ich aus den gefundenen Papieren ersehe , unsere Positionen zugleich bedroht sind . Sie bleiben bei General Dannenberg zurück , der Sie später mit Depeschen an General Anrep und General Lüders senden wird . Von Galacz aus begeben Sie sich nach Odessa zurück . Ich hoffe , Herr Capitain , wir sehen uns bald wieder . « Er galoppirte davon und Fürst Iwan schloß sich , nicht ohne geheimen Stolz und dennoch trübe und ernst , dem Stabe des Kommandirenden an . Der Tag neigte sich stark , es war bereits 4 Uhr . General Dannenberg hatte die Ordre erhalten , noch einen kräftigen Angriff zu machen und die Türken womöglich aus ihrer Position zu verdrängen , jedenfalls aber die eigene Stellung zu halten . Die Trommeln gaben das Zeichen zum Antreten , und wiederum gingen die Batterieen vor und eröffneten das Feuer . Dies Mal hatten alle acht Bataillons das Kommando zum Sturm , während die Hälfte der Ulanen mit den Kosaken nachrücken und die türkische Kavallerie in Schach halten sollte . General-Major Ochterlone , ein Ire von Geburt , der Commandeur der Brigade , übernahm selbst das Kommando . Der Sturmmarsch wirbelte in kurzen Schlägen ; die beiden Colonnen setzten sich in Geschwindschritt , die Eine gegen das Quarantainehaus , die Zweite gegen die große Verschanzung . Beide gelangten zu gleicher Zeit - ohne daß die feindliche Artillerie feuerte , - an das Ziel , die Erste an die Pallisaden , die Zweite an die mit Wasser gefüllten Gräben vor den Schanzen . In diesem Augenblick begann auf ein von den letztern aus gegebenes Signal ein mörderisches Feuer aus den maskirten Batterieen der Schanzen , aus den Kanonen des Quarantainehauses und von Tuturkai herüber . Zugleich eröffneten die auf der Schanze und im Gebäude postirten Scharfschützen - nach dem mehrfach hörbaren italienischen Kommando meist Piemontesen - ein tödtliches Feuer auf die Anstürmenden . An den Pallisaden wogte der Kampf in wildester Heftigkeit auf und nieder , die Leichen thürmten sich in Haufen , der Tod hielt seine gräßliche Ernte unter den Russen . Die finstern verbissenen Männer sanken ohne Klage , noch im Sterben den Feind bedrohend . Vergebens war der Ansturm ; die Pallisaden zwar fielen unter dem Andrängen der Tapfern , die sie mit den Händen aus dem Boden rissen und die stürzenden mit ihren Leichen deckten . Hinter der Wand von Holz starrte die Wand der Bajonette , aus den Fenstern des Hauses regneten die Büchsenkugeln der Scharfschützen und die Kartätschen der Inselbatterieen schlugen grimmig in die Reserve . Drüben an den Schanzen tobte der Kampf nicht minder heftig . Von den Nachfolgenden getrieben , warfen sich die Vorderreihen in die wassergefüllten Gräben , deren Fluth ihnen bis an den Hals ging . - Das Gewehr hoch in der Hand drangen sie vor , wer glitt , wer stürzte , war rettungslos verloren , die Füße der eigenen Kameraden traten ihn in den Grund . An dem Wall klommen sie empor , Zehn , Zwanzig , Hundert stürzten herab in das nasse Grab , aber hier krallte sich Einer fest auf der Böschung , dort ein Zweiter , ein Dritter , Hundert standen auf dem Wall : » Hurrah ! die erste Schanze ist erstürmt ! « Die fliehenden Türken warfen sich auf ihre Kavallerie , Verwirrung , Toben überall , die Reiter setzten in den Strom , um die Insel zu erreichen , selbst die Infanteristen stürzten sich in die Wellen nach den Booten und Schiffen . » Victoria ! « Aber der Ruf war zu früh . Von der zweiten flankirenden Schanze donnerten die Kartätschenladungen in die Sieger und rissen breite Lücken . Von Tuturkai herüber schmetterten die Paßkugeln Tod und Verderben in die Reihen , ein mörderisches Feuer erhob sich von den Booten . Von der Front des Quarantainegebäudes wichen die Tapfern , das Kreuzfeuer der Batterieen war nicht auszuhalten . Zum Glück explodirten , von den russischen Kugeln entzündet , zwei Pulverkasten in dem Gebäude selbst und rissen breite Spalten in die kugeldurchlöcherten Mauern , so daß sich die türkische Artillerie daraus zurückziehen mußte . Aber am Ufer faßte sie neues Posto und bestrich von hier aus den Platz um das Haus und die eroberte Schanze . Ein weiterer Angriff auf die von der Insel und Tuturkai her gedeckten übermächtigen Massen wäre Wahnwitz gewesen . General Dannenberg gab das Zeichen zum Rückzug . Die Ambulancen nahmen unter dem Schutz von Kavallerie-Pikets dicht vor der türkischen Stellung unbehindert ihre Verwundeten auf . Zwölfhundert Todte und Verwundete deckten von russischer Seite das Feld , - fast sämtliche Majors , beide Obersten waren verwundet , achtzehn Offiziere unter den Leichen ; - die gesicherte Position hatte den Verlust der Gegner bedeutend geringer gelassen . Der Sieg war unentschieden ; das Dunkel des Abends lagerte sich über die blutgetränkten Fluren , die Türken campirten am Donauufer und in der größeren Schanze , die sie behauptet hatten , die Russen zogen sich auf Oltenitza zurück . Hier - das Städtchen war verschont geblieben von dem Kampf , - in der Stube eines kleinen Häuschens fertigte General Dannenberg zunächst die Depeschen , mit denen Boten nach allen Seiten abgingen . Capitain Fürst Oczakoff erhielt die Ordre , zunächst nach Kalarasch zu General Anrep , so wie für General Lüders oder den Kommandirenden von Galacz , General Engelhard , die Depeschen zu überbringen , welche eiligst alle disponiblen Truppen requirirten . Die Nacht lag mit ihren feuchten Nebeln über Flur und Strom , als der neue Capitain mit seinem Diener und zwei Ordonanz-Kosaken durch die Straßen des Orts schritt , um sich eine Strecke unterhalb Oltenitza im Schutz des Dunkels in einem Fischerboot zur Fahrt nach Kalarasch einzuschiffen . Von dem Schlachtfelde her trugen die Windstöße hin und wieder seltsame Töne herüber . Aus den Häusern , die zu Lazarethen eingerichtet waren , drangen die Klagen und Seufzer des Schmerzes ; - ein Zug dunkler Gestalten auf dem Wege zur Kampfstätte defilirte an ihnen vorüber : - die Todtengräber gingen an ihr Geschäft ! - Fußnoten 1 Baschi-Bozuks , zu Deutsch etwa Wirrkopf . 2 Das alte Aegisus . Auf dem beßarabischen Ufer der Donau , tiefer hinein im Lande , zwischen dem Kilia-Arm und dem Jalpuk-See , liegt die russische Festung Ismaël , berühmt durch Suwaroff ' s Sieg , auch durch Byron ' s Don Juan bekannt . 3 Die Angaben der Zeitungen über die Stärke des türkischen Corps waren damals sehr verschieden und schwankten zwischen 12- und 23,000 Mann ( Ostdeutsche Post , Telegraphische Depesche des Preußischen Staats-Anzeigers aus Bukarest ) . Das Journal de Constantinople war sogar naiv genug , seine erste Angabe von 12,000 Mann auf 3700 zu reduziren , während es die russische Macht auf 25-30,000 Mann angiebt . Bis jetzt ist noch keine irgend zuverlässige und brauchbare Geschichte des Donaufeldzuges bekannt , selbst die offiziellen Rapports sind spärlich und unvollständig und die Zeitungsmittheilungen geben , namentlich über die Treffen bei Oltenitza , die widersprechendsten Nachrichten . - Unter diesen Umständen dürfte das vorliegende Buch , da dem Verfasser besondere Privatquellen zu Gebote standen , zugleich das Verdienst einer ersten übersichtlichen und detaillirten Geschichte haben . Nach diesen Quellen war das ganze , bei Tuturkai concentrirte Truppencorps , 14,000 Mann , über die Donau gegangen und wurde durch Zuzüge bis zum 4. verstärkt . Die Reserven blieben auf dem rechten Donauufer . 4 Nach dem Etat hätten die kommandirten russischen Truppen betragen müssen : Jedes der beiden Infanterie-Regimenter der 11. Division : 4008 Mann Combattanten und 89 Offiziere 8194 Mann , 6 Escadrons à 187 Mann inclusive Offiziere 1122 Mann , 2 Batterieen à 178 Mann 356 Mann , Kosaken 300 Mann , 2 Geschütze 60 Mann , --------- 10,032 Mann , mit 18 Geschützen . Hierzu die zusammengezogenen Vorposten-Linien der Kosaken . Die russischen Regimenter waren jedoch , wie erwähnt , damals so unvollständig , daß schon die Gesammtzahl 8000 eine sehr hochgegriffene ist . Offiziere , welche die Affaire mitgefochten haben , behaupten , daß nur 6000 Mann versammelt waren , und der Ausgang scheint diese Annahme zu bestätigen . II. Die Schlacht . Von allen Seiten rückten am 6. , 7. und 8. die disponiblen russischen Corps nach Oltenitza heran . Es galt , den Kriegsplan des türkischen Oberfeldherrn in seiner ersten Entwickelung zu brechen . Während , wie oben erwähnt , der äußerste linke Flügel des Muschirs in der Stellung von Widdin-Kalafat die Verbindung mit Serbien verhinderte und die Russen in der kleinen Walachei beschäftigte , hatte Omer Pascha seine Hauptmacht bei Tuturkai und Rustschuk concentrirt und beabsichtigte , von beiden Punkten aus die russische Position zu durchbrechen und concentrisch gegen Bukarest vorzudringen . Zugleich sollten ein dritter Uebergang bei Silistria die linke Flanke der russischen Stellung isoliren und ähnliche Versuche an andern Punkten ihre Donaulinie in Allarm halten . Von diesem Plan war bis jetzt nur der Uebergang und die Festsetzung bei Oltenitza gelungen und auch hier durch den raschen Angriff des Dannenberg ' schen Corps ein weiteres Vorgehen verhindert worden . Wir haben bereits zu Anfang des Kapitels mitgetheilt , daß auch die Versuche auf Giurgewo am 1. bis 3. gescheitert waren . Dennoch gab der Muschir das Unternehmen nicht auf . Er war jetzt selbst im Lager von Tuturkai eingetroffen , zugleich mit ihm von Constantinopel der berühmte Insurgenten-General Klapka , und unter dessen Leitung wurden die Anstalten getroffen , die Stellung in Oltenitza auf ' s Neue zu befestigen . Die fortwährend seit dem , 4. über den Strom zugeführten Verstärkungen hatten es möglich gemacht , die russischen Vorposten bis hinter Oltenitza und auf ihre etwa einen Kanonenschuß hinter diesem Ort befestigte Reserveposition zurückzuwerfen . Am 8. standen 25,000 Mann Türken in den neu befestigten Schanzen und um das Quarantainehaus in der nämlichen Aufstellung , die bei dem Kampf am 4. so tapfer vertheidigt worden war . General Klapka , der ausgezeichnetste Artillerist der ungarischen Armee , kommandirte die Artillerie und hatte zur Herstellung der Verbindung der Ufer über die Mündung des Argisch Brücken schlagen lassen . Unterdeß concentrirten sich die russischen Streitkräfte bei Budeschti und am Morgen des 9. waren in den nächsten Umgebungen von Oltenitza 35,000 Mann versammelt unter ' m Kommando , des Oberbefehlshabers . Zwei berühmte Artillerie-Generale standen also hier einander gegenüber . Auch bei Giurgewo hatten die Russen ihre Stellung befestigt und unweit davon in der Richtung nach Bukarest ein verschanztes Lager von 7-8000 Mann bei Foreschti gebildet , um die Türken bei einem Uebergange zu verhindern , von hier aus der russischen Stellung in die Flanke zu fallen . Am 8. setzten die Türken von Rustschuk auf die zwischen den beiden Städten liegenden Donauinseln über und befestigten die größere derselben , die Mokomen-Insel . Die Position war gefahrdrohend , und General-Lieutenant Szoimonoff , der Kommandirende der 10. Infanterie-Division , dem die Vertheidigung dieses Theils anvertraut blieb , beschloß , die Gegner von der Insel zu vertreiben , ohne erst die von Bukarest nach Giurgewo dirigirte , wegen der schlechten Beschaffenheit der Wege aber noch nicht angelangte Brücken-Equipage abzuwarten . In der Nacht zum 9. ließ daher der General 24 Stück schweres Geschütz , dessen Räder , um jedes Geräusch zu vermeiden und auf diese Weise dem Feind die Annäherung zu verbergen , mit Stroh umwickelt waren , an das Donauufer führen und am andern Morgen , sobald der den Strom bedeckende Nebel gefallen , aus diesen das Feuer gegen die Position der Türken auf der Mokomen-Insel eröffnen . Nach drittehalb Stunden waren die Türken , die hier wegen der Breite des Flusses vom eigenen Ufer aus nicht genügend unterstützt werden konnten , genöthigt , die Position zu räumen . Dagegen behielten sie ihre Stellung auf einer nahe gelegenen und durch die Terrain-Formation besser gedeckten Insel . Zur selben Zeit befahl Fürst Gortschakoff den Angriff auf die Verschanzungen der Türken in und bei Oltenitza Die Oberbefehlshaber der beiden Heere kommandirten hier gegen einander . Am 9. und 10. bestand der Kampf größentheils in Artillerie-Gefecht , doch wurde am letztgenannten Tage Oltenitza von den Russen mit dem Bajonet genommen und wieder verloren . Am Abend des 10. hatte der Muschir noch unverändert seine Stellung inne . Das Wetter war so schlecht , daß die Artillerie oft nicht feuern konnte . Dennoch wurde der Kampf mit geringen Unterbrechungen Tag und Nacht fortgesetzt . Fürst Gortschakoff beschloß für den nächsten Tag einen gemeinsamen Angriff auf alle Punkte der türkischen Position . Die Vorbereitungen wurden während der Nacht in umfassender Weise betrieben . Mit dem Schwinden der Nebel am Morgen begann die Kanonade aus mehr als achtzig Geschützen , denen die nicht viel geringere türkische Artillerie antwortete . Der Kanonendonner war deutlich in Bukarest zu hören . Um 11 Uhr Vormittags begann der Sturm . Drei Mal wurde Oltenitza von den Colonnen der Russen genommen , erst zum dritten Mal vermochten sie es zu behaupten , doch war der Sieg nutzlos ; denn alsbald beschoß die türkische Artillerie von den Schanzen den verlorenen Halt mit glühenden Kugeln und die Flamme jagte die Sieger wieder aus den erstürmten Gassen . Am blutigsten tobte jedoch die Schlacht an den Schanzen selbst . Colonne auf Colonne führten die Generale zum Sturm , aber das furchtbare Kreuzfeuer von vier Punkten aus warf sie immer auf ' s Neue zurück und ihre Todten deckten haufenweise den Boden . Die Türken hatten Massen von Schanzkörben von Tuturkai herüber geschafft und mit diesem Material die Stellung am Quarantainehause und den Schanzen befestigt . Die Brücke über den Argisch ermöglichte es der türkischen Kavallerie , mit Erfolg an den Einzelngefechten auf beiden Seiten Theil zu nehmen . Erst Nachmittag um 4 Uhr befahl der Fürst den Rückzug ; die erschöpften Truppen bivouacquirten um das brennende Oltenitza , neue Kraft zu sammeln für die Blutarbeit des nächsten Tages , die wahrscheinlich eben so vergeblich sein sollte . Der Generalstab hatte sich nach dem Dorfe Mitréni-Fundéni zurückgezogen und hielt dort Kriegsrath . Am nächsten Morgen wurde der Ankunft des Generals Anrep mit seinem Corps von Kalarasch entgegen gesehen und der Kampf sollte dann mit den frischen Truppen erneuert werden . In dem Dorfe selbst herrschte das Leben eines Feldlagers nach der Schlacht ; Truppen aller Waffengattungen kampirten auf den Straßen , in den Häusern und Ställen der Tscharan ' s1 , große Feuer , vom Novembersturm oft in langen Zungen über die ärmlichen Erdhütten hin gejagt , gaben den umherlagernden Gruppen Wärme und Nahrung . Geschrei , Lärm , Gelächter und Töne des Schmerzes überall , der Wotka und der Rakih2 machten die fleißige Runde , Juden , Zigeuner und zerlumptes Gesindel aller Art , trieb sich zwischen den Soldaten umher , Lebensmittel feil bietend , oder um Beute schachernd . Hin und wieder klang das Spiel der Cither oder der Trommelflöte , von Zigeunern gespielt , und versammelte die für Musik sehr empfänglichen Söhne des Nordens in dichten Haufen . Vor dem Quartiere des Oberbefehlshabers herrschte nicht weniger reges Leben , Offiziere aller Grade , Wachen , Ordonanzen , kommende und gehende Boten bildeten ein buntes Gewühl , durch das sich eben ein junger Mann in reicher , aber jetzt schmuzbedeckter ungarischer Tracht drängte , eifrig nach Capitain Meyendorf forschend und fragend . Endlich gelang es ihm , durch das Geschenk eines blanken Dukatens eine Ordonanz zu bewegen , den Capitain , der als Adjutant im Stabe stand , aufzusuchen . Bald darauf erschien derselbe und schaute sich nach dem Suchenden um . - » Ah , sieh ' da , Herr Aleko Pelin , « sagte er freundlich , als er ihn in dem jungen Mann gefunden , » was führt Sie hierher aus der glänzenden Gesellschaft von Bukarest in unsere Reihen , wo der Tod seine Ernte hält ? Dieser Ort ist wahrlich kein Aufenthalt für einen der ersten Stutzer der walachischen Hauptstadt , der nicht an Gefahr , Anstrengung und Entbehrung gewöhnt ist , wie sie hier allein zu holen sind . « Der junge Mann lächelte einen Moment höhnisch bei dem Spott über seine Weichlichkeit , dann aber faßte er hastig den Arm des Offiziers und zog ihn bei Seite . » Entschuldigen Sie , Herr Capitain , « sagte er erregt , » daß ich die flüchtige Bekanntschaft im Hause meines Vaters , des Groß-Kaminars , benutze , um in einer dringenden Angelegenheit mich an Ihre Hilfe zu wenden . Ich bin , wie viele Andere , von Neugier und Theilnahme getrieben hierher gekommen und fand zufällig hier einen jungen Menschen , den ich kenne , in großer Gefahr , wegen irgend eines Mißverständnisses von Ihren aufgereizten Soldaten getödtet zu werden . Es ist - - « er zögerte , » zwar nur ein Zigeuner , aber ich gestehe , ich nehme großes Interesse an ihm und wußte in meiner Noth nicht , an wen ich mich wenden sollte . « Der Capitain blickte ziemlich ernst . » Sie sollten sich hüten vor solchen Bekanntschaften , Herr Pelin . Sie wissen sehr wohl , daß der Groß-Kaminar wenig mit Ihrem Treiben zufrieden ist und daß solcher Umgang nicht zu der Stellung paßt , die Sie sonst in Bukarest einnehmen . Doch sollen Sie sich nicht umsonst an mich gewendet haben . Wo ist der Mann ? « » Er wird in der nächsten Wache festgehalten . « » Ich hoffe , daß er unschuldig ist und ich Etwas für ihn thun kann . Kommen Sie . « Er ging mit dem jungen Bojaren die Gasse entlang , bis sie an das Haus kamen , wo die Corpswache sich einquartiert hatte . In dem Stübchen fand der Capitain ein seltsames Paar . Ein junger Mensch von siebzehn bis achtzehn Jahren , in der zerlumpten Tracht eines Zigeuners , die Hände auf dem Rücken zusammengeschnürt , horchte mit bleichem Gesicht , auf dem bereits alle Spuren der Liederlichkeit sich zeigten und jetzt deutlich die Todesfurcht ausgeprägt lag , in einem Winkel zusammengekauert , zagend auf die Trostsprüche eines Mädchens , das , vielleicht zwei bis drei Jahre älter als der junge Verbrecher , auf der Erde neben ihm saß , ohne sich um die Reden und Spöttereien der Soldaten zu kümmern . Als sie sich bei dem Eintritt Aleko ' s und des Capitains erhob , zeigte sich diesen eine jener seltsamen Schönheiten , wie sie die in der Walachei noch sehr zahlreiche3 Zigeunerrace in all ihrem Schmuz und aller Versunkenheit oft hervorbringt : eine junonisch schöne Gestalt , die selbst das gürtellose walachische Hemd mit der breiten roth- und gelbgestreiften Schürze nicht zu verbergen vermochte , die Züge des dunkelbraunen Gesichts regelmäßig , fein , schwärmerisch ; über den Feuer- und Muth-blitzenden schwarzen Augen die schön gewölbten Augenbrauen , an der Nasenwurzel einander entgegenlaufend ; das üppig wuchernde schwarze Haar von einem rothen Tuch bundartig zusammen gehalten ; - das war das Wesen , das ihnen mit einer gewissen kühnen Haltung entgegen trat und eifrig den Bojarensohn befragte . Der Capitain glaubte nicht mit Anrecht in dem Mädchen die Ursache des Interesses zu sehen , das der junge Mann an dem Vagabonden nahm , und erkundigte sich bei dem Unteroffizier der Wache , was derselbe verbrochen habe . Zu seinem Bedauern vernahm er jedoch , daß die Sache ernster war , als er gehofft . Der Bursche hatte sich mit Andern seines Gelichters im Hauptquartier eingefunden , und war am Abend von einer Patrouille mit mehreren Gefährten dabei betroffen worden , wie sie einen russischen Soldaten , der sich verwundet zum Dorfe schleppte , geplündert und ermordet hatten . Der Unglückliche lebte noch und bezeichnete seine Mörder , von denen es nur gelungen war , den Zigeuner zu erwischen . Leugnen nutzte nicht , denn der Beweis lag vor und die Befehle gegen das Gesindel waren äußerst streng . Der Oberst des Regiments hatte kurz entschieden , ihn am andern Morgen vor dem Aufbruch zur Warnung für seine Genossen aufzuhängen . Als der junge Bojar sich daher wieder an den Capitain wandte , zuckte dieser bedauernd die Achseln und erklärte , daß er gegen das ausgesprochene Urtheil eines kommandirenden Offiziers nicht interveniren könne und der Bursche sein Schicksal ohnehin verdient habe . Das Mädchen - die Schwester des Verurtheilten - schien an der Miene der Sprechenden den abschläglichen Bescheid errathen zu haben , denn sie warf sich heftig dem Capitain in den Weg , der bereits die Hütte verlassen wollte . » Weile , blanker Krieger , « bat sie flehend , » und höre was Dir Sarscha zu sagen hat . Mungo ist ihr Bruder und Mungo darf nicht sterben , denn er ist Zinka ' s , meiner Mutter , Sohn und ihre Liebe und das Messer in ihrem Herzen . Wer sollte meinen Vater Tunso rächen , wenn es nicht sein Anblick bei ihr thäte ? Gieb ihn frei , blanker Krieger , und die Kinder des Egypterlandes werden Dich segnen und können Dir dienen , mehr als Du denken magst ! « » Machen Sie der Scene ein Ende , Herr Pelin , « sagte der Capitain , der die walachische Sprache des Mädchens nur sehr unvollkommen verstand , unwillig zu seinem Führer . » Sie werden besser thun , sich mit mir zu entfernen . « » Halten Sie ein , Herr Capitain , « erwiederte der junge Mensch , dem Sarscha einige Worte gesagt hatte , während ihr Bruder jammernd zu den Füßen des Offiziers kroch . » Sie ahnen nicht , welchen Dienst Sie von sich stoßen . Das Leben dieses Burschen kann Ihrer Armee den Sieg verschaffen , die sich sonst nutzlos vor den Batterieen der Türken opfern wird . Seine Mutter allein vermag es , wenn sie will , Ihre Colonnen durch die Sümpfe des Argisch und den Feinden in den Rücken zu führen . « Der Capitain horchte auf . » Was sagen Sie da ? Ist das Ihr Ernst ? « » Ich schwöre es Ihnen ! Die Zigeunerin Zinka ist die Einzige , welche aus früherer Zeit die geheimen Schlupfwege der Sümpfe kennt , und sie wird das Leben ihres Sohnes gern mit diesem Preis erkaufen . « Herr von Meyendorf wußte , welchen unendlichen Werth das Anerbieten haben mußte , wenn es sich bewahrheitete . Es konnte das Schicksal des Kampfes sofort entscheiden ; denn gelang es dem Feldherrn , Truppen zwischen das Donauufer und die türkische Position zu werfen , so war diese mit gänzlicher Abschneidung bedroht und der Feind mußte sich eiligst zurückziehen oder war verloren . Er überlegte einige Augenblicke , dann sagte er : » Wo befindet sich die Frau , von der Sie sprechen ? « » Sie wohnt in den Sümpfen selbst , einsam und allein mit ihrer Familie , denn ihr Stamm hat sie verstoßen und jeder Walache geht ihr mit einem Fluch aus dem Wege . « » Wohlan , ich will Ihnen glauben und mich von Ihnen oder diesem Mädchen zu dem Weibe führen lassen , um sie selbst zu befragen . Ist das , was Sie sagen , wahr , so bürge ich Ihnen dafür , daß der Verbrecher dort frei und ungestraft ausgehen soll . Beabsichtigt man jedoch , einen Verrath an mir zu üben , so werden meine Kameraden mich rächen . Jeden Falls bleibt der Mensch als Geißel hier gefangen . « Er ertheilte dem Unteroffizier der Wache seine Befehle , schrieb einige Worte mit Bleistift an einen Kameraden , um seine Abwesenheit zu rechtfertigen , und winkte dann , daß er bereit sei , sich auf den Weg zu machen . Sogleich hüllte sich die junge Zigeunerin in ihr Regentuch und verließ das Haus . Der Capitain und Aleko folgten ihr , nachdem dieser noch den jungen Vagabonden beruhigt hatte . Das Mädchen wandte sich , ohne die Anreden und Spöttereien zu beachten , die ihr von den zahlreichen Soldaten-Gruppen zu Theil wurden , zwischen denen hindurch ihr Weg sie führte , nachdem sie das zum größten Theil aus walachischen Erdhütten bestehende Dorf verlassen hatten , sofort nach der Richtung der Sümpfe , die etwa 1000 Schritt zur Seite ihren Anfang nahmen . Stumm und ernst schritt sie vor ihnen her , ohne sich anscheinend viel um die Nachkommenden zu kümmern , auf einem Wege , der schlangengleich sich durch den Morast und das hohe Schilf und Röhricht wand . Aleko Pelin schien jedoch ziemlich vertraut damit , denn obschon die hohe Gestalt ihrer Führerin oft im Dunkel verschwand , geleitete er den Capitain doch sicher und ohne sich zu besinnen den verwickelten Pfad , von dem der Offizier mit Staunen bemerkte , daß er obwohl hin und wieder schwankend , wie auf elastischem Grund , doch sicher und fest genug war , eine bedeutende Last zu tragen . So mochten sie wohl eine halbe Stunde in diesem Wald von Rohr fortgeschritten sein , als sie bei einer plötzlichen Wendung ein Licht vor sich sahen . Es kam aus einer jener walachischen Pfahlhütten , wie sie in den Sümpfen die menschlichen Wohnungen bilden , während auf dem trockneren Lande die meisten Häuser oder Hütten der Landleute und ärmeren Klassen aus großen in die Erde gegrabenen Gruben , mit Holz und Moos gegen die Feuchtigkeit ausgelegt , bestehen , mit nur wenig über den Boden , emporragenden Wänden , auf denen das spitze Strohdach sitzt . Als die Gesellschaft sich der Hütte näherte , deutete ihnen die junge Zigeunerin durch Zeichen an , zu verweilen , stieg dann rasch auf der Leiter empor , die statt der Treppe zum Aufgang diente , und verschwand im Innern . Die Hütte stand auf acht Pfählen , war ziemlich groß und , ihr Fußboden etwa 3 Ellen hoch vom Sumpfboden entfernt , so daß man nicht in ihr Inneres blicken konnte . Sie bestand aus Balken und Flechtwerk von Rohr , das mit Lehm und Mörtel zu einer ziemlich festen Masse verbunden war . Die Fensteröffnungen waren durch Läden verschlossen bis auf eine , aus welcher der Lichtschein des Feuers in die dunkle neblige Nacht strahlte . » Sie erwähnten vorhin , Herr Pelin , daß die Mutter des jungen Mädchens von ihrem Stamm verstoßen sei und von den Walachen allgemein gehaßt werde . Hat sie sich eines besonderen Vergehens schuldig gemacht ? « Der Jüngling trat näher zu ihm heran . » Haben Sie nie von Zinka , der Zigeunerin und ihrem Geliebten , Tunso , gehört ? « » Die Namen sind mir unbekannt . Wer ist oder war Tunso ? « » Jeder Knabe in Bukarest , ja , in der ganzen Walachei , würde Ihnen Auskunft geben können , wer Tunso war , obschon fast zwanzig Jahre seit seinem Heldentod vergangen sind . Tunso war der gefürchtetste und berühmteste General-Einnehmer der indirekten Steuern der Walachei . « » Was wollen Sie damit sagen ? « » Tunso war - was die Leute so nennen , - eigentlich ein Räuber , der Schrecken der Türken , der Vornehmen und Reichen , aber der Held , der Abgott der Armen . Von den Reichen , nahm er , den Armen gab er . Die Unterdrücker des Volkes zitterten vor ihm , die Lieder des Volkes singen seinen Ruhm ! « » Ich begreife nicht , wie Sie , der Bojarensohn , über einen gemeinen Spitzbuben und Mörder in Enthusiasmus gerathen können ? « » Tunso hat nie einen Meuchelmord begangen , es war Nichts Niederes an ihm und er konnte , wenn er wollte , den vollkommensten Cavalier spielen . Die kleinste Erzählung seiner Thaten und Abenteuer wird Sie über seinen Charakter belehren . Ich will Ihnen nur ein Beispiel anführen , das Ihre eigene Nation betrifft . In der Zeit seiner größten Macht , als er am gefürchtetsten war , hatte er in Erfahrung gebracht , daß der damalige provisorische Gouverneur der Donau-Fürstenthümer , General Kisseleff , sich in der Umgegend von Piteschi aufhielte , um Bäder zu nehmen . Sofort beschloß Tunso , ihm seinen Besuch zu machen . Der General pflegte des Morgens in dem großen Park , der an sein Haus stieß , spazieren zu gehen . Tunso postirte seine Bande hinter der Umfassungsmauer des Parks , schwang sich in denselben und stellte sich dem General mit dem artigsten Compliment vor . « - Herr General , sagte er , ich bin Tunso . Es ist durchaus nicht meine Absicht , Ihr Geld , Ihre Kostbarkeiten oder gar Ihr Leben zu nehmen , Sie haben also Nichts zu fürchten . Was wollen Sie denn ? Herr General , entgegnete Tunso mit tiefer Verbeugung , meine Braven liegen dort hinter der Gartenmauer im Schatten , ich brauche Ihnen nur ein Signal zu geben , und sie sind zur Stelle . Euer Excellenz werden sich selber daraus den Schluß ziehen , daß Sie in meiner Gewalt sind Noch ein Mal , was wollen Sie ? wiederholte der Gouverneur . Nichts als Ihnen meine Aufwartung machen und Ihnen bemerken , daß ich auf Ihre Artigkeit rechne , wenn ich Ihnen in die Hände geriethe , wie Sie jetzt in den meinen sind . » Herr von Kisseleff , der diese Anecdote selbst im Hause meines Vaters erzählt hat , kehrte dem Räuber den Rücken , eilte in ' s Haus und gab Befehl , strenge Nachforschungen zu halten und Tunso , ohne ihm ein Leides zu thun , lebendig zu ihm zu führen . Aber die Jagd blieb erfolglos und Tunso lachte den General aus . « Der Capitain lächelte . Er begriff jetzt , welch einen Einfluß ein solcher Charakter und ein solches Leben in einem halbwilden Lande auf einen jungen erregbaren Mann haben mußte . » Tunso , « fuhr Dieser fort - » war oft als Cavalier gekleidet in den ersten Gesellschaften von Bukarest , ja , er hat sogar einen Ball des Fürsten Paul besucht und händigte dort einer schönen Griechin ein kostbares Medaillon wieder ein , das seine Leute am Tage vorher ihr bei der Fahrt durch den Wald von Panthelemon geraubt hatten . Eine Karte ,