton mit großer Heftigkeit , die aber nach den ersten Wendungen und Stößen immer mehr abnahm . Anton begriff sich selbst nicht , er war kaltblütig und führte seinen Degen fast bloß verteidigend aber der Degen zog seine Hand zu den ungeheuersten Stößen fort Stöße von so seltener Geschicklichkeit , wie er sie in der Zeit bester Übung nicht ausführen konnte , auch ließ er sich nicht hemmen und halten . » Gott sei mir und dir gnädig « , rief er einmal über das andere , wie Unglückliche , die von scheuen Pferden dicht an einem Abgrunde fortgerissen werden , und zwar bisher ihren Weg schneller gemacht haben als sie es erwartet , aber darum doch diese Art der Beschleunigung in keinem Fall loben mögen . » Gott sei mir und dir gnädig « , sagte Anton wieder , da steckte seine Klinge , die den Koller des Junkers schon mehrmals gefärbt hatte , in dessen Herzen , daß er niederstürzte und mit dem letzten Worte jammernd bekannte , er sei schuld an diesem unseligen Streite gewesen . Die Seinen sprangen zu seiner Hülfe herbei . » Ade Gertraud , süße Braut , ade mein geliebtes Rotroß , ade mein Leibhund Waidewund , das ist meine letzte Stund . « Mit diesen Worten verschied er und Anton stand neben seiner Tat wie ein Kind , das mit ängstlicher Neugierde ein schauerliches Märchen hört , es wünscht es bald zu Ende und darum horcht es desto aufmerksamer . Aber nicht lange dauerte seine Unempfindlichkeit . Ein schönes adliges Fräulein , prachtvoll rot gekleidet , ihr Hals mit goldnen Ketten behangen , in ihren Haaren eine hohe mit Karniolen besetzte Heftnadel , stürzte sich durch die Menge der Staunenden auf den Entseelten ; ihr Jammergeschrei mischte sich mit dem Gurren der Tauben , die sich eben auf einem hohen Rathausturme niedergelassen hatten . » Rächen will ich dich « , seufzte sie , » rächen soll ich dich « - zog die Nadel aus ihren Haaren , daß die Locken wie die Tränen bis zur Erde herunter fielen , und warf sich mit Wut gegen Anton , der sich von dem Jammer weggewendet hatte , aber Güldenkamm hatte mit seiner Zither so schnell zwischen beide gehauen , daß die Nadel in einem klirrenden Zusammenklang durch die Saiten fuhr und im Holze stecken blieb . » Auch deine Adern sind verzaubert und klingen wie Erz « , rief sie in Verzweiflung , » aber leben will ich nicht , wenn ich den Geliebten nicht räche , will mich allen Fürsten zu Füßen werfen , daß sie mich rächen , dem will ich mich verloben , der mich rächt , den will ich lieben , der mich rächt , dem bin ich ewig eigen , der mich zu rächen sein Schwert in diesen verruchten Zauberer stößt . « Aber keinen der vielen Ritter schien die Liebe , die er nach dem Tode genießen sollte , zu einem Kampfe mit Anton zu reizen ; ein jeder flüsterte seinem Nachbar einen andern Grund zu , warum er in diesem Augenblicke mit dem Riesen nicht kämpfen möchte , die meisten aus Mißtrauen , daß so ein Versprechen aus Not nicht gehalten werden dürfte . Als keiner für sie streiten wollte , warf sie sich wieder bei dem Toten nieder . » Hier will ich sterben , an deiner Seite ruhen bis ich am jüngsten Tage Rache schreien kann . « Güldenkamm hatte jetzt die Nadel aus seiner Zither gezogen und sang zur Trauernden hingeneigt : Mit dem Dolch reg ich die Saiten , Daß sie in den Sonnenstrahlen Flammen von der Liebe Qualen , Tönen von dem harten Streiten , Rächend seiner Jugend Glanz , Decken mit dem Lorbeerkranz . Leben nehmet an für Leben , Der gefallen unterm Schwerte , Soll sich in dem Lied erheben Und bestehn auf weiter Erde . Wie auf einem Demantschild Trag ich hoch sein herrlich Bild . Ehre diesem tapfern Knaben , Der dem Mächtigsten entgegen Schwang den hellen Ritterdegen , Denn sein Ruhm wird nicht begraben , Der Geliebten Klagelied Rächt durch Ruhm , der nicht verblüht . Held , du lebst in ihrem Herzen , Strahlst aus ihren Augen mächtig , Und es zieht die Nacht so prächtig Nun herauf zu ihren Schmerzen , Deines Ruhmes ew ' ge Glut Brennt in ihrer Adern Blut . Der junge Ritter war jetzt auf die Bahre gehoben und wurde von den Grießwärteln fortgetragen , ihm nach ging Gertraud , von andern Frauen gehalten , dann folgte der trauernde Ratsherr , ihr Vater , dessen stolze Eitelkeit dieses Unglück zugelassen hatte ; hart sah er in die Welt und die andern Ratsherren in Besorgnis bedenklicher Folgen , die dieser Vorfall für sie und für die Stadt haben könne , hatten sich von ihm abgewendet , die Bürger folgten paarweis . So gingen sie bei Anton vorüber , der sich nicht verdammen konnte und doch fühlte , daß er zu allem Unglück verdammt sei . Als der Markt leer geworden , zog ein Sturmregen herauf , der das Blut auszulöschen von raschem Winde hinübergetrieben wurde . Anton trat unter den Bogengang des Rathauses mit seinen Gesellen , und wie er gegen das Dunkel sah , erschien ihm wieder die zärtliche Gestalt , die aber jetzt auch von dem unglücklichen Fräulein Gertraud eine Beimischung zeigte . Er stach mit Wut gegen die Mauer , wo er dieses Bild gesehen , aber es wich ihm so geschwind aus und zeigte sich wieder so freundlich in einer andern Ecke , daß er hätte verzweifeln mögen , seine Begleiter glaubten , er habe den Verstand verloren ; die Gerichtsdiener hingegen , die schon wegen des Kampfes eine Gelegenheit suchten , an ihn zu kommen , nahmen dies für einen Angriff gegen den Rat und die Stadt , er weigerte sich nicht ; als sie ihn fangen wollten , gab er seinen Degen an Susanna , die vergebens flehte mit ihm zusammen eingesperrt zu werden . Er wurde in einen Turm am Markte gebracht , sein Fenster hatte die Aussicht auf den Kampfplatz , seine Freunde konnten an den Gittern mit ihm reden und fragten ihn , ob er etwas bedürfe . » Ihr habt ja nichts mir zu geben , könntet Ihr Steine in Brot verwandeln wie ich , da könntet Ihr noch zufrieden sein « , so sprach Anton , und Güldenkamm schwor ihm , daß er für ihn noch heute etwas verdienen wolle , und so ging er beratschlagend mit Seger und Susannen ins Wirtshaus zurück . Dort fanden sich ein paar aufgeweckte Bettelmönche , die sich mit Seger sogleich in ein lustiges Gespräch einließen , der ihnen den Vorschlag auseinandersetzte , für einen Freund , der in den Narrenturm gesetzt sei , einen lustigen Schwank aufzuführen ; die beiden Mönche schlugen aus Vergnügen mit den Händen zwischen den Füßen zusammen und hoben sich während des Vortrags auf den Zehen , als ob sie überfallen wollten . Seger ging gleich umher und schrie in der Stadt das schöne Schauspiel von dem Kriege auf der Wartburg aus . Die Tische waren unterdes schon an einander gerückt und die Anzüge zusammengelumpt ; ein sehr gemischtes Völkchen füllte bald den großen Wirtssaal . Fräulein Helena von Eschilbach , von Susannen in den Kleidern der Wirtin , die sie über die eignen gezogen , dargestellt , erschien zuerst und betrauerte , daß die Ungeschliffenheit ihres Bruders alle Menschen von ihr zurückschrecke , sie sprach sehr zärtlich von ihrem vielgeliebten Heinrich von Ofterdingen und erzählte , daß er jetzt zu ihr komme , die Bekanntschaft mit dem rauhen Bruder zu machen . Güldenkamm kam nun als Heinrich von Ofterdingen mit seinen zärtlichsten Liedern aufgetreten , so daß Helena ihm ihre Hand fest verlobte . Diesen schönen Augenblick störte die Ankunft Segers als Wolfram von Eschilbach , er brach sogleich in erstaunliche Schimpfreden gegen die Gesangsweisen Heinrichs aus , worüber dieser sehr entrüstet ihn zum Kampfe forderte . Der Landgraf von Thüringen , einer der Bettelmönche , der auf diesen Lärmen aus seiner Regierungsstube heraustrat , erkundigte sich nach der Ursache des Streites und als er vernommen , daß die beiden Edelleute mit einander kämpfen wollen , so hatte er Mitleid mit der zierlichen Schwäche Heinrichs , über den der ungeschliffene Wolfram kopfhoch hinausragte , und befahl ihnen , sie sollten den Streit mit den Waffen ausmachen , die ihnen besser als die kriegerischen anständen , mit der Geschicklichkeit ihrer Rede , sie sollten Helenas Schönheit preisen , und wer besiegt werde , solle gehangen werden . Beide nahmen den Vorschlag an ; der Landgraf hoffte , daß Wolfram , den er haßte , unterliegen müsse , da jener in dessen Schwester verliebt sei . Der große Kampf wurde angeordnet , Helena saß auf einem hohen Sessel , daß beide sie sehen konnten , aber Heinrich wurde von ihrem Anblick so wonniglich durchdrungen , daß ihm die Worte wie eine überreife Saat früher entfielen , ehe der Saitenklang sie ernten konnte ; wenn er nicht singen sollte , sang er leise zu ihr sein feuriges Lob , sollte er aber vor allen auftreten , da verstummte er . Wolfram und alle Kampfrichter verdammten ihn deshalb zum Galgen , ehe sie ihn aber ergreifen konnten , hatte er sich unter den Mantel Helenas geflüchtet und der Landgraf erkannte ihn als sicher in diesem heiligen jungfräulichen Schutze . Heinrich unterhandelte nun hinter der Schürze seiner Helena mit dem Gegner , er wolle seinen Freund Klingsohr für sich stellen ; wenn auch der überwunden würde , wolle er sterben . Wolfram nahm spottend den Kampf an und der andre Mönch , ein lächerlicher runder Kerl mit doppeltem Kinn trat mit einem Gesange auf , den er in der Dreiteufelweise gesetzt hatte und worin er Wolfram aufforderte fortzufahren . Wolfram fand diese Forderung unchristlich , er wolle nur in christlicher Weise singen , und da jener nicht abstehen wollte , so rühmten sie sich beide des Sieges und Klingsohr drohte jenem beim Abschiede , er wolle ihm in der Nacht so viele Teufel zusenden , daß er ihm doch den Sieg einräumen müsse . Deswegen ging Wolfram in die Kirche und hinderte also die Trauung Heinrichs mit Helena , die für die Nacht festgesetzt war ; inzwischen gab ihnen der Klingsohr , der Heinrichs Bedienter war , einen geschickten Anschlag , durch allerlei Schrecken den Wolfram in der Kirche also zu betörkeln , daß er von dem Trauaktus gar nichts bemerkte und doch nicht leugnen könnte , als Zeuge gegenwärtig gewesen zu sein . Es ward nun dunkler und das Theater sollte eine Kirche darstellen , Wolfram schlief und Klingsohr kam und gab ihm einen derben Schlag auf den Hintern , gleich fing jener an die Schwanenweise zu singen , aber sowie er sich umzudrehen wagte , wurde er auf alle Art von Klingsohr mißhandelt , während Heinrich und Helena nicht fern von ihm getraut wurden . Beide kamen jetzt und umarmten den Bruder und Schwager , der in großer Angst , daß sie der Teufel wären , vor ihnen in alle Winkel flüchtete . Nachdem Wolfram also abgeängstigt worden zum großen Vergnügen des stinkenden Volkes , da erklärte der weise Landgraf die ganze Geschichte und Wolfram konnte gegen die Heirat nichts einwenden , da alle , die zu widersprechen das Recht hätten , bei der Trauung aufgerufen worden , er aber gegenwärtig gewesen war und geschwiegen hatte , alles endigte sich in einen Tanz , ans Hängen wurde nicht weiter gedacht . Wolfram Seger ließ zum Brautkranz künstliche Blumen aus dem Tisch wachsen , die Helena Susanna mit Freundlichkeit annahm . Nach dem Ende des Stückes mußte Helena Susanna in ihren weiblichen Kleidern herumgehen , um die freiwilligen Gaben der Zuschauer einzusammeln ; da sie in weiblicher Kleidung , ungeachtet ihres verbrannten Gesichtes , doch eigentümlich schön erschien , so gab jeder eine Kleinigkeit , die sie sehr verschämt in dem ledernen Beutel empfing , den Frau Anna ihr verehrt hatte , das Loch darin hatte sie vorher sorgsam zugebunden , daß ihrem verehrten Herrn nichts verloren gehe . Kaum hatte sie den Umgang mit ihrem Beutel gemacht , so schlich sie sich , ohne den Mitschauspielern etwas zu sagen in ein Nebengemach , warf die weiblichen Kleider ab und sprang hin zu dem Turme , worin Anton lag , und blickte durch das Gitter zu ihm hin , ehe sie ihm aus Rührung das Mitgebrachte reichen konnte . Nur nach vielen Bitten hatte Anton eine Lampe erhalten , nachdem ihn das zärtliche Gespenst im Dunkel wohl zwei Stunden mit zärtlichen Liebesworten versucht hatte ; jetzt saß er bei einem groben Brote und einem Kruge Wasser und sang , indem er Susannen , die am Fenster stand , wieder für das Gespenst hielt : Zärtliche Gespenster , Weicht von meinem Fenster , Liebe mag nicht hausen In der Erde Grausen , Treue mag nicht dauern In den kalten Mauern . Mich schmerzt der süße Blumenduft , Der lieblich atmet in die Gruft , Was soll mir flücht ' ge Frühlingsgabe ? Ich lieg versteinert in dem Grabe . Der Wächter rief die neunte Stunde vor dem Fenster ab und sang : Wie trat ich , Herr , so oft vermessen Vor dein allgütig Angesicht , Ich hab dich Herr so oft vergessen , Doch du vergaßest meiner nicht , Du ließest deine Sonne scheinen , Als schwarze Blindheit mich bedeckt , Nun ich will reuig vor dir weinen , Hast du die Sterne angesteckt , Du stellst die Wächter meines Lebens Auf deiner hohen Zinne aus , Kein Flehen ist bei dir vergebens , Bewachest auch mein kleines Haus . Ich ziehe aus mit meinem Horne , Bewache diese Christenstadt , O Herr , du strafst mich nicht im Zorne , Läßt mich nicht werden müd und matt . Will dir im Schlaf mein Aug erschließen Du hast die Furcht mir zugesellt , Der Wächter muß so vieles wissen , Die Nacht ist eine eigne Welt . Susanna stand zwischen den beiden Schreckenstimmen noch voll von dem Tumulte des Schauspiels und wußte nicht , was sie tun sollte , der Blumenstrauß und das Geld schienen ihr eine jämmerliche Gabe für die Größe der Zeit , die vor ihr auftrat , sie riß unwillkürlich den Beutel auf , wo sie ihn zugebunden , und das Geld fiel klingelnd in das dunkle Gefängnis , der Wächter rief sie an und sie mußte sich von dem Fenster fortflüchten . Anton sah das Geld am Boden und war gleich aufgesprungen , um den unbekannten Geber zu entdecken , er trat ans Fenster , wo ihm der Wächter eine ernste gute Nacht bot und weiter nichts sagen konnte , als daß jemand am Fenster gestanden und rasch davon gelaufen sei . Jetzt las er das Geld auf und erkannte alles für echte Goldgulden , es war eine Summe , wie er sie in glücklichen Zeiten nicht besessen , was sollte er jetzt damit in unglücklicher Zeit ? Berauschen wollte er sich vor den Nachgedanken , die auf ihn eindrängten , er hatte noch nie über sich selbst nachgedacht wie heute , und sein Wesen , was es sei und wie es mit den andern sich verhalte , wenn er im Kerker durch die Rache des Ratsherrn untergehe , ob ihm die Versprechungen der Mönche im ewigen Leben gehalten würden , das war ihm sonderbar umhergegangen und er hätte es vergessen mögen . » Wach auf « , rief er dem Gerichtsdiener , » ich will Wein haben ! « - » Hat Er Geld ? « - » Ja , alles mit Gott ! « - Und so brachte ihm der schwarze Gerichtsdiener für einen der Goldgulden mehr Wein , als er vertrinken machte . Er setzte die Flaschen in eine Reihe neben sein Strohlager und leerte in hastiger Eile ein paar , da ward ihm das Öde und Zweifelhafte in seinem Leben bald verbunden , er glaubte sich ein Strudel , der alle Schiffe an sich gezogen und verderbt , er selbst mußte sich drehen , ob er gleich lieber in einer schönen Fläche geruht hätte . » Es ist ein eigner Zauber an mir « , dachte er , » es macht sich alles von selbst , und wird alles anders als ich meine , bin ich etwa der Zauberer , der seine Kräfte nicht kennt ? Jetzt will ich sie versuchen . « Scheu wendete er sich nach dem Dunkel und erblickte die zärtliche Gestalt in großer Nähe , sie sprach auch zu ihm , als er sein Auge nicht abwendete : » Zauberer , warum ziehst du mich aus meiner Seligkeit und stößt mit Degen und Blicken gegen mich und verachtest mich ? Deiner Macht muß ich gehorchen , aber du gebietest mir nicht und mein Dasein wird ein ewiges Warten . « - » Bringe dich selbst um « , rief er wild , » opfere dich mir , daß ich deiner Dienste froh werde , indem ich dich verliere . « Die zärtliche Gestalt wendete sich um und sprach : » Ich bringe mich um alles , wenn ich dich nicht mehr sehe . « - » Vernichte dich « , rief Anton , » hänge dich . « - Mit einem Sprunge hing sie an seinem Halse : » Hängen will ich mich an dich , vernichten will ich mich in lauter Zärtlichkeit . « Er hatte sich nur hart gestellt , sein Herz klopfte , seine Wangen brannten , sie aber schlief in seinen Armen ein und mitten im Taumel seiner Wünsche , denen er nicht mehr gebot , die er nicht zu hemmen wünschte , machte ihn der Anblick ihres müden sinkenden Auges so schlaftrunken , daß er eingeschlafen war , ehe er es ahnte . Durch eine wilde Verwirrung von Schrecknissen aller Art wandelte er träumend und kam zu einem sicheren behaglichen Leben auf hohem Schlosse , er hieß der große Zauberer , aber er mochte nicht mehr zaubern . Nun kommen viele Gäste bei ihm zusammen , darunter auch alle , mit denen er in diesen Tagen zusammen gewirtschaftet , er sah Seger und den Junker Blaubart unter andern neben sich und jener bat ihn , an diesem seine alte Kunst zu beweisen , Köpfe abzubauen und wieder anzusetzen . Ihm ist bei dieser Rede , als ob er die Kunst wirklich verstehe , aber , so wie einen gefährlichen Sprung , der doch einmal mißraten könnte , gänzlich abgeschworen hätte , aber alle dringen in ihn , er möchte es nur einmal noch versuchen . Sicher seiner Sache , aber doch ängstlich , weil es das letzte Mal ist , wo er sich damit zeigen will , haut er den Kopf mit eben dem Degen ab , den ihm Frau Anna gesendet hat , er wirft ihn spielend in die Luft und setzt ihn dann wieder auf , aber die Muskeln wollen einander nicht anpassen und der Kopf sieht ihn starr an . Gleich merkt er , daß einer der Gäste ihn daran behindert , er bittet flehentlich ihn nicht zu stören , versucht wieder das Aufsetzen jenes Kopfes , aber es ist durchaus , als wäre ein Stück verloren , es fügt sich nicht zusammen . Er warnt und droht dreimal , der Kopf fügt sich nicht zusammen . Da bricht ihm der Verstand auf , er zieht aus einem Fenstergitter eine weiße Lilie auf , der hieb er die Blume ab , im Augenblicke stürzte Seger neben ihm tot nieder , aber der abgehauene Kopf fügte sich von selbst dem Rumpfe , der Junker stand frisch vor ihm und schmähete auf Seger als auf einen verruchten Zauberer , der ihm nach dem Leben getrachtet habe . Darauf folgten Hochzeiten und hohe Freuden , es lagen aber viele erschlagene Bauern unter den Tischen . Seger hatte während dieser Nacht , wo Anton also träumte , wenig Ruhe gehabt , er war bald zu Güldenkamm , bald zu Susannen gekommen und hatte ihnen unter grimmigen Klagen versichert , daß ihm am nächsten Tage der Tod bevorstehe , sie möchten doch für ihn beten , vielleicht könnte es ihm noch helfen , er wolle selbst sein Geld zum Messelesen tragen . Der Wirt , den er deswegen weckte , versicherte ihm aber , daß seit der Bilderstürmung keine Messe mehr in der Stadt gelesen werde , Seger schlug sich vor den Kopf und hatte im Zimmer keine Ruhe , er lief durch die Gassen in grimmiger Angst und schrie ein so entsetzliches Wehe , Wehe , Wehe durch die Stadt , daß viele ehrliche Bürger , die davon erwachten , heftig erschreckt wurden , doch schrie er so fort bis an den Morgen , wo ihn die Scharwache nach langem Kampfe festhielt . Er wurde auf den Platz geführt , wo gestern das ritterliche Gefecht gehalten worden war , und stand auf dem Flecke , wo das Blut vergossen , da klagte er grimmig über Brand , aber die Wächter ließen ihn nicht von der Stelle . Anton erwachte von seinem Geschrei , halb taumelnd noch von seinem Traum sprang er ans Fenster , nach der Ursach umzuschaun , da liegen die Blumen , die Susanna am Abend hatte fallen lassen , und eine Lilie legt sich an das Gitter , als ob sie daraus erwachsen wäre . Anton , halb noch im Traume , vor sich den Platz überschauend , wo er gestern den Junker niedergestreckt hatte , reißt ohne Nachgedanken , bloß in Erinnerung seines Traumes das Haupt der Lilie ab , ein grimmiger Schrei erhebt sich jetzt auf dem Platze , die Wachen laufen auseinander , so schrecklich hat Seger sie angeblickt , jetzt liegt er bleich an dem Boden und scheint entseelt . Anton wendet sich fort vom Fenster und sieht im Dunkel die zärtliche Gestalt , seine Gedanken laufen zusammen , die Angst ergreift ihn , mit einem Drucke seiner Hand reißt er die eisernen Stäbe seines Fensters aus der Mauer und steht in einem Schwunge frei vor dem Turme . Keiner bemerkt ihn , denn eben geht ein größeres Wunder die gemauerten Stufen zum Marktplatze herunter , des Junkers bleiches Angesicht blickt aus seiner Rüstung , in der ihn die Seinen in der Kirche niedergelegt hatten , verwundert auf die Menschen herab , die vor ihm wie vor einem Geiste flüchten . Anton weiß alles aus seinem Traume , aber er kann es nicht ausdrücken , sein Auge ist schon auf einen neuen Zug geheftet , der von der andern Seite der Kirche die Stufen herab kommt . Fräulein Gertraud und ihre jammernden Freundinnen , die den Leichnam des Ritters bekränzen , rufen in alle Winde den Frevel aus , der dieses trauernde Denkmal jugendlicher Schönheit ihnen entführt hat , ihr Schritt ist immer heftiger ; wie sie aber den Markt betreten , sieht zu ihnen der Ritter mit ausgebreiteten Armen ,