Fundament steht : » Von den Bewohnern der Stadt Gransee , der Grafschaft Ruppin und der Priegnitz . « Die großen Eisenplatten enthalten nur ein Namensverzeichnis und zwar die Namen derjenigen , die sich um die Errichtung dieses Denkmals besonders verdient gemacht haben . Es sind : Joh . Friedrich Klagemann , Bürgermeister ; Karl Heinrich Borstell , Kämmerer ; Karl Wilhelm Metzenthin , E. Gottfried Koch , Joh . Andreas Werdermann , Johann Jakob Scheel , Ratsmänner ; Johann Jakob Gentz , Vorsteher der Stadtverordneten ; Friedrich Christian Ludwig Emil von Zieten auf Wustrau , Landrat ; Karl Friedrich Schinkel , Baumeister . Am 19. Oktober 1811 wurde das Monument im Beisein des damals zehnjährigen Prinzen Karl von Preußen enthüllt . Sooft der König später , bei Gelegenheit seiner Besuchsreisen nach Neu-Strelitz , Gransee passierte , ließ er den Wagen an dieser Stelle halten . Am Abend des 19. Juli 1860 , also am fünfzigjährigen Todestage der Vollendeten , wurde bei Fackelschein und unter dem Geläut aller Glocken , eine liturgische Andacht an eben diesem Denkmal abgehalten . Nicht nur Stadtbewohner , auch Angehörige des Kreises waren in großer Zahl erschienen . Und wie Gransee durch dieses Denkmal sich selber ehrte , so glänzt auch sein Name seitdem in jenem poetischen Schimmer , den alles empfängt , was früher oder später in irgendeine Beziehung zu der leuchtend-liebenswürdigen Erscheinung dieser Königin trat . Die moderne Historie weist kein ähnliches Beispiel von Reinheit , Glanz und schuldlosem Dulden auf , und wir müssen bis in die Tage des früheren Mittelalters zurückgehen , um Erscheinungen von gleicher Lieblichkeit ( und dann immer nur innerhalb der Kirche ) zu begegnen . Königin Luise dagegen stand inmitten des Lebens , ohne daß das Leben einen Schatten auf sie geworfen hätte . Wohl hat sich die Verleumdung auch an ihr versucht , aber der böse Hauch vermochte den Spiegel nicht auf die Dauer zu trüben . Mehr als von der Verleumdung ihrer Feinde hat sie von der Phrasenhaftigkeit ihrer Verherrlicher zu leiden gehabt . Sie starb nicht am » Unglück ihres Vaterlandes « , das sie freilich bitter genug empfand . Übertreibungen , die dem einzelnen seine Gefühlswege vorschreiben wollen , reizen nur zum Widerspruch . Das Luisendenkmal zu Gransee hält das rechte Maß : es spricht nur für sich und die Stadt und ist rein persönlich in dem Ausdruck seiner Trauer . Und deshalb rührt es . Gentzrode 1 1 Von der Gründung Gentzrodes 1855 bis zum Tode von Johann Christian Gentz 1867 Im Winter 1888 auf 89 war es , daß unsere Zeitungen , bei Gelegenheit einer in Berlin stattfindenden » Großen Weinausstellung « eine kurze Notiz über ein den » Delegierten zur Ausstellung « gegebenes Fest brachten , welches Fest mit einem Jagdausfluge nach dem Rittergute Gentzrode , halben Wegs zwischen Ruppin und Rheinsberg , abgeschlossen habe . Und in der Tat seitens des Herrn F. W. Nordenholz , ehemaligen Bremensischen Konsuls in Argentinien , waren die Weindelegierten , darunter eine große Zahl portugiesischer Gäste , nach dem oben genannten Rittergute hin eingeladen worden , in der ausgesprochenen Absicht , die » Herren aus dem Süden « mit einer nordischen Jagdszenerie , den verbleibenden deutsch-preußischen Rest der Gesellschaft aber mit einer nach der landwirtschaftlichen Seite hin ganz eigentümlichen Neuschöpfung ( in manchem noch eigentümlicher als der Fürst Pücklerschen in Muskau ) bekannt zu machen . Von dieser Neuschöpfung hab ' ich in nachstehendem zu berichten . * Gentzrode liegt auf dem Plateau , bzw. am Abhang einer Sanddüne , die seit unvordenklichen Zeiten den Namen der » Kahlenberge « , ja , an einer Stelle sogar des » Kranken Heinrich « führt , ein Terrain , ganz nach Art der 1848 historisch gewordenen Berliner » Rehberge « : Sand und wieder Sand , von nichts unterbrochen als von einem gelegentlichen Büschel Strandhafer und jenen nesterartigen Löchern , die die vordem hier zahlreichen Krähen aufzukratzen pflegten . So waren die Rehberge und so waren auch die Ruppiner Kahlenberge , welche letzteren , außerdem noch , in mittelalterlicher Zeit einen aus Feldstein aufgemauerten Lug-ins-Land trugen , die » Kuhburg « , von der aus ein Wächter nach allen Seiten hin Umschau hielt und Meldung machte , wenn die » Quitzowschen « oder ihresgleichen , wie dies mehrfach geschah , im Anzuge waren . Anfang dieses Jahrhunderts existierten noch die Fundamente dieser » Kuhburg « und als neuerdings an der alten Turmstelle nachgegraben wurde , fand sich der Burgschlüssel einige Fuß tief im Sande . Das war 1855 , in welchem Jahre Johann Christian Gentz , über den ich Seite 124 berichtet , diese Sanddüne ( die » Kahlenberge « ) gekauft hatte , von vornherein mit der Absicht , eine Oase daraus zu machen . Als er beim Graben den eben erwähnten Burgschlüssel fand , lächelte er und sah darin eine Gewähr , daß diese Stelle nun seine sein sollte . * Die Kahlenberge , wie hervorgehoben , waren nur ein Sandplateau ; nichtsdestoweniger machte der Ankauf dieses halb wertlosen Terrains ( der Morgen wurde anfangs nur mit sechs Taler bezahlt ) große Schwierigkeiten . Diese Schwierigkeiten entstanden daraus , daß es Stadtland war , an dem viele Ruppiner Bürger strichweis ihren Anteil hatten , so daß beispielsweise mit einhundertundachtzehn Partnern verhandelt und ebensoviel Tauschverträge zustande gebracht werden mußten . Schließlich waren einige tausend Morgen erworben , aber ehe das Gesamtareal beisammen war , gingen die zuerst erstandenen und bereits urbar gemachten Teile schon wieder durch allerlei Prüfungen und Gefahren . Diese Gefahren waren Wassers- und Feuersnot . Was zunächst die Wassersnot angeht , so muß vorauf bemerkt werden , daß es keine Not durch , sondern eine Not um Wasser war . Gleich in den ersten Jahren wurd ' es eine Lebensfrage für Gentzrode , ob es möglich sein werde , das erforderliche Wasser zu beschaffen . Man hatte bis dahin nur einen Regentümpel , nur eine primitive Zisterne . Damit war nichts zu leisten , und immer unerläßlicher erwies sich die Herstellung eines Brunnens . Ein Ratszimmermeister wurde konsultiert und unterfing sich endlich , die Sache wagen zu wollen . Ein halbes Hundert Arbeiter ward angestellt , um ein trichterförmiges Loch zu wühlen , das eine Tiefe von 40 und oben eine Weite von 50 Fuß hatte . Jedoch umsonst : kein Wasser kam und der Ratszimmermeister erklärte schließlich , » daß sein Rat und seine Weisheit zu Ende seien . « Stafetten gingen nun nach Berlin , um von dort her » höhere Meister « herbeizuholen . Aber wie zu Zeiten einer Epidemie keine Ärzte zu haben sind , so waren in jenem beispiellos trockenen Sommer ( 1857 ) keine Brunnenmacher zu haben . Von allen Seiten her waren dieselben Notschreie gekommen und in der Hauptstadt selbst stand es kaum besser . So blieb denn Gentzrode auf seine eigenen oder doch auf benachbarte Kräfte angewiesen . Und sie fanden sich auch . Ungerufen stellte sich ein kleiner , unansehnlicher Mann ein , namens Franke , der aus Groß-Menz gebürtig und seines Zeichens ein Maurergeselle war . Er erbot sich , den Brunnen fertig zu bauen . Wie begreiflich , fand er zunächst wenig Glauben und Vertrauen . » Er sieht aus wie ein Maulwurf « , sagte der alte Gentz ; » aber was soll uns das ; Erde genug ist aufgeworfen . « Franke ließ sich jedoch weder durch scherzhafte noch durch ernst gemeinte Bemerkungen aus der Fassung bringen und zeigte jedem Bedenken gegenüber eine solche Sicherheit und Ruhe , daß endlich beschlossen ward , ihn gewähren zu lassen . Er wurde nun in eine Baracke einlogiert , erwies sich hier mit allem zufrieden und imponierte zunächst durch Anspruchslosigkeit . Aber schon nach einigen Tagen überraschte die Kunstfertigkeit , mit der er zu Werke ging . Er hatte die Methode des » Senkens « , die die Ruppiner noch nicht kannten , und die , wenn ich richtig verstanden habe , dem » mit dem Kasten vorgehen « der Mineure oder der Anwendung des » Wolfs « oder Eisenwagens entsprach , mit dessen Hilfe beispielsweise der Tunnel in London gebaut wurde . Vortreiben , ausgraben und wieder vortreiben . Die vorgetriebene Eisenwandung ( so wenigstens beim Tunnelbau ) bildet den jedesmaligen Schutz für den Grabenden , während das hinter ihm liegende Stück ausgemauert wurde . Gentzrode war in jenen Tagen , fast mehr noch als später , eine Sehenswürdigkeit und es machte wirklich einen spukhaften Eindruck , den kleinen Mann bei Grubenlicht wie einen Erdgeist in der Tiefe hantieren zu sehen . Einer rief hinunter : » Wenn dich der Teufel geholt hat , so decke den Brunnen zu . « Dieses letztere wurde aber nicht nötig , weil das erstere nicht geschah ; Franke erreichte vielmehr nach vier Wochen angestrengter Arbeit den Wasserspiegel . Er lag 56 Fuß tief . Und mit neuem Mute setzte der » Maulwurf « nunmehr seine Arbeit fort . * Lassen wir ihn zunächst in seiner Tiefe , daraus wir ihn erst , in einem neuen kritischen Momente , wieder werden emporsteigen sehen . Denn seltsam , eben diesem kleinen Manne war es auch vorbehalten , die zweite , größere Not , die Gentzrode zu bestehen hatte , zu beseitigen oder wenigstens , allen andern vorauf , an ihrer Beseitigung mitzuwirken . Er hatte das Wasser gefunden . Das zweite , was er tat , war : er hielt den Lauf des Feuers auf . Die Geschichte davon zwingt uns , auf eine Zeit vor dem erst in Sicht stehenden Abschluß der Brunnenarbeiten zurückzugehen . Ein großer Teil des Gentzroder Gutsareals , namentlich aber die der königlichen Forst zugelegenen Reviere , waren mit Heidekraut überdeckt . Erlaubnis war nachgesucht worden , dies Heidekraut abbrennen zu dürfen , die Regierung hatte die nötige Zustimmung gegeben , und das in Frage kommende Terrain war in zwei Hälften , in eine Hälfte links und in eine andre rechts der Wittstocker Straße geteilt worden . Mit der einen Hälfte hatte man begonnen und bereits Ende August war unter Innehaltung aller üblichen Vorsichtsmaßregeln der Heidekrautbrand gefahrlos und ohne jeden Zwischenfall ausgeführt worden . Dies war zur Linken . Vier Wochen später sollte mit der Rechtshälfte vorgegangen werden . Diese vier Wochen waren jetzt um , und wie herkömmlich in Blättern angezeigt wird : » Am heutigen Tage finden Schießübungen statt « oder » auf dem Glacis werden Sprengungen vorgenommen « , so stand auch im Ruppiner Anzeiger : » Am 27. September wird auf der Strecke rechts vom Wittstocker Wege das Gentzroder Heidekraut niedergebrannt . « Eine Warnung und eine Festankündigung zu gleicher Zeit , denn eine große Zahl von Personen fand sich ein , um dem Schauspiele beizuwohnen . Bei Beschreibung der nun folgenden Szene laß ich den Hauptbeteiligten ( Alexander Gentz , auf den ich weiterhin zurückkomme ) selber sprechen : » Es war neun Uhr früh am genannten Tage ( 27. ) , als ich , in Begleitung einiger Freunde , von Ruppin her in Gentzrode eintraf . Ein leiser Wind blies bei unbewölktem Himmel über die Kahlenberge hin . Alles gewährte einen heitern Anblick , jeder war an seinem Platze , die Zuschauer erwartungsvoll . Wir nahmen also die bereitgehaltenen Fackeln zu Hand , und ohne uns lange bei der Frage aufzuhalten , wo ' s wohl am geratensten sei , anzufangen , gingen wir umgekehrt davon aus : › die nächste Stelle , die beste . ‹ So denn die Fackeln hinein , und im Nu stand eine Heidestrecke von dreihundert Schritt in Brand . Noch fünf Minuten und das Feuer fing bereits an , uns Bedenken zu machen , denn der Wind war heftiger geworden . Jetzt erst kam mir der Gedanke , mich auch zu vergewissern , ob seitens meines Inspektors der vorschriftsmäßige Sicherheitsstreifen gezogen sei . Wir waren alle wie vom Teufel des Leichtsinns besessen gewesen . Die gesetzliche Vorschrift , die vier Wochen vorher aufs genaueste befolgt worden war , forderte mit Recht einen 20 Ruten breiten , tief umgegepflügten Streifen zwischen dem abzubrennenden Heideland und dem weiten Forstbestande dahinter . Und was fanden wir statt dessen ! Eine Rute breit lief der Streifen , und nur mit dem Haken , statt mit dem tiefer gehenden Pfluge , war das Erdreich umgebrochen worden . Ein Angstschrei kam über meine Lippen . Dann wurden Versuche gemacht , den schmalen Sicherheitsstreifen durch Ausschlagen des Feuers mit Sträuchen und Büschen zu behaupten , aber vergebens . Die Flamme lief wie eine Schlange über das Gras hin , der Wind wurde Sturm und trieb die Lohe der königlichen Forst zu . Das Heidekraut , die 10 Fuß hohen Tannen , das Kieferngestrüpp , alles war trocken wie Stroh ; das Feuer brauste bereits durch die niedrigen Kronen und ungeheure Rauchwolken stiegen auf , die fast die Sonne verdunkelten . Im Zurückeilen nach dem abgesteckten Hofe benahm uns die Hitze schon den Atem , und wir liefen Gefahr , erstickt zu werden . Ich wollte die Mannschaften zu gemeinschaftlicher Hilfe zusammenrufen , aber zerstreut irrten sie hierhin und dorthin , und mein Ruf ging unter in dem unheimlichen Toben der Feuermasse . Da stieg aus dem Brunnen unser alter › Maulwurf ‹ , Maurer Franke , hervor , der einzige , der auch jetzt wieder Geistesgegenwart genug besaß , um auf ein rettendes Mittel zu verfallen . Er wies , ohne ein Wort zu sprechen , auf die vier Gespanne Pferde hin , die weit weg auf dem Felde pflügten . In der Tat , wenn überhaupt noch eine Möglichkeit da war , die königliche Forst zu retten , so konnten es nur diese tun . In wenigen Minuten waren sie herbeigeholt , und jetzt mit ihnen in Karriere nach der Feuergrenze , wo sie es möglich machten , auf dem verhängnisvollen Streifen einige tiefe Furchen zu ziehen . Welche Spannung ! Ich allein war der Betroffene . Niemand ahnte die volle Verantwortlichkeit , in der ich schwebte . Vor mir 20000 Morgen Forst , ausgedörrt vom heißen Sommer , und hinter mir das heranwälzende Feuermeer , das schon einen Umfang von 300 Morgen einnahm . Ich stürzte zurück nach der Baracke , um auf einem dort untergebrachten Reitpferde nach der Stadt zu jagen , um Hilfe zu holen . Aber – neue Entmutigung ! Einige jener Neugierigen , die des Schauspiels halber herbeigekommen waren , hatten sich ohne weiteres mit dem Reitpferde aus dem Staube gemacht . Wirr und verworren lief alles aneinander vorüber . Außer meinen Leuten , die von Hunger , Durst und Hitze erschöpft waren , war niemand mit Rettungsinstrumenten da . Der gefürchtete Moment kam in der Tat immer näher , schon war der Waldsaum erreicht und der Sturm begann bereits die Flammen in die königliche Forst hineinzuschleudern . Die helle Verzweiflung faßte mich , meine Kräfte waren hin , und die Phantasie stellte mir das entsetzliche Bild vor Augen : das Resultat einer vierzigjährigen rastlosen Tätigkeit meines Vaters mit einem Schlage vernichtet zu sehen ! Vernichtet war ich selber . Aber dieser schlimmste Moment war auch die Rettung . Die Nachricht von dem Geschehenen war inzwischen nach Ruppin gelangt , alle Sturmglocken gingen , und durch öffentlichen Ausruf ward angekündigt , › daß jedes Haus zwei arbeitsfähige Männer zu stellen habe ‹ . Die ganze Stadt war auf den Beinen , die Dörfer nicht minder , und alles , was Wagen und Pferde hatte machte sich auf , um der bedrohten Stätte zuzueilen . Schon sah ich die Menschen mit überladenen Wagen , Spritzen und Wassertonnen vom Kuhburgsberge herunterjagen , als mir , auch von der anderen Seite her , die Nachricht kam , › das Feuer ist bewältigt ‹ . Es war so . Mit einiger Ruhe konnten wir jetzt dem letzten Akte des Schauspiels zusehen und wahrnehmen , wie die mehr und mehr in sich selbst erstickenden Flammen ihren dunklen Rauch über die Tannen lagerten . War es die Windstille , die plötzlich eingetreten , oder waren es die Weisungen des alten Brunnenmachers , gleichviel , die Forst war gerettet und mit ihr mein Vermögen . « * Alle diese Vorgänge fielen in den Spätsommer 1857 . Katastrophen ähnlicher Art brachen von jenem Zeitpunkt ab nicht mehr herein ; Wasser war gewonnen , der Boden urbar gemacht , und das Unternehmen begann innerhalb der gehegten Erwartungen , ja über diese hinaus zu prosperieren , nicht zu kleinstem Teile deshalb , weil man den Mut hatte , nicht nach berühmten Mustern und überkommener Weisheit , sondern in einer Art Opposition vorzugehen . In allem gab der » common sense « den Ausschlag Man wollte nicht Pendant zu Vorhandenem , sondern das Gegenstück dazu sein . Parole wurde : Nur kein System ! ... » Geld und Nüchternheit übernahmen hier von Anfang an die Gestaltung und Regelung des Ganzen , aber doch derartig eigentümlich , daß sich , innerhalb der nüchternsten Erwägungen , ein beständiger , ans Sublime streifender Hang zu Kalkül und Spekulation zu erkennen gab . Wie Rechner und Schachspieler phantastisch werden können , wie es eine Trunkenheit des Verstandes gibt , ähnlich operierte man auch hier . « Jeder herkömmliche Satz wurde angezweifelt , eben weil er herkömmlich war , die Kritik wurde zum schöpferischen Element Und die Devise jedes neuen Tags Sie lautete : ich will es und ich wag ' s. Im Einklange damit war es , daß , allem Spott der Besserwisser zum Trotz , von Anfang an der eine Gedanke verfolgt wurde : den Ackerbetrieb , mit Rücksicht auf den sterilen Boden , nach Möglichkeit zu beschränken und statt seiner , neben Maulbeerbaumpflanzungen und Seidenzucht , den Brennereibetrieb und als auch dieser , wie schon vorher die Seidenzucht , versagte oder wenigstens nicht voll genügte , große Waldkulturen in Angriff zu nehmen . Dies ergab relativ glänzende Resultate , da man , von Anfang an , auf nur sehr mäßige Zinserträge gerechnet hatte . Verhältnismäßig rasch war aus der Anlage so viel geworden , daß die ehemaligen » Kahlenberge « als eine märkische Musterwirtschaft angesehen wurden . Ackerfelder zogen sich in breiten Flächen über das Plateau hin , desgleichen frische Wiesen am Fuße desselben , überall aber , den Abhang hinab und dann eingemustert in die Schläge , wuchsen Schonungen auf und bedeckten eine ziemlich bedeutende Fläche mit jungen Eichen , Birken und Buchen . Aus dem Mittelpunkte dieser Neuschöpfung aber erhob sich , quadratisch , ein Komplex von Wirtschaftsgebäuden , hoch von Schornsteinen überragt , deren Rauchfahnen weit ins Land hinein die Wandlung verkündeten , die sich an dieser Stelle vollzogen hatte . Dem entsprachen auch die mittlerweile herangezogenen Arbeitskräfte . Drei Inspektoren waren da , samt vielen Knechten und Mägden , alles in allem einhundertundsechzehn Menschen , an einer Stelle , wo seit dem Hinsterben des letzten Turmwächters auf der » Kuhburg « , kein menschlich Wesen mehr gelebt hatte . Der schönste Moment aber war der , als das erste Kind , ein Junge , auf dieser Stelle geboren wurde , was den alten Gentz das stolze Wort sprechen ließ : » Er ist der Erste hier , er soll Adam heißen . « Alles war in gutem Stand und Gedeihen , als Johann Christian Gentz , zwölf Jahre nach der Begründung , starb . 2 2 Vom Tode des alten Johann Christian Gentz ( 1867 ) bis zum Bau des Gentzroder Herrenhauses ( 1877 ) Am 4. Oktober 1867 war der alte Gentz gestorben und vorläufig bis zur endlichen Ausführung eines für Gentzrode geplanten Mausoleums auf dem alten Ruppiner Kirchhof am Wall beigesetzt worden . Sein jüngster Sohn Alexander trat nach erfolgter Vermögensauseinandersetzung mit seinem älteren Bruder Wilhelm , dem Maler , das Gesamterbe an , das aus folgenden Hauptstücken bestand : aus dem Stadthaus samt Laden- und Bankgeschäft , aus dem sogenannten » Tempelgarten « samt Tempel vor dem Tempeltor , aus dem Torfgeschäft im Luch , und viertens und letztens aus Gentzrode , welchem letzteren der neue Besitzer von Anfang an seine volle Hingabe widmete . Bevor ich indessen erzähle , wie diese speziell Gentzrode zugute kommende Hingabe sich äußerte , gebe ich als Einleitung eine biographische Skizze des neuen Besitzers bis zu dem Zeitpunkt der Gutsübernahme . Bei der Skizze selbst aber folge ich Alexander Gentz ' eigenen Aufzeichnungen . Alexander Gentz » Ich wurde « , so schreibt er , » am 14. April 1825 geboren und zwar als der jüngste von vier Brüdern , die , von frühester Kindheit an , sämmtlich lebhaften Geistes und von gleicher Neigung beseelt waren , sich in freier Natur herumzutummeln , um Pflanzen , Käfer , Vogeleier und Schmetterlinge zu sammeln . Ein Elementarlehrer , der Weißhauer hieß , und trotz eines mehr als bescheidenen Gehalts von nur 120 Thalern sich eine wundervolle Pflanzen- und Insektensammlung angelegt hatte , wußte durch Exkursionen , auf denen wir ihn begleiten durften , unsren Eifer für naturwissenschaftliche Dinge zu steigern . Es ging meistens auf Alt-Ruppin zu bis an den Molchowsee . Die weite Sandfläche -von kleinen Hügeln unterbrochen , mit denen der Wind spielte -war so todt und öde , daß nicht einmal Fichtengestrüpp oder Haidekraut drauf wuchsen und an dieser Wüste vorbei ( wenn nicht querdurch , was auch vorkam ) wanderten wir bis an die › Räuberkute ‹ , die wir schon um ihres Namens willen liebten und der nur leider die Räuber fehlten . Mitten im Sande begegneten wir dann plötzlich einem Sumpfloch mit wilden Enten drauf , nach denen wir vom Ufer her mit Steinen warfen , bis sie weiterflogen oder niedertauchten . Hinter der › Räuberkute ‹ lief dann , die sogenannte Schwedenschanze durchschneidend , ein alter Weg auf die Neue Mühle zu . Dies war der Ausflug , den wir am häufigsten machten , am liebsten aber war uns der Weg am Klappgraben hin und dann über diesen fort bis zu den mit Eichen und Buchen bestandenen › drei Wällen ‹ , die wohl auf 1000 Schritt die Grenze zwischen der Storbecker und Kränzliner Feldmark ziehen und den Eingang zu einem prachtvollen Eichenkamp , der der › blecherne Hahn ‹ hieß , bildeten , eine landschaftlich reizende Partie mit Baumgruppen , wie sie sich , was unsere Grafschaft angeht , kaum noch auf dem schönen Ruppiner Wall und Forstrevier › Pfefferteich ‹ vorfinden . Ja , nach dem › blechernen Hahn ‹ hin , wo sich eine Meierei mit Milchwirthschaft befand , das war ein beliebter Ausflug und nur Eins gab es , was noch darüber hinausging , das war ein in der Nähe der Kahlenberge gelegenes Elsbruch , mit einem dunklen Wassertümpel in der Mitte , der den Namen der › Gänsepfuhl ‹ führte . Das klang harmlos genug , es war aber die unheimlichste Stelle in der ganzen Gegend , an die sich allerlei Spukgeschichten knüpften , Geschichten , deren Grusel noch wuchs , als es eines Morgens hieß , Uhrmacher Hettig und Rathsdiener Kalle , die hier zu fischdieben und sich zu diesem Zwecke eines am Ufer liegenden alten Fischerkahnes zu bedienen pflegten , seien in der Nacht vorher auf dem Gänsepfuhl ertrunken . Ja der Grusel wuchs , das muß ich wiederholen , aber ich kann nicht sagen , daß sich im Übrigen ein mir zur Ehre gereichendes menschliches Mitgefühl mit eingeschlichen hätte , namentlich was den Rathsdiener Kalle betraf . Dieser nämlich war unser aller Feind , weil er uns , wenn wir uns auf eine städtische Wiese verirrten , um Schmetterlinge zu fangen , immer abzufassen suchte , bei welcher Arbeit ich auch wirklich mal ergriffen und von ihm gepfändet worden war . Ich war jetzt naiv oder selbstsüchtig genug , in dem Tod , den er erlitten , eine gerechte Strafe für die mir widerfahrene Strenge zu sehn und sympathisirte durchaus mit dem hämischen Fischer , der den am Ufer liegenden Kahn vorher durchlöchert und dadurch den Tod beider Inculpaten herbeigeführt hatte . Daß Kalle neun Kinder hinterließ , änderte wenig in meinen Augen . Nichts Egoistischeres als ein halberwachsener Junge . Sonderbarerweise kam der Elsbruch und mit ihm der gefürchtete Gänsepfuhl 30 Jahre später in meinen Besitz , und als ich an die Urbarmachung des Bruches ging und den mit Kraut ganz durchwachsenen Gänsepfuhl ausbaggern ließ , kam auch das Boot wieder ans Licht , darin Hettig und Kalle ihren Tod gefunden hatten , und ich sah nun deutlich die Löcher , die der Kahnbesitzer , um seine fischdiebenden Feinde zu vernichten , hineingebohrt hatte . Zehn Jahr alt , kam ich auf das Ruppiner Gymnasium und verließ es von Sekunda aus , um noch die Magdeburger Handelsschule zu besuchen , denn es stand fest , daß ich für den Kaufmannsstand erzogen werden sollte . Jahr und Tag war ich in Magdeburg und kam dann in ein Stettiner Modewaarengeschäft , um daselbst die Handlung zu erlernen . Es erging aber meinen Eltern mit mir nicht besser , als mit meinem älteren Bruder Wilhelm : auch mir wollte das Kaufmännische , wenigstens in der Gestalt , in der es mir damals entgegentrat , nicht behagen , und alle meine Neigung richtete sich , wie bei meinem Bruder , auf die Kunst . Ich überwand mich aber und hielt aus . Als ich 20 Jahr war , wollt ' ich aus den engen Verhältnissen heraus und in die Welt hinein . Meine Sehnsucht war Paris , was meine Eltern veranlaßte , meinen Oheim , den in Neu-Strelitz wohnenden Rentier Voigt ( einen Bruder meiner Mutter ) nach Ruppin kommen zu lassen , um mich von meiner Reise-Sehnsucht abzubringen . › Der Junge geht ins Verderben . , sagte Onkel Voigt , › bringt ihn nach Wittstock . Was soll er in Paris ? In Wittstock kann er was lernen . ‹ Es half aber alles nichts , ich blieb bei meinem Willen , und meine Mutter war schließlich einsichtig genug , in dieser Frage nachzugeben . Ich packte also meinen Koffer und ging auf zwei Jahre nach Paris . Während der ersten Monate flanirte ich , um die Weltstadt kennen zu lernen , in den Straßen umher , dann nahm ich eine Stellung in einem kaufmännischen Geschäft an und wurde meines Fleißes halber belobt , während man mir das ausbedungene Gehalt schuldig blieb . Meine Collegen lachten darüber und sagten : › Monsieur , vous avez travaillé pour le roi de Prusse .. Bald danach trat ich , um ' s besser zu haben , in ein spanisches Commissionshaus ein . Als aber in Folge der ausbrechenden Februar-Revolution ( 1848 ) alle Geschäfte zu stocken begannen , gab ich auch diese Stellung wieder auf und zog es vor , eine Reise nach dem südlichen Frankreich , nach Spanien und Algier zu machen . Bei dem Wiedereintreffen in Paris fand ich Briefe vor , die mich in die Heimath zurückberiefen , und vom Sommer 1848 an war ich wieder in Ruppin . Es folgten diesem ersten großen Ausfluge noch verschiedene Reisen , aber alle waren von kürzerer Dauer . So war ich beispielsweise Anfang der fünfziger Jahre verschiedentlich in Wien und Venedig und 1855 ein halbes Jahr lang in England , bis ich mich das Jahr drauf mit Helene Campe , Tochter des Buchhändlers Julius Campe zu Hamburg ( Verleger Heines ) verlobte . Mein Papa , als er mich zur Verlobungsfeier nach Hamburg begleitete , schmeichelte sich damit , in meinem Schwiegervater einen wohlhabenden Mann gewonnen zu haben , von dessen Vermögen mir sofort ein erheblicher Bruchtheil zufallen würde . Beide alte Herren unterhielten sich denn auch über diesen Punkt und suchten sich auszuhorchen . › Was geben Sie Ihrem Sohne mit ? ‹ fragte Campe . › 50000 Thaler ‹ , antwortete mein Papa und erwartete eine Gegenerklärung von ungefähr derselben Höhe . Campe aber antwortete nur : › Wohl Ihnen . ‹ Und dabei blieb es . 4000 Thaler abgerechnet , die mir mein Schwiegervater zur Bestreitung der Aussteuer , unmittelbar nach der Trauung , in die Hand drückte . Glücklicherweise zog ich mit meiner Heirath , auch ohne besondere Legitimirung von Seiten meines Schwiegervaters , ein glückliches Loos . Meine Frau hatte , unter häuslichen Tugenden auch den Vorzug einsichtsvoller Klugheit und die Fähigkeit sich in die Verhältnisse der neuen Familie zu schicken . Aus unserer Ehe wurden uns vier Kinder geboren . 1857 übernahm ich das alte Geschäft in der Stadt , das ich von diesem Zeitpunkt an selbständig leitete . Vier Monate des Jahres befand ich mich in der Regel auf Reisen , um die nötigen Einkäufe zu machen , war ich aber wieder daheim , so langweilte mich der › Verkauf im Einzelnen ‹ , und das sogenannte › Ladengeschäft ‹ sagte mir grade so wenig zu , wie vordem . Auch das kleine Ruppiner Leben war durchaus nicht nach meinem Sinn , lauter Dinge , die sich erst zum Bessern kehrten , als mich der Wandel der Zeiten in größere kaufmännische Verhältnisse führte : Kapitals- Associationen fanden statt und eine der großen Gründer-Epoche der siebziger Jahre voraufgehende Aktien-Schwindelzeit brach gerade damals an . In sich verwerflich genug . Aber so verwerflich diese Zeit und ihre Manipulation sein mochten , ja , mit so großen Verlusten sie für mich verknüpft waren , – das ganze kaufmännische Leben erschien mir doch plötzlich in einem neuen Lichte und wenn mich früher das Kleinliche gelangweilt und auch angewidert hatte , so war jetzt etwas da , was mich interessirte , was Gedanken und Spekulation in mir anregte . Mit den größeren Summen , die mir trotz und inmitten meiner Verluste doch immer reichlich wieder zu Händen kamen , ermöglichten sich Unternehmungen der mannigfachsten Art , Ankäufe kamen zu Stande , und große und kleine Liegenschaften theils in Nähe , theils in mehrmeiliger Entfernung von Ruppin , wurden erworben , was schließlich dahin führte , daß wir , mein Vater und ich , eine halbe Quadratmeile Torf- und Wiesen-Terrain im Wustrauschen und im Rhin-Luch besaßen , ja , uns bald danach sogar in der Lage sahn , ein mit einigen fruchtbaren Ackerstreifen durchsetztes Stück Sandland