Morgen wußte er nicht , was mit ihm geschehen , er wurde aber von Tage zu Tage matter und hinfälliger , daß er zuletzt beständig zu Bette bleiben mußte . Das war aber der Teufel , von dem meine beiden Kinder besessen waren und der kam nicht aus meinem ersten Manne , der war fromm und gut , aber der zweite hatte den Teufel im Leibe , von seinem Blute kam es auch beim ältesten . « Susanna verstand das nicht , sie mochte aber nicht mehr davon hören , vielmehr kam sie mit erneuten Vorstellungen für Anton Frau Anna wieder sehr unrecht . Heftig rief diese : » Und könnte ich ihn mit einer Stecknadel loskaufen , ich stieß sie ihm lieber ins Herz ! Geh Kurt , hüte dich vor dem Menschen , er borgt dir sicher was ab ; er soll sich was verdienen , dann mag er sich vor mir sehen lassen , sonst will ich ihn beim Rat verklagen . Du bist ein guter Junge , Kurt , dir schenkte ich gerne was , aber sieh , ich hab nur noch wenig ; etwas mußt du aber von mir nehmen zum Angedenken wenigstens , wenn ' s dir sonst auch nichts hilft . Da hast du den Degen und den Beutel , oder willst du ihn nicht behalten und willst recht gut sein , so gib es meinem Mann ; mit dem Degen sollte er auf Beute ziehen , und wenn er mir den Beutel voll Geld bringe , dann solle er auch einmal wieder in meinem Bette schlafen . « Das alles hatte sie mit einer Härte gesprochen , die Susannen erschreckte ; sie wäre ohnedies bald fortgegangen , außerdem ermahnte sie aber noch eine bekannte Stimme zur Rückkehr nach dem Wirtshause . Güldenkamm sang vor der Türe zur Zither : Von Wein und von Scherz Entfliehet mein Herz Durch die drückende Hitze . Durch die blendenden Blitze Hab ich umsonst ihr gesungen : Wohin , ach wohin ist mein Liebchen entsprungen ? Ein lieblicher Duft Erfrischet die Luft , Herrlich segnen die Gluten , Sterne spiegeln in Fluten , Schmerzliche Glut , die ich leide : Dahin , ach dahin ist die liebliche Freude ! Und wär sie nun nah , Und wär sie nun da , Sähen Sterne sie wieder , Säng ihr Nachtigall Lieder ; Ich nur allein , ich müßte dann schweigen . Vorhin , ach vorhin war Liebchen mir eigen ! Susanna wußte kaum , wie sie Abschied genommen und wie sie zur Türe hinaus gekommen , sie horchte , und das ganze Haus schien ihr in schmerzlicher Bezauberung ; sie ergriff Degen und Beutel , der ihr verehrt war , grüßte kaum und sprang die Treppen hinunter zur Tür hinaus zu dem Sänger , dem sie ihre Trauer erzählte , von der hartherzigen Frau . » Der arme Anton ! « sagten beide ; dann aber griff Güldenkamm in die Saiten und sprach ergriffen mit großer Lebendigkeit von allerlei Plänen , wie sie sich künftig durch Schauspielerei ernähren könnten , sie wären gerade vollständig drei , um alles Traurige und Lustige der ganzen Welt darzustellen . Hätten sie gewußt , wie bedrängt ihr armer Anton zu Pforzheim in der Zwischenzeit lebte , sie würden sich nicht so leicht beruhigt haben . Seger war gleich nach ihrer Abreise fortgewandert , indem er Anton versicherte , er habe kein Geld , er wolle auf Wilddiebere ausgehen ; die Pferde , erzählte er ihm , habe er in der ersten Nach im Brettspiel verloren . Anton war nun ganz sich selbst überlassen ohne Geld und nicht ohne Mißtrauen wegen seiner Landsknechtskleidung von dem Wirte angesehen , der für alles gleich bar bezahl sein wollte . Die wenigen Kreuzer , die Seger zurückgelassen , waren bald verzehrt ; er wußte sich keinen Rat , als unerwartet ein Jud zu ihm eintrat um alte Kleider von ihm zu erhandeln . Es schien ihm ein Himmelsbote , denn gleich fielen ihm seine Pluderhosen ein , die wohl vierzig Ellen gutes Tuch enthielten ; er fragte der Juden , was er ihm zu einem Paar anderer zugeben wollte . Er mußt sie ausziehen , der Jude besah sie inwendig so lange , daß Anton ihn mit der krummen Nase hineinstieß , dann hielt er sie gegen das Licht ; endlich sagte er , sie wären schon sehr dünn , er wolle ihr aber doch ein Paar andere Hosen dafür geben . » Verfluchter Jude « rief Anton , » was gibst du aber zu ? sonst behalte ich sie . « » Nun « , sagte der Jude , » ich will noch ein Paar Handschuhe zu geben . « Anton warf ihn über diese unbequeme Rede zur Tür hinaus » Wer solche Hände hat , braucht keine Handschuhe . « Als er seine Hosen kaum wieder angezogen hatte , klopfte der Jude wieder an die Tür und bat sehr demütig , er möchte den Handel ihm nicht versagen , er wolle die Hosen noch einmal besehen . Anton in seiner Not mußte die Hosen wieder ausziehen , der Jude besah sie und sagte , er wolle sie nur einem Tuchhändler zeigen , weil er nicht wüßte , ob das Tuch auch in der Wolle gefärbt wäre . Anton gestattete ihm das Gesuch . Der Jude ging fort , es läutete zum Essen , aber er kam nicht wieder , Anton rief den Wirt und erzählte ihm den Vorfall , der aber faßte einen Argwohn , er möchte die Hosen schon verkauft und das Geld ausgegeben haben , denn er hätte keinen Juden bemerkt , er wurde deswegen zornig und drohte ihm , daß er nicht länger bei ihm wohnen dürfte . Anton war in großer Not , er ward um so hartnäckiger gegen den groben Wirt , setzte ihn auf sein Bett , zog ihm die Hosen aus , die er dann gemächlich anlegte und zu der Frau ging . Der Wirt schämte sich , wie er bezwungen worden , und bat ihn flehentlich , ihn nicht in seiner Blöße zu verlassen , da er kein Hemde zu seiner Bedeckung trug , sondern nur ein kurzes Wams und Brusttuch . Anton machte demnach den Vertrag mit ihm , daß er ihn ohne Schererei bis zur Rückkehr seiner Freunde wolle in seinem Hause wohnen und zehren lassen , dafür wolle er ihm jetzt von der Frau ein Paar andere Hosen holen . Die Frau war verwundert , Anton in ihres Mannes Hosen , die er mächtig aufgeplatzt hatte , hereinschreiten zu sehen , sie leistete ihm in Vorzeigung dieses Hausregimentzeichens , Gehorsam und überlieferte ihm für den Mann ein Paar weite Staatshosen . Anton brachte sie hinauf , er tauschte sie aber noch gegen die alten Küchenhosen , und der Wirt empfing wieder seine Gäste , wie sie ihn immer zu sehen gewohnt waren . Eine Not war nun abgemacht , aber eine zweite war ihm dadurch erwachsen . Die Wirtin hatte solche Hausverehrung gegen ihn durch seine neue Tracht gewonnen , daß sie ihn erst mit allen guten Brühen , Markknochen , fetten Brustknochen überlief , die er nicht verschmähte , bis sie sich ihm selbst auftrug , die er nicht anrühren mochte . Der Mann durfte zu dem allen nichts sagen , er war des Gehorsams gewohnt und hatte genug im Hause zu tun ; aber der Frau war nichts recht , was Anton im Hause beginnen mochte , es sei denn , daß er sich zu ihr setzte ans Fenster , wo sie Mohrrüben schabte , und ihr gute Worte vorsagte . Die Frau verlor aus Liebe zu ihm alle gesunde Vernunft ; sie kam in den abenteuerlichsten Trachten , halb entblößt angezogen , mit einem Fächer von Pfauenfedern , die Röcke schnitt sie ganz kurz und schwenkte trefflich damit im Gehen ; Anton sah mit Verwunderung ihr zu , er konnte sein Unglück nicht begreifen , daß er allen Weibern so zu Herzen gehe , ohne daß er es wolle . Der Frau war aber mit solchen Betrachtungen nicht gedient . Antons Wunden besserten sich wirklich sehr schnell in der Ruhe deren er sich hier erfreute , wenn nicht seine Sehnsucht nach Frau und Kindern , nach dem Vater und nach Susannen ihn ewig im Hause umhergetrieben hätten , denn hinaus ließen ihn weder der Wirt noch die Wirtin . Eines Mittags kam ein gelehrter Mann mit einem Diener angeritten , er trug ein rotsamtenes Barett auf dem Haupte und einer grünen Mantel ; sein Gesicht war sehr groß , bleich und abgezehrt sein Auge wild , auf seinem Degenknopfe standen geheime Zeichen Kaum war er abgestiegen , so forderte er vom besten Wein , sagte aber , daß er ihm nicht schmecke ; als die Wirtin dies übel vermerkte , sagte er , daß er den Wein bald reif machen wolle , goß aus einer kleinen Phiole einen gelben Tropfen hinein und kostete ihr dann . Hierauf gab er ihn am Tische herum , und jedermann erkannte in dem Neckarwein einen spanischen Sekt . » Das ist Kleinigkeit « sagte er , » aber Blei in Gold zu verwandeln , das ist etwas wert . « Darauf ließ er sich jedoch nicht weiter ein ; er sprach nur zuweilen von allen Hauptstädten der Welt , wenn darauf die Rede kam , mit einer Ausführlichkeit , doch ohne Prahlerei , als wenn er aller Orter zugleich gelebt habe , zeigte einzelne kleine Merkwürdigkeiten , die er daraus mitgebracht , geschnittene Steine , die heidnische Götter darstellten , meist von so schändlicher Art , daß die Wirtin lau lachen mußte und Anton gar herzhaft auf den Fuß trat . Nach Tische kramte er sein Felleisen aus und brachte Spielkarten heraus dabei versicherte er Anton , daß er durchaus Nachmittags etwa spielen müsse , er möge doch ein Solo mit ihm versuchen . Anton sagte ihm ohne Umschweife , er habe jetzt kein Geld , er sei wie ein Fisch im Trocknen ; der Fremde versicherte ihm , daß er bloß zum Vergnügen spiele und das Geld nicht so eilig brauche , er wolle bar bezahlen und wenn Anton verlöre , so möge er ihm nur ein Handschrift darüber ausstellen . Anton spielte mit Eifer , weil er nicht gern verlieren mochte ; es war ihm zuweilen , als ob Susanna ihm zurufe , er solle aufstehen , doch blieb er sitzen . Abwechselnd ging das Spiel , wie es überhaupt im Schlechten geht , bis das Verderben einen ganz umstrickt , das Blut wallend , die Zeit flüchtig , Gott und die Welt wird vergessen . Anton stampfte mit den Füßen bei jeder Summe , die höher angeschrieben wurde , er biß sich auf die Finger und merkte es nicht ; endlich dachte er , es ist doch nur Papier , was du verlierst , und ganz unmöglich zu bezahlen , frisch gewagt ist schon gewonnen . So verlor er über tausend Gulden ; hier hielt sein Gegner inne und sagte , er sei heute des Spieles überdrüssig , auch habe Anton allzuviel Unglück an diesem Abend . Anton schwieg und wischte sich den Schweiß von der Stirn . Sein Gegner hatte unterdessen einen Schuldschein mit Bleistift auf ein Blatt Papier geschrieben , den Anton , ohne den Inhalt genauer zu prüfen , unterzeichnete ; doch erfuhr er daraus , daß sein Mitspieler sich Doktor Faust nenne . Nachdem das Spiel geendigt , machte Faust Kunststücke mit Karten , die unerhört waren , er zeigte das ganze Spiel Anton und befahl ihm , eine Karte sich zu merken . Er dachte den Eichelbube ; nach kurzer Frist zeigte ihm Faust diese Karte . Anton erschrak vor dieser Allwissenheit ; nichts , was jener noch vorbringen mochte , schien ihm mehr unmöglich ; so zeigte er ihm , wie er sich Messer ohne Verletzung durch die Hand schlug , wie ihm Wasser , das er aus einem mitgebrachten Trichter eben getrunken , wieder aus dem Ellenbogen durch den Trichter herauslief . Anton fand sich durch diesen Wundermenschen so angezogen , daß er seiner Einladung gern folgte und ihn auf sein Zimmer begleitete . Hier empfing ihn Faust besonders zärtlich , er drückte ihm die Hände und fragte zu Antons großer Beschämung , wie er , der so ritterlich aussähe , zu einem Paar seidenen schwarzen Ratsherrnhosen komme . Anton meinte in der Verlegenheit , sie seien kühl und leicht für seine Wunde . Faust wünschte diese Wunde zu sehen und versprach ihm sichere Hülfe , da er seit frühen Jahren aus der Wundarzneikunde sein Hauptgeschäft gemacht habe . Anton zeigte keine Neigung dazu , da ihn die Wunde jetzt nicht schmerzte , vielmehr dachte er mit inniger Sehnsucht an seine Frau und an seine Kinder und fuhr heraus : » Doktor , Ihr könnt so viele Künste , könntet Ihr mir doch meine Frau zeigen , was sie und die Kinder eben tun und denken ! « Faust sah ihn ernsthaft an : » Könnt Ihr schweigen und mir danken , so soll es geschehen , es ist eine schwere Arbeit ; geht in das Nebengemach , ich werde hier meine Kunst treiben . « Anton trat nicht ohne zagen in ein Nebengemach , er hatte ein Buch erstanden , was ihm den Verstand verwirren konnte , er ahnete es , aber die Begierde ließ nicht davon ab . Schon war er im Begriff den Handel aufzusagen , und trat gegen die Tür , als er seine Frau , wie sie leibte und lebte , doch mager und mit verweinten Augen zu sehen glaubte , wie sie vor dem ältesten Sohne Oswald hingestreckt lag , der entseelt und blutig den kleinen Tisch vor ihr einnahm . - Der Jammer überwältigte in diesem Augenblicke allen Schrecken im Herzen Antons , er wollte die geliebte Frau erwecken und sich über sie hinstürzen ; indem er sich zu ihr bewegte , geschah ein heftiger Schlag , als flöge eine Mine auf , er sank nieder ; als er erwachte , stand Faust neben ihm , der ihm mancherlei Essenzen eingeflößt hatte . Anton fragte verstört : » So ist es doch alles wahr , was ich gesehen ? « » Ihr habt uns alle in große Gefahr gesetzt « , sagte Faust , » durch Euren gewaltsamen Eingriff ins Geisterreich ; wohl mag ich staunen , daß Ihr so unverletzt zurückgeschleudert seid . « Mehr brachte Anton erst weder mit Drohungen , noch mit Bitten aus ihm heraus , als er aber endlich , da es schon spät geworden , so dringend flehte , nur noch einmal die geliebte Frau zu sehen , da sagte ihm Faust , er könne es nur mit großen Kosten , durch die teuersten Kunstmittel erreichen , er solle ihm also bis zu einem gewissen Tage hundert Florien oder seine Seele versprechen . Anton bestimmte den Tag der Rückkehr Susannens und unterschrieb fast blindlings . Mit trauriger , doch gefaßter Seele wartete er jetzt im Nebengemache ; endlich fing die Wand an zurückzuwanken , Dämmerlicht blickte durch eine lange Grabeshalle , viele Särge standen in einer Reihe . An dem Sarge seines geliebten Bürgermeisters erkannte er das Grabgewölb der Waiblinger Bürgermeister , er sah es geöffnet , sah wie sich sein graues Haupt schmerzlich umgewendet hatte , sah den Schrank , worin seine Frau ihre erste Ausstattung immer sorgsam hegte zu seinen Füßen , und seine Frau ohnmächtig daneben ; doch stärkte ihn Susannens Anblick neben ihr , die mit helleuchtenden weißen Schwanenflügeln ihre Tränen wegzuwischen schien . Er sah wie sie Frau Annen erweckte , in dem Augenblicke schwand die Erscheinung . Erst jetzt , wo Faust mit einem Lichte eintrat , bemerkte er , wie er mit beiden Händen tief in den morschen Stuhl eingegriffen , worauf er sich festgesetzt hatte , um diese Erscheinung in keiner Art zu stören ; sein tiefstes Innere war erschüttert , er ahnete tausendfaches Unheil , was er sich nicht zu sagen und zu klagen wußte , vor allem ängstigte ihn das Wunderbare seines Geschicks . Er fragte jetzt auch Faust nach seinem Vater , nach dem Grafen von Stock ; jener aber wies ihn höhnisch ab , ob er ihn auch mit solchen alten Lügengeschichten äffen wolle ? - Ihn habe auch einmal dieser wahnsinnige Alte im Jagdschlosse am Walde für seinen Sohn erklärt , von Burgen erzählt , die nirgend anzutreffen , von Kronen , die nimmer wieder zu gewinnen ; » der Alte sitzt voll Schwindelei , sagt , ist Euch je recht wohl geworden bei ihm ? « Das konnte Anton nicht behaupten , er hatte immer eine Angst bei dem alten Rappolt empfunden , doch hätte er gern die Ehre des Alten verteidigt . Faust fuhr fort : » Ich sage Euch , ist der Alte kein Schelm , so ist er ein Narr ! « - Bei diesen Worten rief eine ferne Stimme : » Es ist nicht wahr ! « » Wenn du sprichst , muß ich wohl schweigen « , sagte Faust . Anton aber führte eine unsichtbare Hand des Schreckens aus dem Zimmer , vor welchem er den Wirt und die Wirtin in heftigem Streite antraf . » Was willst du hier « , sagte sie , » du hast mich hier belauschen wollen , nicht wahr , du Simpel ? « » Es ist nicht wahr , es ist nicht wahr « , rief er mit derselben Stimme , die Faust eben so mächtig zum Schweigen gebracht hatte . » Es ist nicht wahr « , hallte es in Antons Seele wider , » alles nicht wahr , die Stimme des Hohnes hat mich erschreckt und die Stimme des Zauberers belogen ; Rappolt ist mein Vater , Oswald lebt , meine Frau lebt , und statt aller Särge will ich von der ersten Freudennacht nach der Wiederkehr träumen . « Er versank bald in dem Pfühle , sah sich auf einer freundlichen alten Meierei , die dem Jagdschlosse seines Vaters Rappolt glich . Unter einem hellen Himmel zog ein hellgrüner Kastanienwald in Frühlingsblüte die Berge hinauf , er dachte seiner Tagesarbeit und ging an den hohen Ruinen vorüber , welche den Weg bezeichneten , und auf jedem fand er einige alte Münzen , Henkeltaler , Denkmünzen , die er zu sich steckte und der Frau brachte , die mit ausgebreiteten Armen auf ihn zueilte . Indem er sie an sich drücken wollte , fühlte er sich von einem Paar Armen umschlungen , er meinte seinen Traum wirklich , aber leider hatte sich im Erwachen die schöne Gestalt in die der Wirtin verwandelt . Anton wußte seinen Verdruß nicht anders zu verbergen , als daß er heftig über seine Wunde schrie . Die Wirtin fürchtete ihn bei ihrer Annäherung verletzt zu haben und suchte ihn zu beschwichtigen mit den zärtlichsten Umhalsungen . Da trat Doktor Faust mit einer Nachtlampe herein und schimpfte mit einer Wut , die schwer zu erklären war , auf die Hauswirtin und gebot ihr sich augenblicklich zu entfernen . Die Wirtin verstand keinen Spaß , sie fiel schimpfend den heftigen Doktor mit der Schärfe ihrer Nägel an und verwickelte sich bald so grimmig in seinen Haaren , daß er seinen Diener Mephistopheles zu Hülfe rief . Der Diener trat mit einer Ofengabel herein , setzte die Wirtin mit wunderlicher Geschicklichkeit darauf und führte sie von dannen , worauf der arme Doktor nach seinem Zimmer sich zurückzog , um die Nägelmale auszuwaschen und mit Zündschwamm zu verbinden . Anton konnte nun wieder schlafen , aber sein schöner Traum kam nicht wieder , denn es war ein Traum der Liebe . Am andern Morgen war jedermann so verstört im Hause , als wäre in der Nacht Feuer gewesen und jeder hätte beim Retten seine Sachen verlegt . Doktor Faust hatte ganz frühzeitig schon den Wirt zu sich gerufen und ihm das schlechte Betragen seiner Frau mitgeteilt ; der Wirt konnte sich vor Bosheit kaum fassen , daß seine Frau sich an einen Menschen hänge , der ihn nicht bezahle und seine Hosen auftrage , » Sakrifingerhut « , schrie der kleine Knirps , » sie soll es mir heute bekommen ! « Indem er dies gesprochen , trat die Wirtin scheltend herein : » Fauler Esel , will Er hier schwatzen , will Er sich gleich herunterscheren , es ist der Junker Blaubart ganz betrunken angekommen und ich habe heute keine Lust einen Schritt zu tun für die Fremden . « » Gleich , gleich « , sagte der Mann ; sie drehte sich um und er schlug leise ein Schnippchen hinter ihr , daß es Faust sehen konnte . In dem großen gewölbten Wirtszimmer wurde bald ein ungemeiner Lärmen , als würde ein Turnierrennen darin gehalten . Der Junker hatte sein Pferd mit hereingezogen , weil er den Stall zu schlecht gefunden hatte . Der kleine Wirt war auf die Fensterbekleidung vor Angst gesprungen , der Junker aber hatte sich auf sein Roß geschwungen und ließ sein Pferd die Schule machen . Die Gasse stand bald voll Menschen , die diesem außerordentlichen Schauspiel zusehen wollten und darüber die blinden Fenster einschlugen ; der Junker gefiel sich immer mehr in seiner Pracht , je mehr die Wirtin und der Hausknecht dazu in die Jammerposaune stießen . Anton war erst von diesem Augenblicke herzlich ergötzt , insbesondere als der Junker mit seiner Lanze die Henkelkrüge sehr geschickt herunterturnierte , die in feierlicher Ordnung auf einer Seite des Saales an der Wand gereihet standen ; doch als er sie in dieser Kunstübung meist zerschmissen hatte , da tat es Anton leid , wie manchen guten Zug er damit getan , und befahl dem Junker , der Krüge zu schonen . Dem Junker kam dieser Zuspruch sehr ungelegen , er legte die Lanze gegen Anton an , der sie aber sehr geschickt mit der Hand packte und zerbrach . Als der Junker sich noch nicht zufrieden geben wollte , sprang Anton mit großer Gewandtheit unter den Gaul , packte die Vorderbeine zusammen und drängte ihn gegen die Tür , daß der Gaul die Stufen mit ihm herunter in den Torweg stürzte und der Junker vom Bogen der Tür aus dem Sattel gehoben auf dem Kampfplatze einsam zurückblieb . Gleich stürzte die Wirtin auf den Junker , der erst sehr betäubt vom Falle sich nicht wehren konnte , der Hausknecht faßte seine Hände , der Wirt holte einen Strick und so wurde er schnell geknebelt , worauf Anton ihn wie ein grimmiges Wickelkind auf das Rathaus trug , um die ganze Angelegenheit zu den Akten zu legen . Der Aktuarius sah mit Schrecken , wie er den Junker einheften sollte , doch machte er sich unnütze Mühe ; ein Vetter des Junkers , der im Rate saß , befreite ihn mit einem derben Verweise und nahm ihn in sein Haus zu einer großen Gastierung . Hier wurde von des Ratsherrn Tochter der ganze Vorfall dem Junker Blaubart , der sie eben heiraten wollte , so hart vorgerückt , daß er sich an dem vierschrötigen Kerl , - so nannte er Anton - ernstlich zu rächen beschloß . Dieser saß eben beim Nachtische , der in einigen Rettichen bestand , und schnitzte in Gedanken Taler , als ihm durch des Junkers Knaben ein Ausforderungsbrief für den morgenden Tag , wo er sich schon der Wirtin , den Schuldnern und dem Teufel verschrieben hatte , abgegeben wurde . Er versprach sich einzufinden und bat den Doktor nachher ihm Waffen zu leihen , der aber durchaus nichts davon wissen wollte , sondern ihn zärtlich küssend an seine Gesundheit und an die Verpflichtungen erinnerte , die er gegen ihn übernommen . Die Not bestürmte jetzt Anton von allen Seiten , von Seger erhielt er keine Nachricht , die Wirtin scherzte schon mit widerlicher Zärtlichkeit von der Nacht , die der nächsten folgen solle ; der Wirt sah so spöttisch auf seine Hosen , als ob er selbst schon drin zu stecken hoffe . Faust verfolgte ihn mit abgeschmackter Freundlichkeit und selbst der Knecht Mephistopheles erlaubte sich widrige Scherze gegen ihn , als ob er seine Not durch und durch kenne , er sah kein Mittel , seinen Mut dem Junker zu zeigen und zu bewähren ; er saß trübsinnig in einem Winkel des Zimmers , wo er am Morgen triumphiert hatte , und spielte mit den Hunden , die von allen sonst gestoßen und getreten nur an ihm einen Schutz fanden . Faust war mit seinem Diener , zierlich geschmückt , in das Haus des gastierenden Ratsherrn gegangen , wo er sich durch reiche Verlobungsgeschenke den Eintritt verschafft hatte . Anton sah ihn mit der ganzen Gesellschaft nach einem Garten vorüberziehen ; zur Zerstreuung wäre er ihnen gern nachgefolgt , der Abend blickte so herrlich über die Dächer , und die Weiber ließen ihre Augen wie Pfauen ihren vieläugigen Schweif herrlich glänzend darin umhergehen - aber die Wirtin hatte sich in die Tür gesetzt , und ihre Zärtlichkeit zu durchdringen war ihm ein schweres Werk , er blieb also ruhig auf seinem Schemel und wartete , daß der Sohn der Wirtin aus der Schule komme und ihm mit Geschwätz die Zeit vertreibe . Der kleine Georg setzte sich zu ihm und erzählte ihm von allen Gästen , die im Hause wären . Gegen den Doktor hatte er einen besondern Haß , ungeachtet ihm dieser allerlei süße Kuchen geschenkt hatte , er mochte sie nicht essen . Georg erzählte , wie er von seiner alten Wärterin von einem Wolfe gehört habe , der vor einem dunklen Walde in einem weißen Zuckerhäuschen wohne er meinte , der Wolf sehe so aus wie der Doktor , der Wolf habe auch eine Menschenstimme und rufe den Kindern , die hinter der Stadt spielten , alle Tage zu : » Bübchen , willst du Zucker ? « Endlich ging der eine kleine Bube und ein kleines Mädchen hin nach dem weißen Hause , wo sie die Stimme gehört hatten , sahen den Zucker so recht sternig blinken und leckten daran und knusperten was ab . Der Wolf lag ruhig drin und sah sie recht gut , fragte aber , als wenn er sie nicht sähe : » Wer nagt an meinem Zuckerhäuschen ? « - » Das ist der Wind « , sagten die Kinder , waren etwas still und nagten dann wieder ein Stück ab . - » Wer nagt an meinem schönen Zuckerhäuschen ? « fragte der Wolf noch einmal . - » Es tut der Regen « , antworteten die Kinder , waren wieder eine Weile ganz stille , dann aber brachen sie noch ein gut Stück ab , um es den andern Kindern zu bringen . Da fragte der Wolf zum dritten Male : » Wer nagt an meinem wunderschönen Zuckerhäuschen ? « - Da wußten die Kinder nicht , was sie antworten sollten , und der Wolf sprang heraus , packte sie mit seinen scharfen Klauen und drohte ihnen zornig : » Wenn ich euch gleich wie ein Huhn in der Suppe zerrisse , das wäre mir leicht , aber ihr seid mir noch nicht fett genug zur Suppe , ihr habt nach Zucker gelüstet , der soll euch werden ; da seht , ich sperre euch in meinen Zuckerkasten , und hier aus dem Gitterchen streckt ihr jeder euer klein Fingerchen , daß ich sehe , ob ihr recht zugenommen habt , auf daß ihr mir wohl schmeckt . « - Und da mußten die Kinder in den Kasten , das Bübchen saß beim Zuckerkandis , der glänzte prächtig wie ein großer Edelstein , und das Mädchen saß beim Kanarienzucker , der war so weiß wie Schleier , und sie konnte gleich singen wie ein Kanarienvogel , als sie kaum davon gekostet hatte , und wenn sie genug gegessen , da kamen sie beide zusammen und tanzten vor dem Gitter und sahen heraus , wie die schönen Blumen blühten , und alles bekam ihnen so gut , daß sie schnell gemästet waren . Da kam der Wolf und rief vor dem Gitter : » Bübchen zeig dein Fingerchen , daß ich sehe , ob du fett bist « , und der Bube steckte in der Angst das Stöckchen heraus , worauf der Zuckerkandis gesessen , daß der Wolf mit dem Kopfe schüttelte und sprach : » Eßt nur und seid lustig , daß ihr bald fett werdet . « So ging es zweimal recht gut . Sie hatten den Wolf ganz vergessen ; als er nun aber kam und wieder sagte : » Bübchen , zeig dein Fingerchen , daß ich sehe , ob du fett bist . « Da konnte das Mädchen den Stock unter ihrem Zucker nicht finden ; da mußte das Bübchen sein Fingerchen herausstrecken und der Wolf lachte : » Bübchen , wie bist du fett geworden , das soll mir schmecken . « Darauf schloß der Wolf den Zuckerkasten auf und führte die beiden zitternden Kinder an den Fluß , ließ sie da stehen und wetzte seine Zähne an einem Kieselsteine , daß die Funken davon flogen . Die beiden Kinder standen ganz blaß am Ufer und sahen viele Enten , die zusammen schwammen , zu denen sang das Bübchen in großer Angst : » Entchen , baut ein Brückchen , daß ich kann hinüber , kriege sonst das Fieber . « Die Enten sprachen : » das soll geschehn « und schwammen dicht zusammen in einer doppelten Reihe verkehrt , daß Steiß gegen Steiß zu schwimmen kam , und die Kinder gingen trocknen Fußes über ihren Rücken hinüber . Kaum sah das der Wolf , so wurde er grimmig und wollte ihnen nach ; als er aber mitten auf der Entenbrücke war , da schwammen sie mit großem Geschnatter aus einander und der Wolf fiel plumps ins Wasser , worüber dem kleinen Mädchen vor Lachen der Bauch platzte . » Den werde ich wohl zunähen müssen « , sagte ein fremder Mann mit