die er ihr zugleich zurückließ , benachrichtigte sie , daß es Tunso selbst war , mit dem sie getanzt hatte . Auch hier entkam er glücklich der Wuth des Fürsten . Er war der Schrecken der Ehemänner und das Entzücken der Frauen . Begegnete ihm aber ein Armer , ein Unglücklicher , so half und gab er ihm reichlich . Kam ihm die Kunde , daß in Folge eines Sturmes , einer Ueberschwemmung , eines Feuers eine Kirche oder Moschee , ein Haus oder Dorf Schaden gelitten oder zerstört sei , so war er auf der Stelle da und brachte reiche Geschenke . Die Wittwen und Waisen , die Unterdrückten und Verstoßenen hatten an ihm einen Freund und Beschützer . Dem Einen half er mit Geld , dem Andern mit Rath oder mit seiner Rache . Darum hingen Alle an ihm , überall fand er eine Zufluchtsstätte , so viel Arme und Unterdrückte , so viel Freunde und Späher hatte er . « » Und war der glorreiche Räuber , « fragte der Offizier scharf , » auch ein Bojarensohn , wie Sie , der seinen Ruhm so zu beneiden scheint ? « Der Jüngling erröthete . » Er war armer Leute Kind , sein wahrer Name Iuwanitza . Er hütete die Heerde , bis die wunderbar schöne Stimme des Knaben den Popa4 veranlaßte , ihn zum Metropolitan nach Bukarest zu führen . Gegen seinen Willen wurde er an den Chorpult der Ober-Bisserika gestellt und blieb dort bis zu seinem achtunddreißigsten Jahre das Entzücken der Stadt . Erst als die Liebe zu der Zigeunerin Zinka seine Seele erfaßte , warf er das Joch von sich und wurde , was er war . « » Das Mädchen , das uns geleitet , und dem Sie , Herr Pelin , etwas zu tief in die schönen Augen gesehen zu haben scheinen , und der Bursche , der zum Tode verurtheilt ist , sind seine Kinder ? « » Sarscha ist Tunso ' s Tochter und , wie die Leute sagen , die ihn gekannt , sein Ebenbild . Aber ihr Bruder - Doch sehen Sie , « unterbrach er sich , » das Mädchen winkt uns , einzutreten . Folgen Sie mir . « Er klomm die Leiter empor , von dem Capitain gefolgt , und Beide traten in den Vorraum der Hütte , die in zwei Theile geschieden war . Ein dürftiges Lager von trockenem Schilfgras , Angeln und Fischgeräth , Schlingen für das Wild und dergleichen bewiesen , daß hier der Aufenthalt des jungen Burschen war , wenn er zu Hause , was freilich selten genug vorkommen mochte . » Du kommst zur bösen Stunde zu uns blanker Fremdling , « sagte das Mädchen indem sie des Capitains Hand faßte , um ihn in die zweite Abtheilung zu führen . » Der glänzende Aldobaran hat nicht geleuchtet auf die Geburt meines Bruders . Im Verrath ward er empfangen und sein Leben ist Schande . Aber das Mutterherz bleibt ein unergründlich Räthsel , dunkler als die Linien Deiner Hand , und der Schatten meines Vaters würde ohne das Kind des Verraths in ihrem Sinn erbleichen . Tretet ein darum und vollbringt Euer Geschäft , ehe die Stunde naht , da über die Aeltermutter meines Stammes der Geist kommt , der den Schleier der Zukunft hebt . « Sie zog die alte Decke zurück , die den Eingang verhüllte und die Drei traten in den innern Theil der ärmlichen Hütte . Auf einem kleinen Heerd von Stein brannte in der Mitte des Gemachs - wenn man den Raum so nennen kann - ein Torffeuer , dessen Rauch das Innere füllte , bis er durch die Fensteröffnung oder die Ritzen und Spalten des Daches seinen Ausgang fand . An den Wänden hingen einige geringe Geräthe , darunter die Guzla und das Tambourin , und ärmliche Kleidungsstücke . Am Feuer auf einem niedern Schemel , die Hände wie im Schmerz verschränkt , saß eine Frau , deren hohe Gestalt und deren noch immer Spuren großer Schönheit zeigendes Gesicht offenbar das Leiden mehr gebeugt und gealtert hatte , als die Zahl der Jahre . Ihre großen schwarzen Augen starrten wie abwesend in die Gluth und schwere Tropfen fielen aus ihnen auf die im Schmerz verschränkten Hände . In einem Winkel des Gemachs aus der dürftigen Ruhestätte der Familie lag eine zweite Gestalt , eine alte , von dem Fieber und Rheumatismus der Sümpfe gichtisch zusammengezogene Greisin , in wunderlich bunte Lumpen gehüllt , das lange weiße Haar wirr um das verwelkte Antlitz hängend , aus dem die erloschenen Augen gläsern und theilnahmlos auf die Fremden starrten . Das Mädchen trat zu der Frau am Heerde . » Mutter Zinka , hier ist der blanke Soldat , der mit Dir sprechen will . « Die Frau fuhr empor und betrachtete einige Augenblicke den Offizier , dann sank sie vor ihm auf die Knie und hob flehend die Hände zu ihm auf . » Tödten Sie ihn nicht , o , tödten Sie den Knaben nicht , « bat sie in den gebrochnen Tönen des tiefsten Herzeleids . » Der Unglückliche ist ohnehin schon der Jammer meiner Tage und die Qual meiner Nächte ! was sollte ich thun , wenn ich das Kind meines Jammers noch bleich und todt vor mir sehen müßte ! « » Euer Sohn hat geraubt , und gemordet einen wehrlosen verwundeten Soldaten meines Volkes , Frau , der auch eine jammernde Mutter hat , wie Ihr seid . « Der Offizier sagte es finster und streng ; dann aber fuhr er milder fort : » Es giebt jedoch vielleicht Gnade für den Verbrecher , wenn wahr ist , was mir Eure Tochter gesagt hat . Seid Ihr aus dieser Gegend gebürtig , Frau ? « » Nein , Herr , aber ich kenne hier jeden Fußbreit in Wald und Feld , in Sumpf und Moor . « » Giebt es Wege durch diese Sümpfe , auf welchen man an das Ufer der Donau im Rücken der großen Schanzen gelangen kann ? « » Es laufen der Pfade viele , aber sie alle führen in die Irre und keiner zum Ziel . Einen nur giebt es , aber nur Wenige , die da leben , wissen von ihm und er ist ein Geheimniß , das diese Wenigen Einem , der jetzt todt ist , mit heiligen Eiden auf die Christenbibel , auf den Koran und auf den großen Stern meines Volkes gelobt haben , nimmer zu verrathen . « » Und gehört Ihr zu diesen Wenigen ? « » Ich kenne ihn ! « » Wohl . Ist der Weg der Art , daß nicht blos Menschen , sondern auch Pferde und Gefähr ihn passiren können ? « » Ich habe ihn zwanzig Mal gemacht mit den Reitern Dessen , der dahin ist und der schwerbeladenen Keroutza5 , die Waaren brachte und holte vom Donaustrand . Mein einsamer Fuß betritt ihn oft , wenn ich klage um den Verlorenen . « » So hört . Könnt Ihr uns diesen Weg zeigen und eine Colonne unserer Soldaten mit Geschütz noch in dieser Nacht an das Ufer der Donau in den Rücken der türkischen Stellung führen , so soll Euer Sohn nicht allein frei und jeder Strafe ledig sein , sondern Ihr selbst sollt noch eine Belohnung von zehn Goldstücken erhalten . « » Gold ? - Blankes Gold ? « - Ihre Züge belebten sich in der Spannung der unglückseligen Habgier , die sie einst zum Verrath am Theuersten geführt hatte . » Ich habe lange kein Gold gesehen . Zeige es mir , Fremdling , daß ich sehe , Du täuschest die Zinka nicht . « Der Capitain sah , wie das Mädchen sich mit zornigem Blick von ihrer Erzeugerin abwandte . Ihn selbst widerte diese Gier , die sogar den tiefsten Schmerz überwand , an , doch galt es hier Höheres ; er zog seine Börse und nahm eine Handvoll Goldstücke heraus , die er der Frau zeigte . » Dies wird Euer Lohn sein , wenn Ihr uns den Weg verrathet . « Das Weib schauderte . » Verrathen ! Ihr sprecht das richtige Wort aus . Ein Mal schon hab ' ich seinen Leib verrathen um blankes Gold , nun soll ich wieder verrathen sein Vertrauen und den Eid , den ich ihm geleistet . Verderben über mich , daß ich es that ! « Sie begrub das Gesicht schluchzend in ihre Hände . » Denkt an Euren Sohn , Weib . Dem Todten nützt das Geheimniß nicht und Ihr rettet Euer eigen Kind dadurch vom Galgen . « Sie fuhr empor . » Du hast Recht , Fremdling . Nur den Athmenden gehört die Welt . - Bei Azraël , dem Engel der Nacht , ich will Dir den Weg zeigen . Aber zuvor muß ich sicher sein des Lebens meines Kindes . « » Der Ober-General der Armee selbst wird es Euch zusichern . Ich führe Euch zu ihm . « Die Frau nickte . Dann holte sie aus dem Winkel eine große Decke , die noch mit einzelnen Resten goldener Tressen besetzt war , und schlug sie um Kopf und Schultern . So trat sie zu der Greisin auf dem Lager im Winkel und rüttelte sie auf aus ihrer Lethargie . » Ich verlaß Dich Mutter , für diese Nacht , denn mein eigen Blut ruft mich . « Die Alte richtete sich auf ihrem Stroh empor . » Es sind Männer hier aus anderm Geschlecht als das unsre . Hüte Dich , Tochter ; die Blanken bringen den Kindern des wandernden Vaters Unheil , und Du hast es erfahren . « » Der Blanke bringt uns Gold , Mutter , und Aleko Pelin , den Bojarensohn , der uns beschützt , kennst Du . « » Aleko Pelin ? « fragte die Alte und starrte auf den jungen Mann . » Laß ihn zu mir treten , ehe Du gehst , und den blanken Mann , der Gold brachte in unsre Hütte , mit ihm . Der Geist unseres Stammes liegt auf mir und ich muß die Worte der Zukunft reden . « Ihr Auge belebte sich mit phantastischem Glanz , ihre Lippen murmelten vor sich hin , während der Capitain und sein Begleiter auf den Wink Zinka ' s näher heran traten . » Reiche mir Deine linke Hand , Sohn des Reichen . Die Stunde ist gekommen , wo ich den Schleier heben darf von Deiner Zukunft . Auch Du , blanker Fremdling , gieb die Hand , die von Deinem Herzen kommt , aber versilbre sie auf daß meine alten Augen sich öffnen mögen und die Zunge lehren das Schicksal der Zukunft . « Der Capitain erinnerte sich der Gewohnheit der Zigeuner , daß ein Geschenk ihrer Prophezeihung vorhergehen muß . Er legte eines der Goldstücke auf die Fläche seiner Hand . Die Greisin faßte hastig danach . » Gold , « flüsterte sie , » Gold , blanker Junge ? Möge das Leben Dir so golden sein , wie Du freigebig bist . Aber die Linien Deiner Hand lehren mich , daß Du das wahre Gold nicht aus dem dunklen Schoos zu holen verstehst , wo es Dir gewachsen ist . Daß Die , welcher Dein Herz gehört , Dich allzu sehr liebt , das wird Dein und ihr Unglück sein ! Nur das Ende aller Gefahr ist Deine Gefahr . Hüte Dich vor dem Achten ! « Sie ließ die Hand des über den seltsamen Spruch Betroffenen los und faßte die des jungen Bojaren . » Der Edelmann gehört nicht zur Tochter der Verachteten , der Herr soll nicht sein Blut mit der Sclavin mischen . Wahre Dich vor dem Salz6 , Bojarensohn ; es gab nur einen Tunso , und der ist todt , aber der Verräther giebt es viele ! « Der junge Mann erröthete tief , indem er ihr ein Silberstück in den Schoos warf . » Die Alte ist längst schon wahnwitzig « sagte er ; » lassen Sie uns aufbrechen . « Sie verließen die Hütte , aus welcher der eintönige Gesang des Weibes durch die Nacht ihnen nachscholl . Die Zigeunerin Zinka und ihre Tochter schritten voran auf dem Wege den sie gekommen waren . Der Capitain folgte mit dem jungen Walachen . » Sie sind mir noch den Schluß der Erzählung schuldig , « sagte der Offizier . » Wenn ich auch Vieles errathen konnte , möchte ich doch gern Näheres wissen . Was war das Ende von der Laufbahn des Räubers , den Sie so sehr bewundern ? « » Der Tod durch Verrath . Die Frau , die vor uns durch das Moor schreitet , war Diejenige die Tunso liebte mit aller Kraft seiner Seele . Auch sie liebte ihn , aber der Teufel blendete sie und fand ihre schwache Stelle in ihrer Gier nach Gold . Als Tunso aller Nachstellungen spottete und seine Verfolger mit blutigen Köpfen davon schickte , griff man zum Verrath . Der Aga der Itschoglans7 berückte die Seele Zinka ' s mit Bildern von Glanz und Reichthum , und auf das Versprechen von zehntausend Dukaten verrieth die Zigeunerin den Geliebten ihres Herzens , den Vater ihres Kindes . « » Er wurde ergriffen und gerichtet ? « » Nein , Capitain , dem Henker entging die edle Beute . An der Brücke , die über den Argisch führt , auf der Straße von Bukarest nach Giurgewo , legten sich auf den Wink Zinka ' s die Itschoglans und Slugitori8 in den Hinterhalt . Zur bestimmten Stunde des Abends rasselte die Keroutza mit Tunso und eilf seiner tapfern Gefährten heran . Da sprangen die Häscher hervor und umzingelten die Kühnen . Zehn wurden bei dem Kampf erschossen und in ' s Wasser des Argisch geworfen , die beiden Andern entkamen : es waren Tunso und sein Lieutenant . Aber einer der Slugitori , ein gewandter Läufer , eilte ihnen nach und fand bald die Spur des Hauptmanns . Dieser glaubte , es sei sein Gefährte , und ließ den Verfolger heran kommen , bis dieser nahe genug war , um ihm zwei Kugeln durch den Leib zu schießen . Trotz der tödtlichen Verwundung gelang es Tunso , zu entkommen und einen Makis9 zu erreichen . Vergebens suchten ihn die Slugitori mit Fackeln dort . Aber der Schmerz der Wunden war so groß , daß Tunso erkannte , seine Stunde sei gekommen , und selbst die Häscher herbeirief . Sie brachten ihn auf einer Tragbahre nach Bukarest , wo ihm schneller ärztlicher Beistand wurde . Doch die Wunden waren tödtlich und am dritten Tage starb er . « » Und Zinka ? « » Vor seinem Tode beschied er sie zu sich . Die Verrätherin liebte ihn noch immer und sank wehklagend an seinem Lager nieder , als er sie rufen ließ . Er vergab ihr und starb . « » Aber der Sohn Zinka ' s ? « » Der Aga , um die zehntausend Dukaten zu sparen , ließ sie in seinen Harem bringen . Als er kurz darauf nach Constantinopel zurückkehrte , verstieß er das Opfer seiner Willkür ; der Gefangene ist ihr und sein Sohn . Seitdem sie den Schutz des Moslems nicht mehr genoß , war sie von Allem , was Walache heißt , verachtet und verabscheut . Der ärmste Bauer schloß vor ihr die Thür und ihr eigener Stamm verstieß sie . So flüchtete sie mit ihren Kindern in diese Wildniß und lebt hier seit Jahren in Elend und Verachtung . « » Und Sarscha ? « » Sie ist Tunso ' s echte Tochter , stolz , muthig und entschlossen . Doch das Gesetz ihres Volkes , das von den Kindern unbedingte Hingebung an den Willen der Eltern fordert , ist ihr heilig dabei . Der Bauer öffnet ihr gern seine Hütte , jeder Walache ehrt in ihr die Tochter Tunso ' s. Aber nur der Tapfre , Kühne , Freie wird die Liebe dieser Zigeunerin gewinnen . « » Nehmen Sie sich in Acht , Herr Pelin , « sagte der Capitain warnend , » daß es Ihnen nicht geht wie Tunso . Die Jugend ist leicht verführt und sieht für Freiheit und Tapferkeit an , was im Grunde nur Zügellosigkeit und Verbrechen ist . « Sie waren an die ersten Vorposten gekommen und das Gespräch verstummte , da die Gesellschaft jetzt zusammen ging . Capitain Meyendorf führte sie direkt zum Quartier des Oberbefehlshabers , das im Hause des Gutsherrn aufgeschlagen war , und ließ dringend um sofortiges Gehör bitten . Hier vernahm er , daß auch vom General Anrep eine Meldung angekommen sei . Derselbe war am Morgen des Tages von Tikodeschti abmarschirt , um dem Befehl zur Verstärkung der Colonnen vor Oltenitza Folge zu leisten . Sofort machten die Türken auch hier den Versuch , in seinem Rücken von Silistria aus über die Donau zu gehen . Der General erhielt jedoch zeitig genug Kunde , machte Halt und warf mit seiner Arrieregarde , aus Kosaken und einigen Geschützen bestehend , die Türken über die Donau zurück . Die Audienz des Capitains hatte nur kurze Zeit gedauert , als Zinka , die Zigeunerin , schon in das Zimmer des Oberkommandirenden gerufen wurde . Bald darauf eilten die Ordonnanzen durch den Ort . Kaum eine Stunde nachher marschirte das Ochotzki ' sche Jäger-Regiment unter Oberst Bibikoff mit zwei Sotnien Kosaken und der leichten Batterie Nr. 6 in der Richtung nach den Sümpfen ab . An der Spitze des Zuges , neben dem Pferde des Adjutanten Capitain Meyendorf , schritt , in ihre Decke gehüllt , die hohe Gestalt der Zigeunerin Zinka . Jedes unnöthige Geräusch war bei harter Strafe verboten ; die Posten in der Richtung nach dem Schlachtfelde von Oltenitza waren verdoppelt , um jeden Verkehr nach der türkischen Position zu verhindern . Als am Morgen die feuchten Novembernebel sich verzogen , erblickte der türkische Oberbefehlshaber seine ganze Stellung im Rücken bedroht . Die Batterie , welche die Russen in schnell aufgeworfenen Werken am Donauufer wie durch Zauber errichtet hatten , bestrich nicht allein die türkische Position an den alten Schanzen , sondern auch den Rücken des Quarantainehauses und die Brücke über den Argisch . Seine Verbindung mit der Insel und dem jenseitigen Ufer war auf das Höchste gefährdet , wenn die Russen , worauf die fortwährend zuziehenden Verstärkungen an Mannschaften und Geschützen deuteten , von dieser Seite aus einen Angriff zugleich mit einem Frontalsturm unternahmen . Die Gefahr erschien um so dringender , als die fortwährenden Regengüsse den Strom angeschwellt hatten , so daß die Unterhaltung der Verbindung ohnehin mit jedem Tage schwieriger wurde . Unter diesen Umständen rieth Klapka selbst zum Rückzug und der Muschir mußte sich der Nothwendigkeit fügen . Nach einigen leichten Scharmützeln begannen die Türken am Nachmittag ihren Rückzug , indem sie die eigenen Verschanzungen , das Quarantainehaus und die Brücke in die Luft sprengten und anzündeten . Fürst Gortschakoff beschränkte sich auf die strategischen Operationen und drängte die Gegner nur leicht , da seine Truppen in den furchtbaren Kämpfen der letzten drei Tage schwer gelitten hatten . Am Morgen des 13. hatten die Türken vollständig das linke Donauufer bei Oltenitza wieder geräumt und sich auf Tuturkai zurückgezogen . Der türkische Verlust war namentlich stark unter den Albanesen und Irregulären , doch verhältnißmäßig bei weitem geringer , als der auf Seite der Russen . Man schätzt den letztern an den vier Schlachttagen auf ungefähr 5000 Todte und Verwundete . In den Reihen der Moslems befanden sich bei dem Treffen , außer General Klapka , die Engländer Lord Worsley , Capitain Bathurst und Herbert Wilson und Lieutenant Buckley , der sardinische Genie-Offizier Graf Camieri und General Prim . Fünf Tage darauf hatte die türkische Armee auch Tuturkai geräumt und sich theils auf Schumla zurück , theils stromaufwärts nach Widdin hin gezogen . Auch bei Giurgewo hatte am 12. ein Kampf stattgefunden . Mit Hilfe der eingetroffenen Brücken-Equipagen unternahm General Szoimonoff am Morgen mit acht Feldgeschützen , einem Bataillon Tomsk-Infanterie , einer leichten Batterie und zwei Escadronen Husaren einen heftigen Angriff gegen die auf der Insel Mokan wieder postirten und von dort aus Giurgewo noch immer beunruhigenden Türken , und vertrieb sie gänzlich von der Insel . Unter dem Schutz des Feuers und ihrer schweren Batterieen in Rustschuk auf der rechten Donauseite und des bei der Insel stationirten Dampfers , das den Russen jedoch nur geringen Schaden brachte , flohen die Moslems in die Boote und erreichten das sichernde Ufer . Die Russen stellten nach diesem Rückzug zur Verhinderung weiterer Versuche zwei Lager von je 5000 Mann bei Frateschti nächst Giurgewo und bei Sokaritschi nächst Kalarasch auf , errichteten eine Batterie beim Dorfe Tape , gegenüber der Mokan-Insel , und verstärkten den früheren Posten bei Oltenitza durch 2 Batterieen , 4 Eskadronen Ulanen und 1000 Kosaken , indem sie zugleich auf den den Uebergang beherrschenden Anhöhen bei den Dörfern Dobrény und Newgesti Batterieen aufwarfen . Am 15. machten die Türken einen neuen Versuch , bei der Festung Nikopolis über die Donau zu gehen und sich Turnuls zu bemächtigen , um von der Mündung der Aluta aus , welche die Grenze zwischen der kleinen und großen Walachei bildet , auf Rusweda loszugehen und gemeinschaftlich mit den von Kalafat vorbrechenden Schaaren Szlatina anzugreifen , - wo General Fischbach mit 15,000 Mann postirt stand . General Prim führte mit Tefik-Pascha die aus 2000 Mann bestehende Avantgarde des Corps , wurde aber vom Oberst-Lieutenant Schaposchnikoff vom Kosaken-Regiment ( Nr. 37 ) angegriffen und über die Donau zurückgeschlagen . Somit war das Ufer der großen Walachei wieder vollständig im Besitz der Russen und der Plan des Muschirs , ihre Linie zu durchbrechen vereitelt . Nur bei Kalafat noch standen die Türken diesseits der Donau und verschanzten die von Natur aus feste Stellung . Doch begnügten sich hier beide Theile mit kleinen Streifzügen und Vorpostenscharmützeln , deren fast jeder Tag mit abwechselndem Glück und Erfolg brachte . Fußnoten 1 Walachischer Bauer . 2 Scharfer Brantwein aus Pflaumen . 3 Die Zahl der Zigeuner in der Moldau und Walachei beträgt über 80,000 . Sie ziehen theils frei umher , theils leben sie auf den Gütern der Bojaren als Sclaven und werden auf das Härteste behandelt . In neuester Zeit ( 1856 ) ist von dem Gouvernement in Bukarest ihre Emancipation beschlossen worden und sie sollen - wo man sie nicht freiwillig der Regierung abtritt - aus der Gewalt ihrer Herren freigekauft werden . 4 Geistlicher , Ortspfarrer ; Metropolitan : Bischof . 5 Walachischer offener Wagen . 6 Okna . Aleko Pelin wurde im Januar 1856 vom Divan zu Bukarest als überwiesen , seit drei Jahren das Räuberhandwerk getrieben zu haben , zu zweijähriger Kettenarbeit in den Salzgruben ( Okna ) verurtheilt . 7 Polizeidiener . 8 Landdragoner , walachische Gensd ' armerie . 9 Gebüsch , Dschungl in den walachischen Sümpfen . Im Pontus . I. Gefangen ! Stürmisches - böses - liebliches Meer ! Gefürchtet , seit die Geschichte Deinen Namen kennt ! begehrt , seit Völker an Deinen Ufern wohnen ! Blaue wogende Wellen , die Iphigenie auf ihrer Verbannung durchschiffte , die Orest durcheilte , als er die Schwester suchte . Jason mit der Argonautenschaar holte von euren Küsten das goldene Vließ ; der Perserkönig Darius sandte seine Schiffe auf eurem Rücken gegen die trotzigen Scythen und Thracier ; Philipp der Macedonier durchschiffte euch ! Die Galeeren der Römer trugst du ; an deinen Ufern , o Pontus , lebte Ovid ; Papst Clemens I. fand hier Schutz in seiner Verbannung ; die Römerkaiser sahen deine blauen Wellen ; die Schiffe der gierigen Genueser und Venetianer durchfurchten sie ; nach dem gold ' nen Byzanz sandte Rurik die Söhne ; über deine Fluthen trug der Islam sein Zeichen ! - Katharina ' s Flotten unterjochten sie und das neue Jahrhundert trug seine Donner hinüber nach Varna ' s weißer Feste ! An deinen Borden liegt eine Historie der Welt ! - Dort unten im Süden , wo die rastlos zusammenschließende Pforte der Symplejaden erstarrt ist zum kanonen-gespickten Felsen von Rumili- und Anatoli-Kawak , hielt König Phineas Hof , gepeinigt von den Harpyen , welche die Argonauten verjagten . Jason errichtete seinen Altar der Cybele an des Bosporus Thor , das sich zur Kaiserstadt öffnet : Byzanz , Constantinopel , Istambul , der Weltstadt . An Anatoliens Küste , vom Olymp überragt , das sagenumflossene ritterglänzende Trapezunt , die Heimath des Agripant , dann das Land der Berge und kühnen Helden ihrer Freiheit , das den Elbros durchströmt ; - Tiflis , die Oase von Orient und Occident , und der Ararat , auf den die Arche sank ! Die Wunderufer der Yalta mit dem kaiserlichen Traum Orianda ! Ssewastopol , das neue Epos in der Geschichte der Waffen ; Odessa , das segensreiche , das eine halbe Welt versorgt ; die Mündungen des deutschen Stroms verkümmernd im Sande gleich der deutschen Herrlichkeit ; Varna , das Odessus der Alten , die weiße Moslemsfeste , die das russische Bajonet zwei Mal mit Blut färbte ; die Felsenufer von Burgas , das alte Apollonia und die Bergkette des Hämus . Stürmisches - böses - liebliches Meer , über deine weißen Höhen schwellt das Segel des Kauffahrers , donnert das Geschütz des stolzen Kriegsschiffs , zieht der Dampfer seine ringelnden Kreise ! Aber wehe , wenn der Sturm deine Wellen regt und in kurzen Stößen gegen die Wolken schleudert - wenn die Aequinoctial-Geister deine Tiefen gegen den Himmel wühlen und deine Wässer gegen die starren Felsen schleudern , die kein Mitleid haben mit Menschenwerk und Menschenleben ! Dann bist du furchtbar in deines Zornes Herrlichkeit , gleich dem Zürnen des Allmächtigen , dessen Kind du bist , großer , schöner - stürmischer - lieblicher Pontus , der die Mutter der Völker bindet mit der Herrscherin gewordenen Tochter ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Durch die Wogen des Pontus brauste der » Wladimir , « im langen Strom den dunklen Dampf des Schornsteins hinter sich d ' rein ziehend . Das Meer ging ziemlich unruhig , in jenen , dem Pontus eigenthümlichen und von Schiffern und Reisenden gefürchteten kurzen Stoßwellen , denn am Tage vorher hatte der Novembersturm über die Fläche gefegt . Das Schiff - eine Dampffregatte vom russischen Geschwader des Schwarzen Meeres - kam von der türkischen Küste und hatte vor Varna gekreuzt . Es geschah trotz der Kriegserklärung mehr als ein Mal , daß russische Schiffe sich bis in die Bucht von Varna wagten und unter den Batterieen ihre Beobachtungen vornahmen . Auf dem » Wladimir , « der von Sebastopol1 ausgelaufen , hatte der General-Adjutant , Vice-Admiral Kornilow , selbst die türkische Küste zwischen der Sulina und Burgas recognoscirt und wandte sich nun , da keine feindlichen Schiffe sich blicken ließen , gegen die anatolische Küste , an der die Escadre des Vice-Admirals Nachimow kreuzte . Auf dem Hinterdeck standen und saßen um den Kommandirenden , Capitain-Lieutenant Butakow , die meisten Offiziere des Schiffs Fürst Barjatinski , der Zweitkommandirende , und die Lieutenants Dobrowalski und Iljinski nebst zwei Schiffs-Fähnrichen2 , während die nicht im Dienst befindliche Mannschaft an den Bollwerken in allen Stellungen lungerte oder mit leichten Arbeiten beschäftigt war . Die Wetterseite des großen und Vorderdecks maaß mit langen Schritten der wachthabende Lieutenant Popandopulo , zuweilen am Bugspriet einen der Hühnerkästen ersteigend und hinaus schauend auf die weite Wasserwüste , die im dunkelbezogenen Himmel bleifarben wogte , während sie so süß und blau erglänzt im lieblichen Sonnenstrahl . » Nun , Schelesnow , « fragte der erste Lieutenant einen jungen Offizier , der eben die Treppe des Pavillons heraufstieg , » was meint Seine Excellenz , sollen wir wenden ? « Der Offizier erwiederte die Frage nicht , sondern wandte sich salutirend an den Kommandirenden . » Seine Excellenz lassen bitten , nach dem Fahrzeug abzuhalten , dessen Rauch sich am Horizont zeigt ; es wäre von höchster Wichtigkeit , Nachrichten aus dem Bosporus zu erhalten . « Der Capitain erwiederte den Gruß und wandte sich an den Fürsten . » Wollen Sie die nöthigen Befehle geben , Herr Lieutenant ! « Damit kehrten Alle unbekümmert zu ihren Cigarren und der begonnenen Plauderei zurück . » Steuerbord umlegen ! - Halten Sie auf das Fahrzeug ab , das in Sicht ist . « Die Befehle gingen durch das Schiff und der Lauf desselben wandte sich nach Süden . » Wache dort oben ! welche Richtung steuert der Dampfer in Sicht ? « » West-Nord-West , Euer Wohlgeboren , er kommt auf uns zu . « » Es muß ein Türke sein , « sagte der Capitain bedächtig ; » die Escadre des Admirals kann unmöglich in dieser Gegend sein . Hinauf in den Mastkorb und wohl ausgelugt . « Der Fähnrich , dem er den Befehl ertheilt , eilte , das Fernrohr um den Hals , an der Leiter des großen Mastes empor . » Der Dampfer giebt ein Signal , « lautete nach kurzer Zeit die Meldung . » Flagge auf ! Geben Sie das Privat-Signal , Popandopulo ! « Die weiß-blaue Flagge flatterte lustig im Winde , darunter das Fähnchen , das die Signalfarben zeigte . » Er zieht die Flagge auf , es ist einer der Unsern . « Die Offiziere und Mannschaften wandten sich verdrießlich ab , - für einen Seemann auf blauer Fluth ist der Anblick der feindlichen Farben willkommener , als der eines Freundes . » Können Sie die Nummer des Signals noch nicht erkennen ? Sehen Sie scharf zu , Bitschesko , Sie haben sonst ja gute Augen . « » Sogleich , Capitain . Schorte wos mi ! 3 Das Schiff schwankt wie ein wandernder Kirchthurm . Halt , ich hab ' ihn ! - Nr. 86. « » Es ist die Bessarabia , ich weiß die Nummer