weder von mir noch von sonst Etwas . Man nennt das » Schlaf « . Das richtige Wort hierfür hat sich erst noch zu finden ! Dann war es , grad auch wie gestern , gegen Mittag , als ich wieder erwachte . Jetzt saß Schakara da . Sie sah mich an , nickte mir lächelnd zu und sagte : » Noch eine solche Nacht , Effendi , dann ist die Gefahr vollständig überstanden . « » Hast denn auch du dich ausgeruht ? « fragte ich . » Ich wollte nicht . Dschanneh wacht gern für dich . Ich saß schon hier . Da kam der Aschyk vom Glockenwege herüber . Er hatte Einiges für dich aufgeschrieben und wollte es dir in das Zimmer legen . Er bat so nachhaltig und so rührend , meine Stelle hier einnehmen zu dürfen , daß ich es ihm erlaubte . Bist du mir bös darüber ? « » O nein ! Ich wachte auf und sah ihn beten . Dann schlief ich sogleich wieder ein . « » Und ich kam gegen Morgen wieder , als er fort mußte . Da sagte er mir , daß er für dich gebetet habe . Es sei dann ein Gefühl des Glückes über ihn gekommen , wie fast noch nie in seinem ganzen Leben . « » Wo ist das , was er für mich aufgeschrieben hat ? « » Ich trug es dem Ustad hinunter , weil du mit solchen Dingen jetzt noch nicht behelligt werden sollst . Horch ! Was ist das für ein Rufen im Hofe ? Es kommt Jemand , den man begrüßt . « Sie stand auf und schaute hinab . » Kara Ben Halef ! « fuhr sie fort . » Aber der Reitknecht des Mirza ist nicht bei ihm , sondern ein Anderer . Man sieht ihm an , daß er kein Diener , sondern ein Herr ist , und zwar ein vornehmer . Kara ist stehend abgesprungen ; das andere Hedschin aber muß sich legen , damit der Fremde bequem herunter kann . Jetzt kommt der Ustad . Er staunt , doch ist sein Erstaunen ein freudiges . Sie kennen einander . Ihre Begrüßung ist eine herzliche . Jetzt schaut der Ustad herauf . Er sieht mich . Er winkt , daß ich kommen soll . Ich muß also fort , Effendi , werde dir aber bald berichten . « Sie ging . Es dauerte über eine Stunde , ehe sie wiederkam . Sie hatte dem neuen Gaste die im Wartturme unter Dschafars Wohnung liegenden Gemächer herrichten müssen . Nun sagte sie : » Es ist ein Hauptmann der kaiserlichen Leibwache . Er besitzt das Vertrauen des Schah-in-Schah und wurde von ihm gesandt , um sich unter den Befehl des Ustad zu stellen . Es kommen hundert Mann der Leibgarde nach , lauter auserlesene Krieger , die hoch im Range stehen . Der Reitknecht des Mirza wird ihr Führer sein , weil er den Weg nun kennt . Kara ist sehr gut aufgenommen und auch mit einem Ehrenkleide beschenkt worden . Er hat ein eigenhändiges Schreiben an den Ustad mitgebracht und der Hauptmann ein ebensolches an Dschafar Mirza . Den Inhalt wird dir der Ustad selbst mitteilen . Jetzt speisen sie . Dann wird ein weiter Außenritt rund um das Tal gemacht , denn der Hauptmann will hinter den Bergen rekognoszieren , weil dies jetzt noch unbemerkt geschehen kann . Die Gegner sollen nämlich erst im letzten Augenblick erfahren , wer er ist und wozu er sich bei uns befindet . Der Ustad wird jetzt nicht zu dir kommen . Ich habe ihm Bericht über dein Befinden erstattet und soll dir sagen , daß du dich als genesen betrachten darfst . Doch hat er Gründe , zu wünschen , daß du noch für krank gehalten wirst . Er läßt dich also bitten , dich den Leuten so wenig wie möglich zu zeigen , bis er dich hier aufsucht und dir Alles sagt . Er gab mir eine große , starke Papierrolle mit , die ich dir herein auf den Tisch gelegt habe . Es sei , um dich zu beschäftigen , meinte er . « Jawohl , es war eine Beschäftigung , und zwar was für eine ! Als Schakara wieder gegangen und ich aufgestanden war , öffnete ich die Rolle , welche aus mehreren größeren und kleineren Blättern bestand . Das erste große Blatt war eine Federzeichnung , welche die jetzige westliche Seite des Sees darstellte , von der Mitte desselben aus gesehen . Unten der Duar , links der Weg nach dem Tale des Sackes und rechts der Pfad nach den Gebieten der Takikurden und der nördlichen Dschamikun . In der Mitte , am Berge aufsteigend , die Ruinen , trotzig , düster , verschwiegen , ohne eine Spur innern oder äußern Lebens . Südlich von ihnen das Haus des Ustad , auf hoher Gigantenmauer , den Stürmen ausgesetzt . Von ihm ausgehend der Glockenpfad hinauf zum Alabasterzelt . Indem ich dieses Blatt betrachtete , kam mir der Gedanke , es zeige viel zu viel und dennoch fehle Alles ! Ich griff also zum zweiten . Was sah ich da ? Nicht mehr die massige Materie , sondern an ihrer Stelle das Geistige , das Seelische . Die Veränderung erstreckte sich nur auf die Ruinen , und doch hatte sie alles Fehlende gebracht . Die Hand des Menschen hatte dem Gestein eine andere Gestalt und mit ihr ein neues Leben gegeben . Da , wo jetzt der Landeplatz lag , führten hier sehr breite Stufen durch die geöffnete Mauer nach dem freien Platze , der durch den Wegfall der Etagen entstanden war . Rosen , viele Rosen , nichts als Rosen blühten hier , grad wie drüben vor dem Beit-y-Chodeh . Alle Wege , die es zwischen ihnen gab , führten nach einer gradezu imposanten , prächtigen Säulenhalle , zu deren Bau die sämtlichen Kolossalquader der Ruinen verwendet worden waren . Ich dachte an Baalbek , an den Kailasa von Ellora , an die aztekischen Teocalli ; aber alle diese berühmten Bauten schienen von dieser einen Halle in den Schatten gestellt zu sein . Ihr Hintergrund bildete eine hohe , runde , dunkle Nische mit einem Riesenpostamente , welches jedenfalls bestimmt war , eine entsprechend große Figur zu tragen . Die Halle trug kein eigentliches Dach , sondern , ähnlich wie die schwebenden Gärten der Semiramis , eine zweite , umfangreiche Blumenanlage , aus welcher zu meinem frohen Erstaunen ganz genau jenes kleine Dorfkirchlein emporstieg , dessen Bild in meiner Schlafstube hing , darunter die kindlich einfachen Worte : » Kirchlein mein , Kirchlein klein , Könnt so fromm wie du ich sein ! Deine Höhe zu erreichen , Will ich dir an Demut gleichen . Kirchlein mein , Kirchlein klein , So wie du will stets ich sein ! « Man sollte denken , daß diese kirchliche Bescheidenheit sich auf so gigantischer Unterlage gradezu lächerlich habe ausnehmen müssen ; das war aber keineswegs der Fall . Es schien mir vielmehr ganz im Gegenteile , als ob es gar nicht anders sein könne . Ein von Gottes Felsen getragenes Menschenwerk wird nur dann lächerlich , wenn es sich mit dem Anscheine brüstet , auch aus Gottes Felsen zu bestehen ! Das war die Mitte des Berges , von dessen Höhe , genau über der Spitze des Kirchturmes , das Alabasterzelt herniederschaute . Auf den beiden Flanken lagen in fruchttragenden Gärten zwei villenähnliche , freundlich blickende Häuser . Unter dem einen war das Wort » Pfarrhaus « , unter dem andern aber » Schulhaus « zu lesen . Die übrigen Blätter enthielten die architektonischen Risse und Zeichnungen zu diesen drei Gebäuden . Sie interessierten mich dermaßen , daß ich mich sofort hinsetzte und sie zu studieren begann . Zu einer so klaren , liebevollen Beantwortung alter , düsterer Ruinenfragen kann man doch wohl keinen Augenblick lang gleichgültig sein ! Ich ließ mich darum nur kurze Zeit durch das Essen stören und saß noch gegen Abend rechnend , messend und kalkulierend da , als der Pedehr kam , um , wie er sagte , mir etwas Wichtiges mitzuteilen . Es war nämlich ein Bote dagewesen , welcher gemeldet hatte , daß der Scheik ul Islam und Ahriman Mirza gemeinschaftlich und in höchster Eintracht mit einander den hochverdienten Ghulam el Multasim zum Ustad der Taki-Kurden ernannt hätten . Man gebe uns das zu wissen , weil er beim Rennen auch erscheinen werde und dieser seiner Würde entsprechend von uns zu empfangen und zu behandeln sei . Unser Ustad war von seinem Ritte noch nicht heimgekehrt , und so hatte der Pedehr es für geboten erachtet , diese Neuigkeit herauf zu mir zu bringen . Ich sagte ihm : » Das hat nicht die geringste Wichtigkeit für uns . Man mag diesen Henker zum Kaiser von China oder gar zum Dalai Lama ernennen , so ist es uns doch im höchsten Grade gleichgültig . Er kann dem Schicksale , welches er sich selbst bereitet hat , durch keine Spiegelfechterei entgehen . Er griff zum Messer , um mich zu vernichten . Womit man sündigt , damit wird man bestraft . Wir haben es noch hier , unten in der Rumpelkammer . Warten wir ruhig ab , was geschieht ! « Da ging er wieder . Hätte mich Jemand gefragt , warum ich ihn grad mit diesem Bescheide gehen ließ , so wäre es mir wohl nicht gelungen , eine zufriedenstellende Erklärung abzugeben . Es soll vorkommen , daß der Mensch grad dann am klarsten spricht , wenn er sich selbst ein Rätsel ist ! Bald darauf sah ich , daß der Ustad mit dem Hauptmann heimkehrte . Er ließ sich nach dem Abendessen für kurze Zeit bei mir sehen . Wir sprachen nur über den geplanten Kirchenbau ; alles Andere wurde vermieden . Doch bevor er ging , sah er mir lächelnd in das Gesicht und sagte : » Ich belästige dich nicht mit Dingen , die ich verpflichtet bin , auf mich selbst zu nehmen . Du sollst nicht Arbeiter sein bei mir , sondern mein lieber , hochwillkommener Gast , den ich nur dann mit der Bitte um Hilfe belästige , wenn ich sie nötig habe . Die geistige Gastfreundschaft hat genau dieselben Rücksichten zu nehmen wie die materielle . Ich weiß , daß du verstehst , was ich meine , und bin deiner Approbation gewiß ! « Da reichte ich ihm die Hand und antwortete : » Du denkst da ebenso tief wie richtig . Du frugst mich früher einmal , wer ich eigentlich sei ; jetzt höre ich , daß du es weißt . Wollte man doch endlich einmal begreifen , daß der soi-disant Menschengeist kein Spezialblock ist , an dem die sogenannte Erziehung herummeißeln kann , wie es ihr beliebt ! Wir sind mit einander verbunden und dennoch nicht nur Einer . Sobald du mich brauchst , bin ich du ! « Er sah mich an , sann einige Augenblicke nach , nickte dann und sprach : » Sehr richtig ! Du treibst doch immer und immer Psychologie ! Bisher war ich mir ein Rätsel . Kamst du , um mich zu lösen ? « » Ein Jeder löse sich selbst ! Er hat ja Augen und Ohren und um sich herum eine ganze , ganze Welt , die ihn über sich selbst belehren soll und kann ! Jetzt , gute Nacht , mein Freund . Du hast außer mir noch andere Gäste , deren Hände gestalten helfen , was zu gestalten ist . Hoffentlich sind es nur gute ! « » Sie sind es . Mit den bösen rechnen wir in den nächsten Tagen ab . Du hörst , ich psychologiere nun auch ! « Soll ich nun wieder erzählen , daß und wie ich geschlafen habe ? Es ist eigentlich eine Schande , von Tag zu Tag sagen zu müssen , daß man erst gegen Mittag aufgewacht sei ; aber ich muß dieses Geständnis schon wieder machen , wünsche aber , zum letzten Male . Jedenfalls war mir dieses ausgiebige Schlafen sehr nötig gewesen ; der Erfolg bewies es mir . Nun aber war es genug ! Ich ging hinab , ohne erst um Erlaubnis zu fragen . Zu wem ? Natürlich zunächst zu Syrr , nach welchem ich mich förmlich sehnte . Wer aber kam da eiligen Schrittes gelaufen ? Der Ustad ! » Willst du gleich wieder hinauf ! « lachte er . » Schau dir die Welt von oben an ! Unten darf man ja noch gar nicht wissen , wie gesund und energisch du bist ! « » Ja , richtig ; daran hatte ich gar nicht gedacht ! Aber arretiere mich nicht sofort , sondern erlaube mir , Syrr vorher einige Aepfel zu holen ! « » Das werde ich tun , und zwar bringe ich seine Lieblingssorte . Schakara hat sie mir verraten . « Während er nach dem Garten ging , war es gradezu rührend für mich , zu sehen , wie der Glanzrappe sich darüber freute , daß ich wieder einmal bei ihm war . Er gab mir das nicht etwa in drolliger Weise zu erkennen , sondern so still , so ruhig , fast möchte ich sagen , so innig oder so herzlich , als ob es eine menschliche Anmaßung sei , daß Tiere absolut keine Seele haben sollen . Man pflegt ihnen höchstens sogenannte » psychische Funktionen « zu gestatten . Nun wohlan , die psychischen Funktionen meines Syrr waren ehrlich , aufrichtig und ohne eine Spur von Falschheit oder Verstellung . Hoffentlich ist das bei den Menschenseelen in entsprechend höherem Grade ebenso der Fall ! Als er wiederkam , reichte er Syrr einen der Aepfel hin . Das Pferd roch die Frucht gar nicht einmal an . Es legte die Ohren nach hinten und wich einige Schritte zurück . Der Ustad tat einen zweiten Apfel zu dem ersten und folgte nach . Syrr ging abermals rückwärts , und der Ustad avancierte wieder , ihm die Aepfel hinhaltend . Da drehte sich der Rappe um und hob den hintern Fuß , zum Zeichen , daß er sich nun wehren werde . » Was ? Schlagen will er mich ! « verwunderte sich der Ustad . » Er ist also wirklich edler als Assil , der keinen Unterschied macht zwischen mir und dir ! « » Ja . Der höchste Adel zeigt sich eben darin , daß er distinguiert , nicht aber in den Fransen und Quasten , mit denen der Herr ihm Zaum und Sattel behängt . Teilen wir die Früchte zwischen beide Pferde ! « Wir taten es . Der Ustad gab Assil die eine Hälfte ; die andere bekam Syrr von mir . Er nahm sie jetzt ohne Weigern , und ich liebkoste ihn dafür . Indem wir dann fortgingen , sagte der Ustad : » So ; nun gehst du wieder hinauf , doch nicht , ohne daß ich dich für deine Folgsamkeit belohnen werde . Du sollst dich am Tage so wenig wie möglich zeigen ; aber heut Abend reiten wir im Dunkel mit Kara zusammen nach dem Dschebel Adawa , um zu versuchen , Etwas über die dortige Zusammenkunft zu erfahren . Ist dir das recht ? « » Sogar sehr , falls du glaubst , daß ich nicht zu schwach zu diesem Ritte bin . « » Zu schwach ? « fragte er lächelnd . » Nach einer so ausgiebigen Schlafmützigkeit ? Uebrigens wird es interessant , auch wenn wir nichts Neues sehen und hören . Du reitest den Syrr , ich den Assil und Kara den Barkh . Das gibt heimwärts ein Vorrennen , welches uns zeigen wird , wie weit wir in unsern Berechnungen gehen dürfen . « Ich war mit dem geplanten , abendlichen Ritte natürlich sehr gern einverstanden . Man wird sich erinnern , daß der Fürst der Schatten seine Päderan für heut um Mitternacht nach dem Dschebel Adawa , dem » Berge der Feindschaft « , bestellt hatte , um ihnen seine letzten Weisungen zu erteilen . Zwar kannten wir die Stelle nicht , an welcher diese Unterredung stattfinden sollte , doch bot uns der alte Hollunderbaum , in dem Kara die Agraffe gefunden hatte , einen Halt , den wir benutzen konnten . Als ich das dem Ustad jetzt sagte , antwortete er : » Das ist ganz derselbe Gedanke , den auch ich verfolgen will . Ahriman Mirza wird kommen , um seine Agraffe abzuholen . Wenn wir uns vorher dort verstecken und ihm dann heimlich nachschleichen , wird er unser Führer sein , ohne es zu ahnen . « » Aber die Gefahr , in welche wir uns begeben ? « » Gefahr ? Wie drollig dieses Wort klingt , wenn man es aus deinem Munde hört ! Wo du nicht ängstlich bist , kann ich es doch ebensowenig sein . Uebrigens bewaffnen wir uns gut und legen andere Kleider an . « » Welche ? « » Die Anzüge vom Schah . Ich habe ja auch einen . Du sagtest , Ahriman Mirza sei genau so gekleidet gewesen . Er wird es wahrscheinlich wieder sein . Ich glaube zwar nicht , daß man uns sehen wird . Aber sollte es doch geschehen , so wird man vermuten , daß wir zu der persischen Begleitung gehören , die mit ihm bei den Taki angekommen ist . Es ist dann sogar möglich , daß man glaubt , er selbst habe - - - Ah , « unterbrach er sich da , » vielleicht ein guter Gedanke : Ich nehme seine Reitpeitsche mit , in welcher die schwarze Larve steckt ! Kommt dann noch die Agraffe dazu , so kann man jede Gefahr in ihr gerades Gegenteil verwandeln , indem man sich für den Aemir-y-Sillan ausgibt . Meinst du nicht auch ? « » Welch eine Idee ! Woher mag sie dir gekommen sein ? Derartige Gedanken sind niemals Sondergeburten irgend eines menschlichen Gehirnes , sondern sie stammen aus einem verborgenen Zusammenhange , in welchem ihre Resultate vorherberechnet werden und dann einzufügen sind . Tue es , mein Freund , tue es ! Ich bin überzeugt , daß du damit einer Absicht folgst , die weiter schaut als wir . « Er ging , und ich stieg zu mir hinauf . Wie kam es doch nur , daß ich nun während des Tages so oft an diese unsere Verkleidung denken mußte ? Ich legte sie an und wieder ab - - - um sie zu probieren , redete ich mir ein . Der Mensch sieht eben nicht weiter , als er kann ! Als Schakara mir das Abendessen brachte , lächelte sie mich verständnisvoll an . Ich hatte mich nämlich schon umgezogen , und sie kannte den Grund , der ihr vom Ustad mitgeteilt worden war . » Sobald du gegessen hast , wird er kommen , um dich abzuholen , « sagte sie . » Die Pferde werden von Kara heimlich gesattelt . « » Mein Syrr aber nicht , « fiel ich ein . » Sage ihm das ! Ich tue es selbst . Bereithalten mag er das Zeug ; angelegt wird es nur von mir . « Ich hatte meine geladenen Revolver bereitgelegt . Als der Ustad kam , steckte ich sie zu mir . Er war der Verabredung nach gekleidet und hatte den langen Bart unter den Anzug geknöpft und das Haupthaar unter die Lammfellmütze emporgekämmt , so daß beides nicht zu sehen war . Die Reitpeitsche des Mirza steckte im Gürtel . Eben wollten wir gehen , da erschien der Aschyk unter der Tür . Er erschrak , als er uns stehen sah , denn er hielt uns im ersten Augenblicke für wirkliche Perser . Als er uns aber erkannte , rief er aus : » Allah sei Dank ! Fast glaubte ich , Ahriman Mirza sei mit hier ! Warum tragt ihr diese Kleidung , Effendi ? « » Um nicht erkannt zu werden , falls man uns ja sehen sollte , « antwortete ich . » Wir wollen nach dem Dschebel Adawa hinüber . « » Und ich komme geraden Weges von dorther ! Ich bringe zwei wichtige Neuigkeiten , eine schriftliche und eine mündliche . Der Scheik ul Islam glaubt , ich sei hier Euer Gast und komme nur zu ihm , um Euch zu verraten . Ich besitze darum sein Vertrauen und habe Euch aufgezeichnet , was ich heut von ihm erfuhr . Es sind die Orte , an denen losgeschlagen werden soll , sobald der Streich gegen Euch gelungen ist . Auch die Namen der Anführer stehen dabei , lauter fromme , hochangesehene Männer . « Er reichte auf meinen Wink das Verzeichnis dem Ustad hin und fuhr dann fort : » Die andere Nachricht wird Euch wahrscheinlich noch mehr erfreuen . Ist Euch ein junger Taki-Kurde bekannt , welcher Ibn el Idrak92 heißt ? « » Sehr gut sogar , « antwortete der Ustad . » Du nennst ihn jung ; er sitzt aber schon seit Jahren in der Dschemma . Sein Vater , der reichste Mann des Stammes , ließ ihn in Teheran studieren und dann weite Reisen machen . Er ist unterrichtet , klug und ehrlich . Man sagt , daß er ein heimlicher Gegner des Scheik ul Islam sei und unter den Taki einen nicht unbedeutenden Anhang besitze . Er war schon einigemale hier , mein Gast , und ich meine , daß wir beide Wohlgefallen an einander gefunden haben . « » Hältst du ihn einer Hinterlift für fähig ? « » Nein , auf keinen Fall . « » So kann ich dir sagen daß er eine Unterredung mit dir wünscht . « » Wann ? « » Heut . « » Wo ? Hier bei mir ? « » Nein . Dazu hat er keine Zeit , wegen der wichtigen Sitzungen , welche die Dschemma jetzt fortwährend hat , sogar heut nach Mitternacht . Auch soll diese Unterredung eine heimliche sein . Er läßt dich bitten , zwei Stunden nach Mitternacht an den Bach des Dschebel Adawa zu kommen , du allein und er allein . Von der Quelle an zählst du die fünfte große Windung des Wassers . Dort steht ein einzelner hoher Baum , unter dem er dich erwarten wird . « » Sonderbar ! Wie kommst du zu diesem Manne ? Wäre es ein Anderer , so würde ich einen Hinterhalt befürchten , obgleich ich nicht wüßte , wozu ihm das nützen sollte ! « » Ich kann dir nicht zürnen , wenn du an mir zweifelst . Aber ich darf dir auch nicht antworten , denn ich habe Ibn el Idrak Verschwiegenheit geloben müssen , um Euch nützen zu können . Behalte mich hier , und gib Befehl , daß ich erschossen werde , wenn dir Etwas geschieht ! « » Daß ich ein Tor wäre ! Ich glaube dir und ihm und werde also kommen . « » Ich danke dir ! Auch dein jetziger Anzug paßt . Es gibt jetzt am Dschebel Adawa mehr Leben und Verkehr als sonst . Man könnte dich sehen und erkennen . Darum sollte ich dich bitten , nicht deine gewöhnliche Kleidung anzulegen . Ich kam auf einem seiner Pferde herüber . Darf ich wieder zurück , um ihm Nachricht zu bringen ? « » Ja . Sag ihm , daß ich kommen werde , zwei Stunden nach Mitternacht , an die betreffende Stelle . Bin ich verhindert , pünktlich zu sein , so soll er dennoch warten . Ich bleibe nicht aus . « Hierauf entfernte sich der Aschyk . Auf meinem Tische lag der Chandschar , den ich von Dschafar geschenkt bekommen hatte . Der Ustad sah ihn und fragte : » Nimmst du den Dolch nicht mit ? « » Nein , « antwortete ich . » Ich wollte , halte es aber nun doch nicht für nötig . « » So erlaube ihn mir ! Ich kann vielleicht in eine Lage kommen , in welcher eine still wirkende Klinge besser ist als ein laut krachender Schuß . Geh jetzt immer hinab . Ich will erst das Verzeichnis vom Aschyk zu mir tragen , um es einzuschließen . Dann komme ich nach . « Er schob den Chandschar in den Gürtel und ging hinaus . Ich aber steckte fürsorglich einige Lichter zu mir , obgleich ich keinen Grund hatte , sie für nötig zu halten , und stieg dann den Glockenweg zum Weideplatze hinunter , wo ich Kara , persisch gekleidet , bei den Pferden fand . Assil und Bark waren schon gesattelt , Syrr noch nicht . Ich tat es selbst . Sonderbar ! Als ich ihm das Mundstück einschieben wollte , weigerte er sich , seine Zähne zu öffnen . Ich bat ihn ; er tat es trotzdem nicht ; ihn aber zu zwingen , fiel mir gar nicht ein . Der Ustad kam grad dazu , als ich Kara beauftragte , den einfachen Halfter zu holen . » Blos mit Halfter willst du ihn reiten ? « fragte er . » Des Nachts ? Dort hinüber , wo vielleicht sehr viel davon abhängig ist , daß wir unserer Pferde vollständig sicher sind ? « » Laß Syrr seinen Willen ! « antwortete ich . » Ich habe nur nötig , ihn zu dem meinigen zu machen , dann kann uns nichts geschehen . Ein Reiter , der sich weniger auf das Pferd als vielmehr auf die Zäumung verläßt , bringt schließlich auch trotz dieser letzteren nichts fertig . Ein edles Pferd , welches Grund hat , den eisernen Zwang zu fürchten , kann seinen Herrn unmöglich liebgewonnen haben . « » Fast hättest du gesagt - - kann ihn nicht achten ! « lächelte der Ustad . » Natürlich denkst du hierbei neben dem Pferde an noch etwas ganz Anderes . Ich kenne dich ! « Syrr bekam also nur den Halfter ; dann ritten wir fort , über die Ruinen , an den Steinbrüchen hinunter und dann nach links , wo es hinauf zur jenseitigen Ebene ging , welche der Dschebel Adawa hoch überragte . Der Ustad war schon so oft dort gewesen , daß wir uns auf seine Terrainkenntnis vollständig verlassen konnten . Er schlug kluger Weise nicht die gerade Richtung ein . Wir ritten erst nach Norden und bogen dann in einem rechten Winkel nach Westen . Falls wir nun ja gesehen wurden , hatte es nicht den Anschein , als ob wir von den Dschamikun herüberkämen . Und das war gut . Denn wir hatten noch kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt , so bemerkten wir auf der mondbeschienenen Fläche vor uns einen Reiter , welcher zwar stutzte , als er uns erblickte , aber doch nicht aus seiner bisherigen Richtung wich . Er mußte uns begegnen . Wir taten natürlich , als ob auch wir ihn nicht zu scheuen hätten , und hielten still , als er uns erreichte und grüßte . » Wo kommst du her ? « fragte der Ustad . » Von daher , wo Ihr hinreitet , « antwortete er . » Man sieht Euch doch gleich an , daß Ihr zu Ahriman Mirza gehört . Bringt Ihr gute Nachrichten aus Isphahan ? « » Vortreffliche . Man braucht dort nur noch die Zeit zu erfahren , so fährt der Säbel aus der Scheide . « » Das klingt gut ! Und die Zeit ist mir bekannt . Ich habe sie soeben von dem Mirza gehört und den Massaban von Feraghan entgegenzutragen , welche schon auf dem Wege sind . Wißt Ihr vom Rennen bei den Dschamikun ? « » Wir wissen Alles . Das Fest beginnt am Sonntag . Das Vorrennen findet am Montag statt , und das Hauptrennen wird am Dienstag sein . « » Das stimmt . Nun aber komme ich mit meiner wichtigen Kunde : Nämlich die Umschließung der Dschamikun findet am nächsten Tage , also Mittwoch , statt . Sie muß am Donnerstag früh vollendet sein . Sobald der Tag graut , schlagen wir von allen Seiten auf sie los . Diese Nachricht habe ich den Massaban zu bringen , und zwar eilig . Darum verzeiht , daß ich nicht länger halten kann ! « Er ritt weiter ; wir ebenso . Keiner von uns bezweifelte , daß wir diese hochwichtige Nachricht nur unsern persischen Anzügen zu verdanken hatten . Nun kam es darauf an , den Gefahren des Gesehenwerdens für uns vorzubeugen . Die Helligkeit erlaubte es nicht , uns etwaigen Beobachtungen vom Dschebel Adawa aus zu entziehen . Unser einziger Schutz bestand in der Vortäuschung , daß wir vom Lager der Takikurden nach dem Berge kämen . Daher umritten wir ihn in einem weiten Bogen , bis wir an seine westliche Seite gelangten , wo auch das Wasser floß , an dem sich Ibn el Idrak einstellen wollte . Dieser Bach war weit hinaus mit Buschwerk besetzt und bot uns also die beste Gelegenheit , uns unter guter Deckung anzunähern . Das glückte uns aufs Beste . Wir folgten den Windungen des Wassers und kamen also auch an diejenige , wo die Unterredung mit Ibn el Idrak stattfinden sollte . Es stimmte , daß ein einzelner , hoher Baum da stand . Nun brauchte der Ustad diesen Ort nicht später erst zu suchen . Jetzt handelte es sich zunächst um eine verborgene Stelle für unsere Pferde , bei denen ich zu bleiben hatte , weil Kara mit hinauf mußte , um dem Ustad den hohlen Hollunderbaum zu zeigen . Sie sollte sich bald finden . Als wir eine Strecke längs der Südseite des Berges geritten waren , schnitt eine schmale Schlucht tief in die Felsenmassen ein . Sie war nicht offen , sondern durch eine hohe , starke , uralte Mauer abgesperrt , deren obere Kante höchst unregelmäßig verlief , weil die Werkstücke von dort herabgestürzt waren und nun unten