nur halb . » Mach , was du willst , « sagte er , » aber zähl darauf , was ich gesagt , das halte ich . « Der Bodenbauer , der jetzt mit Uli das Füllen besehen hatte und mit ihm in die Stube kam , machte dem Gespräch ein Ende . Hagelhans pressierte mit dem Aufbruch ; die Sach sei gemacht , Gschwätz trag nichts ab , die Zeit , welche vorbei sei , sei vorbei und nicht mehr zu gebrauchen , sagte er . Er nahm Uli mit fort , trennte sich aber bald darauf von ihm und marschierte dem Blitzloch zu . Wann er wiederkomme , wisse er nicht , sagte er , sie sollten alle Tage seiner gewärtig sein . Uli ging heim , als wäre er trunken . Also war er wieder Pächter auf der Glungge und unter Bedingungen , wo es ihm fast nicht fehlen konnte , und doch wüßte er nicht , sollte er sich freuen oder nicht ; es war ihm etwas Dunkles im Hintergrunde , von dem er nicht wußte , war es gut oder bös . Bald kam ihm sogar der Johannes verdächtig vor , der erst so bedächtig getan und dann so stark eingeredet , und am Morgen sogar die Frau ; es war gleichsam , als hätten sie kalt und warm aus einem Munde geblasen . Mit großer Spannung harrte seiner Vreneli , lief ihm weit entgegen , als es ihn von ferne sah . » Und du bangst noch ? « sagte es , als es alles vernommen , » bist du so mißtrauisch geworden ? Hast den Glauben so gutmütig auf jeden faulen Stock abgestellt , und jetzt ist dir kein Stein gut genug dafür . Sieh , Bodenbauers sollten wir aus ihren Werken erkennen , wegen einigen Talern verkaufen die uns nicht , und Vetter Hagelhans ist zu alt , um Bosheit mit uns zu treiben , sonst was wäre an uns nichts zu gewinnen . Glaube mir , das ist ein Anderer als Joggeli ! Hagelhans kann einen Menschen totschlagen , aber den Wurm zertritt er nicht . Warum er es gut meint , weiß ich nicht , aber gut meinen tut er es , dafür wollte ich meine Hand ins Feuer halten . Den wildesten Menschen kömmt es manchmal an wie Heimweh , wenn sie alt werden . Sie hätten niemanden , klagen sie , und suchen jemanden , der Anteil an ihnen nimmt und dem sie zeigen können , daß sie doch noch Menschen sind . Vielleicht daß es Hagelhans auch so kam ; dazu sind wir nicht ganz fremd , sondern verwandt , freilich nur entfernt , aber böse haben wir ihn nie gemacht und er ist Vrenelis Götti . So habe ich alles Vertrauen , und wenn er kömmt , will ich zu ihm sehen , als ob er mein Vater wäre . Mag kommen , was da will , so ist die Pacht gut , und zehn Jahre , denk , da läßt sich was machen , und daß die Sache recht gemacht wird , darauf kannst du zählen , der Bodenbauer ist lauter wie Gold . Was meinst , soll ich Eierkuchen backen heut abend und Nidle stoßen recht dick ? Lange haben wir nichts Gutes gehabt , und das ist ein kleines Mählchen wert . Ei , wie werden die Kinder sich freuen , wenn sie wissen , daß wir dableiben , den Anken riechen auf dem Feuer und die Nidle stoßen sehen . Möchte ja selbst springen und jauchzen wie ein Kind , weiß gar nicht , wie leicht es mir ums Herz ist ! « So jubelte Vreneli kindlich , und große Freude war auf der Glungge selben Abend . Achtundzwanzigstes Kapitel Wie die Welt im Argen bleibt und gebesserten Menschen es gut geht mitten in der argen Welt Als die Leute vernahmen , daß Uli frisch gepachtet und gut und welche Freude darüber gewesen sei auf der Glungge , da wunderten sie sich sehr . Anfangs hatten sie Mitleid gehabt mit Uli und gedacht , der wüste Mann werde ihn handlich plagen , er könne sie übel erbarmen ; verdient hätte er es nicht , wenn er schon einige Zeit von dem Kraut , welches nichts koste , man nenne es Hochmut , wohl viel gehabt . Als sie nun aber vernahmen , daß es umgekehrt gegangen , Uli besser zweg sei als vorher , ja daß Hagelhans gar noch Vetter sei und Götti von einem Kinde , da hielten sie alles für ein abgeredet Spiel , um Joggelis Kinder und Kindeskinder zu verstoßen . Ob es so sei oder nicht , untersuchte man begreiflich nicht , sondern man hielt es einfach für grimmig schlecht . So viel Gutes sie dort genossen und die Alte ihnen mehr getan als den eigenen Kindern , und jetzt es ihnen so machen , wo sie in der Not seien , das sei über das Bohnenlied . Da könne man wieder sehen , wie schlecht die Welt werde und daß gar keine Religion mehr sei ; ehedem hätte sich der schlechteste Hund geschämt , so was zu machen . Als man nun gar sah , wie Hagelhans oft auf die Glungge kam und wie da eine Einigkeit war , die Kinder dem Alten nachliefen , der Alte kein Geld sparte zu allerlei dem Hofe vorteilhaften Arbeiten , Uli Geld hatte und seinen Viehstand ordnete , wie er ihm am vorteilhaftesten war , da ward es den Leuten gar zu kraus . Sie rührten im Moder der Vergangenheit , rührten halbverweste Bruchstücke herauf aus der Vergangenheit , setzten daraus grausame Geschichten zusammen , daß einem die Haare zu Berge stunden , und flochten daraus Verhältnisse , alte und neue , zwischen Hagelhans und Vreneli , an denen niemand hätte Freude haben sollen als höchstens der Teufel . Und doch hatten gar viele Leute Freude daran und unter andern auch die , welche so bitter klagten , wie die Welt immer schlimmer werde . Am bittersten mißgönnten begreiflich Elisi und Trinette Vreneli ihr sogenanntes Glück , das heißt daß sie die Pach : wieder hatten und da im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen durften . Hätten sie gearbeitet und geschwitzt wie Uli und seine Frau , sie besäßen den Hof noch eigentümlich und nicht bloß das Recht , ihn zu bearbeiten ; aber so weit denken solche Weiber nicht . Je weniger sie taugen , je tiefer sie in selbstverschuldetes Elend sinken , desto giftiger nagen in ihren Herzen Neid und Rache , Haß und Zorn ; das sind die Schlangen , welche schon hienieden die Herzen zu Höllen machen , während sie Tempel des Friedens Gottes , der über allen Verstand geht , sein könnten . Sobald Elisi das Gebräu der Leute zu Ohren bekommen , machte es sich auf die Füße , um Vreneli alles , was es wußte , in die Nase zu reiben . Elisi hatte begreiflich den Verstand nicht , zu begreifen , daß durch Hagelhanses Dazwischenkunft ihm einige tausend Gulden zugut kamen , sondern bloß den Sinn , Vreneli so weh als möglich zu tun , weil Vreneli auf der Glungge bleiben konnte und Elisi nicht . Doch , wie es geht in der Welt , die Sache ging ganz umgekehrt , als Elisi gedacht . Vreneli war von früh an gewohnt , Elisi zu ertragen , alle seine Tücken und Bosheiten mit Gelassenheit geschehen zu lassen , ohne sich viel darum zu kümmern . Freilich hatte es Vreneli viel gekostet , ehe es zu dieser Gelassenheit gekommen war . Solange Elisi im Glück war , mußte Vreneli von Zeit zu Zeit neu ansetzen , dieselbe sich zu bewahren ; nun , da Elisi im Unglück war , ward es Vreneli leicht , in Geduld anzunehmen , was Elisi tat und sagte , und je ärger es es trieb , desto größer war sein Erbarmen mit der unglücklichen Person . Wer drinnen sei wie Elisi , der Mann mit dem Schelmen davon , der größte Teil des Vermögens drauf , einen Rudel Kinder ohne Zucht und Hoffnung , sei geschlagen genug , sagte es . Wenn man Verstand habe und Gottvertrauen und den Leuten lieb sei , so mache sich alles ; man habe Trost in Gott , Hülfe von guten Leuten und Hoffnung auf die Zukunft . Aber wo weder Verstand noch Liebe , weder Religion noch Kraft sei , da sei der Mensch geschlagen und ohne Hoffnung weder für die Erde noch für den Himmel . Und wenn der Mensch noch so boshaft , neidisch , zänkisch sei , dann mache er sich zu allem andern noch ein schwer Leiden selbst , dazu alle Leute bös , daß er das Schlimmste gewärtigen müsse von ihnen . Das ist eben die Weise der edlern Naturen , daß das Unglück ihnen die Personen heiliget , wie widerwärtig sie an sich auch sein mögen , so wie den Muhammedanern die Wahnsinnigen heilig sind . Umgekehrt haben es die gemeinen Naturen , für das Edle haben sie keinen Sinn ; ists im Glanze , kriechen sie vor ihm im Staube und lecken ihm die Füße , ists im Unglanz , werfen sie es mit Kot , treten sie es mit Füßen . Vide Weltgeschichte bis auf die allerneuste Zeit ! Vreneli dachte bei Elisi immer : Vater , vergib ihm , es weiß nicht , was es tut . Was Vreneli schmerzte , war das Benehmen der Leute überhaupt . Mißgunst trat überall zutage , und diese erzeugte das heilloseste Streben , für edles Handeln schlechte Gründe zu er grübeln . Das ist eine heillose Weise , die , wenn sie dem Tun nichts anhaben kann , demselben einen schlechten Sinn unterschiebt . Diese Weise vergiftet das Leben der edelsten Menschen , zerstört Erfolge , lähmt alle , welche über das Urteil der Menge sich nicht erheben können . Vreneli war sich so klar bewußt , jedermann das Glück zu gönnen , mit beiden Händen und ganzem Gemüte bereit zu sein , Anderer Glück zu fördern und ihr Unglück zu wenden , und hatte davon so manchen Beweis geleistet , daß es ihm wirklich wehe tat , diesen Sinn der Welt in all seiner Bitterkeit erfahren zu müssen . Indessen will es Gott so und es ist gut so ; das sind die kühlen , frostigen Frühlingswinde , welche den zu raschen und zu üppigen Aufwuchs der Pflanzen , welcher denselben so gefährlich ist , hemmen . Dieses Sumsen und Reden soll den Christen demütig bewahren , daß er sein Glück nicht als ein verdientes betrachtet , sondern als einen Segen Gottes . Um Gottes willen soll er nach seinen Fehlern und Flecken spähen , sie ausreißen und ausreiben mit schonungsloser Hand , und gälte es das rechte Auge und wäre es die rechte Hand , an welcher das Ärgernis klebte , damit die Menge nicht sage , Gott teile seinen Segen blindlings aus , sei darin den Großen der Erde gleich , welche sehr oft ihre Gnaden an die Unwürdigsten verschwenden . Um Gottes willen soll er sich als einen Verwalter der Gaben Gottes betrachten und treu sein , soll durch Güte und Milde versöhnen , soll feurige Kohlen sammeln auf der Feinde Häupter , soll zeigen , wie der Christ das Sprüchwort » Es gibt keine Schere , die schärfer schiert , als wenn der Bettler zum Bauern wird « Lügen strafet . Der Christ wird nie hochmütig , schämt sich nie derer , welche früher seinesgleichen waren , verleugnet sie nicht um so greller , je mehr er fürchtet , man möchte seiner Herkunft gedenken und die frühern Genossen ihm vorwerfen ; im Gegenteil , um so mehr Erbarmen hat er mit denen , deren Schmerzen er aus eigener Erfahrung kennt , und um so brüderlicher hält er Herz und Hand offen , je tiefer er fühlt , daß Gott ihn zu einem Werkzeuge erwählet und den wahren Lohn ihm nach der Treue zumißt , in welcher er in seinem Amte steht . Wären nun die Emporkömmlinge Christen auf diese Weise , demütig statt hochmütig , milde statt hart , dann würden sie nicht bloß die Menschen versöhnen mit sich , sondern es würde auch Mancher denken : An dem habe ich mich versündigt , habe Schlechtes von ihm geredet , ihn nicht bloß verurteilet , sondern leichtfertig und unverhört ihn verdammt , und mit welchem Maße ihr messet , mit diesem soll euch wie , der gemessen werden , heißt es ja . Ein andermal werde ich anders sein , mich nicht ärgern an Gottes Güte , die er über Andere ausgießt , dem Kain gleich , mich nicht versündigen an Andern durch ein lieblos Verdammen , um nicht selbst verdammt zu werden . Vreneli suchte diese Versöhnung , und zwar nachhaltig und standhaft . Es meinte nicht , daß wenn es einmal einer armen Frau ihr Säcklein gefüllt , mit einer andern freundlich gesprochen habe , nun alles gut sein solle , alle Mäuler umgewandelt , nun nichts mehr als Lob und Preis allenthalben . Für Schlechte schlägt die öffentliche Meinung plötzlich um von einer Stunde zur andern , macht Purzelbäume , die schrecklich sind ; ins Gute aber wandelt sie sich langsam um , und wenn man meint , jetzt sei alles wieder gut , so reibt einer die alten Flecken wieder auf , macht neu den Verdacht , und lange geht es wieder , bis Achtung und Vertrauen sich wiederum eingestellt . Was Vreneli seine Langmut erleichterte , war der Friede und das Behagen , welche sich bei ihnen eingestellt . Uli war ein Anderer geworden . Den alten heitern Sinn und die emsige Rührigkeit hatte er wieder , verband sie aber mit Ruhe und Besonnenheit . Da war keine Ängstlichkeit mehr , kein Zappeln und Hasten ; er meinte nicht , daß heute alles gemacht sein müsse , als ob morgen kein Tag mehr sei , zog dem Himmel keine schiefen Gesichter mehr , wenn es nicht regnen wollte , wenn Regen Uli passend dünkte . Er hatte in sich die Ergebung gewonnen , welche es nimmt , wie Gott es gibt , welche macht , was sie kann , aber nie meint , dieses oder jenes müsse so und nicht anders gehen , müsse erzwungen sein . Er hatte die Erfahrung gemacht , daß wo der Herr nicht das Haus behütet , umsonst die Bauleute arbeiten , wie wenig früh Aufstehn und spat Niedergehen und sein Brot mit Sorgen Essen helfen , wenn der Herr nicht dabei ist mit seinem Segen . Zum Innern kam dann auch das Äußere , welches alleine aber nie die Ruhe gibt ohne innern Grund . Er konnte sich wieder helfen mit dem Gelde . Flut und Ebbe wechselten nicht so , daß alles , was eingegangen , wieder abfloß , es blieb wieder etwas zurück , setzte sich so gleichsam festes Land an , auf welches er mit immer größerer Sicherheit seinen Fuß stellen konnte . Es schien , als ob der Hof ersetzen wolle , was Uli eingebüßt , als ob er vergelten wolle , was Uli an ihm tat . Zudem half Hagelhans , der immer öfter da war , mit gar manchem nach , fast unvermerkt . Es tut einem Hof bald dies , bald jenes not oder täte ihm wohl , aber niemand will es machen . Der Pächter scheut die Ausgabe oder denkt , wenn er von der Pacht müsse , entschädige ihn niemand . Der Besitzer denkt : ich kriege gleich viel Pachtzins , sei das gemacht oder nicht gemacht , schiebt die Arbeit auf von einem Jahr zum andern Jahr oder schlägt gar sie ab . Es gibt keine Form des Pachtakkordes in der ganzen Welt , wo solche Nachteile , die erst der Pächter leidet , welche aber später auf den Besitzer zurückfallen , vermieden werden können . Von Joggeli hatte Uli gar nichts mehr erhalten können , er selbst hatte es je länger je weniger vermocht ; jetzt griff Hagelhans mit beiden Händen zu , daß es Uli manchmal graute und er sagte : Es dünke ihn , mit dem könne man noch warten bis das andere Jahr , es sei schon so viel geschehen , und zu viel möchte er ihm doch nicht zumuten . » Wenn ich es zahle , was geht es dich an ? « fragte Hagelhans . » Warum aufs Jahr versparen , wozu jetzt Geld und Wille da sind ? « Das waren zwei schlagende Gründe , gegen welche nicht viel zu sagen war . Nur am Hause selbst wollte er nicht reparieren , nur das Nötigste in den Ställen und an den Bschüttilöchern . Was man an die alte Hütte wende , sei verloren , sagte er . Er hatte immer fester einen Neubau im Kopf ; hier aber stieß er auf Vrenelis Willen , welches nichts weniger als diesem geneigt war . Vreneli hatte eine große Gewalt über den Alten ; es herrschte zwischen ihnen die Traulichkeit , wo Vrenelis ganzes Wesen in Ernst und Scherz seine Macht üben konnte . Es suchte ihm das Bauen auszureden , und als das nicht möglich war , doch Zeit zu gewinnen . Die Gründe , wie lieb ihm das alte Haus sei , wie es in einem neuen sich nicht zu gebärden wüßte , wie es sich für einen Pächter nicht schicke , in einem solchen Hause zu wohnen , und ihm viel Kosten nach sich ziehe , ließ er nicht gelten . Hingegen leuchtete ihm das ein , daß wenn man zu rasch baue , man schlecht baue , und daß allemal das Land das Bauen entgelten müsse , denn während man baue , richte man sein Augenmerk auf den Bau , brauche den Zug für das Bauen , und gröblich werde das Land vernachlässigt . Es wäre daher zehnmal besser , man setze erst das Gut recht in Stand , führe nach und nach in müßigen Zeiten das nötige Material herbei ; so komme man vor und nach mit allem zurecht , keines schade dem andern und der Pächter laufe nicht Gefahr , sich und seinen Zug zugrunde zu richten . Es müsse sagen , es würde ihm Kummer machen für Uli , wenn er wieder so in ein Gewirre hineingestoßen würde . Derselbe habe gar ein ängstlich Gemüt ; wenn man ihm schon jetzt nichts anmerke , so könnte so leicht es ihm wieder kommen , wenn man ihn in Versuchung führe , ehe er so recht erstarket sei . Der Alte war seit Jahren nicht gewohnt , daß jemand ihm widersprach ; was er wollte , das wurde ausgeführt , und um so unerbittlicher , wenn er sah , daß jemand ein schief Gesicht dazu machte , das hatte sein Gesinde oft erfahren . Der fremde Wille von Vreneli würgte ihn im Halse wie ungewohnte , seltsame Kost , und doch würgte er ihn herunter mit manch seltsamem Gesicht und ergab sich darein , aber nicht wie Joggeli es getan hatte , unter Knurren und Murren und beständigem Widerstreben , sondern als er ihn endlich hinunter hatte , sagte er : » Nun , dir zu Gefallen , daß du es nur weißt . Aber darauf zähle ich dann auch , daß wenn ich finde , der Hofhabe seinen Teil und die Sache sei beisammen , du kein Wort mehr sagst . Hasse nichts mehr als das beständige Wiederkauen . « Vreneli zögerte noch , seine Hand in die dargebotene zu schlagen und das Versprechen abzulegen , denn das alte Haus war ihm ans Herz gewachsen ; aber da tat Hagelhans seine großen Augen auf , und Vreneli schlug ein . Über einen andern Punkt kamen sie dagegen nie zum Ein , schlagen , da war beständiger Streit , doch nie ein feindseliger . Hagelhans haßte den Johannes , aber mehr noch Elisi ; wenn er es sah , ward es ihm wie Andern , wenn sie Mäuse oder Kröten sehen . Johannes ließ sich auf der Glungge nicht mehr sehen , seiner Väter Gut hatte er den Rücken gewendet auf immer . Elisi hingegen hatte es wie die Katzen , welche nicht an den Personen , sondern an den Häusern hängen sollen , es konnte nicht von der Glungge lassen . Obgleich einige Stunden davon entfernt , erschien es doch alle Augenblicke auf der , selben als wie vom Himmel herab , gebärdete sich daselbst als des Hauses Tochter und behandelte Vreneli auf die alte Weise , als ob dasselbe um Gottes willen da sei , sagte ihm das Unverschämteste und forderte von ihm , was ihm beliebte . Man wußte nicht recht , war es Dummheit , war es Bosheit , war es eingefleischter Hochmut oder war es die Art von Anhänglichkeit , die sich bloß durch Kratzen , Beißen , Klemmen zu äußern vermag . Vreneli ertrug dieses mit klarem Gemüte wie die Eiche die Fledermaus , welche in ihr nistet , der Berg den Morast , der an seinen Fuß sich schmiegt . Hingegen Hagelhans vermochte das nicht , gerne hätte er es , gleich einer Made im Käs , mit dem Fuße zertreten . Er befahl Vreneli , mit Elisi abzubrechen , es einmal vom Hofe wegzujagen wie einen Hund , daß es das Wiederkommen bleiben lasse , das Mensch wolle er nicht mehr antreffen . Es könnte ihn ankommen , er stecke ihm eine , daß es mehr als genug daran hätte für immer . Aber Vreneli wollte das nicht . Der Base Kind jage es nicht vom Hofe weg . Lieb sei ihm Elisi nicht und werde es nicht , aber es erbarme ihns , an allem sei es nicht schuld und sollte jetzt nirgends mehr sein in der Welt . Die Base drehte sich noch im Grabe um , wenn sie wüßte , wie es ihren Kindern erginge . » So drehe sie sich meinethalb , « sagte Hagelhans , » aber das Mensch lässest du mir nicht mehr ins Haus und jagst es mit dem Besen vom Hofe , das tust . « » Und das tue ich nicht , « antwortete Vreneli . » Und das tust du , « sagte Hagelhans , und seine Augen glühten lichter und wurden rund wie Pflugräder . » Und das tue ich nicht , « sagte Vreneli , und seine Augen wurden rund und flammten , » und das tue ich nicht , und risset Ihr mir den Kopf vom Halse . Recht ist recht und schlecht ist schlecht , und da hat mir niemand was zu befehlen als mein Gewissen und Gott . « So hatte zu Hans noch niemand gesprochen . Erstaunt sah er die glühende Frau an , sagte endlich : » Sollte ich wohl vor dir mich fürchten müssen ? « , ging , sagte von Stunde an nichts mehr von Elisi , aber wo er Vreneli einen Wunsch anmerkte , ward er erfüllt . Es klopfte einmal an einem recht wüsten , windigen Regentage , wo Vreneli die Küchentüre zugemacht hatte , damit der Wind ihm nicht ins Feuer komme , an der Türe . Vreneli öffnete , draußen stand seine Freundin , welcher es zu Gevatter gestanden , pudelnaß , mit einem ebenso pudelnassen Kinde auf den Armen . » Mein Gott , bist du es , « sagte Vreneli , » bei solchem Wetter ; was denkst doch , daß du bei solcher Zeit zur Türe aus gehst und noch dazu mit einem Kinde ? « Nun begann die Frau sich weitläufig zu entschuldigen , daß sie nicht früher gekommen , aber bei gutem Wetter habe sie Arbeit gehabt und diese nicht versäumen wollen . Vreneli dachte dazwischen , ihns zu mahnen an das Gutjahr hätte es nicht gebraucht ; es sei ihm leid , daß die Freundin so unverschämt geworden , aber die Armut werde dies machen . Aber , fuhr die Frau fort , sie hätte nicht länger warten wollen , ihm zu danken , es hätte sonst glauben können , es sei ihr nichts daran gelegen , und doch könne sie nicht sagen , wie schrecklich es sie gefreut , daß es so an sie gedacht , sie hätte einen ganzen Tag das Wasser in den Augen gehabt . » Weiß nichts , « sagte Vreneli , » was meinst ? « » Vexiere nicht , « sagte die Frau , » du oder der Bauer , wird ja auf eins heraus , kommen , haben uns ja Bescheid machen lassen , es sei hier eine Behausung leer . Wenn wir keine hätten oder noch nicht zugesagt , so sollten wir kommen ; sie sei gut , wohlfeil und das ganze Jahr Arbeit . Ich kann dir nicht sagen , wie das mich freute , daß du an mich dachtest und daß ich in Zukunft doch auch jemanden haben soll , dem ich klagen darf , was mich drückt , und Rat holen , wenn ich nicht mehr weiß wo ein und aus . « » Daran bin ich wahrhaftig unschuldig , « sagte Vreneli , » weiß kein Wort davon . « » Verschäm dich dessen nicht , « sagte die Frau , » sonst dauert es mich . Für einen Narren gehalten wird mich doch niemand haben , « setzte sie erschrocken hinzu , » das wäre doch schlecht , mein Gott ! « » Habe nicht Kummer , « sagte Vreneli , » und wäre es so , so läßt sich aus Spaß Ernst machen . Aber mir fällt ein , was es sein könnte . Ich erzählte einmal unserm Bauer von dir , wie du mich erbarmet , wie ich gedacht , wenn es zu machen wäre , so möchte ich dich in die Nähe ; dein Mann sei gut zur Arbeit , und eine vertraute Person käme mir in hundert Fällen so kommod . Jetzt ist ein Häuschen , welches der Bauer zu vermieten hat , leer ; was gilts , er hat dran gedacht , was ich ihm gesagt , und er ists , der dir Bescheid gemacht hat . « » Ists noch ein Junger ? « fragte die Frau . » Fragst wegen mir oder fragst wegen dir ? « frug Vreneli mit einer Miene , von welcher man nicht recht wußte , ob Zorn oder Spott in ihr stach . Die Frau erschrak und wußte nicht , was sie sagen sollte . » Sieh , « sagte Vreneli , » das macht mich am bösten , daß wenn ein Mensch tut , was recht ist , Andern zulieb zu leben sucht , so sucht man gleich was Schlechtes dahinter , und fast ohne daß man es weiß . Es ist ein alter Mann , ein Bölimann , ein Kindlifresser von außen , hat aber ein gutes Herz , und wenn er mal weiß , daß man treu ist und es gut mit ihm meint , so tut er einem zu Gefallen , was er kann und mag . Er ist darin ganz das Gegenteil vom frühern Bauer . Doch das kannst am besten selbst erfahren . Er ist da , dort drüben im Stock , gehe hin und machs mit ihm ab . « Vreneli zeigte der Frau den Weg zum Bauer , » unterdessen mache ich dein Kind trocken und lege es ins Bett . « Die Frau wollte nicht gerne gehen , meinte dies , meinte das , aber Mutter Vreneli konnte auch befehlen , besonders wenn wunde Flecken berührt worden waren . Es ging nicht lange , so kam die Frau wieder daher mit gröblich langen Schritten , platzte fast zur Türe herein und schrie : » Wenn ich geschwollen werde am ganzen Leibe , so bist du schuld ; mein Lebtag hab ich noch kein Ungeheuer gesehen als heute , es zittern mir alle Glieder . « Hagelhans war wahrscheinlich im Négligé gewesen , hatte langen Bart gehabt und die Stimme tief unten herauf genommen , als er den kurzen Bescheid gegeben , sie solle die Sache mit Vreneli machen , wie es sie mache , sei es ihm recht , daneben machen daß sie fortkomme , sie sei eine Stürme . Das habe ihr doch noch niemand gesagt , und das habe er in einem Ton gesagt , daß es gerade gemacht , als ob es donnere . Es sei ihr gewesen , als zittere der Boden unter ihren Füßen , sie hätte gemacht daß sie fortkomme , und ihr sei immer gewesen , als sei hinter ihr eine Hand , fasse sie am Hals und wolle ihn umdrehen . » Und was dünkte dich , « frug Vreneli boshaft , » ists ein Junger oder ein Alter ? « » Verzeih mir Gott meine Sünde , « sagte die Frau . » Ich bin eine arme Sünderin , aber die schlechteste doch nicht , aber wenn ich den sehe , wäre es mir immer , der Leibhaftige wäre da und wolle mich nehmen . « Vreneli hatte Mühe , die gute Frau zu beruhigen und sie zu bewegen , das Anerbieten anzunehmen . Wer weiß , wenn ihr die Behausung nicht so anständig gewesen , die Bedingungen nicht so eingeleuchtet hätten und Vreneli nicht so lieb , ob sie sich hätte bewegen lassen , so hatte der Alte ihr das Herz wackeln gemacht . Sie freute sich endlich doch der Sache , ging reich beschenkt weg . Aber sobald sie Vreneli nicht mehr sah , kam ihr die Angst wieder , sie lief , als ob der Leibhaftige ihr auf der Ferse sei . Vreneli war äußerst dankbar für des Vetters zuvorkommende Güte . Einer vertrauten Person bedurfte es . Eine solche Person bildet die Brücke , welche die Meisterfrau mit der ihr untergeordneten oder sie umgebenden Welt verbindet , so wie der König mit sämtlichem Gesindel in Zusammenhang steht durch seinen Justiz-und Polizeiminister . Nun kömmt es