dem Wipfel steigen , Die Länder beben in dem innern Grund , Hier lasse schwinden alles eigne Leben Von einem Leben , das uns all durchdringt , Das heftig unsern Atem hier bewegt Und mit dem Mond , der dort dem Meer entsteigt , In einer Nacht für Millionen lebt . Bewahren läßt sich nichts und viel genießen , Mir lasse ganz des Busens Freude scheinen ; Und was dir noch von alter Sorge bleibt , Das schreibe all an alte Freund nach Haus , In jene Gegend , wo sie immer sorgen . FÜRSTIN . Ach wohl bekenn ich mich der Sünde schuldig , Mit Wahn den keimenden Genuß zu stören , Doch ist er nicht so leer , mein schöner Knabe ; Auf meinen Wangen prangt nicht mehr die Frische , Mit der du gern in jeder Frucht dich siehst , Mit allen Lüften fühlst und dich bewegst , Und was in mir geschieht , ist fast geendet . Sieh morgens nur dein Angesicht im Wasser , Es wird bewegt von wechselndem Verlangen , Es wird bewegt wie von der Luft das Feld Und es vergeht kein Tag , wo du nicht lernest , Wo du nicht wächst zum größern Manne auf . O sag , in diesem Blick , was sagtest du , O sag , was dachtest du im Augenblicke . HYLAS . Beim Zeus , ich dachte nicht , ich sah dich an , Wie von der Lampen Schimmer du erhellt , Die einen neuen Tag in Nächten schaffen , Und hab ich mehr gedacht , ich weiß nichts mehr ; Beim Zeus , du denkst dir gar zu viel in mir , An deiner Seite denk ich nur an dich . FÜRSTIN . O schweig , es war der lieblichste Gedanke , Du willst mit neuer Lust mich überraschen , O daß du mir so was verbergen kannst , Daß ich nicht ganz in dir mich kann verlieren , Nicht kann mit deinen dunklen Augen sehen , Mit deinen Pulsen nicht die Zeit mir messen ! Bewache mich , daß ich die Brust dir nicht Zerreiß , mein Schicksal dir im Herzen lesend ; Wie jene Deuter in der alten Zeit Die schönsten Menschen opferten , um dann Aus ihrem Innern Künft ' ges zu vernehmen ; Dann wär ich ja mit meinem Schicksal fertig . HYLAS . Du läßt mir gar nichts übrig , dir zu sagen , Denn wie das Meer Italien umspannt , So sanft , so wild , so schrecklich und so lieblich , So regst du jeden Sinn in dem Gemüte , Und gibst ihm gleich ein ewig deutlich Wort . Was kann ich mehr noch , als dein Nachklang sein , Und Beßres immer , als dein Widerhall . FÜRSTIN . Was ich dir gebe , bring ich dir zurück , Ich hab ' s von dir , du nichts von mir empfangen , Denn wie die Biene alle Blüten regt , Die an der Erde träge duftend liegen , Mit ihrem Atem nicht , mit ihren Flügeln , So regen auch , wenn du die Arme um mich legest , Sich alle frohen Blüten wieder auf . HYLAS . Und wie ich jetzt so an mein Herz dich drücke , Da fühl ich in dem Augenblicke wieder , Was ich oft überhört , wenn du gesprochen ; Du weißt , ich habe manchen alten Traum , Der mich nicht läßt , hab ich ihn gleich verlassen . FÜRSTIN . Ich sitz dir stets zur Beichte , leg den Mund Dir immer an das Ohr , dir zu bekennen , Was in mir vorgeht ; nun bekenn mir auch , Was ist es für ein Traum , der dich bewegt , Der dich aus meinen Liebesnetzen zieht Und an den wesenlosen Himmel mahnt , Dem ich dich schöner Vogel hab geraubet ; Ein nutzlos Mühen hast du so verloren , Sieh wie die Vögel steigen , um zu fallen , In meiner Liebe steigst du immerdar . HYLAS . Du bist mir Vaterland und Freiheit , alles Was ich verloren und - was ich gehofft . Und füttre ich die Tauben und die Schwäne , Mir sind sie lieb , weil du zu ihnen lächelst , Nach keinem Ausflug mehr verlangt mein Herz ; Denn gar ein wunderbares geist ' ges Leben Seh ich in deinen Künsten überschweben . Ach wär ich doch ein Bild von deiner Hand ; Verachte meine kleinen Künste nicht , Der Himmel treibt die Gärtnerei mit mir . FÜRSTIN . Der Himmel will dir wohl , er denkt wie ich , Du weißt es ja , ich freu mich jeder Blume , Die du mir sorglich aufgezogen hast ; Und ihre Kränze sind lebend ' ger doch , Als alles , was mein Pinsel dir kann zaubern . Erfreu dich deines Werks , weil ich ' s bewundre , Und rühmen keine andre deinen Garten , Gedenk , ich leb darin die schönsten Stunden . O sieh die Malven , die du einst geflochten , Zum Zelte mir , wo wir so traulich schliefen , Sieh , wie die Sonne heut daran gewelkt ; Gewiß , sie schmachten heut nach frischem Regen ; Ich muß vergelten , wie sie mir getan , So will ich sie auch heute noch erquicken . HYLAS . Sie sind so schöner Mühe doch nicht wert . FÜRSTIN . Ich bitte dich , o laß mir diese Sorgen , Denn eine Sorge muß ich immer haben , Wie du mir oftmals liebend vorgeworfen . HYLAS . So seh ich dir hier unterm Kirschbaum zu , Und jeder deiner Schritte scheint mir Tanz , Und Anmut schwebt in jeglicher Bewegung ; Ein schöner Demantstrom entrinnt der Hand , Im Lampenschimmer düftet ' s rings so frisch . FÜRSTIN singt während des Begießens der Blumen . Der Himmel ist oft hell , kann dann bald weinen , Deckt seine klaren Augen zu , Die auch verhüllet noch zu trauren scheinen , So glänzest du , so scheinest du . So traure du , so sei verlassen trübe , Ja regne Tränen ohne Zahl , Wenn wandelbar einst unsre Liebe , Denn solches Glück besorgt den Fall . In wunderbar geflochtner stummer Liebe Ist so besorglich schon die Qual , Daß sie so gern zur Totenfeier hübe Den frohsten Blick zum Sternensaal . Du stiller Winter wehest schon vom Himmel , Ihr weißen Wolken , ew ' ger Schnee , Ihr zieht schon vor die Sterne mit Getümmel , Der Mond stürzt weinend in die See . Hier blüht der Garten , Lilien , deine Wangen Mit Tausendschönen mischen sich , Wo keusche Rosen schwankend überhangen , Schwül ist die Luft für mich und dich . HYLAS singt halb träumend . Der Kirschbaum blüht , ich sitze da im stillen , Die Blüte sinkt und mag die Lippen füllen , Auch sinkt der Mond schon in der Erde Schoß Und schien so munter , schien so rot und groß ; Die Sterne blinken zweifelhaft im Blauen Und leiden ' s nicht , sie weiter anzuschauen . Die Fürstin verliert sich unter Blumen ; Hylas schläft ein . 3. DER KANZLER tritt durch die Gartentüre ein . Dies ist der Fürstin Schloß , ich hab ' s erkannt Nach dem Gemälde , das sie uns gesendet , Doch kaum erreicht hat ihrer Maler Kunst Den Reichtum dieser wunderbaren Gegend , Die weit umher in nächtlicher Beleuchtung glänzet , Als sei ein ew ' ger Tag rings um sie her . Wie fühl ich mich so weich in diesem Land , Als würd ich erst in meinem Alter reif , Und grausam soll ich sie dem Land entreißen ? Ich werde alt , ich wünsche auch Genuß , Wie lange soll mich noch die öde Arbeit halten , Die in sich selber ungeheuer wächst , Da meiner Kräfte Schnellkraft sich verlieret , Daß ich sie nur im steten Kampf mag zähmen ; Wo find ich Ruhe bei geliebten Wesen ? Und meine Fürstin hat sie hier gefunden ! Ich hab nicht Weib , nicht Kinder , weh mir Armen , Und für die Liebe bin ich nun zu alt . Ja Mond , so geht es in der Welt : dem Jüngling Versprachst du viel , und so läuft alles ab . Er sieht Hylas . Welch schöner Jüngling ruht hier unterm Kirschbaum ! An diesem Bild der Fürstin , das ihn ziert , Erkenn ich ihn , es ist der schöne Grieche , Der ihre Neigung so allmächtig fesselt . Nie sah ich Schönheit in so wilder Stärke , Dir soll ' s nicht fehlen , schlafe ruhig fort , Ich reiße dich aus der Geliebten Armen , Die eher deine Mutter könnte sein . Ich führ als Vater dich ins junge Leben , Du bist geschickt zum Kriege , wie zur Liebe ; Ich fühl an dir ein väterlich Gefallen , Und muß ich dir auch heute wehe tun , Ich kann es bald als Vater dir vergüten . Wer weiß , ob du dich viel darum bekümmerst , Denn aufwärts klimmt die Neigung gar zu selten . Daß sie dich liebt , ich kann es wohl begreifen , Doch deine Neigung kann nicht dauernd sein . Ich löse schnell , was sich bald selbst vernichtet . - Die Fürstin kommt ; jetzt träge Überlegung , Jetzt weiche , mach der Überredung Platz ; Sie ist verändert unsre Fürstin hier , Hat gar nichts mehr vom alten Herrschertritte , Der schnell und fest uns oftmals glauben machte , Es käm ein fremder Held durchs Nebenzimmer . 4. Der Kanzler , die Fürstin FÜRSTIN . Wie ? Täuscht mich nicht der Lampen farb ' ger Schimmer , Sie sind es Freund , mein treuer , vielbewährter , Die Stütze unsres Landes ; bester Kanzler , Woher so unerwartet ? Um so freud ' ger Begrüß ich Sie ! Sie reicht ihm die Hand zum Küssen . KANZLER . Wohl mir , die schöne Hand Errat ich nun nicht mehr aus bloßen Zeichen , Die der Gedanken hohen Lauf mir sagen , Ich fasse sie und möchte nie sie lassen , Bis ich des Staates Zügel drein gelegt , Denn ihr allein ist folgsam jene Menge , Die mit mir durchgeht , trotzig widerstrebend Vom Diener dulden Diener selten Strenge . FÜRSTIN . O legen Sie die weisen Sprüche ab , Es steckt noch kalte Luft in allen Falten , Hier lüften Sie sich bei dem Meeresrauschen , Worin die Sterne spielend niederwallen , Hier wird die Nacht zum allerfrohsten Tage . KANZLER . Ach könnten wir das ganze Land herschwemmen , Wie eine neue Insel , und ein Volk Von Glücklichen in leichter Lust regieren ! FÜRSTIN . Regieren Sie , ich bin ein schwaches Weib , Hab nicht der Männer Sinn , nicht ihre Kraft ; Sie Freund , Sie machen ' s besser jetzt als ich , Als ich es je vermocht , ein jeder rühmt Sie . KANZLER . Gedenken Sie der letzten Briefe nicht ? FÜRSTIN . Wohl , ja , doch las ich nur den Schluß davon , Daß alle noch gesund sind , die mir lieb . KANZLER . Sie lasen nicht den Anfang dieser Briefe ? FÜRSTIN . Ich weiß seit lang , Sie machen alles recht . KANZLER . Wohl mir , daß ich zur rechten Zeit noch bringe So wichtige , bedeutungsschwere Nachricht : Ihr Bruder , gnäd ' ge Fürstin , hat ganz trotzig Sich einen Kreis von Abenteurern kühn Gesammelt ; die guten Bürger hängen noch An ihrer Fürstin , doch sie fordern schnell Die Gegenwart , die alles kann vereinen , Die Frevler ohne Blutvergießen schreckt , Die allen Guten gibt das Zutraun wieder . FÜRSTIN . Sie wähnen nun , ich würd ganz eilig kommen , Mich selbst dem allgemeinen Wohl zu opfern , Wo keiner hat den Mut , für mich zu streiten . KANZLER . Ich hab ' s gewagt , ich bin verhöhnt , verwundet . FÜRSTIN . Ich nehme Sie von allen immer aus , Doch eben weil Sie da so einzeln stehn , So ist des Volkes Rest wohl nicht viel wert , Und ist ' s was wert , ich bin zu schwach zum Schützen . Ich kenne Sie , fest wie ein Eichenbaum , Ich bin aus leichtem Holz und wie ein Rohr , So schwank ich in den Lüften hin und her ; Ich mag nichts machen in der Welt , denn was Geschieht , das macht sich selbst und wird nicht schwer . KANZLER . Nein , ich versteh Sie nicht , Sie sind verwandelt , Bei Gott , es gibt auf Erden Ihrer zweie , Die eine war des Vaters Ebenbild , Es sprach sein Geist durch ihren heil ' gen Mund , Die Klugheit , früh entwickelt an der Größe , Die Weisheit , an der Tätigkeit gekeimt , Die Güte , in Erfahrung schön gereift ; Das sind Sie nun nicht mehr ; wer kann ' s erklären ? FÜRSTIN führt ihn zu dem schlafenden Hylas . Hier sehen Sie die Weisheit , die mich blendet , Die Güte , die mich hat so schön gereift , Und meine Klugheit ist , ihn zu bewahren , Vor dessen Schönheit tausend Throne sinken ; Wenn die geschloßnen Augen mich beherrschen , Wo nähm ich Macht , wenn sie sich öffneten , Um scheidend mich zum letztenmal zu grüßen . KANZLER . Ja ich bekenn es , dieser Tausch ist hart Und dieser Jüngling wert des schönsten Throns . FÜRSTIN . Des Herzens wert , zu gut für jeden Thron ; Für ihn ist das Entsagen jedes Throns Nicht schwerer zu vollbringen , als zu sprechen . Ich kenne , was ich meinen Reichsgesetzen , Was ich als erstes Beispiel schuldig bin ; Nicht andre will ich selbst zur Torheit mahnen , Sie führte mich so schnell von alter Weisheit : Es waltet über jedes Volk ein Schicksal , Ich überlaß mein trostlos Volk dem seinen , Mein Schicksal ist die Liebe nun allein . KANZLER . Ich war nicht vorbereitet , gnäd ' ge Fürstin , Daß Ihr Entschluß so überlegt und fest . FÜRSTIN . Er ist gefaßt nach langer Überlegung , In meinem Zimmer lieget die Entsagung . Nur wenig wünsch ich aus des Vaters Schätzen , Ein mäßig Jahrgehalt , und wird mir dies Verweigert - arm in diesen Armen ist Auch Reichtum - viele möchten mit mir tauschen . KANZLER . Was meine Rede mir im Mund erstarrt , Beweget tiefer noch mein ganz Gemüte ; Ich war bereitet auf ein schwer Geschäft , Doch abgeschlossen alles hier zu finden , Vorüber alles , alles wohl bedacht , Wie ich es nimmermehr erleben möchte , Vieljähr ' ge Arbeit in den Wind zu streuen ! O Fürstin , schweigen denn Millionen Stimmen In Ihrem Herzen , die in diesem Drucke Der unnatürlich gegen sich ergrimmten Zeit Viel Tausend Seufzer täglich , nächtlich senden ? Ach dieser Strom der Luft , der uns umhaucht , Und aus dem Norden strömt , ist schwer beladen Mit tausendfacher Not , die jene drängt . Er klagt es leise seiner Hoffnung Fürstin , Der Schöpferin von allem unserm Glücke . Soll dieses ganze Glück in Torheit sinken , Denn also will ' s des Bruders wahner Sinn . FÜRSTIN . Sie quälen mich ; ich überzeug mich nicht . Mein Volk vergeß ich nie im treuen Herzen , Doch weil ich schwach , darum vermag ich nichts , Es liegt mir nah , der holde Schläfer näher : Ich bin ein schwaches Weib , ich bin nicht mehr , Wie ich wohl einstmals war , eh ' ich ihn sah . Was ich geschaffen , würd ich jetzo stören , Was mir im Glück geriet , verdürbe Unglück . Ich bin viel törichter als je mein Bruder , Und dieser Knabe ist mir Gott und Welt , Ihm opfere ich mich und auch mein Volk . KANZLER . Der tät ' ge Mensch vergißt so viel , Und jeder Tag macht neu die tät ' ge Seele . FÜRSTIN . Das Weib vergißt so viel , und doch nicht alles ; Das Vaterland , die Eltern und die Freunde , Vergißt das Weib und folget ihrem Mann . Doch fort von hier - es regt sich der Geliebte ; Nie darf er wissen , was wir hier gesprochen . Sie gehen mit einander fort . 5. HYLAS richtet sich auf . » Nie darf er wissen , was wir hier gesprochen « , Und welcher Gott gab es im Schlaf mir ein ; Der Gott , der gibt ' s den Seinen in dem Schlaf , Ich stamme auch aus dem Geschlecht der Götter , Träum aus du arme Seele , träume aus , Damit du klar erwachst vom trüben Denken ! Hier stand der ernste Mann mit finstrer Stirn , Er sprach mit tiefer Stimm ein ernstes Wort : » Dem Knaben opferst du dein ganzes Volk ? « Und ruhig sprach da meine Fürstin drauf : » Ihm opfere ich mich und auch mein Volk . « Was dringt in meine Adern , welche Scham , In meine Sehnen , welche Heldenstärke , In alle Sinne , welche ew ' ge Klarheit , Mein ganzer Wille wird nun zum Entschluß ; Schon steh ich jenseit dieses wüsten Lebens , Weit über euch , ihr niedern Erdengötter , Da ruh ich in der Schicksalsgöttin Armen . Ich sollt mir opfern sehn so reine Größe , Und nichts gewinnen als ein schwelgend Leben ! Ich hasse euch , ihr unglücksel ' gen Götter , Die ihr das rote Blut in tausend Bächen An den Altären müsset fließen sehen ; Des Mitleids Qualen könnt ihr nimmer stillen , Euch opfern nie dem Schicksal ew ' ger Liebe ! Ich fühl ' s , jetzt wird im Kopfe mir so licht , Dem neuen Tage strahle ich entgegen , Der aus den Fluten sich so kräftig dränget . Nein ich gehör nicht mehr dem neuen Tage , Er zwingt mich nicht zu glauben an sein Licht , Das nur ein Gegenschein von meiner Liebe . Bald werf ich mich der Sonne froh entgegen , Damit ich selbst der weiten Welt erscheine . - Noch einmal denk ich alles Glücks allhier ! Seit mich die Fürstin in die Arme nahm , Da fiel des Glückes Tau so reichlich mir ; So unersättlich ich darin auch schwelgte , Ich frage nicht , ob es auch dauern könne , Wär es das Glück , wenn Zeit zum Umschaun bliebe ; Es reißt uns an den Haaren in die Höh Und läßt uns dann in öde Tiefen fallen , Wie Steine unter meinen Tritten fallen , Und schallen in dem bodenlosen Meer . Lebt wohl ihr Blumen , die ich lieben lehrte , Hier unter euch , da sah ich sie verschwinden In meines Abschieds trüber Dunkelheit ; Bald wird es Tag von einem neuen Lichte Und werd ich Licht , wenn ich dem Meer entsteige , So fall ich hier in ihre holden Augen ! Ihr Tauben , meiner Liebe sanfte Boten , Ich glaub mit euch zu fliegen übers Meer , Ich seh ins ewig Ruhelose freudig , Das steigend fällt und fallend steigt , O nimm mich auf , ich bin wie du ! Er stürzt sich mit ausgebreiteten Armen ins Meer , dem die Sonne entsteigt . 6. Die Fürstin und der Kanzler FÜRSTIN . Sie kennen mich , daß ich nie mehr gesagt , Als ich vollführen kann ; ich kenne Sie , Daß Sie nicht wiederholen mögen , was Vergebens bleibt . Mein Schluß bleibt immer fest . Dem Throne zu entsagen ist mir leicht ; Von Ihnen wird der Abschied schwer , mein Freund . KANZLER . Mich hält , ich weiß nicht welche Hoffnung fest , Daß sich Ihr harter Sinn noch läßt erweichen ; Umsonst gewirkt zu haben ist so schwer , Uns beide trifft das , wenn es dabei bleibt . FÜRSTIN . Ich hab gelebt , seit ich nicht mehr gewirkt , Versuchen Sie in gleichem Sinn zu leben ; Dann frag ich Sie , ob Sie nicht gern entsagen . KANZLER . Ich bin zu alt zu einem neuen Leben . Es läßt sich Liebe nicht so leicht erwerben , Was nicht erworben , läßt sich nicht bewahren . FÜRSTIN . Ich bin auch älter als mein schöner Hylas ; Ich sterbe früher , weil ich älter bin : So überlebt mich herrlich meine Liebe . O Hylas komm , nach solchen ernsten Worten Bedarf ich deiner Töne leichtes Spiel , Und deiner Züge viel bedeutend Bild . KANZLER . Ich höre an dem Meere Klagetöne . FÜRSTIN . Es ist so mancher Unglücksfall am Meer . Mein Hylas komm ! Er hat ein zart Gemüt , Und vor der Trauer muß ich ihn bewahren ; Er ist so klar , so froh wie jene Sonne , Die aus den Wellen hellgebadet steigt . 7. Die Künstler tragen die Leiche des Hylas nach dem Hause . DER DICHTER . Setzet nieder eure Bürde , Schweigt im ernsten Trauerhaus , Wohl geziemt sich Ernst und Würde , Wo die Schönheit lischt in Graus . Wo die Wärme ist verschwunden , Kommt der öde Winterschlaf , Alle Stärke ist geschwunden Alle Glieder sinken schlaff . FÜRSTIN . Keinen Toten kann ich sehen , Helfen kann ich ihm doch nicht , Kann zur Hülfe was geschehen , Sorgt , daß ja nichts hier gebricht . Gern will ich ihm Obdach schenken , Bis die Erde ihn verschließt , Doch mit anderen Geschenken Wär ich lieber heut begrüßt . DICHTER . Sehnlich wirst du nach ihm sehen , Und in den erblaßten Zügen Les auf einmal alles Wehe , Kenne wieder dein Vergnügen . FÜRSTIN . Sagt , wer ist es denn gewesen , Daß ihr mich wollt zu ihm ziehen . DICHTER . Ach das schönste aller Wesen , Selbst der Tod ist in ihm Blühen . FÜRSTIN . Wehe , wehe , Hylas , Hylas ! Ach das ist mein Hylas nicht , Denn er hört nicht , Hylas , Hylas ! Blaß ist auch sein Angesicht . Kalt die Lippen , und gebrochen Ist der Augen Feuerschein , Tausend Tränen in den Locken , Ach er ist nun nicht mehr mein ! KANZLER . Ist kein Mittel ihn zu retten ? DICHTER . Alles ist umsonst versucht ! Ach wer kann das Leben retten , Das vor sich in eigner Flucht ; Denn die Arme ausgebreitet , Stürzte er sich selbst ins Meer . FÜRSTIN . Welcher Gott hat ihn geleitet , Und verwundet mich so schwer . KANZLER . Fürstin , seht des Schicksals Willen , Dem der schöne Knabe fiel . FÜRSTIN . Sterbend muß ich so erfüllen , Was für meine Kraft zu viel . KANZLER . Traurend konntest du beglücken Schöner Gott , der hier verbannt , Mochtest oft zum Himmel blicken , Heimwärts hast du dich gewandt . Fallet alle vor ihm nieder , Seine Seele strahlt im Meer , Gebt den Staub dem Staube wieder , Dieser Leib war ihm zu schwer . Ihm zum Tempel sei geweihet Dieses Schlosses weiter Raum , Daß die schöne Kunst erneuet , Was im Leben flücht ' ger Traum . FÜRSTIN . Führe mich , du weise Stärke , Ich gehorche deinem Rat , Tränen sind nun meine Werke , Jammer meine einz ' ge Tat . DIE SCHWALBEN . Wir versuchen die jungen Flügel An dem grünenden Grabeshügel , Schlagen mit schwarzem Flügel die Luft , Streifen vorüber im Morgenduft ; Singen einander mit fröhlichem Munde , Unser Leben , das mißt nicht die Stunde , Einmal erscheinet ein Morgenrot Weht in der Asche , leuchtet im Tod , Netzet die Flügel im Meeresschaume Und wir erwecken euch alle vom Traume . 8. Fürstin , Kanzler ziehen fort . Die Künstler bleiben . DICHTER . Wie die Fürstin es befohlen Sorget für ein Trauerfest . MUSIKER . Meine Zeit ist nicht gestohlen , Sorgen Sie erst für das Best . BILDHAUER . Wie konnten Sie so dumm sein und die Fürstin so fortgehen lassen , ohne ihr einen Überschlag der Kosten zu machen , wenn wir dem neuen Gotte einen Tempel wirklich erbauen sollen . DICHTER . Meine Tränen , wer kann sie bezahlen , Meine Worte ach , wer kann sie hemmen ? MUSIKER . Meine Noten laß ich mir bezahlen , Also werden Sie sich auch bequemen . KAMMERDIENER . Die Fürstin hat mir die Vollmacht gegeben , alles Notwendige zu dem Denkmale zu berichtigen . BILDHAUER . Was ist nun für Not ! Viktoria , es lebe , ich wollte sagen , es sterbe der Herr Hylas . MUSIKER . Pereat . MALER . Dreimal tief . DICHTER . Alle andern ziehen lachend , Von dir fort , du schöner Gott , Böse Zeit , wo Schönheit Spott ; Mich begeistre bei dir wachend , Daß ich wieder neubelebe Dieses Herz , das ganz gestillt , Oder daß ich toderfüllt Mit dir zu dem Äther schwebe . Während der Vorlesung waren die Reisenden in den schlimmsten Teil der Pontinischen Sümpfe gefahren ; ferne brauste das Seewasser durch den Felsenrachen ins Meer zurück , aber es stand noch überall in kleinen Lachen von farbiger Schlangenhaut überzogen ; bleiche Menschen beschäftigten sich mit der Straßenbesserung , und erinnerten die Reisenden sich nicht dem Schlafe zu überlassen , weil er tödlich , und doch umflog der Schlaf hier so unablässig mit seinen Nachtfaltern das Haupt , daß jeder mit stetem Bewegen sich dagegen zu verteidigen bemüht war . Der Minister aber versicherte , wenn die Poesie sie nicht einmal gegen den Schlaf sichern könne , so wäre sie zu gar nichts wert , und damit wurde dem Kammerjunker aufgetragen , noch etwas mitzuteilen , etwa eine Geschichte , worin die Verschiedenheit des Alters in Freundschaft , Haß , Liebe recht wunderlich zwischenträte . - Der Kammerjunker versicherte , daß er nach einer sonderbaren Bergwerksgeschichte eine eben so sonderbare Ballade geschrieben , die er hersagen könne . Des ersten Bergmanns ewige Jugend Ein Knabe lacht sich an im Bronnen , Hält Festtagskuchen in der Hand , Er hatte lange nachgesonnen , Was drunten für ein neues Land . Gar lange hatte er gesonnen Wie drunten sei der Quelle Lauf ; So grub er endlich einen Bronnen , Und rufet still in sich : » Glück auf ! « Ihm ist sein Kopf voll Fröhlichkeiten , Von selber lacht der schöne Mund , Er weiß nicht , was es kann bedeuten , Doch tut sich ihm so vieles kund . Er höret fern den Tanz erschallen , Er ist zum Tanzen noch zu jung , Der Wasserbilder spiegelnd Wallen Umzieht ihn mit Verwandelung , Es wandelte wie Wetterleuchten Der hellen Wolken Wunderschar , Doch anders will es ihm noch deuchten , Als eine Frau sich stellet dar : Da weichen alle bunten Wellen , Sie schauet , küßt sein spiegelnd Bild , Er sieht sie , wo er sich mag stellen , Auch ist sie gar kein Spiegelbild . » Ich hab nicht Fest , nicht Festes Kuchen , Bin in den Tiefen lang verbannt ! « So spricht sie , möchte ihn versuchen , Er reicht ein Stück ihr mit der Hand ; Er kann es gar kein Wunder nennen , Viel wunderbarer ist ihm heut , In seinem Kopf viel Lichter brennen Und ihn umfängt ganz neue Freud ; Von seiner Schule dumpfem Zimmer , Von seiner Eltern Scheltwort frei , Umfließet ihn ein sel ' ger Schimmer , Und alles ist ihm einerlei . Sie faßt die Hand , dem Knaben schaudert , Sie ziehet stark , der Knabe lacht , Kein Augenblick sein Mut verzaudert , Er zieht mit seiner ganzen Macht , Und hat sie kräftig überrungen Die Königin der dunklen Welt , Sie fürchtet harte Mißhandlungen Und bietet ihm ihr blankes Geld . » Mag nicht Rubin , nicht Goldgeflimmer « , Der starke Knabe schmeichelnd spricht , » Ich mag den dunklen Feuerschimmer Von deinem wilden Angesicht . « » So komm zur Kühlung mit hinunter ! « Die Königin , ihm schmeichelnd , sagt , » Da unten blüht die Hoffnung bunter , Wo bleichend sich das Grün versagt . Dort zeige ich dir große Schätze , Die reich den lieben Eltern hin , Die streichen da nach dem Gesetze , Wie ich dir streiche übers Kinn . « So rührt sie seiner Sehnsucht Saiten , Die Sehnsucht nach der Unterwelt , Gar schöne Melodien leiten Ihn in ihr starres Lagerzelt . Gar freudig klettert er hinunter , Sie zeigt ihm ihrer Adern Gold , In Flammen spielt Kristall da munter , Der Knabe spielt in Minnesold . Er ist so gar ein wackrer Hauer Mit wilder Kühnheit angetan , Hat um sein Leben keine Trauer , Macht in den Tiefen neue Bahn , Und bringet dann die goldnen Stufen Von seiner Kön ' gin Kammertür , Als ihn die Eltern lange rufen Zu seinen Eltern kühn herfür . Die Eltern freuen sich der Gaben Und sie erzwingen von ihm mehr , Viel Schlösser sie erbauet haben Und sie besolden bald ein Heer : Er muß in strenger Arbeit geben , Worin sie prunken ohne Not . Einst hört er oben festlich Leben , Den trocknen Kuchen man ihm bot . Da kann die Kön ' gin ihn nicht halten , Mit irdisch kaltem Todesarm , Denn in dem Knaben aufwärts wallten , So Licht als Liebe herzlich warm . Er tritt zum Schloß zum frohen Feste , Die Eltern staunen ihn da an , Es blickt zu ihm der Jungfraun Beste , Es faßt ihr Blick den schönen Mann , Im Bergkleid tritt er mit zum Tanze Und hat die Jungfrau sich