seinesgleichen bin ! Armes Tier , du und ich sind getrennt von unsersgleichen , wir sind beide einsam , und wir teilen dies Gefühl der Einsamkeit ; o wie oft hab ich für dich in den Wald gedacht , wo du lang auslaufen konntest , und nicht ewig in die Runde , wie hier in deinem Verschlag ; dort liefst du doch deines Weges immerzu und konntest mit jedem Schritte hoffen , endlich einen Gefährten zu treffen , hier aber war deines Ziels kein Ende , und doch war alle Hoffnung abgeschnitten . Armes Tier ! Wie schaudert mich dein Geschick , und wie nah verwandt mag es dem meinen sein ! Ich auch lauf in die Runde , da oben seh ich die Sterne schimmern , aber sie halten alle fest , keiner senkt sich herab , und von hier aus ist es so weit bis zu ihnen , und was sich lieben lassen will , das soll mir nah kommen ; aber so war ' s mir in der Wiege gesungen , daß ich mußte einen Stern lieben , und der Stern blieb mir fern ; lange Zeit hab ich nach ihm gestrebt , und meine Sinne waren aufgegangen in diesem Streben , so daß ich nichts sah , nichts hörte und auch nichts dachte als nur meinen Stern , der sich nicht vom Firmament losreißen werde , um sich mir zu neigen . - Mir träumt , der Stern senkt sich tiefer und tiefer , schon kann ich sein Antlitz erkennen , sein Strahlen wird zum Auge , es sieht mich an , und meine Augen spiegeln sich in ihm . Sein Glanz umbreitet mich , von allem auf Erden , soweit ich denken kann , soweit mich meine Sinne tragen , bin ich getrennt durch meinen Stern . * * * Nichts hab ich zu verlieren , nichts hab ich zu gewinnen , zwischen mir und jedem Gewinn schwebst Du , der , göttlich strahlend im Geist , alles Glück überbietet ; zwischen mir und jedem Verlust bist Du , der sich mir menschlich herabneigt . Ich verstehe nur das Eine , an Deinem Busen die Zeit zu verträumen ; - ich verstehe nicht Deiner Schwingen Bewegung , die Dich in den Äther tragen , droben in schwindelnder Höhe über mir , im ewigen Blau Dich schwebend erhalten . * * * Mich und die Welt umkleidet Dein Glanz , Dein Licht ist Traumlicht der höheren Welt , wir atmen ihre Luft , wir erwachen im Duft der Erinnerung ; ja sie duftet uns , sie hebt uns und trägt unser schwankendes Los auf ihren spiegelnden Fluten der Götter allumfassenden Armen entgegen . Du aber hast ' s mir in der Wiege gesungen , daß ich Deinem Gesang , der in Träumen mich wiegt über das Los meiner Tage , träumend auch lausche bis ans End meiner Tage . * * * Einmal schon , im Kloster , hatten mich die Geister bewogen , mich ihnen zu gesellen , in den hellen Mondnächten lockten sie mich ; ich durchwanderte wunderliche dunkle Gänge , in denen ich die Wasser rauschen hörte , ich folgte beklemmt , bis zum Springbrunnen kam ich ; der Mond schien in sein bewegtes Wasser und gewandete die Geister , die auf seinem wogenden Spiegel sich mir zeigten , in Silberglanz ; - sie kamen , sie bedeuteten mein fragendes Herz und verschwanden wieder , es kamen andere , sie legten Geheimnisse auf meine Zunge , berührten alle Lebenskeime in meiner Brust , bezeichneten mich mit ihrem Siegel , sie verhüllten meinen Willen , meine Neigungen und die Kraft , die von ihnen auf mich ausgegangen war . Wie war das ? - Wie berieten sie mich ? - Durch welche Sprache gab sich ihre Lehre kund ? - Und wie soll ich Dir darlegen , daß es so war ? - Und was sie mir lehrten ? - Die Mondnacht deckte mich im süßen , tiefen Kindesschlaf , dann trat sie aus sich selbst hervor und berührte mich an meinen Augen , daß sie ihrem Licht erwachten , und senkte sich mit magnetischer Gewalt in meine Brust , daß ich alle Furcht bezwang , auf Wegen , die nicht geheuer waren , forteilte in tiefer , regungsloser Nacht , bis ich zum Springbrunnen kam zwischen Blumenbeeten , wo jede Blume , jedes Kraut in täuschender Dämmerung ein Traumgesicht ausdrückte , wo sie buhlten und stritten mit der Phantasie . Dort stand ich und sah , wie der von den Lüften bewegte Wasserstrahl hinüber und herüber schwankte , und wie die Mondstrahlen das bewegte Wasser durchwebten , und wie der Blitz mit zingelnder Eile silberne Hieroglyphen in die wogenden Kreise schrieb ; da kniete ich in den feuchten Sand und beugte mich über dies schwindelnde Lichtweben und lauschte mit allen Sinnen , und mein Herz hielt still , und ich nahm es an , als ob mir diese schwindenden Strahlenzüge etwas hinschrieben , und mein Herz war freudig , als ob ich sie verstanden hätte , daß ihr Inhalt mir Glück andeute ; ich ging zurück durch die langen , dunklen , labyrinthischen Gänge , vorüber an Bildern von wunderlichen Heiligen in gelassener Ruhe , bis zu meinem Bettchen , das im Erker am Fenster eingeklemmt war , da öffnete ich leise das Fenster dem Mondlicht und ließ es meine Brust anstrahlen ; - ja , mich umarmte in jenen glücklichen , glückbringenden Momenten ein freudegeistiges Gefühl , groß , allumfassend ; es umarmte von außen mein Herz , mein Herz fühlte sich umfaßt von einer liebenden Gewalt , der es sich anschmiegte im Schlummer , der von dieser Gewalt aus über mich kam . Wie soll ich diese Gewalt nennen ? - Lebensgeist ? - Ich weiß es nicht , - ich weiß nicht , was ich erfahren hatte , aber ein Begegnis war es mir , ein wichtiges Ereignis , und ich war im Herzen als wie der Keim , der aus erster Verhüllung ans Licht hervorbricht ; ich saugte Licht mit dem Geist und sah mit diesem , was ich vorher mit leiblichem Auge nicht gesehen haben würde , alles was die Natur mir spielend darbot , gab mir eine Erinnerung an ein Verborgenes in mir , die Farben und Formen der Pflanzenwelt sah ich mit tiefem , genießendem , verzehrendem Blick , durch den die Nahrung in meinen Geist übergehe . Ach , wir wollen schweigen , wir wollen leisen Nebelflor über dies Geheimnis ziehen , durch den uns sein Inhalt ahnungsweise durchschimmert , ja wir wollen schweigen , Freund ! Wir können ' s ja doch nicht in Worten enthüllen . Aber pflanzt doch der irdische Mensch und säet in den Busen der Erde , die vorher unbefruchtet war , daß ihre nährenden Kräfte eindringen in die Frucht ihrer Erzeugnisse . Hätte sie Bewußtsein ihres sinnlichen Gefühls , dann würde dies Gefühl zu Geist in ihr werden ; - so vergleiche ich den Menschengeist mit ihr , ein vom himmlischen Geistesäther umschwebtes Eiland ; es wird aufgelockert und urbar gemacht , und göttlicher Same wird seinen sinnlichen Kräften vertraut , und diese Kräfte regen sich und sprießen in ein höheres Leben , das dem Licht angehört , welches Geist ist ; und die Frucht , die dieser göttliche Same trägt , ist die Erkenntnis , die wir genießen , damit unsere der Seligkeit zuwachsenden Kräfte gedeihen . Wie soll ich ' s noch darlegen , daß dieses leise Schauern und Spielen der Lüfte , des Wassers , des Mondlichts mir wirklich Berührung mit der Geisterwelt war ? - Wie Gott die Schöpfung dachte , da ward der einzige Gedanke : » Es werde « , ein Baum , der alle Welten trägt und sie reift . So ist auch dieser Hauch , dies Gelispel der Natur in nächtlicher Stille ein leiser Geisterhauch , der den Geist weckt und ihn besäet mit allen Gedanken , die ewig währen . Ich sah ein Inneres in mir , ein Höheres , dem ich mich unterworfen fühlte , dem ich alles opfern sollte , und wo ich ' s nicht tat , da fühlte ich mich aus der Bahn der Erkenntnis herausgeworfen , und noch heute muß ich diese Macht anerkennen , sie spricht allen selbstischen Genuß ab , sie trennt von den Ansprüchen an das allgemeine Leben und hebt über diese hinweg . Es ist sonderbar , daß das , was wir für uns selbst fordern , gewöhnlich auch das ist , was uns unserer Freiheit beraubt ; wir wollen gebunden sein mit Banden , die uns süß deuchten und unserer Schwachheit eine Stütze , eine Versicherung sind ; wir wollen getragen sein , gehoben durch Anerkenntnis , durch Ruhm , und ahnen nicht , daß wir dieser Forderung das Ruhmwürdige und die Nahrung des Höheren aufopfern ; wir wollen geliebt sein , wo wir Anregung zur Liebe haben , und erkennen ' s nicht , daß wir den liebenden Genius darum in uns verdrängen . Wo bleibt die Freiheit , wenn die Seele Bedürfnisse hat und sie befriedigt wissen will durch äußere Vermittlung ? - Was ist die Forderung , die wir außer uns machen , anders , als der Beweis eines Mangels in uns ? Und was bewirkt ihre Befriedigung , als nur die Beförderung dieser Schwäche , die Gebundenheit unserer Freiheit in dieser ? Der Genius will , daß die Seele lieber entbehre , als daß sie von der Befriedigung eines Triebes , einer Neigung , eines Bedürfnisses abhänge . Wir alle sollen Könige sein ; und je widerspenstiger , je herrischer der Knecht in uns , je herrlicher wird sich die Herrscherwürde entfalten , je kühner und gewaltiger der Geist , der überwindet . Der Genius , der selbst die Flügel regt , sich in den blauen Äther erhebt und Lichtstrahlen aussendet , der Macht hat , die Seligkeit durch eigne Kräfte zu erzeugen ; wie schön , wenn der sich vor Dir beugt und Dich lieben will , der nicht um Liebe klagt , nicht sie fordert , sondern sie gibt . - Ja , schön und herrlich : übergehen ineinander , in den Lichtsphären des Geistes , in aller Glorie der Freiheit aus eignem , kräftigem Willen . Die Erde liegt im Äther wie im Ei , das Irdische liegt im Himmlischen wie im Mutterschoß , die Liebe ist der Mutterschoß des Geistes . Es gibt keine Weisheit , keine Erkenntnis des Wahren , die mehr will , als die Liebe zu ihr . Jede Wahrheit buhlt um die Gunst des Menschengeistes . Gerechtigkeit gegen alle beurkundet die wahre Liebe zu dem einen . Je allseitiger , je individueller . Nur der Geist kann von Sünden freimachen . Willst Du allein sein mit dem Geliebten , so sei allein mit Dir . Willst Du den Geliebten erwerben , so suche Dich zu finden , zu erwerben in ihm . Du erwirbst , Du hast Dich selbst - wo Du liebst ; wo Du nicht liebst , entbehrst Du Dich . Bist Du allein mit Dir , so bist Du mit dem Genius . Du liebst in dem Geliebten nur den eignen Genius . Gott lieben , ist Gott genießen ; wenn Du das Göttliche anbetest , so gibst Du Deinem Genius ein Gastmahl . Sei immer mit Deinem Genius , so bist Du auf dem graden Weg zum Himmel . Eine Kunst erwerben , heißt dem Genius einen sinnlichen Leib geben . Eine Kunst erworben haben , bedeutet dem Geist nicht mehr Verdienst , als dem Vater eines bedeutenden Kindes . - Die Seele war da , und der Geist hat sie in die sichtbare , fühlbare Welt geboren . Wenn Du einen Gedanken hast , der Dich belehrt , so fühlst Du wohl , es ist Dein liebender Genius , der Dir schmeichelt , der Dir liebkost . Er will Dich bewegen zur Leidenschaft für ihn . Und alle Wahrheit ist Eingebung , und alle Eingebung ist Liebkosung , ist Inbrunst von Deinem Genius zu Dir , er will Dich bewegen , in ihn überzugehen . Liebst Du , so nimmt Dein Genius eine sinnliche Gestalt an . Gott ist Mensch geworden in dem Geliebten ; in welcher Gestalt Du auch liebst - es ist das Ideal Deiner eignen höheren Natur , was Du im Geliebten berührst . Die wahre Liebe ist keiner Untreue fähig , sie sucht den Geliebten , den Genius , wie den Proteus unter jeglicher Verwandlung . Geist ist göttlicher Kunststoff , in der sinnlichen Natur liegt er als unberührtes Material . Das himmlische Leben aber ist , wenn Gott ihn als Kunststoff benützt , um seinen Geist in ihm zu erzeugen . Drum ist das ganze himmlische Leben nur Geist , - und jeder Irrtum ist Verlust des Himmlischen . Darum ist jede Wahrheit eine Knospe , die durch die himmlischen Elemente blühen und Früchte tragen wird . Darum sollen wir die Wahrheit in uns aufnehmen , wie die Erde den Samen ; als Mittel , durch welches unsere sinnlichen Kräfte in ein höheres Element hinüberblühen . Indem Du denkst , sei immer liebend gegen Deinen Genius , so wird Dir die Fülle des Geistes nie ausgehen . Die echte Liebe empfindet den Geist auch im Leib , in der sinnlichen Schönheit . Schönheit ist Geist , der einen sinnlichen Leib hat . Aller Geist geht aus Selbstbeherrschung hervor . Selbstbeherrschung ist , wenn Deinem Genius die Macht über Deinen Geist gegeben ist , die der Liebende dem Geliebten über sich einräumt . Mancher will sich selbst beherrschen , daran scheitert jeder Witz , jede List , jede Ausdauer ; er muß sich selbst beherrschen lassen durch seinen Genius , durch seine idealische Natur . Du kannst den Geist nicht erzeugen . Du kannst ihn nur empfangen . Du berührst Dich mit dem Geliebten in allem , was Du erhaben über Dich fühlst . Du bist im Geheimnis der Liebe mit ihm , in allem , was Dich begeistert . Nichts soll Dich trennen von diesem göttlichen Selbst , alles , was eine Kluft zwischen Dir und dem Genius bildet , ist Sünde . Nichts ist Sünde , was mit ihm nicht entzweit , jeder Scherz , jeder Mutwill , jede Kühnheit ist durch ihn sanktioniert , er ist die göttliche Freiheit in uns . Wer sich durch die Äußerung dieser göttlichen Freiheit beleidigt fühlt , der lebt nicht in seinem Genius , dessen Weisheit ist nicht Inspiration , sie ist Afterweisheit . Die Erkenntnis des Bösen ist ein Abwenden aus der Umarmung der idealischen Liebe ; die Sünde spiegelt sich nicht im Auge des Geliebten . Du saugst göttliche Freiheit aus dem Blick der Liebe , der Blick des Genius strahlt göttliche Freiheit . - Es gibt ein wildes Naturleben , das durch alle Abgründe schweift , den göttlichen Genius nicht kennt , aber ihn nicht verleugnet ; es gibt ein zahmes , kultiviertes Tugendleben , das ihn von sich ausschließt . Wer die Tugend übt aus eigner Weisheit , der ist ein Sklave seiner kurzsichtigen Bildungsanstalt ; - wer dem Genius vertraut , der atmet göttliche Freiheit , dessen Fähigkeiten sind zerteilt in alle Regionen , und er wird sich überall wiederfinden im göttlichen Element . Ich habe oft mit dem Genius gespielt in der Nacht , statt zu schlafen , und ich war müde , und er weckte mich zu vertraulichen Gesprächen und ließ mich nicht schlafen . So sprach der Dämon heute nacht mit mir , da ich versuchte , Dir deutlich zu machen , in welchen wunderlichen Mitteilungen ich in diesen Kinderjahren begriffen war ; er setzte Gedanken in mir ab , ich erwog sie nicht , ich glaubte an sie , sie waren wohl andrer Art , aber das Eigene hatten sie , wie auch noch jetzt , daß ich sie nicht als Selbstgedachtes , sondern als Mitgeteiltes empfinde . * * * Du bist gut , Du willst nicht , daß ich dies süße Geschwätz mit Dir abbreche , es ist doch allenfalls so schön und so verständlich wie das Blinken der Sterne , was ich Dir hier sage ; und wenn es auch nur wär eine Melodie , die sich durch meinen Geist Luft machte - sie ist äußerst lieblich , diese Melodie , und lehrt Dich träumen . O lerne schöne Träume durch mein Geschwätz , die Dich beflügeln und mit Dir den kühlen Äther durchschiffen . Wie herrlich schreitest Du auf diesen Traumteppichen ! Wie wühlst Du Dich durch die tausendfältigen Schleier der Phantasie und wirst immer klarer und deutlicher , Du selber , der da verdient geliebt zu sein ; da begegnest Du mir und wunderst Dich über mich und gönnst es mir , daß ich zuerst Dich fand . Schlafe ! Senke Deine Wimpern ineinander , lasse Dich umweben so leise wie mit Sommerfäden auf der Wiese . Umweben lasse Dich mit Zauberfäden , die Dich ins Traumland bannen , schlafe ! Und gib vom weichen Pfühle träumend ein halb Gehör . * * * Am Weihnachtmorgen - das waren drei Jahre , eh ich Dich gesehen habe , - gingen wir bei früher Zeit in die Kirche ; es war noch Nacht , eine Laterne leuchtete voran , um durch den Schnee den Fußpfad zu finden , wir kamen an einer verödeten , verfallnen Klosterkirche vorüber , der Wind pfiff durch die zerbrochnen Fenster und klapperte mit den losen Dachziegeln ; » in diesem Gemäuer hausen die Geister « , sagte der Laternenträger , » da ist es unsicher ! « - Am Abend , im Zimmer der Großmutter , wo eine ebenso verödete und verfallene Gesellschaft eine Spielpartie machte , erinnerte ich mich dieser Bemerkung ; ich dachte , wie schauerlich es sein müsse , da allein zu sein , und wie ich um alles in der Welt jetzt nicht dort sein möchte . Kaum hatte ich mir dies überlegt , so war die Frage innerlich , ob ich ' s nicht wagen möchte ? - Ich schüttelte den Gedanken ab , er kam wieder , immer furchtsamer war ich , immer mehr wehrte ich mich gegen diesen unausführbaren Einfall , immer dringender wurde die Aufforderung dazu . Ich wollte ihr entgehen und setzte mich in eine andere Ecke des wohlerleuchteten Zimmers , aber da war ' s grade der offnen Tür eines dunklen Raumes gegenüber , nun spielten und zingelten Winke in der Finsternis , sie webten und schwebten bis an mich heran . Ich wickelte mich in den Fenstervorhang vor diesen Scheinwesen in der dunklen Kammer , ich drückte die Augen zu und träumte in mich hinein , da war ein freundlich Zureden in mir , ich solle an die Klostermauer gehen , wo die Geister spuken . Es war acht Uhr abends , ich überlegte , wie ich ' s wagen solle , in dieser Stunde einen einsamen weiten Weg zu gehen , den ich nicht genau kannte und den ich selbst bei Tag nicht allein machen würde . - Es zog mich immer tiefer in einen vertrauten , abgeschlossenen Kreis ; die Stimmen der Spielenden vernahm ich wie aus weiter Ferne , wie eine fremde Welt , die außer meinem Kreis sich rege . Ich öffnete die Augen und sah die wunderlichen , unauflösbaren Rätselgesichter der Spielenden dort sitzen , vom hellen Kerzenschein beleuchtet ; ich hörte die Ausrufungen des L ' Hombrespiels wie Bannsprüche und Zauberformeln ; diese Menschen mit ihrem wunderlichen Beginnen waren gespensterhaft ; ihre Kleidung , ihre Gebärden unverständlich , grausenerregend ; der Spuk war mir zu nahegekommen - ich schlich mich leise hinaus . Auf der Hoftreppe atmete ich wieder frei ; da lag der reine Schneeteppich zu meinen Füßen und deckte sanft anschwellend alle Unebenheiten ; da breiteten die bereiften Bäume ihre silbernen Zweige unter dem wandelnden Mondlicht aus . Diese Kälte war so warm , so freundlich , hier war nichts unverständlich , nichts zu fürchten , es war , als sei ich den bösen Geistern da drinnen entwischt ; hier draußen sprachen die guten um so vernehmlicher zu mir , ich zauderte keinen Augenblick mehr , ihrem Geheiß zu folgen . Wie es auch werden mag , leise und behend klettere ich über das Hoftor , jenseits werf ich mein Kleid über den Kopf , um mich zu verhüllen , und in flüchtigen Sprüngen setz ich über den Schnee . Manches begegnet mir , dem ich ausbeuge , mit gesteigerter Angst und klopfendem Herzen komme ich an , scheu und furchtsam seh ich mich um , aber ich zaudere nicht , den öden Platz zu betreten ; ich bahne mir einen Weg durch das zusammengefallne , überschneite Gestein bis zur Kirchenmauer , an die ich den Kopf anlehne . Ich lausche , ich höre das Klappern der Ziegeln im Dach , und wie der Wind in dem losen Sparrwerk rasselt ; ich denke : » Ob das die Geister sind ? « - Sie senken sich herab , - ich suche meine Angst zu bekämpfen - sie schweben in geringer Höhe über mir , - die Furcht beschwichtigt sich allmählich ; es war , als ob ich die offne Brust dem Hauch des Freundes biete , den ich kurz vorher noch für meinen Feind gehalten hatte . Wie ich zum erstenmal vor Dir stand - es war im Winter 1807 - da erblaßte ich und zitterte , aber an Deiner Brust , von Deinen Armen umschlossen , kam ich so zu seliger Ruhe , daß mir die Augenlider zufielen und ich einschlief . So ist ' s , wenn wir Nektar trinken , die Sinne sind dieser Kost nicht gewachsen . Da mildert der Schlaf den Sturm der Beseligung und vermittelt und schützt die gebrochnen Kräfte ; könnten wir umfassen , was uns in einem Moment geboten ist , könnten wir sein verklärendes Anschauen ertragen , so wären wir hellsehend ; könnte sich die Macht des Glückes in uns ausbreiten , so wären wir allmächtig ; drum bitte ich Dich , wenn es wahr ist , daß Du mich liebst , begrabe mich in Deinem Denken , decke mir Herz und Geist mit Schlaf , weil sie zu schwach sind , um ihr Glück zu tragen . Ja Glück ! Wer sich mit ihm verständigte , wie mit einem Geist , dem er sich gewachsen fühlte , der müßte durch es seine irdische Natur zur göttlichen verklären . Gestern kam ein Brief von Dir , ich sah das blaue Kuvert auf dem Tisch liegen und erkannte ihn von weitem , ich verbarg ihn im Busen und eilte in mein einsames Zimmer an den Schreibtisch , ich wollte Dir gleich beim ersten Lesen die Fülle der Begeistrung niederschreiben . Da saß ich und faltete die Hände über dem Schatz und mochte ihn nicht vom warmen Herzen herunternehmen . Du weißt , so hab ich mich auch nie aus Deinen Armen losgemacht ; Du warst immer der erste und ließest die Arme sinken und sagtest : » Nun geh ! « - Und ich folgte dem Befehl Deiner Lippen . Hätte ich dem Deiner Augen gefolgt , so wär ich bei Dir geblieben ; denn die sagten : » Komm her ! « Ich schlief also ein über dem Bewachen meines Kleinods im Busen , und da ich erwachte , las ich die zwei Zeilen von Deiner Hand geschrieben : » Ich war auch einmal so närrisch wie Du , und damals war ich besser als jetzt . « O Du ! - Von Dir sagt die öffentliche Stimme , Du seist glücklich , sie preisen Deinen Ruhm , und daß an den Strahlen Deines Geistes Dein Jahrhundert sich zum Äthergeschlecht ausbrüte , zum Fliegen und Schweben über Höhen und den Flug nach Deinen Winken zu richten ; aber doch sagen sie , Dein Glück übersteige noch Deinen Geist . O wahrlich , Du bist Deines Glückes Schmied , der es mit kühnem , kräftigem Schlag eines Helden zurechtschmiedet ; was Dir auch begegne , es muß sich fügen , die Form auszufüllen , die Dein Glück bedarf , der Schmerz , der andre zum Mißmut und zur Klage bewegen würde , der wird ein Stachel für Deine Begeistrung . Was andre niederschlägt , das entfaltet Deinen Flug , der Dich den Bedrängnissen enthebt , wo Du den reinen Äther trinkst und die Empfindung des Elends Dich nicht verdirbt . Du nimmst Dein Geschick als Kost nur aus den Händen der Götter und trinkst den bitteren Kelch wie den süßen mit dem Gefühl der Überlegenheit . Du läßt Dich nicht berauschen , wie ich mich berauschen lasse auf dem Weg , der zu Dir führt . Du würdest nicht , wie ich , der Verzweiflung hingegeben sein , wenn ein Abgrund Dich von Deinem Glück trennte . Und so hat Unglück nichts mit Dir zu schaffen . Du weißt es zu schaffen , Dein Glück , in jedem kleinen Ereignis , wie die allselige Natur auch der geringsten Blume eine Blütezeit gewährt , in der sie duftet und die Sonne ihr in den Kelch scheint . Du gibst jedem Stoff , jedem Moment alles , was sich von Seligkeit in ihn bilden läßt , und so hast Du mir gegeben , da ich doch zu Deinen Füßen hingegeben bin ; und so hab auch ich einen Moment Deines Glückes erfüllt . Was will ich mehr ! Da in ihm eine Aufgabe liegt bis zum letzten Atemzug . * * * Ich vergleiche Dich mit Recht jener freundlichen , kalten Winternacht , in der sich die Geister meiner bemächtigten , in Dir leuchtet mir nicht die Sonne , in Dir funkeln mir tausend Sterne , und alles Kleinliche , was der Tag beleuchtet , schmilzt mir unberührt in seinen vieleckigen Widerwärtigkeiten in erhabenen Massen zusammen . Du bist kalt und freundlich und klar und ruhig wie die helle Winternacht ; Deine Anziehungskraft liegt in der idealischen Reinheit , mit der Du die hingebende Liebe aufnimmst und aussprichst . Du bist wie der Reif jener Winternacht , der die Bäume und Sträucher mit allen kleinen Zweigen , Sprossen und Knospen zukünftiger Blüte mit weicher Silberdecke umkleidet . Wie jene Nacht , wechselnd mit Mond- und Sternenlicht , so beleuchtest Du Dein Begreifen und Belehren in tausend sich durchkreuzenden Lichtern und deckst mit milder Dämmerung und verschmilzst im Schatten ; die aufgeregten Gefühle übergießest Du mit idealischen Formen , jede Stimmung wird durch Dein liebendes Verstehen individueller und reizender , und durch Dein sanftes Beschwichtigen wird die heftige Leidenschaft zum Genie . * * * Von jenen abenteuerlichen Geister-Nachtwegen kam ich mit durchnäßten Kleidern zurück , vom geschmolzenen Schnee ; man glaubte , ich sei im Garten gewesen . Über Nacht vergaß ich alles , erst am andern Abend um dieselbe Stunde fiel mir ' s wieder ein und die Angst , die ich ausgestanden hatte ; ich begriff nicht , wie ich hatte wagen können , diesen öden Weg in der Nacht allein zu gehen und auf dem wüsten , schaurigen Platz zu verweilen ; ich stand an die Hoftüre gelehnt , heute war ' s nicht so milde und still wie gestern , die Winde hoben sich und brausten dahin , sie seufzten auf zu meinen Füßen und eilten nach jener Seite , die schwankenden Pappeln im Garten beugten sich und warfen die Schneelast ab , die Wolken trieben mit ungeheurer Eile , was festgewurzelt war , schwankte hinüber , was sich ablösen konnte , das nahmen die jagenden Winde unaufhaltsam mit sich . - In einem Nu war auch ich über die Hoftür und im flüchtigen Lauf atemlos bis an die Kirche gekommen , und nun war ich so froh , daß ich da war ; ich lehnte mich an das Gemäuer , bis der Atem beschwichtigt war , es war , als ob Leib und Seele in dieser Verborgenheit geläutert würden , ich fühlte die Liebkosungen von meinem Genius in der Brust , ich fühlte sie als echte Mitteilungen im Geist . Alles ist göttliche Mitteilung , was wir erfahren , alles Erkennen ist Aufnehmen des Göttlichen , es kommt nur auf die zweifellose unschuldige Empfängnis unseres Geistes an , daß wir auch den Gott in uns empfinden . Wie ich zum erstenmal vor Dir stand und mich Dein Blick wie ein Zauberstab berührte , da verwandeltest Du allen Willen in Unterwerfung , es kam mir nicht in den Sinn , etwas anders zu verlangen , als in dieser Lichtatmosphäre in die mich Deine Gegenwart aufnahm , zu verweilen , sie war mein Element ; ich bin oft aus ihm verdrängt worden , immer durch eigene Schuld . Die ganze Aufgabe des Lebens ist ja das Beharren in ihm , und die Sünde ist das , was uns daraus verdrängt . * * * So erlangen wir Seligkeit , wenn wir auf dem Weg uns zu erhalten wissen , auf dem wir sie ahnen . Nie hatte ich eine bestimmtere Überzeugung von ihr , als wenn ich glaubte , von Dir geliebt zu sein . Und was ist sie denn , diese Seligkeit ? - Du bist fern , wenn Du Dich der Geliebten erinnerst , so schmilzt Deine Seele in diese Erinnerung ein und berührt so liebend die Geliebte , wie die Sonnenstrahlen wärmend den Fluß berühren ; wie die leisen Frühlingslüfte , die den Duft und den Blütenstaub zu dem Fluß tragen , der diese schönen Geschenke des Frühlings mit seinen Wellen vermischt . Wenn alles Wirken in der Natur sich geistig in sich selbst fühlt , so empfindet der Fluß diese liebkosenden Berührungen als ein innerlichstes Wesentlichstes . - Warum sollte ich dies bezweifeln ? - Warum empfinden wir die Entzückungen des Frühlings , als nur weil er den Rhythmus angibt , mit dem der Geist sich aufzuschwingen vermag ? - Also , wenn Du meiner gedenkst , so gibst Du den Rhythmus an , mit dem meine Begeistrung sich zu