Zeiten für die Summe von tausend Pfund Gold an den heiligen Petrus und seine Nachfolger , für den Fall , daß Silverius Bischof von Rom werde , die Herrschaft der Stadt und das Weichbild von Rom und dreißig Meilen in der Runde . Es sind aufgezählt alle Hoheitsrechte : Gerichtsbarkeit , Gesetzgebung , Verwaltung , Steuern , Zölle und selbst Kriegsgewalt . Dieser Vertrag ist nach seinem Datum drei Monate alt . Also im selben Augenblick , da der fromme Archidiakon , hinter Theodahads Rücken , die Waffen des Kaisers herbeirief , schloß er hinter des Kaisers Rücken , einen Vertrag , der diesem die Früchte seiner Anstrengung rauben und den Papst für alle Fälle sichern sollte . Ich überlasse es dem Stellvertreter des Kaisers , wie solche Klugheit zu würdigen sei . Für die Erwählten des Herrn gilt als besondre Klugheit der Schlangen Moral : - unter uns Laien ist solches Tun ... « - » Der schändlichste Verrat ! « fiel Belisar donnernd ein , sprang auf und nahm die Urkunde aus des Präfekten Hand . - » Hier sieh , Priester , deinen Namen : kannst du noch leugnen ? « Der Eindruck dieser Anklage , dieses Beweises auf alle Anwesenden war ein gewaltiger . Staunen und Unwillen , gemischt mit Spannung auf des Papstes Verteidigung , lag auf den Zügen aller Gesichter ; am meisten aber war Scävola , der kurzsichtige Republikaner , überrascht von diesen Herrscherplänen seines gefährlichen Verbündeten . Er hoffte , Silverius werde die Verleumdung siegreich niederschlagen . Die Lage des Papstes war in der Tat höchst gefährlich , die Anklage schien unwiderleglich , und das zornlohende Antlitz Belisars hätte manch ' tapfres Herz erschreckt . Aber Silverius zeigte in diesem Augenblick , daß er kein unebenbürtiger Gegner des Präfekten und des Helden von Byzanz war . Nicht eine Sekunde hatte er die Fassung verloren : nur als Cethegus die Urkunde aus dem Gewand hervorzog , hatte er einen Moment die Augen niedergeschlagen , wie aus Schmerz . Aber dem donnernden Ruf wie den blitzenden Augen Belisars hielt er ein unerschütterlich ruhiges Angesicht entgegen . Er fühlte , daß er in dieser Stunde den Gedanken seines Lebens verfechten mußte : dies gab ihm kühne Kraft , keine Wimper zuckte ihm . » Wie lange wirst du noch schweigen ? « fuhr ihn Belisar an . » Bis du fähig und würdig bist , mich zu hören . Du bist besessen von Urchitophel , dem Dämon des Zornes . « » Sprich ! Verteidige dich ! « sagte Belisar , sich setzend . » Die Klage dieses gottlosen Mannes , « hob Silverius an , » bringt nur ein Recht der heiligen Kirche noch früher ans Licht , als sie es in dieser unruhigen Zeit geltend machen wollte . Es ist wahr , ich habe diesen Vertrag mit dem Barbarenkönig geschlossen . « Eine Bewegung der Entrüstung ging durch die Reihen der Byzantiner . » Nicht aus weltlicher Herrschsucht , nicht , um neues Recht zu erwerben , habe ich mit dem König der Goten , als dem damaligen Besitzer der Stadt , verhandelt . Nein ! die Heiligen sind mir Zeugen ! Nur weil es meine Pflicht , ein uraltes Recht des heiligen Petrus nicht fallen zu lassen . « » Ein uraltes Recht ? « fragte Belisar unwillig . » Ein uraltes Recht ! « wiederholte Silverius , » das geltend zu machen die Kirche nur bisher unterlassen hat . Ihre Feinde nötigen sie , in diesem Augenblick damit hervorzutreten . Wisset denn , du Vertreter des Kaisers , höret es , ihr Kriegsobersten und Schwertgewaltigen , was sich die Kirche von Theodahad hat einräumen lassen , ist schon seit zwei Jahrhunderten ihr Eigentum : der Gote hat es nur bestätigt . An demselben Ort , wo des Präfekten tempelschänderische Hand diese Bestätigung entwendet , hätte er auch die Urkunde finden können , die ursprünglich unser Recht begründet hat . Der fromme Kaiser Constantinus , der sich zuerst von den Vorgängern Justinians der Lehre des Heils zugewandt , hat auf Bitten seiner gottseligen Mutter Helena , nachdem er alle seine Feinde mit sichtbarer Hilfe der Heiligen , besonders des heiligen Petrus , unter seine Füße getreten , zur dankbaren Anerkenntnis solchen Beistandes und um vor aller Welt zu bezeugen , daß Krone und Schwert sich vor dem Kreuz der Kirche zu beugen haben , die Stadt Rom mit ihrem Weichbild und die benachbarten Städte und Marken durch eine feierliche Schenkungsurkunde für ewige Zeiten dem heiligen Petrus zu eigen übertragen , mit Gericht und Verwaltung , Steuer und Zoll und allen Kronrechten irdischer Herrschaft , auf daß die Kirche auch einen weltlichen Boden habe zur leichteren Vollführung ihrer weltlichen Aufgaben . Diese Schenkung ist durch eine rechtsgültige Urkunde in aller Form verbrieft : der Fluch von Gehenna ist jedem gedroht , der sie anstreitet . Und ich frage , im Namen des dreieinigen Gottes , den Kaiser Justinian , ob er diese Rechtshandlung seines Vorgängers , des in Gott seligen Kaisers Constantinus , anerkennen oder ob er sie , aus weltlicher Habgier , umstoßen und damit den Fluch der Gehenna und die ewige Verdammnis auf sein Haupt laden will ? « Diese Rede des Bischofs von Rom , mit aller Kraft geistlicher Würde und aller Kunst weltlicher Rhetorik vorgetragen , war von unwiderstehlicher Wirkung . Belisar , Prokop und die Feldherren , die eben noch über den verräterischen Priester ein zorniges Gericht hatten halten wollen , fühlten sich jetzt durch den plötzlich ihnen entgegengehaltenen Rechtstitel selbst wie verurteilt . Der Kern Italiens schien unwiderbringlich dem Kaiser verloren und der Herrschaft der Kirche anheimgegeben . Ein banges Schweigen lagerte über den jüngst noch so herrischen Byzantinern und triumphierend stand der Priester als Sieger in ihrer Mitte . Endlich sprach Belisar , der die Aufgabe der Bekämpfung oder die Schmach der Niederlage von sich abwälzen wollte : » Präfekt von Rom , was hast du zu erwidern ? « Mit einem kaum bemerkbaren Zucken des Spottes um die feinen Lippen verneigte sich Cethegus und begann : » Der Angeklagte beruft sich auf eine Urkunde . Ich könnte , glaub ' ich , ihn in große Verlegenheit versetzen , wenn ich ihr Vorhandensein bestritte , und die sofortige Vorlage der Urschrift von ihm verlangte . Indessen will ich dem Manne , der sich das Haupt der Christenheit nennt , nicht wie ein gehässiger Anwalt begegnen . Ich räume ein , die Urkunde existiert . « Belisar machte eine Bewegung hilflosen Verdrusses . » Mehr noch ! Ich habe dem heiligen Vater die Mühe der Vorlage derselben , die ihm sonst sehr schwer fallen dürfte , erspart , und die Urkunde selbst mitgebracht in meiner tempelschänderischen Hand . « Er zog ein vergilbtes Pergament aus dem Sinus und sah lächelnd bald in dessen Zeilen , bald auf des Papstes , bald auf Belisars Gesicht , an deren Spannung sich weidend . » Ja , noch mehr . Ich habe die Urkunde viele Tage lang mit feindselig forschenden Augen , mit Zuziehung noch schärferer Juristen , als ich es leider nur bin , - so meines jungen Freundes Salvius Julianus , - bis auf jeden Buchstaben nach ihrer formellen Gültigkeit geprüft . Vergebens . - Selbst der Scharfsinn meines verehrten und gelehrten Freundes Scävola könnte keinen Mangel herausinterpretieren . Alle Formen des Rechts , alle Klauseln höchster unanfechtbarer Sicherheit sind in der Schenkungsakte haarscharf gewahrt ; und in der Tat : ich hätte den Protonotarius des Kaisers Constantin kennen mögen , er muß ein Jurist ersten Ranges gewesen sein . « Er hielt inne : - höhnisch ruhte sein Auge auf dem Antlitz des Silverius , der sich den Schweiß von den Schläfen wischte . » Also , « fragte Belisar in höchster Aufregung : » die Urkunde ist formell ganz richtig - daher beweiskräftig ? « » Jawohl ! « seufzte Cethegus , » die Schenkung ist in ganz makelloser Ordnung . Schade nur , daß ... - « » Nun ? « unterbrach Belisar . » Schade nur , daß sie falsch ist . « Da flog ein Schrei von allen Lippen . Belisar , Antonina sprangen auf , alle Anwesenden traten einen Schritt näher zu dem Präfekten . Nur Silverius wankte einen Schritt zurück . » Falsch ? « fragte Belisar mit einem Ruf , der wie ein Jubel klang . » Präfekt , - Freund , - kannst du das beweisen ? « » Sonst hätte ich mich gehütet es zu behaupten . Das Pergament , auf das die Schenkung geschrieben ist , zeigt alle Spuren eines hohen Alters : Brüche , Wurmstiche , Flecken jeder Art , alles , was man von Ehrwürdigkeit verlangen kann , - so daß es manchmal sogar schwierig ist , die Buchstaben zu erkennen . Gleichwohl stellt sich die Urkunde nur so alt ; mit so großem Aufwand von Kunst , als manche Frauen sich den Schein der Jugend geben , lügt sie die Heiligkeit des Alters . Es ist echtes Pergament aus der alten , von Constantin begründeten , noch heute bestehenden kaiserlichen Pergamentfabrik zu Byzanz . « » Zur Sache , « rief Belisar . » Aber es ist wohl nicht jedem bekannt , - und es scheint auch leider dem heiligen Bischof entgangen zu sein ! - daß bei diesen Pergamenten ganz unten - links , am Rande - durch Stempelschlag das Jahr der Fertigung durch Angabe der Jahreskonsuln in allerdings kaum wahrnehmbaren Buchstaben bezeichnet wird . Nun gib wohl acht , o Feldherr ! Die Urkunde will , wie sie im Texte sagt , gefertigt sein im sechzehnten Jahre von Constantins Regierung , im gleichen Jahre , da er die Heidentempel schließen ließ , wie das fromme Pergament besagt , ein Jahr nach der Erhebung von Constantinopolis zur Hauptstadt , und nennt richtig die richtigen Konsuln dieses Jahres , Dalmatius und Xenophilos . Da ist es nun wirklich nur durch ein Wunder zu erklären , - aber hier hat Gott der Herr ein Wunder gegen seine Kirche getan ! - daß man in jenem Jahre , also im Jahre dreihundertfünfunddreißig nach der Geburt des Herrn , schon ganz genau wußte , wer im Jahr nach dem Tode des Kaisers Justinus und des Königs Theoderich Konsul sein würde ; denn seht , hier unten am Rande der Stempel besagt : der Schreiber hatte ihn nicht beachtet - er ist auch wirklich sehr schwer wahrzunehmen , wenn man das Pergament nicht gegen das Licht hält - so etwa , siehst du , Belisar ? und er hatte blindlings drei Kreuze darauf gemalt ; ich aber habe diese Kreuze mit meiner - wie hieß es doch ? - tempelschänderischen , aber geschickten Hand weggewischt und siehe , da steht eingestempelt : VI Indiktion : Justianinus Augustus , allein Konsul im ersten Jahre seiner Herrschaft . « Silverius wankte und hielt sich an dem Stuhl , den man für ihn bereit gestellt . » Das Pergament der Urkunde , auf welches der Protonotar des Kaisers Constantin vor zweihundert Jahren die Schenkung niederschrieb , ist also erst vor einem Jahre zu Byzanz einem Esel von den Rippen gezogen worden . Gesteh , o Feldherr , daß hier das Gebiet des Begreiflichen endet , und des Übernatürlichen beginnt , daß hier ein Wunder der Heiligen geschah , und verehre das Walten des Himmels . « Er reichte Belisar die Urkunde . » Das ist auch ein tüchtig Stück Weltgeschichte , heilige und profane , was wir da erleben ! « sagte Prokop zu sich selbst . » Es ist so , beim Schlummer Justinians ! « frohlockte Belisar . » Bischof von Rom , was hast du zu erwidern ? « Mühsam hatte sich Silverius gefaßt ; er sah den Bau seines Lebens vor seinen Augen in die Erde versinken . Mit halb versagender Stimme antwortete er : » Ich fand die Urkunde im Archiv der Kirche vor wenigen Monden . Ist dem so , wie ihr sagt , so bin ich getäuscht , wie ihr . « » Wir sind aber nicht getäuscht , « lächelte Cethegus . » Ich wußte nichts von jenem Stempel , ich schwöre es bei den Wunden Christi . « - » Das glaub ' ich dir ohne Schwur , heiliger Vater , « fiel Cethegus ein . - » Du wirst einsehn , Priester , « sprach Belisar , sich erhebend , » daß über diese Sache die strengste Untersuchung ... « - » Ich verlange sie , « sprach Silverius , » als mein Recht . « » Es soll dir werden , zweifle nicht ! Aber nicht ich darf es wagen , hier zu richten : nur die Weisheit des Kaisers selbst kann hier das Recht finden . Vulkaris , mein getreuer Heruler , dir übergeb ' ich die Person des Bischofs . Du wirst ihn sogleich auf ein Schiff bringen und nach Byzanz führen . « » Ich lege Verwahrung ein , « sprach Silverius . » Über mich kann niemand richten auf Erden als ein Konzil der ganzen rechtgläubigen Kirche . Ich verlange , nach Rom zurückzukehren . « » Rom siehst du niemals wieder ! Und über deine Rechtsverwahrung wird der Kaiser Justinian , der Kaiser des Rechts , mit Tribonian entscheiden . Aber auch deine Genossen , Scävola und Albinus , die falschen Mitankläger des Präfekten , der sich als des Kaisers treusten , klügsten Freund erwiesen , sind hoch verdächtig . Justinian entscheide , wieweit sie unschuldig . Auch sie führt in Ketten nach Byzanz . Zu Schiff ! Dort hinaus , zur Hintertür des Zeltes , nicht durchs Lager . Vulkaris , dieser Priester aber ist des Kaisers gefährlichster Feind . Du bürgst für ihn mit deinem Kopf . « » Ich bürge , « sprach der riesige Heruler , vortretend und die gepanzerte Hand auf des Bischofs Schulter legend . » Fort mit dir , Priester ! zu Schiff ! Er stirbt , eh ' er mir entrissen wird . « Silverius sah ein , daß weiteres Widerstreben nur seine Würde gefährdende Gewalt hervorrufen werde . Er fügte sich und schritt neben dem Germanen , der die Hand nicht von seiner Schulter löste , nach der Tür im Hintergrund des Zeltes , die eine der Wachen auftat . Er mußte hart an Cethegus vorbei . Er beugte das Haupt und sah ihn nicht an : aber er hörte , wie dieser ihm zuflüsterte : » Silverius , diese Stunde vergilt deinen Sieg in den Katakomben . Nun sind wir wett ! « Dreizehntes Kapitel . Sowie der Bischof das Zelt verlassen , erhob sich Belisar lebhaft von seinem Sitze , eilte auf den Präfekten zu , umarmte und küßte ihn : » Nimm meinen Dank , Cethegus Cäsarius ! Ich werde dem Kaiser berichten , daß du ihm heute Rom gerettet hast . Dein Lohn wird nicht ausbleiben . « Aber Cethegus lächelte : » Meine Taten belohnen sich selbst . « Den Helden Belisarius hatte der geistige Kampf dieser Stunde , der rasche Wechsel von Zorn , Furcht , Spannung und Triumph mehr als ein halber Tag des Kampfes unter Helm und Schild angestrengt und erschöpft . Er verlangte nach Erholung und Labung und entließ seine Heerführer , von denen keiner ohne ein Wort der Anerkennung an den Präfekten das Zelt verließ . Dieser sah seine Überlegenheit von allen , auch von Belisar , anerkannt ; es tat ihm wohl , in einer Stunde den schlauen Bischof vernichtet und die stolzen Byzantiner gedemütigt zu haben . Aber er wiegte sich nicht müßig in dieser Siegesfreude . Dieser Geist kannte die Gefährlichkeit des Schlafes auf Lorbeer : Lorbeer betäubt . Er beschloß , sofort den Sieg zu verfolgen , die geistige Übergewalt , die er in diesem Augenblick über den Helden von Byzanz unverkennbar besaß , jetzt , unter ihrem ersten frischen Eindruck , mit aller Kraft zu benutzen und den lang vorbereiteten Hauptstreich zu führen . Während er mit solchen Gedanken dem Zug der Heerführer nachsah , die sich aus dem Zelt entfernten , bemerkte er nicht , daß zwei Augen mit eigentümlichem Ausdruck auf ihm ruhten . Es waren Antoninas Augen . Die Vorgänge , deren Zeugin sie gewesen , hatten einen seltsam gemischten Eindruck auf sie gemacht . Zum erstenmal hatte sie den Abgott ihrer Bewunderung , ihren Gatten , ohne alle eigne Kraft sich zu helfen und zu wehren , in den Schlingen eines andern , des klugen Priesters , liegen und nur durch die überlegne Kraft dieses dämonischen Römers gerettet gesehen . Anfangs hatte ihr in dem Gatten verletzter Stolz diese Demütigung mit schmerzlichem Haß gegen den Übermächtigen empfunden . Aber dieser Haß hielt nicht vor und unwillkürlich trat , wie immer gewaltiger sich die Macht seiner Überlegenheit entfaltete , Bewunderung an des Verdrusses Stelle und erschreckte Unterordnung ; sie empfand nur noch das Eine : ihren Belisar hatte die Kirche und Cethegus hatte ihren Belisar und die Kirche verdunkelt . Und daran knüpfte sich unzertrennlich der ängstliche Wunsch , diesen Mann nie zum Feind , immer zum Verbündeten ihres Gatten zu haben . Kurz , Cethegus hatte an dem Weibe Belisars eine geistige Eroberung von größter Wichtigkeit gemacht : und er sollte es , noch dazu , sofort merken . Mit gesenkten Augen trat das schöne , sonst so sichre Weib auf ihn zu ; er sah auf : da errötete sie über und über und reichte ihm eine zitternde Hand . » Präfekt von Rom , « sagte sie , » Antonina dankt dir . Du hast dir ein großes Verdienst erworben um Belisarius und den Kaiser . Wir wollen gute Freundschaft halten . « Mit Staunen sah Prokop , der im Zelt zurückgeblieben , diesen Vorgang : » Mein Odysseus überzaubert die Zauberin Circe , « dachte er . Cethegus aber erkannte im Augenblick , wie sich diese Seele vor ihm beugte , und welche Gewalt er dadurch über Belisar gewonnen . » Schöne Magistra Militum , « sagte er , sich hoch aufrichtend , » deine Freundschaft ist der reichste Lorbeer meines Sieges . Ich stelle sie sogleich auf die Probe . Ich bitte dich und Prokop , meine Zeugen , meine Verbündeten zu sein in der Unterredung , die ich jetzt mit Belisar zu führen habe . « » Jetzt ? « sagte Belisar ungeduldig . » Kommt , laßt uns erst zu Tische gehen und im Cäkuber den Sturz des Priesters feiern . « Und er schritt zur Türe . Aber Cethegus blieb ruhig stehen in der Mitte des Zeltes , und Antonina und Prokop lagen so ganz unter dem Bann seines Einflusses , daß sie nicht ihrem Herrn zu folgen wagten . Ja , Belisar selbst wandte sich und fragte : » Muß es denn jetzt gerade sein ? « » Es muß , « sagte Cethegus , und er führte Antonina an der Hand nach ihrem Sitz zurück . Da schritt auch Belisar wieder zurück . » Nun so sprich , « sagte er , » aber kurz . « » So kurz als möglich . Ich habe immer gefunden , daß gegenüber großen Freunden oder großen Feinden Aufrichtigkeit das stärkste Band oder die beste Waffe . Danach werd ' ich in dieser Stunde handeln . Wenn ich sagte : mein Tun lohnt sich selbst , so wollt ' ich damit ausdrücken , daß ich dem falschen Priester die Herrschaft über Rom nicht eben um des Kaisers willen entrissen . « Belisar horchte hoch auf . Prokop , erschrocken über diese allzu kühne Offenheit seines Freundes , machte ihm ein abmahnendes Zeichen . Antoninas rasches Auge hatte das bemerkt und stutzte , mißtrauisch über das Einverständnis der beiden . Cethegus entging dies nicht . » Nein , Prokop , « sagte er zu Belisars Erstaunen : » unsre Freunde hier würden doch allzubald erkennen , daß Cethegus nicht der Mann ist , seinen Ehrgeiz in einem Lächeln Justinians befriedigt zu finden . Ich habe Rom nicht für den Kaiser gerettet . « » Für wen sonst ? « fragte Belisar ernst . » Zunächst für Rom . Ich bin ein Römer . Ich liebe mein ewiges Rom . Es sollte nicht dem Priester dienstbar werden . Aber auch nicht die Sklavin des Kaisers . Ich bin Republikaner , « sprach er , das Haupt trotzig aufwerfend . Über Belisars Antlitz flog ein Lächeln : der Präfekt schien ihm nicht mehr so bedeutend . Prokop sagte achselzuckend : » Unbegreiflich . « Aber Antoninen gefiel dieser Freimut . » Zwar sah ich ein , daß wir nur mit dem Schwerte Belisars die Barbaren niederschlagen können . Leider auch , daß unsre Zeit nicht ganz reif ist , mein Traumbild republikanischer Freiheit zu verwirklichen . Die Römer müssen erst wieder zu Catonen werden , dies Geschlecht muß aussterben , und ich erkenne , daß Rom einstweilen nur unter dem Schilde Justinians Schutz findet gegen die Barbaren . Drum wollen wir uns diesem Schilde beugen - einstweilen . « » Nicht übel ! « dachte Prokop , » der Kaiser soll sie solang schützen , bis sie stark genug sind , ihn zum Dank davonzujagen . « » Das sind Träume , mein Präfekt , « sagte Belisar mitleidig , » was haben sie für praktische Folgen ? « » Die , daß Rom nicht mit gebundenen Händen , ohne Bedingung , der Willkür des Kaisers überliefert werden soll . Justinian hat nicht nur Belisar zum Diener . Denke , wenn der herzlose Narses dein Nachfolger würde ! « - Die Stirn des Helden faltete sich . - » Deshalb will ich dir die Bedingungen nennen , unter denen die Stadt Cäsars dich und dein Heer in ihre Mauern aufnehmen wird . « Aber das war Belisar zu viel . Zürnend sprang er auf , sein Antlitz glühte , sein Auge blitzte . » Präfekt von Rom , « rief er mit seiner rollenden Löwenstimme , » du vergißt dich und deine Stellung . Morgen brech ' ich auf mit meinem Heer von siebzigtausend Mann nach Rom . Wer wird mich hindern , einzuziehen in die Stadt , ohne Bedingung ? « » Ich , « sagte Cethegus ruhig . » Nein , Belisar , ich rase nicht . Sieh hier , diesen Plan der Stadt und ihrer Werke . Dein Feldherrnauge wird rascher , besser als das meine , ihre Stärke erkennen . « Er zog ein Pergament hervor und breitete es auf dem Zelttische aus . Belisar warf einen gleichgültigen Blick darauf , aber sofort rief er : » Der Plan ist irrig ! Prokop , reiche mir unsern Plan aus jener Capsula . - Sieh her , diese Gräben sind ja jetzt ausgefüllt , diese Türme eingefallen , hier die Mauer niedergerissen , diese Tore wehrlos . Dein Plan stellt sie alle noch in furchtbarer Stärke dar . Er ist veraltet , Präfekt von Rom . « » Nein , Belisar , der deine ist veraltet : diese Mauern , Gräben , Tore sind hergestellt . « - » Seit wann ? « - » Seit Jahresfrist . « - » Von wem ? « - » Von mir . « Betroffen sah Belisar auf den Plan . Antoninas Blick hing ängstlich an den Zügen ihres Gatten . » Präfekt , « sagte dieser endlich , » wenn dem so ist , so verstehst du den Krieg , den Festungskrieg . Aber zum Krieg gehört ein Heer , und deine leeren Wälle werden mich nicht aufhalten . « » Du wirst sie nicht leer finden . Du wirst einräumen , daß mehr als zwanzigtausend Mann Rom - nämlich dies mein Rom hier auf dem Plan - über Jahr und Tag selbst gegen Belisar zu halten vermögen . Gut : so wisse denn , daß jene Werke in diesem Augenblick von fünfunddreißigtausend Bewaffneten gedeckt sind . « » Sind die Goten zurück ? « rief Belisar . Prokop trat erstaunt näher . » Nein , jene fünfunddreißigtausend stehen unter meinem Befehl . Ich habe seit Jahren die lang verweichlichten Römer zu den Waffen zurückgerufen und unablässig in den Waffen geübt . So habe ich zur Zeit dreißig Kohorten , jede fast zu tausend Mann , schlagfertig . « Belisar bekämpfte seinen Unmut und zuckte verächtlich die Achseln . » Ich geb ' es zu , « - fuhr Cethegus fort - , » diese Scharen würden in offner Feldschlacht einem Heere Belisars nicht stehen . Aber ich versichre dich : von diesen Mauern herab werden sie ganz tüchtig fechten . Außerdem hab ' ich aus meinen Privatmitteln siebentausend auserlesene isaurische und abasgische Söldner geworben und allmählich in kleinen Abteilungen ohne Aufsehen nach Ostia , nach Rom und in die Umgegend gebracht . Du zweifelst ? hier sind die Listen der dreißig Kohorten , hier der Vertrag mit den Isauriern . Du siehst deutlich , wie die Sachen stehen . Entweder du nimmst meine Bedingung an - dann sind jene fünfunddreißigtausend dein , dein ist Rom , mein Rom , dieses Rom auf dem Plan , von dem du sagtest , es sei von furchtbarer Stärke , und dein ist Cethegus . Oder du verwirfst meine Bedingung : dann ist dein ganzer Siegeslauf , dessen Gelingen auf der Raschheit deiner Bewegung ruht , gehemmt . Du mußt Rom belagern , viele Monde lang . Die Goten haben alle Zeit , sich zu sammeln . Wir selber rufen sie zurück : sie ziehen in dreifacher Übermacht zum Entsatz der Stadt heran , und nichts errettet dich vom Verderben als ein Wunder . « » Oder dein Tod in diesem Augenblick , du Teufel , « donnerte Belisar , und riß , seiner nicht mehr mächtig , das Schwert aus der Scheide . » Auf , Prokop , in des Kaisers Namen ! Ergreife den Verräter ! Er stirbt in dieser Stunde ! « Entsetzt , unschlüssig trat Prokop zwischen die beiden , indes Antonina ihrem Gatten in den Arm fiel und seine rechte Hand zu fassen suchte . » Seid ihr mit im Bunde ? « schrie der Ergrimmte . » Wachen , Wachen herbei ! « Aus jeder der beiden Türen traten zwei Lanzenträger in das Zelt : aber noch zuvor hatte sich Belisar von Antonina losgerissen und mit dem linken Arm den starken Prokop , als wär ' er ein Kind , zur Seite geschleudert . Mit dem Schwert zu furchtbarem Stoß ausholend , stürzte er auf den Präfekten los . Aber plötzlich hielt er inne und senkte die Waffe , die schon des Bedrohten Brust streifte . Denn unbeweglich , wie eine Statue , ohne eine Miene zu verziehen , den kalten Blick durchbohrend auf den Wütenden gerichtet , war Cethegus stehen geblieben , ein Lächeln unsäglicher Verachtung um die Lippen . » Was soll der Blick und dieses Lachen ? « fragte Belisar innehaltend . Prokop winkte leise den Wachen , abzutreten . » Mitleid mit deinem Feldherrnruhm , den ein Augenblick des Jähzorns für immer verderben sollte . Wenn dein Stoß traf , warst du verloren . « » Ich ! « lachte Belisar . » Ich sollte meinen du . « » Und du mit mir . Glaubst du , ich stecke tolldreist den Kopf in den Rachen des Löwen ? Daß einem Helden deiner Art zuallererst der feine Einfall kommen werde , dich mit einem guten Schwertstreich herauszuhauen , das vorauszusehen war nicht schwer . Dagegen hab ' ich mich geschützt . Wisse : seit diesem Morgen ist infolge eines versiegelten Auftrages , den ich zurückließ , Rom in den Händen , in der Gewalt meiner blindergebnen Freunde . Das Grabmal Hadrians , das Kapitol und alle Tore und Türme der Umwallung sind besetzt von meinen Isauriern und Legionaren . Meinen Kriegstribunen , todesmutigen Jünglingen , hab ' ich diesen Befehl hinterlassen für den Fall , daß du ohne mich vor Rom eintriffst . « Er reichte Prokop eine Papyrusrolle . Dieser las : » An Lucius und Marcus , die Licinier Cethegus der Präfekt . Ich bin gefallen , ein Opfer der Tyrannei der Byzantiner . Rächet mich ! Ruft sofort die Goten zurück . Ich fordre es bei eurem Eid . Besser die Barbaren als die Schergen Justinians . Haltet euch bis auf den letzten Mann . Übergebt die Stadt eher den Flammen als dem Heer des Tyrannen . « » Du siehst also , « fuhr Cethegus fort , » daß dir mein Tod die Tore Roms nicht öffnet , sondern für immer sperrt . Du mußt die Stadt belagern : oder mit mir abschließen . « Belisar warf einen Blick des Zornes , aber auch der Bewunderung auf den kühnen Mann , der ihm mitten unter seinen Tausenden Bedingungen vorschrieb . Dann steckte er das Schwert ein , warf sich unwillig auf seinen Stuhl und fragte : » Welches sind deine Bedingungen für die Übergabe ? « » Nur zwei . Erstens gibst du mir Befehl über einen kleinen Teil deines Heeres . Ich darf deinen Byzantinern kein Fremder sein . « » Zugestanden . Du erhältst als Archon zweitausend Mann illyrischen Fußvolks und eintausend sarazenische und maurische Reiter . Genügt das ? « » Vollkommen . Zweitens . Meine Unabhängigkeit vom Kaiser und von dir ruht einzig auf der Beherrschung Roms . Diese darf durch deine Anwesenheit nicht aufhören . Deshalb bleibt das ganze rechte Tiberufer mit dem Grabmal Hadrians , auf dem linken aber das Kapitol , die Umwallung im Süden bis zum Tore Sankt Pauls einschließlich , bis zum Ende des Krieges in der Hand meiner Isaurier und Römer ; von dir aber wird der ganze Rest der Stadt auf dem linken Tiberufer besetzt , von dem flaminischen Tor im Norden bis zum appischen Tor im Süden . « Belisar warf einen Blick auf den Plan . » Nicht übel gedacht ! Von jenen Punkten aus kannst du mich jeden Augenblick aus der Stadt drängen oder den Fluß absperren .