drehte sich der Governor langsam um , schaute eine Weile aus dem Hafen hinaus , wendete sich uns wieder zu , sah mich an und fragte : » Charley , besinnt Ihr Euch auf diese meine Albernheit ? « » Auf welche ? Wann ? « » Als ich von ihm im Kratong zu Euch sagte : Dem scheint es mit dem Ko-su-Sortieren nicht ganz ernst gewesen zu sein . Es ist also sicher , daß er nicht die geringste Befähigung besitzt , ein Mitglied der Shen zu werden . Das habe ich behauptet ! Denkt Euch doch nur ! Und während ich eine solche Dummheit rede , ist dieser John bereits einer ihrer besten Offiziere , gar schon ein General ! Nehmt es mir nicht übel , Mesch ' schurs , ich muß mich setzen ! « Er ließ sich auf die Bank , von welcher er , als wir vorhin kamen , aufgestanden war , wieder nieder , betrachtete die Betelnuß höchst angelegentlich und sprach dabei : » Eine Freude ist es , ja , und zwar eine große , unbeschreibliche , die mir John damit macht ! Aber warum gleich so hoch ? Hätte auch von unten angefangen ! Sollte doch geprüft werden , beobachtet ! Das sagte mir mein Freund , der malajische Priester ! Ob es wohl einen zweiten Englishman gibt , der so hoch gestiegen ist wie ich heut , so gänzlich unerwartet ? « » Außer Sir John selbst gibt es keinen . Auch unser Professor nicht , der Pfarrer Heartman , « antwortete der Chinese . » Heartman ? Pfarrer ? « fragte da der Governor schnell . » Wir hatten einen Pfarrer Heartman in Raffley-Castle . Der war uns aber zu - - - hm ! Er sprach zu den Aristokraten genau so , wie zu dem ganz gewöhnlichen Volke ; da wurde er emeritiert und zog , ich weiß nicht mehr , wohin . « » Den meine ich , Sir , grad den . Er ist der Leiter aller unserer Schulen und erntet Dank von Allen , die ihn kennen . Sir John , den er einst taufte , ließ ihn aus der Heimat kommen , um sich durch ihn mit Yin verbinden zu lassen , denn der Segen eines - - - « Da sprang der » uncle « wieder von seinem Sitze auf und unterbrach ihn schnell : » Verbinden ? Getraut - - - ? Getraut - - - ? Sie wurden von ihm getraut , John und Yin - - - ? Von einem christlichen Pfarrer - - - ? In geordneter - - - kirchlich vorgeschriebener Weise ? ! « Da wich der Chinese einige Schritte zurück , machte ein höchst erstauntes Gesicht und sprach : » Warum alle diese Fragen , Sir ? Ich weiß jetzt wirklich nicht , was ich zu antworten habe ! « Da färbte die Verlegenheit das Gesicht des Governors rot bis zum Hals herab . Er fühlte , welchen Fehler er begangen hatte , und lenkte um , indem er sagte : » Allerdings , das war ja selbstverständlich . Wo wohnt der Pfarrer jetzt ? « » Auf dem Castle . Er kommt aber täglich nach Shen-Fu herüber , um seines außerordentlich wichtigen Amtes zu walten . Wir bitten die Güte des Himmels , ihn uns noch lange zu erhalten , denn er ist trotz seines hohen Alters ein so rüstiger und beinahe unersetzlicher Mann , daß wir nur schwer lernen würden , ihn zu entbehren . « » Hm ! Und so eine Kraft haben wir pensioniert , emeritiert ! Eigentlich eine Schande ! Wir jagen ihn fort , um seiner Aufrichtigkeit , um seiner Ehrlichkeit willen , bei den Buddhisten und Konfuzianern aber wird er aufgenommen und anerkannt ! Doch sagt einmal , mein Freund : Ich hörte , das neue Raffley-Castle sei ganz ähnlich gebaut wie das ursprüngliche , das alte . Wenn das der Fall ist , wie kann es da so in der Form eines Kreuzes leuchten ? « » Ihr seid ganz richtig berichtet , Sir ; das neue gleicht dem alten , doch Material und innere Einrichtung sind anders . Die Seele ist geblieben aber zu dem neuen Körper kam auch ein neuer Geist . Die Basis oder der Sockel des Kreuzes wird von den Wirtschaftsgebäuden gebildet , über denen sich die Beamtenwohnungen grad in die Höhe ziehen . Dann kommt das eigentliche Castle , der Mittelpunkt , welcher nach rechts und links die beiden Arme breitet ; ich meine die Baulichkeiten für humanitäre , also menschenfreundliche Zwecke . Hinter dem Castle liegt das Paradies , über diesem das herrliche Atelier und wieder über diesem die Kapelle mit der Orgel , die aus Deutschland verschrieben worden ist . Das Alles wurde aus weißem Marmor gebaut , der aus den benachbarten Kreidebrüchen stammt . Wenn die Sonne auf diese Marmorflächen blickt , so beginnen sie zu strahlen ; die dunkleren Zwischenräume verschwinden für die Ferne , und so entsteht das Kreuz , welches Jedermann bewundert , der es sieht . « » Das ist außerordentlich . Ihr sprecht auch von einem Atelier . Gibt es denn dort einen Künstler , einen Maler oder Bildhauer ? « » Nicht einen Künstler , sondern eine Künstlerin , nämlich unsere Yin . « » Was ? Wie ? Yin ? Sie , eine Künstlerin ? « » Ja , und zwar die größte , die einzigste , die wir hier im Osten haben . Wißt Ihr auch das noch nicht , Sir ? « » Nein , wirklich nicht ! « » Aber der Marmorkopf dort , der sie selbst darstellt , ist ja von ihr gemeißelt ! Und auch das Bild in der Kajüte ist von ihrer eigenen Hand ! « » Das wird ja immer interessanter und immer unerhörter ! Zuletzt besteht man nur noch aus lauter Verwunderung und wundert sich dann schließlich über gar nichts mehr ! « » Und das Paradies ist von ihr gemalt , « fuhr der Hafenmeister fort , » und für den Bau und die Ausstattung des Schlosses hat sie die vorzüglichsten Bestimmungen mit getroffen ! « » Auch das noch ! Aber trotz dieser ihrer Beihilfe war ein Architekt nötig , wie es selten einen gibt , und der kann kein Chinese gewesen sein , sondern ist aus Europa herbeordert worden . Wahrscheinlich ein Engländer , der Raffley-Castle dort natürlich vorher studieren mußte ! « » Verzeihung , Sir ; er ist doch ein Chinese . Er studierte in Leeds und London ; dann ging er an die Technische Hochschule in Berlin , worauf ich ihn ein Jahr lang reisen ließ , um Studien zu machen . In Neapel traf er mit Sir John zusammen , der ihn mit nach England nahm , um ihm Raffley-Castle zeichnen zu lassen , ohne daß die Verwandten Etwas davon erfuhren . « » Auch das ist seltsam , und zwar in hohem Grade ! Aber sagtet Ihr nicht , Ihr hättet ihn reisen lassen , Ihr ? « » Ja . « » Warum Ihr ? « » Es ist mein Sohn , Sir , nach dem Ihr mich fragtet , sonst hätte ich nicht von ihm gesprochen . « Da öffnete der Governor den Mund , um zu sprechen , sagte aber nichts , sondern schaute mir eine ganze Weile lang kopfschüttelnd in das Gesicht , versetzte mir dann einen Rippenstoß und ließ sich endlich hören : » Ein ganz unbegreifliches Land ! Und ein ganz unbegreifliches Volk ! Da ist man immerfort blamiert , und niemals hat man Recht ! Aber eben das ist es , was mir gefällt ! Daheim läßt man sich immerfort in seiner eigenen , wundervollen Sauce braten und glaubt , so appetitlich zu duften , daß Jedermann aufs schnellste anzubeißen habe ; hier aber wird man vorerst ganz windelweich geklopft und dann , wenn man grad anfangen will , zu braten und zu duften , als unbrauchbar zum Küchenfenster hinausgeworfen , mitsamt der Kasserolle ! Ich kann Euch sagen , lieber Freund , daß mir das imponiert ! Es ist gar nicht so ungefährlich , als besserer Europäer , sozusagen , mit einem bessern Mongolen zusammenzutreffen , weil man da fast stündlich in die Lage kommt , sich selbst für den Mongolen halten zu müssen . Kaum habe ich Unglücksmensch behauptet , daß der Baumeister ganz unmöglich ein Chinese sein könne , so - - - « Der Fluß seiner Rede wurde von einem Unterbeamten des Pu-Schang unterbrochen , der seinen Vorgesetzten gesucht und im Vorübergehen hier bei uns gesehen hatte . Er kam an Bord , sprach mit ihm und entfernte sich dann wieder , worauf der Hafenmeister uns fragte , ob wir wohl Zeit und Lust hätten , einer für uns wahrscheinlich interessanten Verhandlung beizuwohnen . Von uns befragt , welcher Art sie sei , erklärte er : » Noch einige Stunden vor Euch kam heute früh ein Huo-Lun-Tschuan55 hier bei uns an , dessen Führer sich in größter Unbefangenheit als Opiumverkäufer melden ließ . Ich erteilte den Bescheid , daß dieser Verkauf hier nicht gestattet werde , worauf er mir antworten ließ , daß er sich zwar anzumelden aber nicht um irgend eine Erlaubnis zu fragen habe ; er werde hier feilhalten und verkaufen , so lange es ihm beliebe . Wer die verhängnisvolle Wirkung dieses Giftes und unsere chinesischen Verhältnisse kennt , der weiß , warum ein solcher Mensch sich erlaubt , in diesem Tone zu uns zu reden , wird es aber auch begreiflich finden , daß es mir hier auf Ocama gar nicht einfallen kann , irgend eine Schwäche zu zeigen . Ich habe zu tun , was mir unsere Shen befiehlt , gab meinen Leuten die nötigen Befehle und ging dann hinauf zum großen Mandarin , um ihm den Fall zu melden . Er war mit meiner Auffassung dieser Angelegenheit vollständig einverstanden . Als ich von ihm ging , traf ich Euch . Mein Diener glaubte , ich sei noch oben , sah mich aber , als er hier vorüber ging , mich zu holen , bei Euch stehen . Man hat dem Händler Einhalt getan , und er wartet nun in meinem Bureau auf mich , um seine Beschwerde anzubringen und Genugtuung zu fordern . « » Und da sollen wir mit ? « fragte der Governor . » Ja , wenn Ihr diesen Fall für würdig haltet , Euch mit ihm zu befassen . « » Ganz selbstverständlich , ganz selbstverständlich ! Das erinnert ja an den famosen Opiumkrieg , an Kapitän Elliot und Admiral Kuang mit seinen neunundzwanzig Kriegsdschunken , an die zwanzigtausend Kisten mit Opium , die in das Wasser geworfen wurden , obgleich sie vier Millionen Pfund Sterling kosteten ! « » Um solche Größen und Ziffern handelt es sich heut und hier wohl nicht , « lächelte der Pu-Schang ; » aber wenn ich damals der Kaiser Tao-Kuang gewesen wäre , ich hätte mich sicher nicht anders benommen , als ich mich jetzt benehmen werde ! « Wir verließen also die Jacht und ließen uns von ihm zu sich führen . Unsere » Yin « lag an dem » Platze der Einheimischen « , der sich durch größere Ruhe und Vornehmheit auszeichnete . Das Schiff des Gifthändlers war am » Platze der Fremden « vor Anker gegangen , und mir mußten an ihm vorüber , um nach dem Bureau des Hafenmeisters zu kommen . Wir sahen , daß es ein kleiner Küstendampfer war , stumpf auf den Kiel gebaut , um keinen großen Tiefgang zu haben und überall anlegen zu können . Er war auch mit Mast- und Leinenzeug versehen , konnte also zur Dampfkraft auch noch den Luftdruck fügen , und führte den Namen Ta-Shen-Tsi-Yang-Shen . Die Schriftzeichen dieser fünf Silben waren zu beiden Seiten des Buges angebracht . Sie heißen zu deutsch » Seine Exzellenz , der Europäer « . Solche und ähnliche Bezeichnungen kann man in den Häfen des Ostens sehr oft sehen oder hören ; sie sind zwar nicht nach unserem Geschmacke , aber fast immer sehr bezeichnend . » Seine Exzellenz , der Europäer « lag hart am Ufer an und war mit ihm durch ein Laufbrett verbunden . An diesem standen zwei Männer , welche nicht anders gekleidet waren als andere Leute auch und je ein dünnes , weißes Stäbchen in der Hand hatten , an dessen Ende sich eine Betelnuß befand . Vis-à-vis von dem Dampfer war am Lande ein Zelt errichtet , vor welchem eine Menge von Opium in allen seinen Gestalten und Zubereitungen nebst den zum Essen und Rauchen dieses Giftes nötigen Gegenständen zum Verkaufe ausgelegt worden waren . Dabei hockte am Boden wohl ein Dutzend sonnverbrannter , bis an den Hals bewaffneter Kerls , denen man die Führung irgend eines berüchtigten Handwerkes gleich beim ersten Blicke ansehen konnte . Vor ihnen aber standen auch zwei Männer mit eben solchen Arekastäben wie dort am Laufbrette » Seiner Exzellenz , des Europäers « . Sonst aber war nichts zu sehen , was auf irgend ein nicht ganz alltägliches Vorkommen schließen ließ . Indem wir vorübergingen , fragte der » uncle « den Beamten : » Das ist jedenfalls das Giftmischerschiff mit seinem Verkaufsstande . Ich vermute , daß Ihr Beide bewachen laßt . Sind die Männer mit den Stäben etwa Polizisten ? « » Ja , « antwortete der Hafenmeister . » Natürlich heimlich bewaffnet , mit Revolvern oder so Etwas ? « » Nein . « » Nicht ? Aber die Polizei muß doch eine Waffe haben , um sich Respekt zu verschaffen ! « » Das ist bei uns nicht nötig . Wir achten sie und ehren sie , ohne daß sie unser Leben zu bedrohen braucht . Eigentlich gibt es bei uns gar keine Polizei . Bei denen , die zur großen Brüderschaft der Shen gehören , sind Zwangsmaßregeln niemals nötig . Ein Jeder liebt und respektiert den Andern so , daß man keinen Menschen kennt , der irgend eines Schutzes gegen andere Menschen bedarf . Nur wenn es sich , zum Beispiel so wie hier , um Fremde handelt , kann es einmal zu jener Strenge kommen , deren sich jede zivilisierte Nation eigentlich zu schämen hat . Dazu brauchen wir aber nicht einen besonders besoldeten , besonders eingeschulten und besonders ausgerüsteten Stand , sondern es genügt Jedermann , der sich am Platz befindet . Er bekommt das weiße Stäbchen in die Hand und damit die gesetzliche Macht , die für den betreffenden Fall vonnöten ist . « » Hm ! Da bin ich still ! Aber es geht so ruhig zu ! Kein Auflauf , keine Ansammlung von Menschen ! Käme bei uns ein Fall derartiger Maßregelung eines Schiffes vor , so stände der ganze Platz hier so voller Manns- und Weibsleute , daß man gar nicht hindurch könnte . Hier aber scheint Niemand Etwas davon zu wissen . « » Da irrt Ihr , Sir , denn Jedermann weiß es ; aber ist es etwa ehrenhaft , sich um irgend einen Schurken extra zu bekümmern ? Ist er schuldig , so schämt man sich dann , ihn überhaupt beachtet zu haben , und ist er unschuldig , so bereut man es , ihn mit zudringlichen Blicken gekränkt zu haben . Fühlt Ihr nicht , Sir , daß es so am richtigsten ist , wie es hier bei uns gehalten wird ? « » Alle Wetter ! Ob ich das fühle ! Wenn das so weiter geht , so rede ich bloß noch englisch , sonst aber bin ich durch und durch chinesisch ! - - - Was ist das für ein Haus und was für eine Schrift über der Tür ? « Er deutete nach dem Gebäude , auf welches wir zuschritten . » Das ist mein Kung-So56 « antwortete der Hafenmeister . » Die Schriftzeichen sind Kung-Tao zu lesen , was so viel wie Gerechtigkeit bedeutet . Daß man sie in Wirklichkeit auch findet , wenn man sie hier bei mir sucht , dafür habe ich zu sorgen . Tretet ein , ganz so , wie es Euch gefällt ! Man liebt es hier nicht , die Gäste mit überflüssigem Zeremoniell zu belästigen . « Wir kamen durch einen geräumigen Vorplatz in einen Raum , den ich nach heimischen Begriffen als » Wartezimmer « bezeichnen möchte . Da saß der Mann , wegen dem der Hafenmeister geholt worden war . Er machte keine Bewegung , uns zu grüßen . Wir gingen in die große Stube nebenan , wo mehrere Schreiber saßen , und kamen dann in das eigentliche Dienstgemach des Pu-Schang , an welches eine Veranda stieß , deren Tür jetzt offen stand . Nachdem wir Platz genommen hatten , ließ der Beamte den Wartenden durch einen der Schreiber zu sich bescheiden . Als er hereinkam , grüßte er nun allerdings , aber nur ganz flüchtig , und setzte sich sogleich nieder , ohne dazu aufgefordert zu sein . Er war chinesisch gekleidet , aber sicher ein Mischling aus dem hinterindischen Süden , mit einem sonnverbrannten und von den Leidenschaften durchfurchten Gesichte , eine Spitzbubenphysiognomie , wie sie sich kein Schriftsteller erfinden darf , denn die hat es nur in Wirklichkeit zu geben . Er hatte heute vormittag die Schiffspapiere vorgezeigt , und die hieraus gemachten Eintragungen ergaben , was über ihn zu wissen war . Das Schiff mit der ganzen Ladung gehörte ihm selbst . Der Zweck seiner Fahrt war nur der Opiumhandel , den er , wie er behauptete , schon seit Jahren von seiner Heimat Binh-Dinh an der cochinchinesischen Küste aus bis hinauf nach den koreanischen Häfen trieb . Er gab an , daß es bisher kein Mensch gewagt habe , ihn an der Ausübung dieses seines Gewerbes zu hindern , und er erwarte , daß er jetzt sofort wegen der ihm hier bereiteten unerhörten Belästigung um Verzeihung gebeten werde und dann tun könne , was ihm beliebe . Der Hafenmeister hatte ihn ruhig angehört und gab ihm nun in kurzen Worten seinen Bescheid : » Ich habe gesagt , daß ich den Handel mit Opium hier verbiete . Man hat es trotzdem gewagt , dieses Gift zum Verkaufe öffentlich auszustellen . Ich befehle hierauf dem Dampfer Ta-Shen-Hsi-Yang-Shen , unsern Hafen binnen einer Stunde und unsere Gewässer binnen heut zu verlassen . Befindet er sich nach dieser Zeit noch hier , so wird er einfach konfisziert und mit der Ladung draußen auf der See verbrannt ! « Da sprang der Opiumhändler von seinem Sitze auf und rief zornig aus : » Das wolltet Ihr wagen ? Ich würde es Euch heimzahlen lassen , aber wie ! Ich kenne meine Gesetze ! « » Und ich die meinigen auch ! « » Ich weiß wohl , was Ihr wollt ! Ihr sagt , dieser Platz gehöre Euch . Aber Euer abendländisch gewordener Mandarin ist immer noch Chinese ; ich befinde mich also an einem chinesischen Orte , und meine Papiere schützen mich vor der mir zugedachten Konfiskation ! « Da stand auch der Beamte von seinem Sitze auf und entgegnete ihm : » Armer Teufel , der du bist ! Was dich da schützen soll , das würde dich verderben ! Er hat sogar die Macht über Leben und Tod ! « » Auch über Europäer ? « klang es ihm da höhnisch entgegen . » Konfisziert Ihr etwa auch englische Schiffe ? Ich habe nämlich während der jetzigen Fahrt das Schiff und die ganze Ladung unterwegs verkauft ! An einen Engländer , sogar Offizier ! Hier ist der Kontrakt . Und der Käufer ist auch zu haben . Soll ich ihn etwa holen ? « Er zog aus seinem weiten Taschenärmel die Schrift hervor , faltete sie auseinander und gab sie dem Beamten . Dieser las sie durch , legte sie wieder zusammen , schob sie in ein Fach seines Pultes und sagte : » Diesen Kontrakt habe ich dem Käufer vorzulegen . Er mag kommen ; aber schnell ! « » Er wartet schon darauf . Ich hole ihn ! « Mit diesen Worten eilte der Mann hinaus . Wir sahen ihn mit schnellen Schritten den Weg zurückgehen , den wir hergekommen waren , also nach seinem Dampfer . Wir hatten nicht lange zu warten , sondern sahen ihn schon nach kurzer Zeit wiederkehren , mit einem auch chinesisch gekleideten Zweiten neben sich . Und dieser Andere war ganz unbedingt derselbe Mann , der den Berg heraufgekommen und meinem Sejjid Omar begegnet war . Ich sah das an der eigenartigen Form seines Mao-Tse57 , die mir aufgefallen war , und an dem Fehlen des Zopfes . » Da bringt er ihn , « sagte der Pu-Schang . » Jedenfalls kein Offizier , sondern ein Lump , denn der Kontrakt ist Schwindel . Ein Strohmann , für Geld und ohne Ehre , weiter nichts ! « Als die Beiden hereintraten , hätte ich beinahe einen lauten Ruf der Ueberraschung ausgestoßen , denn der angebliche Offizier und Käufer des Dampfers war - - - Dilke , der sonderbare Gentleman , dem mein Sejjid Omar das Leben gerettet hatte . Jedenfalls war er in Penang von dem General nachträglich noch sehr streng coramiert worden , vielleicht gar fortgejagt , und wer weiß , auf welche Weise er es während der inzwischen verflossenen langen Zeit bis zum jetzigen Kumpan eines Giftmischers gebracht hatte ! Er sah mich ; er mußte mich sofort erkennen , mußte vom Sejjid erfahren haben , daß ich mich hier befand . Und doch ließ er sich nicht das Geringste merken ; er sah über mich hinweg , als ob ich eine ihm völlig unbekannte und gleichgültige Persönlichkeit sei . Das hatte jedenfalls einen Grund , aber welchen ? Er ging hoch erhobenen Hauptes , als ob hier an dieser Stelle nur er der Gebietende sei , auf den Pu-Schang zu und sagte : » Man hat mich hierhergebeten . Ich bin Leutnant Dilke . « » Gebeten ? « antwortete der Hafenmeister . » Ist mir gar nicht eingefallen . Beordert seid Ihr worden ; befohlen habe ich es . Und wenn Ihr nicht gekommen wäret , so hätte ich Euch holen lassen . Das nennt man dann nicht bitten , sondern arretieren . « » Alle Teufel ! Ich bin Offizier ! Verstanden ? « » Daß Ihr es seid , das sollt Ihr eben beweisen ! « » Ihr habt ja den Kontrakt ! « » Der beweist hierfür gar nichts ! « » Wohl weil es das Exemplar des Kapitäns ist ? Hier habe ich das meinige . Lest nach ! Da steht mein Name , meine Eigenschaft und Charge . « Er zog nun seinen Kontrakt aus dem weiten Aermel hervor , den der Chinese bekanntlich als Tasche benutzt , und gab ihn hin . Der Beamte las , musterte die Person des vor ihm Stehenden und erklärte dann : » Auch das ist kein Beweis . Selbst wenn Ihr wirklich Offizier und wirklich Leutnant wäret , so könnte uns das gar nicht imponieren , denn ich schätze Euch schon über dreißig Jahre , und wer es bei uns hier in diesem Alter nicht weiter als nur bis zum Leutnant gebracht hat , der hat bescheiden zu sein , sehr bescheiden , sonst wird er einfach ausgelacht ! Und sodann ist dieser Kontrakt keineswegs eine Legitimation , weder in Beziehung auf Eure Person überhaupt noch in Beziehung auf Euern militärischen Charakter . Ihr habt Euch dem Verfasser desselben als Leutnant Dilke bezeichnet und diesen Namen dann unterschrieben ; für mich aber genügt das nicht . Ich fordere Euch auf , Euch besser auszuweisen ! Ihr habt gewalttätig gehandelt , habt mit Hülfe bewaffneter Leute ein Zelt errichtet , um den hier verbotenen Opiumhandel zu erzwingen ! Wißt Ihr , was das heißt ? « » Ich brauche keine Legitimation ! « behauptete Dilke , allerdings schon in viel weniger zuversichtlichem Tone . » Jedermann sieht mir an , daß ich Engländer bin ; Ihr aber seid Chinese ; Ihr habt mir nichts zu sagen ! « » Ich stehe hier an Stelle von Sir John Raffley , der Besitzer dieses Ortes ist , und bin in diesem Augenblicke also Engländer . Ich habe bereits zu viel Zeit mit Euch verschwendet und sage zum letzten Male : Eure Legimation ! « Da drehte sich der angebliche Offizier langsam und sichtlich widerwillig nach mir um , deutete auf mich und sagte : » Da sitzt sie , meine Legitimation . Dieser Mann kennt mich genau . Er weiß , daß ich erstens Engländer und zweitens Leutnant bin und drittens Dilke heiße ! « » Wie ? Ihr kennt Ihn ? « wendete sich der Beamte verwundert an mich . » Wollt Ihr ihn legitimieren ? « » Das kann ich nicht , « antwortete ich . » Ich sah ihn an einigen Orten , wo er sich Leutnant Dilke nennen ließ , doch ob er das auch wirklich sei , das wurde nie erwiesen . « » Wie war da sein Betragen ? « » Ich bin sein Richter nicht ! « » Das genügt ! Ich habe ihn also hier zu behalten , bis es ihm gelungen ist , glaubhafte Papiere vorzulegen . « » Da wäre ich also arretiert ? « fuhr Dilke auf . » Ja . « » Verfluchte Pest ! « und wie knirschend fügte er hinzu : » Und diese vermaledeiete gelbe Bande sollte ich seligmachen helfen ! Ich aber komme ihr nun von der andren Seite . Die Zeit ist da ! « Er zog eine Brieftasche hervor , öffnete sie , nahm ein sichtbar schon sehr oft gebrauchtes Papier heraus , warf es dem Pu-Schang hin und forderte ihn in zornigem Tone auf : » Da , habt Ihr , was Ihr wollt ! Aber nur schnell wieder her , damit ich fortkomme aus dieser Bude hier ! « Der Chinese las und sagte dabei , langsam und in überlegendem Tone : » Ein Paß - - - ein australischer - - - aus Melbourne ! Ausgestellt auf Robert Waller , genannt Dilke aus den Vereinigten Staaten von Amerika , Leutnant der freiwilligen Miliz der australischen Kolonie Victoria ! « - - - - - - Hierauf sah er lächelnd zu mir herüber und fuhr fort : » Ihr wolltet über sein Verhalten keine Auskunft geben , Sir ; aber was hier steht , das ist so deutlich , wie ich nur wünschen kann : Geborner Amerikaner , mit zwei verschiedenen Namen , dann Australier , sogenannter Offizier , von freiwillig zusammentretenden Leuten , plötzlich bei uns auftauchend , sich als Leutnant des britischen Heeres bezeichnend , aber dabei der bezahlte Mitschuldige eines anamitischen Giftmischers aus Binh-Dinh ! Dieser Wisch und die beiden Kontrakte bleiben hier , bis ich mir Seine Exzellenz , den Europäer einmal genauer angesehen habe . Das werde ich jetzt tun , augenblicklich ! « » Mein Schiff durchsuchen ? Das verbitte ich mir ! brauste der Kapitän auf , dessen Augen funkelten . « Und Dilke fuhr schnell herum zu mir und raunte mir zu : » Diese Blamage habt Ihr zu verhindern ! Ich habe erfahren , wer alles sich mit Euch hier befindet . Ich bin der Neffe des Missionars Waller , der Cousin Eures Abgottes , seiner Tochter Mary ! Verstanden , Sir ? « » Seid , wer Ihr wollt , « antwortete ich . » Wo habt Ihr Sejjid Omar , meinen Diener ? « » Den Araber , diesen Kerl ? « fragte er , sich verwundert stellend . » Was ist mit dem ? « » Ihr traft ihn oben am Berge und seid mit ihm umgekehrt . « » Davon weiß ich nichts ! Ist mir gar nicht eingefallen ! « » Leugnet nicht ! Wo habt Ihr ihn gelassen ? Ich kenne ihn und müßte ihn schon längst gesehen haben . Ihr habt es selbst verraten , daß Ihr mit ihm gesprochen habt . Denn wer alles sich mit mir hier befindet , das könnt Ihr nur von ihm erfahren haben . « » Wie pfiffig ! « höhnte er . » Um andre Leute für schlechte Kerls zu halten , braucht man eben nur selbst ein schlechter Kerl zu sein ! Wollt Ihr um Waller und seiner Tochter willen die Durchsuchung unsers Dampfers verhindern ? « » Nein , « antwortete ich . » So hole Euch der Teufel ! Denn paßt auf : Uebermorgen abend rechne ich mit Euch zusammen ! - - - Vorwärts ; schnell , hier hinaus ! « Er nahm seinen » Kapitän « bei der Hand und eilte mit ihm durch die offenstehende Verandatür davon . Ich schaute den Pu-Schang fragend an . Der aber lachte und sagte : » Laßt sie laufen , Sir ! Wenn ich sie haben will , bekomme ich sie auf alle Fälle ! Gehen wir langsam nach Seiner Exzellenz , dem Europäer , der uns höchst wahrscheinlich nicht nur sein Gift allein aufzwingen wollte . Er hat das Feuer ausgehen lassen und kann uns also nicht per Dampf entfliehen . « Wir verließen also das Bureau der » Gerechtigkeit « und gingen den Weg , den wir gekommen waren , so weit zurück , bis wir den Opiumdampfer wieder vor uns hatten . Die vier Polizisten standen noch an ihren Stellen , zwei bei dem Zelte und zwei an der Laufbrücke . Ihre Weisungen erstreckten sich nur darauf , keinen Opium verkaufen zu lassen ; was hiermit nicht in Verbindung stand , das kümmerte sie nichts . Darum hinderten sie es nicht , daß jetzt ein Boot zu Wasser gelassen wurde , und zwar von den bewaffneten Leuten , die vorhin bei dem Zelte gesessen hatten . Sie taten das mit großer Eile , grad eben , als wir kamen . Dilke und sein » Kapitän « saßen schon darin .