« » Wir begehren zu dem hochehrwürdigen Bischofe von Passau « , sagte Witiko , » da wir ihm Nachrichten bringen . « » Ich hätte es nicht geglaubt « , antwortete der Mann , » daß Ihr so bald wieder kommen werdet , Witiko , weil Ihr einen so großen Schmerz um den Tod des Bischofes Regimar empfunden habt , und weil Ihr fort geritten seid . Wie ist es Euch denn ergangen ? « » Ich werde dir schon meine Schicksale erzählen , Odilo « , sagte Witiko , » aber jetzt ist mir daran gelegen , zu dem Bischofe zu gelangen . « » Wenn ich sagte , daß ich nicht eine große Freude habe , Euch wieder zu sehen « , antwortete der Mann , » so wäre es eine Lüge . Und zu dem hochehrwürdigen Bischofe werde ich Euch weisen ; denn er schenkt mir das Vertrauen , das mir der selige Herr Regimar geschenkt hat . Und ist denn der Krieg aus , in welchem Ihr gewesen seid ? « » Jetzt ist er aus « , sagte Witiko , » und ich weiß , daß du in dem Hause als der Torwart viel giltst , und du wirst uns das Tor öffnen , daß wir einreiten , die Pferde unterbringen , und zu dem hochehrwürdigen Bischofe gehen können . « » Ja « , sagte der Mann , » und ich habe mit dem hocherhabenen Bischofe von Euch gesprochen , wie Ihr klug gewesen seid , und tapfer sein werdet . Und wenn Ihr meint , daß ich einem Freunde , der an mein Tor klopft , die Gastlichkeit verweigere , so irret Ihr Euch . « Er wendete sich in dem Türchen um , und rief nach innen : » Hans ! « » Ja « , ertönte im Innern eine sehr starke Stimme . » Schließe auf « , sagte der Torwart . Hierauf rasselten hinter dem Tore Eisenstangen , der andere Flügel , in welchem sich kein Türlein befand , wurde geöffnet , und ein sehr großer junger Mann stand an dem Flügel . Er hatte wie der Torwart ein veilchenfarbenes Mäntelchen , aber auf seinem Haupte war eine Eisenhaube , um seine Brust ein Harnisch , und an seinen Beinen Schienen . Witiko und seine Begleiter ritten an dem Manne vorüber in einen großen Hof . Dort hielten sie an , und stiegen von den Pferden . Der Torwart und der junge Mann gingen ihnen nach . » Hans « , sagte der Torwart , » rufe die Stallbuben , und gehe zu Rudolph , dem Steiner . « Der junge Mann rief gegen die Vertiefung des Hofes , und ging dann in das Gebäude . Es kamen drei Stallbuben , und wollten die Pferde hinwegführen . » Wartet noch « , sagte Witiko . Die Stallbuben und alle andern blieben bei den Pferden stehen . Hans kam wieder aus dem Gebäude , und ein ritterlich gekleideter junger Mann ging neben ihm . Da sie herzu gekommen waren , sagte der Torwart : » Dieser ist der Schüler Witiko , und sie haben für den hochehrwürdigsten Bischof Nachrichten . Ich empfehle Witiko . « » Sei mir gegrüßt , du treues Blut « , sagte der ritterlich gekleidete Mann . » Sei gegrüßt , Rudolph « , sagte Witiko , » wir sollten zu dem hochehrwürdigen Bischofe . « » Wir sind nicht mehr in der Schule des Bischofes , Witiko « , antwortete Rudolph , » aber einer sollte den andern so lieben wie damals , und ich liebe dich , Witiko . Gehe nur mit deinen Knappen über die Treppe zu der Rathalle , und von ihr in den roten Saal , und dort harre . Morgen werden wir mit einem Feste den Gruß erst recht begehen , weil du wieder da bist . « » Das werden wir tun « , sagte Witiko . Nachdem dieses gesprochen war , ging Rudolph wieder durch eine Tür in das Gebäude zurück . Witiko sagte zu den Stallbuben : » Jetzt zeigt uns den Weg zur Unterbringung der Pferde . « Die Buben zeigten den Weg , und halfen die Pferde in den Stall führen . Als die ersten Notwendigkeiten geschehen waren , sagte Witiko zu seinen Begleitern , sie mögen ihm folgen . Er ging mit ihnen wieder in den Hof hinaus . Dort stand noch der Torwart und Hans . » Ich danke dir , Odilo « , sagte Witiko , » was nun ferner sein muß , weiß ich schon . « » Ich habe eingerichtet , daß alles für dich gut wird « , sagte der Torwart . » Das ist gut « , antwortete Witiko . Nach diesen Worten ging der Torwart in ein Gemach , das neben dem Torbogen war . Hans schloß den Flügel des Tores , und stieg über eine Treppe neben dem Tore in ein Gemach empor . Witiko aber führte seine Begleiter durch die Tür , durch welche Rudolph in das Gebäude gegangen war , in eine große Halle . Von der Halle führte Witiko seine Begleiter über eine breite Stiege in einen Gang empor . In dem Gange wandelten sie eine Strecke weiter . Dann öffnete Witiko eine hohe Tür , und sie kamen durch dieselbe in ein Gemach , in welchem viele Stühle und Tische waren . Von dem Gemache gingen sie in einen großen Saal . Der Saal war mit rotem Marmor gepflastert . An seinen Wänden waren Bänke von gelben Pölstern . Sonst enthielt er nichts . Er hatte drei Türen . Durch eine war Witiko gekommen , die andere war geschlossen , und durch die dritte , welche offen war , sahen sie in eine große Stube mit vier Fenstern , deren Wände mit roter abgeblaßter Seide beschlagen waren , und die viele Bänke und Gesiedel von gleicher Seide enthielt . Die Fenster des Saales und der Stube sahen auf die Berge , die an dem jenseitigen Ufer des Flusses Inn standen . In dem Saale wartete Witiko . Nach einer Weile kam aus der Seidenstube ein Mann heraus , der eine hohe Gestalt , braune Haare , einen braunen Bart und ein längliches Angesicht hatte . Er war in ein weites veilchenblaues Gewand gekleidet , und trug über demselben eine goldene Kette und ein goldenes Kreuz . Hinter ihm gingen zwei Männer in priesterlichen Kleidern . Der Mann sah Witiko und seine Begleiter an . Dann gab er den zwei Männern , die hinter ihm waren , ein Zeichen zur Entfernung . Die zwei Männer öffneten die geschlossene Tür , und gingen durch dieselbe in ein weiteres Gemach . Da dieses geschehen war , trat der Mann in dem braunen Gewande , der mit Witiko gekommen war , gegen den mit der goldenen Kette vor , und stand ein Weilchen vor ihm . Dann nahm er die Haube von seinem Haupte , und sprach mit laut tönender Stimme : » Hochehrwürdiger Bischof von Passau , hochedler Graf von Peilstein und Hagenau , ehrwürdiger geweihter Priester Regimbert ! ich komme zu dir in dem Gewande Jakobs , da er in der Wüste auf der Flucht war . « » Hochehrwürdiger Bischof und teurer Bruder Zdik « , antwortete der Bischof von Passau , » und wenn du in dem Gewande des Lazarus kämest , so wärest du der Herr dieses Hauses . Sei gegrüßt . « Er legte die Hände auf die Schultern des Mannes in dem braunen Gewande , und küßte ihn auf die Stirne . Der Mann in dem braunen Gewande legte dann auch die Hände auf die Schultern des Bischofes , und küßte ihn auch auf die Stirne . Dann sagte er : » Ich will nicht der Herr des Hauses sein , sondern ich bitte nur , daß ich den Panzer und das Schwert , welche ich durch Tage und Nächte unter diesem Kleide trage , ablegen darf , daß ich in einfältigen Kleidern gehe , daß dein Dach über meinem Haupte sei , daß ich die geringe Speise genieße , die mein Körper bedarf , und daß ich in deiner Kirche zu Gott bete . « » Lebe , wie du es wünschest , und wie ich dich ehre « , sagte der Bischof von Passau . » Und du , Witiko , hast dich der Mühe unterzogen , den hochehrwürdigen Bischof zu mir zu geleiten . Sei gegrüßt . « Witiko antwortete : » Der hochehrwürdige Bischof und Abt Silvester hat zu mir gesagt , ich solle in Demut vor Gott dem Herrn handeln , und ich hätte jeden Verfolgten des Weges geführt , und hätte ihn geschützt , um wieviel mehr den hohen Bischof Zdik , den ich verehre . Ich bin nebst meinem Knechte , der da steht , mit ihm geritten . « » So gehe mit mir in meine Stube , hochehrwürdiger Bruder Zdik , und du auch , Witiko , bis eure Wohnung bereitet ist « , sagte der Bischof von Passau . Witiko sprach zu Raimund : » Du hast gesehen , was geschehen ist , gehe nun zu unsern Tieren , sie zu pflegen , und sei dessen gewärtig , was ich dich weiter heißen werde . « Raimund ging durch die Tür hinaus . Der Bischof von Passau berührte den Ärmel an dem braunen Gewande Zdiks , und führte ihn an diesem Ärmel in die Stube von Seide . Witiko folgte . In der Stube führte der Bischof seinen Gast zu einem rotseidenen Stuhle , über dem ein Seidendach war , und nötigte ihn , dort nieder zu sitzen . Witiko wies er ein anderes seidenes Gesiedel an . Witiko setzte sich auch . Der Bischof aber ging zu einer silbernen Glocke , die an einem silbernen Wandarme befestiget war , und tat mit einem silbernen Hammer einen Schlag auf die Glocke . Da dieses Zeichen erscholl , öffnete sich eine Tür , und ein Kämmerling , der ein Gewand von veilchenblauer und gelber Farbe hatte , trat herein . » Rufe mir den Vater Konstantin « , sagte der Bischof . Der Kämmerling ging wieder durch die Tür hinaus . Der Bischof setzte sich auf einen Stuhl neben Zdik . Nach einer Weile kam ein Priester in die Stube , welcher ein schwarzes Gewand an hatte , und eine silberne Kette auf der Brust trug . Zu diesem Priester sagte der Bischof von Passau : » Ehrwürdiger Bruder Konstantin , und Meister im Hochstifte , der hochehrwürdige Oberpriester des Landes Mähren wird dieses Haus als Gast ehren , ich bitte dich , lasse ordnen , was zu dieser Absicht notwendig ist . « » Ich werde meines Amtes walten « , sagte der Priester . Er verneigte sich vor den zwei Bischöfen , und ging wieder durch die Tür hinaus . » Und nun sei noch einmal in meinem Hause willkommen , Bruder Zdik « , sagte der Bischof von Passau . » Ich habe es gewußt , daß du dem flüchtigen Haupte ein Kissen geben wirst « , antwortete Zdik , der Bischof von Olmütz . » Was ihr dem geringsten eurer Brüder getan habt , das habt ihr mir getan « , sagte der Bischof Regimbert . » So ist es « , entgegnete Zdik . » Und weil die Geringen dem Heilande gleich sind , so müssen wir sie ehren , und müssen sie ehren , wenn sie Gott heimgesucht hat . In deinem Sprengel sind die Sachen hoch gediehen , Zdik « , sagte Regimbert . » Ich habe meine Hand erhoben , und den Bann über das Land Mähren ausgesprochen , und irre nun flüchtig auf der Erde , und muß die Menschen eines guten Herzens bitten , daß sie mich geleiten und schützen « , antwortete Zdik . » Und so segnet dich der Herr , begnadeter Bruder Zdik « , sagte der Bischof Regimbert . » Ich kann einen Segen nicht erkennen , weil ich eines Segens nicht wert bin « , erwiderte Zdik . » Du bist des Segens wert « , sprach Regimbert , » weil du dem frommen Bischofe Adalbert nachstrebest , Zdik , der einmal aus einem hohen Geschlechte den Hirtenstab über eure Länder ergriffen hat . Dann aber hat dir der allmächtige Gott die Huld gewährt , daß du schon zwei Male in Jerusalem gewesen bist , und an dem Grabe seines Sohnes gebetet hast . Und dann hat er das Zeichen des Unglückes auf dein Haupt gesetzt , daß er dich erhöhen wolle . Siehe , wie Hiob mehr bekam , als er je hatte , wie Jakobs Trauer um Joseph in Jakobs Freude über Joseph verwandelt wurde , wie David aus den Höhlen der Erde in die Gemächer des Königshauses ging , wie der Tempel nach der Gefangenschaft herrlicher wurde als vorher , wie die Schmach des Todes Petrus ' Rom zum Haupte der Christenheit erhob , wie die Verbannung und der Tod Gregors die Kirche mächtiger machte , als die Siege Heinrichs die Welt machen konnten : so verkläret der Herr das Haus des Glaubens durch Kümmernis , und die Säulen , die dieses Haus tragen , werden glänzender sein , als sie vordem gewesen sind . « » Mir geziemt es nicht , so zu sprechen « , sagte Zdik . » Ich bin ein Sünder , und habe Strafe verdient , und was gekommen ist , das ist die Strafe . Höre mich an , ehrwürdiger Bruder Regimbert . Seit langen Zeiten ist wegen der Sünden vieler die Hand des Herrn schwer auf unsern Ländern gelegen , und sie ist wegen der Sünden der einzelnen auch auf die einzelnen gekommen . Da unsere Völker noch Heiden waren , hat ihnen Gott , soweit er Heiden , die nicht an ihn glauben , beglücken kann , zuweilen Männer gesandt , die ihnen in ihrer Finsternis beistanden . So war Zaboy , so war Lumir , so war Samo , so war Krok , so war die Frau Libusa , und so war Premysl , der Ackerer und der Gatte Libusas . Von ihm ist ein Geschlecht gekommen , aus dem die Häupter des Landes wurden , die Wladyken , wie wir das Haupt eines Hauses den Wladyk nennen . Es sind Nezamysl , Mnata , Woyen , Unislaw , Kresomysl , Neklan und Hostiwit gekommen . Sie sind lauter Heiden gewesen , da bei euch schon lange das Christentum entstanden war . Dann ist Boriwoy gewesen , der ein Christ geworden ist , und dann sind sie lauter Christen gewesen . Sie haben sich Herzoge genannt , und sind geworden , wie bei euch Pipin von Heristal und Karl Martell und die andern , die sich zu Herrschern gemacht haben . Die Nachkommen Premysls sind immer zahlreicher geworden . Sie betrachteten das Land als ihr Eigentum , teilten es , haderten darum , und führten Kriege , in welchen ihre Anhänger das Blut verloren . Da machten sie ein Gesetz , es sind jetzt neunzig oder hundert Jahre , daß in jeder Zeit der Älteste des Stammes der Herzog sein solle , daß die andern zu ihrem Nutzen Gebietsteile in Mähren bekommen , und daß sie dem Herzoge gehorchen müssen . Aber bald wurde das Gesetz nicht mehr befolgt ; denn wer die Macht hatte , suchte die Nachfolge dem zu gewinnen , den er liebte , oder den er sonst wollte . Da entstanden Kämpfe von entsetzlicher Art , und es kam noch größeres Unheil in die Länder , als früher gewesen war . Den Beginn machte Swatopluk , der ein wilder Mann gewesen ist , und er dauerte siebenunddreißig Jahre , bis auf unsere Tage , und wir wissen noch das Ende nicht . Swatopluk ist ermordet worden , weil er gemordet hat , und sein Nachfolger , Wladislaw , der Vater des jetzigen Herzoges , ein gerechter und guter Mann , mußte sich den Fürstenstuhl gegen seinen Bruder Boriwoy erkämpfen , und Sobeslaw , der dann folgte , mußte mit dem deutschen Könige Lothar wegen des schwarzen Otto von Olmütz , der das Herzogtum anstrebte , Krieg führen . Als der starke und rechtgesinnte Sobeslaw herrschte , und als das Volk die Süßigkeit der Ordnung kennen lernte , wollten viele Männer der Länder , deren ich auch einer war , die Vorsorge treffen , daß bei seinem Ende nicht wieder das Unglück herein komme . Sobeslaw hatte einen Sohn , namens Wladislaw , den er sehr liebte . Wir , die Männer und ich , sagten , er solle ihn von Konrad , dem Könige der Deutschen aus dem Geschlechte der Hohenstaufen , mit den Ländern Böhmen und Mähren belehnen lassen , und Konrad belehnte den Knaben Wladislaw auf dem Tage in Bamberg , da derselbe achtzehn Jahre alt war . Und in einem Monate darnach schwuren auf unserem Tage in Sadska so die hohen wie die niederen Herren der Länder dem jungen Wladislaw . Als ein halbes Jahr vergangen war , erkrankte der Herzog Sobeslaw , und die Ärzte sagten , er werde sterben . Da riefen die Männer : Jetzt haben wir einen Knabenherzog , den sein Vater nicht mehr zu einem rechten Herzoge hat erziehen können , ein jeder wird ihn anfallen , und sie sagten : Nun müssen wir selber einen Herzog wählen . Der erwählte Bischof Silvester , der die weißen Haare des Alters auf dem Haupte hat , sagte aber : Tut das Gute , und bleibt bei eurem Schwure , alles andere wird kommen . Allein wir vermeinten klüger zu sein , und versammelten uns auf dem Wysehrad zur Wahl . Da war Wladislaw , der Sohn des guten vorigen Herzoges Wladislaw , von dem einige Macht und Ansehen , andere eine gute Regierung erhofften , und wir wählten ihn zum Herzoge . Im Frühlinge dieses Jahres aber wählten viele wieder einen andern Herzog , Konrad von Znaim , und zogen in Waffen gegen Böhmen . Auf dem Berge Wysoka ist eine Schlacht gewesen , und viele hundert Menschen , ja tausend , sind erschlagen worden . Und dann waren Kämpfe und die Belagerung von Prag . Die Saaten sind zerstört , die Häuser öde , weil die Menschen fliehen , die heiligen Bauwerke und kostbare Handschriften und Kirchenschätze sind verbrannt worden , und in die Geschlechter ist die Wildheit gekommen . Der Herzog Wladislaw ist zu dem deutschen Könige Konrad um Hilfe gegangen , und als die Hilfsheere heran zogen , haben sich die Feinde zerstreut . In Mähren sind die Fürsten gegen mich aufgestanden , sie haben die Kirchengüter genommen , und Zuchtlosigkeit gestiftet . Ich sprach die Worte des Bannes . Und als der Bann in dem Lande war , als das heilige Opfer bei verschlossenen Kirchentüren gehalten wurde , als man die Toten nicht kirchlich beerdigen konnte , als die Gnadenspendungen nur den Sterbenden gereicht wurden , und als sich alle nach einem Zeichen auf die Erde werfen mußten , um Gott zu bitten , daß er das Unglück wende : da drangen sie gegen mich , sie suchten mich an dem Halse zu drosseln , daß ich das Übel wegnehme , und da ich darauf meine Männer zur Hilfe aufbot , boten sie noch mehr auf , und ich floh aus dem Lande durch ödes Gefild nach Böhmen , und ich wurde dann flüchtig in fremde Länder , wo die Zahl ihrer Anhänger nicht ist . Das ist Strafe , hochehrwürdiger Bischof , und Silvester hat gesagt , daß sie kommen wird . « » Und wenn es Strafe ist , hochehrwürdiger Bruder « , antwortete der Bischof von Passau , » so bist du durch Gott beglückt , daß du hienieden noch büßen kannst , wenn du gefehlt hast . Die er züchtiget , die liebt er , und wenn deine Gedanken , die Gutes wollten , nicht zum Guten taugten , so wird er dich zu dem Guten führen . Ich würde mich an deiner Stelle preisen , und ich bete , daß ich meine Sünden auf dieser Welt abbüßen könne . Wie oft habe ich gebetet , daß ich auf jener Stätte Buße zu tun vermochte , auf welcher mein Erlöser gelitten hat . « » Gott wird dir diese Gnade gewähren « , sagte der Bischof Zdik . » Wenn die Spanne meines Lebens nicht schon zu kurz ist , so werde ich die Pilgerschaft in die heiligen Länder beginnen « , antwortete der Bischof von Passau ; » dir aber , Zdik , wird er den Kranz reichen , der nach der Strafe bestimmt ist , die Wilden werden Lämmer werden , und dein Volk wird zurückkehren , und vor den Altären auf die Kniee fallen . « » Ich erwarte , was in der Hand des Herrn ist « , sagte Zdik . » Er hat deinen Gegner gerührt , daß er dich beschützt hat « , sagte der Bischof Regimbert , » ist nicht dieser Jüngling auf dem Wysehrad dir entgegen gestanden ? « » Ich bin bei der Wahl nicht ein Gegner des hochehrwürdigen Bischofes Zdik gewesen « , sagte Witiko , » ich bin ein Diener des Herzoges Sobeslaw gewesen , und habe der Wahl nur zugeschaut . Aber wenn ich auch ein Gegner des hochehrwürdigen Bischofes gewesen wäre , so hätte ich ihn doch geleitet und beschützt , wenn ich es gekonnt hätte . In meiner Sache hat mich der hochehrwürdige Bischof damals sehr unterstützt . Jedoch beschützen habe ich ihn jetzt nicht können , weil auf den Wegen , die wir geritten sind , nirgends eine Gefahr gewesen ist . « » Ihr habt mich doch beschützt , Witiko « , sagte Zdik , » denn wer solche Wege wählt , daß es wie ein Tuch vor den Augen meiner Feinde ist , und wer solche Nachtlager findet , auf denen ich ruhig sein kann , der ist mein Beschützer wie der , der gerade die Waffe des Feindes zurück schlägt . « » Welche Wege seid Ihr denn geritten , Witiko ? « fragte der Bischof von Passau . » Von Pric gleich in den Mittagwald « , sagte Witiko , » und in ihm auf Pfaden , die die Säumer nicht besuchen , über Elhenic , Tis und über die Heide Ogfolds nach Plan in mein Häuschen zur Nachtruhe . Von Plan durch die Moldau , durch den ebenen Wald , an dem Berge des heiligen Ulrich vorüber zu dem Mittagsfuße der drei Sessel , wo wir in dem Waldhause Heinrichs von Jugelbach übernachteten . Von dem Waldhause über den breiten Berg und den Hauzenberg nach Passau . « » Du hast gute Wege gewählt « , sagte der Bischof von Passau , » obgleich noch wildere und abgelegenere sind , darauf ein Fuß kaum gehen oder klettern kann . « » Ja « , sagte Witiko , » von dem schwarzen See über den Blöckenstein oder über die drei Sessel zu der kalten Moldau , die durch lange und breite Wälder fließt . « » Oder von dem Hohensteine auf der Waldschneide zum Arber , wo Luchse und Bären und Hirsche und Rehe sind « , sagte der Bischof Regimbert . » Hat euch Heinrich von Jugelbach erkannt ? « » Mich hat er von früherer Zeit gekannt « , sagte Witiko , » er hat meinen Vater gekannt , und kennt meine Mutter . Er hat uns eine feste Wohnung in seinem Hause gegeben , hat den hochehrwürdigen Bischof beim Mahle unter den Knechten sitzen lassen , hat das eiserne Zugangsgitter zu unserer Wohnung mit seinen eigenen Händen gesperrt und geöffnet , und hat bei dem Abschiede zu mir gesagt : Ich danke Euch für das Vertrauen , welches Ihr mir heute in der Nacht erwiesen habt . « » Er ist ein gewalttätiger ehrenhafter Mann « , sprach der Bischof von Passau , » und beschützt , wen er beschützen will . Hast du schon Botschaft an den Heiligen Vater getan , hochehrwürdiger Bruder ? « » Ich habe sie getan « , entgegnete Zdik , » und es kann in jeder Frist die Antwort nach Mähren gelangen . « » Sie wird dahin gelangen , und eine Leuchte ihrer Taten sein « , sagte der Bischof von Passau . » Möge es so werden « , antwortete Zdik . » Heinrich von Jugelbach ist schon in sehr vielen Ländern gewesen « , sagte Regimbert , » und hat dich gewiß gesehen und kennt dich , ehrwürdiger Bischof von Olmütz . Er hat schon zum öftern die Gnade genossen , zu der Stätte dies Leidens und des Sterbens des Heilandes gelangen zu können , und er will wieder dahin gehen . Ich habe ihn vor sieben Jahren in großem Schmucke mit seinem Vater Werinhart gesehen , da die Klöster an dem Randshofe eingeweiht worden sind . Er wollte verhindern , daß , wie der Pfarrer Erimbert von Pfaffing das Ordenskleid nahm , desgleichen auch die Herren Ebo von Aua , Richer von Rohr und Stilicho von Engersheim täten , weil er nicht gemeint war , daß das weltliche Gut in die heiligen Hände gelange . Sie haben es aber doch getan , und er und sein Vater sind im Unmute von den Klöstern fort geritten . Sie sind immer der Habe und des Wachsens begierig gewesen . Werinhart , der Vater Heinrichs , hat wegen einiger Rechte und einigen Besitzes mit dem Kloster Berchtesgaden Streit begonnen . Konrad , der Erzbischof von Salzburg , und Roman , der Bischof von Gurk , haben vermittelt , ja es ist sogar die Hilfe des Heiligen Vaters angegangen worden , und der Streit hat sein Ende bis in unsere Tage nicht erlangen können . Da der letzte Herr von Aschach gestorben ist , so hat die Tochter desselben , welche die Mutter Heinrichs von Jugelbach ist , das ganze Habe von Aschach geerbt . Und die zwei Brüder Heinrich von Jugelbach und Gebhart von Jugelbach wollen gegen Aschach gehen , und zwei Burgen bauen , indes der alte Werinhart in Jugelbach sitzt . Wenn die Abtei Wilhering , die man stiften will , entstehen kann , dann wollen sie ihr Totenlager von der Abtei Formbach nach Wilhering verlegen . Von Benedicta erbt Heinrich einmal die Wassermaut von Aschach , und da kann ich durch meine Schiffer mit ihm in Streit geraten , wie das Kloster Berchtesgaden mit seinem Vater in Streit geraten ist . Die zwei Brüder werden die Fittiche schon regen . « » Das Totenlager verlegen sie « , sagte Zdik , » es ist allwärts wie bei uns , erst üben sie Gewalt , dann haben sie Reue , und begaben die Orte ihrer letzten Ruhe . In deinem Lande , ehrwürdiger Bruder , ist uns Gewalt begegnet . Man hat Bolzen auf uns gesendet , die abgeprallt sind . « » Wer hat solches gewagt ? « fragte der Bischof von Passau . » Ich habe einen der zwei Männer fangen lassen « , entgegnete Witiko . » Und habet Ihr ihn in unser Gericht gebracht ? « fragte der Bischof . » Nein « , antwortete Witiko , » ich habe ihn selber abgeurteilt . Weil ich durch Fragen im Hauzenberge erkannt hatte , daß er nur einen Gauneranfall hatte verüben wollen , so ließ ich ihn mit einer Drohung aus der Haft . Wir hatten nicht Frist zu Gerichtsdingen , und ich wollte nicht , wenn ich den Mann bei unserem Weiterreiten mitziehen ließe , die Aufmerksamkeit der Leute auf uns richten . « » Das ist gut , Witiko « , sagte der Bischof . » Du darfst die Sache nicht beachten , hochehrwürdiger Bruder « , sagte Zdik , » die Bolzen stammen nicht aus dem Lande Mähren , und der Mann , der aus eigenem Rate auf uns geschossen hat , wird der Strafe nicht entrinnen . « » Es ist arg , daß sich die Ordnung in diesen Tagen immer mehr verwirrt « , sagte Regimbert , » und am ärgsten , daß in unserm Lande Baiern kein Herr und Herzog ist . Der König hält das Land in seiner Macht , und es müßte vieles geschehen , wenn nicht der Markgraf Heinrich in Wien einen Teil davon erhielte . « » Der König ist der Stiefbruder des Markgrafen Heinrich « , antwortete Zdik , » und weil er mit euerm stolzen Herzoge Heinrich und seinem Bruder Welf den schweren Krieg gehabt hat , so fürchtet er , wenn er dem Knäblein Heinrich zu Sachsen auch noch Baiern gäbe , daß es einst zu mächtig werden könnte . Und so kann es schon geschehen , wie du gesagt hast . « » Dann ist der Sprengel des Bischoftumes Passau noch weiter in die Ostmark hinein gelegt , als jetzt « , sagte Regimbert . » In unsern Zeiten werden die Dinge vielfältig von ihrer Stelle gerückt « , antwortete Zdik , » und die Kirche erleidet auch Änderungen . « » Ja , es geschehen Zeichen und Wunder , und Mächte wachsen und vergehen , wie wir nicht geahnt haben « , sagte Regimbert , » wir sollten sorgsam auf diese Zeichen achten . Denke an Friedrich von Büren , und was er geworden ist . Er ist ein edler Mann gewesen , wie auch sein Vater ein edler Mann gewesen ist , und wie sein Großvater gewesen sein mag . Aber er ist nur ein edler Mann gewesen , und um sein Vorgeschlecht war Dunkelheit gehüllt . Er stieg von seinem Dorfe Büren auf den Gipfel des hohen Staufen , und baute dort eine Burg . Und dann hat er mit seiner Hand und seinem Rate dem vierten Heinriche stets gedient , daß dieser endlich gesagt hat : Ich gebe dir meine Tochter Agnes zum Weibe , und verleihe dir das Herzogtum Schwaben . Und sitzt nicht der Sohn dieses Mannes Büren , Konrad