erwählt , Und sie beschenkt ihn mit dem Kranze , Er hat die Küsse nicht gezählt . Da sind die Brüder zugetreten Und seine Eltern allzugleich , Die alle haben ihn gebeten , Daß er doch von dem Feste weich . Da hat er trotzig ausgerufen : » Ich will auch einmal lustig sein , Und morgen bring ich wieder Stufen Und heute geh ich auf das Frein ! « Da hat er einen Ring genommen , Vom Gold , wie es noch keiner fand , Den hat die Jungfrau angenommen , Als er ihn steckt an ihre Hand , Dann sitzt er froh mit ihr zum Weine , Hat manches Glas hinein gestürzt ; Spät schwankt er fort und ganz alleine , Manch liebreich Bild die Zeit verkürzt . Die Lieb ist aus , das Haus geschlossen Im Schacht der reichen Königin ; Er hat die Türe eingestoßen Und steigt so nach Gewohnheit hin . Die Eifersücht ' ge hört ihn rufen , Sie leuchtet nicht , er stürzt herab , Er fand zur Kammer nicht die Stufen , So findet er nun dort sein Grab . Nun seufzt sie , wie er schön gewesen , Und legt ihn in ein Grab von Gold , Das ihn bewahrt vor dem Verwesen , Das ist ihr letzter Minnesold . Die Eltern haben ihn vergessen , Da er nicht kommt zum Licht zurück , Und andre Kinder unterdessen Erwühlen neu der Erde Glück , Und bringen andre schöne Gaben , An Silber , Kupfer , Eisen , Blei , Doch mit dem Gold , was er gegraben , Damit scheint es nun ganz vorbei . Die Jungfrau lebet nur in Tränen , Die Liebe nimmt der Hoffnung Lauf Und meint in ihrer Hoffnung Wähnen , Ihr steh das Glück noch einmal auf . Glück auf ! nach funfzig sauren Jahren Ein kühner Durchschlag wird gemacht , Die Kön ' gin kämpfet mit den Scharen Und hat gar viele umgebracht . Sie hat gestellt viel böse Wetter , Die um des Lieblings Grabmal stehn , Doch Klugheit wird der Kühnen Retter , Sie lassen die Maschinen gehn ; Da haben sie den Knaben funden In kalten Händen kaltes Gold , So hat er sterbend noch umwunden Die Königin , die ihm einst hold . Zur Luft ihn tragend alle fragen , » Weiß keiner , wer der Knabe war , Ein schöner Bursche , zum Beklagen , Gar viele rafft hinweg das Jahr , Doch keiner je so wohl erhalten Kam aus der Erde Schoß zurück , Denn selbst die flüchtigen Farben walten Noch auf der Wangen frohem Glück ; Es sind noch weich die starken Sehnen , Es zeigt die Tracht auf alte Zeit , Er kostete wohl viele Tränen , Jetzt kennt ihn keiner weit und breit . « Die Jungfrau war tief alt geworden , Seit jenem Fest , wo sie ihn sah , Spät trat sie in den Nonnenorden Und geht vorbei und ist ihm nah ; Sie kommt gar mühsam hergegangen , Gestützt auf einem Krückenstab , Ein Traum hielt sie die Nacht umfangen , Daß sie den Bräut ' gam wieder hab . Sie sieht ihn da mit frischen Wangen , Als schliefe er nach schöner Lust , Gern weckte sie ihn mit Verlangen , Hier stürzt sie auf die stille Brust . Da fühlt sie nicht das Herz mehr schlagen , Die Männer sehn verwundert zu : » Was will die Hexe mit dem Knaben , Sie sollt ihm gönnen seine Ruh . Das wär doch gar ein schlimm Erwachen , Wenn er erwachte , frisch gesund , Und sie ihn wollte froh anlachen Und hätte keinen Zahn im Mund . « Jetzt schauet sie sein hart Erstarren , An dieser neuen Himmelsluft , Die Farbe will nicht länger harren , Die treu bewahrt der Kön ' gin Gruft . Hier ist die Jugend , dort die Liebe , Doch sind sie beide nicht vereint , Die schöne Jugend scheint so müde , Die alte Liebe trostlos weint . Was hülf es ihr , wenn er nun lebte , Und wäre nun ein alter Greis , Ihr Herz wohl nicht mehr zu ihm strebte , Wie jetzt zu dieses Toten Preis . Wie eine Statue er da scheinet Von einem lang vergeßnen Gott , Die Alte treu im Dienst erscheinet Und ist der jungen Welt zum Spott . Es mag der Fürst sie nimmer scheiden , Er schenket ihr den Leichnam mild , Verlaßne möchten ihr wohl neiden Ein also gleich und ähnlich Bild . Da sitzet sie nun vor dem Bilde , Die Hände sanft gefalten sind , Und sieht es an und lächelt milde , Und spricht : » Du liebes , liebes Kind , Kaum haben solche alte Frauen , Wie ich noch solche Kinder schön , Als meinen Enkel muß ich schauen , Den ich als Bräut ' gam einst gesehn . « Der Minister bezeigte bei dieser Erzählung eine ihm ungewöhnliche Rührung ; seine Gesellschafter befragten ihn um den Grund , er gab ihnen ganz unbestimmte Antworten . Endlich redete der Kammerjunker zu der Dichterin ganz leise ; sie aber schüttelte mit dem Kopfe und sagte : » Es geht nicht . « - » Frei heraus « , rief der Minister , » ich denke , wir sind auf der Reise genugsam mit einander bekannt geworden , um die Scheu alter Verhältnisse aufzugeben ; ein Reisewagen muß allmählich zu einem Körper alle Reisenden verbinden , so daß jeder seine gemäßen Funktionen verrichtet ; ich will wetten , Ihr habt einmal irgend einen Scherz auf mich gemacht . « - » Da Sie es erraten « , antwortete die Dichterin , » so kann ich es Ihnen nicht verschweigen , liebwerter Landesvater : es ist ein kleines Gedankenspiel , was ich nach allerlei Gerüchten über Ihr Verhältnis zur Fürstin freilich unter veränderten Nebenumständen , und selbst mit mancher Verwandlung , die mir in der Arbeit gut dünkte , damals darstellte , als Sie sich mit ihr nach dem Tode des Fürsten versöhnten . « - » Nun seht Kinder , wie unglücklich ein Minister ist « , sagte der Minister , » selbst das Nächste , was um ihn her geschieht , erfährt er nicht , und soll das Entfernteste im Lande kennen und beurteilen ; wahrhaftig , ich glaube , die einzige Art brauchbare Minister einem Lande zu verschaffen , ist die jährliche Ernennung derselben ; wenn auch nicht immer die Geschicktesten oben an kommen , so sind sie doch stets wohl bekannt , und eingewohnt in den Verhältnissen des Landes ; das mag auch wohl das eigentliche Förderungsmittel der Freistaaten gewesen sein , und in unsern Reichsstädten kam noch hinzu , daß keiner dieser Angestellten so mit Geschäften überhäuft war , um andrem Lebensverkehr und bürgerlicher Nahrung zu entsagen ; seht , jetzt kann ich mitten unter Poeten nicht einmal aus meinen Amtsberichten herauskommen ; schämt Euch nicht und tragt schnell Eure Sachen vor . « - Nach einigen Umschweifen , nach mehreren Küssen , welche die Dichterin auf die rauhen Backen des Ministers in ihrer kindischen Art gedrückt hatte , holte sie aus ihrer dick angeschwollenen schwarzen Brieftasche , vor der ein geheimes Zahlenschloß lag , ein kleines Spiel heraus , das wir als Darstellung eines wunderlichen ehelichen Verhältnisses hier am rechten Orte finden . Der Ring Ein Gedankenspiel Gartenplatz vor einem Landhause . Morgen 1. MUTTER . Hab Dank für deinen guten Morgengruß Geliebte Sonne in den schwülen Lüften , Von dir allein kommt mir noch Liebesgruß , Von dir allein mag ich ihn gern verstehen ; Dich klares Licht , versteht die ganze Welt , Die rätselhafte Welt , die trübe , dunkle , Es ahndet schon der Schlaf dein froh Erhellen , Und atmet deine ersten Strahlen ein , Und säumet sein Gewand mit hellen Träumen , Und zieht dann schnell die dunkle Hand hinweg , Die er noch über die Geschenke breitet Der neuen Welt , die aus dem Osten strahlet ! Zum heitern Morgen dringt ein schnell Erwachen . Sie beschaut die Blumenbeete umher . Die Blumen stehen frisch , die Luft ist schwül , Der Luft verzeih ich ' s , daß sie sich so drängt , Den neuen Segen taumelnd zu empfangen Und zittert doch davor in süßer Lust , Das ist das Fürchterlichste , was wir lieben . Ach warum lieben wir , was furchtbar ist ! Sie setzt sich auf eine Bank und lehnt das Haupt auf die Hand . So bin ich , kaum erwacht , schon wieder müde ! Wo endet Schlaf ? Wann gehet auf das Sehen ? Wie wird es Tag ? Wann löschen aus die Sterne ? Was grünt zuerst , wo steigt der erste Klang ? Unendlich tief ist Schlaf , unendlich weit der Morgen ! Ich schlaf im Wachen und ich wach im Schlafe , So ist das Gestern auch zum Heut geworden , Dem Auge fern , dem Geiste gegenwärtig ; Hier saß ich gestern abend , schrieb im Sande Und fuhr erschrocken auf , was ich geschrieben , Das , weiß ich , hatt ich nimmermehr gewollt . Was da mein Stäbchen spielend hingezeichnet , Der Morgenwind hat ' s sorglich ausgewehet , Weil ' s unvereinbar ist mit meiner Ruhe . Sie sieht zum Himmel . Die graue Wolke steigt im Sonnenschein So hellbesegelt wie ein Schiff im Blau , Der trübe Dunst wird Licht im Sonnenauge : Der Sonne Malerblick weiß alles zu verschmelzen , Aus Meer und Wolken zieht sie helle Strahlen , In träger Nacht die Geisterwelt zu malen ; Ganz unbemerkt entfaltet sich das Schöne , Unendlich ward ein Frühling allen Sinnen . Die Tage sind jetzt liebliche Geschwister , Die jüngern stets dem Mutterherzen lieber , Sie sprechen nach , was jene ältern fragen , Sie haben noch was Süßeres zu sagen , Ein schöner Morgen ist des Frühlings Frühling , Es wacht da alles auf , was je gelebt , Und wär ' s im tiefsten Herzen fest verschlossen . Sie geht unruhig umher . O Sonne , Mutter zahllos lieber Kinder , Warum bin Mutter ich und ohne Kind ? O Sonne , einen Augenblick zum Beten ! Du willst es nicht , die Augen gehn mir über . Sie hat in Gedanken Blumen gebrochen , und sie ins Gesicht gedrückt . Wie verlieren sich die Blätter Wunderbar in Flammenlicht , Drinnen haucht ein kühlend Wetter , Drück ich sie ins Angesicht ; Alle die Blumen sind ohne Harm Nur die rote Rose nicht , Sie sticht ! Sticht , wie die liebe Sonne so warm , Mai ist ohne die Rose nur arm , Mai ist ohne die Rose nur Qual - Ihr stillen Gründe , du einsam Tal . Sie vertieft sich allmählich abgehend mit dem Gesange in den Garten . 2. Vater und Kind beide in Kriegskleidern , das Kind sieht sich um und läßt den Vater oft allein , daß er vor sich sprechen kann , ohne von ihm gehört zu werden VATER . So ist des Unglücks und der Klugheit Fluch , Daß sie uns unterwerfen leerer Furcht ! Wie schaudernd hemmt der Boden meine Eile , Ein Schritt , ein Druck der Hand , ein Wort , wie leicht , Wie schwer , wenn unser Schicksal daran hänget ; Der Überraschung Wunder sind die größten . KIND . Es wird so schwül , wir gehen doch nicht weiter ? VATER . Nein , lieber Sohn ! - Wir sind schon allzu weit - Vielleicht zu weit , um leicht zurück zu kehren . Zum Ufer wallt , vom Ufer sinkt die Woge , Was zog mich her , was weist mich nun zurück ? Mich stößt zurück , was lange mich gezogen . O sie war schön , ich find für sie kein Bild , Nach ihr möcht ich die ganze Welt mir bilden , Die ohne sie ein wüstes Chaos blieb . Ich soll sie wiedersehn , wie meine Jugend ! Wie rätselhaft , was unsre Jugend füllt Und wie so deutlich , was das Alter schwächt , Es will vergüten , was die Jugend fehlte . Ach Jugend macht die Jugend einzig gut ! O meine Jugend , wie bist du entschwunden In steter Arbeit , wie ein trüber Nebel , Der unter sich das frohe Grün ertötet , Er will es nicht , doch so ist seine Liebe . Nach einer Pause . Es ist zu viel ! Die tiefe Not ich trug , Und schwindle , da mich trägt ein neues Glück , Ein beßrer Lebensmut und reiner Wille ! Ich steh im Vaterland , vor meiner Schwelle , Hier eingewiegt , als Knabe eingespielet , Mit Todesmut als Jüngling eingeschworen , Mit Liebesglut auf ewig eingebrannt , Wo Liebe noch mich eingewurzelt hält , Der ersten Liebe gleich durchwachsne Rosen , Dies ew ' ge Band aus Lust und Schmerz gewoben , Wie wird mir hier so wohl und auch so weh . Ha , wo das Herz der Liebe Haus erbaut , Da haust es ewig , läßt sich nimmer bannen ; Hier lebte ich und war ich fern und ferner , Hier wachte ich an dieser heil ' gen Schwelle , Wie Traum bewacht der heil ' gen Unschuld Schlaf , Und träumend kehr ich heim zu Jugendfreuden . Sag ' s frei heraus mein Mund , was lang gedacht , Sich doch in des Gehirnes Falten decket , Was meine Jugend füllt , war unerschöpflich , Doch nun ich alt , da seh ich bald den Grund Und halt zusammen , was ich sonst verschwendet . Gesteh dir alles ein , mein fester Sinn : Dort stehet noch das alte Storchennest Hoch übern Schornstein künstlich frei erhöht , Das unserm Hause ehlich Glück sollt bringen , Jetzt bringt es mir so manche Nachgedanken . Es ist dasselbe Nest , ist ' s auch der Storch ? Ist nicht der alte Storch noch müd und ferne , Ein jüngerer hat ihm das Nest geraubet ? Was hülf ' s dem Storch , wenn er das Nest nun findet , Und findet es erwärmt von andrer Lust , Und fänd er ' s kalt und könnt es nicht erwärmen ? O welche Glut ist noch in meinem Mute , Und doch , ich fühl mich kalt , indem ich glühe , Denn zu viel Möglichkeiten sind in mir . KIND . Du sprichst vor dir und schauest dich nicht um , Es ist mir hier , als wär ich hier zu Hause ; Hier find ich Milch und Frucht , darf ich wohl essen ? VATER . Genieß mit Freuden , Milch und Frucht sind dein , Und wunderlich erschöpft ein nächtlich Wandern . - Wo hat mich Frucht von müheschweren Jahren , Wo hat die Milch der Hoffnung mich erquickt , Wo hat die Freude mich zum Tanz beflügelt , Was ist Gesundheit eines öden Sinnes ? Nur in dem Kind allein , wie es sich nährt , Bewußtlos in die Welt so herzhaft fühlt , Da hol ich nach , was ich versäumte trotzend . Ich seh ihm gerne zu , wie er sich macht , Und wie er reift , sich selber zu erkennen ; Ich hatte viel in diesem edlen Kinde , Ein lebend Bild von der verlaßnen Frau , Ich bin ihr nah , es will mir ganz genügen ; Mich fühlen ganz und froh , ich kann ' s nicht fassen . Mir ist ' s , als wär ich für mein Glück zu schwach , Was hilft ein volles Mahl im Hungertode , Der Eltern Segen Liebesterbenden ! KIND . Du klagst ja Vater , kann ich dir nicht helfen ? VATER . Ich klage nicht , ich freue mich nur anders ; Wer sich nicht arm stellt , kriegt vom Glücke nichts , Ganz heimlich sammle ich den Schatz der Not . Doch helfen kannst du mir . Bist du noch müde ? KIND . Ich bin bereit , ich springe ja schon weiter . VATER . Wo willst du hin ? Hast du es schon vernommen . KIND . Ich dacht , wir müßten eilend weiter ziehen . VATER . Noch nicht ; was willst du denn schon fort von hier , Wie , sollte das mir gar ein Zeichen sein ? Hör zu , du sollst mir etwas Wertes holen : Du siehst den duftbelegten Wiesenplan , Die Sonne atmet in die Welt so warm , Das helle Meer läuft zitternd himmelan , Und scheinet mit dem Himmel schon zu leben , Und ferne heben sich die Wolkenfelsen , Als wollten sie sogleich darauf gewittern ; Bist du nicht bang allein dahin zu gehen ? KIND . In freier Luft hab ich mich nie gefürchtet . VATER . Kömmst du hinaus nun über jene Wiesen , So geh zum vögelklingenden Gehölze , Dann findest du dich bald am weißen Felsen , Der jähe wie vom Meer zurückgeschreckt , Halb zweifelnd , ob er sich hinein soll stürzen , Das Ende einer Welt bezeichnen mag ; Zerstörung nagt darin in Wind und Wettern . KIND . Du warst wohl lange hier , daß du den Ort Mir also deutlich stellest vor die Augen , Als hätt ich ihn in alter Zeit gesehen . VATER . Wohl war ich hier ! Jetzt höre mit Bedacht . Auf diesem Abhang steht ein Myrtenstrauch ; Erst war er klein , nun ist er sicher groß , Den reiße aus mit allen seinen Wurzeln , Denn unten liegt ein Schatz , den bringe mir . KIND . Kaum halt ich mich ! Ich hob schon manchen Schatz , Der in der Erde neidisch war versteckt . VATER . Viel alte Scherben , die du heilig ehrtest . KIND . Du weißt es nicht , wie ich sie angesehen . VATER . So halte heilig , was du dort gefunden ; Du Leichtsinn weißt doch noch den Ort zu finden ? KIND . Wohl weiß ich Wiese , Busch , den Fels , die Myrte . VATER . Du kannst nicht fehlen , ferne wirst du hören Ein schwärmerisch entsetzlich Klagen von den Vögeln , Die schwarzen baden sich im Meer , um weiß zu werden , Die weißen baden sich darin , um sich zu schwärzen , Vergebens , schwarz wird schwärzer , weiß wird weißer , Die höre ja nicht an , sieh auch nicht nieder . Der Boden wölbt sich , daß du überm Meere Ganz ohne Rettung hoch zu schweben scheinest , Und von dem Luftstrom eingesogen wirst , Da siehe ja nicht hin , verricht dein Wesen , Denn mit geheimer Sehnsucht füllet sich das Herz Der Jugend nach des Meeres blauen Hügeln , Und jede Welle glänzt im Waffenschmuck besonnet , Den jungen Führer huld ' gend zu begrüßen . KIND . O Vater , wo du bist , da ist mein Hoffen . VATER . Recht gut , mein Kind , doch hör mich jetzt auch aus . KIND . Ich weiß schon alles , alles bring ich dir . Ab . VATER . Fort ist er . Wie er leicht den Boden rührt , Es ist , als wär er nicht von dieser Welt , Und noch so kindisch ist sein ganzes Wesen , Doch immer wie in einem andern Sinn . Der Blumenstrauß von seiner Hand gebrochen , Er ordnet sich geheimnisvoll in Farben , Recht wie ein Regenbogen andrer Art , Darob die Leute staunend sich erfreuen Und wissen nicht , was sie so tief entzückt . Ich will es nicht und muß ihn oftmals kränken , Er sagt es nicht und darum muß er leiden ; Mich treibt ' s zu oft , das Schmerzliche zu fühlen , Das Bittere zu sagen , weil das Stumme , Das Stumpfe mich viel bittrer quälen kann ; So fühl ich mich ganz hingerissen jetzt , Ganz lebhaft jener Vögel Ton zu denken , Viel widriger als irgend Scharren , Reißen ; Es ist der Mißlaut , der zum Leben worden , Verruchte Wollust , Lachen nicht , kein Klagen , Jetzt mußt du weichen , du verruchter Mißlaut . Er geht unruhig auf und nieder . Wie alle Lebensalter in mir schwanken , Und keines kann sich meiner ganz bemeistern , Ein Kindskopf bin ich oft mit weißen Haaren . Als ich mein Schwert am Hochzeittag begraben , Dort unterm Myrtenbaum beim Vogelschreien , Da freute meine Jugend dieses Schrecken , Denn das vollendete zum Mann mein Wesen . Was mich zur sicheren Gestalt umflossen , Der Lebensquell , den rings die Welt ergossen , Hat mich umsteinet , daß ich so viel Fremdes Bewußtlos wie mein Eignes brauchen muß . Es ist der harte Stein , der mich umschlossen , Wenn ich bewußtlos einem wehe tue , Denn wo ich ' s weiß , da mag ich ' s gern vergüten . Hier muß ich viel vergüten und entschuld ' gen , Und wenig kann ich ihr zum Troste sagen , Wird sie dies wenige auch wohl beachten ? Sie wird ' s. Sie wird entschuld ' gen mich und deuten , In ihrer Sehnsucht werd ich schuldlos sein ; O wie sie mich geliebt , so liebt doch keine . Wer kommt da ? Pochst du nicht , mein ahndend Herz , Du fühlst wohl nicht genug , bist du so tot ! Was hast du dich denn taglang so gestellet , Als wenn nichts Schönres dir begegnen könne . Sind ' s dreizehn Jahre , daß ich sie nicht sah ? Mir ist wie gestern ! Langsam gehn die Stunden , Wenn unser Leben fiebernd stille steht , Und doch vergeßlich wie der Glocken Töne , Wenn Lust sie nicht zu Melodieen band : Ein Augenblick umschloß die Ewigkeit , Und dreizehn Jahre werden Augenblicke ! Wer sieht der Flur wohl an vergangne Jahre , Wenn sie den Frühling noch am Busen trägt , Entgegen , entgegen mit offener Brust , Mit klopfendem Herzen der nahenden Lust . Hält inne . Nein , so bezwingen soll mich selbst die Freude nicht , Erst hör ich , was sie mit sich selber spricht . 3. MUTTER kommt langsam ohne den Vater zu merken . Woher der wunderbare Knabe war ? Er grüßte mich und eilte dann vorbei . Ach Mutterherz , ach wär doch so dein Sohn ! Und ich war so betäubt vom Angedenken , Daß ich mit keinem Wort ihn hergeladen . Was trieb mich heute auch zum Myrtenstrauche ; Da war es geistig und erinnernd voll Von schmerzlich wandernden Gedankenreihen , Als zög vor mir ein Trauerchor vorüber . Da war es , wo ich mit dem Manne stand , Wo er in töricht leerer Eifersucht , Daß ich vor ihm , eh ' ich ihn jemals kannte , Schon einen Jüngling herzlich angeblicket , Sein Schwert ergriff , und mir den Arm verletzte , Den ich zum Schutze ängstlich vorgehalten , Wohl seh ich noch die fast verwachsne Narbe . Als da mein Blut fiel rot auf weißen Stein , Ergriff ich einen Myrtenstrauch zur Stütze Und flehete vom Himmel , mein vergessend , Ein Kind so rot wie Blut , so weiß wie Schnee , Daß meines Mannes Liebe wieder mein ! - Mir ward Gewährung , doch die Eifersucht Des harten Mannes raubte es sogleich , Es ist gestorben , lieget dort begraben ; Ob er es umgebracht , ich glaub ' s gewiß Aus mancher Rede zweifelhaftem Sinne , Auch mit dem Kind wollt er die Lieb nicht teilen : Ach auch die Liebe wird im Schlechten schlecht , Und mit Entsetzen schied ich mich vom Manne , Verzweifelnd ging er in die Welt hinein . Sie geht zu ihrem Tische . Ein Wandrer hat das Frühstück mir verzehrt , Er ahndete , daß mir heut weh ums Herz . Da steht ein Fremdling , ist ' s der wohl gewesen , Es ist nicht recht , doch litt er sicher Not . Hör Wanderer , du scheinest zu erwarten , Daß ohne Bitten ich dir geben soll , Weil du schon nahmst , auch ohne anzufragen ? VATER vor sich . Sie kennt mich nicht , ihr himmlischen Naturen , So hat auch Gott die eigne Welt vergessen , Und dieser Gruß war sicher nicht der rechte : Dem Elend steht das Unglückshaus sonst offen , Ha ich will zeigen , daß ich Herr im Hause . Laut : Ja wohl wir sind nur Wanderer auf Erden . MUTTER . Wie , sprachest du im Augenblick mit mir ? Wie muß ich doch dabei so weithin denken . Du kommst zur guten Stunde ; willst du bitten , So bitte , was dir gründlich könnte helfen ; Bedarfst du eines Kleides , bitte frei , Ein gutes Mahl ist obenein bereit . VATER . Ich bitte viel , ich bitte dich zurück ; Die Stimme kanntest du , verkenn mich nicht . MUTTER . Wie ist mir , nehmt ihr Büsche hier Gestalt , Ist dies ein Seegesicht aus leerem Dunst ? O Gott ! kann ich die Stunde überleben , Bist du der Geist des zornig wilden Mannes ? VATER . Begegne auch dem Geiste liebevoll . MUTTER . O nein , du bist es nicht , dein Zorn schlägt Falten In deiner Stirn , du dürftest ja nicht zürnen . VATER . Die Falten , die der Zorn sonst stürmte Vorübereilend auf der glatten Stirn , Die pflügte später ein des Irrtums Gram , Daß Weisheit legt darin den reichen Samen . MUTTER . O Weisheit sprich , wer soll dich denn nun ernten , Da du so viele Jahr zum Säen brauchst . VATER . So nimm mich hin , du reiche Erntegöttin , Und heb die Garbe auf zur vollen Brust . MUTTER . Du rührest mich , wie bist du alt geworden , Und suchest nun , was du so lang verschmähet . VATER . Nun bring ich dir die Liebe ungeteilt , Die einst so reich auch mehreren genügte ; O fänd ich deine Lieb auch ungeteilt . MUTTER . Du sprachst von Weisheit erst und nun von Liebe . VATER . Ich glaub an beide , möchte sie vereinen , So wird mir die vergeßne Freude wieder . MUTTER . Nicht unsrer frohen Tage kann ich denken . VATER . Ach ohne sie wär mein Gedächtnis Nacht . MUTTER . Und doch bist du im Überdruß geschieden , Kein lebend Band ist zwischen uns geblieben . VATER . Vielleicht war dies des Himmels klügster Segen , Der uns das Kind in der Geburt entriß , Denn damals waren wir noch unvereinbar , Und Feuer würd in ihm mit Wasser zischen Und was das Schlimmre sei , das würd sich zeigen . MUTTER . Laß uns , wie du ' s gewollt , geschieden bleiben . VATER . Ich kann nicht , was ich will , ich will nur , was Ich kann - wir sind gesetzlich nie geschieden . MUTTER . Bereitet bin ich nicht so ernst zu reden , In weicher Lässigkeit lebt ich die Zeit , Mein Anwalt wird dir leichtre Auskunft geben , Ich sage dir , ich laß mir nicht gebieten , Wie ich es einst als kind ' sches Mädchen litt . VATER . Sei unbesorgt , ich lernte mich nun beugen , Und beugen oder brechen muß das Herz . MUTTER . Ich sage dir , ich hab mich sehr verändert , Mein ganzes Innre hat sich selbst befestigt , Seit ich mich keinem Menschen hingegeben . VATER . Ich bin so sanft , daß ich dich fast bewundre . MUTTER . Doch ist der Trotz dir ins Gesicht geschrieben Mit deiner Augen ungelöschtem Feuer ; Wer Schiffbruch litt , der trauet nicht dem Meere . VATER . Der Kluge fährt am liebsten mit dem Strome . MUTTER . Wie lebtest du , sei dies für mich ein Zeichen . VATER . Ein traurig Zeichen , denn ich lebte traurig . MUTTER . Dich zu verstehn , von dir verstanden werden , Es wär mir wert , du würdest dann mich ehren . VATER . Es ist zu hart , daß du die Ehre forderst , Du hättest sonst den Stolz wohl nicht gehabt , Ich hätte dir den Stolz sonst nicht verziehen , Und du erhöhst den Preis des Buchs Sibylle , In welchem meine Liebe eingetragen , Nachdem du immer mehr davon verbrannt . MUTTER . Nach alter Art wirst du unheimlich , Freund . VATER . Erst mache heimisch mich in diesen Wänden , Ich sehe dieses Haus so wohl erhalten , Kein Stein ist unersetzt vom Dach gefallen , Das ist doch sonst der Frauen Sache nicht . MUTTER . Wie schweifet deine Rede also fern . VATER . Weil mich die Nähe läßt so unbequem ; Ist hier ein Hausfreund , dem ich Gruß muß bringen , Der meine Stelle hat bisher verwaltet ? MUTTER . Ich wünschte , jede Sorg wär so zu lösen ; Du hast von aller Lieb mich abgeschreckt , Auch litt dies nicht die Unabhängigkeit , Du warst der einzige , dem ich einst traute . VATER . Vertraue noch , laß uns das Glück versuchen , Ob es in diesem Haus sich wieder finde . MUTTER . Vertrauen läßt sich tauschen , nicht versuchen . VATER . So tausch erst aus den Argwohn mit der Hoffnung , Laß uns wie Fremde erst hier wieder hausen , Die nur Geselligkeit zusammenknüpft . MUTTER . Die je sich nah , die werden sich nicht fremd . VATER . O erstes Wort , das schön wie deine Lippen ; Bald wird es heiter um uns sein , Wo deine Augen hellend hingewendet . MUTTER . Mein lieber Freund , versprich dir nicht zu viel . VATER . Dem Schönsten sammelt sich das Schöne gern ,