Das geht nicht an . « » Dann rüste dich zum Kampf mit den Goten und mit Cethegus zusammen vor den Mauern Roms . « Belisar sprang auf . » Geht ! laßt mich allein mit Prokop ! Cethegus , erwarte meine Entscheidung . « » Bis morgen , « sagte dieser . » Bei Sonnenaufgang kehr ' ich nach Rom zurück , mit deinem Heer oder - allein . « * * * Wenige Tage darauf zog Belisar mit seinem Heer in der ewigen Stadt ein durch das asinarische Tor . Endloser Jubel begrüßte den Befreier , Blumenregen überschüttete ihn und seine Gattin , die auf einem zierlichen weißen Zelter an seiner Linken ritt . Alle Häuser hatten ihren Festschmuck von Teppichen und Kränzen angetan . Aber der Gefeierte schien nicht froh : verdrossen senkte er das Haupt und warf finstre Blicke nach den Wällen und dem Kapitol , von denen , den alten römischen Adlern nachgebildet , die Banner der städtischen Legionare , nicht die Drachenfahnen von Byzanz , herniederschauten . Am asinarischen Tor hatte der junge Lucius Licinius den Vortrapp des kaiserlichen Heeres zurückgewiesen : und nicht eher hob sich das wuchtige Fallgitter , bis neben Belisars Rotscheck , getragen von seinem prachtvollen Rappen , Cethegus der Präfekt erschienen war . Lucius staunte über die Verwandlung , die mit seinem bewunderten Freunde vorgegangen . Die kalte , strenge Verschlossenheit war gewichen : er erschien größer , jugendlicher : ein leuchtender Glanz des Sieges lag auf seinem Antlitz , seiner Haltung und seiner Erscheinung . Er trug einen hohen , reichvergoldeten Helm , von dem der purpurne Roßschweif niederwallte bis auf den Panzer : dieser aber war ein kostbares Kunstwerk aus Athen und zeigte auf jeder seiner Rundplatten ein fein gearbeitetes Relief von getriebenem Silber , jedes einen Sieg der Römer darstellend . Der Siegesausdruck seines leuchtenden Gesichts , seine stolze Haltung und sein schimmernder Waffenschmuck überstrahlte , wie Belisar , den kaiserlichen Magister Militum selbst , so das glänzende Gefolge von Heerführern , das sich , geführt von Johannes und Prokop , hinter den beiden anschloß . Und dies Überstrahlen war so augenfällig , daß sich , sowie der Zug einige Straßen durchmessen hatte , der Eindruck auch der Menge mitteilte und der Ruf » Cethegus ! « bald so laut und lauter als der Name » Belisar « ertönte . Das feine Ohr Antoninas fing an , dies zu bemerken : mit Unruhe lauschte sie bei jeder Stockung des Zugs auf das Rufen und Reden des Volks . Als sie die Thermen des Titus hinter sich gelassen und bei dem flavischen Amphitheater die sacra Via erreicht hatten , wurden sie durch das Wogen der Menge zum Verweilen gezwungen : ein schmaler Triumphbogen war errichtet , den man nur langsam durchschreiten konnte . » Sieg dem Kaiser Justinian und Belisarius , seinem Feldherrn « stand darauf geschrieben . Während Antonina die Aufschrift las , hörte sie einen Alten , der wenig in den Lauf der Dinge eingeweiht schien , an seinen Sohn , einen der jungen Legionare des Cethegus , Fragen um Auskunft stellen . » Also , mein Gajus , der Finstre mit dem verdrießlichen Gesicht auf dem Rotscheck ... - « » Ja , das ist Belisarius , wie ich dir sage , « antwortete der Sohn . » So ? Nun - aber der stattliche Held , ihm zur Linken , mit dem triumphierenden Blick , der auf dem Rappen , das ist gewiß Justinianus selbst , sein Herr , der Imperator ? « - » Beileibe , Vater ! der sitzt ruhig in seinem goldnen Gemach zu Byzanz und schreibt Gesetze . Nein , das ist ja Cethegus , unser Cethegus , mein Cethegus , der Präfekt , der mir das Schwert geschenkt . Ja , das ist ein Mann . Licinius , mein Tribun , sagte neulich : wenn der nicht wollte , Belisar sähe nie ein römisch Tor von innen . « Antonina gab ihrem Apfelschimmel einen heftigen Schlag mit dem Silberstäbchen und sprengte rasch durch den Triumphbogen . Cethegus geleitete den Feldherrn und dessen Gattin bis an den Palast der Pincier , der prachtvoll zu ihrer Aufnahme instand gesetzt war . Hier verabschiedete er sich , den byzantinischen Heerführern seinen Beistand zu leihen , die Truppen teils in den Häusern der Bürger und den öffentlichen Gebäuden , teils vor den Toren in Zelten unterzubringen . » Wenn du dich von den Mühen - und Ehren ! - dieses Tages erholt , Belisarius , erwarte ich dich und Antonina und deine ersten Heerführer zum Mahl in meinem Hause . « Nach einigen Stunden erschienen Marcus Licinius , Piso und Balbus , die Geladenen abzuholen . Sie begleiteten die Sänften , in denen Antonina und Belisar getragen wurden , die Heerführer gingen zu Fuß . » Wo wohnt der Präfekt ? « fragte Belisar beim Einsteigen in die Sänfte . » Solang du hier bist : tags im Grabmal Hadrians , und nachts - auf dem Kapitol . « Belisar stutzte . Der kleine Zug näherte sich dem Kapitol . Mit Staunen sah der Feldherr alle die Werke und Wälle , die seit mehr denn zweihundert Jahren in Schutt gelegen waren , zu gewaltiger Stärke wiederhergestellt . Nachdem sie durch einen langen , schmalen und dunkeln Zickzackgang , den engen Zugang zu der Feste , sich gewunden , gelangten sie an ein gewaltiges Eisentor , das fest geschlossen war , wie in Kriegszeit . Marcus Licinius rief die Wachen an . » Gib die Losung ! « sprach eine Stimme von innen . » Cäsar und Cethegus ! « antwortete der Kriegstribun . Da sprangen die Torflügel auf : ein langes Spalier der römischen Legionare und der isaurischen Söldner ward sichtbar , letztere in Eisen gehüllt bis an die Augen und mit Doppeläxten bewaffnet . Lucius Licinius stand an der Spitze der Römer , mit gezücktem Schwert in der Hand , Sandil , der isaurische Häuptling , an der Spitze seiner Landsleute . Einen Augenblick blieben die Byzantiner unentschlossen stehen , von dem Eindruck dieser Machtentfaltung von Granit und Eisen überwältigt . Da wurde es hell in dem matt erleuchteten Raum : man vernahm Musik aus dem Hintergrund des Ganges : und , von Fackelträgern und Flötenspielern begleitet , nahte Cethegus , ohne Rüstung , einen Kranz auf dem Haupt , wie ihn der Wirt eines Festgelages zu tragen pflegte , im reichen Hausgewand von Purpurseide . So trat er lächelnd vor und sprach : » Willkommen ! und Flötenspiel und Tubaschall verkünde laut : daß die schönste Stunde meines Lebens kam : Belisar , mein Gast im Kapitol . « Und unter schmetterndem Klang der Trompeten führte er den Schweigenden in die Burg . Vierzehntes Kapitel . Während dieser Vorgänge bei den Römern und Byzantinern bereiteten sich auch auf Seite der Goten entscheidende Ereignisse vor . In Eilmärschen waren Herzog Guntharis und Graf Arahad von Florentia , wo sie eine kleine Besatzung zurückließen , mit ihrer gefangenen Königin nach Ravenna aufgebrochen . Wenn sie diese für uneinnehmbar geltende Feste vor Witichis , der heftig nachdrängte , erreichten und gewannen , so mochten sie dem König jede Bedingung vorschreiben . Zwar hatten sie noch einen starken Vorsprung und hofften , die Verfolger durch die Belagerung von Florentia noch eine gute Weile aufzuhalten . Aber sie büßten jenen Vorsprung beinahe völlig dadurch ein , daß die auf der nächsten Straße nach Ravenna gelegenen Städte und Kastelle sich für Witichis erklärten und so die Empörer nötigten , auf großem Umweg im rechten Winkel zuerst nördlich nach Bononia ( Bologna ) , das zu ihnen abgefallen war , und dann erst östlich nach Ravenna zu marschieren . Gleichwohl war , als sie in der Sumpflandschaft der Seefestung anlangten und nur noch einen halben Tagemarsch von ihren Toren entfernt waren , von dem Heer des Königs nichts zu sehen . Guntharis gönnte seinen stark ermüdeten Truppen den Rest des ohnehin schon gegen Abend neigenden Tages und schickte nur eine kleine Schar Reiter unter seines Bruders Befehl voraus , den Goten in der Festung ihre Ankunft zu verkünden . Aber schon in den ersten Morgenstunden des nächsten Tages kam Graf Arahad mit seiner stark gelichteten Reiterschar flüchtend ins Lager zurück . » Bei Gottes Schwert , « rief Guntharis , » wo kommst du her ? « » Von Ravenna kommen wir . Wir hatten die äußersten Werke der Stadt erreicht und Einlaß begehrt , wurden aber entschieden abgewiesen , obwohl ich selbst mich zeigte und den alten Grippa , den Grafen von Ravenna , rufen ließ . Der erklärte trotzig , morgen würden wir seine und der Goten in Ravenna Entscheidung erfahren : wir sowohl wie das Heer des Königs , dessen Spitzen sich bereits von Südosten her der Stadt näherten . « » Unmöglich ! « rief Guntharis ärgerlich . » Mir blieb nichts übrig , als abzuziehen , so wenig ich dies Benehmen unseres Freundes begriff . Die Nachricht von der Nähe des Königs hielt auch ich für eine leere Drohung des Alten , bis meine im Süden der Stadt schwärmenden Reiter , die nach einer trockenen Beiwachtstelle suchten , plötzlich von feindlichen Reitern unter dem schwarzen Grafen Teja von Tarentum mit dem Ruf : Heil König Witichis ! angegriffen und nach scharfem Gefecht zurückgeworfen wurden . « » Du rasest , « rief Guntharis . » Haben sie Flügel ? ist Florentia aus ihrem Wege fortgeblasen ? « » Nein ! aber ich erfuhr von vicentinischen Bauern , daß Witichis auf dem Küstenweg über Auximum und Ariminum nach Ravenna eilt . « - » Und Florentia ließ er im Rücken , unbezwungen ? Das soll ihm schlecht bekommen . « - » Florentia ist gefallen ! Er schickte Hildebad gegen die Stadt , der sie im Sturme nahm . Er rannte mit eigener Hand das Marstor ein - der wütige Stier ! « Mit finsterer Miene vernahm Herzog Guntharis diese Unglücksbotschaften ; aber rasch faßte er seinen Entschluß . Er brach sofort mit all seinen Truppen gegen die Stadt auf , sie durch einen raschen Streich zu nehmen . Der Überfall mißlang . Aber die Empörer hatten die Befriedigung , zu sehen , daß die Festung , deren Besitz den Bürgerkrieg entschied , wenigstens auch dem Feind sich nicht geöffnet hatte . Im Südosten , vor der Hafenstadt Classis , hatte sich der König gelagert . Des Herzogs Guntharis geübter Blick erkannte alsbald , daß auch die Sümpfe im Nordwesten eine sichere Stellung gewährten , und rasch schlug er hier ein wohlverschanztes Lager auf . So hatten sich die beiden Parteien , wie zwei ungestüme Freier um eine spröde Braut , hart an beide Seiten der gotischen Königsstadt gedrängt , die keinem ein günstiges Gehör schenken zu wollen schien . Tags darauf gingen zwei Gesandtschaften , aus Ravennaten und Goten bestehend , aus dem nordwestlichen und aus dem südöstlichen Tor der Festung , dem Tor des Honorius und dem des Theoderich , und brachten , jene in das Lager der Wölsungen , diese zu den Königlichen , den verhängnisvollen Entscheid von Ravenna . Dieser mußte sehr seltsam lauten . Denn die beiden Heerführer , Guntharis und Witichis , hielten ihn , in merkwürdiger Übereinstimmung , streng geheim und sorgten eifrig dafür , daß kein Wort davon unter ihre Truppen gelangte . Die Gesandten wurden sofort aus den Feldherrnzelten beider Lager unter Bedeckung von Heerführern , die jede Unterredung mit den Heermännern verwehrten , nach den Toren der Stadt zurückgebracht . Aber auch sonst war die Wirkung der Botschaft in den beiden Heerlagern auffallend genug . Bei den Empörern kam es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden Führern : dann zu einer sehr lebhaften Unterredung von Herzog Guntharis mit seiner schönen Gefangenen , die , wie es hieß , nur durch Graf Arahad vor dem Zorne seines Bruders geschützt worden war . Darauf versank das Lager der Rebellen in die Ruhe der Ratlosigkeit . Folgenreicher war das Erscheinen der ravennatischen Gesandten in dem Lager gegenüber . Die erste Antwort , die König Witichis auf die Botschaft erließ , war der Befehl zu einem allgemeinen Sturm auf die Stadt . Überrascht vernahmen Hildebrand und Teja , vernahm das ganze Heer diesen Auftrag . Man hatte gehofft , in Bälde die Tore der starken Festung sich freiwillig auftun zu sehen . Gegen das gotische Herkommen und ganz gegen seine sonst so leutselige Art gab der König niemand , auch seinen Freunden nicht , Rechenschaft von der Mitteilung der Gesandten und von den Gründen dieses zornigen Angriffs . Schweigend , aber kopfschüttelnd und mit wenig Hoffnung auf Erfolg , rüstete sich das Heer zu dem unvorbereiteten Sturm : er ward blutig zurückgeschlagen . Vergebens trieb der König seine Goten immer wieder aufs neue die steilen Felswälle hinan . Vergebens bestieg er , dreimal , der erste , die Sturmleitern : vom frühen Morgen bis zum Abendrot hatten die Angreifer gestürmt ohne Fortschritte zu machen : die Festung bewährte ihren alten Ruhm der Unbezwingbarkeit . Und als endlich der König , von einem Schleuderstein schwer betäubt , aus dem Getümmel getragen wurde , führten Teja und Hildebrand die ermüdeten Scharen ins Lager zurück . Die Stimmung des Heeres in der darauf folgenden Nacht war sehr trübe und gedrückt . Man hatte empfindliche Verluste zu beklagen und nichts gewonnen , als die Überzeugung , daß die Stadt mit Gewalt nicht zu nehmen sei . Die gotische Besatzung von Ravenna hatte neben den Bürgern auf den Wällen gefochten ; der König der Goten lag belagernd vor seiner Hauptstadt , vor der besten Festung seines Reiches , in der man Schutz und die Zeit zur Rüstung gegen Belisar zu finden gehofft ! Das Schlimmste aber war , daß das Heer die Schuld des ganzen Unglückskampfes , die Notwendigkeit des Bruderstreits auf den König schob . Warum hatte man die Verhandlung mit der Stadt plötzlich abgebrochen ? Warum nicht wenigstens die Ursache dieses Abbrechens , war sie eine gerechte , dem Heere mitgeteilt ? Warum scheute der König das Licht ? Mißmutig saßen die Leute bei ihren Wachtfeuern oder lagen in den Zelten , ihre Wunden pflegend , ihre Waffen flickend : nicht , wie sonst , scholl Gesang der alten Heldenlieder von den Lagertischen , und wenn die Führer durch die Zeltgassen schritten , hörten sie manches Wort des Ärgers und des Zornes wider den König . Gegen Morgen traf Hildebad mit seinen Tausendschaften von Florentia her im Lager ein . Er vernahm mit zornigem Schmerz die Kunde von der blutigen Schlappe und wollte sofort zum König ; aber da dieser noch bewußtlos unter Hildebrands Pflege lag , nahm ihn Teja in sein Zelt , und beantwortete seine unwilligen Fragen . Nach einiger Zeit trat der alte Waffenmeister ein , mit einem Ausdruck in den Zügen , daß Hildebad erschrocken von seinem Bärenfell , das ihm zum Lager diente , aufsprang und auch Teja hastig fragte : » Was ist mit dem König ? Seine Wunde ? Stirbt er ? « Der Alte schüttelte schmerzlich sein Haupt : » Nein : aber wenn ich richtig rate , wie ich ihn kenne und sein wackres Herz , wär ' ihm besser , er stürbe . « » Was meinst du ? was ahnest du ? « » Still , still , « sprach Hildebrand traurig , sich setzend , » armer Witichis ! Es kommt noch , fürcht ' ich , früh genug zur Sprache . « Und er schwieg . » Nun , « sagte Teja , » wie ließest du ihn ? « - » Das Wundfieber hat ihn verlassen , dank meinen Kräutern . Er wird morgen wieder zu Roß können . Aber er sprach wunderbare Dinge in seinen wirren Träumen - ich wünsche ihm , daß es nur Träume sind , sonst : weh dem treuen Manne . « Mehr war aus dem verschlossenen Alten nicht zu erforschen . Nach einigen Stunden ließ Witichis die drei Heerführer zu sich rufen . Sie fanden ihn zu ihrem Staunen in voller Rüstung , obwohl er sich im Stehen auf sein Schwert stützen mußte ; seitwärts auf einem Tisch lag sein königlicher Kronhelm und der heilige Königsstab von weißem Eschenholz mit goldner Kugel . Die Freunde erschraken über den Verfall dieser sonst so ruhigen , männlich schönen Züge . Er mußte innerlich schwer gekämpft haben . Diese kernige , schlichte Natur aus Einem Guß konnte ein Ringen zweifelvoller Pflichten , widerstreitender Empfindungen nicht ertragen . » Ich hab ' euch rufen lassen , « sprach er mit Anstrengung , » meinen Entschluß in dieser schlimmen Lage zu vernehmen und zu unterstützen . Wie groß ist unser Verlust in diesem Sturm ? « » Dreitausend Tote , « sagte Teja sehr ernst . » Und über sechstausend Verwundete , « fügte Hildebrand hinzu . Witichis drückte schmerzlich die Augen zu . Dann sprach er : » Es geht nicht anders . Teja , gib sogleich Befehl zu einem zweiten Sturm . « » Wie ? Was ? « riefen die drei Führer wie aus Einem Munde . » Es geht nicht anders , « wiederholte der König . » Wie viele Tausendschaften führst du uns zu , Hildebad ? « - » Drei , aber sie sind todmüde vom Marsch . Heut ' können sie nicht fechten . « » So stürmen wir wieder allein , « sagte Witichis nach seinem Speer langend . » König , « sagte Teja , » wir haben gestern nicht einen Stein der Festung gewonnen , und heute hast du neuntausend weniger ... « - » Und die Unverwundeten sind matt , ihre Waffen und ihr Mut zerbrochen , « mahnte der alte Waffenmeister . » Wir müssen Ravenna haben ! « » Wir werden es nicht mit Sturm nehmen ! « sagte Teja . » Das wollen wir sehen ! « meinte Witichis . » Ich lag vor der Stadt mit dem großen König , « warnte Hildebrand : » er hat sie siebzigmal umsonst bestürmt : wir nahmen sie nur durch Hunger - nach drei Jahren . « - » Wir müssen stürmen , « sagte Witichis , » gebt den Befehl . « Teja wollte das Zelt verlassen . Hildebrand hielt ihn . » Bleib , « sagte er , » wir dürfen ihm nichts verschweigen . König ! die Goten murren : sie würden dir heut ' nicht folgen : der Sturm ist unmöglich . « » Steht es so ? « sagte Witichis bitter . » Der Sturm ist unmöglich ? Dann ist nur eins noch möglich : der Weg , den ich gestern schon hätte einschlagen sollen - dann lebten jene dreitausend Goten noch . Geh , Hildebad , nimm dort Krone und Stab ! Geh ins Lager der Empörer , lege sie dem jungen Arahad zu Füßen : er soll sich mit Mataswintha vermählen ; ich und mein Heer , wir grüßen ihn als König . « Und er warf sich erschöpft aufs Lager . » Du sprichst wieder im Wundfieber , « sagte der Alte . » Das ist unmöglich ! « schloß Teja . » Unmöglich ! Alles unmöglich ? der Kampf unmöglich ? und die Entsagung ? Ich sage dir , Alter : es gibt nichts andres nach der Botschaft aus Ravenna . « Er schwieg . Die drei warfen sich bedeutende Blicke zu . Endlich forschte der Alte : » Wie lautet sie ? vielleicht findet sich doch ein Ausweg ? Acht Augen sehen mehr als zwei . « » Nein , « sagte Witichis , » hier nicht , hier ist nichts zu sehen : sonst hätt ' ich ' s euch längst gesagt : aber es konnte zu nichts führen . Ich hab ' s allein erwogen . Dort liegt das Pergament aus Ravenna , aber schweigt vor dem Heer . « Der Alte nahm die Rolle und las : » Die gotischen Krieger und das Volk von Ravenna an den Grafen Witichis von Fasulä ! « » Die Frechen ! « rief Hildebad dazwischen . » Den Herzog Guntharis von Tuscien und den Grafen Arahad von Asta . Die Goten und die Bürger dieser Stadt erklären den beiden Heerlagern vor ihren Toren , daß sie , getreu dem erlauchten Hause der Amalungen und eingedenk der unvergeßlichen Wohltaten des großen Königs Theoderich , bei diesem Herrscherstamm ausharren werden , solang noch ein Reis desselben grünt . Wir erkennen deswegen nur Mataswintha als Herrin der Goten und Italier an : nur der Königin Mataswintha werden wir diese festen Tore öffnen und gegen jeden andern unsre Stadt bis zum äußersten verteidigen . « » Diese Rasenden , « sagte Teja . » Unbegreiflich , « versetzte Hildebad . Aber Hildebrand faltete das Pergament zusammen und sagte : » Ich begreife es wohl . Was die Goten anlangt , so wißt ihr , daß Theoderichs ganze Gefolgschaft die Besatzung der Stadt bildet ; diese Gefolgen aber haben dem König geschworen , seinem Stamm nie einen fremden König vorzuziehen : auch ich hab ' diesen Eid getan : aber ich habe dabei immer an die Speerseite , nicht an die Spindeln , nicht an die Weiber , gedacht : darum mußt ' ich damals für Theodahad stimmen : darum konnt ' ich nach dessen Verrat Witichis huldigen . Der alte Graf Grippa von Ravenna nun und seine Gesellen glauben sich auch an die Weiber des Geschlechts durch jenen Eid gebunden : und verlaßt euch darauf , diese grauen Recken , die ältesten im Gotenreich und Theoderichs Waffengenossen , lassen sich in Stücke hauen , Mann für Mann , eh ' sie von ihrem Eide lassen , wie sie ihn einmal deuten . Und , bei Theoderich ! sie haben recht . Die Ravennaten aber sind nicht nur dankbar , sondern auch schlau : sie hoffen , Goten und Byzantiner sollen den Strauß vor ihren Wällen ausfechten . Siegt Belisar , der , wie er sagt , Amalaswintha zu rächen kommt , so kann er die Stadt nicht strafen , die zu ihrer Tochter gehalten : und siegen wir , so hat sie die Besatzung in der Burg gezwungen , die Tore zu sperren . « » Wie immer dem sei , « fiel der König ein , » ihr werdet jetzt mein Verfahren verstehn . Erfuhr das Heer von jenem Bescheid , so mochten viele mutlos werden und zu den Wölsungen übergehn , in deren Gewalt die Fürstin ist . Mir blieben nur zwei Wege : die Stadt mit Gewalt nehmen - oder nachgeben : jenes haben wir gestern vergebens versucht , und ihr sagt , man könne es nicht wiederholen . So erübrigt nur das andre : nachgeben . Arahad mag die Jungfrau freien und die Krone tragen ; ich will der erste sein , ihm zu huldigen und mit seinem tapfren Bruder sein Reich zu schirmen . « » Nimmermehr ! « rief Hildebad , » du bist unser König und sollst es bleiben . Nie beug ' ich mein Haupt vor jenem jungen Fant . Laß uns morgen hinüberrücken gegen die Rebellen , ich allein will sie aus ihrem Lager treiben und das Königskind , vor dessen Hand wie durch Zauber jene festen Tore aufspringen sollen , in unsre Zelte tragen . « » Und wenn wir sie haben ? « sagte Teja , » was dann ? Sie nützt uns nichts , wenn wir sie nicht als Königin begrüßen . Willst du das ? Hast du nicht genug an Amalaswintha und Gothelindis ? Nochmals Weiberherrschaft ? « » Gott soll uns davor schützen ! « lachte Hildebad . » So denke ich auch , « sprach der König , » sonst hätt ' ich längst diesen Weg ergriffen . « » Ei , so laß uns hier liegen und warten bis die Stadt mürbe wird . « » Geht nicht , « sagte Witichis , » wir können nicht warten . In wenigen Tagen kann Belisar von jenen Hügeln steigen und nacheinander mich , Herzog Guntharis und die Stadt bezwingen : dann ist ' s dahin , das Reich und Volk der Goten . Es gibt nur zwei Wege : Sturm - « » Unmöglich , « sprach Hildebrand . » Oder nachgeben . Geh , Teja , nimm die Krone . Ich sehe keinen Ausweg . « Die beiden jungen Männer zauderten . Da sprach mit einem ernsten , trauervollen Blick der Liebe auf den König der alte Hildebrand : » Ich sehe den Ausweg , den schmerzvollen , den einzigen . Du mußt ihn gehen , mein Witichis , und bricht dir siebenmal das Herz . « Witichis sah ihn fragend an : auch Teja und Hildebad staunten ob der Weichheit des felsharten Alten . » Geht ihr hinaus , « fuhr dieser fort , » ich muß allein sprechen mit dem König . « Fünfzehntes Kapitel . Schweigend verließen die beiden Goten das Zelt und schritten draußen , den Ausgang abwartend , die Lagergasse auf und nieder . Aus dem Zelt drang hin und wieder Hildebrands Stimme , der in langer Rede den König zu ermahnen und zu drängen schien : und hin und wieder ein Ausruf des Königs . » Was kann nur der Alte sinnen ? « fragte Hildebad , stillhaltend , » weißt du ' s nicht ? « - » Ich ahn ' es , « seufzte Teja , » armer Witichis ! « - » Zum Teufel , was meinst du ? « » Laß , « sagte Teja , » es wird bald genug auskommen . « So verging geraume Zeit . Heftiger und schmerzlicher klang die Stimme des Königs , der sich der Reden Hildebrands mächtig zu erwehren schien . » Was quält der Eisbart den wackern Helden ? « rief Hildebad ungeduldig . » Es ist , als wollt ' er ihn ermorden . Ich will hinein und helf ' ihm . « Aber Teja hielt ihn an der Schulter . » Bleib , « sagte er . » Es muß wohl sein . « Während sich Hildebad losmachen wollte , nahte Lärm von Stimmen aus dem obern Ende der Lagergasse . Zwei Wachen bemühten sich vergebens , einen starken Goten zurückzuhalten , der mit allen Zeichen langen und eiligen Rittes bedeckt , sich gegen das Zelt des Königs drängte . » Laß mich los , « rief er , » guter Freund , oder ich schlage dich nieder . « Und drohend hob er eine wuchtige Streitaxt . » Es geht nicht . Du mußt warten . Die großen Heerführer sind bei ihm im Zelt . « » Und wären alle großen Götter Walhalls samt dem Herrn Christus bei ihm im Zelt , ich muß zu ihm . Erst ist der Mensch Vater und Gatte und dann König . Laß los , rat ' ich dir . « » Die Stimme kenn ' ich , « sagte Graf Teja , nähertretend - » und den Mann . Wachis , was suchst du hier im Lager ? « » O Herr , « rief der treue Knecht , » wohl mir , daß ich Euch treffe . Sagt diesen guten Leuten , daß sie mich loslassen . Dann brauch ' ich sie nicht niederzuschlagen . Ich muß gleich zu meinem armen Herrn . « » Laßt ihn los : sonst hält er Wort : ich kenne ihn . Nun , was willst du bei dem König ? « » Führt mich nur gleich zu ihm . Ich bring ' ihm schwarze , schwere Kunde von Weib und Kind . « » Von Weib und Kind ? « fragte Hildebad erstaunt . » Ei , hat Witichis ein Weib ? « » Die wenigsten wissen es , « sagte Teja . » Sie verließ fast nie ihr Gut , kam nie zu Hof . Fast niemand kennt sie : aber wer sie kennt , der ehrt sie hoch . Ich weiß nicht ihresgleichen . « » Da habt Ihr recht , Herr , wenn Ihr je recht gehabt , « sprach Wachis mit erstickter Stimme . » Die arme , arme Frau und ach , der arme Vater . Aber laß mich hinein . Frau Rauthgund folgt mir auf dem Fuß . Ich muß ihn vorbereiten . « Teja , ohne weiter zu fragen , schob den Knecht in das Zelt und folgte ihm mit Hildebad . Sie trafen den alten Hildebrand ruhig , wie die Notwendigkeit , auf dem Lager des Königs sitzen , das Kinn mit dem mächtigen Bart in die Hand und diese auf das Steinbeil gestützt . So saß er unbeweglich und richtete fest die Augen auf den König , der , in höchster Aufregung , mit hastigen Schritten , auf und nieder ging und im Sturm seiner Gefühle die Eintretenden gar nicht bemerkte : » Nein ! nein ! niemals ! « rief er , » das ist grausam ! frevelhaft ! unmöglich ! « » Es muß sein , « sagte Hildebrand , ohne sich zu rühren . » Nein , sag ' ich , « rief der König und wandte sich . Da stand Wachis dicht vor ihm . Er starrte ihn wirr an : da warf sich der Knecht laut weinend vor ihm nieder . » Wachis « , rief erschreckend der König , » was bringst du ? Du kömmst von ihr ! Steh auf - was ist geschehen ? « » Ach Herr , « jammerte dieser immer noch knieend , » Euch sehen , zerreißt mein Herz ! Ich kann nichts dafür ! Ich hab ' s vergolten und gerächt nach Kräften . « Da riß ihn Witichis bei den Schultern auf : » Rede , Mensch , was ist zu rächen ? Mein Weib - ? « » Sie lebt , sie kommt hierher , aber Euer Kind ... « » Mein Kind , « sprach er erbleichend , » Athalwin , was ist mit ihm - ? « »