aufgestreiften Hemdsärmeln , der in das Zimmer trat . » Herr « , sagte er zu Anton , » das Bad ist fertig , wie mir die Frau befohlen . « » Wer hat ' s befohlen ? « fragte Anton . » Mutter hat ' s befohlen « , sagte Georg . Es ist der Zuckerkasten des Wolfs , worin ich mich noch einen Tag pflegen soll , bis ich fett bin , dachte Anton für sich , was aber geschehen mag , das Bad ist darum nicht zu verschmähen , mag ich auch das Weib verschmähen , mein Haar ist mir fast zu krausig , es liegt mir auch noch genug alt Pflaster von den Wunden auf der Haut . So folgte er ziemlich heiter dem Bademeister , der ihm in einem engen Zimmerchen den Bart und das Haupthaar abschnitt , ein feines Badehemde anlegte und ihn dann durch einen langen Gang in das große Stadtbad führte , das hochgewölbt , herrlich mit Blumen verziert , von hellfarbigen Lampen dämmernd erhellt , die vornehme Jugend der Stadt in abwechselnden Kreisen umspannte in einem Teich . Rings umher lief ein Gang für die Zuschauer , welche mit Blumenkränzen , die sie herabwarfen , die schönsten Mädchen begrüßten und dafür von ihnen mit Gesang belohnt wurden , sich auch häufig eingefunden hatten , unter denen auch der Ratsherr mit seiner Gesellschaft und Doktor Faust zu bemerken waren . Ein schönes Mädchen , nach deren Saitenschall sich erst mehrere andere im Wasser tanzend umgedreht hatten , wandte sich jetzt zu den Zuschauern ; ihr Badekleid hatte sich etwas erhoben und schwamm auf dem Wasser , daß sie in einer Muschel zu schweben schien , sie bat scherzend um eine Gabe bei den Zuschauern und im Augenblicke war sie mit herabgeworfenen Blumenkränzen wie eine Wiese im Frühlinge bedeckt , sie dankte artig und warf dann die Blumenkränze auch den übrigen Frauen zu , dann aber sang sie zu einer Reihe Frauen , die dieses Bad besuchten , um sich des himmlischen Segens der Kinder zu erfreuen , und die in einem Kreise unter frischem Weinlaube saßen , das seinen grünen Schein dem Wasser mitteilte : In den laulich blauen Wellen Schwimmt die Hoffnung unsichtbar , Jedem mag sie sich gesellen , Und umschließt die ganze Schar , Doch die Kränze , die da fallen , Und die Lieder , die da schallen - Wer sie auch gespendet hat - Nicht bezahlen sie das Bad . Nur die gute Hoffnung lohnet Reichlich aller Herzen Gunst Und die Hoffnung gerne wohnet In der Bäder warmem Dunst . Gar verschieden sind die Gaben Guter Hoffnung unsichtbar , Jede möcht ihr Abbild haben Und sie stellt sich keiner dar . Jede muß die Freunde denken Als die Hoffnung unsichtbar , Eilt nach Haus mit den Geschenken , Kehrt zurück im nächsten Jahr . Anton stand bei diesem Anblick wie versteinert in einem Winkel ; alles , was er aus heidnischen Dichtern in der Schule von Meernymphen und Bacchanten gelesen hatte , das alles kehrte ihm in diesem reizenden Bade versinnlicht wieder , es war ihm ein Anklang frohen Lebens , den sein Ohr nie vernommen hatte , Unglück , was ihn bedrohte , war aus seinen Gedanken gewichen , als ihm eine mit Luft gefüllte und mit Schellen besetzte Blase plötzlich mit hellem Geklingel auf den Kopf fiel . Es war ein neues Spiel , das auch ihn mit fortriß ; die Mädchen hatten eine besondere Geschicklichkeit im Auffangen dieser schelmischen Bälle , ihm ward so leicht in dem Bemühen danach , daß er sich einer der Mitgötter wähnte , als er plötzlich im Durchschreiten des Wassers auf die Wirtin zukam , die jetzt sich unter die Badenden gemischt hatte . Sie konnte ihm aber seine Lust nicht verderben , vielmehr nahm er den Rosenbusch , den er in seinen Händen trug , und schlug damit lachend auf die Entblößte ; seinem Beispiele folgten die andern im Scherze , und die Frau , welche das immer noch für eine Ehre anzunehmen geneigt war , mußte sich doch endlich zurückziehen , weil nach den entblätterten Rosen sehr scharfe Dornen blieben , die ihre Leidenschaft anspornten . Sie war nicht lange fort , so wurde Anton von dem Bademeister herausgerufen ; alle seine neuen Bekannten grüßten ihn zärtlich , er stieg traurig ans Land , auf welchem seine Sorgen ruhten , das Wasser der Vergessenheit wirkte kaum so lange , als er darin geschwommen hatte . Als er in das Wirtszimmer zurückgekommen war , dachte er sich zuerst einen sehr unfreundlichen Willkommen von der mit Rosen gepeitschten Wirtin , sie hatte sich aber die große Aufmerksamkeit , die sie erregte , gänzlich zum Guten ausgelegt und küßte ihn als den Bringer und Geber dieser Ehre . In diesem Augenblicke wünschte sich Anton lieber dem Teufel in die Arme und Faust und Mephistopheles traten herein . Faust hetzte gleich die Wirtin hinaus , nahm Anton bei Seite und sagte ihm , daß er das Geld morgen notwendig brauche , um seine Spielschulden in der Ratsgesellschaft zu bezahlen , seine Ehre sei verloren , wenn er sie nicht am andern Tage abtrage . Anton gab ihm die besten Hoffnungen ; morgen ist die Sündflut , dachte er in sich , da ist alles ein Aufwaschen , aß und trank ohne Unruhe und erzählte so viele Historien , daß der Diener des Faust mehrmals hinter dem Stuhl des Herrn zu lachen anfing , ohne den Befehl seines Herrn ihm Wein einschenkte und mit seinen Zusätzen die Gesellschaft erheiterte . Halb selig taumelte Anton zu Bette , er erwachte am Morgen ziemlich spät , dann setzte er sich ans Fenster und sah die Straße nach Waiblingen hinunter . » Herr « , sagte Mephistopheles , der leise zu ihm getreten , » was starren Eure Augen wie ein Wegweiser die eine Straße hinunter ? Wolltet Ihr mich nur sorgen lassen , Euch sollte niemand etwas anhaben . « » Was kannst du mir helfen ? « sagte Anton , » der Teufel und ein altes Weib haben mich in ihrem Rachen . « » Grämt Euch nicht , mein lustiger Herr « , sagte noch einmal Mephistopheles , » ich sehe nach nichts aus , aber ich gebe Euch doch vielleicht noch einen Rat , der Euch angenehm ist , nur wünsche ich , daß Ihr mir aus Gefälligkeit für die Dienste , die ich Euch noch leisten werde , einen Brief an meine Geliebte schreiben wollt , denn seht , ich kann nicht schreiben und bin darum doch nicht weniger verliebt . « Anton versprach ' s ihm und der Diener drang auf schnelle Erfüllung ; » schreibt alle Perlen , Samt , Edelsteine in den Brief « , sagte der Diener , » daß er nur recht zärtlich wird . « Anton sah den zerbröckelten Kerl an und konnte sich so etwas wie Liebe gar nicht in ihm denken ; halb lachte er , dann aber dachte er in sich an Frau Anna und Susanna abwechselnd und so wogte sein Herz in voller Zärtlichkeit , und seine Feder jagte wie der Helmbusch eines frohen Ritters über das Papier . » Meine Geliebte - die süße Straße , die zu Dir führt - auf die mein Auge Tag und Nacht blickt , wird mit den Augen nicht befahren - meine Seele aber wandelt sie blind und versenkt sich darein und hat keine Rast und kann an keiner Stätte weilen , bis ich sie vollbracht haben werde . - Schaudernd in Lust denke ich aber in die Weite , fern von Dir festgehalten , und bin ein fröhlicher Knecht , wenn ich nur der Fahrt zu Dir gedenke und derer , die darauf wandeln ; die beiden , die bei Dir sind gewesen und mit Deinem liebreichen Troste bald zu mir heimkehren , lieben werde ich sie , weil sie Dich gesehen ; bald bin ich Dir nahe wie sie , und dann will ich Dich festhalten wie meine Feder , die ich sonst beiße mit meinen Lippen , mein Bart soll Dich wärmen , denn es wird bald Winter , bewahre Dich , Du geliebter Abgrund aller Zärtlichkeit , vor allem Fremden und bleibe rein und bleibe mein . « Anton fragte , ob es so richtig und wie er unterschreiben solle . » Sie nennt mich kurzweg Anton « , sagte Mephistopheles , und Anton schrieb seinen Namen ruhig unter das Briefchen , das er dem armen Kerl einhändigte . » Was will der verliebte Racker wieder hier ? « erhob sich plötzlich vor der Tür ein Geschrei , » an die Tür will ich dich annageln , wenn du bei deinen Gästen horchen willst . « Dieses war Fausts Stimme , dagegen gellte ein Strom von Flüchen aus dem Munde der Wirtin , die von seiner Seite mit grimmigen Nasenstübern beantwortet wurden ; er schien schlagfertig und sie war wirklich im Unrecht , da sie gehorcht hatte , sie fing nach den Nasenstübern an , ein paar Worte Französisch zu reden , dann sehr vornehm etwas Spanisches , was sie aber nicht endigen konnte , denn der Doktor hatte sie sehr geschickt die Treppe hinuntergleiten lassen , ohne großen Schaden , doch zur großen Beunruhigung ihres Sitzfleisches , indem er sich vorne wie ein Einspänner an ihren Unterrock angespannt hatte . Nach diesem Geschäfte trat er zu Anton herein und erinnerte ihn an sein Geld . Anton antwortete aus dem traurigen Schicksale der Welt , daß es sich gewissermaßen auf Geld reime , zugleich konnte er sich diese Einrichtung nach Gottes Weisheit nicht erklären . Faust lachte hochmütig und sprach : » Da seid Ihr weit zurück , wenn Ihr Gott als den Schöpfer der Welt anbetet , die Welt ist dem viel zu klug , sie hat sich selbst am besten zu machen gewußt ; so wie ein paar Nachbarn es bald einsehen , daß es ihnen beiden besser sei , ihre Gärten durch einen Zaun zu trennen , als gemeinschaftlich auf demselben Fleck Landes bauen zu wollen , so merkten auch bald die Erde und das Wasser , wenn sie beide etwas eigen haben wollten , so müßten sie einander gewisse Strecken abtreten ; in Hinsicht der übrigen blieben sie zweifelhaft und sind noch bis jetzt streitig , im Menschen haben sie aber beide ihren Anteil , und Erde und Wasser scheidet sich auch in ihm . « Bei diesen Worten führte sich Mephistopheles so unanständig auf , daß sie das Zimmer verlassen mußten , aber eben dadurch auf die Schöpfung der Luft und des Feuers geführt wurden . Ihr Gespräch setzten sie beim Mittagessen fort , wo diesmal die verliebte Wirtin nicht erschienen war , wogegen der Wirt eine ganz andere Rolle spielte . Bei der mindesten Nachlässigkeit des Hausknechts fuhr er heftig auf , auch mischte er sich sehr weise in alle Gespräche der Gäste . Zu der Weltschöpfung sprach er : » Eine Welt ist immer gegen die andere , wenn die eine lacht , muß die andre weinen , darum sollte man sich über beides nicht sonderliche Gedanken machen , sondern die Tränen laufen lassen und das Lachen nicht verbeißen , denn die Welt bleibt Welt , so lange sie sein wird . « » Der Herr Wirt versteht sich auf Politik , wie ich sehe « , sprach Faust , indem er sich ernsthaft stellte ; » sind derselbe vielleicht im Rate angesessen ? « WIRT : » Ich habe die Ehre , ein Ratsfreier zu sein , der bei wichtiger Gelegenheit zugezogen wird , und da habe ich bemerkt , daß Bileams Esel oft schärfer sieht , als sein Herr . « FAUST : » Das wird Ihre Familie dem Hofe sehr empfehlen . « WIRT : » Des Herrn Gunst ist stets die größte Tugend , der Teufel aber ist der beste Hofmann . « FAUST : » Sagt mir , werter Ratsfreund , wie seid Ihr bei so vieler Klugheit zu der dicken Sau gekommen ? « WIRT : » Sie ist bei mir gefallen . « FAUST : » Ja heute die Treppe herunter ; es hat ihr doch nichts geschadet ? Aber seht , das Horchen kann ich von Eurer Frau nicht leiden . « WIRT : » Von wem sprecht Ihr , mein gelehrter Herr ? « FAUST : » Ich sprach von Eurer Frau ; ohne Umstände , sagt mir Freund , wo habt Ihr so viel höllische Courage gewonnen , solch ein Stock Euch aufzuhalsen ? « WIRT : » Weil ich nicht danach frage , wo dieses gebrechliche Schifflein meines Fleisches hinkomme , wenn ich nur diejenige , die darin überfährt , sicher durchbringe . « FAUST : » Aber gedenk doch auch an die dicke Seele des Dreimasters , dem Ihr als eine kleine Schaluppe angebunden seid . « WIRT : » Das Nein ist nicht Nein in eines Weibes Mund , so mag auch die meine selig werden ; übrigens ist der meisten Weiber Leben nichts anderes , als der Zustand derjenigen , die im Schlafe gehen und reden . « FAUST : » Ist denn gar nichts Gutes an Eurem Rhinozeros von Frau ? « WIRT : » Ein Weib ist immerdar ein Mittelding zwischen Mann und Teufel , denn beide können sie brauchen und machen sich lustig mit ihnen . « Die Frau war hereingetreten und fragte den Mann , was er da wieder geschwätzt habe . Er sagte ihr liebreich : » Engelskind , ich sagte eben , daß mancher Esel draußen sucht , der Pferde daheim hat . « WIRTIN : » Solch töricht Zeug hat er immer im Munde , was sollen dazu die Gäste sagen ? « FAUST : » Eine aufgeweichte Semmel schmeckt nicht sonderlich dazu . « WIRTIN : » Mit Ihm rede ich gar nicht , denn Er ist grob ; wenn du ein Mann wärst , Mann , du gäbst ihm eins an die Ohren , statt mit ihm lange zu reden . « WIRT : » Wer eins gibt , bekommt zwei wieder , es ist leichter Krieg anfangen , als ausführen . « WIRTIN : » Du hast recht , Herzensschatz ! « Dabei tat sie , als ob sie sich ihm nähern wollte und kniff ihn in ein Ohr , daß der kleine Mann vor Angst tanzte . Anton hatte dem allen ruhig zugehört , als wenn es ihn weiter nichts angehe , er dachte an den nächsten Tag und da grauste ihm , besonders vor der Wirtin , die ihm heimlich auf den Fuß trat und in den Seiten kitzelte . Nach Tische sehnte er sich nach der Kirche , aber die Wirtin hatte schon wieder die Haustüre besetzt und wickelte Wolle . Er ging auf sein Zimmer und fühlte ein Bedürfnis sich ein frommes Bild in der Zerknirschung seines Herzens zu malen , das seine Versuchung ausdrücken könnte . Er nahm eine Kohle und verzierte erst ein Feld an einer Bogenseite seines Zimmers , worauf die Abendsonne schien ; er zeichnete sich selbst verwundet , wie er kleine Steine aus Hunger ißt , zwei Engel , Susanna und Güldenkamm , die vor ihm wandeln ; rings umgeben ihn die Wirtin , die ihm einen hohen Becher bietet , der Faust , der ihm die Füße hält , während er vom Teufel gefesselt wird und sich deswegen auch gegen den Junker Blaubart nicht wehren kann , der mit eingelegter Lanze gegen ihn anreitet . Als das Bild so vor ihm stand , fühlte er ein so heftiges Mitleiden mit sich selbst , daß er sicher meinte , es müsse Gott auch zu Herzen gehen . Er warf sich nieder und betete so außer sich , so inbrünstig und gewaltig , daß er einen Rollwagen nicht hörte , der vor dem Wirtshause angefahren war . Susanna und Güldenkamm , die von einem Kaufherrn mitgenommen waren , traten ins Zimmer , als er noch auf seinen Knieen lag ; sie knieten stille neben ihn hin und als er endlich aus seiner Gottesnähe zurückkam in die scheue Ferne und aufwachte und umblickte , da waren seine guten Engel ihm nahe , er umhalste sie und konnte keine Worte finden . Endlich sprach er außer Atem : » Nun , was macht mein Weib ? Wie geht ' s meinen Kindern ? Was schreibt meine Frau ? Wie hat sie euch aufgenommen ? « » Herr « , sagte Susanna , » betet noch einmal , wie uns Gott gelehrt hat in Not und Trübsal , dann will ich Euch berichten « Anton betete und wußte nicht , was er betete , seine Freude war ihm in alle Glieder zurückgetreten . » Lebt meine Frau nicht mehr ? ist mein Anton tot ? « fragte er endlich . SUSANNA : » Beruhigt Euch darüber , sie leben beide , aber der Oswald ist gestorben . « ANTON : » Zwei leben für einen , den ich misse , Gott sei gelobt ! Der Oswald war nur ein kränkliches Kind . Wie geht ' s meiner Frau ? Hast du ihr meine Not geschildert und meinen guten Willen , wie ich künftig still und fleißig leben will ? « SUSANNA : » Ich habe ihr alles gesagt , aber sie schilt über Euch , sagt , daß Ihr die silbernen Pokale verkauft habt . « ANTON : » Gott ist mein Zeuge , das hat mich oft gereut , aber meiner grimmen Not wird sie sich darum doch erbarmen , sie hat doch noch Geld und Gut genug für mich und sich , wenn sie das viele Hausgerät verkaufen läßt . « SUSANNA : » Lieber Herr , ich war dort zur Versteigerung , aber die arme Frau war so verwirrt , so betrübt über den Tod ihres Söhnleins , daß sie mir alles versagte ; sie meinte , andre Soldaten brächten von ihren Zügen Geld heim , Ihr aber brauchtet immer mehr Geld dazu , sie könnte Euch nichts schicken als dies Andenken . « ANTON : » Zeig her , liebe Seele , was ist ' s ? Was , diese rostige Klinge und dieser zerrissene Beutel ! « SUSANNA : » Es mag wohl ein Geheimnis darin sein ; sie schwor , daß sie erst , wenn Ihr diesen Beutel gefüllt mit Gold zurückbrächtet , Euch in ihrem Bette wieder aufnehmen wolle , das schwor sie mir und da mußte ich gehen . « ANTON : » So sei verflucht ... « SUSANNA : » Flucht nicht im Unglück , denn das reuet im Glücke . « ANTON : » Was bliebe mir , wenn ich nicht fluchen dürfte , fluchen aus ganzer Seele meinem ... « SUSANNA : » Für einen Fluch ist des Menschen Mund zu klein und seine Stimme zu schwach . « ANTON : » Ich aber kann Steine zermalmen mit meinem Munde und Gläser zersprengen mit meiner Stimme , fluchen will ich , daß die Erde verdorrt , wo sie hintritt , das gottlose Weib , für das ich tausendfach mein Leben gegeben hätte , das verbunden mit mir durch alle heilige Gewalt mich aller Not , allen Teufeln und Hexen überantwortet , gleichgültig höhnisch , vergangener Lust mich erinnert , des Bettes meines Glückes , verflucht sei die Stunde ... « SUSANNA : » Haltet inne , ich halte Euren Mund zu . « ANTON : » Fort von mir , ich ersticke in meiner Wut , verflucht sei der Tag , die Nacht , der Augenblick , wo ich ihr Bett besteige , und flehte sie Voll mir die Liebe wie ein Almosen , ein Schlag soll meine Glieder lähmen , die sich ihr überlassen , und wie ein glühendes Eisen soll mir ihr Mund auf den Lippen glühen , verflucht sei der Glanz ihrer Brust , daß er Schnee trage statt Liebesfeuer , - ach , wer ist ärger verflucht als ich . « SUSANNA : » Herr ! Wie ist Er so schrecklich , so verwandelt . « GÜLDENKAMM : » Laß ihn doch austoben , da wird ihm wohl . « ANTON : » Wohl soll mir werden , das schwör ich ! - will leben wie ein Gott , freudig in jeden Genuß wie ein Meer , das nimmer auszutrinken ist . Wie sah das Weib aus ? « SUSANNA : » Schön , aber traurig und blaß . « ANTON : » Ja so sah sie gewiß aus , schön aber traurig , ich weiß , daß sie schön ist , aber traurig soll sie werden , daß sie alle Spiegel zerschlagen muß , ich will ihr zeigen , wie ich bin , im Glücke wohl zu gängeln , aber das Unglück mag jahrelang mit mir ringen , ich bin glatt wie ein Fisch und will ihm doch entschlüpfen , will aufziehen vor ihr in ritterlicher Pracht und meinem Überflusse soll sie zum Auffangen ihren Schoß ausspannen , mich aber empfängt sie nimmer . Wie ist der Oswald gestorben ? « SUSANNA : » Der Anton hat ihn in kindischem Spiele geschlachtet . « ANTON : » Das tat wohl der Mutter wehe ? der Oswald war immer ihr Liebling ; er hätte es nicht tun sollen , aber er versteht ' s doch schon , seinen Vater zu rächen , - jetzt sehe ich wohl , Faust hat in allem recht gehabt . Ist Oswald in einem Sarge begraben ? « SUSANNA : » Nein Herr , in einem Schrank von Nußbaum , worin die Ausstattung des ersten Mannes bewahrt gewesen . « ANTON : » Richtig , du wunderlicher Doktor , du hast einen Arm wie die Könige , du kannst weit greifen und die Seelen aus dem Körper wie einen Splitter herausziehen , wie sticht diese Seele , so lange sie in uns , und ist sie von uns , dann schmerzt sie doch ; du und dein Teufel , ihr mögt mir vom Leibe bleiben , habe nichts mit euch zu tun . - Nun euch wird dursten nach der Reise , mich auch . Heda Wein , vom besten ! « - So tobte er fort und brachte den Hausknecht an den Haaren gezogen , der ihn zu langsam bediente , schenkte ein und trank selbst wild hinein , jetzt klopfte es und der Wirt trat mit einer Rechnung herein . Anton lachte ihn an , biß in sein Glas , zerkaute das Stück zu weißem Schaum und bespie ihn damit ; » wer das verbeißen kann , der schluckt Eure Rechnung noch dazu . « Bei diesen Worten hatte er die ganze Rechnung zerkaut und heruntergeschluckt ; dem armen Ratsfreunde verging aller Rat , er zog sich fort und wußte nicht warum . Der Doktor Faust war der zweite , der seine Rechte bei ihm geltend machen wollte ; Anton empfing ihn artig und entließ auf sein Begehren die beiden Gesellschafter . Faust hielt ihm seine Rechnung vor , Anton zeigte ihm seine flache Hand : ob da wohl ein Bart säße . Als Faust darauf ein scharfes Nimmermehr antwortete , so fuhr Anton fort , » eben so wenig wachsen mir hier hundert oder tausend Gulden und Euer Teufel , der ist ein übermäßiger Zinsfuß mit seinem Pferdefuß , ich mag ihn nicht anerkennen . « Faust lächelte dazu und sprach , es sei ja nicht so arg mit dem Teufel gemeint , es wären nur einige Stücke , die er nicht ohne einen Mann ausführen könne , der nackt in seinen Kreis träte und einige unschädliche Zeremonien über sich ergehen ließe , dann sei der Schatz gehoben . Anton dachte einen Augenblick nach , dann sprach er : » So gescheh es gleich , will heute alles abtun und Feierabend machen , geht nur in die dunkle Kammer , zieht Eure Kreise , ich komme entkleidet zu Euch , will Euch so viel Zentner Schätze ausheben , als der Hort der Nibelungen nimmermehr gewogen . « Mit diesen Worten trieb Anton den erhitzten Faust , der die Verschreibung ihm übereilt wieder zustellte , in die dunkle Kammer , denn er hörte schon die nahenden Schritte der Wirtin , die mit dem ersten Dunkel zu ihm bestellt war , er fiel ihr um den Hals in scheinbarer Zärtlichkeit , dann bat er sie , sich zu entkleiden und in die Kammer zu gehen , wohin er durch den Gang kommen wolle , wenn er die Sicherheit der Gänge erst belauscht hätte . Sie schwor ihm zwar , die Vorsicht sei unnütz , sie wisse im Hause ihren Befehlen Nachdruck zu geben . Anton ließ sich nicht abhalten , sondern sprang fort und verschloß die Tür hinter sich . Die Wirtin hatte kaum ihres Schmuckes sich entledigt , so rief schon Faust , der Kreis sei beendigt , sie glaubte Antons Stimme zu hören und schwebte mit offenen Armen in die dunkle Kammer , aber welcher Schrecken dämpfte ihre süßen Erwartungen . Faust entdeckte schnell , er sei getäuscht , und schmetterte sie in einen Winkel ; sie schrie nicht , sie brüllte Rache und Verzweiflung und hätte ihn vernichtet , hätte er nicht gleiche Wut ihr entgegengesetzt . Das Geschrei wurde bald so furchtbar , daß Anton ungescheut Mord aus dem Gange auf die Gasse rufen konnte , die Masse Volk drang mit Licht in die verschlossenen durchtobten Zimmer , aber die beiden Streiter , uneingedenk ihrer Blöße benutzten die ersten Strahlen nur allein um sich noch fester zu fassen und zu verbeißen ; die Hunde des Hauses wollen ihrer Frau beistehen , aber der Pudel Fausts biß so grimmig um sich , daß sie bald heulend den Kampfplatz verlassen mußten . Der Wirt allein von allen hatte genug kaltes Blut , ein zweckmäßiges Mittel zur Beschwichtigung dieses sonderbaren Religionsdisputs verschiedener Konfessionen , er brachte die Handspritze des Hauses gefüllt in eine richtige Entfernung und ließ auf die Streitenden den Wasserstrahl fallen ; das erkältete ihre letzte Wut und sie wendeten sich verschüchtert und verwundet von dem Kampfplatze fort . Susanna hatte die Zeit schnell benutzt , um den Beutel und den Degen , welchen sie mitgebracht , vor aller Gefahr zu retten , sie zog Anton und Güldenkamm fort und so gingen sie mit der Menge ungestört nach dem Wirtshause zum Anker , wo sich Güldenkamm durch sein Lied von dem Tode des kleinen Oswald bald ein Unterkommen verschaffte , während er Anton und Susannen zu Tränen rührte . Die Abendgäste , die dort ihren Schoppen zu trinken gewohnt waren , kamen jetzt nach einander von dem sonderbaren Vorfalle mit der Wirtin zum Hopfenblatte , der fremde Doktor sei mit entsetzlichen Drohungen gleich fortgeritten , auch sei von dem Augenblicke aller Wein im Keller verdorben , die Wirtin rase und sei auf Befehl des Rats in Verhaft genommen , worüber der Mann sehr vergnügt scheine . Anton fühlte sich sehr erschöpft von dem Tage , oder vielmehr war ihm das Wachen so überdrüssig , daß er ewig hätte schlafen mögen , er eilte auf einen Heuboden , wo ihm zuerst ein weiches Lager vorkam , und entschlummerte sehr sanft . Es mochte in der Mitte der Nacht sein , da weckte ihn eine Hand , er wachte auf und meinte noch zu träumen , doch hörte er unter sich die Pferde an den Halfterketten sich umlegend bewegen ; der Mond schien durch die Luke in das Angesicht einer Gestalt , die ihn bis zum gänzlichen Verstummen verwunderte . Zwei Gestalten , die einander so wenig glichen , wie Anna und Susanna , jene hochgewachsen mit blondem Haar , diese klein und mit dunklen Locken , schienen einander durchdrungen zu haben , um diesen Bund alles Reizenden , was Antons Sinne erregen konnte , zu errichten . Freimütig trat dieses Gemisch seiner Liebe zu ihm und sagte , daß sie auf seinen zärtlichen Brief , den ihr Mephistopheles übermacht habe , weite Wege gegangen sei , sie zeigte ihm dabei den Brief , jetzt sei sie erschöpft und müsse einige Stunden ruhn . Schon krähten die Hähne und die Fledermäuse flatterten pfeifend in die Winkel . Bei diesen Reden sank sie müde in seine Arme ; er sah im Mondschein den Brief , den er für Mephistopheles geschrieben , er sah im Mondschein ihrer Reize Fülle , die süße Unwissenheit von Susannens Lippen , den erfahrnen Scherz von Frau Annen , er hielt sich nicht , er wünschte sich , recht bald Frau Annen untreu sein zu können , aber seine Freude war nicht gleich seiner Begierde , denn einer Toten gleich schlummerte sie , er mochte sie nicht berühren . Bald - so hoffte er , werde der Morgen ihm alles für einen törichten Traum erklären , und schlief darüber endlich ein . Die Knechte holten Heu für die Pferde am frühen Morgen , das erweckte ihn , er sah sich um , halb in der Furcht , daß sein Schlafgesell verraten sein möchte , halb in der Hoffnung , daß er nie und niemals vorhanden gewesen ; mit einiger Beruhigung sah er nichts , doch wie er so in das Dunkel des Heues blickte , sah er einen dünnen Schatten , der ihm die Erinnerung jener reizenden Nachtgestalt wieder ganz lebhaft zurückführte , sie erfüllte alle seine Sinne , aber sie erfüllte nicht sein Verlangen und er wendete sich trostlos von ihr und stieg herunter zu Susannen und Güldenkamm , die Abends ihn gesucht und schlafend gefunden hatten ; aus ihren Reden schloß er , daß sie eine fremde Gestalt bei ihm gesehen hatten . Güldenkamm scherzte darüber und Susanna sah still vor sich nieder . Mit Umschweifen suchte sich Anton zu unterrichten , was sie gesehen hätten . Er gab vor , daß es ihm in der Nacht vorgekommen als ob sich ein Mensch , wahrscheinlich ein Trunkener , zu ihm aufs Bett gelegt , am Morgen habe er aber niemand gesehen . Güldenkamm meinte , es