, daß sie der Versuchung unterlag . Denn allerdings muß sie dieselbe in Membrocke ' s Händen jetzt nach so langem Zögern für verloren halten , und der Gedanke daran quält sie und entfernt sie doch eben immer mehr von dem Wunsche , sie wieder aufzufinden . Das gönne ich ihr von Herzen , rief behaglich freundlich die Lady ; in ihre eignen Fallen müssen diese Heuchler sich verstricken ; besser möchten sie sein , als Andere , um hochmüthig herabsehen zu können . Wenn wir der reizenden Sünde in unsern Wegen nicht auszuweichen wissen , ziehn diese Heuchler selbst das Bild der Tugend , womit sie prunken , zu dem Dienst ihrer Sünde hin . Ja , ja , es ist Alles eins . Nur wird der Eine von der Welt gezüchtigt , der Andere dagegen in seinem schwachen Herzen , und der Zufall ist bei Beiden der geschäftige Wirbelwind , der darüber fährt , und nach allen Ecken hin verwechselt und durch einander wirft , was die jämmerliche Klugheit der Menschen gesondert zurecht legte . Kann man sich Tolleres denken , als daß dieser neckische Zufall das Mädchen , auf dessen Haupte ein unsichtbares Diadem geruht , welches behütet und bewacht war von Allem , was Schlauheit und List nur erdenken konnten , nun verschmachtend , mit Wunden bedeckt und ausgestoßen aus aller menschlichen Verbindung , eben auf die Schwelle derjenigen niederlegt , die ihre natürliche Feindin schon um ihres Antlitzes willen ist , und welche nun sogleich geschäftig Alles in ihrer Einbildung so anordnet , daß ihr daraus die höchste Züchtigung ihres eiteln Herzens erwachsen muß . - Auch uns , erwiederte der Pater , überraschte dies Ereigniß , das so wenig vorher zu sehen war . Immer war dies Kind uns wichtig , und unsere Absichten mit ihr und dem ganzen Geheimniß haben oft gewechselt . Um die spanische Verbindung zu hindern , wäre sie eine vortreffliche Erscheinung geblieben , denn ehelich war Karl verbunden , darüber sind die Beweise vorhanden ; doch allerdings war es nur ein letztes Mittel , welches zwar jene , aber auch die Verbindung mit Henriette von Frankreich gehindert oder doch verzögert hätte , vielleicht bis zu dem ungelegenen , sich nahenden Moment seiner größeren Freiheit als König . Und es ist nicht zu läugnen , Buckingham hat uns gedient , indem er sich zu dienen glaubte , in unserm Solde . War der Prinz nicht auf dieser tollen Reise , wo Jeder heimlich sein verkapptes Interesse unter dem Scheine von Vertrauen barg , mit Buckingham , so konnte Vieles nicht geschehen , und höchst wahrscheinlich war das Mädchen unserer Macht entzogen , wenn wir durch Porter auch in Kenntniß ihres ferneren Schicksals blieben . Eben so war es nöthig , daß Lord Nottingham in Madrid starb und sonach im Hause seiner Gemahlin ihr der wahre Schutz fehlte , der einzige , der alle Zweifel der gekränkten Gattin hätte lösen , und damit uns eine höchst unwillkommene Entdeckung veranlassen können , die dem Prinzen augenblicklich zu ihrem Wiederbesitz verholfen hätte . Uns war der Ort , den der Zufall ihr angewiesen , nicht erfreulich , bis wir über ihr ferneres Loos Befehle einzogen . Kaum war zu erwarten , daß Buckingham , obwol sehr gegen unsern Plan , durch die Ueberraschung , die der Prinz erlitt , Theilnehmer des Geheimnisses , sie gerade bei den Nottinghams suchen würde . Doch bestand der Kardinal damals , da der Tod der Mutter das Hinderniß für Frankreich aufgehoben hatte , darauf , daß wir diese Störung beseitigten . Es war nächst der geheimen Klausel des Ehekontrakts nicht der unwichtigste Theil von Mazarins Sendung , sie selbst mit hinweg zu führen ; denn schon fürchtete der schlaue Staatsmann die neue Unterjochung des neuen Königs durch den alten Einfluß Buckinghams , und wollte eine mögliche Steigerung nimmer wagen . Doch verzichtete er endlich auf die schnelle Ausführung dieses Planes , da wir ihm Nachricht gaben , wie der schlaue Herzog mit großer List sie aufgefunden und unter tausend Thorheiten seines Freundes Membrocke einen Plan entworfen , ganz dazu geschaffen , sie uns ohne das geringste Aufsehn in die Hände zu liefern . Ein Kinderspiel war es fürwahr , da die Chiffern des Herzogs uns alle durch Maxwell bekannt sind , den tollen Tropf , den Membrocke , so lange umher zu jagen , bis wir sie unterdessen mit aller Sicherheit seiner Nachforschung entzogen . - Alles gut bis dahin , sprach Lady Sommerset , aber Ihr spielt gewagtes Spiel . Hier sollen wichtige Interessen , wie unläugbar Buckinghams Macht ist , wenn sie auf den nächst zu erwartenden Monarchen übergeht , durch ein Weib aufgewogen werden , die da jung , mit einer seltenen Schönheit und dem Anspruch einer hohen Geburt begabt , sobald sie sich dessen in der Welt bewußt sein wird , gewiß Alles , was Ihr auch bei ihr eingeleitet zu haben glaubt , von sich werfen wird , wenn es ihr hinderlich scheint . Und was dann ? Wo wird dann Eure Macht bleiben ? Unschädlich sie zu machen , erwiederte mit eisiger Kälte der Pater Johannes , bleibt uns in jedem Augenblick mitten in dem Glanz der Welt , wie zwischen diesen Mauern , und was die ihr zugedachte große Gewalt betrifft , so ist gegen Buckingham bereits eine andere heraufgeführt , die von jener nur unterstützt zu werden brauchte . König Jakob wird sich mit Bristol versöhnen , und er wird , gehoben durch allen Einfluß des französischen Hofes , eine Rolle spielen , die nie unbedeutend sein kann , wo er sie überhaupt zu spielen Lust hat . Mit seinem Interesse ließe sich das Mädchen selbst verpflechten ; denn mir sagte Pater Clemens , daß sie ihm in ihren Gesprächen , ohne Ahnung dieses Geständnisses , eine Herzensneigung zu dem Enkel Bristols verrathen , die befördert werden müßte , wenn sie der Welt zurück gegeben werden sollte ; denn die Nichte Buckinghams würde dadurch Familien-Mitglied seiner Feinde . - Ha , der Plan ist gut ! Doch soll ich Euch sagen , was ich denke ? Sperrt sie ein , vertilgt sie , gleichviel wie , da habt Ihr den Vortheil sicher . Und Karl ? Ich müßte die Stuarts nicht kennen , wenn ich so thöricht sein sollte zu denken , Liebesgram und Vatersorge um Zwei , die da nicht mehr sind , werde der blühenden Gattin , von deren Schönheit Ihr so viel Aufhebens macht , hinderlich sein . Doch sagt mir , fuhr die Lady fort , sagt mir nur das Eine , seid Ihr sicher , daß Karl vermählt war mit dieser Buckingham ? Sind Dokumente darüber ? Ist durch die Offenbarwerdung dieser Tochter keine Schande zu hoffen für Buckinghams stolzes Herz ? - Der Prinz war früher vermählt , als er hoffen konnte , Prinz von Wales zu werden , erwiederte der Priester , Beide waren noch im zartesten Alter ; doch der leidenschaftlich aufgeregte Karl wollte wenigstens die Garantie dieser Vermählung haben , und der Graf und die Gräfin Melville waren die Zeugen . Der Schloßkaplan Master Brixton vollzog die Ceremonie , die Dokumente sind doppelt ausgefertigt , das eine im Besitz Brixtons , und das andere verwahrte der Herzog von Nottingham hinter dem Bilde der Gräfin von Buckingham , welches der Prinz von Wales ihm einst , während eines Aufenthaltes in London , heimlich in die wohl verborgene Nische des Schlafgemachs setzen ließ , und dessen Dasein wohl schwerlich ein Mensch außer dem Herzog kennen mag . - Aber wie konnte Nottingham dessen ungeachtet diese rasende Leidenschaft fassen , da er doch wissen mußte , daß sie schon als Gemahlin des Prinzen nach London kam . - Dies erfuhr er erst nach dem Tode seines Bruders , als der Prinz krank darnieder liegend keinen treueren Boten kannte , als eben ihn , der keinen Augenblick sein Bett verließ . Er sendete ihn zur trostlosen Gemahlin , noch auf dieser Höhe sie seiner treuen Gesinnung versichernd ; denn fest entschlossen blieb er , sie auf den Thron zu heben , und verrieth somit dem Freunde das Geheimniß . - Ha ! ha ! lachte die Lady , das war ein guter Auftrag ; und daher wurde dann die verschmähte Gräfin Bristol schnell in Gnaden zur Braut erhoben ! Doch es sei so ! rechtmäßiger Geburt oder nicht , vertilgt sie , vertilgt Alles , was den Namen Stuart oder Buckingham trägt ; nur dann habt ihr den Erfolg sicher . - Mit diesen Worten erhob sich die Lady und schritt nach ihrem Bet-Pult , den Rest des Morgens einer vorgeschriebenen Andacht zu weihn , die über den felsenharten Inhalt dieses Wesens auch nicht den kleinsten Einfluß ausübte . Die Zeit , die jetzt für die unglückliche Maria anhob , war ganz dazu geschaffen , ein so junges und lebhaftes Gemüth nieder zu beugen und in eine schwermüthige und dumpfe Stimmung zu versenken . Sie mußte nach einer Zusammenkunft mit Pater Johannes , worin sie nicht ermangelt hatte , ihr Glaubensbekenntniß abzulegen und zu vertheidigen , doch dem Rathe des Geistlichen nachgeben und sich der Ordnung des Hauses fügen . Er sah wohl ein , daß der boshafte Geist der Lady nicht so weit gezähmt werden möchte , um mit ihr gemeinschaftlich handeln zu können , und so wußte er sich dem Fräulein als eine wohlthuende Mittelsperson anzudeuten , an die sich die Hülflose um so lieber anschloß , da ihr sonst nur Margariths kindisches Geschwätz oder der beschränkte Geist der verschüchterten Schwester Electa für die Stunden blieb , die sie nicht in Gemeinschaft mit der Lady selbst oder im sogenannten Arbeitssaal mit den übrigen Schwestern zubringen durfte . Diese Stunden waren ihr fast die unleidlichsten , denn wenn der Kultus , dem sie beiwohnen mußte , auch abweichend und , ihren empfangenen Begriffen nach , unzulässig war , konnte es ihr doch nicht schwer werden , daran ihre eigenen Gefühle anzuknüpfen und so die Widersprüche , die ihr von Außen drohten , in sich auszugleichen . Hier aber war sie Stundenlang dem ermüdendsten Geschwätze ausgesetzt , welches sich um die widerlich entstellten und übertriebenen Schilderungen merkwürdiger Martyrien oder die Wunder von Heiligen-Bildern und Reliquien drehte , und im Munde beschränkter Personen eine Verzerrung und Kraßheit erhielt , welche zu ertragen , ihr die härteste Geistesqual däuchte ; und doch blieb ihr dagegen nur der geringe Schutz , ihre Gedanken auf die Handarbeit zu richten , die hauptsächlich in der Anfertigung der groben Kleider und der Sandalen-ähnlichen , von Stricken geflochtenen Schuhe bestand , welche die Kleidung der Nonnen ausmachten . Es entging Maria nicht , daß das Schloß außer den Nonnen oft Gastbesuch hatte , der zu dieser klösterlichen Form wenig paßte . Die Mittagszeit im Refektorium zeigte fremde geistliche Theilnehmer , von denen sie sich beobachtet sah , ja , aus ihrem Zimmer mußte sie den Besuch von Personen empfangen , die sich weiter nicht zeigten , und bei deren Gegenwart auch Lady Sommerset gewöhnlich auf mehrere Tage ausblieb , die sonst , als Priorin , beständig den großen Lehnstuhl einnahm , der den geheimnißvollen Eingang zur Kirche bedeckte , mit welcher Maria jetzt durch tägliche Theilnahme völlig vertraut geworden war . Ueber den Zweck dieser Besuche , die außerdem von dem konsequenten Verfahren des Pater Johannes unterstützt wurden , blieb kein Zweifel . Sie sollten Maria nicht allein bekehren , sie sollten sie zu einem gewissen Zweck , zu einer theilnehmenden Verpflichtung für den Orden bekehren . Sie versuchte anfänglich dem Rath des Pater Clemens zu Folge , auf dem ihre einzige Hoffnung beruhte , eine völlig duldende Haltung zu behaupten , die weder zugestand , noch verweigerte , so daß man sie wirklich für bekehrt hielt ; doch als man nun anfing , ihr in dieser Beziehung nähere Mittheilungen zu machen , empörte sich gegen diese Täuschung ihr stolzes und reines Herz . Sie trat nun bestimmter entgegen , verdoppelte aber dadurch nur die Bemühungen um sich und zog sich eine peinliche Scene zu , die mit einem Eidschwur endete , den man von ihr über die Geheimnisse dieses Schlosses begehrte . Nach langem Weigern willfahrte sie endlich , da sie sich kaum denken konnte , daß , außer dem Fanatismus der Einzelnen , irgend ein böser Zweck diesen Dingen zum Grunde liege , und da sie wohl einsah , daß ihr keine Wahl bleiben würde , wenn sie nicht selbst jede Hoffnung zum Heraustreten aus diesem Hause damit zerstören wollte . Ihr Verhältniß zu der Lady des Hauses blieb gleich widrig und beklemmend für sie . War auch eine ähnliche Nacht-Scene nicht wieder vorgefallen , hatte diese doch ein so tief reichendes Ensetzen in ihr zurückgelassen , daß durch ungewöhnliche Töne , die oft Nachts an ihr Ohr drangen und durch eine Nachlässigkeit Margariths einst an die Thür ihres Schlafgemaches vorrückten , ihr hinreichend der grauenvolle Eindruck unterhalten ward , den jene furchtbare Frau ihr eingeflößt hatte . Fast räthselhaft schien jedoch bei solcher Geisteszerrüttung die körperliche Stärke sowol , als die Schärfe und Klarheit des Verstandes , die ihr nach solchem Paroxismus verblieb . Wie abschreckend und empörend die Richtung dieses Geistes auch war , setzte sie doch oft ihre gelehrten Umgebungen in Erstaunen , und führte mit ihrem schlagenden Verstande Geistes-Kämpfe , wobei ihre Gegner , wofern sie nicht meist zu der durch Weltklugheit berühmten Gesellschaft Jesu gehört hätten , ihrem durch weitreichende Erfahrungen entwickelten und überlegenen Scharfblick hätten weichen müssen . Maria war die Rolle , die sie früher in der Welt gespielt , verborgen , aber sie bekam ein treues Bild von den Qualen , dem ein durch Sünden zerstörtes Gewissen auch bei der größten Härte des Gemüths nicht entgeht . Sie gewahrte mit Erstaunen , wie diese stolze , jeden Augenblick Widerstand leistende Frau , wie ein Kind eingeschüchtert und bebend vor dem angedrohten Fluch der Kirche , sich den harten Worten des Geistlichen und seinem Willen unterwarf , den sie , wenn sie sich von dieser innern Qual mit allen Hülfsmitteln ihres sophistischen Verstandes wieder befreit hatte , ihrerseits zu unterdrücken , eifrig bemüht war . - Was jedoch unsere junge Heldin nicht erfuhr , sei uns erlaubt , für den Theil unserer Leser , denen das Leben der Franziska Howard nicht bekannt ist , mit einigen Worten hier einzuschalten . Nach dem Willen Jakobs des Ersten , die beiden Familien , denen er gleich verpflichtet war , an einander zu knüpfen , wurden Lord Essex und Lady Franziska , wie sie uns selbst schon angedeutet hat , schon als Kinder , und beschäftigt noch mit Puppe und hölzernem Schwert , mit einander vermählt , und der vierzehnjährige Gemahl mit seinem Gefolge nach Italien geschickt , um dort seine Erziehung zu vollenden . Lady Franziska erblühte indessen zu einer seltenen Schönheit , und als Hofdame der Königin führte sie der tägliche Umgang in die Arme eines königlichen Günstlings , der , aus dem niedrigsten Stande durch blühende Schönheit und Liebenswürdigkeit zu den höchsten Würden und Ehrenstellen von Jakobs lächerlicher Vorliebe emporgehoben , endlich zum Herzoge von Sommerset erklärt ward . Beide Liebende zweifelten nicht , daß Jakob eine Scheinehe , wie sie Lady Franziska fesselte , leicht den Wünschen seines Lieblings opfern würde , und waren daher sehr erstaunt , dem ungemessensten Zorne des Königs bei dieser Entdeckung zu begegnen . Durch die Gunst des Kanzlers Lord Overbury war Sommerset dem Könige bekannt geworden , und von dem ausgezeichneten Geiste und den großen Kenntnissen dieses Staatsmannes unterstützt , war es dem völlig unwissenden Jünglinge allein möglich gewesen , die Stelle eines Ministers auszufüllen , die Jakob ihm aufnöthigte . Er stand auch hier , in sein Vertrauen gezogen , großmüthig dem Verirrten zur Seite und belebte seine Hoffnung für die Zukunft . Jakob bestand indessen darauf , daß Lady Franziska ihre Verpflichtungen gegen Essex , der nun voll Liebe gegen seine junge Gattin zurückgekehrt war , erfüllen solle , und verbannte sie bei ihrer hartnäckigen Weigerung vom Hofe . Hier unterhielt Overbury den Briefwechsel der Getrennten und blieb ihr Schutz gegen Jakobs härtere Maaßregeln . Aber die zügellose Leidenschaft der durch Widerspruch Gereizten hinterging die vorsichtige Sorgfalt ihres edeln Freundes ; sie fanden Mittel , sich ohne seine Hülfe zu sehen , und vollzogen , gegen den Rath ihres Wohlthäters , ihre in jeder Beziehung unrechtmäßige Vermählung . Mit dem ganz edeln Zorn eines boshaft hintergangenen Freundes sagte sich Overbury nach dieser Entdeckung von den bisher Beschützten los , und ihrer eigenen Thorheit überlassen , ward ihr Geheimniß nur zu schnell dem Könige verrathen , und Beide wurden in den Tower gesetzt . So aus dem glänzenden Leben ausgestoßen , dem Beide ganz ergeben , entwickelten sich alle die gehässigen , schon bereit liegenden Laster Franziskas , und ihren Gemahl , dessen indolenter Karakter mehr gewährend , als mit handelnd war , gänzlich beherrschend , schwur sie ihrem Wohlthäter Overbury eine unversöhnliche Rache , da er ihr den Schutz verweigerte , den zu leisten sie selbst unmöglich gemacht hatte . Die Sammlung ihrer Briefe unter Overburys Adresse , die Summen , die er ihnen vorgestreckt , wurden die sorgfältig geordneten Dokumente , womit die Lady ihre eigene Mutter an den König absendete , ihren Wohlthäter zu stürzen . Der Erfolg ward von einem Gelddefekt unterstützt , den der unglückliche Mann nicht nachweisen konnte , und der ebenfalls durch die Agenten der Lady ihm gemacht war . Unläugbar hatte er den Zorn des Königs verdient , indem er den beiden Verliebten so ganz gegen den Willen seines Monarchen Vorschub geleistet . Vergeblich verschwor Overbury seine Theilnahme an der endlichen Vermählung ; Lady Franziska hatte durch nachgemachte Briefe auch dies völlig außer Zweifel gestellt , und Overbury betrat den Tower an dem Tage , an welchem Lord Sommerset mit seiner Gemahlin ihn verließ , welche , vom Könige begnadigt , ihren ehemaligen Platz bei Hofe wieder einzunehmen hofften . Hier entstand aber ein wüthender Kampf der Eifersucht zwischen dem indessen heimisch gewordenen Herzog von Buckingham , dem neuen Günstling , und dem zurückgekehrten , der , von seiner Gemahlin unterstützt , Alles versuchte , die alten Rechte wieder zu gewinnen . Overbury hatte indessen Freunde gefunden , die , von Buckingham begünstigt , das Recht der Verurtheilten aufs Neue beleuchteten , und Jakob fing selbst an aufmerksam zu werden , als der Beweis sich zuerst kund gab , Overbury habe die Summen , die er nicht nachzuweisen wußte , nicht veruntreut . Dies war die Losung für Lady Franziska , welche , vom Laster einmal ergriffen , jetzt keine Handlung mehr scheute , die sie der öffentlichen Schande entziehen und ihre geheime Rache befriedigen konnte . Overbury ward vergiftet in seinem Kerker gefunden , mit ihm zur selben Zeit starb eines gewaltsamen Todes sein Sekretair , derselbe , der durch die genaue Ordnung und Darlegung aller seinen Herrn vertheidigenden Papiere der Sache diese Wendung gegeben . Diese wichtigen Dokumente selbst waren verschwunden , aber eine furchtbare Gerechtigkeit erstand gleich nach Lautwerdung dieser Greuel in der öffentlichen Meinung . Mit Fingern wies man auf Lady Franziska und ihren Gatten , und es bedurfte nur geringer Anzeichen , um ihnen aufs Neue die Wohnung des Towers anzuweisen , auf dessen düsterer Schwelle sie nun der Schatten ihres gemordeten Wohlthäters empfing . Hier bildete sich in dem unglücklichen Verbrecher , dem kaum dreißigjährigen Lord Sommerset , die furchtbare Verwirrung des Geistes aus , die , durch so viel Schuld veranlaßt , späterhin der rächende Begleiter seiner Tage ward ; und so hartnäckig der Widerstand seiner Gemahlin blieb , so leicht waren doch seinem erschütterten Geiste die Aussagen entrissen , die das Oberhaus bedurfte , um Beide des Lebens für verlustig zu erklären . Lange zögerte Jakob , obwol die Richtigkeit des Urtheils anerkennend , mit der Vollziehung . Die Zeit verwischte das Andenken dieser Greuel erst aus den Kreisen der Unterhaltung , dann aus den Gedanken der Menschen überhaupt . Ob sie lebten , ob heimlich das Urtheil an ihnen vollzogen , oder ob sie in einer strengen Verbannung gehalten würden , war zweifelhaft , zuletzt gleichgültig ; und Jakobs Räthe , die den Kampf ihres Herrn kannten , durften zuletzt wagen , ihm selbst vorzuschlagen , die Gefangenen nach dem alten Schlosse der Howards an der Ostküste von England zu bringen . Sein Wunsch ward dadurch erfüllt ; denn es kränkte ihn zu sehr , ein Mitglied aus der Familie Howard und seinen ehemaligen Liebling den öffentlichen Verbrecher-Tod sterben zu lassen . So führte sie ein sicheres Geleit dahin , wo sie den Strafen der Einsamkeit und ihren Sünden überlassen blieben . Man behielt lange die Gewohnheit , zuweilen durch königliche Kommissarien von ihrer Gegenwart sich zu überzeugen , und dies Recht blieb auch noch immer dem nächsten Gerichtshofe , zu jeder beliebigen Stunde das Schloß und die Bewohner zu besuchen , und von ihrer Gegenwart sich zu überzeugen . Nach dem Tode des unglücklichen Herzogs , dessen Wahnsinn , durch die harte Behandlung seiner Gattin vermehrt , ihm so früh den Tod gab , wie wir schon aus Margariths Bericht ersehen haben , hörten die lästigen Besuche immer mehr auf , sie blieben aber die Hauptveranlassung einer so sorgfältigen Verheimlichung der katholischen unterirdischen Kirche , da diese nicht so schnell als die Kleider oder die Personen , die Verdacht erregen konnten , zu verbergen war . Lady Franziska hatte auf den Rath ihrer geistlichen Freunde mit dem letzten Richter der Stadt Gersey , dem diese Obliegenheit ward , eine Abkunft durch Entrichtung einer Summe Geldes getroffen , und ihr vorrückendes Alter als Motiv ihres Wunsches genannt , unbehelligt von jenen lästigen Nachweisungen verbleiben zu können . Dies hatte den besten Erfolg gehabt , da der Richter , selbst in hohen Jahren , sich gern dieser Verpflichtung überhoben sah , und ihm die Gegenwart der Verbannten viel angenehmer veranschaulicht ward durch einen monatlichen Revers , den er ihr für die empfangene Abfindung ausstellte . Denn die Nothwendigkeit , sich einer Frau gegenüber zu stellen , über deren Verbrechen seit dem Tode ihres Gemahls , wie über ihre Geisteszerrüttung so übertriebene Gerüchte in der kleinen Stadt herrschten , daß Jeder das Schloß als einen Pfuhl der Hölle floh , war stets eine lästige Pflicht . - Dies ist die Geschichte einer Frau , in deren Nähe wir unsere junge Heldin haben führen müssen , und indem uns der Wahrheit nach nur vergönnt war , ihre Lage als ungünstig und unerfreulich zu bezeichnen , ja , als von einer Unsicherheit umgeben , die unsere Theilnahme erregen könnte , müssen wir sie doch auch auf einige Zeit verlassen , um uns in Zusammenhang mit den Dingen zu setzen , die anderswo sich als einflußreich auf ihr Schicksal erzeigen werden . Und zwar müssen wir in manchen Beziehungen uns erlauben , eine Zeit flüchtig zu berühren , in welche wir unsere Leser früher bereits eingeführt haben . Dritter Theil Die beiden Lords , Ormond und Richmond , hatten zwar die Gewißheit , Lady Melville werde mit ihrem Willen von Membrocke geleitet , aber bei dem lebhaften Protest des Fräuleins gegen jeden Gedanken einer Entführung hatten sie gleichwol sich überzeugt , daß sie dessen ungeachtet das Opfer einer Täuschung ward , wofern nicht ihrem ganzen Handeln ein Geheimniß anderer Art zum Grunde lag , das sie ihnen zu verheimlichen gesucht hatte . Den Rückweg bis zum Schlosse legten sie unter tausend Plänen und Vermuthungen über dies Ereigniß zurück , wobei sich indeß das Herz Beider sträubte , ihr eine innigere Verbindung mit Lord Membrocke als Grund unterzulegen , wozu ihre Handlungsweise an und für sich allerdings einigen Verdacht darbot . Die Hauptfrage blieb indeß , was unter solchen Umständen ferner für sie zu thun sei . Denn hätte sie auch durch die genossene Gastfreundschaft sich verpflichtet halten können , Rechenschaft von ihren Handlungen zu geben , so war ihr doch das Recht unbestritten , über sich selbst zu verfügen , und hiermit auch den Nachforschungen ihrer Freunde eine Grenze gesetzt . Zwei so zartfühlende Männer würden sich dieser Beschränkung ihres Schutzes unter andern Umständen unbedenklich gefügt haben , wären nicht Beide von der Unmöglichkeit überzeugt gewesen , Membrocke könne je eine andere , als schlechte Absicht mit Frauen haben , und hätten nicht Beide mit Zuversicht geglaubt , er habe durch die schlauesten Lügen dies klare , nur zu offene Gemüth bethört , ihm zu folgen . Sie vermutheten , daß die Schwierigkeiten , die sich der Familie Nottingham entgegen gestellt hatten , ihr Auskunft über ihre Verwandten zu verschaffen , benutzt worden wären , um ihrem Vertrauen eine andere Richtung zu geben , und aufs Neue stieg ihre Sorge , wohin sie wohl geführt sein möchte . Die Entdeckung ihrer Flucht hatte dabei die Mutter Richmonds und die alte Herzogin so erschüttert , daß die Beiden von Besorgniß erfüllt waren , so ohne alle Milderung dieses schmerzlichen Gefühles , ja , fast mit erhöhten Sorgen für die junge Lady , zurückkehren zu müssen . Doch schon fanden Beide die Umstände verändert . Die jüngere Herzogin lehnte alle Erklärungen durch die Kälte ab , mit der sie augenblicklich die Sache abzuschließen trachtete . Keine Spur war mehr übrig von der heftigen Unruhe , die bei der ersten Nachricht sie fast ihrer stolzen Haltung beraubt hatte . Wir sind uns das Zeugniß schuldig , die Pflichten der Menschenliebe und der Gastfreundschaft an dieser jungen Person vollkommen erfüllt zu haben , erwiederte sie dem lebhaften Vortrage ihres Sohnes , glauben uns aber jetzt für uns selbst und unsere Umgebungen ihrer vollkommen entledigt durch das Stillschweigen und unerhörte Dunkel , worein sie sich zu hüllen für gut befunden hat . Ich , die ich dieser jungen Person eine mütterliche Güte erzeigte , ich fühle , daß ich die Einzige bin , die sich von dieser Handlung gekränkt ansehen kann . Ich gebe aber dies Gefühl und das damit verbundene Recht meines fernern Schutzes hiermit auf , da ich einsehe , daß ich überhaupt nur dies zartere Recht besaß , sie von der eigenen Lenkung ihres Schicksals abzuhalten . Ich danke Ihnen daher , Mylord Ormond , und Dir , mein Sohn , für die Bereitwilligkeit , die Wünsche meiner ersten Ueberraschung zu erfüllen ; ich erkläre die ganze Sache damit beendigt und werde , wenn es mir späterhin zulässig erscheint , aus eigenem Gutdünken darüber bestimmen , ob noch das Eine oder das Andere in dieser störenden Episode unseres würdigen Familienlebens zu thun sei , und im Fall ich dabei der Hülfe bedürfte , die Eure jeder andern vorziehn . Du wirst gewiß Deiner Großmutter selbst Deinen Bericht machen wollen . Meine Abreise nach Godwie-Castle ist auf morgen festgesetzt , und ich freue mich Deiner Begleitung , mein Sohn ! In Wahrheit , wir alle haben wichtigere Pflichten und Sorgen , als die Thorheiten einer Fremden zu beleuchten oder uns zu Herzen zu nehmen . - So entfernte sich die Lady , jede Gegenrede abschneidend , und so fanden die Lords auch die alte Herzogin , deren vorherrschende Güte zwar eine so stolze Härte nicht zuließ , aber doch von sich selbst fast jedes Interesse ablehnte und mit einem leisen Anhauch von Empfindlichkeit Alles an ihre Schwiegertochter verwies . Beide Lords trennten sich mit der Ueberzeugung , es sei während ihrer Abwesenheit zu unangenehmen Erörterungen zwischen den beiden Damen gekommen , wobei jedoch Richmond unbekannt blieb , wie er selbst durch die Aeußerungen seiner Theilnahme dieser mißtrauischen Frau eine bedeutende Veranlassung geworden , gegen Lady Melville kälter zu werden , und wie daraus eine Abweisung der Vorschläge ihrer Schwiegermutter entstand , welche diese engelgute Frau selbst nicht ohne einige Empfindlichkeit vernehmen konnte . Was jedoch die Gefühle anbetrifft , die Richmond in Anspruch nahmen , so fühlte er auf der Stelle den Vorwurf der Mutter , und wie frei er sich auch davon wußte , ihn verdient zu haben , gelobte er sich doch fest , daß kein anderes Interesse , als das seines ehrwürdigen Großvaters , dessen schwierige Lage er besser noch , als seine Mutter kannte , ihn vorherrschend beschäftigen solle , bis jene Angelegenheiten eine erwünschtere Wendung genommen haben würden . Dann , sprach er zu sich selbst , und eine tiefe Röthe drängte sich hervor , dann sei mir Gott gnädig ! - Wir finden bald nachher die herzogliche Familie in Godwie-Castle versammelt . Die alte Herzogin hatte Burtonhall verlassen , um sich zu ihrer Schwiegertochter zu begeben , welche bald nach dem letztgemeldeten Ereigniß nach Godwie-Castle zurückgekehrt war . Die Jahreszeit war zu weit vorgerückt , um andere Versammlungsörter zu bieten , als die , welche die gesellige Flamme von den behauenen Fichtenstämmen , in den weiten Räumen der hohen Kamine durch alle Gemächer heimliche Wärme verbreitend , darbot . Der Nordwind erreichte das Schloß durch die unbelaubten Wälder , die Sonne blieb verhüllt oder blickte nur matt durch dichte Nebelschleier , Licht und Wärme waren von außen her nicht mehr zu erwarten , und die einsamen Bewohner kehrten mechanisch in die alten Gewohnheiten der winterlichen Zeit zurück . Es war kaum anzunehmen , daß die Anordnung der Zeit und die Obwaltung des Hauses von denen ausgehe , die ihr Rang dazu berief , viel eher schien es , jene fügten sich in das , was von der Dienerschaft in jahrelanger Gewohnheit und schweigsamen Gehorsam nach dem einmal gekannten Willen ihrer Herrschaften auch jetzt wieder sorgsam ohne Frage eingerichtet war . Man verließ die eigenen Gemächer und verfügte sich in die Versammlungszimmer , wenn die aufwartenden Diener die Stunden dazu meldeten ; man trennte sich , wenn die Zeit zu diesem Beisammensein durch den Aufhub der Tafel oder des Frühstücks angezeigt war , und der Zwang , der über Allen waltete , schob die streng gehaltenen Stunden selten hinaus . Es war die Zeit einer bangen Erwartung , die Alle zur Unthätigkeit verdammte , während Sorge , beleidigter Stolz und die Bürde eines großen , erlittenen Unrechts im Geheim die Leidenschaften Aller steigerte , und weder ein Abschließen mit dem