und einen Topf mit heißem Wasser brudeln ließ , da kam ihr Töchterlein traurig zur Küche , und sprach : Ach Mutter mein ! Vor der Thüre sitzt das Brüderlein und sieht aus wie der Schnee , und ißt nicht seinen Apfel und antwortet nicht , ob ich ihn gleich gebeten ; mir von dem Apfel zu geben . - Ei , sagt die Mutter , wenn der böse Bube nicht reden will , so ziehe ihn an den Ohren . Lenchen ging hin , und that wie ihr die Mutter geheißen , und da lag der Bruder todt zur Erde . Da hat nun das arme Mägdlein geschrien und geweint , und die Mutter hat gesprochen : Ach , Lene , Lene , was hast Du gethan . Komm , daß wir ' s dem Vater verbergen ! Und sie hackte den Jungen in Stücken , und steckte diese in den Topf mit Wasser und kochte sie zum Imbiß ; Lenchen stand aber dabei , und weinte , und weinte , daß alle Thränen in den Topf fielen , und das Gericht brauchte weiter kein Salz . « - » Aber , Fräulein ! « sprach hier Frau Else : » welch schreckliche Mähr erzählt Ihr uns da ? Gott vergebe der bösen Stiefmutter ! « » Und es ist doch nur ' ne Stiefmutter ; « entgegnete Petronella mit häßlichem Lächeln , » und manche wahre und echte Mutter hat also gethan an ihrem Kinde « - Else schlug ein Kreuz ; Veit wollte sich todt lachen über die Schnurren , die seine Base auftischte ; Wallrade war jedoch ganz still , und sah ernst vor sich . Die Leuenbergerin nahm dafür den Faden wieder auf , und erzählte : » Wie nun der Vater kam aus dem Wald , und warf die Art weg und setzte sich zum Tisch , so fragte er : Wo ist denn der Bube ? - Zuerst antwortete die Mutter nicht , und trug das Essen auf ; du jedoch Lenchen die Zähren nicht verbergen konnte , so fragte der Vater wieder : Weib , wo ist denn der Bube , mein Sohn ? - Über Land ist er gegangen , antwortete ihm die Frau hierauf , als ob sie kein Wasser getrübt hätte : er will beim Großohm verweilen sechs Wochen lang und ich habe ihm ' s nicht versagen mögen . - Ach , was ist doch dem Buben eingefallen ? versetzte hierauf der Vater gar wehmüthig : Wie konnte er doch fortgehen , ohne mir gesagt zu haben : Leb ' wohl Vater , und bleib ' gesund ? - Der gute Mann wurde recht wehmüthig , und wollte nichts genießen ; da er aber den ersten Bissen der Gräßlichen Speise gekostet , wurden ihm Augen und Mund weit , und er aß und aß , und aß ganz allein , und ließ keinem Menschen einen Bissen übrig , und vom ganzen Gerichte nur die Beinlein , die das kleine Lenchen in ein seiden Stück wickelte , verstohlen , daß es die Mutter nicht sah , und damit von dannen ging , unter den Mandelbaum , wo sie des Bruders Überreste niederlegte in ' s grüne Gras , und sie befeuchtete mit blutigen Thränen . Da geschah es aber mit einemmale , daß der Mandelbaum begunnte sich zu bewegen , und der Wipfel nickte freundlich , während dessen die Zweige auseinander rauschten , und wieder zusammenschlugen , wie fröhliche Leute mit ihren Händen zu thun pflegen , und die Wurzeln hüpften hüpften und zuckten , wie die Füße eines tanzlustigen Gesellen . Und dabei ging eine Nebelwolke aus von dem Baume und in der Wolke brannte ein schönes rothes Fetter , und aus dem Feuer flog so ein schöner Vogel heraus , wie er nimmer gesehen wird in deutschen Landen ; der sang lieblich und wohlgemuth und flog in die hohe Luft . Unter dem Mandelbaume war jedoch alles wie zuvor , und das Gras spielte im Winde , die Blätter regten sich leise , aber des Brüderleins Gebeine waren verschwunden , wie das seidne Stück , so daß Lenchen ' s Herz weit wurde , wie das eines Glücklichen , und sie sich nicht anders vorstellen konnte , als daß lieb Brüderlein noch lebe . Worauf sie vergnügt nach Hause ging . Der bunte Vogel setzte sich inzwischen auf eines Goldschmids Haus , und sang vernehmlich : Die Mutter hat mich erschlagen , - Verzehrt hat mich des Vaters Mund , - Mein Schwesterlein thät mich begraben , - Beim Mandelbaum im kühlen Grund ! Kywitt ! kywitt ! welch ein schöner Vogel bin ich ! - Meister Goldschmid saß gerade in der Werkstatt und fertigte eine goldne Kette . Der Gesang des fremden Vogels auf seinem Dach gefiel ihm über die Maßen , und er lief , ob er gleich Schuh ' und Schurzfell in der Eile verlor , auf die Straße , wo die Sonne so hell schien , wie das goldne Geschmeide in seiner Hand . - Ach Vögelein ! rief , der kunstreiche Mann : wie singst Du doch so schön ! Wiederhole die Weise noch einmal . Der Vogel kratzte sich darauf schelmisch am Kopf , und er wiederte : Gibst Du mir die goldne Kette in Deiner Hand , so singe ich noch einmal . Umsonst thu ' ich ' s jedoch nicht . Der Goldschmid reckte ihm hierauf die Kette dar vom reinsten Golde , und der Vogel packte sie in die Kralle , und setzte sich vor dem Goldschmid nieder und sang : Die Mutter hat mich erschlagen , - Verzehrt hat mich des Vaters Mund , - Lieb Schwesterlein thät mich begraben , - Beim Mandelbaum im kühlen Grund ! Kywitt ! kywitt ! welch ein schöner Vogel bin ich ! « - » Traun ! « schaltete hier der Leuenberger ein : » man kann nicht leichter zu goldnen Ketten kommen . « - » Unterbrecht doch die Muhme nicht , « schalt Else dagegen : » Ihr seyd ein unruhiger Zuhörer . Nehmt ein Beispiel an Eurer Nichte , welche da sitzt wie ein fleißig Mägdlein in der Kinderlehre . « Petronella schenkte der aufmerksamen Zuhörerin einen günstigern Blick , denn zuvor , und ließ sich weiter vernehmen : » Der Vogel flog von dannen und setzte sich auf eines Schusters Dach , wo er abermals sein Lied sang , und damit Meister und Frau , Kinder und Gesellen auf die Straße lockte , wo die Sonne nicht heller schien , als die goldne Kette um des Vogels Hals . Und da ihn der Schuster aufgefordert hat , das Stücklein noch einmal zu pfeifen , so gurrte der Vogel , als ob er sich besänne , und fragt : Gibst Du mir die rothen Schuhe , die Du gerade vollendet hast , so will ich singen ; umsonst thu ' ich ' s aber nicht . - Was will ich machen ? versetzt der Meister , und reicht die Schuhe dem Vogel , der sie erpackt , auf des Schusters Schulter fliegt , und das Lied wiederholt , das wir schon wissen . Weit davon stand aber eine Mühle , die ging klipp klapp , klipp klapp vom Morgen bis zur späten Nacht , und zwanzig Müllerknechte standen darin und behaupten einen Stein , und ihre Hämmer klangen : hick , hack , hick hack zwischen durch der Mühle Klipp klapp , klipp klapp . Ein Lindenbaum stand gar lustig vor der Mühle und darauf setzte sich der bunte Vogel mit Kette und Schuhen , und sang sein Lied , daß einer von den Gesellen nach dem andern aufhörte zu hauen , und alle herausgelaufen kamen , und den wunderlichen Vogel anstarrten , der so vernehmlich singen konnte wie ein Mensch , und so bedenklich obendrein . Da sie nun verlangten , er möchte seine Weise wiederholen , so entgegnete der Vogel : Gebt Ihr mir den Mühlenstein , so Ihr behauen habt , so will ich wohl . Umsonst aber thu ich ' s nicht . Die Gesellen pflogen hierauf Raths unter sich , und wurden endlich eins , daß der Stein dem Vogel gehören sollte . Da sie nun mit Hebeln und Stoßbäumen ansetzten , um den schweren Stein zu erheben , so kam der Vogel herbeigeflogen , die Kette in der rechten , die Schuhe in der linken Kralle , steckte sich den Mühlstein an den Hals , wie einen Helmkragen , und da er noch einmal gesungen hatte , so flog er weit , weit weg mit Stein , Kette und Schuhen , nach seines Vaters Hause . « » Dort fliegt Staub auf am Waldrande ! « rief der Leuenberger , mit der Hand nach der Heerstraße deutend : » Es wirbelt lustig durcheinander . Was gilt ' s , unser wackrer Hauswirth kehrt heim ! « - Else warf einen Blick nach der Straße , und erwiederte gelassen ; » Gottlob ! Aber noch sind die Männer fern , und das Fräulein hat alle Muße , ihre schöne Mähr zu endigen , deren Schluß ich mit Neubegier erwarte . « - » Gewiß ! « setzte Wallrade mit einem gezwungnen Lächeln bei , während ihr Auge bald gespannt auf Petronellens Munde haftete , bald scheu den Boden suchte . Die Base , nachdem auch sie den fernen Ankömmlingen einen Blick ihres Auges geschenkt hatte , fuhr lebhafter und mit feierlichem Antlitz fort : » In der Stube des Hauses saßen der Vater , die Mutter , und Lenchen am Tisch , « und der Vater sagte : » Mir wirb so wohl und frei um die Brust , ob ich schon nicht weiß , warum . « Die Frau sagte dagegen : » ' s wunderlich . Mir wird so schwül zu Sinne , als ob ein Wetter über ' m Schlot stände . « - Lenchen aber mußte verstohlen greinen und weinen , so kamen ihr die Thränen in die Augen . Plötzlich fliegt der Vogel herbei , und so wie er sich auf das Dach setzt . - » Ach ! « sagt der Vater : » Mir ist heut sonnenwohl und heiter , als ob ich einen guten alten Freund wiedersehen sollte . « Die Frau sagt dagegen : » ' s ist wunderlich ! mir wird so bang , und die Zähne klappern mir , und es kriecht wie Feuer durch meine Adern , und das Mieder will mit zerspringen vor Gebreste . « Lenchen sagte kein Wort , und weinte , daß die Schürze naß wurde , wie ein Regentuch . Inzwischen war der Vogel auf den Mandelbaum geflattert , und indem er durch die Scheiben stierte , als wäre jeder seiner Blicke eine Stechlanze , sang er : » Die Mutter hat mich erschlagen .... « da hielt die Frau die Ohren zu , und kniff die Augen zusammen , daß sie nicht hören und nicht sehen mochte . Doch vor den Ohren braußte es ihr wie alle Waldströme des Fichtelgebirgs , und vor den Augen zuckte ein Blitz nach dem andern . - » Verzehrt hat mich des Vaters Mund .... « sang der Vogel weiter , und obgleich der Mutter das Lied klang wie Todtenglocken , so war ' s doch dem Vater als ob Engel singen zu goldnen Harfen , und ein süßer Geruch wie Rosmarin und Holderblüthe herabrieselte von dem Wipfel des Baum in die sonnenhelle Stube , » Lieb Schwesterlein thät mich begraben , « tönte des Vogels Stimme weiter , und Lenchen mußte , um sich satt zu weinen , den Kopf auf die Knie legen . Der Vater konnte hingegen nicht mehr im Hause bleiben , und wollte heraus , nach dem seltsamen Vogel zu schauen , was er auch that , ob ihn schon die Frau beim Ärmel zurückhielt und stammelte : » Geh nicht ! Geh nicht ! Es wankt ja das Haus , und steht ' s nicht in Flammen ? « - Da der Vater nun den Vogel beschaute , und sich seines Gefieders freute , wie auch sich wunderte ob der befremdlichen Worte , die er sang : » Beim Mandelbaum , im kühlen Grund , .. kywitt ! kywitt ! welch ein schöner Vogel bin ich ! « so ließ der Sänger die goldne Kette fallen , gerade um des Vaters Hals , daß sie ihm stand , wie der Schmuck eines Ritters oder Marschalls . Als er nun freudig hineinging , und der Frau das Geschmeide wies ; so konnte die Sündige sich kaum aufrecht erhalten , weil der Vogel wieder anhob , wie mit tausend Zinken- und Heroldsstimmen : » Die Mutter hat mich erschlagen ! « - » O mein Herz ! « seufzte die böse Frau : » O läge ich doch tausend Klafter unter dem Boden , daß ich nicht hören müßte , was das Gespenst dort auf dem Baume krächzt . « Der Vogel kam nun an die Weise : » Lieb Schwesterlein thät mich begraben , « und nun mußte auch das Mägdlein hinaus , um den Vogel zu schauen , der ihr die rothen Schuhe herunter warf , auf denen sie fröhlich in die Stube zurücktanzte . Da schmetterte der Vogel fein : » Kywitt ! kywitt ! « wie ein rüstiger Trompeter durch die Luft , und hörte nicht damit auf , daß der falschen Mutter die Haare zu Bergen standen , wie Feuerflammen und wehende Waldbäume . - » Ach ! « schrie sie verzweifelnd : » Geht denn die Welt nicht unter ? Hört denn der Bube nicht auf zu schreien ? Ich muß hinaus zu ihm , ob es mir wohl mein Herzblut kosten wird ! « - Rannte hinaus , und vom Mandelbaum polterte der Buchtstein herab , daß sie elendiglich zerschellt dahin sank , viele Fuß tief in die Erde , aus welcher der Stein nimmer gehoben werden konnte . Der Vater und Lenchen rangen die Hände , da Dampf und Feuer aufging von der Stätte . Als aber der Rauch verzogen , die Flamme erloschen war , da war es unter dem Mandelbaume wie zuvor , das Gras spielte im Winde , die Blätter regten sich leise und der kleine stand , weiß wie Schnee , und roth wie Blut , und lebendig wie ein Hirsch vor dem Vater und dem Schwesterlein , und sprach : » Guten Tag , ihr Lieben , und wohl mir , daß ich wieder bei Euch bin . « Und wie sie sich fröhlich zu Tisch setzen , ist das Mährlein zu Ende . » Blase , Bärenhäuter ! « schrie Veit : dem Wächter in die Ohren , der langsam und faul nach dem Horn griff , da die Reiter schon nahe am Graben waren . - » ' S ist wahrlich mein Alter ! « rief Else unter dem Geschmetter des Horns : » Gott und alle Heiligen seyen gelobt . « - Indem sie jedoch schnell aufstand , bemerkte sie mit Schrecken , daß Wallrade von der Steinbank zur Erde gegleitet war , und ihrer Sinne verlustig geworden , dahin liegend wie eine Leiche . Die Frauen sprangen der Ohnmächtigen bei . Der Junker sah ihnen höhnisch lächelnd über die Achseln . » Seht doch einmal ! « rief er : » Das Fräulein ist ja doch sonst hart wie Stahl und Eisen , und weder Haß noch Liebe erschüttert sie . Wie kommt ' s , daß ein Kindermährlein die Starke umwirft ? Ich laufe , die Zugbrücke herab zu lassen . « - Er überließ die Bewußtlose ihren Pflegerinnen , und eilte hinab an das Thor der Veste , um den Ankommenden den Einritt zu verstatten . Sie kehrten alle wohlbehalten zurück , aber mit verdrüßlichen Gesichtern . Bechtram ritt eines Knechts Mähre , und sein eignes Pferd kam hinkend hinterdrein . » Das war ein Miserereritt ! « rief er dem Leuenberger entgegen : » Gotts Marter ! wer sagt mir denn , was meinem Hengste fehlt ? « Die bockbeinige Mähre hat mich abgeworfen , da ich ihr das Hinken mit den Sporen austreiben wollte , und das hat unserm Zug ein plötzliches Ende gemacht , denn der Satan versuche an dem Tage sein Glück weiter , wo sein Leibpferd ihm abwarf . Das gedeutet Unglück , und vielleicht sogar Hexere . - » Wir hatten der bösen Zeichen viele , « rief der Hornberger dazwischen : » eine alte Vettel war der erste Mensch , der uns begegnete , und der Teufel selbst kann kein größer Unglück herbeiführen . « - Die Übrigen hatten indessen das Pferd umringt , und belugten das Thier von allen Seiten , wie schon im Freien geschehen war , ohne die Ursache seines Gebrestes und seines Kollers entdecken zu können . - » Kreuz und Stern ! « rief Bechtram ungeduldig , und zauste seinen grauen Knebelbart : » Irgend etwas muß doch die Schuld tragen . Wer weiß , ob Deine Base den Gaul nicht verhert hat , Leuenberg . « - Die Übrigen brachen in lautes Gelächter aus . Doring faßte übrigens den Gedanken auf , und versicherte ernsthaft und kopfschüttelnd , es sey hier wohl eher die Wahrscheinlichkeit einer Zauberei da , als nicht . - » Es wäre möglich , daß die Krämer zu Frankfurt Dir den Gaul geknüpft hätten ; « meinte der Reifenberg , und der von Wiede schwor bei allen Wettern , Zauberei stecke dahinter , und weiter nichts . Sie standen mit untergeschlagenen Armen im Kreise um den Gaul , und Bechtram sprach endlich verdrüßlich : » Was verzaubert ist , muß , sich auch entzaubern lassen , wenn man ' s nur verstände . « - » Warum liegt Ihr im Bann ? « wieherte der Hornberger : » Warum nahm Euer Kaplan Reißaus ? Die Schorköpfe kennen Teufelei und Hexenwerk wie ihr Meßbuch , und beten dem Satan die Hörner stumpf . « - » Wenn ' s nur das ist , da kann abgeholfen werden , « meinte Bechtram : » in meinem Verließe steckt ja ein Kuttenknecht , und man könnte ihn ja eine Weile aus dem Käfig lassen , um hier seine Schuldigkeit zu thun . « - » Ja wohl , « pflichtete der Leuenberger bei : » und so Ihr begehrt , verlange ich von Eurer Hausfrau die Schlüssel , und schleppe Euch den hagern Burschen her . « - Bechtram gab nach einigem Bedenken die Einwilligung , und Veit eilte , seinen Auftrag auszurichten , und kehrte bald mit dem Mönch zurück , dessen Gang sich sehr von dem schleichenden Katzentritt seiner Ordensbrüder unterschied . Kraftlosigkeit lag jedoch über sein ganzes Wesen ausgebreitet , und das Gesicht hielt er in der Kaputze verborgen , durch deren Öffnung ein verwirrter Bart sich sehen ließ . » Willkommen , hochwürdiger Herr ; « redete ihn Bechtram spottend an : » Ihr mögt vergeben , daß meines Gewerbes strenge Beschäftigung mir noch nicht die Muße gönnte , einen werthen Gast , wie Ihr seyd , von Angesicht zu Angesicht zu schauen . Ich hoffe indessen , daß Euch und euerm Begleiter die nothwendige Atzung nicht gefehlt haben werde . « » Der arme Schelm ! « schaltete Doring mitleidig ein : » Frau Else hat nur für trocken Brod und klares Wasser gesorgt . « - Bechtram warf ihm einen finstern Blick zu , und entgegnete mit trockner Kälte : » Ein Jeder , Freund , wird in meinem Hause gehalten , wie es seinem Stande geziemt . Mönch und Bauer sind auf die nüchternste Kost angewiesen , und darum hat meine Wirthin ihre Tafel also geordnet . Ich möchte Euch indessen , würdiger Vater , gern zu einem bessern Trunk und leckerem Bissen verhelfen , wenn Ihr mir dieses Pferd hier , das am Hinterfuß verzaubert und gebannt ist , wieder zurecht bringen wolltet durch euern Segen und Beschwörung . « - Der Mönch , der bis daher noch kein Wort gesprochen hatte , sah auf den Gaul und dessen Herrn hernieder wie ein Fürst , und erwiederte ruhig : » Ich verstehe das nicht , Herr , was Ihr begehrt . « - Bechtram war mit der Antwort nicht zufrieden . - » Ausflüchte , « sprach er lächelnd : » Ihr Klosterleute pflegt doch sonst eher mehr zu versprechen als ihr halten könnt , und allzugroße Bescheidenheit ist eure Sache nicht . Hängt sie an den Nagel , und stellt mir das Thier wieder her . Es soll euer Schade nicht seyn . Höher als eines Menschen Leben schätze ich das Roß , und meine Dankbarkeit ist Euch gewiß . « » Ich wiederhole Euch , Herr , « versetzte der Mönch gelassen , » daß ich nichts von Beschwörungen verstehe . « - Bechtram ' s Stirne wurde glutroth , und der Hornberger fuhr auf . - » Bist Du ein Pfaffe , « schrie er , » und kannst nicht einmal ein verhextes Vieh lösen ? Schwänke über Schwanke ! Das Zaubern lernt ihr aus euern Chorbüchern , die keine andre Christenseele versteht . Merkt Ihr nicht , Bechtram , daß der schmutzige Barfüßer Euch nur zum Besten hat ? daß es ihm Freude macht , Euern Renner krumm und lahm zu sehen ? Die Pfaffen sind Eure geschwornen Feinde . Laß diesem hier nur die Peitsche geben , bis er sich bequemt . Kreuz und Dorn ! ich mache nie so viele Umstände mit den braunen Unthieren . « - » Hm , « erwiederte Bechtram : » ich werde doch in sechzig Jahren nicht weniger gelernt haben , als Ihr , mein Herr von Hornberg ? Laßt das Hofmeistern auf gelegnere Zeit , wenn Euch der Bart grau geworden . Ich weiß schon selbst , wie mit Widerspenstigen , umzuspringen ist . « - Der Hornberger wurde empfindlich über die öffentliche Zurechtweisung . » Bei allen Gewittern ! « rief er : » Nicht so hitzig und beißig , Meister Bechtram . Daß ein grauer Bart nicht vor Thorheit schützt , beweißt Ihr gerade jetzo , da Ihr einen erprobten Freund wegen eines Pferds und eines Tagediebs beleidigt . « - » Schweig ! Gelbschnabel , « erwiederte Bechtram mit zorniger Geberde , indem er an die Hüfte schlug , wo das breite Schwert hing . - Friede ! Friede ! riefen jedoch die Andern dazwischen . Der Leuenberger nahm es über sich , den Hornberg zu besänftigen , und der ältere Döring machte sich an Bechtram . Die beiden gereizten Männer ergaben sich nicht alsobald in den Willen der Vermittler , und sträubten sich lange gegen eine Versöhnung des so schnell ausgebrochnen Zwists . Endlich hängte sich noch der Reifenberg an den Hornberger , Henne von Wiede an den Burgherrn , und sprachen , so gut es ihre rauhe und der Schmachreden mehr denn der Friedensworte gewohnte Zunge vermochte , kräftig genug zur Sühne . Während nun die eine Partei unter lebhaften Geberden auf der Scheibenbahn des Zwingers auf und ab lief , und die andre , heftige Worte wechselnd , sich an das Gatterthor gezogen hatte , besah der Mönch das arme Roß nach allen Regeln der Kunst , so daß sich die Knechte selbst ob der Unerschrockenheit wunderten , mit welcher ein des Reitens unkundiger Klosterbruder das wilde und ungeduldige Thier zu behandeln wagte . Er war mit seiner Untersuchung zu Ende gekommen , als gerade die friedestiftenden Freunde auch an das Ende ihrer Bemühungen gelangt waren . Des Hornberger ' s Hitze war größtentheils verdampft ; der kältere Bechtram hatte erwogen , daß er des unerschrocknen Kämpen wohl noch ferner bedürfe , und beide boten endlich willig die Hand zur Ruhe und Minne . - » Laßt ' s gut seyn ; « brummte Bechtram , des Junkers Rechte schüttelnd . - » Gott strafe mich , wenn ich ' s Euch gedenke ; « erwiederte der rohe Mensch , dem ältern Kumpan um den Hals fallend : » aber , setzte er hinzu : da sich zwei wackre Edelleute um solches Ungethüm - auf den Mönch zeigend - vermeinigt haben , so muß der Bube uns beiden Genugthuung leisten , und auf der Stelle den Teufel beschwören , der in dem Gaule sitzt , oder es geht ihm nicht gut . « - » Recht , Hornberg ; « bekräftigte Bechtram , der sich mit dem Übergewichte eines hochmüthigen Zwingherrn gegen den Mönch wendete : Mache Dich fertig , Pfäfflein , sonder Widerrede , heile mir das Pferd . Ehe die Abendsonne hinter jene Linde sinkt , muß es geschehen seyn . Mangelt Dir etwas vom geistlichen Staat , so zu diesem Werke nöthig wäre , so soll es Dir gereicht werden . Weihkessel und Wedel , Stola und Meßrock findet sich in meiner Kapelle . » Darum sprich und treibe Deine Schwänke , damit mein Gaul gesunde , und es Dir wohl gehe auf Erden . « » Muß ich denn wiederholen , was ich früher sagte ? « fragte der Mönch achselzuckend , mit etwas verächtlicher Miene , so weit sich sein blasses Gesicht unter der Kaputze erkennen ließ . - Bechtram stampfte wild mit dem Fuße . » Hagel , Sturm , Pest und rother Hahn ! « schrie der vorlaute Hornberg : » Tagdieb ! willst Du wohl gehorchen ? Seit einer Stunde schon gibt Dir ein biedrer Rittersmann die besten Worte , und Du , schmutziger Bettelgänger , treibst Deinen Spott mit ihm ? An ' s Werk , oder ich lähme Dich wie den Gaul hier . « - Er griff nach seinem Lieblingswerkzeug , dem Messer am Gürtel . - » Bist Du denn toll ? « rief ihm der Leuenberger in ' s Ohr , und hielt seinen Arm . Der wilde Junker sträubte sich jedoch ungeberdig , und rief außer sich : » Laß mich , Veit , laß mich ! Ich will die Kniesehne des Faullenzers treffen , so gut als die eines Pferdes ! « - Leuenberg ließ indessen nicht ab , und die Übrigen standen ihm bei . Der Mönch kehrte sich gelassen zu Bechtram , und sprach : » Ich weiß wohl , daß der gute ungestüme Junkherr Wort halten würde . Einen Menschen zu verstümmeln wie ein Thier fällt ihm nicht schwer . Demungeachtet kann ich Euerm Wunsche durch eine Beschwörung nicht genügen , wohl aber durch leichtere Hülfsmittel . Das Roß ist nicht behext , und wenn es der Hufschmidt Sr. kaiserlichen Majestät behaupten wollte . In seinem Hufe sitzt die ganze Zauberei , und diese Krankheit nennt man die Steingalle . Gefällt es Euch , so will ich noch diese Nacht ein wundätzend Wasser bereiten , und morgen das Pferd damit von Grund aus heilen . Mit Zauberei gebe ich mich aber nicht ab . « - Die Edelleute standen ungläubig und stumm bei diesen Worten . Als aber der Mönch mit gewandter Faust des Pferdes Huf aufhob , und ihnen Allen den kleinen braunrothen Fleck darinnen zeigte , den ihr ungeübter Blick übersehen hatte , und sie sich überzeugten , daß bei der Berührung dieses verletzten Fleckchens das Thier zusammenschauerte , und mit aller Macht zu hauen und zu beißen verlangte , da kam ihnen doch nach und nach zu Sinne , daß der verachtete Klostermann wohl Recht haben könnte , und eine gewisse Art von Bewunderung trat an die Stelle des pöbelhaften Hohns . - » Ei , hochwürdiger Herr , « sprach Bechtram so verbindlich als es ihm möglich war : » Ihr verrathet einen Mann , der nicht in die braune Haut gehört , die Ihr auf dem Rücken tragt . Solch adlich Reitergewerbe zu verstehen , wie Ihrs versteht , was sich aus Euren Handgriffen und zuversichtlichen gerechten Worten ermessen läßt , - das lernt man sonst in Euern Klöstern nicht , worin der Bettelesel das einzige Thier ist , das von Ferne eine Ähnlichkeit mit dem edlen Rosse hat . Sagt , womit ich Euch erfreuen kann ; nur die Freiheit muß ich Euch für jetzo versagen , da mir es eine andre Pflicht gebietet . « - » Ich weiß zwar nicht , welche Pflicht Euch gebieten kann , « - versetzte der Mönch , - » die Gewaltthätigkeit fortzusetzen , die jener junge unbesonnene Mann an mir und meinem armen Fuhrmann verübt hat . Allein eben in die Gewalt muß man sich fügen , so man nicht der Stärkre ist . Heile ich Euch jedoch den Hengst , und findet Ihr morgen , daß ich nicht zu viel versprochen , so erleichtert in etwas das Schicksal des armen Bauers , der mit mir in Euerm Thurme schmachtet . Bedenkt , daß er ein Weib daheim hat , und fünf Kinder , die nicht ahnen , wohin ihr Ernährer gerathen ist , und die vielleicht vergehen in Noth und Jammer , wie Er dahin schwindet in Heimweh und verzehrendem Gram . Behandelt ihn nicht schlechter als Euere Rüden , die denn doch dann und wann eine bessere Atzung erhalten , als verdorbnes Haferbrod und schlammiges Wasser . Mit einem Worte : haltet den Unschuldigen wie einen Menschen ; dann habt Ihr mir reichlich den geringen Dienst vergolten , welchen ich Euch leisten will . « - Bechtram schwieg etwas beschämt . Die edeln Herren sahen sich der Reihe nach verwundert an . - » Ein wunderlicher Heiliger ! « lachte der Hornberger , der sich aus seiner Wuth wieder zum Scherz gefunden hatte : » Wenn Ihr ihn auf der Fahrt hieher gesehen hättet , ... geschworen hättet Ihr , der Mensch sey stumm . Auch kein Wörtlein hat er verschwendet , so tapfer Leuenberger ' s Base ihn in ' s Gebet nahm . Ohren und Augen in die Kutte gehüllt , saß er da , wie ein Bild von Holz , und ich schwörs , er hat auch