aufsteigt ! « Halbwegs beschwichtigt war meine Sorge , ich beschloß , mich in Geduld zu fassen . Sann nun darüber nach , was Thekla mit meinem Gedicht andeuten wolle . Ach freilich , ihre Edelschönheit bewahrt die Ferne nur , wenn sie fern bleibt . Drum in Demut lerne abseits stahn und taste nie an ihr keusch Geheimnis . Oft hab ich das erfahren , wenn mein Aug übers Wiesental , über die Zackenschlucht und die bewaldeten Hügel zum höchsten Gebirgswall schweifte und im Zauberhaften des Anblicks schwelgte . Ganz heimlich singt und orgelt das Wallen feiner Linien , das Leuchten der Farben und die innigste Bedeutung aller geschauten Dinge . In schwebenden Duft hat sich aufgelöst der trübe schwere Erdenstoff . Fels und Erde , Holz und Laub , sengendes Feuer und beizender Rauch ist zarter Hauch worden , ein Gewebe aus Licht , reiner Geist . Wehmütig lächelt die Ferne , als wolle sie sagen : » Liebe mich , doch umarme mich nie ! « Unschuldig schaut das Dörflein im Tale aus . Kommst du aber den Hütten nahe , so findest du Unrat und Siechtum , finstere Geister , wüste Herzen . So scheint in deinem Leben manches verklärt , da du es noch ersehnst ; fad und welk aber wird es , wann du es hast . - Wunderliche Ferne ! Soll ich dich nun des Truges anschuldigen , weil du nicht hältst , was dein Lächeln verheißt ? Oder bist du preiswürdig , weil du Unedles ausscheidest aus der gemeinen Welt und nur den Adel zeigst , so in Dingen und Menschen sich birgt gleich dem Schatz im Abendburgfelsen ? Nach etlichen Tagen kündete eine Rauchsäule , daß ein Schreiben für mich befördert sei . Im Fluge trug mich der Schneeschuh zum Kesselstein , Fußtapfen führten zum hohlen Baum , und ich fand den Brief . Küßte ihn beglückt , da ich Theklas Handschrift erkannte . Zwar nicht mehr so unsicher wie letztes Mal war sie , immerhin zart , schüchtern . » Getrost , mein Liebling ! « las ich . » Stille erfüllt mein Herz , Sonnenklarheit . Manchmal ist mir , als gleite ich noch immer im Hörnerschlitten , vom Himmelreiche singend . Auch schaukelt mich jemand auf den Armen . Bist Du das ? Oder ist es meine Huldin Hoffnung , die neuerdings so gütig um mich beflissen ist . Sie hat ein leis Lächeln , wie Hauch ist ihr Geflüster . Ich lauschte ihr diese Nacht , derweilen Tauwind am Dache rüttelte . Willkommen , Herold des Lenzes ! Nun schmilz mir wacker den Schnee , daß wir balde wieder die liebe Matte zu sehen kriegen . Dann sprießt es zart im Gesträuch , winzige Silberkätzlein sitzen auf Weiden und Weißpappeln . Die Amsel pfeift , und Stare jauchzen . Erst wie ein Anhauch ist das Grün , doch an Sonnenplätzen lugen Schneeglöcklein aus winterlichem Gestrüpp . Eine träumende , jüngst verlobte Braut ist die Erde , und fürwahr , ihr märzlich Träumen ist schöner , als was später wirklich kommt . Mai und Junius schwelgen in Saftgrün und Blüten , in Sonnenwärme und Vogeljubilieren . Doch die Üppigkeit , die satte Lust hat nicht den Adel der Sehnsucht . O selig , wer in seinem Herzen den ersten Lenz verewigt ! Erinnere Dich , mein Bräutigam , wem das gelang ! Der Königstochter und ihrem Liebsten ! Den Schatz der Bräutlichkeit hielt noch mit greisem Haar das Hirtenpaar bewahrt im Seelengrunde . Über sie hatte keine Gewalt das graue Gespenst . - Begreifst Du jetzunder , wen ich meine mit dem Gespenst ? Alles Lebendige währt seine Zeit , das reinste Weiß ergraut einmal , es trübt sich jeder Glanz . Kann nicht auch das heiligste Entzücken altern ? Diese Sorge ist das Gespenst ! Nicht , als ob ich davor scheue , Silberhaar zu bekommen und Falten im Angesicht . Wenn aber unsere Seelen verblühen , wenn ihre Frische welkt , ihr Schwung erlahmt , wenn die staubige Gewöhnlichkeit auf unsere Blumen und Schätze sinkt - schau , mein Bräutigam , müßt es so kommen mit uns , ei so wollt ich doch lieber bald ins Grab flüchten , gelt ? In Balsam hüllen möcht ich mein Herz , daß es immer bleibt , wie es ist . Hilf mir doch nachsinnen , wie solches könne geschehn . « Eine Wehmut ging von dem Briefe aus , daß mir wie einem Bräutigam war , wenn am Altar seine Braut in Weinen ausbricht . Ach ja , die Erfüllung ist ein Abschied von der Sehnsucht . Gleichwohl suchte ich der Braut ihr Zagen auszureden . Mit frohen Farben malte mein Schreiben die Zukunft . Ich schilderte , wie jeder Tag zum Feste werden könne , wenn unser Auge nicht mit flachem Behagen auf der Nähe ruhen bleibe , sondern neue Fernen entdecke , die selbst im Busen der Nähe sich auftun . » Auch fürder wird der Himmel ob uns sich wölben und immerdar an einer Stelle die Erde berühren , wo unsre Fernesucht ihr Wunderland ahnet . « Es war , als wolle Thekla mein tröstlich Zureden überhören ; eine Woche später kam nur diese kurze Antwort : » Mein Bräutigam schwärmte davon , sein Haupt mir im Schoße ruhen zu lassen , von meinem Haar wie von einer Laube umwallt . Ich denke dabei an die Mondkugel im Wolkenschoße . Wundervoll freilich sind Silberschleier und leuchtende Glieder der Wolkenfrau . Doch vom Monde kommt solche Pracht , mit seinem Strahl verklärt er das Gewölk , das ohne ihn trüber Dunst wäre . Weiß mein holder Schwarmgeist , wie die Wolkenfrau geheißen ? « Glühend widersprach ich dieser Demut , die ich Kleinmütigkeit nannte . » Nicht erborgten Glanz hat meine Thekla , sie leuchtet eigen , und nie verbleichen soll mir dieser schönste Stern . « Sorgenvoll bat ich alsdann , sie möge doch endlich deutlichen Bericht über ihr Befinden geben ; was ihr gefehlt habe , und ob sie genesen sei . » Und Heinrich ? wie läßt er sich an ? Das graue Gespenst macht mir halt nur insofern bange , als Heinrichs Seelenschwung ermatten und seine Bekehrung welken könnte . « Seltsam lautete Theklas Antwort : » In der Chronika derer von Schlick ist der Lebenslauf manches Ahnen beschrieben . Von meines Urgroßvaters Schwester Veronika heißt es , sie sei eine ebenso hochsinnige wie schöne Jungfer gewesen . Überreich an Freiern , trat sie ins dreißigste Jahr , ohne ihr Herz verloren zu haben . Da kam auf ihres Bruders Schloß ein Gast , war anoch ein Jüngling , obwohl bereits mit güldenen Sporen angetan , dazu ein gekrönter Sangesmeister . Als er nun wieder scheiden gemußt , lief Veronika heimlich hinterdrein . Mit ihrem süßesten Lenze hielt Frau Minne die beiden bezaubert . Und wiewohl sie ein ehelich Paar hätten werden dürfen , war eine andere , ungewöhnliche Hochzeit mehr nach ihrem Sinn . Aufs Hochgebirg wallten sie Hand in Hand und mögen auf blumigen Matten bei Felsen und Wolken , erhaben ob dem Getriebe drunten , wie Engel gewesen sein . Nach dreien Tagen aber fand man sie entseelt in einem Abgrunde , wohinein sie in der Umarmung sich gestürzt hatten . Ein hinterlassener Zettel war von des Ritters Hand also beschrieben : Wen du begnadet in der Zeit , Hat Eines nur zu sorgen : Nit welken darfstu , Seligkeit ! Wohlan , im Heim der Ewigkeit Bleib alterlos geborgen ! Dieser Liebesleute Beispiel zu empfehlen , sei ferne von mir . Herbeizwingen darf man den Tod nicht . Doch ich fühle , wie durch meine Adern rollt der Veronika Blut . Denn ich möchte nicht wieder ins trübe Tal sinken aus der klaren Höhe , zu der mich des Himmels Güte emporgehoben . In reinster Liebe aufblühen , dann nicht erst das Welken abwarten , sondern gleich eingehn zur stillen Ewigkeit ! Unschuldig sterben , wie jenes Knäblein , an dessen Bahre Waldhäuser Heimweh nach der Ewigkeit empfand . Und unser kleiner Johannes - wiewohl Grauen seinen Opfertod umgibt - , im weißen Kleide als ein Lämmlein ist er zum guten Hirten gekommen . So preist ihn ein Lied , das im Herzen seiner Mutter erklungen , bald auch von ihr gelten mag : Am offenen Fenster Ein Flämmchen wacht , Es flirrt und flackert In wehender Nacht . Ein Windstoß würgt es ; Da beugt es sich müd , Als ob ein Blümchen , Ein blaues , verblüht . Aus lischt sein Auge ; Ein letzter , Strahl Hinan zum heiligen Sternensaal . - Arm Flackerseelchen , Du Bettelkind , Gern wärst du worden Was Sterne sind . Mußt nun versprühen In Nacht und Tod . Jedoch getrost : Der Lichtborn loht ! Dein Lichtborn droben , Die glühenden Sonnen , Dran heilige Sehnsucht Dir ist entbronnen . Und was du liebtest In armer Zeit , Dein Reichtum ist es In Ewigkeit . Der Sternenliebe Ergib dich ganz ; So wirst du selber Zu Sternenglanz . « Ich weinte . Ein Lied von ihr ! ein Lied auf unser Kind ! So war nun Klein Johannes ein zitternder Klang im Elternherzen . Wie denn aber ? Auch von der Mutter sollte bald dies Lied der Wehmut gelten ? So meint sie - oh ! Bange Zweifel bestürmten mich . Immer rätselhafter ward Thekla . Weshalb diese Todesgedanken ? Warum ging sie mit keiner Silbe auf meine Fragen ein ? War mein Schreiben nicht in ihre Hand gelangt ? Wollte sie die Antwort vermeiden ? War etwas vorgefallen ? » Ich beschwöre Dich , Thekla « - so schrieb ich - » sprich gerade heraus : Vermeinest Du , ein Hindernis vereitele unser ehelich Glück , und willst Du mir Enttäuschung ersparen , indem Du vorschnelle Hoffnungen zügelst ? Oder hast Du eine wirkliche Scheu vor unserm Zusammenleben , selbst wenn Heinrich es gestattet ? Darf ich nie als Gatte bei Dir einkehren ? Willst Du bleiben , was Du bist , möchtest nur meine Braut sein ? In Zeit und Ewigkeit nichts weiter als das ? « Der Märzmond war kommen , in den Tälern und selbst an den sonnigen Hängen meiner Iserberge hauchte , sproß und zwitscherte der erste Lenz , nicht anders , als Thekla ihn geschildert . Da erhielt ich , nach siebentägigem Harren , ein neues Schreiben . » Du ewig Meiner ! Wie soll ich danken für all Deine Güte , Treue und Geduld , für die Wonnen , so mir Deine Liebe gab , und dafür , daß Du mich zu einem neuen , besseren und glückseligen Menschen gemacht . Immerdar nun möcht ich das bleiben in Deinem Herzen . Als mein Vater endete , hat es die gute Marianka den Kindern erspart , des Vaters Blut und Leichnam zu sehen ; so ist es gekommen , daß mein Vater nur rüstig und strahlend mir im Gedächtnis lebt . Nicht wahr , auch dem Bilde , so ich Dir hinterlasse , vergönnest Du , daß es nicht entstellet werde ! Wenn einmal der gute Tod mein Abendstündlein läutet , möcht ich mich hinwegstehlen aus dieser Enge wie ein Hauch . Die am Sterbebette weinen , sollen lieber über das , was röchelnd hier unterlag , recht bald ein Tüchel decken ; ich schäme mich der armseligen Körperlichkeit . Ich bin nicht Staub ; in dieser Ruine , die vordem eine saubere Hütte gewesen , hat mein Geist gehauset und geschafft . Die zertrümmerte Klause meidet er , sein Heim ist ein hohes , weites Königszelt . Diese Mahnung gilt meinem guten Heinrich . Hilf ihm verstehen ! Wer wie Du und Sibylle gelernt ins Ewige zu schauen , der findet mich darin , und darf nicht traurig bleiben . Für Dich , mein Liebling , möcht ich noch besonders vorgesorgt haben für den Fall meines Todes . Das beste wäre , wenn Du von meinem Krankenlager gar nichts erführest . Schüttelt mich der peinvolle Husten , so dürft ich denken : Gottlob , er ahnt nicht diesen Verfall . Aus meinen Briefen an Dich , die ich gebieterisch der matten Hand abringen würde , ließe ich nur so viel durchblicken , als meinem Ziele dient . Nit welken darfstu , Seligkeit ! Wohlan im Heim der Ewigkeit Bleib alterlos geborgen ! Sei nicht bange , Johannes , versteh mich recht : Nur gesetzt den Fall , daß ich dem Tode nahe , würd ich so tun . Sanft ablenken möcht ich Deine Sehnsucht von der Gattenschaft , daß Dir vertraut der Gedanke werde , mich nie in Deine Arme zu schließen , sondern immer nur eine Sternenbraut zu haben . Selbst wenn ich schon in der Erde ruhete , würden an Dich noch immer Briefe abgehen , auf Vorrat von mir geschrieben . Sibyllen hätt ich eingeschärft : Jeden Sonntag bis auf weiteres gönne ihm sein Briefel ! Schließlich allerdings , nachdem meine Betrachtungen Dich vorbereitet hätten , müßtest Du wohl die Wahrheit erfahren ; und also sollte dies geschehen : Wenn mein letzter Brief in Deinen Händen wäre , käme Heinrich zur Abendburg und spräche : Lieber Bruder , ich soll Dir melden , sie sei nun bei uns alle Tage ! - Will dann mein Liebling weinen , so sinke er an Heinrichs treue Brust . Bei jedem weitern Anfall des Leides aber lausche in Dich hinein , bis Du die Worte vernimmst : Dies ist derselbe Kummer , den auch sie empfunden hat , und nun sind Braut und Bräutigam wieder eins , wenn auch nicht in Lust . Mein Wunsch , falls ich bald sterben sollte , wäre noch , es möchten Heinrich und Sibylle Dir zureden , die öde Abendburg doch zu verlassen und lieber in der Baude am Breiten Berge zu hausen . Nicht weil mein Staub daselbst ruht - Dein Herz ist ja mein wahres Grab ; vielmehr weil Du wohnen sollst in meinem Stübel . Da mögen Dich täglich grüßen die Zeichen meiner Zärtlichkeit und meines Wandels Spuren . Auch wirst Du Dir viel zu erzählen haben mit Heinrich und Sibyllen . Behalte sie lieb ; auch in ihnen lebt Deine Thekla ... Verzeihe nun , mein Liebling , dies seltsamliche Gedankenspiel , nur ein Vorsorgen ist es ja für den Fall meines Todes . Nicht bekümmern darf es Dich , es soll Dich rüsten und beruhigen , wie es mir selber Trost gab . Ich bin im Frieden ; und seliger ist keine Erdenbraut , denn Deine Thekla , berufen zum Altar der Ewigkeit . Ein Bettlein ward mir zugedacht , Wie ' s keine Mutter sanfter macht . Ich bette mich in seine Ruh , Wann ich den letzten Seufzer tu . Und träume lächelnd : O was hab Ich für ein wundersüßes Grab ! Von deiner Liebe eingewiegt Und wie in Gottes Schoß geschmiegt ! Nun drücke noch , als weißen Stein , Die Hand auf diesen Ruheschrein . Die Hand aufs Herz dir selber , du ! Drin ich so treu geborgen ruh . « Diese Zeilen ließen wiederholt mein Herz vor Bangen stocken . Wenn Thekla so gesonnen war , konnte ich ja gar nicht wissen , ob der Fall , den sie erörterte , nicht schon eingetreten . Wär ' s möglich ? Lag sie vielleicht wirklich bereits unter der Erde , und waren ihre letzten Briefe nur gütige Täuschung ? Erst schlug mich der Schrecken nieder , und ich zitterte . Dann faltete ich die Hände , von Andacht durchschauert . Hehr und kühl ward es innen wie in einem Dome , und ein Flüstern ging durch die Stille : » Hie bin ich , Liebling ! Schau mir ins Auge , wie du bereits im Böhmerschlosse schauen gelernt . Im Seelenblick sei eins mit mir , mich findest du , sooft dein Sehnen lodert , sei ' s an der Zackenschlucht , sei ' s wo du magst . In allem Schicksal web ' ich dir , aus tausend Verstecken lach ' ich dich an . Ich tröste dich , bin dir Beraterin und Schaffnerin , ich wirke mit bei allem Tun , das unsere Seelen einen kann . Nimm mein Bestes in dich auf , setze fort mein Lieben und mein Trachten ! So hast du nichts verloren . Seit wir einander aufs neue hienieden begegnet sind , durft ich ja nie ein andres sein denn deine heimliche und ferne Braut . Wohlan , nichts Minderes bin ich worden ; alles bleibt , wie es war , und wir haben noch den Vorteil , daß unser Minnen gerettet ist vor dem grauen Gespenst . Briefe tauschen wir , solange du atmest - nur daß du nicht erst zu schreiben , vielmehr bloß an mich zu denken brauchst , und daß dein Herz an Stelle des Baumes dient . Sei nun zufrieden , weil alles doch in Ordnung . Ich wußt es nicht besser einzurichten . Da mir der Tod so nahe bevorstund , wollt ich dir sein Bild ersparen und lieber das holde Geheimnis der Ferne dir verewigen . « So flüsterte es in mir , eine sanfte , gütige Hand lag in der meinen , und am Altare kniet ich mit der Sternenbraut . Komm , Sonnenmund , du Hochzeitsbecher , Zum Abendmahle mir geweiht ! Im Kusse sterbend saugt der Zecher Das Feuerblut der Ewigkeit . Laß trinken , trinken deinen Gatten - Bis ihm die Seele feierstill , Ein Himmel ohne Wolkenschatten , Ein Sonntag , so nicht enden will . Wie ich in der folgenden Frühe vor die Tür meiner Klause trat , siehe , da kamen aus dem Walde Heinrich und Sibylle gegangen . Ich schrak zusammen . Das war ja , wie Thekla es angekündigt . Wie versteinert stund ich . Und nun war Heinrich bei mir , schwer atmend . Weh lag auf seinem Antlitz , feierlich blickte sein blaues Auge , dann kamen die bebenden Worte : » Lieber Bruder - ich soll dir melden - sie - ist nun bei uns alle Tage . « Aufschluchzend lagen wir einander in den Armen , indessen Sibylle still für sich weinte . » Du weißt alles , Bruder ? « fragte Heinrich weich . Ich nickte . » Und wirst zu uns kommen ? « Ich drückte seine Hand und auch Sibyllens Hand : » Sie will es so ; gerne komm ich mit ; ich danke euch . Lasset mich nur noch das Liebste aus meiner Habe zusammenraffen . « Wir saßen beisammen und weinten still . Dann hub der Umzug an . Sibylle führte die Ziege ; Heinrich trug meine Waffen , in seiner Hucke waren meine Bücher ; hinterdrein wankte irr der Oheim mit der Harfe . So schwanden sie im Walde . Auch für mich lag ein Bündel bereit . Doch ging ich noch nicht , mir blieb noch etwas zu tun . Ich durfte ja die Abendburg nicht lassen , wie sie war . Sonst hätte sie in goldgierigen Menschen aufs neue den Dämon reizen können , der doch schon genung des Unheils hier angerichtet . Trümmer sollten den Höhleneingang verschütten . Da kamen mir nun zustatten die vorhandenen Pulverfässer . Ich brachte sie in Spalten der Grotte und leitete Zündschnur zur Balkenklause . Ein letzter Abschiedsblick ins alte Heim , dann zerrte ich aus dem Ofen Feuerbrände und zündete an . Von Ferne beobachtete ich , wie die Flammen aus Fenster und Dach loderten . Plötzlich huben sich Stücke des Felsens , als ob ein riesiger Maulwurf den Grund emporwühle , dicke Feuerstrahlen schossen herfür , es krachte , als berste der ganze Berg . Und zusammen in sich sank die Abendburg wie ein zertrümmerter Turm , dann war alles in schwarzen Qualm gehüllt , aus dem die Funken stoben . Bald legte sich der Aufruhr , die Balken verkohlten und verglühten , ich trat herzu und vergewisserte mich , daß der Felsen ob der Höhle zusammengebrochen war und den Eingang zur Tiefe , den ohnehin außer mir , dem Oheim und Kiesewalds kein Lebender mehr wußte , völlig begraben hatte . Ein Seufzen ; dann lud ich mein Bündel auf und ließ die Stätte hinter mir . Auf des Zackenberges Rücken schaute ich zurück , überm Hohen Stein schwebte noch Rauch . Der war wie ein letztes finstres Mahnen an die Welt der Gier und Fehde . Mein Hund schnopperte unruhig und glotzte scheu . Dann zog er den Schwanz ein , hub den Kopf und heulte aus tiefer Brust . Er heulte , und ich schluchzete . Endlich faßte ich mich und ging . Wie ich nun an die Schlucht des tosenden Bergstroms kam , allwo ich vor einem halben Jahr Thekla erwartet und das Feuer entzündet hatte , flog mein Blick hinüber zur Waldwiese , als ließe sich aufs neue die Braut finden . Und sieh doch ! ich traute meinem Auge nicht : sie stund , wo sie damals gestanden . Wenigstens schien es eine Menschengestalt zu sein . Einmal meinte ich , Sibylle sei es . Bei schärferem Spähen kam es mir vor , es müsse ein Baumstumpf sein - oder ein Felsen - vielleicht gar nur ein Schatten . Sei ' s , wie es wolle ! Mir war dies Gebilde meine Thekla , ich erkannte ihr stahlblau Gewand und Kopftuch , sogar das Braun der Locken und ihr liebes Angesicht , still lächelte sie mich an . Dem Schauen hingegeben , war ich ins Beerenkraut gesunken , sanfter Jubel sang mir im Herzen : » Süße ferne Braut ! Mein Schatz der Abendburg ! « Dazu vernahm ich in weiter Ferne Glockenläuten , als begebe sich zu Hirschberg , im ganzen Tale drunten , ein groß Feiern . Und ich träumte , die Stadtruinen seien bekränzt , auf den Knien lägen die wenigen Bewohner : » Friede ! Das lange Sengen und Morden ist aus ! Endlich Friede ! « Und leibhaftig erschien der Friede , ein weißgekleidet Kindlein . So mag gelächelt haben jenes Kindlein , das der Abendburgfelsen seiner Mutter zurückgab ; und so mag strahlen das Mägdlein vom Krökentor , wann die lichte Ewigkeit ihm seine finstre Mauerklause hat aufgetan . Und nun sieh ! Küsse warf mir von drüben meine Braut zu ; war dann um ein Freudenfeuer beflissen - und nun sollte auch das meinige lodern . Waldfeuer drüben an der Bergeshalde , Dein Wölkchen Rauch Schwebt einsam nicht ; aus meinem Tannenwalde Steigt gleicher Hauch . Ob dort und hier zwei treue Herzen flammen , Getrennt durch Kluft und Strom - Den Rauch , die beiden Säulen , schmilzt zusammen Ein Himmelsdom . Die Ferne hat ein Minnen uns gegeben , Das nicht genießt , Nur segnend grüßt - und sanft zu Gottes Frieden Hinüberfließt . Waldfeuer drüben an der Bergeshalde , Dein Wölkchen Rauch Schwebt einsam nicht ; aus meinem Tannenwalde Steigt gleicher Hauch .