vergebliche Denken ; es kommt nichts dabei heraus ! Da habe ich doch recht ? « » Aber du willst doch mit mir sprechen ? ! « » Allerdings ! « » So muß ich auch antworten ? ! « » Das wünsche ich sogar ! « » Du lässest mich aber doch nicht dazukommen ! « » Nicht ? Tröste dich ! Weißt du , wenn es auch nicht gleich auf der Stelle sein muß , im Verlaufe des heutigen Tages oder spätestens morgen kommst du schon noch dazu ! « » So lange soll ich gefesselt sein ? « » Oh , noch viel , viel länger ! « » Warum ? « » Weil du uns sonst fortlaufen würdest . Das siehest du doch wohl ein ! « » So sag doch , was ihr eigentlich mit mir vorhabt ! « » Wir nehmen dich mit nach Mekka . « » Allah ! Warum ? « » Um dich dort dem Pascha auszuliefern . « Der Scheik erschrak , schwieg eine Weile und sagte dann : » Das wäre teuflisch von euch ! « » Warum ? « » Ich würde elend aufgehenkt werden ! « » Ja , das würdest du , und das freut mich um deinetwillen , denn es ist ja viel ehrenvoller , so hoch da oben , als bloß ganz unten am Erdboden zu sterben . Als Scheik kannst du dir das bieten , und wir werden dir dabei behilflich sein , soviel wir nur können ! « » Und sodann würde er einen Rachezug gegen meinen Stamm unternehmen ! « » Ja , das würde er ! Denke nur , wie gut das für die Beni Khalid ist ! Wie sie da zeigen und beweisen können , daß sie tapfer sind ! Denn , unter uns gesagt , bisher hat man davon noch fast gar nichts gesehen . « » Hadschi Halef , du treibst dein Spiel mit mir ! « » Wie der Löwe mit der Maus , meinst du ? « » Ja . « » So wissen wir ja gleich , wer du bist und wer ich bin ! Aber da der Löwe großmütig sein soll , will ich es auch sein , indem ich dir verrate , daß wir dich nicht mit nach Mekka nehmen wollen . « » Ja , so sprich doch endlich ! Was wollt ihr mit mir thun ? « » Dich erschießen . « » Wann ? « » Sofort . « » Das ist ein Mord ! « » Oh nein ! Es ist nur eine gerechte Strafe . Das Morden überlassen wir euch . « » Ich bin nicht schuldiger , als die Mekkaner es waren , und die habt ihr entkommen lassen . Meßt ihr mit zweierlei Maß ? « » Nein ; aber wenn wir gemessen haben , thun wir dann , was wir wollen . Sag mir doch einmal aufrichtig : Hast du den Tod verdient ? « » Nach den Gesetzen der Wüste , ja . « » Schau , das ist schön von dir ! Da gefällt mir außerordentlich ! « » Aber denke auch an meine Beni Khalid , welche jetzt wieder am Bir Hilu liegen ! « » Du hast ja gehört , daß man nicht überflüssig denken soll ! « » Das ist nicht überflüssig . Wenn ihr mich erschießt , so rächen sie mich ! « » Damit hast du uns schon öfters gedroht , ohne daß es ein einziges Mal eingetroffen ist . Woher weißt du übrigens , daß sie dort sind ? Sie sind doch , diejenigen abgerechnet , mit denen du hierher geritten bist , vier Stunden hinter dem Brunnen an der Höhe zurückgeblieben . « » Um euch dort zu erwarten . Da ihr , wie ich jetzt höre , dort gewesen und wieder umgekehrt seid , so sind sie euch gefolgt . Ich meinte aber nicht einmal diese große Abteilung , sondern die kleine , welche ich von hier weg nach dem Brunnen geschickt habe . « » Ja , du wolltest den Kanz el A ' da nicht mit so Vielen teilen ! « » Und da nun also mein Haupttrupp wieder zurückgekehrt ist , hat er den kleineren am Brunnen getroffen . Es sind also alle beisammen . Ich mache dich auf diese Gefahr für euch aufmerksam ! « » Das ist sehr freundlich von dir ! Ich danke dir , mein Freund ! « » Spotte nicht ! « » Wenn du meinst , daß ich spotte , so mußt du annehmen , daß wir uns nicht fürchten . Was sagst du zu dem Einfalle , den ich jetzt habe : Wir erschießen dich und reiten dann gar nicht nach dem Brunnen , wo deine Leute sind ! Es ist ja gar nicht notwendig , daß wir sie wieder mit unserer Gegenwart belästigen ! « Da konnte der Scheik seinen bisher niedergehaltenen Zorn doch nicht mehr bemeistern . Er schrie Halef zornig an : » Ihr seid Schurken ! « » Oh ! Warum ? « » Weil ihr die Mekkaner , diese Hunde , freigegeben habt , mich aber erschießen wollt ! Ihr habt wahrscheinlich schon vergessen , was der alte Münedschi von der Gnade sagte ! « » Hm ! Gnade ! Ja , denkst du denn , da wärest auch du gemeint ! « » Natürlich ! « » Das ist freilich etwas anderes , etwas ganz , ganz anderes ! Du bittest also auch um Gnade ? « » Bitten ? Nein ! Ich verlange sie ! « Da zeigte Halef schnell wieder sein ernstes Gesicht und warnte : » Scheik Tawil Ben Schahid , der Ton , in welchem du sprichst , gefällt mir nicht ! Höre , was ich dir jetzt sage ! Und das gilt ! « Er winkte einen Haddedihn herbei und befahl ihm : » Du zielst jetzt auf das Herz dieses Mörders , welcher glaubt , die Gnade müsse ihm gehorchen . Sobald ich die Hand hebe , giebst du ihm eine Kugel in den Kopf , genau in die Stirn . Paß auf ! « Der Krieger hielt den Lauf auf den Scheik , zielte und legte den Finger an den Drücker . Hierauf richtete der Hadschi sein Wort wieder an Tawil : » Du siehst die Folgen deines Verhaltens . Ich gebe dir zwei Minuten Zeit . Hast du bis dahin noch nicht gesprochen , so hebe ich die Hand . « Es trat eine tiefe Stille der Erwartung ein . Die Hälfte der Frist verlief ; dann aber wirkte die Drohung . » Nehmt die Flinte weg ! « bat der Scheik . » Du willst Gnade ? « fragte Halef . » Ja . « » Du willst ? « » Ja . « » Das Wollen ist noch kein Bitten ! « » Allah zerschmettere euch mitsamt dieser Flinte ! So sei es denn : Ich bitte um Gnade ! « Da senkte der Haddedihn das Gewehr , und der Hadschi lachte : » So war es recht , oh Scheik der Beni Khalid ! Aber ich will dir trotzdem mitteilen , daß ich das Zeichen auf keinen Fall gegeben hätte . Es war ja beschlossene Sache , auch dich laufen zu lassen . Ich wollte nur hören , wie es klingt , wenn ein Scheik um Gnade bittet . « Tawil antwortete hierauf kein Wort und schenkte von jetzt an keinem einzigen von uns einen Blick . Als er losgebunden worden war , stand er auf , ging nach der Stelle , wo sein Gewehr lag , hob es auf , schritt zu seinem Kamele hin , setzte sich in den Sattel , gab ihm das Zeichen , sich zu erheben , und ritt fort . Wir sahen ihm ebenso still nach . Fast war er so weit gekommen , daß er um den Fuß der Düne biegen und dann verschwinden mußte , da lenkte er um , kam im schnellen Laufe wieder hergeritten , hielt vor uns an , maß uns mit stolzen , grausam kalt blickenden Augen und sagte , indem er seine Hand zum Schwure hoch erhob : » Auch ich habe über eure Liebe gelacht und lache jetzt noch über sie . Zwischen mir und euch giebt es nichts als nur die Rache ! Ich schwöre bei Allah , beim Propheten , bei den Khalifen und bei der heiligen Kaaba : Die Wüste , welche hier um uns liegt , richtet zwischen mir und euch . Entweder verlaßt ihr oder verlasse ich sie nicht ! Ihr seid fünfzig und ich bin nur einer ; aber in den Augen der Rache zähle ich ebenso viel wie ihr . Ich rufe die Wüste auf , sich entweder für euch oder für mich zu öffnen ! Von diesem Augenblicke an gähnt zwischen uns ein Grab . Wen es aufnehmen soll , ob mich oder euch , das mögen die entscheiden , bei denen ich geschworen habe ! « Schon stand er im Begriff , sein Kamel zu wenden , da stieß er noch ein spöttisches Lachen aus und fügte hinzu : » Oder mag das auch die Liebe entscheiden , die eure angebetete Götzin ist ; ich habe nichts dagegen ! « Hierauf ritt er fort , ohne sich noch einmal umzusehen . Wir blickten ebenso wortlos wie vorhin hinter ihm drein . So ein Schwur ist eine eigene Sache ! Es wäre einem jeden von uns jetzt unmöglich gewesen , die eingetretene Stille durch ein alltägliches Wort zu unterbrechen . Man hatte da eine so unbeschreibliche , andachtsähnliche Empfindung , daß ich , wenn ich Muhammedaner gewesen wäre , gesagt hätte : » Die angerufenen Geister von Muhammed und seinen Nachfolgern stehen unsichtbar um uns her , um zwischen uns und ihm zu entscheiden ! « So war es nicht nur mir , sondern den andern auch . Einige der Haddedihn nahmen sich der verwundeten Militärkamele an , und die andern thaten , was an den Leichen der Soldaten zu thun war , und das alles geschah , ohne daß man ein lautes Wort hörte . Diese Heiligkeit der Situation , möchte ich es nennen , hatte ihren obersten Grund natürlich in dem Umstande , daß überall , wo der Tod einzieht , sich mit ihm auch jene fromme Scheu , jenes andächtige Grauen einfindet , über dessen Ursache sich so wenige Menschen klar werden . Und doch ist es etwas so sehr Einfaches ! Der Mensch scheint , so lange er lebt , sein eigener Herr zu sein . Er kann thun und lassen , was ihm beliebt ; er kann glauben oder bezweifeln , was er will ; er kann gut oder böse handeln , ganz , wie er sich entschließt ; er ist ja überhaupt derjenige , auf den alles ankommt . Da plötzlich streckt sich die Hand des Todes nach ihm aus , und der Tod ist das Gericht . Der » Herr und Gebieter « liegt im Staube vor Gott , dem einzigen Herrn , außer dem es keinen andern giebt . Er hat nun plötzlich Rechenschaft abzulegen über sein ganzes Leben . Er besitzt nicht die Spur eines Willens mehr ; er muß sich fügen . Jede Sekunde seines Lebens tritt als Zeugin für oder gegen ihn auf , und er muß das ruhig geschehen lassen . Der Herrgott hält Gericht ; zu seinen Seiten sitzen die Gerechtigkeit und die Gnade . Tief vor ihm hingestreckt liegt auf seinem Gesichte der zu Richtende , am ganzen Leibe zitternd im Gefühle seiner Ohnmächtigkeit . Er kann nichts , nichts mehr für sich thun . Wer wird nun das entscheidende Wort sprechen , die Gnade oder die Gerechtigkeit ? Gehe während der Verhandlung in einen Gerichtssaal ! Du wirst unwillkürlich leise auftreten und auch leise sprechen . Warum ? Du kannst nicht anders ; die Ehrfurcht vor dem Gesetz , vor dem Gerichte dämpft deine Schritte und deine Stimme . So trittst du auch in das Sterbezimmer . Ob du es ahnst oder nicht , du hast den Ort des ewigen Gerichtes betreten , welches mit dem Augenblicke des Todes seinen Anfang nimmt . Es ist der unsichtbare Richter , welcher hier waltet ; du siehst ihn nicht und trittst aber doch so unhörbar wie möglich auf . Es ist die Ehrfurcht vor dem Gesetze des Ewigen , nach welchem hier über dem Dahingeschiedenen das Urteil gesprochen wird ; es ist diese Ehrerbietung , welche dich zwingt , dein Haupt zu entblößen , das mehr oder weniger deutliche Bewußtsein , daß auch du selbst über kurz oder lang so ohnmächtig daliegen wirst , um auf der Wage der Gerechtigkeit gewogen zu werden . Das , das ist die Ursache des Grauens , welches jeder nicht ganz verdorbene Mensch in der Nähe einer Leiche empfindet und nicht von sich abzuwehren vermag ! Und wir hatten zwanzig Tote hier , und diese Toten waren ermordet worden , was noch viel , viel mehr sagen will ! Es wurde ihnen ein möglichst tiefes und großes , gemeinsames Grab bereitet . Dahinein legten wir sie , einen neben den andern , in ihren Uniformen und mit den Seitengewehren , die Flinten neben sich . Als wir die Sterbegebete über sie gesprochen hatten , gaben wir eine dreimalige Salve ab , legten einem jeden seinen kleinen Gebetsteppich auf das Gesicht und warfen das Grab zu . Während dieser ganzen Handlung weinte Khutab Agha , der Ernste , immerfort still vor sich hin . Da tauchte wohl in manchem von uns die Frage auf , ob wir nicht mit den Mördern denn doch wohl zu mild verfahren seien , und es gesellte sich der feste Vorsatz hinzu , nun aber streng zu sein , wenn wir wieder in Konflikt mit ihnen kommen sollten . Und daß dies geschehen werde , das hatte uns der Scheik der Beni Khalid ja schon angedroht . Darüber waren wieder mehrere Stunden vergangen , und als wir nun diesen für uns unvergeßlichen Ort verlassen konnten , war die größte Hälfte des Nachmittages vorüber . Aber wohin jetzt ? Weit konnten wir für heute nicht . Zum Glück waren wir mit Wasser versehen , und so beschlossen wir , den Weg der Sanddünen , den wir nun schon einmal hin und einmal her geritten waren , zum drittenmal zurückzulegen und dann im Thale zwischen der letzten und vorletzten Düne zu übernachten . So ein Thal war mit wenigen Posten am leichtesten zu bewachen und gewährte uns den besten Schutz . Morgen früh wollten wir uns dann nach den Umständen richten . Dies wurde ausgeführt . Der Weg wurde sehr langsam und vorsichtig , indem eine Vorhut voranritt , zurückgelegt , und wir erreichten die betreffende Stelle , als es eben dunkel werden wollte . Wenn ich von der letzten und vorletzten Düne sprach , so meinte ich die letzten bedeutenden Höhen , nicht die kleineren , die dann , nach und nach immer niedriger werdend , in die flache Sandwüste übergingen , in welcher unsere Kamele » gemahlen « hatten . Das Thal war außerordentlich passend zum Lagerplatz . Die Höhen , zwischen denen es lag , vereinigten sich auf der einen Seite , während sie auf der andern so nahe nebeneinander herliefen , daß ein Einzelposten genügte , diesen Zugang zu bewachen . Eine vortrefflichere Stelle konnten wir gar nicht finden . Heut mußten die Militärkamele von den Haddedihn mit bedient werden , welche also mehr als bisher zu thun hatten . Was den Perser betraf , so konnte er natürlich nicht daran denken , den Rückweg nach Meschhed Ali allein anzutreten . Er mußte bei uns bleiben und einstweilen mit uns weiterreiten , bis wir auf einem der Hauptwege eine Karawane treffen würden , der er sich heimwärts anschließen konnte . Er war außergewöhnlich still und beteiligte sich nicht an unserm Gespräche . Wenn ja einmal eine Frage an ihn gerichtet wurde , so beantwortete er sie so kurz wie möglich , oft nur mit einem einzigen Worte . Das war so auffällig , daß ich ihn nach dem Grunde dieser Einsilbigkeit fragte . » Meine Asaker ! « seufzte er . » Ich muß nur immer an sie denken ! « » Ich thue das auch ; aber kannst du es vielleicht dadurch anders machen ? « » Nein . Ja , du Effendi ! Dich braucht das nicht zu bedrücken ! « » Etwa dich mehr als mich ? « » Ja , denn ich bin schuld an ihrem Tode . Zwanzig , zwanzig Seelen , die nun durch meine Schuld ganz unvorbereitet an die Wage der Gerechtigkeit treten ! Dieser Gedanke ist unerträglich schwer ! « » Wieso trägst du die Schuld ? « » Weil ich deine heutige Warnung ebensowenig beachtet habe wie deinen gestrigen Rat . Du sagtest , ich solle sofort heimkehren ; ich blieb aber trotzdem . Wenn wir gestern gleich nach dem Zweikampfe fortgeritten wären , so hätten die Beni Khalid keine Zeit gehabt , mir einen solchen Hinterhalt zu legen . Ich habe also die Schuld zu tragen , ich ganz allein ! Denn ich bin nicht nur einmal , sondern wiederholt gewarnt worden und habe nicht darauf geachtet . Wie schwer , wie unendlich schwer wird mich das dereinst belasten , wenn für mich die Zeit da ist , Rechenschaft abzulegen ! « Die Vorwürfe , welche er sich machte , waren leider nicht unbegründet , doch that und sagte ich alles , was ich thun und sagen konnte , ihm das Herz leichter zu machen ; es gelang mir aber nicht so , wie ich wollte . Wir hatten die Kamele nach dem Hintergrunde geschafft , dahin , wo die beiden Höhen zusammenstießen . Dort war nicht ein besonderer Wächter für sie nötig . Wir lagerten so vor ihnen , daß sie eingeschlossen waren . Zu unserer Sicherheit waren drei Posten erforderlich , welche wir ausstellten , nämlich auf die vor uns und auf die hinter uns liegende Höhe und den dritten rechts in die schon erwähnte Enge unsers Thales . Es schien also eine Ueberrumpelung ganz unmöglich zu sein , und in diesem Gefühle legten wir uns sehr zeitig schlafen , um früh gut ausgeruht zu haben , denn infolge der Drohung des Scheikes hatten wir anzunehmen , daß der morgende Tag ein anstrengender und gefährlicher für uns sein werde . Dieser Mann that jedenfalls alles mögliche , seinen Schwur ganz und baldigst in Erfüllung gehen zu lassen ! Während uns dies natürlich Sorgen machen mußte , waren wir heut in Beziehung auf die Sicherheit unseres Lagerplatzes vollständig beruhigt . Wir hatten einen wunderbaren Sternenhimmel ; es war bedeutend heller als gestern und vorgestern abend , und so hätten unsere Wächter blind oder sehr nachlässig sein müssen , um den Beni Khalid einen Ueberfall zu ermöglichen . Ueberhaupt war diesen letzteren die Stelle , an welcher wir lagen , höchst wahrscheinlich nicht bekannt . Ich schlief sehr tief und traumlos , bis ein Ruf erscholl , der mich weckte . Noch aber hatte ich die Augen nicht geöffnet , so vervielfältigte sich dieser Ruf zu einem vielstimmigen Geschrei , welches von den Lippen sämtlicher Haddedihn kam . Ich wollte aufspringen , konnte aber nicht , denn es hatten sich zwei , drei , vier Gestalten auf mich gestürzt , welche alle ihre Kräfte anwendeten , mich niederzuhalten . Der Schlaf war mir da so vollständig aus den Augen vertrieben , daß er sie nicht mehr trübte . Ich schnellte mich empor , um um mich blicken zu können , wurde zwar sofort wieder niedergerissen , hatte aber doch genug gesehen . Es wimmelte von Beduinen rund um uns her ; es waren ihrer so viele , daß jetzt , da sie uns einmal hatten , der Widerstand gradezu Wahnsinn gewesen wäre und uns nur zum Untergange hätte führen müssen . Darum schrie ich so laut wie möglich : » Ergebt euch , ihr Haddedihn ! Ich , Akil Schatir Effendi , sage es euch . Ich ergebe mich auch ! « » Ich auch ! « erschallte hierauf Halefs Stimme . - » Wehrt euch nicht ! Ich befehle es euch ! « Hierauf streckte ich mich aus und ließ mich binden . Es gab noch ein nur kurzes Durcheinander rund umher , dann war es still . Diejenigen Haddedihn , welche der Widerstand von ihren Plätzen getrieben hatte , wurden wiedergebracht . Wir lagen alle , alle beisammen , und unsere Sieger setzten sich so , daß sie uns in ihrer Mitte hatten . Nun , da ich ungehindert Umschau halten konnte , sah ich , daß bei dem Tachtirwan , welcher sich natürlich an einer von uns abseits liegenden Stelle befand , drei Beduinen standen , welche ihn in Schutz genommen hatten . Das war eine Rücksicht , welche man den Beni Khalid , besonders aber ihrem Scheik , gar nicht hätte zutrauen sollen ! Ich bemerkte ihn . Er bewegte sich die Reihe seiner Leute entlang hin nach der Sänfte , um sich dort nach irgend etwas zu erkundigen . Dann kam er auch zu uns . » Welcher von euch ist der Scheik der Haddedihn ? « fragte er . » Ich bin es , « antwortete Halef . » Welcher ist der fremde Effendi ? « » Ich , « sagte ich . Seine Stimme klang ganz anders als die Stimme Tawil Ben Schahids ! Er fuhr fort : » Welcher ist der Basch Nazyr aus Meschhed Ali ? « » Hier liege ich , « rief der Perser . » Hört , was ich euch sage : Wenn ihr drei mir euer Ehrenwort gebt , nichts ohne meine Erlaubnis zu unternehmen so lasse ich euch wieder losbinden . Antwortet mir ! « Das war ja wunderbar ! Dieser Mann hatte nicht Tawils Stimme und - das bemerkte ich erst jetzt - auch nicht ganz seine Gestalt . Wer war er ? Ich dachte bei dieser Frage an die Kundschafter , welche kurze Zeit bei uns am Brunnen gewesen waren . » Sprich du zuerst , Sihdi ! « forderte mich Halef auf . Ich antwortete : » Ich gebe mein Ehrenwort , doch einstweilen nur für so lange , wie wir uns an diesem Orte befinden . Für länger können wir uns nicht verpflichten , weil wir nicht wissen , wer diese Leute sind , warum sie uns überfallen haben und was sie mit uns beabsichtigen . Verhalte dich also wie ich ! « » Gut ! Auch ich gebe mein Ehrenwort , aber auch nur für die Zeit , welche der Effendi jetzt angedeutet hat ! « erklärte Halef . Und der Perser folgte diesem Beispiele : » Ich ebenso ! « » Das genügt mir vollständig , « sprach der Anführer . » Bindet also diese drei Männer wieder los ! « Er that es nicht selbst ; sein Befehl wurde von dreien seiner Leute ausgeführt , während er unbeweglich vor uns stand . Als es geschehen war und wir uns zum Sitzen aufgerichtet hatten , setzte er sich uns gegenüber nieder und machte uns die Mitteilung : » Ich bin Abd el Idrak154 , der Scheik der Beni Lam . « Er machte das , was man eine Kunstpause nennt , um seinen Worten Zeit zu lassen , die beabsichtigte Wirkung auf uns auszuüben . Diese Wirkung blieb auch gar nicht aus . Also mit den Beni Khalid hatten wir es nicht zu thun ! Aber konnten wir nicht dadurch aus dem Regen in die Traufe gekommen sein ? Die Beni Khalid hatten wir kennen gelernt , die Beni Lam aber noch nicht ! Aber daß grad uns dreien , den Anführern , die Fesseln gleich wieder abgenommen worden waren , das gab uns doch wohl die Berechtigung , unsere jetzige Lage für keine allzu schlimme zu halten . Diese Beni Lam befanden sich in einer so bedeutenden Anzahl hier , daß wir uns bei ihnen , den Feinden der Beni Khalid , gegen diese im vortrefflichsten Schutz befanden , den wir uns nur wünschen konnten . Das war auch sehr viel wert ! Uebrigens hatte Abd el Idrak die Absicht , jetzt mit uns zu sprechen , und da mußte es sich ja zeigen , welchen Zweck er mit dem ihm so wohlgelungenen Ueberfalle verfolgte . » Ihr werdet keine Ahnung davon gehabt haben , daß sich eine so große Schar der Beni Lam in der Nähe des Brunnens Hilu befand , « begann er . » Oh , doch , « antwortete ich . » Also ist es trotzdem so , wie ich dachte ! Dieser Tawil Ben Schahid hat euch gesagt , daß er es auf uns abgesehen hatte ? « » Ja . « » Ich sandte zwei Kundschafter nach dem Brunnen ; sie haben mit euch gesprochen . Für wen oder was habt ihr sie gehalten ? « » Für das , was sie waren , für deine Späher . « » Warum gabt ihr ihnen keine Auskunft über die Beni Khalid , an denen ihr euch dadurch nicht nur hättet so schön rächen , sondern von denen ihr euch dadurch auch hättet befreien können ? « » Wir sind ehrliche Krieger , also keine Verräter ! Wir handeln schon überhaupt nach dem Grundsatze , daß Allah den Frieden , nicht aber den Krieg zwischen seinen Kindern will , und jetzt befinden wir uns als Pilger auf dem Wege nach der heiligen Stadt und sind als solche verpflichtet , uns bei keiner Gelegenheit von der Hand der Unfriedfertigkeit leiten zu lassen . « » Ja , « nickte er nachdenklich , » du überhaupt bist ein Abd el Musalaha155 ! « » Wie kommst du dazu , mich so zu nennen ? « fragte ich verwundert . » Du hast bewiesen , daß du es bist ! « » Weißt du das ? « » Ja . Ich weiß mehr von euch , als ihr denkt . Es giebt mehrere Personen , welche mir von euch erzählt haben . « » Darf ich fragen , wer diese Personen sind ? « » Zunächst meine beiden Kundschafter . Es hat mich sehr von euch gefreut , daß ihr eure Feind nicht verraten habt ! Ich sage euch , wenn ihr das gethan hättet , wäre euch dasselbe Los wie ihnen beschieden gewesen , denn der Verräter ist ein stinkender Dib156 , den man nicht schonen darf , sondern vernichten muß ! « Da stieß mich Halef mit dem Ellbogen an . Ich wußte , was er meinte . Er hatte mir Vorwürfe darüber gemacht , daß ich gegen die beiden Späher so verschwiegen gewesen war . Nun sah er ein , wie richtig dieses Verhalten von mir gewesen war . Dieser Abd el Idrak war ein ganz , ganz anderer Mann als der Scheik der Beni Khalid , ein bei aller Barschheit des hiesigen Lebens edel angelegter und edel handelnder Charakter ; das sollten wir später noch deutlicher erkennen als jetzt . Er trug seinen Namen Abd el Idrak , Diener der Einsicht , mit vollem Rechte ! Er fuhr fort : » Der Scheik der Beni Khalid glaubte , uns ganz unvorbereitet zu finden ; aber Allah schützt die Guten und verdunkelt die Augen der Bösen . Er fügte es , daß ich das Unternehmen unserer Feinde zur rechten Zeit erfuhr . Ich rüstete meine Krieger und zog den Beni Khalid entgegen , um die Entscheidung zwischen uns und ihnen in die Wüste zu legen , damit nicht die Wohnungen friedlicher Leute dabei verwüstet würden . Meine Späher standen von ferne und lauschten . Ich hörte , daß sie nach Süden gezogen seien , und folgte ihnen . Sie waren von dort zurückgekehrt , hatten aber einen Mann zur Beobachtung zurückgelassen , den wir festnahmen . Er mußte uns alles erzählen , was am Brunnen geschehen war . So erfuhren wir von euch , von dem Kanz el A ' da , von seinen Dieben und von dem Kampf um ihn . Der Schatz hat einen großen , großen Wert ; ich beschloß , ihn in meine Hände zu bringen und euch zu überfallen . Darum ließ ich euch genau beobachten , ohne daß ihr eine Ahnung davon hattet . Auch die Beni Khalid merkten nichts davon . « » Bi Khatir-i-Khudah - um Gottes willen , « rief da der Perser aus . » Nun soll ich den Kanz el A ' da schon wieder hergeben ! « » Das sollst du nicht , « lachte der Scheik , doch es war ein freundlich klingendes Lachen . » Wir haben ihn doch schon ! « » Ja , das Paket ist fort ! « » Dort liegt es bei dem Tachtirwan und wird mit dem Harem des Scheikes der Haddedihn sehr gut bewacht , wie du siehst ! « » Ihr werdet es behalten ? « Der Scheik that , als ob er diese Frage gar nicht gehört habe und sprach weiter : » Abadilah el Waraka , den man El Ghani nennt , trat vor einigen Monaten eine Reise an , welche von Mekka nach Meschhed Ali gehen sollte . Auf dieser Reise kam er auch nach Oneizeh , der großen Stadt . Er hatte seinen Sohn mit , drei andere Begleiter und auch einen alten Mann , den man El Münedschi nennt , weil er die Gabe der Weissagung besitzt . Dieser Münedschi verkehrt mit einem Engel des Himmels , welcher Ben Nur heißt und ihm alle Geheimnisse des Lebens entdeckt . Darum ist alles , alles wahr , was der Münedschi sagt , und wenn er etwas verkündet , so geht es in Erfüllung . Er muß sehr , sehr reich sein , denn es kommen Tausende von Pilgern zu ihm , welche ihn sehen und hören wollen und dann nicht