, jetzt auf dem Königsstuhle der Deutschen , dem ersten weltlichen Stuhle auf dieser Erde , welcher gleich nach dem Stuhle des Heiligen Vaters kommt ? Und wird dieses Geschlecht nicht wachsen ? Hat er nicht die alten Welfe , die in Baiern und Sachsen mächtig waren , nieder geworfen ? Und wird er nicht gegen Heinrich , den Sohn unsers verstorbenen stolzen Herzoges Heinrich , dem sie Sachsen gegeben haben , und in dem ein rächender Löwe heran wächst , einst streiten ? Und wenn die Mächtigen streiten , kannst du sagen , Bruder Zdik , in welche Zeiten und in welche Länder sich der Streit fortpflanzen wird ? Und wie der Mann Büren auf den hohen Staufen gestiegen ist , und seinem Geschlechte den deutschen Königstuhl errungen hat , so hat ein anderer Mann in der Zeit vor unsern Tagen seine Söhne ausgesendet , daß sie sich ihren Lebensunterhalt suchen , und sie haben Königskronen gefunden , die furchtbar sind , und die noch furchtbarer werden können . Es ist der Mann Tankred gewesen , der in dem Lande Normandie gehauset hat . Er ist auch nur ein edler Mann gewesen , und sein Geschlecht hat einiges Ansehen gehabt . Er hat die edle Jungfrau Moriella geheiratet , und sie hat ihm Töchter und fünf Söhne geboren . Und da sie gestorben war , hat er die edle Jungfrau Fresenda geheiratet , und sie hat ihm Töchter und sieben Söhne geboren . Und sie hat die Töchter und die Söhne erzogen . Und die Jünglinge waren in allen Tugenden der Männer und Ritter geübt . Da sagte der Vater : Wenn meine Habe unter euch geteilt wird , so hat jeder wenig , wenn sie aber einer bekömmt , so kann er sein Geschlecht in Ansehen fortführen , und wenn die übrigen sich Ruhm und Habe erwerben , so könnt ihr alle bedeutsam sein . Da gingen drei Söhne , Wilhelm , Drogo und Humfried , nach Italien , und verdingten sich dem Fürsten von Capua . Als der Fürst kargte , gingen sie in den Dienst des Fürsten von Salerno . Derselbe übergab sie dem griechischen Kaiser Michael , und sie schlugen mit den Männern der Normandie , die nach gekommen waren , für ihn ein sicilisches und saracenisches Heer auf der Insel Sicilien . Die Griechen aber betrogen sie um die Beute , und waren arglistig , und die Männer mußten nach Italien fliehen . Dort errannten sie im Sturme die Stadt Malfi , machten aus ihr eine Veste , und sie sollte gemeinschaftliches Eigentum sein , und was man erobern würde , sollte geteilt werden . Wilhelm wurde als Haupt erkannt . Er führte sie gegen die Griechen , welche bestrebt waren , die Eindringlinge aus dem Lande zu werfen , und besiegte die Griechen . Aber er starb . Da wurde Drogo das Haupt , und es kamen wieder sieben Söhne Tankreds zu ihm . Weil die Griechen nicht zu siegen vermochten , und auch durch Geschenke die Fremden nicht aus dem Lande bringen konnten , dachten sie auf Hinterlist . Drogo wurde , als er in die Kirche von Montello ging , ermordet , viele seiner Leute wurden getötet , und es sollten an diesem Tage alle Normannen ermordet werden . Aber an Drogos Stelle trat Humfried , er rief die Seinigen zusammen , sie erstürmten Montello , töteten die Verräter , und befestigten ihre Macht . Nun wies sie der Heilige Vater Leo aus dem Lande , und befahl , daß sie aus Italien weichen sollten . Sie gehorchten nicht . Und so zog er mit den Leuten des Fürsten von Benevent , mit Griechen , und selbst mit Deutschen gegen sie . Allein sie siegten , und nahmen den Heiligen Vater gefangen . Sie bezeugten ihm große Ehrerbietung , und er belehnte sie mit dem , was sie hatten , und was sie in dem untern Italien erwerben würden . Als Humfried starb , kam der nächste der Söhne Tankreds , Robert Guiskard , an seine Stelle . Sie sagen , daß Robert sehr schöne rote Wangen und blaue Augen und blonde Haare gehabt hatte . Aber die Männer gehorchten dem Haupte nicht mehr . Sie zerstreuten sich in Fehdefahrten , und wohnten auf Burgen . Robert baute sich ein Schloß , und mußte sich dahin Lebensmittel stehlen , er mußte einen falschen Leichenzug in ein Kloster führen , um von den Mönchen durch Schreck Geld und Nahrung zu erpressen , und er trug einen reichen Mann gegen sein Schloß , um Lösegeld zu erzwingen . Da kam nun auch der jüngste der Söhne Tankreds , Roger , nach Apulien . Er war schön und blond wie sein Bruder , aber größer . Zuerst war er mit seinem Bruder Robert vereinigt . Aber sie zerfielen dann , und bekriegten sich . Roger erhielt von einem Bruder eine Burg zum Geschenke , und er mußte Wegelagerung treiben , und stahl in der Nacht mit seinem Knechte Pferde . Die Brüder versöhnten sich wieder , und da sie versöhnt waren , bezwang Robert Länder in Apulien , und Roger machte Raubzüge nach Sicilien , und behielt die Stadt Messina in seiner Gewalt . Sie entzweiten sich dann wieder , und kämpften gegen einander . Da rettete Roger einmal seinen Bruder aus der Gefangenschaft und von dem Tode , und nun blieben sie vereint durch die Zeit ihres Lebens , und halfen einer dem andern . Roger besiegte die Saracenen in Sicilien , dann kam Robert zu ihm , und sie durchzogen die Insel . Dann gingen beide nach Apulien , bezwangen Städte durch Hunger , durch Sturm oder durch Schreck , und dann eroberten sie wieder Palermo , und dann die letzten Teile von Apulien . Roger wurde als Fürst von Sicilien und Robert als Fürst von Apulien anerkannt . Robert rüstete darauf ein Heer gegen den griechischen Kaiser Alexius , schiffte nach Griechenland , besiegte den Kaiser in mehreren Schlachten , und war daran , das ganze Reich zu bezwingen . Da ward ihm zu Hause Empörung erregt , und der Heilige Vater Gregor der Siebente rief ihn zu Hilfe , weil er in der Engelsburg von dem Kaiser Heinrich belagert wurde . Robert ließ seinen Sohn Boemund in Griechenland , ging heim , schlug die Empörer , zog mit seinem Bruder nach Rom , und befreite den Heiligen Vater . Boemund besiegte in der Zeit die Griechen in drei Schlachten . Robert machte nun den zweiten Zug gegen sie ; allein da starb er . Seine Söhne haderten , und endlich erlosch seine Nachkommenschaft gänzlich . Und da auch Roger gestorben , und da ihm sein Sohn desselben Namens Roger gefolgt war , kam alle Herrschaft in Sicilien und Apulien an diesen zweiten Roger . Er wurde dann König und vor zwölf Jahren in der heiligen Weihnachtzeit von dem Gegenpapste Anaklet durch einen Kardinal in der erzbischöflichen Kirche in Palermo gesalbt . Der im Himmel selige Kaiser Lothar hat wohl nach seinem Krönungszuge nach Rom das ganze Land Italien erobert , und Roger auf Sicilien zurück gedrängt , und den Heiligen Vater Innozenz auf seinen Stuhl nach Rom geführt ; aber da Lothar nach Deutschland zurück gezogen , und auf dem Wege gestorben war , eroberte Roger wieder alle Länder des untern Italien , und wurde von dem Heiligen Vater Innozenz als König von Apulien , Calabrien , Capua und Sicilien erkannt . Und da steht er nun , der Enkel des Mannes Tankred , als ein gewaltiger Herrscher da , bereit , alles zu nehmen , und sei es so viel , als eines Menschen Haupt zu denken vermag . Und wie sind die Sachen indessen in dem oberen Italien gediehen ? Wenn man mit Worten den Kaiser nennt , so achtet in Taten niemand sein , die Begierden herrschen , und Venedig kämpft mit Ravenna , Florenz und Pisa mit Lucca und Siena , Verona und Vicenza mit Padua und Treviso , Bologna mit Modena , und die Herren in dem Lande sind dabei , der Markgraf von Tuscien steht zu den Florentinern , der Graf Guido zu den Feinden derselben , und es erheben sich Räuberhorden , die den Freund und den Feind plündern , und Bischöfe und Äbte anfallen . Und hat nicht der Abt von Clugny , der auch von Räubern ergriffen worden war , an den König Roger geschrieben : Oh , wenn nur das arme Land deinen Befehlen unterworfen würde ? Und sind nicht diese Worte bekannt gemacht worden ? Wenn nicht ein deutscher König zu retten kommt , so wird Roger das Land ergreifen , es mit einem Arme halten , und mit dem andern über die Alpen langen , und alles zu verschlingen streben , oder alles wird zerfallen . « » So ist es , hochehrwürdiger Bruder Regimbert « , sagte Zdik , » das Erhobene wird gedemütigt , das Kleine wird erhoben . So stark wie dieser Roger , Robert , Boemund , Wilhelm und Drogo , so sind noch andere auf dieser Welt , und wer weiß , ob nicht der deutsche König und römische Kaiser schon unter uns wandelt , der die Rettung bringt . « » Konrad wird jetzt auf seinen Römerzug gehen « , sagte Regimbert , » auch preisen viele den Knaben Friedrich . « » Was ist alles vor den Augen Gottes « , antwortete Zdik , » Geschlechter steigen in die Grube , andere breiten sich aus , Reiche vergehen , und werden . Bei uns sind Männer von dem Herzogstuhle in das Elend gegangen , andere von dem Pfluge zur Herrschaft , Städte und Stämme haben geboten , und sind dahin . Aber Gott wirkt durch die Menschen Wunder , welche leuchten von dem Aufgange bis zu dem Untergange , und welche nicht vergessen werden , wenn wir sie auch durch Unreinheit des Herzens verlieren . « » Du sagst es , Bruder Zdik « , antwortete Regimbert , » das ist die Befreiung des Heiligen Landes von der Schmach der Entweihung durch den Eifer gebrechlicher Menschen . Das ist das Wunder , das vor unserer Zeit geschehen ist , und das nicht vergessen werden kann . Es ist mein Gebet beim Tage , meine Betrachtung in der Nacht , und mein Traum in dem Schlafe , daß ich einmal in das Land gelange . Ich erzähle mir , und wiederhole mir , wie es sich wundervoll zugetragen hat . Da ist ein Mann mit einem kleinen Körper , mit schwachen Gliedern , mit geschwärzten Wangen , und mit nackten Füßen , der Einsiedler Peter , zu dem Heiligen Vater Urban gekommen . Er hat erzählt , wie er nach Jerusalem gegangen ist , und wie ihn die Leute gepflegt haben , und wie ihm vornehme Frauen die Füße gewaschen haben ; denn es hat sich ausgebreitet , daß die Pilgerungen zum Seelenheile dienen , damit man sich von Schuld löse , oder frömmer werde , oder Überbleibsel hole , die ewigen Segen bringen , und viele Menschen sind nach Jerusalem gewandelt , und immer mehrere , um des Heiles teilhaftig zu werden . Und je mehr Menschen nach Jerusalem gezogen sind , desto mehr Ungläubige sind aus dem Lande Asien heraus gezogen , und haben alles erobert bis an das Meer , und sind den Pilgern zum Schrecken und zur Gefahr geworden , und haben Zins begehrt , wenn man die heiligen Stätten betreten wollte . Aber die Pilger duldeten den Schrecken und die Gefahr , und leisteten den Zins . Siegfried , der Erzbischof von Mainz , Otto , der Bischof von Regensburg , Günther , der Bischof von Bamberg , Wilhelm , der Bischof von Utrecht , die große Geleite hatten , wurden angefallen , und verloren Habe und Männer . Von siebentausend Christen , die eine Wallfahrt unternommen haben , sind fünftausend getötet worden . Dietrich , der Graf von Trier , welcher Kuno , den Erzbischof von Köln , erschlagen hatte , ging , um die schwere Schuld zu sühnen , nach Jerusalem , und ist nicht wieder zurückgekehrt . Die pilgernden Herren von Wulfenberg , vom Thal , von Bingen sind verschollen , und ist nie mehr etwas von ihnen gehört worden . Eine schöne Äbtissin hat man bis zum Tode entwürdigt . Die Türken schändeten die heiligen Orte , die Kirchengeräte wurden zerstört , die Priester geschlagen und mißhandelt , der Patriarch wurde bei den Haaren und dem Barte zu Boden geworfen , und es wurde ihm in das Angesicht gespien , und wenn die armen Pilger den Zins nicht zahlen konnten , so wurden sie zurück gejagt , und die Christen konnten ihnen nicht helfen , weil sie selber beraubt und geplündert worden waren , und da man die Pilger nicht pflegen konnte , mußten sie oft auf der Heimkehr verschmachten . Der Einsiedler zog Briefe heraus , die ihm Simeon , der Patriarch , gegeben hatte , die ihm andere Leute gegeben hatten , und die ihm unzählige Leute gegeben hatten . Der Heilige Vater antwortete , daß er auf Abhilfe denken werde . Peter ging darauf über die Alpen , und erzählte dort , und teilte Briefe aus . Auf den November des Jahres 1095 berief der Heilige Vater eine Versammlung nach Clermont . Es kamen über dreihundert Bischöfe und Äbte , und dann Fürsten , Edle , Ritter und Volk . Der Heilige Vater hielt die Versammlung unter dem freien Himmel , und sprach : Die Lehre des Heilandes ist durch viele hundert Jahre in dem Lande Asien geübt worden , sie ist von da in die ganze Welt ausgegangen ; jetzt aber sind Ungläubige dort , und walten . Welch ein Jammer ist dieses ! Und doch ist der Jammer noch größer . Die heilige Stadt Jerusalem und das Heilige Land ist in ihrer Gewalt . Der Erlöser , welcher die menschliche Gestalt angenommen hat , ist dort gewandelt , hat dort seine Worte gesprochen , seine Wunder gewirkt , hat dort gelebt , und ist dort gestorben . Jetzt ist dort keine Erlösung mehr . In der Kirche der Auferstehung , durch die er dem Tode die Macht genommen hat , werden Teufelsworte verkündiget , in dem heiligen Raume stehen Lasttiere , die Christen werden verfolgt , die Priester mißhandelt und erschlagen , und um das nur anblicken zu können , müssen die Pilger einen schweren Zins zahlen . Uns allen wäre besser , daß wir stürben , als daß wir leben , und dieses Unheil dulden . Ich sage : Jeder verleugne sich selbst , jeder nehme das Kreuz des Heilandes , kein Christ streite mehr wider den andern , keiner rufe den andern vor Gericht , keiner sei tapfer gegen den Nachbar , sondern gegen die Heiden zur Vergebung der Sünden , keiner fürchte Gefahr ; denn wer reinen Herzens für den Herrn streitet , dem sind die Feinde dahin gegeben , keiner fürchte Mangel ; denn wer Gott gewinnt , ist reich , keiner lasse sich durch Klagen der Seinigen hindern ; denn die Gnade schützet das Haus . Und der Heilige Vater konnte seine Worte nicht endigen ; denn es entstand ein Donnerschrei in dem Volke , und es rief gesamt wie ein einziger Mensch : Gott will es ! Und da es wieder stille geworden war , sagte der Heilige Vater : Wahrhaftig sind die Worte der Schrift : Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind , werde ich bei ihnen sein . Er ist bei euch gewesen , und hat durch euch wie mit einem Munde das Wort gerufen : Gott will es . Das Wort ist nun fortan euer Feldwort , und das Kreuz sei euer Zeichen , es ist das Zeichen der Macht und der Demut . Wer das heilige Unternehmen zu stören wagt , den trifft der Fluch des päpstlichen Stuhles , wer es fördert , dem wird sein Beistand im Namen des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit . Da der Heilige Vater geendet hatte , kniete Ademar von Monteil , der Bischof von Puy , vor ihm nieder , und bat , daß er bei dem heiligen Zuge sein dürfe , dann kniete Wilhelm , der Bischof von Orange , nieder , und bat auch so , und dann knieten viele , und baten , und die meisten der Versammelten riefen auf , und gelobten den Zug . Man riß plötzlich , wo irgend ein rotes Tuch oder rote Seide oder rotes Linnen auf einem Kleide war , dasselbe herab , und schnitt Kreuze daraus , und heftete sich die Kreuze auf die Schultern . Alte Männer , welche zu jener Zeit gelebt haben , erzählen , daß sich die Kunde von dem , was zu Clermont geschehen ist , in allen Ländern der Christenheit zu der gleichen Zeit verbreitet hat . Die Bischöfe und die Priester predigten nun das Kreuz , und die Pilger riefen zum Zuge . Der Mann trennte sich von dem Weibe , das Weib von dem Manne , die Eltern von den Kindern , die Kinder von den Eltern , der Bruder von der Schwester , die Schwester von dem Bruder , der Landmann vergaß den Acker , der Hirt die Herde , Mönche und Nonnen verließen ihre Zellen , und alle , Männer und Weiber , Hohe und Niedere wollten nicht ausgeschlossen sein von der Wanderung der Völker nach dem Heiligen Lande . Es war nicht mehr Frist , das auszuschließen , was nicht tauglich war , und wie ein brausendes Gewässer lief alles vorwärts . Unzählbare Menschen zogen sogleich mit dem Ritter Walter und mit dem Einsiedler Peter dahin ; aber sie gingen zu Grunde . Dann zogen andere mit dem Grafen Emiko ; aber sie gingen auch zu Grunde . Da zog der edle Herzog von Lothringen , Gottfried von Bouillon mit Ratschluß und Besinnung aus . Es zogen mit ihm seine Brüder Balduin und Eustathius . Es zogen mit ihm Robert , der Graf von der Normandie , der Bruder des Königs von England , dann Robert , der Graf von Flandern , es zogen mit ihm Hugo , der Graf von Vermandois , der Bruder des Königs von Frankreich , dann der Graf Stephan von Blois , der Burgen hatte , wie Tage im Jahre sind , dann Raimund , der Graf von Toulouse , welcher der reichste unter den Rittern war , dann Boemund , der Sohn des Normannen Robert Guiskard , der Enkel des Mannes Tankred , und mit ihm war sein Neffe Tankred , der in jungen Jahren schon hohes Lob gewonnen hatte , es zog mit ihm noch eine große Zahl von Herren , Rittern und Edlen . Sie gingen durch das Land Ungarn und durch das Reich der Griechen , und waren , als sie auf den Boden des Erdteiles Asien stiegen , eine halbe Million und hunderttausend Menschen . Darunter waren dreihunderttausend gewappnete Fußgänger und hunderttausend Reiter . Sie gingen in dem Erdteile Asien vorwärts , und waren Leute aller Zungen und Völker . Sie litten durch Hunger und Durst , durch Feinde und Zank , durch Krankheit und Erschöpfung , durch Kämpfe und Aufenthalt , weil sie nicht ganz reinen Herzens waren . Und als sie sich gereiniget hatten , eroberten sie Nicäa , Edessa , und Antiochia , und am sechsten Tage des Brachmonates des Jahres 1099 hatten sie die Gnade , Jerusalem zu sehen . Sie fielen auf die Knie , sangen Loblieder , und weinten vor Freude . Dann näherten sie sich der Stadt , und rüsteten sich zur Belagerung , und am neununddreißigsten Tage nach ihrer Ankunft , am fünfzehnten des Heumonates erstiegen sie im Sturme die Stadt Jerusalem . Alle hatten die größte Anstrengung erwiesen , und man hatte diejenigen , welche auf dem Zuge gestorben waren , wieder unter den Kämpfern erblickt . Sie küßten den Erdboden , berührten alles mit ihren Händen , feierten in der heiligen Kirche den Gottesdienst , taten Buße , und gelobten mit lauter Stimme Besserung . Dann errichteten sie , da sie riefen : Gott will es , ein christliches Reich , und erwählten Gottfried zum ersten Könige von Jerusalem . Dieses ist im dritten Jahre , nachdem sie die Heimat verlassen hatten , geschehen . Siehe , mein Bruder Zdik , das ist das Wunder , das von Gott durch gebrechliche Menschen gewirkt worden ist , wie du gesagt hast . Es ist nichts Größeres seit dem Leben und Sterben des Heilandes auf der Welt gewesen . Eine Freude war in der ganzen Christenheit . « » Es ist nichts Größeres gewesen « , sagte Zdik , » und ich halte es mir immer vor die Seele . « » Aber die Menschen in Jerusalem sind nicht fortan reinen Herzens geblieben « , erwiderte der Bischof Regimbert . » Nein , sie sind nicht reinen Herzens geblieben « , sagte Zdik , » und ich habe es selber in Jerusalem gesehen , daß sie nicht solchen Herzens geblieben sind . « » Darum mußte auch wieder die Heimsuchung kommen « , antwortete Regimbert . » Der fromme König Gottfried hat nur kurz geherrscht . Dann führte unter Mühen und Erwerbungen sein Bruder Balduin siebenzehn Jahre das Königtum . Dann kam der andere Balduin , sein Vetter , der Graf von Edessa , und stiftete ein Reich von Tarsus bis nach Ägypten . Er vermählte in unseren Tagen seine älteste Tochter Melisenda mit Fulko , dem Grafen von Anjou , und als er gestorben war , wurde Fulko König . Der König Fulko ist jetzt schon alt , er ist irdisch und unsicher , und auch die andern sind irdisch und habgierig . Da hat Gott zwei Feinde des Reiches erweckt . Der eine ist der griechische Kaiser Johannes , der Sohn des Kaisers Alexius , der in Griechenland geherrscht hatte , als Gottfried in die heiligen Länder gezogen war . Er ist ein tapferer Mann , und besiegte gleich nach dem Beginne seiner Herrschaft die Türken und Petschenegen . Darauf fingen die Ungarn gegen ihn Krieg an , weil er Almus , den flüchtigen Bruder ihres Königs , gütig aufgenommen hatte . Er war auch gegen die Ungarn siegreich . Da er diese Dinge beendiget hatte , zog er mit seinem Heere nach Asien , und drängte die Ungläubigen zurück . Es mögen jetzt fünf Jahre sein , daß er Tarsus und das ganze Cilicien eroberte , und vor die christliche Stadt Antiochia kam . Weil einmal diese Länder zu Griechenland gehört hatten , und weil die ersten Pilger dem Kaiser Alexius die Lehensherrlichkeit darüber versprochen hatten , so begehrte sie nun Johannes . Aber die jetzigen Pilger verweigerten sie , und so sind nun Christen wider Christen . Der zweite Feind ist Emadeddin Zenki , der Ungläubige . Er ist Herr von Aleppo , Syrien und des Landes zwischen den Flüssen . Er hat seine Waffen gegen die Christen gekehrt , und Raimund , den Grafen von Tripolis , gefangen , zugleich auch den König Fulko in einer Burg bei Akkon eingeschlossen . Den Grafen Raimund gab er gegen ein Lösegeld und den König gegen die Burg frei . Jetzt rüstet er gegen Edessa . Wenn nicht mit neuem Glauben und neuem Eifer Pilger von uns in das Morgenland ziehen , kann alles verloren werden . Boemund hat ein irdisches Mittel angesagt . Man soll das griechische Reich erobern , dort eine starke abendländische Herrschaft stiften , und von ihr aus die weiteren Länder erwerben und anfügen . Gott wird aber die Seinigen ohne dieses Mittel retten und befreien . « » Und wenn alles durch die Sünden der Menschen verloren wird , so wird alles einmal wieder gewonnen werden , und es wird ein Hirt und eine Herde sein « , sagte Zdik . » Und glücklich sind , die zu diesem Gewinne werden auserkoren sein « , sprach Regimbert . » Sage , Zdik , wird der Herzog Wladislaw zu dem heiligen Kampfe seine Mitwirkung bringen ? « » Wladislaw , der Herzog von Böhmen und Mähren , wird zuerst in seinen Ländern seine Macht in Sicherheit stellen « , antwortete Zdik , » und dann wird er tun , was der Kirche und den Menschen frommt . « » Und Könige und Fürsten und alle , die die Macht haben , sollen dem Werke nicht fehlen « , sagte der Bischof von Passau , » und du , mein Sohn Witiko , wirst du auch deine Jugend in die heiligen Länder tragen ? « » Wenn mein geringer Dienst etwas wirken kann , werde ich ihn nicht versagen « , antwortete Witiko . » Ich glaube es « , sagte der Bischof . » Ihr habt in Eurer Rede einen Namen genannt , welchen ich kenne , hochehrwürdiger Bischof « , sagte Witiko , » Almus , der flüchtige Bruder des ungarischen Königs , den der griechische Kaiser Johannes gütig aufgenommen hatte , ist der Vater Adelheids , der Gemahlin des böhmischen Herzoges Sobeslaw , gewesen , welche die Länder Böhmen und Mähren geliebt hat , welche in diesem Leben wie eine Heilige gewandelt ist , und mir Wohlwollen erwiesen hat . Und erlaubet mir auch , hochehrwürdiger Herr , daß ich von Wladislaw , dem Herzoge von Böhmen und Mähren , rede . Wenn es die Ehre und der Ruhm seiner Länder erheischt , wird er seine Banner über die Grenze zu entfernten Völkern tragen , und wir werden ihm folgen . « » Ich habe Adelheid gekannt , mein Sohn « , sagte Regimbert , » sie genießt im Himmel den seligen Lohn . Wladislaw möge nicht nur die Ehre und den Ruhm seiner Länder wahren , sondern vielmehr tun , was die Ehre und der Ruhm Gottes erheischt . « » Wie Gott durch alle Zeit hindurch die Zeiten lenkte « , sagte Zdik , » und die erweckte , welche er für die Zeiten brauchte , so wird er auch die erwecken , die in den weltlichen Dingen und auch in den himmlischen seine Ehre und seinen Ruhm erfüllen , und wenn es auch in so entfernten Jahren ist , dahin wir nicht zu sehen und nicht zu denken vermögen . « » Amen « , sagte der Bischof von Passau , » so ist es gewesen , und so wird es sein . Und was für die jetzige Zeit not tut , wie du sagst , daß der Herzog Wladislaw seine Macht festigen muß , so wird der Heilige Vater einen Gesandten nach Böhmen schicken , der die geheiligten Dinge ordnet , und der Herzog kann dann weiter walten , und in Deutschland würde ein König taugen , der das Blut der Hohenstaufen und der Welfen zugleich in sich trägt , wie der junge Friedrich , damit der Streit zwischen ihnen ruhte , Italien muß gehorchen , der Heilige Vater Innozenz und der Kaiser , wenn er einmal gekrönt sein wird , sollten in Freundschaft sein , und dann würden die Zelte die nicht fassen , die zu dem Zuge in die heiligen Länder kommen , und den Herrn dort verherrlichen wurden . « Als der Bischof noch diese Worte sprach , trat der Priester Konstantin in das Gemach . Er blieb in der Entfernung stehen , bis der Bischof ausgesprochen hatte . » Nun , was hast du zu berichten , lieber ehrwürdiger Bruder Konstantin ? « fragte ihn der Bischof . Der Priester trat näher , neigte sich , und sprach : » Es ist alles vollendet , was zur Aufnahme des hochehrwürdigen Bischofes von Olmütz notwendig gewesen ist , und der hochehrwürdige Herr kann in seine Wohnung kommen . « » Wenn du in dein Gemach begehrest , hochehrwürdiger Bruder Zdik « , sprach Regimbert , » so wirst du es sagen . « » Die Sonne ist untergegangen , wie ich an jenen Bergen sehe « , antwortete Zdik , » es wird an der Zeit sein , seine Wohnung zu suchen , um dort ein Abendgebet zu sprechen . « » So gehe ein in dein Haus unter meinem Dache « , sagte der Bischof von Passau , » und die von Hagenau und von Peilstein und die von dem Bischoftume werden dich schützen . « Er erhob sich nach diesen Worten von seinem Sitze . Der Bischof Zdik in seinem braunen Gewande stieg auch von dem seidenen Stuhle herab , Regimbert nahm ihn bei der Hand , und sagte : » Lasse dich geleiten . Und du , edler Witiko , folge uns , daß dir auch deine Herbergstube gezeigt werde . « Er führte den Bischof an der Hand gegen eine andere Tür , als durch welche die Wanderer herein gekommen waren . Witiko folgte den zwei Kirchenherren . Hinter Witiko ging der Priester Konstantin . Als sie in das Vorgemach gekommen waren , standen noch Priester , Kämmerlinge und Diener da . Sie reihten sich nach ihrer Würde dem Zuge an . Der Bischof Regimbert führte seinen Gast durch Gemächer mit Holzgetäfel und geschnitzten Gestalten von Aposteln und Heiligen , und dann über Tücher eines kurzen Ganges in einen andern Teil der kirchlichen Burg , und hielt vor einer Eichentür an , indem er sagte : » Gott segne den Eingang . « Ein Diener öffnete die Flügel der Tür , und der Zug trat in ein großes Vorgemach , in welchem brennende Lichter waren . Von dem Vorgemache konnte man in andere beleuchtete Gemächer sehen . Der Bischof von Passau führte Zdik an der Hand in diese Gemächer . Sie kamen zuerst in eines , welches mit roter Seide überzogen war . In demselben stand unter einem roten Seidendache ein Kreuz mit dem Heilande , davor ein Betschemel war , den rote Seide bedeckte . Dann kamen sie in ein Gemach von dunkelblauer Seide mit vielen dunkelblauseidenen Stühlen und mit Tischen . Dann gelangten sie in das Speisegemach .