Höhe belegenen Kaffeehause dem feindlichen Uebergang gemüthlich zu , bis es zu spät war , die verlorenen Vortheile wieder zu gewinnen . Die russische Garnison räumte Kalafat , und nach Mitternacht rückte die Avantgarde der Türken dort ein . Die Stärke derselben betrug damals höchstens 7-8000 Mann . Sofort begannen sie die von Natur äußerst feste Position durch Schanzwerke zu verstärken und es bildete sich jenes über eine halbe deutsche Meile lange Vollwerk , an dem der Lorbeer des Fürsten von Warschau noch diesseits des Grabes seine ersten Blätter verlieren sollte . Die ziemlich abgesonderte , und strategisch außerdem ganz unnütze Position war von dem Muschir kluger Weise eingenommen worden , um jenem großen Plan der Russen auf die Verbindung mit Serbien und die Erhebung des serbischen Volkes gegen die Türkei zuvor zu kommen . Wir werden später Gelegenheit haben , uns länger mit Kalafat zu beschäftigen und wenden uns daher zu den nächsten Ereignissen im Centrum der Stellung . Am 1. November waren von den Türken hier gleichfalls mehrere Versuche gegen das linke Donauufer unternommen worden . Von Rustschuk aus etwas stromaufwärts bei Tersentschik war ein Corps von 2000 Mann über die Donau gegangen und plänkelte jetzt gegen Giurgewo , das Rustschuk gegenüber liegt . Hier kommandirte General Ssoimonoff . Es erfolgte ein Gefecht längs des Dammes der Stadt ohne größere gegenseitige Resultate . Am Morgen des 2. hatten die Türken den starken Nebel benutzt , welcher die ganze Donaugegend bedeckte , und einen Dampfer mit mehreren Kanonenböten von Rustschuk gegen Giurgewo geschickt . Die Schiffe waren schon in den Kanal eingedrungen , welcher gegen die Quarantaine führt , als sie von den Russen bemerkt wurden . Es entspann sich alsbald eine lebhafte Kanonade , die nach mehreren Stunden mit einem Rückzug der türkischen Schiffe endete . Am nächsten Tage wiederholte sich dies Spiel . Von Tuturkai aus wurde der dritte Versuch zur selben Zeit gemacht und hier beabsichtigten , wie die späteren Ereignisse ergaben , die Türken den Hauptstoß . Tuturkai selbst war in der letzten Zeit stark befestigt worden , und unter dem Schutz des buschigen und bergigen Ufers war es gelungen , ein Corps von 14,000 Mann zwischen hier und Tschischatscha zu concentriren , durch die nöthigen Reserven gedeckt , ohne daß die Russen die drohende Gefahr bemerkten . Am 1. November setzten die Türken auf die zwischen Tuturkai und Oltenitza , näher am letztern Ort liegende Insel über und begannen diese zu befestigen . Von hier aus faßten sie am 2. Position auf dem linken Ufer unterhalb Oltenitza . Am Morgen des 3. standen bereits etwa 5000 Mann auf der Insel . Das Buschwerk derselben verhinderte jedoch auch hier die Russen , die Zahl und die Vorbereitungen ihrer Gegner zu erkennen . Der Commandeur der II. Infanterie-Division des IV. Armee-Corps , General-Lieutenant Pawloff , befehligte in Oltenitza , hatte aber nur eine geringe Truppenzahl bei sich . Dies war die gegenseitige Stellung am Abend des 3. November . - Fürst Gortschakoff mit seinem Adjutanten hatte selbst den Ball des General-Consuls mit seinem Besuch beehrt , und eine große Anzahl der Offiziere des Dannenberg ' schen ( IV. ) Corps befand sich aus den umliegenden Stationen auf Urlaub anwesend , da die Gefahr an keinem Punkte sehr dringend erschien und man die Vorposten-Positionen an der Donau für genügend hielt , jeden Versuch zu vereiteln , oder die übergegangenen Streifcorps zurückzuwerfen . Unter den Gruppen des Balles zog jene die Aufmerksamkeit auf sich , die sich um die Schönheit des Tages gebildet hatte . Es war die Gattin eines erst seit wenigen Wochen aus Paris zurückgekehrten Bojaren aus der reichen und angesehenen Familie der Bibesco , und obschon es sehr gewöhnlich ist , daß die galanten Damen von Paris , wenn sie dort ihre Rolle ausgespielt haben oder durch irgend einen Umstand sich veranlaßt sehen , Paris zu meiden , sich von ihren slavischen Anbetern , - und Paris wimmelt in Friedenszeiten von Mitgliedern des reichen slavischen , magyarischen und romanischen Adels , - zu der wilden Heimath entführen lassen , oder auch selbst auf eigene Hand nach Bukarest , Galacz und Jassy kommen , um dort einen goldenen Fisch zu angeln und mit ihrer Hand zu beglücken , - so war Madame Bibesco doch wohl geeignet , unter allen ihren Nebenbuhlerinnen den Sieg davon zu tragen . Eine hohe , schlanke Gestalt , das Haar cendré , der Teint sein und leicht geröthet , ein Bild , das dem Leser nur flüchtig am Abend des 5. Juli in der Straße St. Josef zu Paris von uns vorgeführt worden ist . Der spöttisch verzogene Mund warf rechts und links seine Wortblitze , während das schmachtende Auge durch die brillanten-besetzte Lorgnette achtlos über den Kreis hinaus kokettirte , der sich um sie gebildet hatte . Plötzlich erbleichte das schöne Gesicht und dann schoß eine dunkle Röthe auf Hals und Antlitz . Frau von Bibesco wandte sich rasch zu einem der Offiziere und begann ein gleichgültiges Gespräch , während dessen sie ihre Aufregung zu unterdrücken suchte . Alsdann wieder das Lorgnon vornehmend , ließ sie ihre Blicke nochmals wie zufällig durch den Saal schweifen und endlich an einer entfernten Gruppe älterer Offiziere haften . » Können Sie mir sagen , Herr von Szamarin , « wandte sich die Dame an einen ihrer Verehrer , einen Ulanen-Major vom Regiment Olwiopol , » wer der junge Offizier ist , so viel ich von Ihren Uniformen verstehe , von der Garde , der eben mit dem Oberbefehlshaber spricht ? Mich dünkt , ich müßte dies interessante Gesicht bereits gesehen haben . « » Ich kann Ihnen dienen , gnädige Frau , « erwiederte der Offizier galant . » Mit Ihren scharfen Augen haben Sie einen Adonis der russischen Armee herausgefunden , Fürst Iwan Oczakoff , und es ist möglich , daß Sie ihn bereits gesehen , da er einige Zeit der Gesandtschaft in Paris beigegeben war . Ich habe die Ehre , den Fürsten und seine schöne Schwester , die , wie ich höre , leider krank von Paris zurückgekehrt ist , von Petersburg her zu kennen . Er steht augenblicklich beim Stabe des Fürsten Mentschikoff und ist gestern als Courier mit Depeschen von Odessa hier eingetroffen . Befehlen Sie , daß ich Ihnen den Fürsten vorstelle ? « » Sie werden mich verbinden , Herr Major . « » Aber nur unter der Bedingung , schöne Frau , daß wir dabei nicht zu kurz kommen , und Fürst Oczakoff , der doch nach dem deutschen Reiterliede nur im Sturme um den Minnesold werben ! Kann , Sie uns nicht entführt . « Der Major verließ die Gruppe und näherte sich dem Fürsten , der jetzt , von dem General en chef entlassen , mit mehreren jungen Offizieren plauderte . Die Blicke der Dame folgten ihm nicht ohne Unruhe , - nur zerstreut setzte sie die Unterhaltung mit ihrer Umgebung fort . » Sie haben eine Eroberung gemacht , Fürst , « sagte scherzend Herr von Szamarin zu diesem , » ohne daß Sie es wissen . Madame Bibesco , die Königin des Balles , wünscht , daß ich Sie ihr vorstelle . « » Ich habe nicht die Ehre , die Dame zu kennen . « » Eben deshalb will ich Sie vorstellen . Kommen Sie , Fürst . Die schöne Celeste Bibesco ist eine Pariserin und wird Sie dort wahrscheinlich gesehen haben , wenigstens glaubt sie es . « Halb gezwungen folgte Fürst Iwan dem Kameraden , der ihn zu der schönen Bojarenfrau führte . » Hier , Madame , erlaube ich mir , Ihnen unsern gefährlichen Nebenbuhler um Ihre Gunst vorzustellen , Fürst Iwan Oczakoff . Er stammt aus dem Lande , wo Achill einst vor dem trojanischen Krieg verborgen wurde , und ich hoffe , er hat für die Pfeile aus Ihren schönen Augen auch nicht einmal die verwundbare Stelle , die sein berühmter Landsmann besaß . « » Man muß nach Rußland kommen , « sagte die Dame lächelnd , » um die pariser Complimente noch übertroffen zu sehen . Ich höre , Sie waren noch in diesem Sommer in Paris , mein Fürst ? « - Ihr Auge lag scharf und deutungsvoll auf ihm . » So ist es , Madame . « » Und wann verließen Sie es ? « » Am Abend des 5. Juli . « » So bald schon ? Ich glaubte , Sie noch später dort gesehen zu haben . Es scheint , daß der 5. Juli ein wichtiger Tag für viele Personen gewesen ist , auch mir war er ein solcher . « Der Fürst wurde aufmerksamer . » Meine Abreise kam plötzlich , deshalb habe ich das Datum genau behalten , Madame . « » Ich zweifle nicht daran , mein Prinz . Ungewöhnliche Ereignisse haften fest in der Erinnerung , wie es scheint , fester selbst als Gefühle . « Ihr Blick flog rasch umher - die umgebenden Herren hatten sich rücksichtsvoll einige Schritte zurückgezogen und plauderten , - sie sah sich unbeachtet und benutzte den Augenblick . » Ich hätte kaum geglaubt , Sie glücklich und so bald nach jenem furchtbaren Abend wiederzusehen . « » Madame - - « » Jetzt wird es mir freilich klar , auf welche Weise es Ihnen gelang , sich zu befreien . Die arme Nini ! « Der Fürst war sehr bleich , in seinem Innern kämpfte sichtlich eine große Aufregung . » Madame - ich verstehe kaum - - « » Ei , mein Gott , warum sich der kleinen Avantüre schämen , mein Prinz ! Ich bin , wenn Sie es wünschen , die Discretion selbst , nehme aber natürlich auch die Ihre in Anspruch . Wenn Sie Lust haben , weiter mit mir zu plaudern , so sage ich Ihnen den zweiten Contretanz zu . Im Augenblick bin ich engagirt und ich sehe eben meinen Tänzer nahen . Au revoir , mon Prince ! « Am Arm ihres Cchapeaus rauschte sie in die sich bildenden Reihen , während das Orchester den wilden Mazurka begann . Der Fürst starrte ihr nach - seine Augen blieben in ernstem Nachdenken auf die unerwartete Erscheinung gerichtet . Dann legte er die Hand sinnend an die schöne Stirn und suchte eines der Nebenzimmer auf , wo er ungestört seinen Gedanken nachhing . Erst die Takte , welche zum Antreten der Quadrille riefen , weckten ihn . Er schien seinen Entschluß gefaßt zu haben und eilte in den Saal zu seiner Tänzerin , die ihn bereits mit Ungeduld erwartete . Während die Touren wechselten , spann sich das Gespräch lebhaft weiter . » Darf ich fragen , ob Sie Nini wieder gesehen haben ? « » Nein , Madame . « » Ich dachte es mir , « sagte die schöne Frau mit sichtlicher Erleichterung . » Sie haben demnach gleich nach dem entsetzlichen Auftritt Paris verlassen ? « » So ist es . « » Es konnte Ihnen natürlich nicht schwer werden , Ihre Identität zu beweisen . Doch war es edel und schön von Ihnen , mein Prinz , sich für Ihren Gegner zu opfern . « Der Tanz unterbrach die Unterhaltung . » Und Nini ? « fragte der Fürst , von der Tour zurückkehrend . » Mon Dieu ! die Kleine begleitete ihren Bruder und war am andern Morgen spurlos verschwunden . Wir hatten uns alsbald getrennt , um jede Spur zu verwischen , und ich wagte es erst einige Zeit nachher , unter der Hand mich zu erkundigen . Aber seltsam , auch die Polizei hatte keine Nachfrage angestellt , obschon der Mensch schrecklich kompromittirt sein mußte . « Sie schien die Sache mit einiger Verlegenheit zu umgehen . » Sie sind mir die Erzählung Ihres weitern Abenteuers schuldig , mein Prinz . « Der Tanz hatte geendet , der Fürst führte die Dame nach ihrem Platz . » Ich fühle ganz die Pflicht , die ich habe , und sie zu lösen ist für mich wichtiger , als es für Sie von Interesse sein kann , nur scheint hier kaum der Ort dazu . Würde Frau von Bibesco nur wohl erlauben , ihr morgen meine Aufwartung zu machen ? « » Fürst Oczakoff wird mir stets willkommen und ich werde von zwölf Uhr an für ihn allein zu Hause sein . - Doch sehen Sie , Fürst , - es muß sich etwas Ungewöhnliches ereignet haben . Ihre Herren Kameraden treten zusammen und ich sah eben Fürst Gortschakoff mit mehreren Generalen durch jene Thür sich entfernen . Bitte , gehen Sie und erkundigen Sie sich , wir Frauen sind neugierig . « Auch der Fürst bemerkte , daß eine besondere Aufregung im Saale stattfand und die Offiziere in Gruppen zusammentraten . Er beurlaubte sich mit einer Verbeugung und eilte zu der Menge , die sich namentlich um die Thür zu einem der Nebengemächer versammelt hatte , aus dem jetzt Baron von Meusebach seinen Gästen entgegentrat . » Seine Durchlaucht , « sagte der General-Consul mit lauter Stimme , » bitten die werthe Gesellschaft mit mir , sich durchaus nicht zu beunruhigen oder stören zu lassen . Es sind einige Depeschen eingegangen , die den Fürsten für kurze Zeit in Anspruch nehmen , aber keineswegs irgend eine Besorgniß rechtfertigen . Meine Herren , ich bitte Sie , in dem Tanz fortzufahren . « Das Orchester begann auf seinen Wink auf ' s Neue , doch nur wenige Paare bildeten die Colonne . Man flüsterte in Gruppen oder verkehrte mit den Adjutanten , die hastig aus den Gemächern , wohin sich der Fürst zurückgezogen hatte , ab und zu gingen und hier und da einem der Offiziere einen Befehl zu bringen schienen . Man bemerkte , wie alsbald die Angeredeten aus dem Saale verschwanden , und von der Pforte des Hauses aus klang der Galopp der Davonsprengenden herauf . Fürst Iwan wandte sich an einen ihm bekannten Artillerie-Offizier und fragte ihn nach dem Vorgefallenen . » Der Teufel ist los ! « sagte der Capitain . » Pawloff hat uns bei Oltenitza die Türken über den Hals kommen lassen und ist bereits heute Mittag von ihnen zurückgedrängt worden . Kommen Sie , Fürst , wir hören die sichersten Nachrichten von dem Boten selbst . « Er nahm ihn unter den Arm und führte ihn durch die Menge zum zweiten Salon , wo am Büffet eine Anzahl Militairs um einen staub- und schmuzbedeckten Kosaken-Offizier versammelt war , der , am Tisch sitzend , große Gläser starken Arracpunsches hinunterstürzte . Die Unterhaltung wurde hier russisch geführt und das andere Publikum hatte sich daher zurückgezogen . » Nun , Herr Kamerad , « sagte Capitain Besutoff zu dem Kosaken , » kann man von Ihnen erfahren , welche Nachrichten Sie gebracht haben , oder ist die Sache Geheimniß ? ! « » Warum halten hinter dem Berg mit der Sach ' , die doch sein püblic morgen früh ! « radebrechte der Kosak . » Wir haben bekommen Schläg ' , starke Schläg ' ; die Herren Muselmann , meine Colleg ' , waren gekommen zu viel und haben gedrängt uns zurück . Wir werden haben morgen starke Affair ' . « Er hob das neugefüllte Glas und betrachtete den Inhalt schmunzelnd durch das Licht . » Dieser Punsch sein ser gut . Auf kuten Erfolg , meine Herren Kamerad ' ! « Der Bursche leerte das große Glas auf einen Zug . Indeß die Offiziere sich bemühten , die Details aus ihm herauszuholen , trat einer der Adjutanten des Oberbefehlshabers zu der Gruppe . » Seine Durchlaucht hat den Ball verlassen , meine Herren , und sich in sein Quartier begeben . Sie werden wohlthun , sich fertig zu machen und möglichst schnell im Hotel einzufinden , um ewige Befehle in Empfang zu nehmen . Wir brechen noch diese Nacht auf nach Budeschti . Sie , Herr Lieutenant , « er wandte sich zu Iwan , » wünscht der Fürst gleichfalls zu sprechen . « Ein allgemeiner Aufbruch der Gesellschaft erfolgte . Als Fürst Oczakoff in den Ballsaal zurückeilte , um die schöne Bojarin noch zu sprechen , fand er , daß sie bereits mit ihrem Gatten das Fest verlassen hatte , das jetzt rasch ein Ende nahm . Die Offiziere eilten theils nach ihren Quartieren , theils nach den Kasernen , oder direct nach dem Hotel des Oberbefehlshabers . Fürst Iwan traf hier bereits die Vorgemächer voll von Ordonanzen und Offizieren aller Waffengattungen . In dem Saal des Hauses , wohin er mit mehreren Andern beschieden wurde , fand er den Fürsten mit der Generalität und den Mitgliedern des Generalstabs um die Karten versammelt . Der Oberbefehlshaber dictirte eben die General-Ordre an den Chef des 4. Corps , General von Dannenberg , für die Action des kommenden Tages . Sie lautete : » In der Umgegend von Dobrény und Negoeschti die erste Brigade der 11. Infanterie-Division mit der Batterie Nr. 3 und die leichte Batterie Nr. 5 der 11. Artillerie-Brigade , 6 Escadronen des Ulanen-Regiments Olwiopol mit 2 Geschützen der 9. Batterie der donischen Kosaken und 300 Kosaken vom donischen Regiment Nr. 34 zu concentriren , bei dem Dorfe Mitréni-Fundéni Stellung zu nehmen und mit diesen Streitkräften den Feind von diesem Punkt aus anzugreifen . « Zugleich wurden Spezial-Ordres an alle diese einzelnen zwischen der Saltscha und dem Mostische cantonirenden Truppen zum sofortigen Ausmarsch gefertigt und die Adjutanten und Ordonanzen flogen damit nach allen Seiten davon . Der Regen goß in Strömen vom Himmel , die wenigen Straßen und Wege waren bereits grundlos . In einer Pause der Geschäfte wandte sich der Ober-Kommandirende an den jungen Mann . » Ich habe Sie rufen lassen , Herr Lieutenant , um Ihnen mitzutheilen , daß Sie mich nach Budeschti begleiten und der Affaire beiwohnen werden . Sie haben damit Gelegenheit , sich die Sporen und « - fügte er lächelnd hinzu - » den noch mangelnden Bart zu verdienen . Ich hoffe , Sie mit guter Botschaft von Ort und Stelle an den Herrn Marine-Minister zurücksenden zu können . In zwei Stunden brechen wir auf . Sie werden Pferde aus meinem Marstall nehmen . « Er winkte zur Entlassung und wandte sich zu einem andern Offizier . Der Fürst trat ab ziemlich betroffen und mißlaunig , denn er schien große Wichtigkeit auf die Unterredung mit Frau von Bibesco gelegt zu haben und sah diese jetzt vollständig vereitelt . Major Szamarin begegnete ihm . » Ich höre , Sie werden dem Scharmützel im Generalstabe beiwohnen . Doch wollen wir uns sputen , daß wir mit den lieben Moslems fertig sind , ehe Sie kommen . Gute Nacht oder guten Morgen , Kamerad , ich muß zu meiner Escadron , die Kerls werden sich freuen , daß endlich der Tanz losgeht . « Beide reichten sich die Hand und trennten sich , der Major , um mit seiner Escadron aufzubrechen , der Fürst , um rasch noch seine kurzen Vorbereitungen zu treffen . Zwei Stunden darauf wirbelten die Trommeln durch die Straßen und eine Infanterie-Colonne setzte sich bei Sturm und Regen in Bewegung . Beim ersten Dämmern des Tages folgte ihr der Oberbefehlshaber mit seinem Stabe nach Budeschti . - Oltenitza , wo der erste größere Kampf dieses Krieges ausgefochten werden sollte , ist ein kleiner Ort an dem Flüßchen Argisch , kurz vor dessen Einfluß in die Donau , die hier etwa 630 Schritt breit ist und in deren Mitte , doch näher dem linken Ufer und Oltenitza gegenüber , wie wir bereits erwähnt haben , eine ziemlich große , stark bewaldete Insel liegt . Links von dem etwas landeinwärts gelegenen Städtchen befindet sich näher am Ufer der Donau das große steinerne Quarantainegebäude , in dessen Nähe mehrere alte , nach der Landseite offene Schanzen und Erdwerke vorhanden waren , von den Russen in früheren Kriegen gegen die Türken aufgeworfen . Der Argisch bildet an seinem Ausfluß sich bis an ' s Donauufer erstreckende Sümpfe , welche die Position beengen und schützen . Hier hatte wegen der geringeren Breite der Donau auch bei dem Feldzuge von 1828 die russische Armee mit 40,000 Mann am 23. Juni ihren Uebergang nach dem bulgarischen Ufer bewerkstelligt . Wir haben bereits angeführt , daß die Türken am 2. im Schutz des Nebels ein kleines Corps von der Insel aus auf das linke Ufer geworfen und sich dort in jenen russischen Schanzen festgesetzt hatten . Mustapha-Pascha und der spanische Abenteurer General Prim von Reuß , ein ehemaliger preußischer Lieutenant , der durch die Weiberwirthschaft in Spanien sich zu solchem Range emporgeschwungen hat und mit der Speculation nach der Türkei gekommen war , mindestens ein Oberkommando zu erhalten , - leiteten die Unternehmung . Im Laufe des 3. - es war ein Donnerstag - hatte sich die Zahl der übergesetzten Truppen bedeutend vermehrt und drängte die russische Vorpostenlinie auf Oltenitza und die in Kanonenschußweite hinter dem Ort belegene befestigte Reservestellung zurück . Am Nachmittag entspann sich ein Gefecht , bei dem die Russen - größtentheils nur Kosaken - sehr im Nachtheil waren und Oltenitza räumen mußten , während die Türken ihre Stellung überaus befestigten , auf der Donauinsel zwei Batterieen errichteten und das Quarantainehaus zu einer solchen umgestalteten . Fortwährend kamen zugleich Verstärkungen vom rechten Donauufer an . Diese mißlichen Umstände waren es , die General Pawloff dem Höchstkommandirenden am Nachmittag des Dritten nach dem etwa acht Stunden von Oltenitza entfernten Hauptquartier gemeldet hatte . Am Freitag Morgen - der Freitag ist der Sonntag der Moslems - standen bereits 14-15,000 Türken3 verschanzt auf dem linken Donauufer in überaus vortheilhafter Position . Dieselbe lehnte sich rechts an die Donau , links an den Argisch . Ihr rechter Flügel war überdies durch mehrere terrassenförmige Batterieen von zusammen 40 Geschützen am rechten Donauufer und auf dem alten Schloß von Tuturkai , ihr linker Flügel durch die beiden bestreichenden Batterieen auf der Donauinsel gedeckt . Die Front , in deren Mitte das steinerne mit 6 Kanonen besetzte Quarantainehaus stand , war durch Schanzkörbe und Pallisaden geschützt , welche sie vom rechten Donauufer herüber gebracht hatten . Während des ganzen Morgens und Vormittags feuerte die Artillerie gegen einander , doch in solcher Entfernung , daß wenig Erfolg auf beiden Seiten sich zeigte . Gegen Mittag endlich klärte sich das Wetter auf und zugleich rückten von Mutréni-Fundéni und Szanzowa her die consignirten Truppen des Generals von Dannenberg in die ihnen bezeichneten Stellungen . Dieselben waren , Alles in Allem , 8000 Mann stark4 , da die Regimenter alten Schlages , das heißt sehr unvollständig , waren . General von Dannenberg hatte sich mit dem Stabe unfern Oltenitza aufgestellt . Die Kosaken plänkelten auf beiden Seiten , obschon die Stellung des Feindes jeden Flankenangriff hinderte . Das Selenginski ' sche Infanterie-Regiment ( Nr. 21 ) unter Oberst Sabatinski , und das Jakutzki ' sche Regiment ( Nr. 22 ) , geführt vom Oberst Bjalui , standen in Kanonenschußweite in spitzem Winkel aufgestellt , die Mitte für die Artillerie freilassend , die General-Major Wedowitschenko kommandirte . Die Ulanen unter General-Major Kosljaninoff bildeten die Reserve . Da die Stellung der Türken nirgends umgangen werden konnte , beschloß der General den Frontalangriff . Schon während der Aufstellung der Truppen hatte die türkische Artillerie ihr Feuer aus allen Geschützen und selbst aus einigen auf dem rechten Ufer aufgestellten Mörsern begonnen . Um ein Uhr gab der russische Befehlshaber das Zeichen zum Angriff und sandte die beiden Batterieen Nr. 3 und 5 bis auf etwa 13-1400 Schritt Entfernung von den feindlichen Schanzwerken vor , wo sie abprotzten und sofort das Feuer gegen die türkischen Verschanzungen eröffneten . Während einer Stunde spielte die Artillerie , auf beiden Seiten trefflich bedient , wobei es jedoch der russischen gelang , bis auf Kartätschenschußweite vorzugehen . Die Trommeln wirbelten nunmehr zum Angriff und vier Bataillone des Selenginski ' schen , nebst zwei des Jakutzki ' schen Regiments formirten die Sturmcolonne , kommandirt von Oberst Sabatinski . In diesem Augenblick traf der Oberbefehlshaber , Fürst Gortschakoff , mit seinem Gefolge auf dem Schlachtfelde ein . Die Artillerie gab noch eine Salve , dann wandte sie sich zur Rechten und Linken , und beschoß die Schanze und die Insel , während die Colonne im Sturmschritt vorging . Der erste Aufstoß war fürchterlich - der Tod hielt seine reiche Ernte . Die Geschütze im Quarantainehause schwiegen , bis die Colonne auf hundert Schritt an die Pallisaden heran war , und begannen dann ihr Kartätschenfeuer auf die dichtgedrängte Masse . Die Colonne wankte , doch der Zuruf der Offiziere hielt sie zusammen und trieb sie vorwärts . Eine zweite volle Lage begrüßte sie , kaum dreißig Schritt von den Verschanzungen , eine der Kugeln riß den tapfern Veteran zu Boden , der sie führte . Dies Mal widerstand die russische Tapferkeit nicht , die Bataillone wichen und stürzten in wilder Flucht zurück ; zugleich warf sich die zur Seite des Quarantainehauses , zwischen diesem und der alten Schanze gedeckt aufgestellte Kavallerie auf die Weichenden und trieb sie in wilder Flucht vor sich her . Die russische Artillerie vermochte nicht ein Mal , zum Schutz der Ihren zu feuern , so dicht geballt in einander waren Freund und Feind . » Nun , Fürst , verdienen Sie sich das Hauptmannspatent . Hinunter zu Kolsjaninoff , er soll angreifen und den Leuten Luft schaffen . « Iwan verbeugte sich vor dem Kommandirenden und gab seinem Pferde die Sporen ; in wenig Augenblicken war er bei den Ulanen und hatte die Ordre überbracht . » Abgeschwenkt , erste , dritte und fünfte Escadron rechts , die zweite und vierte links , die sechste in Reserve . Galopp ! Marsch ! « Die Kommando ' s erklangen , die Trompeten bliesen , und im Galopp sausten die braven Ulanen über das schlimme Terrain , während durch die Mitte bereits die Spitzen der Fliehenden anlangten . Die türkische Kavallerie , aus Husaren und syrischen Baschi-Bozuks bestehend , erhielt von zwei Seiten den Stoß und konnte nur schwer widerstehen . Dieselben Ursachen , welche die russische Artillerie behindert hatten , dienten auch jetzt den Gegnern zum Nachtheil . Ein wildes Einzelngefecht entspann sich , namentlich auf der Seite der Baschi-Bozuks , die mit ihren Lanzen den Ulanen das Gleichgewicht zu halten vermochten . Hier , neben Szamarin im dichtesten Gewühl , befand sich der junge Fürst . Sein Gesicht war bleich , doch die Augenbrauen finster zusammengezogen , wie von einem festen Entschluß . Seine Rechte hielt den Degen , doch nur zur Verteidigung , - diese Klinge war noch rein von Blut ! In solcher Nähe war der Kampf mit den wilden Söhnen der syrischen Steppen furchterregend . Die braunen Gesichter mit den blitzenden Augen , die wilden ungewohnten Gestalten in der seltsamen oft zerlumpten Tracht , konnten selbst die Kaltblütigkeit eines alten Soldaten verwirren . Dem Fürsten blitzte und wogte es vor den Augen , bis er einen scharfen Schmerz an seinem linken Arm hingleiten fühlte , ein Lanzenstich , für seine Brust bestimmt , hatte ihn leicht verwundet . Im Augenblick darauf hieb Szamarin den Turkomanen vom Pferde . » Vorwärts , Kamerad , nicht geschont die .... « Der schwere Schlag eines Yatagans traf durch den Kalpak hindurch seine Stirn , zugleich durchbohrte eine Pistolenkugel seine Brust , - der Tapfere breitete die Arme weit aus - in der Faust noch den Säbel hoch geschwungen - dann stürzte er unter die Hufe der Pferde , die nur den zuckenden Leichnam zertraten . Dies Mal war es der jungfräuliche Stahl , der den Tod des Kameraden rächte und sich tief in die Seite des Schützen begrub . Ein wilder Schreckensruf erfolgte , als der Türke , offenbar ein Offizier höheren Ranges , fiel , und zugleich brach von der Seite her die Reserve der sechsten Escadron in den Feind . Die regulairen Reiter wandten sich zur Flucht , im Augenblick war diese allgemein ; im Carriere nach dem Ufer , bis in ' s Wasser der Donau hinein , jagte die türkische Kavallerie , verfolgt von den Ulanen , bis das Flankenfeuer von den Batterien der Insel diesen Einhalt gebot und sie zurücktrieb . Bleich , schwankend auf seinem Roß , den blutigen Stahl noch an der Hand hängend , kam Fürst Iwan in den Reihen der schwergelichteten Escadrons zurück . Ein alter bärtiger Unteroffizier führte am Zügel den prächtig geschirrten Araber , dessen Sattel sein Stoß eben geräumt hatte . - » Sie sind ein Glückskind , Fürst , « sagte der Cornet an seiner Seite ; » ich glaube , es war der Führer dieser Horden , den Sie getroffen haben . Vielleicht findet sich in diesen goldverbrämten Satteltaschen ein Ausweis ; schade , daß wir nicht Zeit hatten , den Kerl selbst zu durchsuchen . « In der That fand man in diesem Reservoir der türkischen Soldaten neben dem Tabacksbeutel die Ordres des Tages , welche erwiesen , daß der Getödtete Hassan -Pascha , der Führer der Kavallerie des Corps , war . Der Oberbefehlshaber selbst kam der zurückkehrenden Kavallerie entgegen und hörte die dem Kommandirenden erstatteten Rapporte an , während die Colonnen sich wieder sammelten und formirten . Hierbei wurden auch die in dem Sattelzeug des gefallenen türkischen Führers gefundenen Ordres und Papiere übergeben , und von einem der Offiziere , der türkisch verstand , schnell übersetzt . Sie schienen von Wichtigkeit , denn während die Artillerie von Neuem ihr Spiel begann , zog sich der General en chef mit dem Kommandirenden des Corps und einigen der älteren Stabsoffiziere zu einem kurzen Kriegsrath zurück . Derselbe war in wenig Minuten beendet , und indeß General Dannenberg auf ' s Neue seine Befehle für den Angriff ertheilte , winkte der Oberkommandirende den jungen Fürsten zu sich . - » Ich gratulire , Herr Capitain « sagte er freundlich ; » Sie haben sich in Ihrer ersten Affaire ausgezeichnet , wie ich sehe , selbst auf Kosten einer Wunde , und uns zugleich einen wichtigen Dienst geleistet . Ich breche in diesem Augenblick nach Giurgewo auf , wo , wie