und slekten juif . Es ist besser , zu betteln bei messieurs les Esquimaux , als mit dieser Fratz ebendasselb Luft zu atmen . Wir wollen gehn wie swei Swestern , wir woll mach ein Geschäft en compagnie , wir woll setzen in Verwunderung die Eisbär , wir woll bau ein château d ' Espagne en Russie . Allons , allons , vive l ' aventure ! « Kleophea hatte den Fluchtgedanken lange , böse Wochen hindurch mit sich herumgetragen ; sie hatte ihn vergeblich zu bekämpfen gesucht , er kam immer von neuem , und immer unerträglicher wurden die Ketten , welche die unglückselige Frau an diesen Mann fesselten . Es kam der Tag , an welchem der Doktor Theophile aus der Kröppelstraße die Hand gegen sein Weib erhob und es schlug ; in der folgenden Nacht floh Kleophea und verbarg sich in dem Dachstübchen Henriettes , bis die Vorbereitungen zu der weiten Reise vollendet waren . » Man wird mich nur in der Morgue gesucht haben ! « sagte die Gattin Moses Freudensteins in dem Pfarrhause zu Grunzenow . Von Paris nach Havre-de-Grâce , dann das Meer , das Schiff , die Seefahrt ! Alles unbestimmt , verschwommen , ungreifbar und unbegreiflich ! » Les côtes de l ' Allemagne ! « Der Ruf geht durch Mark und Bein . Arme heimatlose , wandernde Seele ! - Wer doch still in seinem Grabe läge , dort , wo der dunkle , nebelhafte Strich , die deutsche Küste , auf dem Horizont liegt . Es ist , als habe man einmal von festem , grünem Boden , grünen Bäumen , von einem stillen , friedlichen Kirchhof im Grün ein Lied gehört und könne sich auf die Weise nicht recht mehr besinnen und müsse sich doch immerdar mühen , sie wiederzufinden . Das Schiff geht seinen Weg ächzend und keuchend ; wieder kommt der Abend , und die Küste der Heimat verschwindet in der Dämmerung ; - die alte traurige Weise ist noch immer nicht gefunden , und das Schiff ächzt und keucht die ganze Nacht durch und weiter durch den neuen Tag , den grauen , verschleierten Tag . Am Rande des Schiffes lehnt Kleophea unbeweglich und blickt in den Dunst über den Wassern und sucht die alte Weise . Sie haben ihr gesagt , die deutsche Küste sei wiederum ganz nahe , und ohne den Nebel würde man sie längst erblickt haben ! Henriette Trublet erzählte , wie sie eine Viertelstunde vor dem Ausbruch des Feuers Kleophea mit geschlossenen Augen bewußtlos am Schiffsrand lehnend gefunden habe und wie dieselbe in diesem Zustande während aller Schrecknisse , die nun folgten , blieb . Erst in dem Pfarrhause zu Grunzenow , in den Armen Fränzchens sollte Kleophea erwachen ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wie die Wogen heranrollen gegen das Pfarrhaus , das von seinem Hügel hinausblickt auf den Spiegel der Ostsee ! Die Wogen der See erreichen das ärmliche , kleine Gebäude nicht ; sie vermögen ihm auch nichts zuleide zu tun , wie grimmig sie sich manchmal stellen . Sie können Inseln verschlingen , Dörfer , Städte , Leuchttürme , Kirchen und Kirchhöfe . Sie können die morschen Särge längst befriedeter Geschlechter hervorwühlen und sie der schaudernden Gegenwart , umwunden mit Seetang , bedeckt mit Schlamm , vor die Füße werfen . Grimmig , recht grimmig können die Wellen des großen Meeres sein ; aber das kleine Haus am Kirchhügel des armen Dorfes Grunzenow ist gefeit , es steht auf einem sichern Grunde , und wer unter dem niedern Dache seine Zuflucht gefunden hat , der ist wohl geborgen . Aber vor allem wohl geborgen war das arme , irrende Herz Kleopheas ; - es vor allem durfte ausruhen ! Bis in die Mitte des Winters lag das Weib Moses Freudensteins still und friedlich und fürchtete sich nicht mehr . Die grausamen Bilder der letzten Vergangenheit verblaßten , Gott schenkte der schönen Kleophea einen guten Tod . Wenn man sich an die Stimme des Meeres gewöhnt hat , so läßt es sich gar sanft dabei einschlummern . Es ist , als ob die Ewigkeit eine Zunge bekommen habe , die Kinder der Erde in den Schlaf zu singen . Rührend war es , wie der alte Onkel Rudolf nicht von dem Lager seiner Nichte weichen wollte , wie er ihr Haupt an seiner Brust hielt , wie er mit ihr sprach und - wie er vor der Tür weinte . Sie weinten alle um die arme , schöne Kleophea : der Pastor Tillenius , der Adjunkt Hans Unwirrsch , Fränzchen Unwirrsch , Henriette Trublet , der Oberst von Bullau - alle , alle ! Noch einmal schrieb Kleophea an ihre Mutter , aber auch dieser Brief wurde ungeöffnet zurückgeschickt ; das war die letzte Wunde , welche dieses abgejagte Herz empfing . An den Doktor Theophile Stein hatte Hans Unwirrsch geschrieben , und wenn dieses Schreiben auch nicht zurückkam , so kam doch keine Antwort darauf . Man vernahm in Grunzenow nicht eher wieder etwas von dem Doktor Theophile Stein , der in der Kröppelstraße Moses Freudenstein hieß , als im Jahre achtzehnhundertzweiundfünfzig , wo er , verachtet von denen , welche ihn gebrauchten , verachtet von denen , gegen die er gebraucht wurde , den Titel Geheimer Hofrat erhalten hatte , bürgerlich tot im furchtbarsten Sinne des Wortes . Auf dem kleinen Kirchhofe zu Grunzenow befand sich ein halbversunkener Grabhügel , unter dem ein unbekanntes Weib schlief , dessen Leichnam vor langen , langen Jahren die Wellen hier an den Strand getrieben hatten . Neben diesem Hügel wurde Kleophea begraben , von einem wildern Meer als der Ostsee hierhergeworfen . Fränzchen hatte den Platz ausgesucht für die arme Schiffbrüchige , und ein passenderer mochte in der ganzen weiten Welt nicht zu finden sein . Die Grabrede sprach Johannes Unwirrsch ; aber soviel er auch zu sagen hatte , sowenig vermochte er in Worte zu fassen ; doch die , welche zunächst um den Sarg und die offene Grube standen , verstanden ihn alle . Eine gute Wärterin und Gärtnerin am Grabe Kleopheas war Franziska Unwirrsch , und manche Blume , die sonst an dem öden Ufer nicht fortkommen wollte , von deren Dasein das Dorf Grunzenow bis jetzt nichts gewußt , blühte unter ihrer glücklichen Hand hinter der Kirchhofsmauer , welche den Hügel vor dem Seewind schützte . Eine glückliche Hand hatte das Fränzchen , es gedieh alles unter ihr - die Hungerpfarre , das Schloß , das Dorf . Der Leutnant Rudolf Götz erholte sich nur langsam von der tiefen Erschütterung , die in ihm durch den Tod seiner Nichte hervorgerufen war . Lange Zeit wurde er wieder an seinen Lehnstuhl gefesselt , und nicht jeden Fluch , den er dem Doktor Theophile Stein sandte , konnte das Fränzchen von seinen Lippen wegküssen . Der Oberst wurde immer galanter , seine Burg immer wohnlicher , er sah immer mehr ein , daß » die Welt ohne das Weibervolk keinen Schuß Pulver wert « sei . Ihm nicht weniger als dem Leutnant Rudolf hatte das Schicksal noch manch gutes Jahr aufgehoben . Henriette Trublet hielt es nur bis zum nächsten Frühling in Grunzenow aus . Als die ersten Schwalben ankamen , regte sich das Pariser Blut . Sie wäre kümmerlich vergangen , wenn man ihr nicht die Mittel gegeben hätte , ihre Sehnsucht nach der » Welt « zu befriedigen . Sie weinte bitterlich beim Abschied und glaubte ihn nicht überleben zu können , flatterte aber lustig fort , langte glücklich auf dem Landwege bei Mademoiselle Euphrosyne in Petersburg an und heiratete daselbst im folgenden Jahre einen sehr reichen deutschen Bäcker , den sie so glücklich machte , als sie es vermochte . In dem Frühling des folgenden Jahres entschlief sanft , ohne Krankheit , der alte Josias Tillenius nach einem langen , schönen , segensreichen Dasein , und wenn das harte , wetterfeste , seefahrende Volk dereinst ebenso an dem Sarge des Pastors Unwirrsch weint wie an dem Sarge dieses Greises , so hat er sein Amt am Ufer des Meeres wohl geführt . Über des Hungerpastors Arbeitstisch hängt die Glaskugel , durch die so wundersames Licht auf den Arbeitstisch des Meisters Anton Unwirrsch fiel , bei deren Leuchten der arme Handwerksmann in der Kröppelstraße gleich seinem Handwerksgenossen Jakob Böhme des Lebens Anfang und Ende » entsann « . Johannes hat die Feder weggelegt , mit der er sein Leben und seinen Hunger nicht für den Druck und die Welt , sondern für seinen Sohn beschreibt ; er horcht in tiefen Gedanken auf das Wiegenlied , welches sein Weib ihrem Bübchen singt . Der Schein der glänzenden Kugel trifft auch das Köpfchen des Knaben ; mit großen , verwunderten Augen sieht das Kind empor zu ihr ; es wundert sich über das Licht ! Draußen in der Nacht braust das Meer zornig und wild , und Vater und Mutter horchen von Zeit zu Zeit ängstlich . Es gehen böse Geister um draußen in der Finsternis , Geister , die keinen Platz in dem Lichtkreis der glänzenden Kugel finden , und Vater und Mutter denken an die Zeit , wo auch ihr Kind hinaustreten muß in den Streit mit den Dämonen . Bald wird die Stimme des Meeres der Mutter Lied übertönen ; - dann ist der Anfang des Kampfes gekommen . Wie die Augen des Kindes an der leuchtenden Kugel hangen ! Regt sich schon der Hunger , der die Welt zertrümmert und wiederaufbaut ? Ein Geschlecht der Menschen vergeht nach dem andern , ein Geschlecht gibt die Waffen des Lebens weiter an das andere ; erst wenn der Ruf : » Kommet wieder , Menschenkinder ! zum letztenmal erklungen ist , wird mit ihm zum letztenmal der Hunger geboren werden , welcher die beiden Knaben aus der Kröppelstraße durch die Welt führt . Gib deine Waffen weiter , Hans Unwirrsch !