. - Er hatte in seinem unermüdlichen Geist einen Plan ersonnen , trotz Belisars Landung in Italien , doch in Rom Herr und Meister zu bleiben . Und er ging jetzt mit all ' seiner Umsicht an die Ausführung . Kaum konnte er erwarten , bis er auf die Vorposten der Byzantiner bei Capua traf , deren Führer , Johannes , ihn durch einige Reiter und seinen eignen jüngeren Bruder , Perseus , nach dem Hauptquartier geleiten ließ . Im Lager angekommen , fragte Cethegus nicht nach dem Feldherrn , sondern ließ sich sofort nach dem Zelt des Rechtsrats Prokopius von Cäsarea führen . Prokopius war sein Studiengenosse in Berytus auf der Juristenschule gewesen : und die beiden bedeutenden Geister hatten sich mächtig angezogen . Aber nicht die Wärme der Freundschaft führte den Präfekten vor allem zu diesem Mann : dieser Mann war der beste Kenner von Belisars ganzer politischer Vergangenheit , wohl auch der Vertraute seiner Pläne für die Zukunft . Mit Freuden empfing den Jugendfreund Prokopius . Er war ein Mann von frischem , gesundem Menschenverstand , einer von den wenigen Gelehrten jener Zeit , denen die gekünstelte Bildung in den Rhetorenschulen nicht die Fähigkeit , einfach aufzufassen und gesund zu fühlen , unter den Schnörkeln byzantinischer Gelehrtheit erstickt hatte . Heller Verstand lag auf der offnen Stirn und in dem noch jugendlich leuchtenden Auge glänzte die Freude an allem Guten . Nachdem Cethegus Staub und Mühsal der Reise in einem sorgfältigen Bad abgespült , machte sein Wirt , ehe er ihn zur Abendtafel in sein Zelt führte , mit ihm die Runde durch das Lager , ihm die Quartiere der wichtigsten Truppenteile , der bedeutendsten Heerführer weisend und mit ein paar Worten deren Eigenart , Verdienste und oft bunt zusammengesetzte Vergangenheit erläuternd . Da waren die Söhne des rauhen Thrakiens , Constantinus und Bessas , die sich aus rohem Söldnerhandwerk emporgerungen , tapfre Soldaten , aber ohne Bildung , mit dem ganzen Eigendünkel selbstgemachter Männer : - sie betrachteten sich als Belisars unentbehrliche Stützen und ihn vollersetzende Nachfolger . Daneben der vornehme Iberier Peranius , aus dem Königsgeschlecht der Iberier , der feindlichen Nachbarn der Perser , der aus Haß gegen die persischen Überwinder Vaterland und Hoffnung des Thrones aufgegeben und Dienste in des Kaisers Heer genommen hatte . Dann Valentinus , Magnus und Innocentius , verwegene Führer der Reiterei , Paulus , Demetrius , Ursicinus , die Führer des Fußvolks , Ennes , der isaurische Häuptling und Heerführer der Isaurier Belisars , Aigan und Askan , die Führer der Massageten , Alamundarus und König Abocharabus , die Sarazenen , Ambazuch und Bleda , die Hunnen , Arsakes , Amazaspes und Artabanes , die Armenier - der Arsakide Phaza war mit dem Rest der Armenier in Neapolis zurückgelassen worden - Azarethas und Barasmenes , die Perser , Antallas und Cabaon , die Mauren . Sie alle kannte und nannte Prokopius , karg sein Lob , reichlich und mit Behagen spitzen , aber geistvollen Tadel spendend . Eben wandten sie sich zu dem Quartier des Martinus , des friedlichen Städteverbrenners , zur Rechten , da fragte Cethegus , stehen bleibend : » Und wessen ist das Seidenzelt dort auf dem Hügel , mit den goldnen Sternen und dem Purpurwimpel ? und seine Wachen tragen goldne Schilde ? « » Dort , « sprach Prokop , » wohnt seine unüberwindliche Köstlichkeit , des römischen Reiches Oberpurpurschneckenintendant , Prinz Areobindos , den Gott erleuchte . « » Des Kaisers Neffe , nicht ? « » Jawohl , er hat des Kaisers Nichte , Projecta , geheiratet : sein höchstes und einziges Verdienst . Er ist hierher gesendet mit der Kaisergarde , uns zu ärgern und dafür zu sorgen , daß wir nicht so leicht siegen . Er ist Belisarius gleichgestellt , versteht vom Krieg so wenig wie Belisar von den Purpurschnecken , und soll Statthalter von Italien werden . « » So , « sprach Cethegus . » Er wollte beim Lagerschlagen sein Zelt durchaus zur Rechten Belisars haben . Wir gaben nicht nach . Zum Glück hat Gott in seiner Allweisheit jenen Hügel zur Lösung unsres Rangstreits schon vor Jahrtausenden hier aufgeworfen : nun lagert der Prinz zwar links , aber höher als Belisarius . « - » Und wessen sind die bunten Zelte dort , hinter Belisars Quartier ? Wer wohnt darin ? « - » Dort , « seufzte Prokop , » ein sehr unglückliches Weib : Antonina , Belisars Gemahlin . « - » Sie unglücklich ? die Gefeierte , die zweite Kaiserin ? warum ? « - » davon ist nicht gut reden in offner Lagergasse . Komm mit ins Zelt , der Wein wird genug gekühlt sein . « Elftes Kapitel . Im Zelte fanden sie die zierlichen Polster des Feldbetts um einen niedern Bronzetisch von durchbrochner Arbeit gelegt , den Cethegus lobte . » Das ist ein afrikanisches Beutestück aus dem Vandalenkrieg : ich nahm es aus Karthago mit . Und diese weichen Kissen lagen einst auf dem Bett des Perserkönigs : ich erbeutete sie in der Schlacht von Dara . « » Du bist mir ein praktischer Gelehrter ! « lächelte Cethegus . » Wie bist du so anders geworden seit den Tagen von Athen . « » Das will ich hoffen ! « sprach Prokop und zerschnitt selbst - er hatte die aufwartenden Sklaven entfernt - die dampfende Hirschkeule vor ihm . » Du mußt wissen : ich wollte Philosophie zu meinem Beruf machen , Weltweiser werden . Drei Jahre hörte ich die Platoniker , die Stoiker , die Akademiker zu Athen , - und studierte mich krank und dumm . Auch blieb es nicht bei der Philosophie . Nach löblicher Sitte unsres frommen Jahrhunderts mußte auch die Theologie beigezogen werden : und ein weiteres Jahr hatte ich darüber nachzudenken , ob Christus , als Gott Vater , zugleich seiner eignen jungfräulichen Mutter Vater , also sein eigner Großvater sei . Nun , über all ' diesen Studien drohte mir mein von Natur gar nicht zu verachtender Verstand abhanden zu kommen . Zum Glück ward ich sterbenskrank und die Ärzte verboten mir Athen und alle Bücher . Sie schickten mich nach Kleinasien . Ich rettete nur einen Thukydides in meinen Reiseranzen . Und dieser Thukydides rettete mich . Ich las und las in der Langeweile der Reise seine herrliche Geschichte von der Hellenen Taten in Krieg und Frieden : und nun bemerkte ich mit Staunen , daß der Menschen Tun und Treiben , ihre Leidenschaften , ihre Tugenden und Frevel eigentlich doch viel anziehender und denkwürdiger seien als alle Formeln und Figuren heidnischer Logik - von der christlichen Logik vollends zu schweigen ! Und wie ich nach Ephesos gelangte und durch die Straßen schlenderte , kam plötzlich über mich eine wunderbare Erleuchtung . Denn ich wandelte über einen großen Platz : da stand vor mir die Kirche des heiligen Geistes : und war erbaut auf den Trümmern des alten Dianatempels . Und zur Linken stand ein zerfallner Altar der Isis und zur Rechten ragte das Bethaus der Juden . Da ergriff mich plötzlich der Gedanke : Die alle glaubten und glauben nun steif und fest , sie allein wüßten das Rechte von dem höchsten Wesen . Und das ist doch unmöglich : das höchste Wesen hat , wie es scheint , gar kein Bedürfnis , von uns erkannt zu werden - ich hätte es auch nicht , an seiner Statt ! - und es hat die Menschen geschaffen , daß sie leben , tüchtig handeln und sich wacker umtreiben auf Erden . Und dies Leben , Handeln , Genießen und Sichumtreiben ist eigentlich alles , worauf es ankommt . Und wenn einer forschen und denken will , so soll er der Menschen Leben und Treiben erforschen . Und wie ich so stand und sann , da schmetterten Trompeten : ein glänzender Reiterzug trabte heran : an seiner Spitze ein herrlicher Mann auf einem Rotscheck , schön und stark wie der Kriegsgott . Und ihre Waffen blitzten und die Fahnen flogen und die Rößlein sprangen . Und ich dachte mir : Die wissen , warum sie leben : und brauchen keinen Philosophen darum zu fragen . Und wie ich mit verwunderten Augen den Reitern zusah , schlug mich ein Bürger von Ephesos auf die Schulter und sprach : Ihr scheint nicht zu wissen , wer das war , und wohin sie ziehen ? Das ist der Held Belisarius , der zieht in den Perserkrieg . - Gut , sagte ich , Freund ! Und ich ziehe mit ! Und so geschah ' s zur selben Stunde . Und Belisarius bestellte mich bald zu seinem Rechtsrat und Geheimschreiber . Und seither habe ich einen doppelten Beruf : bei Tage mach ' ich Weltgeschichte oder helfe sie machen : und bei Nacht schreibe ich Weltgeschichte . « - » Und welches ist deine bessere Arbeit ? « - » Freund , leider das Schreiben ! Und das Schreiben wäre noch besser , wenn die Geschichte besser wäre . Denn ich bin meistens gar nicht einverstanden mit dem was wir tun : und tu ' s nur mit , weil ' s doch besser ist , als gar nichts tun oder philosophieren . Bringe den Tacitus , Sklave ! « rief er zur Zelttür hinaus . » Den Tacitus ? « » Ja , Freund , vom Livius haben wir jetzt genug getrunken . Du mußt wissen : ich nenne meine Weine je nach ihrer geschichtlichen Eigenart . - Zum Beispiel dieses lärmende Stück Weltgeschichte , das wir hier aufführen , dieser Gotenkrieg ist ganz gegen meinen Geschmack : Narses hat ganz recht , erst sollten wir die Perser abwehren , eh ' wir die Goten angreifen . « » Narses ! was treibt mein kluger Freund ? « » Er beneidet Belisar und läßt sich ' s selbst nicht merken . Außerdem macht er Kriegs- und Schlachtenpläne . Ich wette , er hatte Italien schon erobert ehe wir landeten . « » Du bist nicht sein Freund . Er ist doch ein hoher Geist . Warum ziehst du Belisar vor ? « » Das will ich dir sagen , « sprach Prokop , den Tacitus einschenkend . » Mein Unglück ist , daß ich nicht Geschichtsschreiber Alexanders oder Scipios geworden . Mein ganzes Herz sehnt sich , seit ich der Philosophie - - und Theologie ! - genesen , nach Menschen , nach dem vollen ganzen Menschen , mit Fleisch und Blut . Da widern mich diese spindeldürren Kaiser und Bischöfe und Feldherrn an , die alles mit dem Verstand erklügeln ; wir sind ein verkrüppeltes Geschlecht geworden : die Heroenzeit liegt hinter uns ! Nur Belisarius , der Biedre , ist noch ein Heros , wie aus der alten Zeit . Er könnte mit Agamemnon vor Troja liegen . Er ist nicht dumm ; er hat Verstand ; aber nur den Naturverstand des edeln , wilden Tieres zu seinem Beutefang , zu seinem Handwerk . Belisars Handwerk nun ist die Heldenschaft ! Und ich habe meine Freude an seiner breiten Brust und seinen blitzenden Augen und den mächtigen Schenkeln , mit denen er die stärksten Hengste zwingt . Und mich freut ' s , wenn ihm manchmal die blinde Lust , dreinzuschlagen , durch alle seine Feldherrnpläne braust . Mich freut ' s , wenn ich ihn in der Schlacht mitten unter die Feinde jagen sehe und kämpfen , wie ein schäumender Eber haut . Freilich , sagen darf ich ' s ihm nicht , daß mir das gefällt ; denn sonst wär ' s nicht auszuhalten : in drei Tagen wär ' er in Stücke gehauen . Im Gegenteil ; ich halte ihn zurück : ich bin sein Verstand , wie er mich nennt . Und er läßt sich meine Verständigkeit gefallen , weil er weiß , daß sie nicht Feigheit ist . Hab ' ich ihn doch mehr als einmal mit meiner Laienklugheit aus einer Verlegenheit ziehen müssen , in die ihn der Trotz seines Heldentums gebracht ! Die lustigste dieser Geschichten ist die von Horn und Tuba . « » Welche von beiden bläsest du , o mein Prokopius ? « » Keine , nur die Posaune des Ruhms und die Pfeife des Spottes ! « » Aber was war ' s mit Horn und Trompete ? « » Ei , wir lagen vor einem Felsennest in Persien , das wir haben mußten , weil es die Straße beherrscht . Wir hatten uns aber schon mehrmals unsre heroischen Köpfe übel daran zerstoßen : und mein zorniger Herr schwor , bei dem Schlummer Justinians - das ist nämlich sein höchstes Heiligtum - , er werde nie vor dieser Burg Anglon zum Rückzug blasen lassen . Nun wurden aber unsre Vorposten sehr oft aus der Festung überfallen : wir , im hochgelegnen Lager , konnten die Angreifer aus der Burg brechen sehen , nicht aber konnten das unsre Vorposten am Fuße des Berges . Ich riet nun , daß wir vom Lager aus unsern Leuten das Zeichen zum Rückzug geben lassen sollten , so oft wir die Gefahr ihnen drohen sahen . Aber da kam ich übel an ! Der Schlummer Justinians sei ein solches Heiligtum , daß man an einem darauf geleisteten Schwur nicht makeln dürfe ! Und so mußten sich denn unsre armen Burschen von den Persern unversehens überrumpeln lassen ! Bis ich auf den scharfsinnigen Ausweg kam , meinem Helden vorzuschlagen , er solle , um die Unsern zum Rückzug zu mahnen , das Angriffszeichen mit dem Horn , statt mit der Tuba , blasen lassen . Das leuchtete ihm ein , dem biedern Belisarius . Und wenn wir nun lustig die Hörner zum Angriff schmettern ließen , liefen unsre Leute schleunigst wie geschreckte Hasen davon ! Es war zum Totlachen , jene mutigen Klänge so schnöde wirken zu sehen ! Aber es half : Justinians Schlummer und Belisars Eid blieben ungeschwächt , unsre Vorposten wurden nicht mehr abgeschlachtet und das Felsnest fiel endlich . Also schelt ' ich ihn immer spottend aus für seine Heroentaten . Aber im stillen erwärme und erfreue ich mein tiefstes Herz dran : er ist der letzte Heros ! « » Nun , « meinte Cethegus , » bei den Goten findest du gar manchen solchen Schlagetot . « Prokop nickte bedächtig : » Kann auch nicht leugnen , daß ich großes Wohlgefallen habe an diesen Goten . Sind aber doch zu dumm . « » Wie ? Warum ? « » Dumm sind sie , daß sie , anstatt hübsch langsam , Schritt für Schritt , im Zusammenhang mit ihren gelbhaarigen Brüdern , sich gegen uns vorzuschieben - sie wären unaufhaltsam ! - in dieses Italien sich ohne allen Verstand vereinzelt hereingedrängt haben , wie ein Stück Holz mitten in einen glimmenden Herd . Daran werden sie untergehen : sie werden verbrennen , du wirst es sehen . « - » Ich hoffe , es zu sehen . Und was dann ? « fragte Cethegus ruhig . » Ja , « antwortete Prokop verdrießlich , » was dann ! Das ist das Ärgerliche ! Dann wird Belisar Statthalter von Italien - denn mit dem Schneckenprinzen dauert es kein Jahr - und er verliegt hier seine schönste Kraft , während es Arbeit vollauf gäbe bei den Persern . Und ich werde dann als sein Hofhistoriograph nur zu schreiben haben , wie viele Schläuche Wein wir jährlich vertilgen . « » Du willst also , wenn die Goten beseitigt sind , Belisar wieder fort haben aus Italien ? « » Freilich ! Im Perserland blühn seine Lorbeern und die meinen ! Ich sinne schon lange auf ein Mittel , ihn von hier dann wieder fortzubringen . « Cethegus schwieg . Er freute sich , einen so wichtigen Bundesgenossen für seinen Plan gefunden zu haben . » Und so beherrscht also sein Verstand Prokopius den Löwen Belisar , « sagte er laut . - » Nein ! « seufzte Prokop , » vielmehr sein Unverstand , sein Weib . « - » Antonina ! Sage , weshalb nanntest du sie unglücklich . « » Weil sie halb ist und ein Widerspruch . Die Natur hat sie zu einem braven , treuen Weib angelegt : und Belisar liebt sie mit der vollen Kraft seiner Heroenseele . Da kam sie an den Hof der Kaiserin . Theodora , diese schöne Teufelin , ist von Natur ebenso zur Buhlschaft angelegt wie Antonina zur Tugend . Die Zirkusdirne hat gewiß noch nie einen Stachel des Gewissens empfunden . Aber ich glaube , sie erträgt es nicht , ein ehrsam Weib in ihrer nächsten Nähe zu haben , das sie verachten müßte . Sie ruhte nicht , bis es ihr gelungen , durch ihr höllisches Beispiel Antoninas Gefallsucht zu wecken . Gewissensqual empfindet diese über ihr Spiel mit ihren Verehrern : denn sie liebt ihren Mann , sie betet ihn an . « » Und doch ? Wie mag ihr ein Held , wie Belisar , nicht genügen ? « » Eben , weil er ein Held ist ! Er schmeichelt ihr nicht , bei all seiner Liebe . Sie konnt ' es nicht tragen , die Buhler der Kaiserin in Versen , Blumen , Geschenken sich erschöpfen zu sehen und selbst solcher Huldigung zu entbehren . Eitelkeit ward ihr Fallstrick . Aber es ist ihr gar nicht wohl bei all dem Getändel . « » Und ahnt Belisar ? « - » Keinen Schatten ! Er ist der einzige im ganzen römischen Kaiserreich , der es nicht weiß , was ihn doch zumeist angeht . Ich glaube , es wäre sein Tod . Und auch deshalb schon darf Belisar nicht hier im Frieden Statthalter von Italien werden . Im Lager , im Getümmel des Krieges , da fehlen dem gefall , süchtigen Weib die Schmeichler und auch die Muße , sie zu hören . Denn , gleichsam zur freiwilligen Buße für jene süßen Verbrechen der heimlichen Gedichte und Blumen - gröberer Schuld ist sie gewiß nicht fähig - überbietet Antonina alle Frauen an Pflichtstrenge ; sie ist Belisars Freund , sein Mitfeldherr ; sie teilt die Beschwerden und Gefahren des Meeres , der Wüste , des Krieges mit ihm : sie arbeitet mit ihm Tag und Nacht , wann sie nicht gerade Verse andrer auf ihre schönen Augen liest ! - Schon oft hat sie ihn gerettet aus den Schlingen seiner Feinde am Hofe zu Byzanz . Kurz , nur im Krieg , im Lager tut sie gut , da wo auch seine Größe allein gedeiht . « » Nun , « sprach Cethegus , » weiß ich genug , wie die Dinge hier stehen . Laß mich offen mit dir reden : du willst Belisar nach seinem Sieg aus Italien wieder fort haben ; ich auch : du um Belisars , ich um Italiens willen . Du weißt , ich war von jeher Republikaner ... « - - - Da schob Prokop den Becher zur Seite und sah seinen Gast bedeutsam an : » Das sind alle jungen Leute zwischen vierzehn und einundzwanzig Jahren . Aber daß du ' s noch bist - find ' ich sehr - sehr - unhistorisch . Aus diesem italischen Gesindel , unsern höchst liebwerten Bundesgenossen gegen die Goten , willst du Bürger einer Republik machen ? Sie sind zu nichts mehr gut als zur Tyrannis ! « » Ich will darüber nicht streiten ! « lächelte Cethegus . » Aber vor eurer Tyrannis möcht ' ich mein Vaterland bewahren . « » Kann dir ' s nicht verdenken ! « lächelte Prokop , » die Segnungen unsrer Herrschaft sind - erdrückend ! « » Ein eingeborner Statthalter unter dem Schutz von Byzanz genügt zunächst . « » Jawohl , und dieser würde Cethegus heißen ! « » Wenn ' s sein muß , - auch das ! « » Höre , « sprach Prokop ernsthaft , » ich warne dich dabei nur vor einem . Die Luft von Rom heckt stolze Pläne aus . Man ist dort , als Herr von Rom , nicht gern der zweite auf Erden . Und glaube dem Historikus : es ist doch nichts mehr mit der Weltherrschaft Roms . « Cethegus ward unwillig . Er gedachte der Warnung König Theoderichs . » Historikus von Byzanz , meine römischen Dinge kenne ich besser als du . Laß dich jetzt einweihen in unsre römischen Geheimnisse ; dann verschaffe mir morgen früh , eh ' die Gesandtschaft von Rom anlangt , ein Gespräch mit Belisar und - sei eines großen Erfolges gewiß . « Und nun begann er dem staunenden Prokop mit raschen Strichen ein Bild der Geheimgeschichte der jüngsten Vergangenheit und seine Pläne der Zukunft zu entwerfen , sein letztes Ziel wohlweislich verhüllend . » Bei den Manen des Romulus ! « rief Prokop , als er geendet hatte . » Ihr macht noch immer Weltgeschichte an dem Tiber . Nun , hier meine Hand . Meine Hilfe hast du ! Belisar soll siegen , doch nicht herrschen in Italien ; darauf laß uns noch einen Krug herben Sallustius leeren ! « Früh am andern Tage vermittelte Prokop seinem Freunde eine Unterredung mit Belisar , von welcher jener sehr befriedigt zurückkam . » Nun , hast du ihm alles gesagt ? « fragte der Historiker . » Nicht eben alles ! « sprach Cethegus mit feinem Lächeln : » man muß immer noch etwas zu sagen übrig behalten . « Zwölftes Kapitel . Bald darauf ward das Lager von seltsamer Aufregung erfüllt . Das Gerücht von der Ankunft des heiligen Vaters , das seiner reich vergoldeten Sänfte voranflog , riß die Tausende von Soldaten mit Kräften der Andacht , der Ehrfurcht , des Aberglaubens , der Neugier aus ihren Zelten , von Schlaf und Schmaus und Spiel hinweg , ihm entgegen . Kaum , daß die Anführer die Mannschaft im Dienst und auf den Wachen zurückhalten konnten ; meilenweit waren ihm die Gläubigen entgegengeeilt und geleiteten jetzt , mit Haufen des Landvolks der Umgegend gemischt , seinen Zug ins Lager . Längst hatten sich Bauern und Soldaten an der Eselinnen Statt , die seine Sänfte trugen , eingespannt : - vergebens hatte sich die Bescheidenheit des Papstes dagegen gesträubt - und unter unaufhörlichem Jubelruf : » Heil dem Bischof von Rom , Heil dem heiligen Petrus ! « wälzte sich der Strom der Tausende heran , über die Silverius unermüdlich Segen sprach . Seiner beiden Mitgesandten , Scävola und Albinus , dachte kein Mensch . Belisar sah von seinem Zelthügel aus mit ernsten Augen das mächtige Schauspiel . » Der Präfekt hat recht ! « sprach er dann : » dieser Priester ist gefährlicher als die Goten . Es ist ein Triumphzug ! Prokop , laß die byzantinische Leibwache an meinem Zelt ablösen , sowie die Unterredung beginnt : sie sind allzugute Christen . Laß die Hunnen aufziehn und die heidnischen Gepiden . « Damit schritt er in sein Zelt zurück , wo er alsbald , von seinen Heerführern umgeben , die römische Gesandtschaft empfing . Den Prinzen Areobindos hatte Prokop von der Notwendigkeit einer Rekognoszierung überzeugt , die nur heute und nur von ihm vorgenommen werden konnte . Umwogt von einem glänzenden geistlichen Gefolge nahte der Papst dem Feldherrnzelt . Große Massen Volkes drängten nach , aber sowie der Papst mit Scävola und Albinus die Mündung der engen Lagergasse hinter sich hatten , sperrten die Wachen mit gefällten Lanzen den Weg und ließen weder Priester noch Soldaten folgen . Lächelnd wandte sich Silverius zu dem Führer der Schar und hielt ihm eine schöne Rede über den Text : » Lasset die Kleinen zu mir kommen und wehret ihnen nicht . « Aber der Germane schüttelte den zottigen Kopf und wandte ihm den Rücken : der Gepide verstand kein Latein , außer dem Kommando . Da lächelte Silverius wieder , segnete nochmals seine Getreuen und schritt dann ruhig weiter in das Zelt . Belisar saß auf einem Feldsessel : darüber war eine Löwenhaut gebreitet : ihm zur Linken thronte die schöne Antonina auf einem Pardelfell . Ihre wunde Seele hatte in dem Nachfolger des heiligen Petrus einen Arzt und Helfer zu finden gehofft . Aber bei dem Anblick der weltklugen Züge des Silverius zog sich ihr Herz zusammen . Belisar erhob sich beim Eintritt des Papstes . Dieser schritt , ohne sich zu neigen , gerade auf ihn zu und legte ihm - er mußte sich mühsam dazu aufrichten - wie segnend beide Hände auf die Schultern . Er wollte ihn leise niederdrücken auf die Kniee : - aber eichenfest blieb der Feldherr aufrecht stehen : und Silverius mußte dem Stehenden den Segen erteilen . » Ihr kommt als Gesandte der Römer ? « begann Belisar . » Ich komme , « unterbrach Silverius , » im Namen des heiligen Petrus , als Bischof von Rom dir und dem Kaiser Justinian meine Stadt zu übergeben . Diese guten Leute , « fuhr er fort , auf Scävola und Albinus weisend , » haben sich mir angeschlossen wie die Glieder dem Haupt . « Unwillig wollte Scävola einfallen - so hatte er seinen Bund mit der Kirche nicht verstanden ! - aber Belisar winkte ihm , zu schweigen . » Und so heiße ich dich willkommen in Italien und Rom im Namen des Herrn . Ziehe ein in die Mauern der ewigen Stadt zum Schirme der Kirche und der Gläubigen wider die Ketzer ! Erhöhe dort den Namen des Herrn und das Kreuz Jesu Christi und vergiß nie , daß es die heilige Kirche war , die dir die Wege gebahnt und die Pfade gebaut . Ich bin es gewesen , den Gott zum Werkzeug gewählt , die Goten in törichte Sicherheit zu wiegen und blinden Auges aus der Stadt zu führen : ich bin es gewesen , der die schwankende Stadt , die Bürger für dich gewonnen und die Anschläge deiner Feinde vernichtet hat . Der heilige Petrus ist es , der dir mit meiner Hand die Schlüssel seiner Stadt überreicht , auf daß du sie ihm beschirmest und beschützest . Vergiß niemals dieser Worte . « Und er reichte ihm die Schlüssel des asinarischen Tores . » Ich werde sie nie vergessen ! « sprach Belisar und winkte Prokop , der den Schlüssel aus der Hand des Papstes nahm . » Du sprachst von Anschlägen meiner Feinde . Hat der Kaiser Feinde in Rom ? « Da sprach Silverius mit Seufzen : » Laß ab , Feldherr , zu fragen . Ihre Netze sind zerrissen : sie sind unschädlich und der Kirche steht nicht an , zu verklagen , sondern zu entschuldigen und alles zum besten zu kehren . « » Es ist deine Pflicht , heiliger Vater , dem rechtgläubigen Kaiser die Verräter zu entdecken , die unter seinen römischen Untertanen sich bergen , und ich fordre dich auf , seinen Feind zu entlarven . « Silverius seufzte : » die Kirche dürstet nicht nach Blut . « - » Aber sie darf den Arm der weltlichen Gerechtigkeit nicht hemmen , « sprach Scävola . Und der Jurist trat vor und überreichte Belisar eine Papyrusrolle . » Ich hebe Klage gegen Cornelius Cethegus Cäsarius , den Präfekten von Rom , wegen Majestätsbeleidigung und Empörung gegen Kaiser Justinian . Diese Schrift enthält die Klagepunkte und die Beweise . Er hat des Kaisers Regierung eine Tyrannei gescholten . Er hat sich der Landung kaiserlicher Heere nach Kräften widersetzt . Er hat endlich noch vor wenig Tagen , er allein , dafür gestimmt , die Tore Roms dir nicht zu öffnen . « » Und welche Strafe beantragt ihr ? « fragte Belisar in die Schrift blickend . » Nach dem Gesetz den Tod , « sprach Scävola . - » Und seine Güter verfallen nach dem Gesetz , « sprach Albinus , » halb dem Fiskus , halb den Klägern . « - » Und seine Seele der Barmherzigkeit Gottes , « schloß der Bischof von Rom . » Wo ist der Angeklagte ? « fragte Belisar . » Er verhieß , dich aufzusuchen ; aber ich fürchte , sein böses Gewissen wird ihn nicht haben kommen lassen . « » Du irrst , Bischof von Rom , « sprach Belisar , » er ist schon hier . « Bei diesem Wort fiel der Vorhang im Hintergrund des Zeltes und vor den erstaunten Anklägern stand Cethegus der Präfekt . Überrascht fuhren die Ankläger auf ; schweigend , mit vernichtendem Blick , trat Cethegus einige Schritte vor , bis er zur Rechten Belisars stand . » Cethegus hat mich früher aufgesucht als du , « fuhr der Feldherr nach einer Pause fort : » und er ist dir zuvorgekommen - auch im Anklagen . Du stehst als schwer Beschuldigter vor mir , Silverius . Verteidige dich , ehe du verklagst . « » Ich als Beschuldigter ? « lächelte der Papst . » Wo wäre ein Kläger oder ein Richter für den Nachfolger des heiligen Petrus ? « » Der Richter bin ich : an deines Herrn , des Kaisers Statt . « » Und der Kläger ? « fragte Silverius . Cethegus wandte sich halb gegen Belisar und sprach : » Der Kläger bin ich ! Ich habe Silverius , den Bischof von Rom , des Verbrechens der verletzten Majestät des Kaisers und des Hochverrats am römischen Reich geziehen . Ich beweise sofort meine Klage . Silverius hat die Absicht , die Herrschaft der Stadt Rom und einen großen Teil Italiens dem Kaiser Justinian zu entreißen und - lächerlich zu sagen ! - ein Priesterreich zu gründen in dem Vaterlande der Cäsaren . Und schon hat er den nächsten Versuch getan zur Ausführung dieses - soll ich sagen : seines Wahnsinns oder seines Verbrechens ? Hier überreiche ich einen Vertrag , - hier steht die Unterschrift seiner Hand - den er mit Theodahad , dem letzten Fürsten der Barbaren , geschlossen . Der König verkauft darin für ewige