der Ecke kam von einem alten Mann , dessen sich niemand geachtet , fing Johannes Händel an . Jeder Lump und Stöffel könnte ihm den Hof herauftreiben um Wein oder aus Bosheit . Der alte Hund solle schweigen oder er werfe ihn zur Türe hinaus . Der Alte rührte sich nicht , bot kaltblütig weiter . Johannes wollte ihm auf den Leib , da stund der Alte auf , der Hund auch , und der Alte sagte : Büebli , laß dich nicht gelüsten , du bist am Unrechten . Ich bin der Hagelhans im Blitzloch , vielleicht habt ihr auch schon von dem gehört . Da kann der Schreiber sehen , daß ich nicht bloß bieten , sondern auch zahlen kann , und zwar bar , so viel man will und so schnell man will . Er legte vor den Schreiber eine Brieftasche , und nachdem derselbe hineingesehen , ward er höflich und sagte , ja , so sei es . Und jetzt , frug Hagelhans und streckte seine Glieder , daß er anzusehen war fast wie ein alter Turm aus der Römerzeit , und jetzt , will mich noch jemand hinaustun oder mir das Bieten wehren ? « Aber niemand hatte Lust dazu , weit um ihn stund niemand mehr . Die Einen hatten von ihm gehört und hielten ihn so gleichsam für des Teufels Halbbruder , die Andern erschreckte der große Mann mit dem knurrenden Hunde . Johannes fluchte alle Zeichen , daß der Teufel den hergebracht und daß er ihn nicht gekannt . Es sei eigentlich ein Vetter von der Mutter selig her , habe keine Kinder , und wenn er es gewußt , so solle ihn der Teufel nehmen , den hätte er ins Garn jagen wollen , daß es einen prächtigen Fisch für ihn abgegeben hätte . Solche Kühe seien das lustigste Metzgen , sie fielen gut ins Gewicht , hätten zumeist mehr Fett , als man glaube . Es müsse den Teufel tun , wenn er den Alten nicht um den Finger wickle , ehe die letzte Halbe getrunken sei . Doch Johannes kannte Hagelhans nicht , mußte das Feld räumen , wenn er sein Fell ganz erhalten wollte , und natürlich halfen alle , welchen mit barem Gelde gedient war , daß dem Alten das Gut baldmöglichst zugeschlagen werde . » Jetzt wird er gegangen sein , um Kaufbrief und Zahlung zu besorgen . « » Weißt , was es kostet ? « frug Vreneli . » Gräßlich Geld , « sagte Uli , » sechzigtausend Gulden . Kein Christ bringt da den Zins vom Gelde heraus , und wer weiß , ob er nicht meint , mit Gutmeinen könne er uns locken , daß wir es um diesen Zins übernehmen . « » Zweifle , « sagte Vreneli , » er würde , wenn er das wollte , nicht zum Bodenbauer begehren . Und was hülf es ihm , wenn er uns schon hineinsprengte ; er weiß ja , daß wir nichts haben , begehrt keinen Bürgen , und wo nichts ist , hat ja selbst der Kaiser sein Recht verloren . Mich dauert nur der Johannes und seine Kinder , daß die um das Gut kommen und für immer . Jetzt ist kein Pardon mehr für sie , sie müssen herunter bis zum Bettlerbrot . Er hat uns schlimm behandelt , aber ich kann mir nicht helfen : seine Mutter tat mir Gutes , und nichts kann mich mehr erbarmen , als wenn Familien auf diese Weise zugrunde gehen . Hundert und vielleicht mehr Jahre geht es , bis vielleicht wieder ein Glied derselben festen Fuß faßt , wurzelt , aus dem abgehauenen Stamme ein Sprößling hervorwächst , der wieder sein Haupt erhebt über das niedere Gesträuch . « » Und deine Kinder , erbarmen dich die nicht auch ? « frug Uli , den jetzt eben kein großes Mitgefühl plagte . » Nicht halb so viel , « sagte Vreneli , » die werden gewöhnt , wie sie es ihr Lebtag haben können , lernen arbeiten , kommen hoffentlich einst mit Ehren durch , und wer weiß , was aus ihnen wird , was recht Gutes , so Gott will . Was jene an Gut haben , verprassen ihnen die Eltern , zu was Besserm helfen sie ihnen nicht . Was meinst , wer ist mehr zu bedauern , wenn sie nichts erben , ihre Kinder oder unsere Kinder ? « Er meine es nicht so , sagte Uli , sondern er meine , jene Kinder gingen sie nichts an , die ihren wohl . Böses wünschen wolle er ihnen nicht , aber sagen müsse man doch : wenn es ungeheißen komme , unverdient sei es nicht . » Uli , Uli , nicht so , « sagte Vreneli ; » sind nicht vielleicht auch noch Leute , die sagen könnten , Gott strafe unsere Kinder um der Eltern willen ? « Uli stutzte , gab Vreneli die Hand und sagte : » Du hast recht ! Wie schnell man doch so was vergißt ! Umsonst sollst du mich nicht gemahnt haben . « Hagelhans kam zurück , Vreneli war mit dem Essen noch nicht fertig . » Jetzt ist das Geschäft mein , jetzt will ich mir es recht ansehen , da gibt es was zu schaffen . « Die Sache hätte man in Ehren gehabt , so gut man gekonnt , sagte Uli , dem die Bemerkung ins Fleisch gegangen war . Aber Joggeli hätte nicht gerne Geld ausgegeben für Handwerksleute , er selbst hätte es sonst zu brauchen gehabt . Er hätte auch nicht immer alles aufputzen können ; wenn man das Meiste mit fremden Leuten machen müsse , so graue es einem am Ende des Jahres über die vielen Taglöhne . Daneben sei das Haus so alt nicht , noch währschaft , mit Wenigem komme man weit . Der Alte sagte nicht viel darauf , guckte überall herum , und als sie zum Essen kamen , sagte er Vreneli : » Was sagst du dazu , wenn ich ein neues Haus da baue , eins , das einer hoffärtigen Frau besser ansteht als diese alte Hütte ? « Vreneli meinte , das werde ihm nicht Ernst sein , wäre Sünde . » Denn das hieße das Geld in Bach geworfen , das alte ist noch hundert Jahre gut . « Den Alten hatte der seltsame Baugeist ergriffen , der unwiderstehlich fassen soll , wer sich ihm einmal ergeben hat . Das alte Haus schien ihm Reparaturen nicht wert , zu klein , zu unkommod , zu viel Hüttchen aller Art darum herum , so übel anzusehen , so unbequem ; man müsse , sagte er , was zusammengehöre , unter ein Dach ziehen . Er sprach , als ob morgen der Bau beginnen müßte , daß Vreneli endlich sagte : Wenn es an seiner Stelle wäre , so wollte es sich einstweilen damit nicht so plagen ; sollten sie dableiben , so wollten sie ja zufrieden sein , sie begehrten es nicht besser . Dann dünke ihns , man hätte ihm einstweilen stark genug zu Ader gelassen , er sollte froh sein , frisch Atem zu fassen . » Das , Base , wenns erlaubt ist , dies zu sagen , verstehst du nicht « , antwortete Hagelhans . » Kommt einer mal in Zug , dem Geld den Lauf zu lassen , so ist ihm nicht wohl , bis der letzte Kreuzer durch die Finger ist . Der Anfang ist schwer im Sparen und Ausgeben ; wenn Hagelhans was anfängt , so fährt er zu bis ans Ende , halbwegs bleibt er nicht . Doch wegem Weg , wenn wir zum Bodenbauer wollen , so mach dich fertig , es ist Zeit . « Er sei fertig , sagte Uli , er wolle anspannen lassen , wenn er es befehle . » Was anspannen ? « sagte Hagelhans . » Du wirst doch nicht einer von denen sein , welche meinen , daß wenn sie drei Schritte vor das Dach hinausgehen , es gefahren sein müsse ? Das wäre mir nicht anständig . « Es sei wegen ihm , daß er fahren wolle , die Rosse hätten eben nicht viel zu versäumen , sagte Uli . » Meinetwegen braucht es sich nicht , « sagte Hagelhans . » Ob unsere Beine müde werden vom Fahren oder müde vom Laufen , kommt auf eins heraus , und wenn du nicht zu vornehm bist , so schämst dich nicht und nimmst mit mir den Weg unter die Füße . « Dagegen war nichts zu sagen . Siebenundzwanzigstes Kapitel Die dritte Reise zum Bodenbauer Uli mußte sich anstrengen , Schritt zu halten mit dem Alten , der einherschritt wie ein aus einem Hünengrabe erstandener Recke , dem die Leute aus dem Wege gingen und nachsahen mit Verwundern . Uli dachte im Stillen , besonders wenn die Rede des Alten heraufquoll wie ferner Donner : Eigentlich sei es kein Wunder , wenn seiner Zeit die Mädchen eben nicht sonderlich durch ihn angezogen worden seien von wegen seiner Liebenswürdigkeit , dazu sei er doch wohl zu groß und unghürig . Sein Tun in früheren Jahren mochte seiner Gestalt entsprochen haben . Wenn man zusammen wandert , so gibt ein Wort das andere , unvermerkt rutscht man der Materie zu , von welcher man gerne spricht , die Alten gerne von Jugendzeit und Jugendstreichen . Uli hörte mit offenem Munde zu . Er glaubte auch was verrichtet , manchen tüchtigen Streich ausgeteilt zu haben , aber gegen Hagelhans war er ein bloß Kind gewesen . Der hatte Schlägereien gehabt , daß das Blut durch die Straße floß , Schabernack geübt und zwar groben , wo er konnte . Er hatte eine eigene Freude daran gehabt , den lieben Gott zu machen und zu züchtigen und zu plagen mit grober Hand , wen er für schlecht hielt oder wer ihm sonst nicht gefiel ; denn es ist Vielen schwer , zwischen Beiden zu unterscheiden auf die rechte Weise . Er hatte Geld verklopft , ein Pferd hätte es kaum gezogen , dafür aber auch einen Namen gehabt , mit dem man die Kinder zu Bette jagte ; das Wort » Wart , Hagelhans nimmt dich ! « war ein Zauberspruch . Wenn er in einem Wirtshause erschien , so wars , als sei der Kindlifresser gekommen : allgemach schoben die Leute sich zur Türe hinaus , der Wirt räumte so unvermerkt als möglich alles Zerbrechliche weg , und die Stubenmagd tänzelte so graziös als möglich um ihn herum , wie ein Pudelhündchen um einen Löwen , doch wohlweislich immer sechs Schritte ihm vom Leibe . Hans rühmte sich alles dessen eben nicht , er sah zu wohl ein , wie er den Menschen vorkommen mußte und wie schreckhaft er sich aufgeführt , aber er erzählte doch mit einem gewissen Behagen , ungefähr wie man überstandene Krankheiten erzählt , erlebte Gefahren , Gespenster- oder sonst Geschichten . So kamen sie an das Ziel ihrer Reise , Uli wußte fast nicht wie . Bodenbauers waren eben beim Nachtessen , als die Beiden klopften und auf ein lautes » Herein « , in die Stube traten . Als der große Mann mit seinem großen Hund in die Stube kam , ging es fast wie ehedem in den Wirtshäusern ; es erschraken alle , selbst den Bauer überfloß ein gewisses Erschrecken . Unwillkürlich wurde das naturgemäße Manöver ausgeführt : hinter dem Vater , dem Schild und Schwert der Familie , barg sich alles . Befangen streckte der Bodenbauer dem Hagelhans die Hand zum Willkomm und sagte : » Ihr seid es , aber ich hätte eher den Kaiser von Rußland bei mir erwartet als Euch . Sah Euch an die zwanzig Jahre nicht , und es hieß , Ihr ginget nie vom Hause . « » Man sagt manches in der Welt , « sagte Hans , » was nicht wahr ist , « bot der Bäuerin die Hand , und die schlotterte wie ein Mädchen , wenn es die Hand zum erstenmal einem Jungen geben soll . In Hans wachte offenbar der alte Schalk auf und hatte seinen Spaß an diesem Schreck und Schlottern . Uli machte den Vermittler , stellte Hagelhans als den neuen Glunggenbauer vor und sagte , sie kämen , um mit Johannes über die Sache zu reden . Die Bodenbäuerin wurde ganz bleich , als sie das hörte . Nun , auf das Geld habe ich so stark nicht gerechnet , dachte sie , das ist verloren und ich will nichts dazu sagen ; aber die armen Leutchen dauern mich , die sucht doch unser Herrgott einmal um das andere wohl stark heim . Erst das Hagelwetter , jetzt noch Hagelhans als neuer Bauer , der schindet sie lebendig . Auch Johannes konnte sich ähnlicher Gedanken nicht erwehren , vergaß jedoch die Pflichten der Gastfreundschaft nicht , hieß sich setzen und essen . Besondern Platz zu machen am Tische für die Gäste brauchte er nicht , denn kaum war die Tür frei , so war der ganze Haufe verschwunden , an das Essen dachte Keiner mehr . Sie hatten manchmal vom Hagelhans im Blitzloch reden hören als wie von einem greulichen Kobold und manchmal gewünscht , wenn sie ihn doch einmal sehen könnten , aber nur von weitem . Jetzt hatten sie ihn gesehen , nur zu nahe . Hagelhans hatte die alte Sünde nie ablegen können , sich den Leuten als den zu geben , für welchen sie ihn nahmen , wendete oft größere Mühe an , sein Gutmeinen zu verbergen , als Heuchler anwenden , gutmeinend zu scheinen . Merkwürdig war , wenn er gegen diese Sünde kämpfte , wie bald das Gutmeinen hervorbrach und dann wieder desto greller die Bosheit , wie wenn am gewitterhaften Himmel bald die Sonne scheint , bald die Blitze zucken durchs schwarze Gewölke . Er habe die Glungge nicht gerne in fremden Händen gesehen , und da er niemand hätte auf der Welt , der nach ihm frage , so habe er auch niemanden zu fragen , wenn es ihn gelüste , einige Kreuzer mehr oder weniger wegzuwerfen , bemerkte er dem Bodenbauer . Er würde gerne noch einige Handvoll nachwerfen , wenn er wüßte , was jetzt die alte Glunggenbäuerin im Himmel dazu sage und was sie für ein Gesicht mache , daß Hagelhans Glunggenbauer geworden ! Nun könne er nicht alsbald aus dem Blitzloch fort , sondern müsse einen Pächter haben auf der Glungge . Man sei halt geschlagen mit solchen , aber der , welchen er gefunden , scheine ihm von den weniger schlechten zu sein , und noch dazu sei er Götti von einem Kinde des Pächters und solle sogar dessen Vetter sein ; da müsse man begreiflich ein Einsehen tun , auf die Gasse begehre er die Leute nicht zu bringen . » Uli ist dir schuldig und du warst sein Bürge . Nun wirst du nicht ferner Lust haben , die Finger in die Tinte zu stoßen ; ich habe aber auch nicht Lust , einen Pächter anzustellen , den mir einer , sobald es ihm beliebt , auspfänden und bloß machen kann ; ich mache dies lieber selbst , wenn es sein muß . Du hast den vorigen Akkord machen helfen , und jetzt mußt auch unsern machen helfen . Uli , der Vetter , hat das Zutrauen zu dir , weil der vorige so gut gewesen , und ich habe nichts dawider . Er soll nicht meinen , daß ich ihn übernehmen will . Aber vergessen muß man jedenfalls nicht , daß der Hof mich sechzigtausend Gulden kostet , nicht gerechnet , was ich verbauen muß ; daneben mag ich es den Leuten gönnen , daß sie wieder aufkommen . « Du alter Schelm , dachte Johannes , bist immer der gleiche Unflat , aber diesmal fängst du uns nicht ; ehe wir eintreten , muß ich mit Uli reden . Die Bodenbäuerin hatte sich erholt , erfüllte ihre Pflicht als Wirtin wieder , und als man mit Essen fertig war , unterhielt sie sich mit Uli . Da sagte der Bodenbauer zu Uli : » Komm doch geschwind mit mir in den Stall , während es noch Tag ist ; möchte dir ein Füllen zeigen und fragen , was du meinest , ob ich es fällen oder zum Hengst geraten lassen soll . « » Weißt was , « sagte Hagelhans , » schick die Frau mit Uli hinaus , er ist hübscher als ich und lieber geht sie mit ihm in den Stall , als daß sie bei mir in der Stube bleibt . Hätte übrigens auch noch ein Wort mit dir zu reden . « Die Bodenbäuerin kriegte einen Kopf so rot wie ein Kupferkessel , aber eine Antwort wollte ihr nicht kommen . Draußen erst brach es ihr los im Halse , und hageldick flogen ihr die Schimpfwörter aus dem Munde , daß die Kinder sagten : » Mutter , Mutter , um Gottes willen , was hast du ? So tatest du nie , mache die Haken auf am Göller , du erstickst ja ! Herr Jeses , Herr Jeses , was hast ? « » Das Ungeheuer , der Unflat , der Utüfel , was er ist ! Daß doch einen Solchen Gottes Erdboden trägt ! Ich habe von dem schon gehört , als ich ein junges Mädchen war , aber gesehen habe ich ihn nicht . Da war nichts Schlechtes , was man ihm nicht nachredete , der Schlechteste war er , der je in einer Menschenhaut über die Erde lief . Den schönsten Mädchen lief er immer nach , und wenn sie nichts von ihm wollten , verfolgte er sie schrecklich , sie waren ihres Lebens nicht sicher vor ihm . So machte er es der Glunggenbäuerin , noch viel schlechter soll er es deiner Frauen Mutter gemacht haben . Man erzählte Sachen , ich darf sie nicht denken , geschweige aussprechen . Er quälte sein Lebtag alle Menschen ; Teufel und Hagelhans sind wie Brüder , wer besser sei , weiß man nicht . Und jetzt muß der Unflat mir noch ins Haus kommen , mich beschimpfen , und wir sollen helfen euch ihm ins Netz jagen und unglücklich machen . Nein beim Hagel , der Utüfel muß doch auch er , fahren , was man auf ihm hält und daß man ihn kennt und daß nicht alle Leute sich vor ihm fürchten und daß er nicht machen kann bis zu allerletzt , was er will , der Unflat , der Utüfel ! Daß ihr mir aber auch nicht ds Herrgotts seid , mit dem alten Unflat euch einzulassen , sonst halte ich mein Lebtag nichts mehr auf euch . Wir haben , wenn es sein muß , für euch zu arbeiten und zu essen . Was er an der Mutter nicht alles ausüben konnte , das wird er mit der Tochter treiben wollen , das Untier ! « So begehrte die Bodenbäuerin draußen vor dem Hause auf , daß man mit keinem Hämmerlein hätte dazwischenkommen können und es Uli ganz angst wurde , daß er nicht hineinging , bis es dämmerte und Johannes mit seinem Gaste herauskam . » Wie habt ihr das Füllen gefunden ? « fragte Hagelhans , und der Spott zuckte ihm in jeder Runzel . » Geht und seht selbst , Ihr versteht Euch besser darauf als ich , « schnellte die Bäuerin und fuhr ins Haus , als ob sie auf einem Hexenbesen säße , der Rest ihr nach bis an Uli , der nicht wußte , sollte er auch gehen oder sollte er bleiben . » Kannst es ihm jetzt sagen , « sagte Hagelhans zum Bodenbauer . » Uli , « sagte der Bodenbauer , » wir haben einen Akkord abgeredet , ich soll ihn ausfertigen lassen , wenn du damit zufrieden bist ; ich denke aber Ja , ich hätte ihn mir nicht besser erdenken können , wenn ich schon gewollt hätte . Du bekömmst den Hof auf zehn Jahre , die gleichen Zugaben , brauchst hundert Taler weniger Zins zu zahlen und kannst einen Zins immer verzinsen , wenn du das Geld zum Betrieb brauchst . Auszurichten hast du nichts als den Bauer zu speisen , wenn er da ist , und will er das Stöcklein beziehen , welches er sich vorbehalten , so macht sich dies dann besonders . Das ist die Hauptsache , damit , denke ich , kannst du wohl zufrieden sein . « Uli wußte nicht , was er sagen sollte , war das , was er hörte , ein Glück oder eine Mäusefalle . Endlich frug er : » Und mit den Schulden , wie ist dies ? « » Der neue Bauer übernimmt sie , « sagte der Bodenbauer . » Ich wollte zuerst sie nicht abtreten , aber als er es nicht anders haben wollte , machte ich es mit ihm , daß er sie die ersten fünf Jahre nicht absagen darf , bis dahin wirst du dich hoffentlich erholen können . « Da Uli mit der Sache immer noch tat wie mit einem vortrefflichen Bissen , mit dem man aber den Mund zu verbrennen fürchtet und ihn daher erst von allen Seiten anbläst , so sagte der Alte , der den Handel wohl merkte und dem der Spott im ganzen Gesichte herumfuhr wie ein Schwärmer durchs Gras : » Wenn du nicht weißt was du willst , so besinne dich . Gehe das Land auf , das Land ab bei jedem Babi zRat , dann sage ab oder zu , wenn ich noch lebe ! Gut Nacht ! « Uli mußte mit , da sie in einer Stube schliefen , konnte es aber lange nicht zum Schlafen bringen . So hatte es aber auch der Bodenbauer . Der Bodenbauer war den berüchtigten Gardinenpredigten ganz entwöhnt . Mann und Frau lebten so einig , verstunden sich so gut , daß ein Blick , ein Wort genügte , sich zu verständigen . Aber wohl , diesen Abend brach eine los , daß der Mann lange seinen Ohren nicht traute , nicht wußte , kam sie wirklich von seinem Weibe oder von einem bösen Geiste . » Mit einem solchen Utüfel und Untier machst du gemeine Sache , « brach es bei der Frau los , » um zu deinen paar Batzen zu kommen und die armen Leutchen um alles zu bringen , nicht bloß um das Geld ! Das wird die Leute wundern , wenn sie vernehmen , was der Bodenbauer , vor dem sie so lange Respekt gehabt , für einer sei , und lange Zeit werden sie nicht wissen , ist er zu einem Esel geraten oder zu einem Schelm und untreuen Manne . Mich selbst nimmt es wunder für welchen von beiden man in Zukunft ihn halten solle . « Das ist so gleichsam der Text , über welchen die Bodenbäuerin predigte . Die Predigt war viel länger und bündiger . Endlich konnte der Bodenbauer sagen : » Frau , du gibst dir viel zu viel Mühe , die Sache ist anders , ganz ds Gegenteil ! « Potz Himmeltürk , bisher war der Bodenbauer im einfachen Plotonsfeuer gewesen , jetzt kam er unter Vierundzwanzigpfünder . Wer mal dabeigewesen ist , wenn die krachten , der weiß , was dreinreden hilft . Endlich sagte der Bodenbauer , als ihm schien , die Munition sei am Ausgehen : » Du tust wie ein trunkenes Fraueli , weiß gar nicht , was dich ankömmt . Habe dich nie so gesehen als sechs Wochen nach der Hoch , zeit , da du einmal eifersüchtig wurdest auf deine eigene Großmutter . Wann du ausgeredet hast , so sags . Ein Wörtlein möchte ich endlich doch auch dazu sagen . « Aber es surrete lange noch bei der Bodenbäurin , ehe sie sagte : » Nun , so rede ! Es würde mich doch wunder nehmen , was du dazu zu sagen hast ? « Der Bodenbauer setzte der Frau die günstigen Bedingungen der Pacht auseinander und frug , ob da böser Wille sein könne . » Du Tropf , « sagte die Frau , » daß du das nicht einsiehst , das ist gerade so wie beim Teufel ; er verspricht alles , um nichts als nur arme Seelen in seine Klauen zu kriegen . « » Du hast unrecht , Frau , « sagte der Bodenbauer . » Der Mann hat sich in meine Hand gegeben und mir Sachen gesagt und aufgetragen , daß ich weiß , woran ich mit ihm bin , und daß vielleicht nicht Viele herumlaufen , welche bräver sind als der verrufene Hagelhans , und daß Uli ein glücklicherer Mann werden kann als bald einer . « » Was hat er dir denn gesagt ? « frug die Bodenbäurin . » Ich mußte ihm versprechen , es niemanden zu sagen , bis er es mir erlaube « , sagte der Bodenbauer . » Ho , mir doch wirst du es sagen können « , sagte die Bodenbäuerin . » Darf nicht , « sagte der Bodenbauer , » er hat noch extra gesagt , dir solle ich es nicht sagen , und ich habe es ihm in die Hand versprechen müssen . « Potz Himmel , wie ging da das Feuer frisch auf , und wer mal selbst solch Ehespektakel erlebt hat , kann sich den Gang des Stückes denken und wie manchen Aufzug es gab . Doch vielleicht ist selbst dem Erfahrensten das Ende überraschend . Der Bodenbauer hielt sein Wort ; was er versprochen hatte , nicht zu sagen , das sagte er nicht . Das ist selten ! Es mag der Welt unglaublich , ja unnatürlich scheinen , und doch ist es ganz einfach und naturgemäß . Der Bodenbauer hatte seiner Frau keine eigenen Geheimnisse zu verschweigen , darum konnte er fremde bewahren . Wer aber eigene Geheimnisse hat , sucht gerne mit dem Ausplaudern fremder Geheimnisse die seinen zu verdecken , die Weiber abzulenken . Wir wollen offen sein und gestehen , der Schluß befriedigte die Bodenbäurin durchaus nicht . Die Bodenbäurin verarbeitete eine schlaflose Nacht , nicht eigentlich wegen der Neu , gierde , sondern , wie sie sagte , daß der Mann sie so wenig liebe , ihr so wenig traue , daß er nach fünfundzwanzig Jahren ihr nicht sagen möge , was ihm gesagt worden sei . Als es endlich gegen Morgen ging , kam es ihr , denn sie war vernünftig wie selten eine , Versprechen sei eigentlich Versprechen und Ausnahmen seien Ausnahmen und Löcher ins Versprechen , und wo mal ein Loch sei , sei die Sache nicht mehr ganz . Ihr Mann hatte dem Hagelhans was versprochen , er habe aber auch ihr versprochen Treue und sonst noch viel . Sie begehre , daß er ihr halte , und sie glaube , er habe es getan ; warum solle sie ihn verführen , daß er jemand anders nicht halte ? Genau genommen sei das schlecht von ihr , und wenn er ihr abfalle , so geschehe es ihr ganz recht ; dem Einen recht , dem Andern billig . Es tat der Bäurin sehr leid , daß es so lange gegangen war , ehe sie dies begriff , und als am Morgen der Mann erwachte , da bat sie ihn dringlich , daß er ihr doch nicht zürne . Da hätte er es bei einem Haar gesagt , denn er war noch schlaftrunken und die unerwartete Liebe war fast wie ein englischer Zapfenzieher , welcher alles öffnet . Zu rechter Zeit noch erwischte er das entspringende Wort beim Bein und sagte bloß : » Zähle darauf , die Sache kömmt gut . Mache Uli guten Mut , und einst werden die Leute das Maul offen vergessen und nicht Babi sagen können vor lauter Verwundern . « Am Morgen wußte die Bodenbäurin nicht recht , wie sie mit Hagelhans umgehen solle . Hagelhans schlug ihr seine großen Augen ins Gesicht , so gleichsam als ein Blasenpflaster , welches wieder herausziehen konnte , was nicht drin sein sollte . Die Bäurin merkte gleich , was das sein solle , und sagte : » Habt nicht Kummer , ich habe einen wüsten Mann ; eigentlich sind alle wüst , aber meiner vor allen , sagt mir nichts , als was er gerne will . Nun , ich bin auch nicht halb so neugierig , es wäre mir ein Leid , wenn ich alles wissen müßte , was mich nichts angeht . Es gibt dagegen Sachen , welche man gerne wüßte und wo dies wohl zu verzeihen ist . Wenn man zum Beispiel jemanden für gutmeinend halten soll , den man für einen Unflat gehalten , so wäre einem ein Warum doch vielleicht erlaubt . « » Auf ein Warum von der Frau paßt nichts besser als ein Darum vom Mann . Das ist der wahre Mannsbrauch « , sagte Hagelhans . » Wie weit kam Mancher mit solchen Bräuchen ? « antwortete die Bodenbäuerin mit sanfter Stimme , aber dem bekannten Weiberblick , welchen sie an die Worte heften , welche zünden sollen , gleich wie das berühmte griechische Feuer ehedem auch mit Pfeilen geschossen wurde . Da tat der Hagelhans seine Augen wieder weit auf und sagte : » Habe er es dir nun gesagt oder nicht gesagt , so bedenke , daß wenn ein Wort von dem geschwatzt wird , was ich ihm gesagt , aus allem nichts wird , du aber dein Lebtag reuig wirst , so wahr ich Hagelhans heiße . Jetzt mache , was du willst . « Die Weiber haben zuweilen ein eigen Geschick , zu treffen aufs Geratewohl , daß man meinen sollte , sie kennten das Ziel und hätten scharf gezielt , und ist doch all nichts . Die Bodenbäuerin beteuerte umsonst , sie wüßte wahrhaftig nichts , Hans traute