ich mache auch gern ein Geschäft , Caesar auch ; folglich - CÄSAR . Machen wir ein Geschäft ! CRASSUS . Betrachten wir Euer Capital . Sicher angelegt , he ? Consulat fest in der Tasche ? CÄSAR . Römisch : Ihr wollt den Staat ruiniren und wir sollen Euch helfen ? ANTONIUS . Welche Idee ! Den Staat ? Das heißt - CÄSAR . Sagen wir , den Adel . Als Vertreter des Volks habe ich nichts dawider - ich hasse ihn . ANTONIUS . Und hast 100 Ahnen ? CÄSAR . Ich glaube , Du hast 101 ! Das ist alles Nebensache Was - nützt - es - uns ? CRASSUS . Ihr bildet da eine Gesellschaft und wir legen unser Capital hinein . Aber Garantie , guter Mann ! CÄSAR . Mein theurer Freund , ich bin ein Opfer schnöder Verhältnisse , die heilige Sache der Freiheit hat mir das Herz gebrochen : Wisse , meine Schulden sind unerschöpfliche Danaidenfässer . CRASSUS . Erlaube mal , mein Sohn , mein Capital geht vor - Ich verlange ein Weltmonopol ! Geläufig . Für Eisenwaaren , Kleiderstoffe , Thonproducte , Straßengründung , Straßenbewässerung , Feldberieselung , Tempelbauten - Gehn in den Hintergrund . CATILINA allein und vermummt , tritt auf und blickt an eine Säule gelehnt in den Festsaal . Wie hell hier oben ! - Goldne Ampeln wiegen Duftspendend sich und leuchtend am Getäfel , Den klaren Marmor der geschmückten Halle Mit einem Strahlenteppich überstreuend . Gold , Silber , Erz , Purpur und Elfenbein , Sie lösen sich in einem Meer des Glanzes . Und unten dunkel alles ! - Seht dorthin , Der einsam matten Fackeln Glimmen seht , Roth flackernd durch die sternenlose Nacht ! Hört ihr das Hämmern ? Seht der Esse Gluth ! Dort brütet der Titanen Stamm , gestürzt Zur Tiefe durch die himmlischen Despoten , Und schmiedet seine Waffen wider sie , Aufschauend unter düstrer Brauen Grimm Zum blitzestolzen sonnigen Olymp . Olymp ! Vornehmer Laffen , wohlgesitteter Schurken und Narren , worteklaubender Volkspeiniger Tyrannenthrone ihr , Zwergengeschlecht der angemaßten Götter - Wie diese Ampel ich herniederreiße Und in den Grund umstoße ihre Flamme , Am Estrich sie zerschmetternd - also wird Der noch gefesselten Titanen Faust Herniederkommen über eure Giebel . Auch ich bin ja ein Gott , ja , ein gefallener ! Ein Promethide , der den Feuerstrahl , In niedere Hütten trug . Ich kostete Von dem Ambrosia eurer feinen Tücke . In eurer Himmel gleißnerischem Licht Bin ich geboren ! Bin verstoßen draus , Viel mehr hab ' selber mich daraus verbannt , Durch die berechnende Vernünftigkeit , Die götterhohe Selbstgerechtigkeit , Die Makellosigkeit von euresgleichen ! Schaut mir ins Antlitz ! Wie des Meeres Fluth Durch immer neuer Wogen Schwall den Strand Nicht wegspült , sondern härtet seine Fläche - Ward hart mein Herz durch Haß , Verrath und Trug , Die es bestürmten , und durch Selbstverachtung . Wie der Simum , der durch die Wüste fährt , Unwiderstehlich jede Flur versengt , Nur kahle Oede duldend , - also brennt Ein einziger Gedanke mir im Hirn Verdorrend jed ' Gefühl , das außer ihm : Der Rache , der Vergeltung Qualgedanke ! Hört ihr den wirren Sang vom Tiber dort ? Der Freiheit geller Sang ist ' s ! Der Titanen Dumpfes Gebrüll , das aus dem Aetna tönt Und der Entladung Flammenschreckniß kündet . Ketten , zerreißt ! Lastende Berge , berstet ! Des Göttersaales stolze Decke bricht , Begrabend mit sich allen Sonnenflitter . - Schlaft wohl , ihr Götter ! Doch man wird euch wecken . Atrium im Hause Cäsars . Cäsar geht sinnend auf und ab . Pompeia liest eine Briefrolle . CÄSAR für sich . Pompeius , Crassus , Catilina - Felsblöcke gegen den Strom meiner Laufbahn . Die Zeit bröckelt an ihnen . Suchen wir sie wider einander zu rollen , auf daß sie sich selbst zerschmettern . Crassus - gefügiger Lehm , Thon für meine Gebilde . Pompeius - dürr und zäh wie verkalkter Sand . Nur ein eiserner Spaten kann ihn lockern . Laut . Pompeia ! POMPEIA . Mein Gemahl ? CÄSAR . Was schreibt Dein Vater ? POMPEIA . Er rüstet zur Heimkehr . CÄSAR für sich . An der Spitze der siegreichen Legionen aus dem ersiegten Asien weg - Rom wird sein . Schnappt dieser Strohmann mir die Welt vor der Nase weg ? Laut . Höre , theure Pompeia , Dein hochverehrter Erzeuger wird hoffentlich durch keinerlei übertriebene Gerüchte aus Deiner Feder über die Lage der Hauptstadt beunruhigt ? Du wirst ihn von der Ruhe und Eintracht aller Parteien unterrichten . Die catilinarische Verbindung ist ganz unerheblich , trotz ihres etwas freien Benehmens . Du hast mich verstanden ? POMPEIA . Wie Du befiehlst , mein Gemahl . CÄSAR für sich . Catilina , der Dritte im Triumvirat der Kräfte - ein Granit , ein starrer Granit . Soll ich ihn stützen ? Laut . Pompeia ! POMPEIA . Mein Gemahl ? CÄSAR . Tullia ist Deine Freundin , Cicero ist ihr Mann , sie hat eine geschwätzige Zunge . Du hast mich verstanden . POMPEIA . Wie Du befiehlst . CÄSAR für sich . Wo sind meine Adler , meine Schwerter ? Wo catilinarische Dolche in meinem Sold ? Führer der Demokratie - ein schönes Wort ! Mein gemäßigter Pöbel ist nur eine Null ohne Ziffer . Volk ! DIENER meldet . Die erlauchte Fulvia ! FULVIA tritt ein . Ich grüße Dich , Cäsar . POMPEIA . Ich entferne mich , mein Gemahl . Der Tochter des Pompeius ziemt es nicht - - jetzt hast wohl Du mich verstanden . Sie rauscht an Fulvia ohne Gruß vorüber . FULVIA gelassen . Die arme Frau steht noch nicht auf der Höhe des Zeitalters . CÄSAR . Sie ist ein überwundener Standpunkt . FULVIA . Haha , wenigstens scheinst Du sie überwunden zu haben . Nun , mein Cajus , die neueste Mode - doch was sag ich da ! Politik ist ja jetzt das Stichwort . Eine schutzlose Frau wie ich weiß heute nicht aus noch ein , wie ein irrendes Lamm in der Wüste , Naiv . Wie denkst denn Du eigentlich über diesen Catilina ? CÄSAR . O ein ungewöhnlicher Mann ! FULVIA . Nicht wahr ? Ganz meine Meinung . Ich schwärme beinah für ihn . CÄSAR kalt . Ich nicht . FULVIA . Ach , ich dachte doch ? Ich finde manche seiner Pläne - CÄSAR . Nicht zu billigen , ganz recht . FULVIA . Ei ? Ja , ich werde ihm doch wohl meine Stimme geben . CÄSAR lacht . Deine Stimme ? FULVIA . Spötter ! Ich meine natürlich die Stimme meiner Freunde . CÄSAR . Paß auf , wenn der Sergier siegt , bekommen die Weiber das allgemeine Stimmrecht . FULVIA . Ich sag ' s ja ! Catilina ist unser Mann und ich werde nun grade meine Freunde für ihn stimmen . CÄSAR . Aber nicht Deinen besten Freund . Küßt sie auf den Arm . Ach , wie traurig ! So stehn wir uns feindlich gegenüber , zum ersten Mal . FULVIA . Flattergeist ! Ich bin ja noch nicht entschieden . Lauernd . Darum wollte ich mir eben Raths erholen . CÄSAR kalt . Bei Deinem Freunde Cicero ? FULVIA verwirrt . Wie , Cicero mein Freund ? Welch ein Gedanke ! Ich - ich nehme ab und zu bei ihm Stunden in der Rhetorik . Das ist jetzt Mode . Wenn man sich zur Aspasia bilden will - - Nein , Deinen Rath möchte ich erbitten als Deine beste Freundin . CÄSAR kalt . Den behalte ich stets nur für meinen besten Freund : mich selbst . DIENER meldet . Der hochwohlgeborene Portius Cato und der ehrenwerthe Tullius Cicero wünschen den erlauchten Julius Cäsar zu begrüßen . FULVIA hastig . Wieder die leidige Politik - ich irrendes Lamm - viel Vergnügen , Cäsar ! Besuch mich bald ! Rasch ab . CÄSAR für sich . Die gute Frau fängt an , mir verdächtig zu werden . Sie wollte mich ausholen - cui bono ? Cicero und Cato treten auf . Welche Ehre ! PORTIUS räuspert sich . Hm ! CICERO räuspert nach . Hm ! CÄSAR ebenso . Hm ! - Ist das Vaterland mal wieder in Gefahr ? CICERO . Es ist so . - Die Stunde der Entscheidung naht . Volk , sammle dich zu deinen Gezelten ! Eine Rotte ohne Moral , die das Verderben des Staates auf ihr blutig Banner schrieb - CÄSAR . Und so weiter . Du willst Consul werden - recht sachgemäß . Der Sergier auch - ebenso sachgemäß . Du willst ihm schaden , er Dir - höchst sachgemäß Verderben des Staates ! Je nun , Du weißt mehr als ich ! CICERO . Jener Molch , gedunsen von Blut - CÄSAR . Hochwerther Mann , ich bin eine schlichte nüchterne Natur und vermag nicht dem Fluge Deiner Rhetorik zu folgen . CATO . Wie , Julier ? Schweig , Cicero - man wagt es - ich sage , schweig ! - Menschen ohne Gott und Gebot , wie Catilina - CÄSAR . Dieser harmlose Taugenichts ! CICERO . Harmlos ! O ihr Götter ! CATO . Ich sehe , Julier , wo das hinaus will . Einen gewiegten Praktiker wie mich übertölpeln wir nicht , junger Mann - man ist ein enger Geist . Man suche sich am Postament erhabener Ahnen emporzuranken . CICERO . Jetzo banne geläutertes Mannesthum der Jugend Frevel in gebührende Schranken ! In der Moral nur - da steckt die Kraft . Du lächelst ? Ah , Du vermagst mich nicht zu begreifen CATO . Der Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung - CÄSAR . Unordnung vielleicht . Ein Kampf gegen mottenzerfressene Vorurtheile . CICERO bitter . Ach ja , die Vorurtheile der Zucht und Sitte hemmen den freien Geist . Was rede ich noch ! Die Wahl steht vor der Thür . Siegt Catilina - dann , Rom , gute Nacht ! Er soll nicht siegen , ich bin da ! Heut gilt es , Freund und Feind zu kennen . Wer nicht für uns ist , ist wider uns . Im Namen der Moral , bekenne Farbe ! CATO . Man wähle gesinnungstüchtig den erprobten Mann der Regierung ! Marcus Portius Cato gab dem Cicero seine Stimme - Römer , gehet hin und thuet desgleichen ! CÄSAR lauernd . Die Wahl ist euch ja doch so gut wie gesichert ? CATO . Wehe ! Die Verderbniß der Zeit trägt ihre Frucht . Dolch und Gold schrecken und blenden den Sinn der guten Bürger . Geist der Vorzeit , verhülle dein Haupt ! CÄSAR . Hochzuverehrende Mitbürger , was hilft dem großen Cicero meine eine arme Stimme ! CICERO wüthend . Cäsar , das ist ebenso lächerlich wie abscheulich . Du kennst Deine Talente so gut wie wir selbst . Du willst nicht helfen . Antonius Maior tritt durch eine Seitenthür hastig ein und bleibt betroffen aus der Schwelle stehn . Ihm folgen Sulla minor und Clodius Pulcher . Betretene Pause . Aha , unser würdiger College in Zukunft , unser würdiges Staatsoberhaupt ! Cäsar , es ist genug . Wir überliefern Dich einer würdigeren Genossenschaft . O Moral , Moral ! CATO . Wehe ! O Rom , wie tief bist du gesunken ! Beide ab . CÄSAR gelassen . Willkommen , ihr Lieben ! Ah , Sulla , welch östlicher Besatz an Deinem Mantel ! Deine Locken sind gut gebrannt und die Schminke - laß sehn ! Vortrefflich . Ruft . Heda , Marius ! Ein Freigelassener kommt . Bring Cäcuber-Wein ! CLODIUS . Marius , wie ? CÄSAR . Sieh da , Clodius Pulcher , welche Freude ! Für sich . Was will Der bei mir ? Laut . Ja wohl , ich besitze auch einen Sulla . Ich nenne meine Freigelassenen immer nach solchen Urahnen . Ich liebe es , mich am Postament erhabener Vorzeit emporzuranken . Diener bringt Wein . CLODIUS . Du ? Nun , unsre Vorfahren - Dein Wohl , Sprößling des Sulla ! - waren groß , aber langweilig . Waren sozusagen nicht von » gutem Ton « . CÄSAR ernsthaft . Wie wahr ! Hat sich was mit ihrer brüllenden Riesenhaftigkeit ! Ihr Tigergrimm und Löwenzorn - drollig ! Diese Metzeleien aus Rache und Ueberzeugung ! Wie anders wir Neueren - nicht , kühner Clodius ? Wir morden mit kaltem Blut , wir würgen ohne Leidenschaft - darin sind wir unerreichbar . CLODIUS . Das ist ' s , Du verstehst mich ganz . Marius vor Rom , Sonnenuntergang , gewitterschwangere Augenbrauen , kochende Lavagluth der Heldenseele - bah ! Wir haben kaltes Erz , wir Gladiatoren , für solche Löwenhitze . Wir Männer der Zukunft - da ist alles kahl , kühl , kalt . CÄSAR an seine Glatze fahrend . Besonders kahl , geliebter Clodius . SULLA . Auf Ehre , ganz meine Ansicht . Nur wir stehn auf der Höhe des Jahrhunderts . CÄSAR . Stehn wir ! - Sprechen wir also von Geschäften ! ANTONIUS MAIOR . Nun , ich darf ja sagen , es macht sich . Stimmen wie Heu ! Majorität unberechenbar ! Ja , das Wie ist schon sicher , aber das » Was « ! CÄSAR . Was heißt » Was « ? ANTONIUS MAIOR . Consulat ist ein schön Ding . Wir sind nicht dazu aufgestanden , um ein paar Schulden zu bezahlen . Es giebt noch andre Rechnungen zu begleichen . CÄSAR gedehnt . Ach , das heißt » Was « ? - Lieben Freunde , ich habe zu thun . Ich fahre aus . CLODIUS eifrig . So ? Jetzt gleich ? CÄSAR befremdet . Ja wohl . - Dringende Geschäfte . SULLA . Ich auch . Mein Schneider wartet . CLODIUS . Ich schlendre durch die Straßen . Schöne Augen - trala ! SULLA . Ich begleite Dich . CLODIUS . Danke . Ich jage stets allein . - Dein Diener , Julier ! Ab . ANTONIUS MAIOR . Das » Was « ! CÄSAR . Das » Was « ! Antonius und Sulla ab . CÄSAR allein . Bringt man beide durch , Catilina und diesen Lumpen , so ist die Aristokratie verloren . Mein Schwiegervater , der Säbelmann , soll nur anrücken mit orientalischen Gelüsten - ehe er den Fuß auf italischen Boden setzt , sind wir hier fertig . Laß sehn ! Ist dieser Catilina ein geistreicher Schwärmer , - gut . Wagt er ' s aber mein Doppelgänger zu sein , so eine verpfuschte Copie der Natur nach meinem Bilde , so heißt es : Er oder ich . Einer muß fort . - Er will mich heut sprechen , natürlich geheim . Ja , Vorsicht thut noth . Darum meldete ich schon gestern meiner Dienerschaft an , daß ich um diese Stunde ausfahren würde . - Wohlan , Dictator Catilina , wir werden ja sehn . Er geht ins Innere des Hauses . CLODIUS tritt nach einer Weile hastig ein und nähert sich vorsichtig . Alles leer . Der Marder im Taubenschlag ! Ich versteckte mich hinter die nächsten Säulen und ließ die Andern an mir vorbei . Der Augenblick ist günstig . Cäsar fährt aus , wie seine Diener mir schon gestern verriethen . - Macht dieses dürre Ehegespons mir Schwierigkeiten , so werf ich ihn zum eignen Haus hinaus . Ich bin der Clodius , der alles wagt . - Wer kommt ? Er verbirgt sich hinter Hausgeräth . Terentia kommt aus dem Innern des Hauses , von Pompeia begleitet . TERENTIA . Ja , meine Theure , Fortschritt , Fortschritt über alles , über alles in der Welt ! Ich marschirte stets mit dem Zeitgeist . Allgemeines Wahlrecht , vorzüglich Redefreiheit - das ist die Zukunft der weiblichen Jugend . - Vale ! Begleite mich nicht weiter . Mein Wagen wartet , in ihm Papirius als Lenker der Rosse . POMPEIA . Dein Liebhaber ? So öffentlich ? Dein Mann - TERENTIA . Mein Mann ! ! Deine Erziehung scheint doch sehr vernachlässigt . Von Zweien bin ich geschieden , einen brachte ich unter die Erde im Kampf gegen seine tyrannische Anmaßung , und sollte Kikero fürchten ? POMPEIA . Laß Dich mit Catilina trauen - der fürchtet ihn auch nicht . TERENTIA . Pfui , wie Du redest ! Dieser Elende , der den Plebejern und Sclaven den Zeitgeist predigt - nichts habe ich mit ihm gemein . Fortschritt auf meine Kosten - dafür bedank ' ich mich . Mein Mann soll sich nur unterstehn , bei der Wahl durchzufallen ! Na warte ! Ab . POMPEIA . Sie sind alle so fortgeschritten . Warum schreite ich nicht auch fort ? Träumerisch . Dieser Clodius stellt mir fast unziemlich nach . Doch wie hübsch er ist ! CLODIUS aus seinem Versteck hervorstürzend , kniet vor ihr . Herrin ! POMPEIA erschrocken . Minerva schütze ! Steh auf ! Was willst Du ? Mein Gatte - CLODIUS . Was schiert mich eine Welt in Waffen ! In diesem Staube laß mich ewig ruhn , den Dein schneeiger Fuß geweiht ! Sieh , meine Seele drängt sich ins entflammte Auge , das Deines sucht ! POMPEIA . Laß mich ! CLODIUS . O Deine Stimme ! Brauste rings die Welt in Flammen auf - ich höre sie allein . Nicht wie ein Modeherr in wohlgeschützter Laube von Liebe schwatzt in wohlgesetzten Phrasen - nein , unterm Laubendach sausender Speere , wie ' s einem Sohn des Mars gebührt , zujubeln möcht ' ich Dir : Ich liebe Dich ! POMPEIA . Schone mich und fliehe ! Mein Gatte - CLODIUS . Der ist fern und Niemand hört mich hier als Venus meine Gönnerin . Und mag die Erde selbst erbebend öffnen ihren Schlund - von dieser Stelle weiche ich nicht ! CÄSAR während der letzten Worte eingetreten . Erlaube mir zu zweifeln ! Clodius springt auf . In Dein Gemach , Tochter des Pompeius . Unschuldig bist Du ? Möglich . Doch an des Cäsar Gattin darf auch nicht der leise Schatten eines Zweifels haften . Pompeia ab . Nun zu uns , mein alter Freund ! CLODIUS trotzig . Straf ' mich Mars , Herr ! Scheinst ja sehr vertraulich . CÄSAR kühl . Ich liebe die Herablassung . - Reden wir von Geschäften ! Lieber Mann , Du bist in meiner Hand . Ich werde die Sache dem Senat anheimstellen . Mit erschütternder Beredsamkeit - Du hast ja wohl viele Freunde im Senat ? CLODIUS verbissen . Keinen . CÄSAR . Schade ! Der Censor hat also dann die Gewogenheit , Dich Deiner senatorischen Pflichten zu entheben . Sodann markige Rede Cato ' s über Zeiten und Sitten - dann schimpfliche Ausstoßung - dann groß Geschrei in der Gesellschaft , höflicher Hinauswurf - die Stadt zeigt mit Fingern auf Dich . Ja , es ist ' was Schönes um den gesellschaftlichen Ruf , besonders für Die , so davon leben . CLODIUS . Ich bin in Deiner Hand . CÄSAR . So denke Dir mal , ich setzte Dir den Dolch an die Kehle . CLODIUS mit Humor . Ich denke mir . CÄSAR . Beantworte demnach meine bescheidenen Fragen gewissenhaft wie unter der Schärfe des Schwertes . - Deine politischen Ansichten interessiren mich . Was bist Du eigentlich ? CLODIUS . Catilinarier , Vorfechter der Menschheit ! CÄSAR rasch . Das ist nicht wahr . CLODIUS . Auch die Regierung - CÄSAR . Das ist nicht wahr . CLODIUS . Je nun , ich fechte auf eigene Faust . CÄSAR . Das heißt , Du verkaufst Dich dem Meistbietenden . Das bin aber ich . CLODIUS . Du ? CÄSAR . Ich . Ich ruinire Dich , wenn Du mir widerstrebst . Was willst Du mehr ? CLODIUS lacht . ' s ist aber auch wahr ! - Was forderst Du ? CÄSAR . Vor allem verfüge ich über Deine Banden für die bevorstehende Wahl . Du magst einen leichten Druck auf die freien Wähler verüben , wirst ihnen mit Knüppel und Messer den rechten Weg weisen . Ein Diener tritt auf und spricht leise mit Cäsar . CLODIUS . Den rechten ? Welchen ? Diener ab . CÄSAR . Schlau bemerkt . Da meldet sich eben der Wegweiser . Zeigt auf ein Nebengemach . Dort hinein . Ich werde Dich rufen . Clodius ab . Pause . Dann tritt Catilina ein , vermummt . Beide grüßen stumm . Catilina schweigt stolz . CÄSAR . Man sagt . Du hast Dich an Gift gewöhnt . Darum schlägt der Haß aller Götter auch so gut bei Dir an . Du bist sehr stolz . CATILINA . Ich bin Catilina - was sollt ich anders sein ? CÄSAR trocken . Ein Hochverräther . CATILINA . Das weiß ja der Koth auf der Gasse . Bah , so reden wir doch ! Du giebst mir Deine Stimme zu meiner Wahl ? CÄSAR . Nein . CATILINA . Nein ? Damit wären wir im Reinen . Aber das Wichtigste hast Du vergessen : Dich selbst . Meine Späher nisten in allen Ritzen des Erdballs : Pompeius ist bald wieder da . Ich weiß es so gut wie Du . CÄSAR kalt . In der That ? CATILINA . Die That wird schon kommen , wenn er kommt mit seinen Legionen . Er ist Dir gram , Dein theurer Schwiegervater . Man weiß , daß Deine Gattin viel über Dich klagt . Eine Ehe ist leicht gelöst . CÄSAR . Wirklich ? Für sich . Ich komm ' ihm zuvor , verstoße Pompeia wegen der Clodius-Sache . Laut . Was soll das alles ? CATILINA . Nun , ich dächte , einem so geistvollen Haupt wie Dir fällt die Folgerung nicht schwer . Er kommt an und Du machst Dich aus dem Staube . Denn Deine Rolle ist ausgespielt . Dein meisterliches Schaukeln zwischen den Partheien hilft da nichts mehr . CÄSAR . Meinst Du , edler Sergier ? CATILINA . Ja , ich meine , edler Julier . Ich meine auch : Wer bezahlt Deine Schulden ? Um im Ton des alten Crassus zu reden : » Geschäft ist Geschäft . Wann , theurer Busenfreund ? « CÄSAR leichthin . Wann ! Wenn ich meine Provinz habe . CATILINA . Deine Provinz ? Geduld , junger Hahn ! Wer verschafft sie Dir ? Pompeius ? Gewiß nicht . Aber der Consul Catilina tilgt Deine Schulden Pause . CÄSAR . Bestechung ? - Der Consul Catilina ? Ich sehe Monarchieen in Deinem Blick . Hebt auf den Schild ihn , den Rebellenkönig ! CATILINA . Ha ! - Doch um in Vater Cato ' s Ton zu reden : Cäsar , Du bist des Todes schuldig : Hast von Königen geredet ! Pah , ich bins . Für leere Titel bin ich viel zu groß . CÄSAR für sich . O Wahn der Größe ! Laut . Wenn nicht etwa mit dem Sturz vom Tarpejischen Felsen , wie willst Du enden ? CATILINA . Vielleicht , wenn der Tag der Freiheit flammend aufgeht über zerbrochenen Ketten und Lictorbeilen , wenn der Panzer der Adelsnarrheit und das erschlichene Goldkleid der Plutokratie zum Kehricht der Vergangenheit verscharrt , aus dem nur noch historische Lumpensammler ihre Säcke füllen , - dann gieß ich Gift in meinen besten Falerner und mit dem letzten Schluck ruf ich zum letzten Mal : Freiheit ! - Vielleicht ! vielleicht auch nicht ! - Du giebst mir Deine werthe Stimme ? CÄSAR . Vielleicht ! vielleicht auch nicht . CATILINA heftig . Es ist der Worte genug . Ja oder nein ? CÄSAR fest . Lucius Sergius Catilina , Du bist ein großer Mann . Dein Leib ist von Granit und Deine Seele glatt wie die Schlange . Lucius Sergius Catilina , Du bist ein elender Selbstling . Jeder Legionär , der seine verblichene Rüstung putzt , ist ein Gott neben Dir im Wahn Deiner Grüße . CATILINA . Du bist - - zu Hause . CÄSAR . Ruhig und höre mich an ! Du glaubst die Menschen zu kennen , mich auch ? Hoher Menschenkenner , und das ist das Ganze ? Wolltest den Cäsar kennen und weißt nicht einmal , daß er ein Römer ist ? CATILINA . Was soll das ? CÄSAR . Ich spreche römisch . Auch meine Toga hat den historischen Zipfel : Krieg oder Frieden ! Ich diktire ihn - Du nimmst ihn an . Wo nicht - gut . Aber ich , Julius Cäsar , schwöre bei den Töchtern der Nacht und bei Fortuna , meiner Göttin , sei ' s geschworen : Mag Säbelheld Pompeius die Welt in einem einzigen Brand in Asche stürzen , wegschreitend über alle Pläne , die mir theuer - ich hindr ' ihn nicht . Und risse er sich einen ewigen Ruhm selbst von den Sternen , während müßig ich hier lungere , und kreuzte er mir völlig meiner Bestimmung Laufbahn - mag er ' s thun ! Doch wie der Leu , den man im Rücken faßt , sich auf den Hauptfeind stürzt , der vorn ihm droht , - so stürz ich mich auf Dich , nicht eher rastend , bis Du niedersinkst . CATILINA . Und was heischest Du so drohend ? CÄSAR . Wage keinen Schritt , der den inneren Bestand des Römerstaats gefährdet ! Wohl kenn ' ich Deine Verbrüderung mit Etruskern und Samniten . Man faselt von Autonomie der Provinzen , von einer Auflösung in selbstständige Communen , von einem Republiken-Bündel . Hochverrath an der Majestät der Res Publica , der Civitas Romana ! Die Demokratie mag siegen , aber nimmer die Anarchie . Eher sterb ich auf den Ruinen des Capitols , ich , Caius Julius Cäsar ! CATILINA für sich . Was werd ich verlieren ? Raum . Und gewinnen ? Zeit . Laut . Deine Bedingungen ? CÄSAR . Du setzest mich stets in Kenntniß von allen Beschlüssen Deines Bundes . Du verbürgst mir schriftlich Deinen Einfluß für das nächste künftige Consulat , das mir gehört . Und nur ein Catilinarier darf diesmal siegen , Du oder Marc Anton . - Nicht ? Wohlan , am Wahltag sehen wir uns wieder . CATILINA . Es sei . Ich verbürge Dir ' s. Ironisch . Wie lange gilt der Vertrag ? CÄSAR trocken . Bis die Umstände Dir erlauben ihn zu brechen . CATILINA . O mein Cäsar , Du kennst meine schwache Seite . Wenn ich bedenke , daß dieser theure Pompeius und die Cäsareaner seines Schwiegersohns sich binnen weniger Monde gegenseitig die Hälse brechen , dann träufeln mir Thränen einer gewissen Rührung hernieder . Lebwohl ! Deine Bekanntschaft war mir angenehm . CÄSAR . Lebwohl ! Besuche mich bald wieder ! Catilina ab . Er irrt sich in mir . Siegt er , wird er vollenden ? Er wird nicht . Nicht Zwei ja schufen die Unsterblichen zum selben Werk . Drum , Catilina , falle ! Boudoir der Fulvia . - Fulvia am Fenster , hinausspähend . Clodius steht hinter ihr . FULVIA . Eine Schwüle vor ' m Gewitter ! Alles still . Nur vom Marsfeld her dröhnt das Gewoge der Massen heran , die am Damm der Gesetze rütteln . Die Kugeln , die in die Wahl-Urne rollen , sind heut die ehernen Würfel des Schicksals . Horch , vom Ida donnert der siegspendende Zeus ! Ach , das sind ja Märchen . Dreht sich brüsque um . Was bedeutet das , mein Schöner ? Du willst nicht ? CLODIUS . Auf Ehre , nein . FULVIA . Warum nicht ? Bist Du schlecht bezahlt ? CLODIUS . Ich verachte schnöde Gewinnsucht . Meine Ehre - FULVIA . Was hast Du mit der Ehre zu schaffen ! Hilf dem Catilina ! CLODIUS . Mein sittliches Gefühl verbietet ' s Für sich . und Cäsar . FULVIA . Ei still ! Du , der Todfeind Cicero ' s - CLODIUS . Nein , nein , Catilina ist das Verderben . Eine Götterstimme sprach zu mir Für sich . und Cäsar . Laut . Doch auch Cicero - ich verschmähe seine Silberlinge . Nie vermöchte er mich zu kaufen ! FULVIA . Weil er kein Geld hat ! Ich glaube Dir , edler Patriot . - Bist Dir also selbst eine Partei ? CLODIUS . So ist ' s. Ich bin mir selbst eine Partei , allein Für sich . mit Cäsar . Sieht hinaus . Wird eine heiße Arbeit , viel Blut . Auf hundert Mann Todte und Verwundete muß ich rechnen . FULVIA . Auf der Verlust-Nechnung für Schmerzensgelder wohl das Doppelte ! CLODIUS . Tief schmerzet mich Dein Mißtraun . Ich liefre nur solide Waare . Ruft hinaus . He , Sulla ! SULLA draußen . He , Pulcher ! Erwünscht ! Bin im Augenblick oben ! FULVIA . Man erstürmt schon die Häuser , wie es scheint . Sulla tritt auf . Wie , Cornelius Sulla ? Ich empfange nie am Morgen . SULLA . Nie hätte ich gewagt , Allerschönste - aber dieser Tag bricht alle Schranken . Man ist außer sich . Die Gracchen steigen aus ihren Gräbern , die Welt geht unter und ich bin Wahlbeamter ! - Du , Clodius , was ich sagen wollte , der Julier hat uns , dem Jungen Rom , uns von der guten Gesellschaft , eingeschärft , gegen den Sergier zu stimmen . Natürlich , wir stimmen alle mit Cäsar . Ich wette ja immer auf Cäsar ' s Pferde . FULVIA . O gesinnungstüchtige Wähler ! O Curtiusse , begeistert stürzend in den Schlund - der Geldsäckel ! CLODIUS . An die Arbeit ! Ich werde für das Vaterland aus allen möglichen Wunden bluten - und ' s ihm gehörig