zu begrüßen , oder als Bote seines Vaters , der mir den kleinsten Gruß verweigern würde ! « Er war damals Jüngling gewesen , jetzt aber ein Fünfziger . Sein Gesicht war jetzt schärfer geschnitten als früher , aber noch immer sympathisch . Sein Auge ruhte mit freundlichem Blicke auf mir , doch klang seine Stimme ernst , als er mir antwortete : » Old Shatterhand weiß , ob Pida ihn liebt oder haßt . Ich komme als Bote meines Vaters und seiner Verbündeten . « » So mag Pida sich setzen und dann sprechen ! « Indem ich das sagte , kehrte ich nach meinem Platze zurück und deutete ihm durch eine Handbewegung an , sich vor mir niederzulassen . Er aber lehnte ab , indem er fortfuhr : » Pida muß stehen . Nur der Friede darf sich niederlassen und ruhen . Old Shatterhand sieht in mir den Boten von vier der berühmtesten Krieger . Ich nenne ihre Namen : Tangua , der Häuptling der Kiowa , To-kei-chun , der Häuptling der Racurroh-Komantschen , Tusahga Saritsch , der Häuptling der Kapote-Utahs , und Kiktahan Schonka , der älteste Häuptling der Sioux . Es ist lange her , viele Sommer und viele Winter , daß diese Häuptlinge von Old Shatterhand gezwungen wurden , danach zu trachten , daß er ausgelöscht werde aus der Reihe der Lebenden . Er entkam ihnen . Er lebt noch . Aber auch seine Schuld besteht noch , sie ist ungesühnt . Er hat sie vergessen . Er hat geglaubt , sie sei auch von ihnen vergessen . Er hat es gewagt , in ihr Land zu kommen und die Pfade zu betreten , die seinem Fuße verboten sind . Dadurch hat er sich ihnen ausgeliefert . Er ist ihr Eigentum . Er muß sterben . Aber die Zeiten des Marterpfahles sind vorbei , und die Häuptlinge gedenken , edel und gütig zu sein . Sie wollen ihm Gelegenheit geben , sich vom wohlverdienten Tode zu erretten . Sie wollen mit ihm kämpfen . Ich bin gekommen , ihn zu diesem Kampfe einzuladen und aufzufordern . Was antwortet er mir ? « Da stand ich auf und sprach : » Nicht nur die Zeiten des Marterpfahles , sondern auch die Zeiten der langen Reden sind vorüber . Was ich zu sagen habe , ist kurz . Ich bin der Feind keines einzigen roten Mannes gewesen . Ich habe weder Haß noch Tod verdient . Ich wandle auch heute nicht auf verbotenen Wegen und fühle mich den Häuptlingen keineswegs ausgeliefert . Auch die Zeiten der Mordtaten , der Faust- und der Zweikämpfe sind vorüber . Ich bin alt und bedachtsam geworden . Ich verdamme jedwedes Blutvergießen . Ich bin ein Gegner des Zweikampfes - - « Da stieß mich das Herzle heimlich an und flüsterte mir zu : » Recht so , recht so ! Sei ein Mann ! « Sie konnte das tun , weil ich ganz dicht neben ihr stand . Ich aber fuhr fort : » Aber weil ich die Berühmtheit der Häuptlinge kenne und ihr weißgewordenes Haar achte , will ich es vermeiden , sie durch eine Absage zu beleidigen . Ich bin also bereit , mit ihnen zu kämpfen . « » Bist du toll ? « flüsterte mir das Herzle zu . Hierauf ergriff Pida wieder das Wort : » Old Shatterhand ist der alte . Er hat nie Furcht gekannt . Aber er sehe sich vor ! Die Bedingungen , welche die Häuptlinge stellen , sind scharf , sind unerbittlich . Er wird dann zwar auch die seinigen stellen , aber es steht nicht zu erwarten , daß - - - « » Ich stelle keine , « unterbrach ich ihn schnell . » Ich gehe auf alles ein , was die Häuptlinge von mir verlangen . « Da sah er mich ungewiß an und fragte : » Spricht Old Shatterhand im Scherz oder im Ernst ? « » Im Ernste ! « » So sage er das , was ich jetzt hörte , noch einmal . Vorher aber höre er , was die Häuptlinge fordern . Die Waffe sei das Gewehr . - - - Er hat mit einem jeden der vier Häuptlinge zu kämpfen . - - - Die Reihenfolge wird durch das Los bestimmt . - - - Geschossen wird im Sitzen . - - - Es gibt für jeden nur einen einzigen Schuß . - - - Die Gegner sitzen einander gegenüber , nur sechs Schritte voneinander entfernt . - - - Den ersten Schuß hat stets der ältere . - - - Der zweite Schuß fällt genau eine Minute nach dem ersten . - - - Es wird gekämpft bis zum Tode . - - - Wenn die vier Gänge mit den vier Häuptlingen vorüber sind und Old Shatterhand ist noch nicht tot , werden sie von vorn angefangen . Das sind die Bedingungen . Old Shatterhand mag sie erwägen ! « Er hatte immer da , wo die Gedankenstriche stehen , eine Pause gemacht und mich prüfend , ja beinahe besorgt angesehen . Jetzt antwortete ich : » Sie sind bereits erwogen . Wer kommandiert die Schüsse ? « » Der erste Vorsitzende des Komitees . « » Wie lange hat der zweite Schuß zu warten , wenn der erste nicht fällt ? « » Nicht fällt ? Die Häuptlinge sind älter als Old Shatterhand , der noch nicht siebzig Jahre zählt . Keiner von ihnen wird zögern . Sie werden schießen , sobald das Kommando fällt . « » Wer kann das behaupten ? Ich sah schon manches , was man für unmöglich hält , möglich werden . Also , ich frage : Die Häuptlinge haben jeder den ersten Schuß ; ich aber habe den zweiten . Wenn der erste Schuß nicht fällt , wann darf ich schießen ? « » Genau eine Minute , nachdem der erste hätte fallen sollen ! « » Einverstanden . Wohin soll geschossen werden ? « » In das Herz , genau in das Herz . « » Nach gar keiner anderen Körperstelle ? « » Nach keiner andern ! « » Wo findet der Kampf statt ? « » Auf der Scheide zwischen der Oberstadt und der Unterstadt . Der Platz wird abgesteckt . « » Wann ? « » Eine Stunde , bevor die Sonne hinter dem Mount Winnetou verschwindet . « » Wer sorgt dafür , daß diese Bedingungen streng eingehalten werden ? « » Zwei Personen auf jeder Seite . Die Häuptlinge haben hierzu den Agenten William Evening und den Bankier Antonius Paper gewählt . Old Shatterhand wähle ebenso zwei ! « » So nenne ich hierzu meinen Freund und Bruder Schahko Matto , den Häuptling der Osagen , und meinen Freund Wagare-Tey , den Häuptling der Schoschonen . Sie werden zu meinen Seiten stehen und jeden Häuptling sofort erschießen , der sein Wort bricht , indem er nach einer anderen Stelle als nur auf mein Herz zielt . Ist Pida , der Bote meiner Feinde , einverstanden ? « » Ich bin es , « antwortete er . » Und Old Shatterhand ? « » Ich nehme den Kampf an , zu den Bedingungen , welche soeben besprochen wurden . « » Um Gottes willen ! « raunte mir das Herzle so laut zu , daß alle es hörten . » Ich gebe es nicht zu ! Du bist verloren ! « Es war ein Glück , daß sie deutsch gesprochen hatte , so daß niemand es verstand . » Hat Old Shatterhand mir noch etwas mitzuteilen ? « erkundigte sich Pida . » Nur daß ich mich mit meinem Gewehre pünktlich einstellen werde , weiter nichts . Pida , der Häuptling der Kiowa , hat seine Botschaft ausgerichtet . Er kann gehen ! « Er machte eine grüßende Handbewegung und drehte sich um , sich zu entfernen . Aber noch unter der Tür blieb er stehen , besann sich , kehrte um , kam schnellen Schrittes auf mich zu , ergriff meine beiden Hände und sagte , indem sein Gesicht ein ganz anderes wurde : » Pida liebt Old Shatterhand . Er will nicht , daß Old Shatterhand sterbe , sondern daß er lebe , und daß er glücklich sei . Kann Old Shatterhand an diesem Kampfe , der doch unbedingt zu seinem Tode führen muß , nichts ändern ? « » Ich könnte wohl , aber ich will nicht , « antwortete ich . » Pida ist mein Bruder , und ich bin der seine . Dieser Kampf wird nicht zu meinem Tode führen . Old Shatterhand weiß stets , was er sagt . Pida glaube auch jetzt an mich , wie er früher an mich glaubte ! Kein Komantsche , kein Kiowa , kein Utah und kein Sioux wird mich töten ! Nur noch kurze Zeit , so werden sie alle unsere Freunde sein . Ich bitte dich , das zu glauben ! « » Ich glaube es , und ich wünsche es , « versicherte er . » Old Shatterhand spricht in Geheimnissen ; aber jedes Wort hat bei ihm seinen Grund und seine Absicht . Er sieht und hört , was andere weder sehen noch hören . Darum weiß er voraus , was andere nicht wissen können . Ich habe gesprochen . Ich gehe ! « Ich schüttelte ihm die Hände und küßte ihn auf die Stirn . Seine Augen strahlten . Er grüßte rundum und schritt erhobenen Hauptes hinaus . Es läßt sich wohl denken , daß ich nun mit Fragen überschüttet wurde . Es war mir unmöglich , so zu antworten , wie man wünschte . Wollte ich nicht den ganzen Erfolg auf das Spiel setzen , so mußte ich über das , was ich vorhatte , schweigen . Darum wuchs die Spannung der Anwesenden immer mehr und wurde , als sie sich dann entfernten , hinunter in die Stadt getragen und dort verbreitet . Meinem Herzle gegenüber durfte ich freilich nicht schweigen . Ich mußte sie beruhigen . Ich sagte ihr , daß ich im Besitze von vier kugelfesten Panzern sei , durch die kein Schuß zu dringen vermöge . Diese Panzer waren die Medizinen , die wir vom » Haus des Todes « mitgebracht hatten . Keinem Indianer kann es jemals einfallen , seine eigene Medizin zu verletzen . Er gibt sich lieber den Tod , als daß er dieses tut . Die Medizin des alten Kiktahan Schonka bestand aus seinem Gürtel und aus den Hundepfötchen , die ich damals auf den Stufen gefunden hatte . Was die Medizinen der drei anderen Häuptlinge vorstellten , das konnte man nicht sehen , weil sie in lederne Medizinbeutel eingenäht waren . Ich knotete die an ihnen vorhandenen Riemen derart , daß die Medizinen , wenn ich sie mir um den Hals hing , grad auf das Herz zu liegen kamen . Das war die ganze Vorbereitung , die ich für den so gefährlich erscheinenden Zweikampf zu treffen hatte . Als das Herzle das hörte , war sie sofort beruhigt . Ja , sie begann sogar , sich auf dieses » Duell « zu freuen . Nicht lange , so war die Aufregung zu sehen , die sich unten im Lager verbreitete . Man steckte den Kampfplatz ab , und man war besorgt um Plätze für Hunderte von Zuschauern . Es herrschte sowohl in der Unter- als auch in der Oberstadt eine lebhafte Bewegung . Man suchte einander auf . Man sprach von nichts anderem als von dem bevorstehenden Kampf auf Leben und Tod zwischen Old Shatterhand und den vier berühmten Häuptlingen . Man sagte , daß es von ersterem geradezu wahnsinnig sei , auf so blutrünstige Bedingungen einzugehen . Aber man hielt dem entgegen , daß er oft ganz anders denke und ganz andere Wege gehe als andere Menschen , und daß man darum auch jetzt nicht voreilig urteilen dürfe , sondern einfach den Ausgang des Kampfes abzuwarten habe . Kurz , das Abenteuer war in aller Mund , und es verstand sich ganz von selbst , daß auch Tatellah-Satah davon hörte , obwohl ich es unterließ , ihn zu benachrichtigen . Es war nach dem Mittagessen ; da suchte er mich auf . Ich war mit dem Herzle allein . Er setzte sich nicht . Er sagte , er beabsichtige , gleich wieder zu gehen . Er sah mir forschend in das Gesicht und fragte dann : » Du wirst dich mit den Häuptlingen schießen ? « » Nein , « antwortete ich . Da ging ein frohes Lächeln über sein Gesicht , und er fuhr fort : » Ich dachte es ! Old Shatterhand ist kein Selbstmörder ! Aber du wirst pünktlich erscheinen ? « » Ja . « » So frage ich nicht , was du vorhast . Du bist dein eigener Herr und hast keinen anderen Menschen um Erlaubnis zu fragen . Aber ich komme auch ! « » Allein ? Oder mit deinen Winnetous ? « » So , wie du es wünschest . « » So komm allein ! Man soll erfahren , daß wir nicht durch große Kriegerscharen , sondern durch uns selbst zu siegen wissen . « » Liesest du heut abend vor ? « » Ja . Es ist ein Tag wie jeder andere . Das Duell ist eine Faxe , ein Schwank , wenn auch mit sehr ernstem Hintergrund , weiter nichts . « » Wünschen wir , daß dieser Schwank nicht anders ende , als du denkst ! « Er reichte uns beiden die Hand und ging . Einige Zeit darauf sahen wir ihn unten im Lager . Er nahm den abgesteckten Platz in Augenschein und schien Befehle zu erteilen . Die uns befreundeten Häuptlinge hatten sich ihm zugesellt . Hierauf machte ich mit meiner Frau einen Spaziergang , aber nicht nach der Lagerstadt , sondern nach dem Binnental und dem Schleierfall hinunter . Auch dort gab es ein reges Leben , wenn auch in anderer Weise und zu einem anderen Zwecke . Man schlug hohe Pfähle ein . Man zog zahlreiche Schnuren und Drähte . Wir sahen ganze Haufen Papierlaternen liegen . Es gab elektrische Kabel , Lichtbirnen , Tulpen , Kugeln und andere derartige Glasformen . Hier und da hantierte man mit photographischen Apparaten . Ein Ingenieur , aber auch Indianer , schien die Aufgabe zu haben , einen großen Projektionsapparat am Felsen der Teufelskanzel anzubringen . Das interessierte das Herzle im höchsten Grade . Sie photographiert so gern . Sie ist da stets bereit , zum Alten Neues hinzuzulernen . Ich aber habe viel weniger Interesse für die Abbildungen , als für die Gegenstände selbst . Darum nehme ich in ihrer photographischen Hochachtung keineswegs eine hervorragende Stelle ein . Sie weiß , sie ist mir über . Das genügt ihr . Und es ist ihr eine höchst angenehme Beruhigung , zu wissen , daß ich niemals die Absicht habe , mich in ihre lichtbildnerischen Geheimnisse einzudrängen . Sie ist da sehr resolut . Sie tut , als sei ich gar nicht vorhanden . Sie gibt mir da sehr leicht und auch sehr gern Gelegenheit , mich auf mich selbst und auf meine anderen Vorzüge zurückzuziehen . So ließ sie mich auch jetzt ganz einfach stehen und eilte in großen Schritten zu dem Ingenieur hin , um ihn - in das Verhör zu nehmen , denn anders kann man das bei ihr nicht nennen . Was sie erfahren will , das bringt sie heraus , unbedingt heraus ! Ich setzte mich inzwischen für mich nieder und beobachtete das rege Treiben rund umher . Was hatte das für einen Zweck ? Es war mir , wie schon gesagt , mitgeteilt worden , daß man den steinernen Winnetou beleuchten und illuminieren wolle , um die Zuschauer für das Denkmalprojekt zu gewinnen . Ich hatte da gesagt , daß das Denkmal viel eher in die Erde versinken werde , als daß ich dazu zu bringen sei , eine solche Entwürdigung meines Winnetou zuzugeben . Sollte das , was ich hier sah , etwa schon die Vorbereitung zu dieser Illumination sein ? Aber die Figur war noch gar nicht fertig ! Sie war erst bis zur Schulter gediehen . Hals und Kopf fehlten . Und sonderbar ! Indem ich das dachte und mein Blick dabei an der Figur auf- und niederglitt , war es mir , als ob sie nicht mehr gerade stehe , sondern schief . Ich legte das Auge an verschiedene Stellen an und kam zu immer demselben Resultate . Man wird sich erinnern , daß ich die Figur am letzten Male von der Straßenbiegung aus betrachtet hatte . Da war es mir erschienen , als ob alle Gerüstträger senkrecht gestanden hätten , nur einer von ihnen nicht . Ich ging jetzt zu dieser Stelle . Wahrhaftig , Gerüst und Figur hatten sich bewegt , hatten sich nach der einen Seite gesenkt , wenn auch nicht viel , aber doch so , daß ich es deutlich bemerkte . Es war kein Zweifel möglich . Der Pfosten , der erst schief gestanden hatte , stand jetzt gerade , und die anderen , welche gerade gestanden hatten , waren ganz zweifellos nach rechts geneigt . Ich erschrak , als ich das sah . Ich dachte an die Risse und Sprünge , die ich da unten an der Höhlendecke bemerkt hatte , an das Streuen , Sieben und Niederbröckeln des Gesteins . War die Last der Figur für die ausgehöhlte Erdunterlage zu groß ? Konnte diese Unterlage das so viele Zentner schwere Bild nicht tragen ? Welch eine Katastrophe stand uns da allen bevor ! Indem ich das dachte , kam das Herzle zurück . Sie hatte den Ingenieur ausgefragt . Es handelte sich einstweilen nur um eine Probebeleuchtung , die morgen abend vorgenommen werden sollte . Man hatte vor , alle Anwesenden hierzu zu laden . » Und was sollte der riesenhafte Projektionsapparat ? « fragte ich . » Er enthält die Bilder von Young Surehand und Young Apanatschka , welche auf der Spiegelfläche des Wasserfalles zu beiden Seiten des Denkmales erscheinen sollen . Die Schöpfer der Winnetougestalt , rechts und links neben ihrem Werke ! « » Das dulde ich nicht ! « rief ich aus . » Was willst du dagegen machen ? « fragte sie . » Es verbieten ! Das genügt ! « » Ja , allerdings ! Selbst wenn man deinen Willen nicht respektieren wollte , würdest du ihm Nachdruck zu geben verstehen . Aber bedenke , es ist nur erst zur Probe ! Ist es nicht ratsam , diese Probe ungestört vorüber zu lassen , um zu warten , bis sie zur wirklichen Ausführung kommen soll ? « » Ja , vielleicht ist das richtiger . Aber ich glaube , wir haben diese Sache nicht mehr in unseren Händen . Es hat sich eine Gewalt ihrer angenommen , der wir nicht gewachsen sind . « » Wie meinst du das ? « » Schau genau hin , und sag : Steht die Figur gerade oder schief ? « Sie prüfte und antwortete dann : » Sie steht gerade . Man wird sie doch wohl nicht schief aufstellen ! « » Absichtlich gewiß nicht . Aber sie steht dennoch schief . Du merkst das nicht , weil dein Auge nicht so geübt ist wie das meine und weil die Abweichung von der senkrechten Linie noch nicht so bedeutend ist , daß sie dir notwendigerweise auffallen müßte . Vergleiche einmal genau mit der Fallrichtung des Wassers , und sag mir - - - « Da fiel sie mir in die Rede : » Sie steht schief , ja sie steht schief ! Herrgott ! Welch ein Gedanke ! Meinst du , daß sie versinkt ? « » Ob ja oder nein , das kann man jetzt noch nicht sagen . Man hat abzuwarten , ob und wie sehr die Abweichung steigt . Heut habe ich keine Zeit . Aber morgen werde ich hinunter in die Höhle steigen , um nachzusehen , ob die Decke noch bröckelt . « » Ist das nicht lebensgefährlich ? « » Nein . « » Aber du hältst es doch für möglich , daß alles zusammenbricht ! « » Nicht nur für möglich , sondern sogar für wahrscheinlich . Aber so schnell , daß der Zusammenbruch schon heut oder morgen erfolgt , geschieht das nicht . Da müßte die Senkung vorher eine bedeutend größere werden . Aber bitte , halte alles geheim ! « » Gegen jedermann ? « » Ja . « » Auch gegen Tatellah-Satah ? « » Auch gegen ihn . Ich möchte diese Situation allein beherrschen . Es soll mir kein anderer dreinkommen und mich stören oder die Sache gar verderben ! « » Weißt du aber , was du da auf dich nimmst ? « » Ja . Es ist viel , sehr viel . Aber ich glaube , es verantworten zu können . Doch nun komm , Herzle ! Wir müssen heim . Ich darf keine Minute zu spät zum Kampf erscheinen . « » Leider bin ich da nicht ganz ohne alle Sorge ! « seufzte sie . » Das ist überflüssig , vollständig überflüssig . Du hast viel mehr Veranlassung , zu lächeln , als bange zu sein ! « Als wir droben auf dem Schlosse angekommen waren , ließ Tatellah-Satah uns sagen , daß er uns abholen werde . Von den Häuptlingen kam ein Bote , der mir meldete , daß auch sie sich einstellen würden , um mich hinunter zu begleiten . Ich ließ sie aber bitten , dies nicht zu tun , die Sache sei einer solchen Mühe gar nicht wert . Ich war verpflichtet , bei dieser Gelegenheit den Häuptlingsanzug zu tragen , und lud den Henrystutzen , obgleich ich annahm , daß es wahrscheinlich zu keinem einzigen Schusse kommen werde . Die vier Medizinen durfte ich nicht tragen . Das Herzle nahm sie in ihren Reisepompadour . Sie wollte , an meiner Seite sitzend , in dieser Weise an dem Zweikampfe teilnehmen . Ich hatte nichts dagegen . Als die Zeit da war und wir in den Hof kamen , wo Intschu-inta unsere Pferde bereit hielt , fanden wir den » jungen Adler « und unseren alten Pappermann vor , die es sich nicht nehmen ließen , mich nach dem Platze meines hoffentlichen Sieges zu begleiten . Zu gleicher Zeit erschien Tatellah-Satah auf seinem weißen Maultiere , ganz allein . Da setzten wir uns in Bewegung . Der » Bewahrer der großen Medizin « , das Herzle und ich voran , der » junge Adler « und Pappermann hinterdrein . Wir sahen schon von oben , daß alles , was in der Ober- und der Unterstadt bisher zerstreut gewesen war , sich jetzt um den Kampfplatz eng zusammengezogen hatte . Es war eine Versammlung vieler , vieler Menschen , doch gab es keine Spur jener bekannten Unzuträglichkeiten , die bei Zusammenhäufungen sogenannter » zivilisierter « Mengen unvermeidlich zu sein scheinen . Jedermann war schon da . Kein einziger , der hatte kommen wollen , fehlte . Wir waren die letzten , die allerletzten . Meine vier Gegner saßen bereit . Als wir in den Kreis traten , standen sie auf . Nur Tangua blieb sitzen , denn er konnte nicht stehen . Tatellah-Satah hatte seinen Sitz so bestellt , daß er dann grad hinter mir saß und die vier Häuptlinge scharf im Auge hatte . Es wurde mir gesagt , daß der erste Vorsitzende des Komitees eine Rede halten werde . Hierauf werde jeder der vier Häuptlinge auch eine Rede halten . Zuletzt habe meine Rede zu kommen , worauf dann der Kampf beginnen könne . Da trat ich vor und äußerte mich so laut , daß jedermann , der im Kreise saß , es hören konnte : » Old Shatterhand ist nicht gekommen , um zu reden , sondern um zu kämpfen . Wenn die Gefahr naht , reißt nur die Furchtsamkeit den Mund weit auf ; der Mutige aber schweigt und handelt . Von all diesen Reden ist zwischen mir und Pida kein Wort erwähnt worden . Ich gestatte nur das , worauf ich eingegangen bin ! « Da vollführte der » erste Vorsitzende des Komitees « eine große , imponierend sein sollende Armbewegung und begann : » Es wurde vom Komitee beschlossen , daß ich zu sprechen habe , und was vom Komitee beschlossen worden ist , das werde ich - - - « » Schweig ! « donnerte ich ihn an . » Beschlossen worden ist nur zwischen Pida und mir ! Euer Komitee ist für mich nicht vorhanden . Dich dulde ich nur . Ich habe erlaubt , daß du die Schüsse der Häuptlinge und genau eine Minute darauf auch die meinigen kommandierst . Mehr ist dir nicht gestattet ! « » Aber ich stehe doch nicht etwa hier , um - - « » Wenn du nicht stehen willst , so setze dich ! « unterbrach ich ihn , indem ich schnell auf ihn zuschritt und ihn mit einem Griff und einem Druck auf die Erde niedersetzte , wo er ganz erschrocken eine Weile sitzen blieb . Dann fuhr ich in demselben lauten , energischen Tone fort : » Ich habe mit Pida meine berühmten Brüder Schahko Matto und Wagare-Tey gewählt , sich die Bedingungen des Kampfes genau zu merken und darauf zu sehen , daß sie ehrlich eingehalten werden . Sie mögen jetzt sprechen und diese Bedingungen aufzählen ! « Sie standen von ihren Sitzen auf und taten dies . Zwar hatten meine vier Gegner ihren William Evening und ihren Antonius Papper zu dem gleichen Zwecke gewählt , aber es fiel mir gar nicht ein , dazu beizutragen , daß diese überhaupt in Aktion zu treten hatten . Darum ließ ich durch Schahko Matto und Wagare-Tey auch gleich die Lose besorgen , und die vier Häuptlinge fügten sich dem allem mit innerem Behagen , weil sie überzeugt waren , daß dies doch sicher meine allerletzte Willensverschwendung in diesem Leben sei . Das Los ergab , daß meine Gegner in folgender Reihe auf mich zu schießen hatten : Tusahga Saritsch , To-kei-chun , Kiktahan Schonka und Tangua . Sie nahmen in dieser Reihenfolge in einem Halbkreise meinem Sitze gegenüber Platz . Sie waren alle mit Doppelgewehren versehen , und in ihren Minen glänzte das Bewußtsein des sicheren Sieges . Ehe ich meinen Platz einnahm , ging ich nach der Stelle , wo Avaht-Niah , der hundertundzwanzigjährige Häuptling der Schoschonen , saß . Ich beugte mich zu ihm nieder , küßte ihm die alte , treue Hand und sprach : » Du bist der Aelteste von allen , die hier atmen . Auf deinem Haupte ruht der Segen und die Liebe des großen Geistes , der dich nicht hierher geleitet hat , um das Blut derer , die dir lieb sind , fließen zu sehen . Du bist der Weiseste und der Erfahrenste von uns allen . Du wirst der erste sein , der aus dem Kampfe , zu dem ich hier gezwungen werde , ersieht , daß jeder Kampf zwischen den Menschenkindern nichts weiter als eine Torheit ist , über die man lachen könnte , wenn ihre Folgen nicht so traurig wären . « Er zog als Gegengruß nun auch meine Hand an seine Lippen und antwortete : » Old Shatterhand mag uns diese Torheit zeigen , damit die , welche nach uns kommen , nicht mehr tun , was ihre Ahnen taten . Der Sieg sei dein ! « Nun ging ich zu der mir angewiesenen Stelle und setzte mich . Das Herzle ließ sich neben mir nieder . Da brauste Kiktahan Schonka zornig auf : » Was soll die Squaw unter Kriegern ? Fort , fort mit ihr ! « » Fürchtest du dich vor einer Squaw ? « antwortete ich . » Dann geh ! Sie aber fürchtet sich nicht ; sie bleibt ! « » Ist Old Shatterhand ein Weib geworden , daß er die Beleidigung nicht fühlt , die ich als Krieger fühle ? « fragte er . » Als Krieger ? Pshaw ! Du fragst , was meine Squaw unter Kriegern solle ? Glaubst du wirklich , daß ihr Krieger seid ? Alte Weiber seid ihr , weiter nichts . Darum habe ich alle eure Bedingungen angenommen , ohne sie genauer zu betrachten . Es fällt Old Shatterhand nicht ein , mit euch zu kämpfen , denn er ist en Mann . Er brachte euch seine Squaw , von der eine einzige Handbewegung genügt , einen jeden von euch zu vernichten . Fürchtet ihr euch vor ihr , so geht ! « » Sie bleibe ! « rief Kiktahan Schonka ergrimmt . » Aber meine erste Kugel gilt dir , meine zweite ihr ! « » Ja , sie bleibe , sie bleibe ! Sie falle und sterbe mit ihm ! « stimmten die drei anderen bei . » Der Kampf beginne ! « Wir fünf Duellanten saßen in der Mitte des abgesteckten Platzes . Unsere Beigeordneten befanden sich in nächster Nähe . Tatellah-Satah saß , wie schon erwähnt , direkt hinter mir . Den ersten großen Kreis um uns bildeten die anwesenden Häuptlinge . Auch die zwölf Apatschenhäuptlinge waren da . Hinter ihnen kamen die Unterhäuptlinge und sonstigen Personen , welche eine Art von Rang besaßen . Und weiter hinaus gab es die gewöhnlichen Leute . Unter diesen fielen besonders die schon einmal erwähnten Arbeiter auf , welche in den Steinbrüchen und am Denkmalbau beschäftigt waren . Sie hatten ihre Arbeit verlassen , um das Schauspiel des Kampfes zu genießen , und betrugen sich als echte Rowdies , obgleich sie in Gegenwart so vieler Häuptlinge es nicht wagten , besonders laut zu werden . Bei den Häuptlingen saßen neben Kolma Putschi und den beiden Aschtas noch zwei andere Frauen , deren Gegenwart mir wichtig war , nämlich Pidas Frau und ihre Schwester , die jetzt weibliche Kleidung trug . Beide